Posts Tagged ‘Gunnar Heinsohn’

Die bio-ökonomischen Grundlagen unseres Gesellschaftssystems (Teil 3: Kapitalismus, Sozialismus, Arbeitsdemokratie)

31. Januar 2020

Der Mensch ist nicht so, wie es sich mystische Schwärmer auf der Linken vorstellen. Von Natur aus ist er kein Sozialist, der selbstlos alles teilt, sondern er wird in weiten Teilen vom Agon bestimmt. Beschäftigt man sich eingehender mit den Trobriandern, wie sie von Bronislaw Malinowski in mehreren Bänden dargestellt wurden, sieht man, daß selbst deren Leben von Konkurrenz und persönlichem Ehrgeiz geprägt war.

In Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral beschreibt Reich, wie die Trobriander auf ihren vor Neuguinea liegenden Inseln Reichtum („Yamswurzeln“) akkumulierten, um ihr gesellschaftliches Prestige durch die dadurch ermöglichte Freigiebigkeit zu erhöhen. Insbesondere tut dies aber der Häuptling, der sich so letztendlich die Loyalität seiner Untertanen erkauft – die er vorher ausgepreßt hat. Dieses System, in dem jeder nach seinen Fähigkeiten „nach oben“ gibt und der dergestalt akkumulierte Schatz dann mehr oder weniger egalitär vom Oberen unter allen sozusagen „nach deren Bedürfnissen“ verteilt wird, ist die Essenz des Sozialismus. So funktionierten alle Gesellschaften, weltweit und von jeher. Das spiegelt sich nicht zuletzt in den religiösen Ritualen (aus denen sich letztendlich alle Caritas und Ethik ableitet): den Göttern wird etwa eine Kuh geopfert, deren Fleisch dann an die Gemeinde verteilt wird.

Dieser Sozialismus findet sich etwa bei den Wikingern oder bei den arabischen Stämmen. Auf diese Weise erkaufte sich der normannische Fürst, aber auch etwa Mohammed, die Loyalität seiner Krieger. Jeder einzelne Krieger ergatterte bei Raubzügen soviel er konnte, übergab den Großteil seiner Beute dem Stammesführer, der es sammelte und schließlich den Schatz gleichmäßig verteilte. Es diente einer gegenseitigen sozialen Beruhigung: das Stammesmitglied erkaufte sich das Wohlwollen des Stammesführers, indem es so viel darreichte, wie nur irgend möglich in seiner Kraft stand, und umgekehrt erkaufte sich der Stammesführer die Liebe seiner Untertanen durch seine blinde Gerechtigkeit: jeder erhielt den gleich Anteil.

Das ist Sozialismus, der dergestalt letztendlich auf dem Agon und Gewalt basiert. Die Krieger mußten Angst vor dem gewalttätigen Fürsten haben (ansonsten wäre er gar nicht erst Fürst geworden bzw. als solcher anerkannt worden) und beschwichtigten ihn mit ihren Gaben, wobei sie sich gegenseitig auszustechen suchten. Der Fürst mußte seinerseits Angst vor den Kriegern haben, weshalb er einen Großteil seines Vermögens unter ihnen verteilte. Loyalität war letztendlich wertvoller als alles Gold der Welt. Gleichzeitig sorgte dieser Mechanismus dafür, daß eine gewisse Egalität zwischen den Kriegern herrschte, die sich nämlich ansonsten wegen Neides und dem Streben, selbst an die Spitze zu gelangen, gegenseitig abgemurkst hätten. Die Funktion des Fürsten war es, sozusagen die Uhr immer wieder auf Null zu stellen, damit der Agon von vorne ansetzen konnte.

Sozialismus ist einfach nur ein Mechanismus, um bei wilden Bestien, d.h. Menschen, ein einigermaßen gedeihliches Zusammenleben zu ermöglichen. Und je gepanzerter Menschen sind, desto drängender wird dieses Motiv. Entsprechend ist auch der moderne Sozialismus in Skandinavien, Rußland, etc. nichts wirklich Modernes, sondern eine direkte Fortsetzung des vielleicht ältesten Gesellschaftssystems der Welt. Zum Roten Faschismus wird dieses System erst, wenn ihm die Grundlage entzogen wird, nämlich die viszerale Angst vor Gewalt. Wenn die Herrschenden keine Angst mehr vor den Beherrschten haben und wenn die Beherrschten auch untereinander friedlich bleiben würden, selbst wenn es keine Umverteilung von oben her gäbe – also wenn aus den Massen verachtenswerte Schoßhunde geworden sind, dann haben wir den Roten Faschismus vor uns. Mediokere Figuren wie Stalin, Mao oder Angela Merkel, getragen von blökenden Schafen.

Übrigens läßt sich so, frei nach Gunnar Heinsohn (nur ohne waghalsige Konstruktionen einer alternativen Geschichte auf den Spuren Velikovskys!), auch der Kapitalismus ableiten. Alle erhalten zu einer (ständig wiederkehrenden!) Stunde Null gleich viel – und das Monopoly kann seinen Lauf nehmen. Mord und Todschlag gehen ihren Gang, bis das System durch Monopolbildung zu kollabieren droht und die sozialistische Resettaste gedrückt werden muß, damit das kapitalistische Spiel von neuem beginnen kann.

Die Arbeitsdemokratie steht außerhalb dieses Wahnsinns und bildet gleichzeitig seine Grundlage. Wenn beispielsweise die Trobriander ein Kanu bauen, ist alles vom erworbenen Fachwissen und Geschick der Arbeitenden und der Rationalität des Arbeitsprozesses bestimmt. Die „irrationalen“ Leidenschaften bzw. das alles vorantreibende Agon ist dem nur aufgesetzt und abhängig von dieser „materialistischen“ arbeitsdemokratischen Grundlage. Je weniger orgastisch impotent die Menschen sind, desto eindeutiger tritt die Arbeitsdemokratie in den Vordergrund – jenseits von Sozialismus und Kapitalismus.

Gunnar Heinsohn und die drei Welten

1. März 2014

Krebs (oder genauer gesagt die „Krebsschrumpfungs-Biopathie“, im Gegensatz zu isolierten Tumoren) ist eine Krankheit, für die es keine Heilung gibt (siehe Reichs Der Krebs). Da der Kommunismus der Zweiten Welt nichts anderes als Krebs auf gesellschaftlicher Ebene war, ist Rußland dem Untergang geweiht. Was wir erleben, sind die letzten Todeszuckungen. Die Russen sind buchstäblich am Aussterben! Zunächst kollabiert die Produktion, dann sogar die Reproduktion.

Wenn einmal die „Energieproduktion“ im Inneren eines Menschen oder einer Gesellschaft (Arbeit, Familie) aufgehört hat, gibt es kein Zurück mehr. Auf das Gesellschaftliche übertragen, ist genau das die Gefahr, die vom Sozialismus ausgeht: daß er „das Produktive“ in der Gesellschaft erstickt. Wenn der Kommunismus Krebs ist, d.h. die „Energieproduktion“ im Kern der Gesellschaft aufhört („Mangelwirtschaft“), dann ist der gegenwärtige Kapitalismus des Westens die Entsprechung einer „kardiovaskulären Biopathie“. Die kardiovaskuläre Biopathie, die Reich als „Angstneurose infolge Abstinenz“ definiert, zeichnet sich dadurch aus, daß die „Energieproduktion“ im bioenergetischen Kern zwar lebendig bleibt, diese aber aufgrund einer peripheren Kontraktion (die vor allem durch eine chronische Inspirationshaltung gekennzeichnet ist) zu einer Stauung führt.

Im Kommunismus befand sich praktisch jeder im Dauerstreik: „Ihr tut so, als wenn ihr uns bezahlt, und wir tun so, als würden wir arbeiten!“ Im Kapitalismus hingegen schuften sich die Leute zu Tode, abgesehen von einigen übelriechenden sozialistischen „Tumoren“. Wir ersticken geradezu an der eigenen Produktivität. Aufgrund der Panzerung der Massen besteht eine Blockade, die zwischen Produktion und Konsumption geschaltet ist. „Es wird an den Bedürfnissen vorbeiproduziert.“ Ein Beispiel sind unsere Städte: Gibt es irgendeinen Menschen, dem die modernen Bauten wirklich gefallen?

Was die Länder der Ersten Welt in der Produktion sind, sind die Länder der Dritten Welt (einschließlich der reichen Ölstaaten) in der Reproduktion. Jeder Zuwachs an materiellen Gütern wird unmittelbar in mehr Kinder umgesetzt, weshalb Entwicklungshilfe insbesondere in Afrika ein gigantisches Mißverständnis ist. Wie verheerend es ist, wenn die Erste Welt (Warenproduktion) und die Dritte Welt (Menschenproduktion) einander durchdringen, kann man anhand der USA und Mexiko ablesen – und in unseren „bikulturellen“ Großstädten unmittelbar beobachten.

Reich hat stets Produktion und Reproduktion, Ökonomie (Probleme der Arbeitsdemokratie) und „Sexualökonomie“, als ein und derselben Ebene zugehörig betrachtet. Derjenige, der dem heute noch am nächsten kommt, ist Gunnar Heinsohn mit seinen Theorien über die „Eigentumsökonomie“ und zur Demographie („Youth Bulge“). Problem ist, daß er nicht die bioenergetischen Zusammenhänge sieht.

Die Frage ist natürlich zunächst einmal, ob die Heinsohnsche Eigentumsökonomie überhaupt realitätsgerecht ist. Meines Wissens hat wirklich jeder Rezensent Heinsohn zugute gehalten, daß dieser zur Begriffsklärung beigetragen hat. Besitz ist nicht gleich Eigentum. Beispielsweise kann ich in den Wald gehen und mir dort eine Hütte bauen, Feldfrüchte anbauen, etc. Wirtschaftliche Dynamik kommt aber erst auf, wenn es mir gelingt, diese Hütte und die umliegenden Felder als mein anerkanntes Eigentum eintragen zu lassen. Mit der hergestellten Rechtssicherheit ist es mir möglich Kredite aufzunehmen und so an der Ökonomie jenseits des lokalen Tausches von Feldfrüchten gegen andere Güter teilzunehmen. Wahrscheinlich werde ich wie ein Irrer schuften müssen, um meine Hütte nicht zu verlieren, d.h. meine Kredite bedienen zu können. Für geraume Zeit werden alle dank dieser Schufterei reicher, doch langfristig kommt es durch die Fallstricke des Kreditwesens dazu, daß sich das Eigentum immer mehr konzentriert und das Spiel dergestalt schließlich zum Erliegen kommt. Die Resettaste muß gedrückt werden: ein zeitweises Unrecht stellt das (Eigentums-) Recht wieder her.

Wie das abläuft, haben wir nach dem Fall des Realsozialismus zumindest in Anklängen gesehen. Ein Spieler, der Staat, hatte alle Karten und hat Almosen vergeben: Bezugsscheine für die Realwirtschaft. Nach der kapitalistischen Revolution wurde der Staatsbesitz willkürlich verteilt. An die Stelle von Bezugsscheinen traten Nachweise für Eigentum, mit denen man Kreditgeschäfte tätigen konnte, bis schließlich nach vielen in die Hose gegangenen Kreditgeschäften wieder eine immer kleiner werdende Oligarchie alles in Händen hat. Diese Konzentration von Eigentum in wenigen Händen sieht man auch an der weltweiten Schuldenkrise: immer mehr Menschen haben bei immer weniger Menschen Schulden, wobei es egal ist, ob sie selbst die Schulden aufnehmen oder ob es der Staat für sie tut.

Das ganze ist ein zutiefst tragisches Weltbild, denn echte Ökonomie, d.h. auf Kredit basierende Ökonomie (Eigentumsökonomie), kann nur funktionieren, wenn das Eigentum einigermaßen gleichmäßig verteilt wird, jedoch führt eben dieses System der Kreditvergabe zwangsläufig (fast so wie bei einem Skatspiel) zu einer immer ungleichmäßigeren Verteilung des Eigentums, bis schließlich alle bei ganz wenigen verschuldet sind und man es an sich wieder mit dem Elend einer kommunistischen Verteilungsdiktatur zu tun hat. Eine solidarische Gesellschaft, in der alle zusammenarbeiten, wäre eine Elendsgesellschaft, da ihr die Dynamik des besagten „Kartenspiels“ abgeht. Selbstregulation und eine „Arbeitsdemokratie“ sind eine Illusion. Es bleibt eine Art Keynsianisches System: der Staat muß mächtig sein, da sich das kapitalistische System ansonsten selbst zerstört. Die Anklänge an Marx sind offensichtlich („Konzentration des Kapitals und damit Selbstaufhebung des Kapitalismus“), mit dem entscheidenden Unterschied, daß bei Heinsohn kein Platz für eine Utopie bleibt, allenfalls die ewige Wiederkehr des Gleichen.

Ich habe gesagt, daß man Heinsohn die Begriffsklärung zugute halten muß. Aber genau da zeigen sich auch die Risse in seiner Theorie. Beispielsweise wird schlichtweg bestritten, daß es in der DDR Geld gab, denn das kann es nur geben, wenn es Eigentum gibt, das verpfändet werden kann. Aber kann man ernsthaft in Abrede stellen, daß es in der DDR Geld gab? Und, was noch wichtiger ist: Kann man bestreiten, daß sich neben der Planwirtschaft eine funktionierende Schattenwirtschaft entwickelt hat, die das System erst lebensfähig gemacht hat? Also eine wirtschaftliche Dynamik ganz ohne staatlich gesichertes Eigentum? Und was Gesellschaften betrifft, denen der Eigentumsbegriff weitgehend fremd war, wie etwa den Völkern Amerikas vor den Konquistadoren: Dort gab es ein den ganzen Kontinent umfassenden Handel. Dem das Prädikat einer „genuinen Ökonomie“ abzusprechen, ist einfach ein Jonglieren mit selbstgebastelten Definitionen („Begriffsklärung“).

Der funktionelle Kern bei Heinsohn ist, daß die Eigentumsökonomie die Menschen zwingt, wie blöde zu arbeiten, um ihr Eigentum nicht wieder zu verlieren. Das geht heute so weit, daß die zweite Kernfunktion der Gesellschaft, die Reproduktion der Menschen in den Familien, zum Erliegen kommt, sogar die Familie selbst zur Disposition steht.

Die sexuelle Revolution begann Anfang der 1920er Jahre: damals fingen die Geburten pro Frau an sich statistisch dem heutigen Wert zu nähern. Der nachwirkende Jugendüberhang ist im Zweiten Weltkrieg verheizt worden. Seitdem äußert sich der expansive Impuls nur noch in der Produktion und Überproduktion von Waren.

Um diesem Spuk ein Ende zu setzen, bedarf es etwas, was der sexuellen Revolution entspricht. Die Dritte Welt benötigt eine sexuelle Revolution, wie ich morgen erläutern werde. Die Erste Welt benötigt eine „arbeitsdemokratische Revolution“.

heinsohnmaldrei

Zwei Arten von Debitismus (Teil 3)

23. März 2013

Trotz des im zweiten Teil herausgearbeiteten Gegensatzes haben die Theorien von Gunnar Heinsohn und Robert A. Harman eine in vieler Hinsicht identische Struktur: den „Debitismus“, d.h. es dreht sich alles um den Gläubiger-Schuldner-Kontrakt, der den Kern der Ökonomie ausmacht. Der entscheidende Unterschied ist, daß Heinsohn nicht erkennt, daß damit entscheidend die Charakterstruktur der Menschen ins Zentrum der Ökonomie rückt. Zur Problematik der Emotionellen Pest hat die Heinsohnsche Eigentumsökonomie schlichtweg nichts zu sagen.

Da es, behauptet Heinsohn, ohne Schulden kein Geld gäbe, sei auch die Verschuldung von Staaten und Privatpersonen nicht das Problem, solange die Schulden nachhaltig verwendet und nicht etwa in sinnlosen Sozialprogrammen verschleudert werden. Der Staat, auf den ja das Eigentum zurückgeht, soll gegensteuern, wenn das Eigentum, hauptsächlich aufgrund des Zinsmechanismus, zu unebenmäßig verteilt ist und das ganze System zu kippen droht, weil es schlichtweg zu wenig Eigentümer gibt, d.h. „die Zäune zwischen den Parzellen“ hinfällig geworden sind. Letztendlich muß der Staat, wie am Anfang der Eigentumsgesellschaft, das Eigentum erneut verteilen („neue Zäune ziehen“) und das Spiel beginnt von vorne. Spätestens hier wird die ganze seltsam in der Luft schwebende Heinsohnsche Konstruktion, die Recht auf Willkür gründet, fragwürdig, denn bei einem Kollaps der Wirtschaft werden von ganz alleine jene Mechanismen greifen, etwa der Goldstandard oder untereinander konkurrierendes Privatgeld, die die Österreichische Schule beschrieben hat.

Die Österreichische Schule, deren bekannteste Vertreter Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek waren, kommt der arbeitsdemokratischen Anschauung zwar sehr nahe, bezeichnenderweise verzichtet sie auch weitgehend auf Mathematik, jedoch bleibt hier am Ende gegen den Machtmißbrauch nur ein hilfloser Appell an die Moral und die Ethik. Das Problem der Emotionellen Pest ist jedoch kein psychologisches Problem („Weltanschauung“), sondern ein biologisches. Es angehen zu wollen, umfaßt Bereiche, die weit über den der reinen Wirtschaftstheorie und wohlfeiler Verhaltensmaximen a la Kant hinausgehen. Sie auch nur anzuschneiden, läßt einen sofort als „Reichianischen Sektierer“ dastehen, sind doch „Sektierer“ dadurch gekennzeichnet, daß sie „nicht bei der Sache bleiben“.

Zum Abschluß möchte ich nochmals auf das Anfangsproblem zurückkommen: daß die Vorstellung eines „natürlichen Homo oeconomicus“ anthropologisch unhaltbar sei, da sie von den ethnographischen Erhebungen in keinster Weise gedeckt werde. Die von der Österreichischen Schule und letztendlich auch von Robert A. Harman als „naturgegeben“ gefeierte Eigentumsökonomie muß dann entsprechend wie ein Einbruch der „Unnatur“ wirken. Als lebenslanger „Hans Hassianer“ sehe ich das genaue Gegenteil: den erneuten Durchbruch der Naturgesetze. Ich verweise auf meinen Aufsatz Hans Hass und der energetische Funktionalismus:

Aus Sicht der Energontheorie ist die Wirtschaft die unmittelbare Fortführung der Evolution und der „Berufskörper Schuster“ unterliegt imgrunde den gleichen „betriebswirtschaftlichen“ Zwängen wie der „Berufskörper Seeanemone“, Hai, Kellerassel und so fort. Wirtschaftlicher Erfolg beruht aus dieser Sicht auf einem einzigen Faktor: der Aufschlüsselung der Energiequelle. Beim Hai sind das Fische, beim Schuster Kunden. Der Unterschied zwischen einer altertümlichen Besitzgesellschaft und einer modernen Eigentumsgesellschaft ist demnach folgender: in der ersteren verhalten sich die Menschen wie Tiere, die wie alle anderen Tiere auch die natürlichen Ressourcen aufschlüsseln, während in einer kapitalistischen Gesellschaft Kunden aufgeschlüsselt werden. Damit ändert sich alles, „denn Fische werden gefressen und sind dann weg“, während zufriedene Kunden wiederkommen und dazu beitragen, daß immer mehr Kunden kommen. Das und das Geld erklärt den Erfolg des Kapitalismus, denn Geld wirkt als überwertiges Schlüsselsignal, das wirklich alles Erstrebenswerte zusammenfaßt (Sex, Behausung, Nahrung, Prestige, etc.). Dafür reiben sich die Menschen auf.

In Stammesgesellschaften sind die Tiere der Art Homo sapiens, wie alle anderen Herdentiere auch, vor allem damit beschäftigt, die ständig vor dem inneren Zerfall bedrohte Gruppe zusammenzuhalten. Dem dient vor allem der Tausch, d.h. die gegenseitige Verpflichtung und damit Bindung. In der Eigentumsgesellschaft zerfällt diese „gute alte Zeit“ und das Individuum mit „parzellierten Grundstücken“ tritt in Erscheinung. Nominell existiert die Tierart „Menschen“ zwar fort, aber aus evolutionsbiologischer Sicht tritt nun eine vollkommen neue Fauna in Erscheinung: die Welt der Ökonomie, in der es nicht anders zugeht als zwischen den Tierarten, die etwa ein Korallenriff bevölkern. Aus dieser Perspektive wird auch die klassische Ökonomie wieder in ihre alten Rechte gesetzt, da die ethnographischen Erhebungen über Stammesgesellschaften vollständig irrelevant werden.

arbeitheiharhass

Zusammenfassend:

  1. Man betrachte Wölfe, deren Hauptbeschäftigung darin besteht, die Struktur des Rudels zu sichern. Genauso sind auch Stammesgesellschaften fast ausschließlich damit beschäftigt, den Zusammenhalt der überlebensnotwendigen Gemeinschaft durch ritualisierte Tauschakte aufrechtzuerhalten.
  2. Wölfe leben davon, im Rudel Wild zu erlegen. Horden von Homo sapiens leben zusätzlich je nachdem vom Fischen, Sammeln, Ackerbau und Viehzucht. Anders als diese Tiere darf der Homo oeconomicus, d.h. das Glied einer Eigentumsökonomie, nicht mehr auf Raub aus sein, wenn er seine Energiequelle optimal erschließen will.

In der ersten Phase der Evolution (bei Pflanzen und Tieren) geht es darum, die Schwachstellen der Nahrungsquelle möglichst effizient auszunutzen. In der zweiten Phase der Evolution (bei den Berufskörpern) geht es darum, die Schwachstellen der „Nahrungsquelle“ (also des Kunden) zu beseitigen und sie (d.h. dem Kunden) an den Lieferanten der Ware zu binden: auf diese Weise profitieren beide Seiten von einem rationalen Tauschvorgang. Ein Unterschied zur üblichen Wirtschaftstheorie, wie sie auch Heinsohn vertritt, besteht darin, daß, während sich bei ihr primär alles um den Gewinn dreht, sich der Energontheorie zufolge der Berufstätige und das Unternehmen nach dem Bedarf und der bestmöglichen Befriedigung des Kunden richten müssen, um langfristig erfolgreich zu sein. Entsprechend gestaltet sich der Tausch in der Eigentumsgesellschaft („Marktwirtschaft“).

Träumereien von einer Rückkehr zu einer Art Stammesökonomie, haben die innere Dynamik des Geschehens nicht erfaßt. Ebensogut könnte man fordern, daß die Menschen wieder auf allen Vieren rumlaufen!

Das grundsätzliche Problem mit Hass ist, daß er zwar erkannt hat, daß der Energiemetabolismus die Grundlage der Ökonomie ist, er dabei aber offen läßt, um was für eine Art von Energie es sich dabei eigentlich handelt. Harman hat dargelegt, daß sich in der Ökonomie orgonotische Erregung durch Tauschakte ausbreitet und daß dieser Vorgang von jenen gestört wird, die aus charakterstrukturellen Gründen Erregung nicht ertragen können und sie deshalb aus ihrer Umgebung zu verbannen trachten (Emotionelle Pest). Aus dieser Sicht bietet sich uns schließlich folgendes Bild:

In Biologische Entwicklung aus orgonomischer Sicht habe ich dargelegt, wie sich die Naturgeschichte als Versuch darstellt, die ursprüngliche orgastische Potenz der Einzeller auf der Ebene der Mehrzeller wiederherzustellen, was erst in Gestalt des „orgasmischen Menschen“ vollständig geglückt ist. Wie sich das auf der Ebene der „Hyperzeller“ wiederholt, läßt sich aus Harmans Ausführungen erschließen.

Es bleibt die Frage, wie denn gepanzerte Menschen eine imgrunde funktionierende Ökonomie haben herstellen können? Umgekehrt wird ein Schuh draus! Das Wirtschaftssystem ist nicht menschengemacht, genausowenig wie der menschliche Organismus menschengemacht ist. Das einzige Problem sind die Eingriffe durch emotionell pestkranke Menschen, die Emotionelle Pest. Entsprechend sind auch alle Versuche das Wirtschaftssystem zu ändern letztendlich Emotionelle Pest.

Hier ein Beispiel für die unlösbare Verbindung von Arbeitsdemokratie und Marktwirtschaft. Ab Minute 59:30 begleitet der BBC-Reporter Louis Theroux den schlimmsten Rassisten Amerikas, Gründer der White Aryan Resistance bei dessen Tagesgeschäft als Fernsehmonteur und wundert sich, wie gut er mit seinen „nicht-arischen“ Kunden zurechtkommt, sogar mit ihnen befreundet ist. Theroux bezeichnet ihn daraufhin als Heuchler, während der Rassist ihm entgegenhält, er, der BBC-Reporter, sei weltfremd. So sei das halt in der wirklichen Welt. Der lebensnotwendige Tausch zwischen den Menschen führt sie über alle Ideologien hinweg zusammen und verhindert den Bürgerkrieg, der in einer „solidarischen“ Gesellschaft sofort ausbricht.

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=FqK2ILCq-do%5D

Zwei Arten von Debitismus (Teil 2)

21. März 2013

Die von mir im ersten Teil großzügig interpretierte und zusammengefaßte orgonomische Wirtschaftstheorie, die hier, hier und hier im einzelnen konkretisiert wird, wird durch die überzeugenden Beiträge von Gunnar Heinsohn weitgehend negiert. Vor der durch Eigentum geregelten Gesellschaft stehe das Feudalsystem (das wiederum aus den Stammesgesellschaften hervorgegangen ist) und damit die bloße Verwaltung und mehr oder weniger willkürliche Verteilung von Gütern. Nach einem revolutionären Umbruch wurde der Feudalbesitz (materielle Beherrschung) aufgeteilt und durch einen Rechtsakt in Eigentum (rechtliche Beherrschung) umgewandelt, d.h. mit Eigentumstiteln versehen. Von diesem Zeitpunkt an geht es, so die Vorstellung Heinsohns, nicht mehr um das Verteilen von Gütern, sondern um die Verwertung des Eigentums unter den Bedingungen der Erzwingung von Mehrertrag durch den Zins.

Wer bei einem Kreditgeschäft auf die freie Verfügbarkeit seines Eigentums, das etwa verpfändet oder verkauft werden kann („Eigentumsprämie“), zeitweise verzichtet, möchte dafür kompensiert werden, der Kreditnehmer kann also nicht nur das fremde Eigentum, das er zeitweise besitzt, zum eigenen Vorteil nutzen, sondern muß auch einen Zins unter der ständigen Drohung erwirtschaften, bei Nichterfüllung das eigene Eigentum, das den Kredit absichert, durch entsprechende Rechtstitel zu verlieren. Zu Konjunkturschwankungen kommt es, wenn es, insbesondere in Folge von Innovationen, zu Veränderungen der Eigentumsprämie kommt, weil der Wert des Eigentums neu eingeschätzt wird.

Eigentum wird durch einen nichtphysischen Rechtsakt geschaffen. Am Anfang geschah das durch Parzellierung des Landes mit je einem Eigentümer der einzelnen Parzellen. Dadurch, daß es eingezäunt wird, ändert sich an einem Stück Land zunächst einmal gar nichts, trotzdem ist das, Heinsohn zufolge, der alles entscheidende Bruch in der Wirtschaftsgeschichte, denn durch das Eigentum wird der Kredit- und Zinsmechanismus in Gang gesetzt und der Eigentümer dadurch gezwungen, dieses Land profitabel zu bewirtschaften. Plötzlich zählen persönliche Beziehungen rein gar nichts mehr, der Austausch wird sozusagen „blind“, vor allem aber „mathematisiert“, d.h. infolge des abstrakten Eigentumsbegriffs zählt einzig und allein die Quantität.

Eine genuine Ökonomie, d.h. ein wirkliches Bewirtschaften, wird, Heinsohn zufolge, nicht durch letztendlich biologisch bedingte Bedürfnisse angetrieben, sondern durch die blinde Mechanik der Eigentumsökonomie. Erst durch sie kommt es zu wirtschaftlicher Dynamik mit einem entsprechenden Austausch von Gütern bzw. Waren. Der „von Natur aus“ rational tauschende „Mensch an sich“ sei, so Heinsohn, eine Illusion, die darauf beruht, daß die Wirtschaftswissenschaften die letzten 100 Jahre ethnologischer Forschung ignoriert haben. Der entsprechende Tausch sei in Stammes- und Feudalgesellschaften nicht auffindbar, sondern beruhe dort schlicht auf Reziprozität. Man denke in unserer Gesellschaft etwa an Freundschaftsdienste und Nachbarschaftshilfe, die (unter den mißbilligenden Augen des Finanzamtes und der Handwerkskammer) neben der eigentlichen Ökonomie existieren.

Erst wenn die Ökonomie durch das Eigentum auf ein neues Abstraktionsniveau gehoben wird, tritt der Homo oekonomicus, der „10 Kühe gegen 100 Schafe“ tauscht, in Erscheinung. Das ist die berühmte „unmenschliche Kälte“ des Kapitalisten, der „selbst seine Großmutter verschachern würde“. Diese Kälte kommt in die Welt, weil der Eigentümer letztendlich mit seinem Vermögen als Sicherheitspfand haftet, wenn er seine Kredite nicht mehr erfüllen kann, mit denen er die Produktion vorfinanzieren mußte. Waren werden dementsprechend nicht etwa produziert, um Bedürfnisse zu befriedigen, sondern damit der Unternehmer seine Schulden bedienen kann.

Heinsohn führt des weiteren aus, daß Geld im eigentlichen Sinne nicht durch das Bedürfnis nach Tauscheffizienz entstanden sei, sondern durch Kreditvereinbarungen zwischen Eigentümern ständig entsteht, d.h. nichts anderes als Anspruch auf Gläubigereigentum ist. Aus diesem Grund gab es im Sozialismus, obwohl „Geldscheine“ gedruckt wurden, gar kein Geld. Auch können Güter und Waren kein Geld im eigentlichen Sinne sein. Wenn man auf „Kauri-Muscheln“ auf Neuguinea und ähnliches deutet, bestreitet Heinsohn, mit Verweis auf die Ethnologie, schlichtweg, daß es sich um „wirkliches Geld“ handelt, da die besagten „Kauri-Muscheln“ kein allgemeingültiges Zahlungsmittel darstellen und beispielsweise niemals gegen „minderwertigere“ Güter getauscht werden können.

Aus dieser Perspektive scheint wenig bis nichts von Robert A. Harmans Erläuterungen zu bleiben, denen zufolge der Geldfluß in unserer Gesellschaft eine sekundäre Begleiterscheinung der Ausbreitung bioenergetischer Erregung zwischen Menschen ist, die gemeinsam ihre biologischen Bedürfnisse erfüllen wollen. Klarheit wird geschaffen, wenn man erkennt, daß Harman die bioenergetischen und ständig wirksamen Grundlagen der Ökonomie beschreibt, die durch die Emotionelle Pest bedroht sind, während Heinsohn den Übergang zur, wenn man so will, „mechanischen Ökonomie“ aufgezeigt hat, die von allen bioenergetischen Prozessen radikal abstrahiert und entsprechend mit mathematischen Modellen beschrieben werden kann. Bei der ersteren geht es um letztendlich biologisch bedingte Tauschgeschäfte, bei der letzteren um Schuldverhältnisse, die auf abstrakten Rechtstiteln beruhen. Das ganze ähnelt dem Verhältnis von Orgonphysik und mechanistischer Physik, die erfolgreich operiert, so als gäbe es die Orgonenergie gar nicht.

Heinsohn ist Katastrophist, der geradezu von „Brüchen“ in der Geschichte besessen ist, da es in seiner Anschauungswelt stets eines mechanischen Anstoßes von außen bedarf, um Bewegung in Gang zu setzen. Der von ihm konstatierte Bruch ist aber durchaus nicht so grundsätzlich, wie er behauptet, denn, wie im ersten Teil angedeutet, gab es auch in Stammesgesellschaften „Parzellen“ und Rechtstitel. Natürlich nicht im heutigen Sinne als Herrschaftsrecht, aber trotzdem sind es eindeutig Vorläufer, zumal nur durch eine solche Kontinuität die Tauschdynamik einer Eigentumsökonomie überhaupt erst erklärbar ist: man führte den alten Tausch unter neuen Bedingungen (d.h. einerseits „ohne Ansehen der Person“ und andererseits unter dem Druck der Haftbarkeit mit dem persönlichen Eigentum) weiter. Es ist nämlich nicht recht einzusehen, warum ausgerechnet das Eigentum anfänglich für wirtschaftliche Dynamik sorgen soll, d.h. warum die Eigentümer überhaupt ihr Eigentum gefährden, indem sie sich auf die Eigentumsökonomie einlassen.

Natürlich bestreitet Heinsohn nicht, daß es in Stammesgesellschaften jede Menge von Tauschvorgängen gibt. Auch dort ist der Tauschvorgang selbst wichtiger als die Tauschobjekte, nur daß dort ihr jeweiliger Gegenwert keiner bestimmten Regel zu unterliegen, sondern rein subjektiv zu sein scheint. In unserer gegenwärtigen Ökonomie können wir ähnliches, d.h. einen derartigen „irrationalen“ Tausch beobachten, nämlich dann, wenn es um Luxusgüter und um Kunst geht. Werner Sombart zufolge hat sich ausgerechnet aus diesem Bereich heraus der Kapitalismus entwickelt: Auch wird nicht nur die Eigentumswirtschaft von immateriellen Strukturen (nämlich Rechtstiteln) bestimmt, sondern gerade auch Stammesgesellschaften (die Tradition mit ihren Regeln und vorgegebenen Strukturen).

Wenn der Tausch gewaltsam unterbrochen wird, reorganisiert sich die Gesellschaft spontan auf der Grundlage der Bedürfniserfüllung. Man denke in diesem Zusammenhang etwa an die „DDR“, in der es als Reaktion auf die ineffiziente Planwirtschaft spontan zur Bildung eines landesweiten Netzes von Tauschbeziehungen kam. Zwar beruhte dieses (ähnlich den erwähnten Freundschafts- und Nachbarschaftsdiensten) auf persönlichen und meist vollkommen willkürlich Tauschverhältnissen, jedoch stellte es die ideale Vorbereitung auf den westdeutschen Kapitalismus dar. Es ist bemerkenswert, wie sich manche „gelernte DDR-Bürger“ in das Wirtschaftssystem des Westens eingepaßt haben und dies nicht etwa trotz, sondern wegen ihrer Sozialisation in einer Parallelgesellschaft, in der alles nur über persönliche Kontakte lief. Es geht hier um Zusammenhänge, die dem wirtschaftsfremden Hochschultheoretiker Heinsohn fremd bleiben müssen.

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=Ymp6axfYbsg%5D

Die anti-autoritäre Ökonomie: Die Emotionelle Pest als die Grundlage der gegenwärtigen Wirtschafts- und Finanzpolitik

6. Januar 2013

Der amerikanische Orgonom Robert A. Harman bringt die Nullzinspolitik der Zentralbanken in Amerika und den anderen großen westlichen Ländern als eines der schlagenden Beispiele für die Wirkungsweise der Emotionellen Pest in den kapitalistischen Ökonomien vor („Practical Functional Economics, Part III“, The Journal of Orgonomy, Vol. 45, No. 1, Spring/Summer 2011)

Das spotbillige Geld der Zentralbanken ermöglicht weitgehend risikofreie Finanztransaktionen, bei denen zwar mit kleinen Gewinnmargen, aber um so größeren Geldbeträgen hantiert wird und durch Tricks riesige Vermögen angehäuft werden, ohne daß irgendetwas Produktives geleistet würde. Es ist eine bizarre Karikatur wirtschaftlicher Aktivität. Besonders pervers ist, daß es nicht etwa der individuellen Gewieftheit besonders kreativer Finanzjongleure entstammt, sondern quasi staatlich subventioniertes Raubrittertum ist: die Dauerhaftigkeit der Nullzinspolitik wird mehr oder weniger garantiert und damit das Risiko von Spekulationen minimiert. Wer also seine ökonomische Expertise nutzt, um voller Risiken wirklich etwas Produktives zu leisten, statt das System mit immer komplizierteren Finanzaktionen risikolos auszunutzen, ist ein Idiot! Warum arbeiten, wenn man seine Beziehungen spielen lassen und am PC zocken kann!

Es sieht zwar oberflächlich nach „wirtschaftlicher Tätigkeit“ aus, ist aber bei näherem Hinsehen das genaue Gegenteil. Genau das macht die Emotionelle Pest bei der ganzen Angelegenheit aus.

Der stets extrem lesenswerte Gunnar Heinsohn vertieft diese Analyse: die Pest wird eher früher als später zu einer Wirtschaftskatastrophe apokalyptischen Ausmaßes führen.

Die Zentralbanken wurden, so Heinsohn, seit Anfang des Jahrtausends zunächst unter Clinton und W. Bush, dann unter Obama politisch genötigt Geschäftsbanken gegen Nullzins und obendrein für schlechte Pfänder Geld zu leihen und/oder solche schlechten Sicherheiten direkt anzukaufen und dadurch frisches Geld in Umlauf zu bringen. Aufgrund des billigen Geldes hat sich der Preis der 500 größten börsennotierten US-Firmen zwischen März 2009 und Dezember 2012 verdoppelt, obwohl ihre Leistungsfähigkeit teilweise sogar gefallen ist. Oder mit anderen Worten: die Börsennachrichten sind ein schlechter Witz und haben mit der wirklichen (arbeitsdemokratischen) Entwicklung nichts zu tun. Ein pestilentes Affentheater!

Noch schlimmer sieht es bei Staatspapieren aus.

Ihr Volumen stieg global von 18 Billionen Dollar nach dem Dotcomcrash 2001 über 28 Billionen 2006 bis auf 50 Billionen Dollar Ende 2012 (…). Fast alle diese Schulden werden von Regierungen begeben, deren Steuerbürger älter, arbeitsloser und oft auch weniger werden, weshalb es um ihre Ertragsaussichten noch schlechter steht als bei Aktien. Hinter letzteren steht immerhin die Leistungskapazität aus Firmen und ihren Arbeitskräften – in welchen Territorien auch immer die tätig sind. Die Staatsschulden hingegen bleiben ohne direkte Berührung mit dem Leistungssektor.

Diese Schrottpapiere werden massiv von den Zentralbanken selbst gekauft und durch Tricks (Geschäftsbanken brauchen ihre Investitionen in Staatspapiere nicht mit Eigenkapital unterlegen) unter die Leute gebracht. In dem Moment, wo wirtschaftliche Vernunft einkehren würde (die okulare Panzerung aufbricht!), wären praktisch alle Banken und viele Betriebe instantan ausgelöscht. Es ist nichts da, was realen Wert hat, d.h. durch produktive Arbeit gedeckt wäre.

Wir leben heute einzig und allein vom Schein, daß alles in Ordnung ist, aber diesen Schein aufrechtzuerhalten wird immer kostspieliger. Das wirklich Erschreckende an der ganzen Angelegenheit ist, daß, je länger man den schlimmen Zusammenbruch der Wirtschaft hinauszögert, dessen soziale und politische Konsequenzen schon heute unvorstellbar sind (bewaffne dich oder begehe lieber gleich Selbstmord!), es mit jedem Tag sozusagen noch unvorstellbar schlimmer wird. Es ist wie bei einem Pyramidenspiel: je länger es andauert, desto mehr Teilnehmer werden zwar kurzzeitig vor dem Ruin bewahrt, aber dafür werden auch umso mehr unausweichlich in den Ruin getrieben.

Diese verhängnisvolle Entwicklung nahm beispielsweise in Deutschland Anfang der 1970er Jahre ihren Anfang, als die SPD auf die grandiose Idee kam durch Ausbau des Staates die Wirtschaft anzukurbeln. Es entstand eine unübersehbare Heerschar von Leuten, deren „Arbeit“ darin besteht, den produktiv Arbeitenden die Arbeit so gut wie unmöglich zu machen. Finanziert wurde das ganze auf Pump, denn – so komme, frei nach Keynes, die Wirtschaft in Schwung…

In der Wirtschaft selbst kam der anti-autoritäre Umschwung darin zum tragen, daß statt wie früher Unternehmungen mühsam aufgebaut wurden, man sich lieber als Finanzjongleur betätigt.

Es ist, als wäre der ganze Planet in die Hände von Jürgen Harksen gefallen.

heinwahrheit