Posts Tagged ‘Diebstahl’

Das sozialistische Patientenkollektiv (Teil 3)

16. April 2019

Man kann das, was in der Praxis der Orgontherapeuten geschieht auf die Gesellschaft übertragen. Zwar hat diese kein Über-Ich, kein Unbewußtes und keine „Komplexe“, doch jenseits von diesen psychologischen Vorstellungen: alle Systeme folgen den, wenn auch auf ihre jeweils spezifische Art und Weise, identischen energetischen Gesetzmäßigkeiten, etwa was die Abwehr („Reaktion“) von bioenergetischen bzw. „bio-sozialen“ Impulsen („Revolution“) betrifft. Aufkleber wie folgender sagen alles, doch nur die Orgonomie versteht wirklich, was sie eigentlich im Grunde aussagen:

Dem werden natürlich Aufkleber wie der folgende entgegengehalten:

Was soll man DAGEGEN einwenden können! Klingt gut, aber „Selbstorganisation statt Lohnarbeit“ kann nur jemand fordern, der wohlbehütet aufgewachsen, danach ohne jedwede Lebenserfahrung an die Uni gegangen ist und die Welt nur durch die rosarote Brille betrachtet. Jemand, der in der Jauchegrube dieser Gesellschaft aufgewachsen ist, die Unterschicht und ihre Kinder auf viszeraler Ebene kennt, weiß, daß ein Gutteil nicht arm ist, weil „der Kapitalismus“ so unerbittlich ist, sondern sie sind arm, weil sie schlichtweg einen „Dachschaden“ haben. Sie leben nicht in der Hölle, die Hölle ist vielmehr in ihnen. (Wann und wie in der Generationenfolge diese Hölle in sie gelangt ist, d.h. wie sich die äußere Hölle im Inneren verankert hat, ist eine ganz andere Frage!) „Befreit“ man sie von der Lohnarbeit, wie es „Hartz IV“ in gewisser Hinsicht getan hat, dann verlieren sie auch noch den letzten Halt. Der Zwang fünf Tage die Woche ganztägig zu malochen, ist ein absoluter Segen für sie – und nicht zuletzt für die Gesellschaft. Was passiert, wenn man diese Massen „befreit“, hat nicht zuletzt die Sowjetunion gezeigt. Schließlich mußten die Leiter der „volkseigenen Betriebe“ zu weitaus härteren Maßnahmen greifen, gar mit Konzentrationslagern und physischer Vernichtung drohen, um sinnlosen Vandalismus, ständige Arbeitsverweigerung und den „Diebstahl an Volkseigentum“ einzudämmen und die Gesellschaft in Gang zu halten. Wegen der gepanzerten Menschen muß jedweder Sozialismus, egal wie human sein Antlitz ist, letztendlich in der Hölle auf Erden münden.

Wenn man den sozialistischen und anarchistischen Wichsern sagt, daß der Kapitalismus mit seiner Mischung aus Zwang und Freiheit wahrscheinlich das ideale Gesellschaftssystem bzw. das Gesellschaftssystem ist, das einen Grad an Gesundheit verkörpert, den der gepanzerte Mensch gerade so noch eben ertragen kann, ticken sie auf die eine oder andere Weise aus. Sozialisten und Anarchisten sind schlichtweg Irre, die in die Psychiatrie gehören. Das sozialistische Patientenkollektiv:

Funktionalismus bei Hans Hass (Teil 4)

2. Januar 2014

Hans Hass zufolge ist der Staat der Menschen grundsätzlich verschieden vom Tierstaat, etwa dem bei Ameisen oder Bienen, denn bei den Tieren gibt es nur jeweils eine Art (etwa Termiten), die zusammenleben, während sich der Staat aus zahllosen „Arten“, nämlich Menschen mit unterschiedlichsten Berufen zusammensetzt. Wegen der unaufhebbaren innerartlichen Aggression (die gemeinsamen Ressourcen einer „Berufs-Art“ sind begrenzt) und weil die zusätzlichen Organe nicht fest mit dem Hyperzeller verbunden sind, ist das staatliche Gewaltmonopol zum Schutz vor Gewalt und Diebstahl ein Muß, egal welche Charakterstruktur die Menschen haben, wie „rational“ und „arbeitsdemokratisch“ der einzelne Mensch und die Gesellschaft als Ganzes auch immer sein mögen. Das kommt durch den Spruch „Beim Geld hört die Freundschaft auf!“ sehr gut zum Ausdruck. (Wir sprechen hier nicht von Stammesgesellschaften mit Clanstrukturen, sondern von modernen Staaten!)

Dieses Absehen von der individuellen Charakterstruktur ist dem arbeitsdemokratischen Denken nicht so fremd, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Der Kern der „Arbeitsdemokratie“, die wechselseitige Dependenz, ist vollkommen unabhängig von der individuellen „Triebstruktur“ der Menschentiere, da die Subjekte der Arbeitsdemokratie nicht etwa Menschentiere, sondern Berufskörper sind. Reich selbst bringt diesen Gedanken wie folgt zum Ausdruck: „Es ist völlig gleichgültig, ob ein Baumeister, Arzt, Lehrer, Dreher, Erzieher, etc. Faschist, Kommunist, Liberaler oder Christlicher ist, wenn es darauf ankommt, ein Schulgebäude zu errichten, Kranke zu heilen, Kugeln zu drehen oder Kinder zu betreuen“ (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 333).

Das aus orgonomischer Sicht Verwirrende bei Hass ist sein Diktum, daß auch Raub Arbeit ist. Nach Hass ist auch „Dieb“ ein Beruf, dazu zitiert er zustimmend Werner Sombart: „Nach meiner Definition ist also Arbeit ebenso die Tätigkeit, die der Dieb aufwendet, um einen Einbruch auszuüben, obwohl sie (sozial) schädlich ist.“

Der Energontheorie zufolge muß der Energieerwerb möglichst ökonomisch erfolgen, d.h. er darf selbst möglichst wenig Energie kosten. Die Devise lautet: Verfahre möglichst so, daß du möglichst schnell und möglichst präzise, bei möglichst geringem eigenen Kraftaufwand, ein Maximum an Gewinn erzielst! Was sollte da effizienter sein als Raub?! Noch besser: den Konkurrenten das von ihnen Erbeutete abjagen. Man selbst darf nichts und niemandem trauen, denn die Beute könnte einem von Konkurrenten entrissen oder man sogar selbst Opfer eines Räubers werden. Genau diese „Vorgehensweise“ beobachten wir alltäglich im Tierreich.

Und nicht nur Tiere verhalten sich so, sondern auch das Menschentier gegenüber den Umwelt. Hass:

Ob es darum ging, nach Früchten und Beeren zu suchen, Insekten aus ihren Verstecken hervorzustochern, Kaninchen aus ihren Bauten zu jagen und zu töten oder in organisierter Treibjagd Großwild den Garaus zu machen: In jedem Fall war irgendeine Rücksichtnahme auf die einmal entdeckte und gestellte Beute völlig fehl am Platz. In jedem Fall war es zweckmäßig, so viel der erbeuteten organischen Substanz zu verwerten und sicherzustellen als möglich (…). In jedem Fall war es zweckmäßig, das Raubhandwerk immer noch besser zu handhaben – jede List, jede Übertölpelung war hier ein Fortschritt und Vorteil.

Warum sollte das bei den Hyperzellern, d.h. im Berufsleben anders aussehen? Auch hier sollten Raub, Mord und Todschlag doch am effizientesten sein? – Nein, sie sind es, so Hass, dezidiert nicht, weil nämlich die Energiegewinnung im Menschenreich vollständig anderer Natur ist als im Tierreich.

Mit den Berufskörpern wird erstmals in der Entwicklung der Energone die lebensnotwendige Energie nicht mehr durch Raub, bei dem immer einer der Gewinner und einer der Verlierer ist, sondern über einen Tauschakt erlangt, bei dem alle nur Gewinner sind. „Rücksichtsloses Verfolgen der eigenen Interessen“ führt deshalb nicht zu Wohlstand, sondern (langfristig) in den Ruin. Die Nähe von Hass‘ Konzept zu dem der Arbeitsdemokratie ist offensichtlich.

Daß sich die Menschentiere entgegen aller ökonomischen Vernunft weiter so verhalten, als wären sie, wie alle Tiere vor ihnen, Räuber („Raubtierkapitalismus“), macht den von Hass beklagten „Psychosplit“ aus: der Kunde bedeutet für den Anbieter Nahrung (er kann mit seiner Hilfe sein Leben fristen) und wie bei einem bedingten Reflex löst der Kunde die Raubinstinkte des Anbieters aus.

Signalisiert jemand einen „Bedarf“, gibt er damit, ähnlich wie ein Reh das lahmt, eine seiner Schwachstellen preis. In der „freien Wildbahn“ würde diese Schwachstelle erbarmungslos ausgenutzt werden und das Reh von seinen Raubfeinden gerissen. In der Wirtschaft sieht das grundlegend anders aus: hier kann ich den Kunden (also die Quelle meiner Energie) nur für mich gewinnen, wenn ich sein Problem zu dem meinigen mache und es behebe. Natürlich hat etwa der Schuster einen kurzfristigen Vorteil, wenn er seinen Kunden mit schlechtem Material und schlechter Verarbeitung übervorteilt, – aber langfristig hat er diesen und, wenn es sich herumspricht, weitere Kunden verloren und sich so seiner eigenen Existenzgrundlage beraubt. Oder mit anderen Worten: die Erfolgsstrategie der ersten Phase der Evolution, nämlich rücksichtsloser Egoismus, führt in der zweiten Phase der Evolution in den Ruin. „Während es für den Räuber ohne Interesse und Relevanz ist, daß das Opfer ‘seiner freundlich gedenkt’, ist dies beim Erwerb über Tauschakte diametral verschieden. Hier beeinflußt ein Erwerbsakt den nächsten in entscheidender Weise.“

Für den Berufskörper sind nicht mehr die in fremdem Zellgewebe gespeicherte Energie und Stoffe die Quelle des Lebens, sondern ganz im Gegenteil der Mangel an Energie und Stoffen, unter dem andere leiden. Ein Schuhmacher braucht nicht mehr auf die Jagd gehen, nichts anpflanzen oder Vieh halten, sondern kann alles, was er benötigt, darunter Nahrung, gegen das von ihm hergestellte zusätzliche Organ „Schuh“ eintauschen, das andere zum Überleben brauchen.

Doch leider wird der Kunde allzuoft vollständig gleichgültig, denn sämtliche Triebkräfte des Anbieters fokussieren sich allzuleicht auf den „Universal-Schlüsselreiz“ Geld. Das Geld wird zum „übernormalen Schlüsselreiz“, weil sich der Anbieter mit dem Geld Nahrung und zusätzliche Organe für seinen Luxus- und Erwerbsbedarf beschaffen kann. Diese Geldfixierung ist kontraproduktiv, da effektiver Gelderwerb die Ausrichtung auf die Interessen des Kunden zur Voraussetzung hat. „Um es noch einfacher zu sagen: Um im Gelderwerb erfolgreich zu sein, ist es richtig, nicht an diesen Erwerb, sondern an die Probleme und Interessen des jeweiligen Nachfragers der eigenen Leistungen zu denken, sich möglichst auf diese zu konzentrieren – während das Geld es zuwege bringt, daß wir dies nicht tun.“

Man denke etwa auch an die von „geostrategischen Realisten“ prophezeite (oder heraufbeschworene) Rivalität zwischen den USA und China: vollkommen sinnlos, überflüssig, ökonomisch kontraproduktiv und einfach in jeder Beziehung schädlich für die USA, China und die restliche Welt. Nur strukturelle Nazis denken „geostrategisch“! Es macht Sinn, wenn sich Affenhorden bekriegen, doch bei Hyperzellern widerspricht eine solche „Interessenpolitik“ – den eigenen Interessen.

Beim Tausch, wenn er zum Gewerbe wird, ist Rücksichtnahme das allerwichtigste Werkzeug. Hier zählt nicht der Profit, den der Augenblick bringt, sondern der Kundenstamm, den man aufbaut, die Bande, mit denen man Interessenten an dem, was man zu bieten hat, an sich fesselt. Hier ist es sogar wichtig, die Notlage, in der sich der Interessent etwa befindet – weil sein Bedarf ein sehr dringender ist –, nicht auszunützen und den Preis für die eigene Leistung nicht entsprechend hoch empor zu schrauben. Das mag zwar einen guten Gewinn bringen, aber dieser Kunde ist dadurch nicht gewonnen, sondern wird sich wahrscheinlich beim nächsten Bedarf an Konkurrenten wenden. Wird dagegen der sich in Zwangslage befindende trotzdem zu einem angemessenen Preis bedient, dann wird er sich wahrscheinlich bei einem weiteren Bedarf dessen erinnern und diese entgegenkommende Haltung zu schätzen wissen. Er wird – wie mit einem Gummiband an diesen Leistungsanbieter gefesselt – sehr wahrscheinlich zu diesem zurückkehren. – Und zwar nicht, weil dieser „gut“ war, sondern weil dieser „klug“ war.

Was Hass so überaus anziehend macht, ist, daß er sich im Gegensatz zu anderen „biologistischen“ Theorien gegen „die Meute“ auf die Seite der Schwachen stellt:

Renne nicht mit dem großen Haufen, sondern suche nach einer Bedarfslücke! Mache nicht das gleiche, was auch die anderen tun, sondern entwickle deine eigene, notfalls engbegrenzte Spezialität! Eine enge Zielgruppe überzeugend besser zu befriedigen als die Konkurrenten, schafft größere Aufstiegschancen, als sich auf die verschiedensten Kunden zu verzetteln!

Man ist erfolgreich, wenn man dem Getümmel der Konkurrenten entwischt. Reiht man sich wieder ein, bekommt man die Folgen zu spüren. Entsprechend sind es gerade die Schwachen, Behinderten, Außenseiter, Unterprivilegierten und alle die von der Norm abweichen, die Erfolg haben können, weil sie nicht mit der Masse gehen und einen eigenen Zugang zu abwegigen Sonderbedürfnissen haben. Aber was sieht man stattdessen: überall das „gesunde“ Herdentier!

hassevo4