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Emotionen sprechen lauter als Worte (Teil 7)

9. Februar 2019

Eine Einführung in die klinische Theorie der Orgonomie mit einer Diskussion einiger paralleler Funde in der modernen Neurowissenschaft und Psychotherapie von David Holbrook, M.D.

 

DER WEG EINES ORGONOMEN ZUR ORGONOMIE

Ich möchte einige meiner eigenen Gedanken über Emotionen zur Sprache bringen und einiges darüber, was Reich und andere in der Orgonomie über Emotionen gesagt haben und über die Beziehung zwischen Wörtern und Emotionen. Dabei werde ich persönliche Geschichten über einige der Dinge erzählen, von denen ich denke, daß sie mich zur Orgonomie und zum Thema Emotion hingezogen haben könnten. Ich hoffe, daß dies in den Köpfen und Herzen der Leser einige Überlegungen zu die persönliche Lebensreise anregt, was im Leben wirklich wichtig war und was einen dazu gebracht hat, die Entscheidungen zu treffen, die man getroffen hat und darüber, was einen begeistert und motiviert; und was diejenigen betrifft, die sich für die Orgonomie interessieren, wie es dazu kam, daß Sie sich für die Orgonomie interessiert haben und was Sie an der Orgonomie berührt hat. Ich hoffe, daß dieses kurze Verweilen beim Persönlichen unser Denken darüber voranbringt, was Emotionen sind und warum sie manchmal lauter sind als Worte.

Während ich diesen Artikel schrieb, habe ich mich gefragt: Warum wollte ich über dieses Thema, die Emotion, sprechen? Und wie tief muß ich in mich selbst dringen, um diese Frage beantworten zu können? Bezüglich meiner eigenen Geschichte muß ich damit beginnen, daß ich eine intensive emotionale und intellektuelle Reaktion auf Reichs Arbeit hatte, als ich 1975, als ich 20 Jahre alt war, sie erstmals kennenlernte. Um die Sprache der 70er Jahre zu verwenden, fand ich seine Einsichten und Ermittlungen „umwerfend“. Ich denke, dies ist auch eine Art zu sagen, daß die Orgonomie meine Denkweise über die Dinge verändert hat.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich angenommen, daß ich wahrscheinlich Schauspieler werden würde. Die Schauspielerei hatte mich seit ungefähr meinem fünften Lebensjahr sehr gefesselt. Meine Eltern waren Schauspieler und als Kind war ich ein paarmal mit ihnen auf der Bühne aufgetreten. Ich identifizierte mich stark mit meinem Vater, der ein erfolgreicher Schauspieler war. Aber als ich Teenager war, interessierte ich mich eher für das Leben in der „freien Natur“, für die Natur und ihre Erforschung. Ich habe ein paar Sommer auf einer Ranch in Montana verbracht. Ich verbrachte die Abschlußklasse der Oberstufe in einem Alternativprogramm, in dem wir elf Monate lang durch die Vereinigten Staaten reisten, die ganze Zeit draußen schliefen, in der Wildnis wanderten und etwas über die Natur lernten. Dies hatte einen enormen Einfluß auf mich.

In meinen frühen Zwanzigern machte ich lange Wanderungen in der Wildnis, einmal für einen zweimonatigen Trip. In diesen Jahren verbrachte ich viel Zeit alleine, trampte durch alle 48 US-Staaten, fuhr Güterzüge usw. (es war „eine 70er Jahre-Sache“!). Ich denke, daß meine Erfahrungen mit der Natur und dem Alleinsein mit der Reise verbunden waren, die ich zu dieser Zeit während der späten Adoleszenz unternahm, eine Reise, bei der die Erwachsenenwelt, in die ich gerade eintrat, tief in Frage gestellt wurde. Ich fühlte mich zerrissen zwischen tiefen Gefühlen, die aus meiner Kindheit stammen, die ich in Kontakt mit Schauspielern und der Theaterwelt verbrachte, der Welt der Menschen, der Kulturwelt; im Gegensatz zur nichtmenschlichen Welt, dem riesigen Reich der Natur, von dem ich mich sehr berührt fühlte und die mich stark beeindruckte. Ich hatte damals das Gefühl, daß die Natur voller Wahrheit, Schönheit und Leben war, während die Menschheit voller Ausweichen, Häßlichkeit und Zerstörung war. Gewisserweise hatte ich das Gefühl, man könne sich auf die Natur verlassen, aber nicht auf Menschen, was mit unterschiedlichen persönlichen Erfahrungen zu tun hatte, die ich durchlebt habe.

Dieser Unterschied zwischen der menschlichen und der natürlichen Welt erinnert mich an Reichs Kapitel mit der Überschrift „Bühne und Wiese“ in seinem Buch mit dem Titel Die kosmische Überlagerung, das ich zu dieser Zeit zum ersten Mal las. In dem Buch schreibt Reich:

In welcher Weise ist der Mensch in der Natur verwurzelt? … der Autor hat sich bemüht, die letzten Konsequenzen aus dem Wissen über das Funktionieren des Menschen zu ziehen, das er sich in mehr als dreißig Jahren intimer Kenntnis der charakterologischen Vorgänge hinter der Bühne des menschlichen Lebens angeeignet hat. … er hat die Tür geöffnet, die von der Kulisse des Theaters zu den weitläufigen Feldern und Wiesen führt, die das Theater des gegenwärtigen Alltagslebens umgibt. Für einen Beobachter, der auf diesen Wiesen steht, über sich die schimmernden Sterne am endlosen Firmament, wird das Schauspiel auf der Bühne befremdlich sein. Es hat den Anschein, als stünde der weite Himmel der stillen Nacht in keinem Zusammenhang mit dem aufgeführten Stück und seiner Thematik … (Reich 1951, S. 10f, Übersetzung verbessert PN).

Junge, diese Worte klingen heute noch wahrer! Reich fährt fort:

Wenn Christus Sorgen hatte, dann zog er sich in die Einsamkeit und Stille einer Wiese oder eines Hügels zurück … Alle religiösen Bewegungen der Menschheitsgeschichte haben versucht, die Botschaft von der emotionalen Tiefe von der Wiese auf die Bühne drinnen zu versetzen, doch vergebens …. (S. 12f, Übersetzung verbessert, PN). Die Orgonomie hat uns dadurch, daß sie Übergänge vom Denken zu den Emotionen, von den Emotionen zu den Instinkten, von den Instinkten zu den bioenergetischen Funktionen und von den bioenergetischen Funktionen zu den physikalischen Funktionen der Orgonenergie sichtbar gemacht hat, einige wichtige Anhaltspunkte … geliefert. (S. 14, Übersetzung verbessert, PN) …. alle Ereignisse, die auf der Bühne stattfinden, [sind] irgendwie auf das Geschehen auf der Wiese zurückzuführen. (S. 14, Übersetzung verbessert, PN).

Warum zitiere ich diese Passage? Ich weiß es nicht!! Es bewegt mich einfach wirklich sehr. Ich habe aus der Orgonomie gelernt, daß es nicht immer notwendig ist, sofort zu verstehen, warum man fühlt, was man fühlt, daß es das Beste ist, sich einfach seinem Gefühlen zu überlassen, und oft wird das Verständnis später spontan folgen.

„Bühne“ könnte unter anderem als Metapher für Worte betrachtet werden, während „Wiese“ als Metapher für Emotionen betrachtet werden könnte. Ein anderer Gedanke über meine eigenen Erfahrungen ist, daß die Orgonomie geholfen hat, die Spaltung in mir zu heilen zwischen „Wiese“, die ich als die Wahrheit empfand, und „Bühne“, von der andere behaupteten, daß sie die Wahrheit sei.

Reichs Schriften haben mich zutiefst bewegt. Sie haben mich sowohl emotional als auch intellektuell in Erregung versetzt und inspiriert. Ich fühlte mich zu seinen Schriften hingezogen und wollte die Dinge genauso tief fühlen wie er und die Natur einschließlich der menschlichen Natur in der tiefen und profunden Art und Weise verstehen, wie er es tat. Nach einem mehrjährigen Umweg in den 1980er Jahren, als ich professioneller Schauspieler wurde, entschied ich mich im Alter von 34 Jahren, als Neuling für vier Jahre an ein College zurückzukehren und dann ein Medizinstudium aufzunehmen, um Psychiater und medizinischer Orgonom zu werden. (Ja, das heißt, ich habe mit 42 Jahren das Medizinstudium abgeschlossen und meine Facharztausbildung mit 47 abgeschlossen, also vor 15 Jahren!! Puh!! Außerdem hatte ich zwei Kinder!) Obwohl ich der Schauspielerei sehr verbunden war, war Orgonomie zu meiner Muse geworden, das Drehbuch, das mich mehr als alle anderen Drehbücher gefesselt hat und in dem ich am meisten auftreten wollte.

 

Literatur

  • Reich W 1951: Die kosmische Überlagerung. Frankfurt: Zweitausendeins, 1997

 

Dieser Text aus dem Jahre 2013 wurde mit Genehmigung von Dr. Holbrook seiner Facebook-Seite entnommen und übersetzt.

Die Wirkungsweise der emotionalen Pest* (Teil 1)

9. Januar 2019

von Paul Mathews, M.A.**

Würde man fragen: „Was war historisch gesehen das größte Problem der Menschheit“, so gäbe es sicherlich eine Vielzahl von Antworten. Einige mögen feststellen, dass es die Bezwingung von Krankheiten war, andere, die Verhinderung von Kriegen und das Erreichen von Kooperation, Brüderlichkeit und gegenseitiger Verständigung. Reichs Antwort war einzigartig: die emotionale Pest. Diese Pest des gepanzerten Menschen wurde von Reich als eine emotionale und charakterologische Biopathie definiert, die sich zerstörerisch auf dem sozialen Schauplatz ausdrückt (1). Die emotionale Pest blockiert nicht nur die Lösung der Probleme des Menschen, sondern sie verkompliziert diese und schafft neue. Es ist ein Muster, das Reichs Beschreibung der Schichten und Verflechtungen der neurotischen Struktur des Menschen nicht unähnlich ist (1, S. 322f)a. Diese komplexen Verflechtungen von emotionalen Pestmechanismen dienen dazu, die wahre Natur eines Problems so zu verschleiern, dass es nicht mehr zu lösen ist und es immer schwieriger wird, zu seinen Wurzeln zu gelangen. Das Ziel ist immer die Verfolgung von Wahrheit, Liebe und Leben. Nehmen wir zum Beispiel die geschickte Art und Weise, in der die Wahrheit Solschenizyns durch die emotionale Pest in den Medien und in der gegenwärtigen Administration der US-Regierung erstickt und erdrosselt wurde (2).

Die emotionale Pest ist die heimtückischste Abwehr des Menschen, seine ultimative Waffe gegen sich selbst, seine Freiheit und sein Leben. Einfach weil ihn tausende Jahre der gepanzerten Existenz versteift haben, findet er jene Aspekte seiner bio-kosmischen Natur am schrecklichsten und erschreckendsten, die ihm die Rationalität und Lebensfreude geben könnten, nach der er sich paradoxerweise in seinen tiefsten Gedanken und größten Schöpfungen sehnt und sie sogar gelegentlich erlebt.

Ein konsistentes Muster der Geschichte ist die Verfolgung jener Individuen, Institutionen und sozialen Bewegungen, die dem Verständnis und der Lösung des Rätsels des menschlichen Dilemmas, der „Falle“, am nächsten gekommen sind. Wann immer und wo immer die emotionale Pest durch eine Einsicht in ihre Krankhaftigkeit bedroht wird – sei diese Bedrohung eine Idee, eine Emotion oder ein lebendiger Ausdruck – hat sie versucht, sie zu zerstören. Reich stellte fest:

Der Pestkranke handelt unter einem strukturellen Zwang; er mag es noch so gut meinen, er kann nicht anders als pestkrank handeln; dieses Handeln ist ihm ebenso wesensgemäß wie dem genitalen Charakter das Liebesbedürfnis oder die Wahrheit; aber der Pestkranke leidet, und zwar unter dem Schutze seiner subjektiven Überzeugtheit, nicht unter der Einsicht in die Schädlichkeit seines Handelns (1, S. 258)b.

Die Pest nimmt sich selbst nicht als böse wahr und glaubt, dass alles, was sie tut, im Interesse ihres Konzepts des Guten notwendig ist. So erklärt Reich:

Es ist eines der wesentlichen Merkmale des Mordes am Lebendigen durch das gepanzerte Menschentier, dass er in vielerlei Tarnungen daherkommt. Der gesellschaftliche Überbau aus Ökonomie, Kriegsführung, irrationalen politischen Bewegungen und gesellschaftlichen Institutionen, die der Unterdrückung des Lebens dienen, überschwemmt die fundamentale Tragödie, unter der das Menschentier leidet, mit einer Flut von Rationalisierungen, Vertuschungsversuchen und Manövern, um vom eigentlichen Problem abzulenken; und er kann sich dabei auch noch auf eine vollkommen logische und in sich stimmige Rationalität verlassen, die nur gültig ist innerhalb des Rahmens von Gesetz versus Verbrechen, Staat versus Volk, Moral versus Sexualität, Zivilisation versus Natur, Polizei versus Verbrecher – und immer so weiter in der langen Geschichte des menschlichen Elends (3)c.

 

Fußnoten

* Dieser Artikel ist zum Teil das Ergebnis einer Seminarpräsentation von Professor Mathews an der New York University.

** Orgonomischer Berater. Außerordentlicher Assistenzprofessor, New York University. Sprechkliniker und Oberschullehrer. Mitglied des American College of Orgonomy. [Anm. d. Übers.: Paul N. Mathews, 1924-1986]

 

Anmerkungen des Übersetzers

a Charakteranalyse, Kiepenheuer & Witsch 1989, S. 426f.
Character Analysis, Farrar, Straus & Giroux 1971, S. 317f.

b Charakteranalyse, Kiepenheuer & Witsch 1989, S. 341.
Character Analysis, Farrar, Straus & Giroux 1971, S. 514.
Mathews zitiert nach der besseren Übersetzung von Theodore Wolfe, 1945.

c The Murder of Christ, Farrar, Straus and Giroux 2013, S. 6.
Christusmord, Zweitausendeins, S. 24.

 

Literatur

1. Reich, W.: Character Analysis. New York: Orgone Institute Press, 1949
Paperback edition, Noonday Press, New York

2. Buckley, W.F.: „The Strangled Cry of Solzhenitsyn“, National Review, 29. August 1975

3. Reich, W.: The Murder of Christ. Orgone Institute Press, 1953

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 9 (1975), Nr. 2, S. 206-218.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Deine beiden Leben

20. August 2018

Wir führen zwei Leben: eines tagsüber, das andere des Nachts. Das erstere ist das bewußte Leben in Bewegung. Hier verlieren wir das Bewußtsein während der Entladung, insbesondere im Orgasmus, aber auch etwa beim heftigen Nießen oder bei epileptischen Anfällen. In der Nacht ist alles umgekehrt: wir sind paralysiert und ohne Bewußtsein. Unsere Träume, in denen wir eine Art „Bewußtsein“ zurückerlangen, sind Entladungen, die manchmal mit Bewegungen einhergehen.

Viele Menschen glauben, der Schlaf sei imgrunde überflüssig, eine Verschwendung unserer beschränkten Lebenszeit: „Ich kann schlafen, wenn ich tot bin!“ Tatsächlich sind wir erst im Schlaf richtig Mensch, denn erst dort tritt das störende Bewußtsein zur Seite und entfaltet sich das Autonome Nervensystem ganz; wir sind ganz orgonotische Pulsation und laden uns mit Energie aus dem kosmischen Orgonozean auf:

Im Wachen tritt das zurück, die Entladung des Orgons, das Zentrale Nervensystem und der Bewegungsapparat treten in den Vordergrund und wir werden zum wachen Raubtier, das seine Beute jagt (bzw. zum nicht weniger wachen Fluchttier), ganz bestimmt vom vorwärtsschnellenden Schwung der Kreiselwelle:

Das „Leben des Tages“ ist ganz bestimmt von den Kategorien Raum (L3) und Zeit (t) = Bewegung (L/t), während das „Leben der Nacht“ von der „nichtlokalen gleichzeitigen Wirkung“ bestimmt wird: Distanzen trennen nicht mehr und der Unterschied zwischen Vergangenheit und Zukunft löst sich auf. Wie man sich das konkret vorstellen kann, zeigt der Traum, wo dieses „Leben der Nacht“ zumindest teilweise in unser Bewußtsein tritt.

Da es im raum- und zeitlosen „Leben der Nacht“ keinen Tod („das Ende einer Wegstrecke“) gibt, erübrigt sich die von vornherein unsinnige Frage nach einem „Leben nach dem Tod“ (sic!). Angesichts des Funktionsbereichs, der dieses zweite Leben, unser eigentliches Leben bestimmt, sind wir unsterblich:

nachrichtenbrief96

10. Dezember 2017

Der Kern des orgonomischen Funktionalismus, die Orgonometrie

27. Oktober 2017

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5

Teil 6

Teil 7

nachrichtenbrief69

13. September 2017

Die Lebensenergie

8. November 2016

Reich betrachtete sich als „Entdecker der Lebensenergie“. „Lebensenergie“ bedeutet aber nicht, daß tote Materie lebendig wird, wenn diese „Energie“ hinzutritt. Das wäre ja auch widersinnig, denn Lebensenergie ist überall vorhanden, d.h. auch auf dem Mond! „Lebensenergie“ bedeutet, daß Materie lebendig werden kann, wenn sie sich genauso verhalten kann, wie diese Lebensenergie. Zunächst wäre da die Pulsation eines abgegrenzten aber elastischen Bereichs, der entsprechend als Ganzheit pulsieren kann. Zweitens formt sich dieses „membranöse“ Gebilde entsprechend der kreiselförmigen Bewegung der Lebensenergie. Praktisch alles Lebendige (die Organismen und so gut wie alle ihre inneren Organe) hat die Orgonom-Form. Auf dem Mond hat buchstäblich nichts eine Orgonom-Form! Und drittens funktioniert ein Organismus als Einheit, d.h. jenseits von Raum und Zeit. Die Gene und deren Funktionsweise sind ein Beispiel. All das tritt rudimentär auch in der toten Natur auf, etwa die Pulsation der Atmosphäre, die Orgon-Form der Wirbelstürme und ihr einheitliches Funktionieren, aber es bedarf besonderer Bedingungen, die Reich beispielsweise in den Bion-Experimenten erforscht hat, bevor die Lebensenergie tatsächlich die spezifische Energie von Organismen werden kann, sich sozusagen vollgültig manifestieren kann.

Elsworth F. Baker: Was ist Orgonomie?

15. Mai 2014

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Elsworth F. Baker: Was ist Orgonomie?

acologo

Was ist Leben?

13. Oktober 2012

In der heutigen Biologie wird „Leben“ über die DNA definiert. Wie in Die Gene oder die Umwelt? Nein, die Bioenergetik! dargestellt, ist diese Sichtweise zwar nicht ganz falsch, aber doch weitgehend überholt. Henri Bergson hat recht behalten!

Die Vererbung überträgt nicht nur die Eigenschaften, sie überträgt auch die Schwungkraft, dank deren die Eigenschaften sich wandeln; und diese Schwungkraft ist die Lebensaktivität selbst. (Schöpferische Entwicklung, Zürich 1967, S. 241)

Leben ist, um mit Bergson zu reden, „Schwungkraft“. Das ist das Primäre. Diese Schwungkraft arbeitet sich an der Umgebung ab, was die unterschiedlichen Lebensformen erklärt. Organismen streben von ihrem bioenergetischen Kern nach außen und reagieren auf die Umgebung, um in dieser überleben zu können.

Zu dieser Umgebung gehören aber in erster Linie natürlich andere Lebewesen mit jeweils ihrer eigenen „Schwungkraft“. Der Reiz, auf den reagiert werden muß, des einen ist die spontane Bewegung des anderen. Es ist ein Einpendeln zwischen spontaner Bewegung und Reaktion (sozusagen „unspontaner Bewegung“). Ein Vorgang, den man beispielsweise im Kindergarten direkt beobachten kann, wo sich nach einigem Gerangel die „spontanen Bewegungen“ der Kinder aufeinander abstimmen.

Tatsächlich ist das ein zu mechanistisches Bild, denn die Welt ist nicht nur eine von Aktion und Reaktion wie zwischen Billardkugeln, sondern auch eine der wechselseitigen Erstrahlung. Die besagten Kinder finden nicht nur ein sozusagen „entropisches“ Gruppengleichgewicht, das auch Roboter, in die Zufallsgeneratoren eingebaut wurden, finden würden, sondern sie erregen sich gegenseitig, wodurch es zu einer „anentropischen“ Energiesteigerung und zunehmenden Strukturierung kommt („Erstrahlung“).

Wir haben also Bewegung, d.h. Distanz L gegen Zeit t (L/t), und wir haben Erstrahlung, die unabhängig von Bewegung ist. Sie ist gekennzeichnet von den folgenden beiden heterogenen Funktionsgleichungen:

Die erste Gleichung besagt, daß in diesem Funktionsbereich die Distanz keine Rolle mehr spielt. Man denke in diesem Zusammenhang an das „EPR-Paradoxon“ der Quantenmechanik oder an das einheitliche Funktionieren von Galaxien, die einen Durchmesser von 10 000 bis 200 000 Lichtjahren haben.

Die zweite Gleichung beschreibt beispielsweise das Gedächtnis oder die Formierung der Erbinformation in den Zellen.

Das Lebendige bewegt sich nicht nur, beispielsweise in der Pulsation oder der Fortbewegung, sondern erstrahlt auch, d.h. es ist nicht nur eine Bewegung von Punkt a nach Punkt b, sondern auch ein einheitliches Gesamtphänomen, das gleichzeitig Punkt a und Punkt b umfaßt. Auf diese Weise ist Erinnerung und sind „Erbprogramme“ (die DNA-Sequenz) überhaupt erst möglich: zeitliche Abfolgen gehen in „zeitlose“ Strukturen über. Auf diese Weise kann man auch Bereiche, die außerhalb von „Bewegung, Trieb und Pulsation“ stehen, orgonomisch einordnen. Siehe dazu Orgonomie 4.0.

Natürlich wird Erinnerung und Erbinformation von äußeren Reizen bestimmt (was sollte sonst „erinnert“ werden?!), aber dem liegen doch autonome orgonotische Prozesse zugrunde.

Die mechanistische Wissenschaft kennt an sich nur Billardkugeln. Eine Billardkugel liegt da, erhält von einer anderen Kugel einen „Reiz“ (einen Impuls) und bewegt sich nach festen Gesetzen. Beim Lebendigen haben wir:

  1. spontane Bewegung, d.h. die besagte Kugel bewegt sich aus sich heraus;
  2. Einheitlichkeit, d.h. die Kugel funktioniert als Einheit, ohne daß intern ein Teil mit dem anderen kommunizieren muß, wie die besagten „Billardkugeln“ miteinander „kommunizieren“.

Beides zusammen erklärt was „Spontanität“ ist. Ohne den zweiten Aspekt wäre es doch nur wieder ein „Billardspiel“. Diese Spontanität, diese Bergsonsche „Schwungkraft“, macht das Phänomen Leben aus. Oder anders ausgedrückt: Leben ist kosmische Orgonenergie, die in einer Membran gefangen ist.