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DER ROTE FADEN (Band 2): 4. Mildred Brady und die Folgen
13. März 2023Peter liest die kommentierte Neuauflage der Originalausgabe von Reichs MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 9)
2. März 2023Eine subtile Verzerrung durch Andreas Peglau findet sich auf S. 240, wo er Reichs Menschen im Staat zitiert: die braunen Marschkolonen hätten sich in nichts von denen der Kommunisten unterschieden, was „Haltung, Ausdruck und Gesang“ betraf. Peglau verweist in diesem Zusammenhang auf die menschenverachtende Vorgehensweise von kommunistischen Schlägertruppen gegen abtrünnige bzw. oppositionelle Kommunisten, die ganz der der Nationalsozialisten entsprach (S. 240). Reich meinte im Zusammenhang seiner Ausführungen aber etwas grundlegend anderes: daß der erhebende revolutionäre Geist der SA und der Rotkämpfer identisch war.
Das macht ja die ganze Tiefe von Reichs Massenpsychologie des Faschismus aus: daß er im „Nazi“ nicht schlichtweg das nicht weiter reduzierbare „Böse“ sah, sondern sich auf die Gefühls- und Gedankenwelt des Nationalsozialismus einließ. Darauf weist im übrigen Peglau selbst hin auf S. 253f.
Hervorragend auch, wie er den Schritt von Freud zu Reich herausarbeitet. Freud hatte 12 Jahre zuvor in Massenpsychologie und Ich-Analyse auf zeitlose Konstanten rekuriert: die primitiven Triebe entziehen sich der Kontrolle, kennen keinen Aufschub mehr, während die Massen gegenüber dem Führer zu Kindern werden, die, ihre eigene Individualität aufgebend, sich mit dem Vater identifizieren. Reich hingegen arbeitete, so Peglau, die wechselseitige Beeinflussung und Abhängigkeit heraus, d.h. die Geführten sind ebenfalls verantwortlich. „Daher konnte er auch größeren Menschengruppen zubilligen, mehr zu sein als gleichgeschaltete Handlanger eines Alleinherrschers“ (S. 253). Erst recht verweist Reichs Umgang mit Marx auf sein wenige Jahre später herausgearbeitetes Konzept der Arbeitsdemokratie: die Arbeitenden handeln gegen ihre eigenen „Klasseninteressen“ (S. 254). Das verweist auf den von Reich in der amerikanischen Ausgabe von 1946 herausgearbeiteten Gegensatz von politischem Irrationalismus und Arbeitsdemokratie.
Ansonsten? Im großen und ganzen sind Peglaus Ausführungen interessant, teilweise hervorragend und durchaus ausgewogener, als ich es hier vielleicht vermittelt habe. Mein Problem ist halt, daß ich Peglaus Rechtsruck zuerst gelesen habe! Siehe meine Ausführungen zu diesem Buch hier. Beispielsweise krampft sich in mir alles zusammen, wenn Peglau auf S. 270f Reich zwar recht gibt, daß der Faschismus nicht nur bei Deutschen, Italienern und Japanern zu finden ist, sondern etwa auch bei den Amerikanern und Russen – und in diesem Zusammenhang die Atombombenabwürfe und den GULAG erwähnt, aber nicht die uns doch viel näherliegenden Kriegsverbrechen, insbesondere die gezielt auf Massenmord ausgerichtete Bombardierung von Arbeitervierteln und die ethnische Reinigung der ehemaligen deutschen Ostgebiete.
Im vorletzten Absatz des Buches hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen. Es wird behauptet, Reich wäre 1956 wegen Mißachtung des Gerichts verurteilt worden, weil er nicht allen gerichtlichen Auflagen nachgekommen sei. Dies habe er getan, da ein Gericht nicht über Wissenschaftliches zu befinden habe. Nein, aus dem genannten Grund war er 1954 nicht vor Gericht erschienen, so daß die Verfügung der FDA unwidersprochen in ganzer Härte erlassen wurde. Trotzdem hielt sich Reich an alle Auflagen – bis sein Mitarbeiter Michael Silvert mit dem Transport von Orgonenergie-Akkumulatoren über inneramerikanische Landesgrenzen hinweg eine eklatant kriminelle Handlung begangen hatte, für die nicht nur er, sondern auch Reich geradestehen mußten.
Anhang zu „Peter liest die kommentierte Neuauflage der Originalausgabe von Reichs MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 8)“
26. Februar 2023Reich sagte, Freud sei „jüdisch“ gewesen, während er (Reich) „nicht-jüdisch“ sei. Was soll das heißen? Was macht Freuds „Jüdischsein“ aus? Wir kommen hier zum Grundkonflikt zwischen Freud und Reich! Was ist der Unterschied zwischen der „jüdischen“ Freudschen Psychoanalyse und der „nicht-jüdischen“ Reichschen Orgonomie? Nun, es ist der Unterschied zwischen dem hochintellektuellen Stubenhocker Jakob und dem vierschrötigen Naturburschen Esau aus dem Ersten Buch Mose. Jakob war kalkulierend und konnte seine Triebe kontrollieren („sublimieren“) und wurde so zum Stammvater aller Juden, während Esau seine Geburtsrechte unüberlegt wegwarf, weil er emotional („ausa-GIEREND“) war und von seinen tierischen Instinkten getrieben nach dem Linseneintopf griff. Freud war Jakob (Kontrolle der Libido), während Reich Esau war (Orgasmus-Theorie).
Aus Genesis 25:
27. Die Jungen wuchsen heran, und Esau wurde ein geschickter Jäger, ein Mann des offenen Landes, während Jakob sich damit begnügte, zu Hause in den Zelten zu bleiben. (…)
29. Einmal, als Jakob gerade einen Eintopf kochte, kam Esau vom Lande und hatte Hunger.
30. Er sagte zu Jakob: „Schnell, gib mir etwas von dem roten Eintopf! Ich bin am Verhungern!“ (…)
31. Jakob antwortete: „Verkaufe mir zuerst dein Erstgeburtsrecht.“
32. „Sieh mal, ich sterbe vor Hunger“, sagte Esau. „Was nützt mir da das Erstgeburtsrecht?“
33. Jakob aber sagte: „Schwöre mir zuerst!“ Da schwor er ihm einen Eid und verkaufte sein Erstgeburtsrecht an Jakob.
34. Dann gab Jakob Esau etwas Brot und einen Linseneintopf. Er aß und trank, dann stand er auf und ging weg. Da verschmähte Esau sein Erstgeburtsrecht.
Nicht ähnliches, sondern genau dasselbe schreibt Reich über die Nationalsozialisten. Hier in der Zusammenfassung von Peglau:
[D]er „nationalistische Faschismus [verlege, so Reich,] das Sexualsinnliche in die ‚fremde Rasse‘“. „Nordisch“ werde „gleichbedeutend mit licht, hehr, himmelhaft, rein“, asiatisch oder jüdisch hingegen mit „triebhaft, dämonisch, geschlechtlich, ekstatisch“. Der Nationalsozialist bekämpfe also im Feindbild des Juden auch seine eigene verleugnete Sexualität (S. 81, 84, 92, 94). (S. 259)
Durchgeknallte suprematistische Juden unterscheiden sich in dieser Hinsicht in nichts von „Nazis“! Der zionistische Faschismus verlegt das Sexualsinnliche in die „Goyim“. „Jüdisch“ wird gleichbedeutend mit licht, hehr, himmelhaft, rein, Nicht-jüdisch hingegen mit triebhaft, dämonisch, geschlechtlich, ekstatisch. Der jüdische Fanatiker bekämpft also im Feindbild des Goyim auch seine eigene verleugnete Sexualität. Ich könnte in diesem Zusammenhang auch etwas über die Sexualsymbolik des Davidsterns sagen, dieses Symbol jüdischer Reinheit… Oder darüber, daß Israel ein stinknormales Land ist – voller Rassisten.
Peter liest die kommentierte Neuauflage der Originalausgabe von Reichs MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 8)
25. Februar 2023Peglau schreibt, durch das Einfügen von sechs zusätzlichen Texten, die die Massenpsychologie auf mehr als den doppelten Umfang haben anschwellen lassen, könne von einem „kohärenten Buch“ nicht mehr die Rede sein (S. 231). Dazu ist zu sagen, daß in der Originalausgabe von 1946 (neben einem zusätzlichen Abschnitt über „Die drei Grundelemente des religiösen Gefühls“ im VII. Kapitel) nur eine Einleitung und zwei zusätzliche Kapitel beigefügt wurden: einer über die Entwicklung in der Sowjetunion, die die Diskussion aus dem letzten Kapitel der ursprünglichen Massenpsychologie von 1933 fortführt, und ein abschließendes Kapitel über die Arbeitsdemokratie, die wiederum das vorangehende Kapitel organisch fortführt. In der von Mary Boyd Higgins zu verantwortenden heute „offiziellen“ Ausgabe, wurde diese klare Struktur (Kommunisten scheitern, Faschismus [Kapitel I-VIII der Higgins-Ausgabe] – Stalinismus [Kapitel IX und X der Higgins-Ausgabe] – Arbeitsdemokratie als neuer Ansatz [Kapitel XI und XIII der Higgins-Ausgabe]) leider durch auseinanderreißen der beiden nunmehrigen Schlußkapitel leider buchstäblich zerfleddert und das ganze macht einen zusammengestückelten Eindruck.
Die beiden Schlußkapitel müßten in einer korrekten deutschen Auflage wie folgt überschrieben sein:
IX. MASSE UND STAAT
1. Was geht in den Menschenmassen vor?
2. Die „sozialistische Sehnsucht“
3. Das „Absterben des Staates“
4. Das Programm der Kommunistischen Partei der Sowjetunion
5. Die „Einführung der Sowjetdemokratie“
6. Die Entwicklung des autoritären Staatsapparates aus rationalen sozialen Beziehungen
7. Die soziale Funktion des Staatskapitalismus
8. Biosoziale Funktionen der Arbeit. Das Problem der „freiwilligen Arbeitsdisziplin“
X. ARBEITSDEMOKRATIE
1. Gebt Verantwortung der lebensnotwendigen Arbeit!
2. Die biologische Rechenfehler im menschlichen Freiheitskampf
3. Arbeitsdemokratie versus Politik. Die natürlichen sozialen Kräfte zur Beherrschung der emotionalen Pest
Hier sieht man sofort, den vollkommen logischen und konsequenten Aufbau des Buches! Warum erwähnt Peglau das nicht in seiner Beschreibung der Unterschiede der Ausgabe von 1946 und dem Machwerk von Ms. Higgins?!
Gegen eine Präsentation der Ausgabe von 1933 als eigenständiges Werk ist natürlich nichts einzuwenden. Auch nichts gegen die meisten Ausführungen von Peglau am Ende des Buches. Mehr als befremdlich finde ich jedoch die Aussage, Reich habe, wie Freud, die Bedeutung der menschlichen Sexualität überbewertet, wobei sich Peglau ausdrücklich ausgerechnet auf Erich Fromm beruft… Man lasse sich das mal auf der Zunge zergehen:
Selbst die volle Befriedigung jener „Bedürfnisse, die der Mensch mit dem Tier gemeinsam hat – Hunger, Durst und das Bedürfnis nach Schlaf und sexueller Befriedigung – (…) gewährleistet noch nicht die geistige und seelische Gesundheit, Diese hängt von der Befriedigung jener Bedürfnisse und Leidenschaften ab, die spezifisch menschlich sind“. Freud überwand seine thematische Verengung, indem er das Konzept des Sexual- zu dem eines Lebenstriebes ausweitete, Reich durch Fokussierung einer sämtlichen Lebensvorgängen zugrundeliegenden Energie. (S. 235)
Wie ich schon in Teil 6 schrieb: Es ist, wie immer, der Gegensatz zwischen „Tier“, das sich nicht zügeln kann, und dem rötgrünen verantwortungsvollen „Geistesmenschen“ (vgl. S. 152). – Ich glaub, mein Schwein pfeift! Erich Fromm… Leute!
Eine weitere Schrecksekunde eine Seite weiter: in der Aufzählung der Ursachen des Faschismus in Deutschland fällt neben „Grundwidersprüche des Kapitalismus“ die Wortkombination „Antisemitismus und –kommunismus“ (S. 236). Hhmmm…
Reichs Buch zur Massenpsychologie könnte dazu beitragen „rechte Bewegungen“ zu verstehen und zu bekämpfen, denn „kein destruktives soziales System, ohne destruktiv gemachte Menschen!“ (S. 137). Schön, aber das ist heute allgemeiner gesellschaftlicher Konsens. Antifaschismus und „Sanftheit“ sind heute DER ideologische Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Daher braucht man nun nicht ausgerechnet Reichs Buch gegen Pegida und AfD und putschende Reichsbürger in Stellung bringen!
„Ausgerechnet“? Ja, denn dieses Buch hat weder die Nationalsozialisten noch irgendwelche „Rechten“ groß in Wallung gebracht. Interessanterweise war es die Linke, die auf dieses Buch mit einem nur als viehisch zu bezeichnenden HASS reagiert hat. Unmittelbar nach seiner Herausgabe im August/September 1933 reagierten die Kommunisten mit Reichs endgültigen Exkommunikation (vgl. S. 263). 1946 war die Herausgabe der veränderten und erweiterten amerikanischen Version der Anlaß ihn als „Psychofaschisten“ zu diffamieren, was über Mildred Brady zur Untersuchung der FDA und, zehn Jahre später, zur Gerichtsverhandlung Inhaftierung Reichs führte (vgl. S. 271). Und schließlich führte die Widerentdeckung Reichs ab etwa 1966 auch zu seiner posthumen Erledigung.
Peglau zitiert Reichs Beschreibung der Berliner Polizei in ihrem Vorgehen gegen Demonstrationen der Kommunisten. Sie seien Maschinenmenschen: verbotenes Lied –> Dreinschlagen (S. 140). Überlegen wir mal ganz stark, zu welchen Anlässen die Polizei in Berlin heutzutage genauso reagiert – und auch die Medien, wenn man den Gummiknüppel gegen die Schreibfeder tauscht. Covid 19 hat die Aktualität von Reichs Massenpsychologie des Faschismus gezeigt! Die einzigen Nichtfaschisten in diesem Land waren „Pegida und AfD und die Reichsbürger“!
DER ROTE FADEN (Band 2): 1. Die American Civil Liberties Union und die Redefreiheit
19. Februar 2023Anhang zu „Peter liest die kommentierte Neuauflage der Originalausgabe von Reichs MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 7)“
6. Februar 2023Es geht darum, die Meinungsführerschaft zu übernehmen, die gesellschaftliche Ideologie zu verändern. Wie? Reich meinte, daß man so etwas grundsätzlich nur machen könne, indem man auf einen Zug springt, der bereits abgefahren ist. „Eine sozialwissenschaftliche Anschauung von einigem Format kann nur dann durchdringen und soziale Praxis werden, wenn sie von den Menschenmassen bereits im Leben spontan erworben wurde“ (Die Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 195). (Was paradoxerweise aber auch impliziert: „Man macht Geschichte nur, wenn man Prozesse und Probleme, die der Allgemeinheit verborgen sind, rechtzeitig sieht“ [Menschen im Staat, 1995, S. 45].)
Schließlich gibt es allerorten Bewegung in Richtung Kinder der Zukunft von Leuten, die nie was von Reich gehört haben oder ihn vielleicht sogar hassen. Zum Beispiel die bis die Gesetzgebung eingemündete Ablehnung körperlicher Gewalt gegen Kinder. Aufgabe der Orgonomie wäre es, diese Bewegung zu unterstützen und zu fokussieren. Zu fokussieren in der Richtung, daß es nicht um körperliche Gewalt per se geht, sondern um die Emotionelle Pest, den Haß auf das Lebendige im Kind. Ein Haß, der alle möglichen Äußerungsformen hat.
Um mit Nietzsche zu reden, geht es darum, welcher züchtende Gedanke herrschen soll. Und hier gibt es imgrunde nur zwei Alternativen: entweder ist es der Gedanke, den sowohl der pseudoliberale Westen als auch der reaktionäre Osten vertritt, nämlich daß der Mensch von außen gesteuert werden muß (durch die gesellschaftliche „Wokeness“ oder durch die Tradition) – oder der Gedanke der Selbst-Regulation. Es geht um Willkür auf der einen Seite (irgendwelche willkürlich gefaßten mechanistischen Gesellschaftsverträge oder Offenbarungen mystischer Epileptiker) und die objektiven Gesetze der kosmischen Orgonenergie auf der anderen Seite.
Reichs Entdeckung der Orgonenergie hat die Kindererziehung aus dem Bereich der Meinungen herausgeholt, die in der Charakterstruktur und den kulturellen Vorurteilen wurzeln. Das gesamte Spektrum der Erziehungsprobleme kann nun besser verstanden und rational behandelt werden, wenn man es aus einer orgonomisch-energetischen Perspektive betrachtet. (Richard Schwartzman: „Etiology, Prevention, and Early Treatment of Armoring“, Journal of Orgonomy, 29(1), Spring/Summer 1995, S. 66f)
Und so ist es in allen Bereichen und Fragestellungen: „Reichs Entdeckung der Orgonenergie hat sie aus dem Bereich der Meinungen herausgeholt, die in der Charakterstruktur und kulturellen Voreingenommenheit begründet sind.“
Oder Nietzscheanisch ausgedrückt: Es gibt zwei Beweggründe für die Schaffung von Ordnung: die aus (seelischer) Schwäche und die aus (seelischer) Stärke. Die erstere ist kleinlich, gemein und durch „Angst vor Barbarei“ (Angst vor den Starken) geprägt, die letztere durch Großmut und die Kraft Unordnung zuzulassen und auszuhalten. Die erstere ist unflexibel, da sie sich nach einer ewig unveränderlichen Blaupause richtet, die letztere ist funktionell, d.h. sie steht in Übereinstimmung mit sich innerhalb vorhersehbarer, da naturgegebener Grenzen ewig ändernden unvorhersehbaren, weil spontanen Wirkungszusammenhängen.
















