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Soziopolitische Charakterologie

23. August 2014

Linke und Rechte unterscheiden sich nicht primär durch ihre Weltanschauung, sondern durch ihren Charakter. Dazu Gideon Böss, der feststellt, daß heute Linke und Konservative weitgehend gleicher Meinung sind, doch trotzdem: bei Kommentaren könne er „oft schon nach einem oder zwei Sätzen sagen, aus welcher politischen Richtung der Widerspruch kommt“.

Linke sind aggressiver und zielen viel schneller auf den Menschen hinter einem Argument. Sie halten sich nicht lange auf der Sachebene auf, sondern spekulieren laut darüber, welche Lobby einen wohl für diese Meinung bezahlt. (…) Was auch ein klares Indiz dafür ist, mit einem Linken zu diskutieren, ist der inflationäre Gebrauch von Worten wie „Rassist“, „Xenophober“, „Hetzer“ und „Brandstifter“. (…) Ebenfalls beliebt ist der autoritär-lehrerhafte Verweis auf Quellen, die es zu studieren gilt. „Ließ erst einmal, was Autor A geschrieben hat. Wenn es dann immer noch nicht Klick gemacht hat, weiß ich auch nicht weiter, Rassist!“

Konservative hätten andere Prioritäten:

Die Kritik ist weniger scharf auf die Person bezogen. Oft ist der irrende Autor einfach nur ein weiterer Beleg für den traurigen Zustand der Gesellschaft. (…) Schließlich wird ja immer alles schlimmer in diesem Land (…). Außerdem fehlen dem konservativen Wortschatz die starken Begriffe. (…) Weil die Kritik von linker Seite aggressiver und persönlicher ist, ist sie auch anonymer. Es sind oft Fake-Namen, unter denen gepostet wird. Die Konservativen treten häufiger mit eigenem Namen (…) auf. (…) Von daher ist die Unterscheidung zwischen Linken und Konservativen heute vor allem eine, die über den Knigge und nicht mehr die jeweiligen Weltanschauungen geht. (…)

Die soziopolitische Charakterologie wurde von Elsworth F. Baker entwickelt.

In etwas modifizierter Form wird sie in Der politische Irrationalismus aus Sicht der Orgonomie beschrieben. Kurz gesagt behauptet die Orgonomie, daß der ideologische Gegensatz zwischen Liberalen („Linken“) und Konservativen auf strukturellen Unterschieden beruht, d.h. grundsätzlich unterschiedliche Charakterstrukturen vorliegen.

2007 hat eine Forschergruppe der New York University (David Amodio, et al.) festgestellt, daß bei liberal („links“) eingestellten Menschen der sogenannte anteriore cinguläre Cortex im Vorderlappen des Gehirns wesentlich aktiver ist als bei Konservativen. In dieser Gehirnregion wird gesteuert, wie wir mit Konfliktsituationen umgehen, uns auf Neues einstellen können. Beim betreffenden Versuch mußten Versuchspersonen bei Erscheinen eines Signals auf einen Knopf drücken. Nach einer Gewöhnungsphase erschien ein zweites Signal, das die Probanden veranlassen sollte, nicht mehr auf den Knopf zu drücken. Bei dieser Umstellung feuerten die Nervenzellen bei den „Liberalen“ weitaus stärker als bei den „Konservativen“. Entsprechend machten die letzteren auch mehr Fehler, d.h. drückten weiterhin auf den Knopf. Liberale können sich auf Neues besser einstellen, während Konservative am Altbewährten haften bleiben.

Es ist wirklich auffallend, daß konservative Politiker und Journalisten in den Medien als wenig schlagfertig, ungelenk, unkonzentriert, teilweise geradezu „trottelhaft“ „rüberkommen“. Man denke an Helmut Kohl, Edmund Stoiber, George W. Bush oder etwa an die stotternden Auftritte eines Gerhard Löwenthals seligen Angedenkens – und das stets schlagfertige, eloquente Auftreten ihrer Gegenspieler. Ein solches Verhalten ist unmittelbares Ergebnis grundsätzlich verschiedener Energieflüsse im Organismus. Während der Konservative buchstäblich „hirnfern“ im Bauch lebt (orgonotisches System), dreht sich beim Liberalen alles um die Versorgung des Hirns mit Orgonenergie (energetisches Orgonom).

Der grundlegende bioenergetische Unterschied zwischen „Linken“ und „Rechten“ wird durch eine Gallup-Umfrage aus dem gleichen Jahr ebenfalls beleuchtet: Konservative haben weniger psychische Probleme als „Progressive“. Ein statistisch signifikanter Unterschied, der weder mit Einkommensunterschieden noch mit irgendwelchen anderen Faktoren wegerklärt werden kann. Aus bioenergetischer Sicht ist es geradezu selbstevident, daß die, die aus dem Bauch heraus leben, weniger innerlich zerrissen sind, als jene, die „zerebral“ organisiert sind.

Jason Rentfrow von der University of Cambridge hat die geographische Verteilung der Persönlichkeitsmerkmale in den USA untersucht. Grob gesagt sind an der Ost- und Westküste die Menschen kreativer, einfallsreicher und offener als im Mittleren Westen und im Süden, wo die Leute pragmatischer, gradliniger und traditioneller eingestellt sind. Verglichen mit dem Rest des Landes, sind die Bewohner des Mittleren Westens und Südens auch nachbarschaftlicher, freundlicher und freigiebiger.

Dieser Unterschied zwischen den Küsten und dem Mittleren Westen, also „Intellekt“ hier und „Tradition“ dort, schlägt sich unmittelbar in den Wahlergebnissen nieder: die Küsten sind blau (Democrats), der Mittlere Westen und der Süden rot (Republicans).

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Hitler und die Orgonomie (Teil 1)

14. August 2014

Es hat etwas Befriedigendes, am Anfang einer Biographie über Joseph Goebbels (Narziß Goebbels. Eine psychohistorische Biographie) Reich zitiert zu sehen.

Im ersten Kapitel geht es um jene Gruppe, aus der Goebbels entwachsen ist und die die Hauptstütze des Nationalsozialismus war: das Kleinbürgertum, das durch den Untergang des wilhelminischen Deutschland sich gezwungen sieht, die sie tragenden gesellschaftlichen Strukturen so weit wie möglich aufrechtzuerhalten. Dazu diene insbesondere die Aufrechterhaltung der gewohnten Feindbilder.

So steht [das Kleinbürgertum] den Vertretern des Großkapitals feindlich gegenüber, und zwar als unbewußte Wahrnehmung der ökonomischen und damit auch der sexuellen Freiheit, wie Wilhelm Reich darstellt, weshalb es Adolf Hitler und Joseph Goebbels später ein Leichtes sein wird, aus einem latenten einen massiv-aggressiven Antisemitismus in der Bevölkerung aufzubauen. (S. 18)

Reichs Analyse fassen die Autoren wie folgt zusammen:

Eine politisch-gesellschaftliche Diktatur, wie der Nationalsozialismus sie darstellt, gründet ihr Fundament auf Begriffe wie Reinheit, Ehre, Pflicht, Tapferkeit und Disziplin, wodurch ein vermehrter Druck auf die zwangsmoralischen gesellschaftlichen Vorstellungen ausgeübt wird. Da diese permanente sexuelle Selbstbeherrschung und die Angst vor der eignen Sexualität den Kleinbürger überfordern, entsteht eine Führersehnsucht, um die eigene individuelle (und damit auch sexuelle Verantwortung) abzugeben, womit die Strukturlegung für den reaktionären Menschen gegeben ist. (S. 19)

Reich hält Hitlers Persönlichkeit, oder gar die eines Goebbels, für vollständig nebensächlich und denkbar uninteressant. Ihm ging es darum, wie die Massen auf solche Knallchargen haben hereinfallen können. Die Frage ist demnach: Was geht in den Massen vor?

Daß [die] Massenorganisierung gelang, lag an den Massen und nicht an Hitler. Es lag an der autoritären, freiheits-ängstlichen Struktur der Menschen, daß seine Propaganda Wurzeln fassen konnte. Daher kommt das, was an Hitler soziologisch wichtig ist, nicht aus seiner Persönlichkeit, sondern aus der Bedeutung, die er von den Massen bekommt. (Massenpsychologie des Faschismus, S. 57)

Es geht darum, ob die Massen ihr Leben selbst in die Hand nehmen oder irgendeinem „Obama“ folgen, weil der ihnen verspricht, er werde sie an die Hand nehmen und sie „betreuen“. Es geht um die Übernahme von Eigenverantwortung.

Die Grundlage von Eigenverantwortung ist der ungehinderte „psychische“ Kontakt mit seiner Umgebung. „Psychohistorie“, wie sie in immer neuen Büchern über die Nazi-Größen zelebriert wird, verlagert jedoch die Energie ins Gehirn („Grübelei“, „Logelei“) und verstärkt dadurch die Kontaktlosigkeit des Lesers. (Sie ist in etwa mit dem Marxismus vergleichbar, dessen „Analysen“ den gleichen blöde machenden Effekt haben. Kein Wunder, daß Psychoanalyse und Marxismus bei „Intellektuellen“ so beliebt sind!)

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Und dann ist da etwas, was die Bücher über die Protagonisten des Dritten Reiches schlichtweg ungenießbar macht: Es wird nie diskutiert, daß Leute wie Hitler und Goebbels nicht einfach nur „böse“ waren und Lügen verbreitet haben, sondern vor allem auch Wahrheiten ausgesprochen haben, die nie über die Lippen unserer vermeintlichen „Demokraten“ kommen. Reich:

Es ist nie aus den Augen zu verlieren, daß Hitler stets an den berechtigten Haß des Massenmenschen gegen die Scheindemokratie und das Parlamentssystem anknüpfte – und mit viel Erfolg! (ebd., S. 233)

Für den gepanzerten Menschen ist Hitler ein absolutes Faszinosum. Manchmal will es scheinen, daß der Spiegel und das ZDF kein anderes Thema kennen und das Jahr ein, Jahr aus, über Jahrzehnte hinweg. Der paranoid-schizophrene Charakter Hitler hatte und hat diesen Erfolg seit nunmehr über 90 Jahren, weil er auf verzerrte Weise drei Dinge ansprach, die schlichtweg wahr sind:

  1. Seine Darstellung „des Juden“ ist fast eine perfekte Beschreibung der Emotionellen Pest im allgemeinen und des pestilenten Charakters im besonderen.
  2. Sein extremer Rassismus verweist darauf, daß der Mensch ein Tier ist und entsprechend gesellschaftliche Probleme letztendlich biologische Probleme sind.
  3. Sein Kampf gegen die christliche Mitleidskultur, mit dem er die abendländische Kultur vor dem Untergang bewahren wollte, ist von geradezu prophetischer Bedeutung.

Mit traumwandlerischer Sicherheit sind es gerade diese drei Aspekte, die dämonisiert werden: jedwede Analyse des Bösen als charakterologisches Problem ist Anathema, die biologische Bestimmtheit des Menschen, selbst seine Zweigeschlechtlichkeit, wird radikal infrage gestellt und christliche Tugenden werden auf masochistische Selbstverleugnung zugespitzt. Beide christliche Kirchen sind zu Todfeinden des deutschen Volkes mutiert. Auf diese Weise wird Hitler immer ein Faszinosum bleiben!

Ein weiteres Moment wird gerne verdrängt, da es zu sehr nach Apologetik klingt. Rechte Bewegungen appellieren immer an das Gesunde im Menschen, das „gesunde Volksempfinden“, während die Linke immer an das Kranke in den Menschen appelliert: wie bedürftig (infantil) doch alle „Unterdrückten“ seien, man müsse „Widerstand“ (sic!) leisten. Der Nationalsozialismus hingegen handelte zentral von nichts anderem als von Gesundheit und Schönheit und ihrer Erhaltung („Rassereinheit“). Siehe dazu den ausgezeichneten Film von Peter Cohen Architecture of Doom.

Die Frage stellt sich, ob die Nationalsozialisten wirklich „Rechte waren“, betrachtete sich doch Hitler als „Deutschen Lenin“. Man führe sich dazu folgendes Video zu Gemüte:

Es läßt sich trefflich darüber streiten, ob der „Kampf gegen Rechts“ nicht Etikettenschwindel ist. Bzw. kann man streiten, solange man auf der oberflächlichen Ebene von Politik, Ökonomie, Soziologie und Psychologie verharrt.

Die Orgonomie behauptet, daß der ideologische Unterschied zwischen Liberalen („Linken“) und Konservativen letztendlich auf strukturellen Unterschieden beruht, d.h. grundsätzlich unterschiedliche Charakterstrukturen vorliegen. Den grundlegenden bioenergetischen Unterschied zwischen „Linken“ und „Rechten“ hat Charles Konia in seinem Blog herausgearbeitet.

Aber zurück zur Frage, ob „Nazis“ wirklich „rechts“ stünden. Das obige Video will uns suggerieren, daß dies vollkommener Unsinn sei: natürlich seien National-Sozialisten Linke, was denn sonst?! Nun, die meisten Menschen haben dieses ach so „offensichtliche Faktum“ nicht so gesehen. Aber man kann dieses Thema von der Warte der Ideologie her ohnehin nicht sinnvoll behandeln.

Die beste Annäherung an das Thema ist, wie stets bei solchen Dingen, wenn man nach einem entsprechenden Problem in der Gegenwart sucht. Hier bietet sich der Islamismus an, der ohne jeden Zweifel „rechts“ ist: es geht um konsequente Fortschrittsfeindlichkeit, um blinden Glauben an Autoritäten, um Frauenfeindlichkeit, Kulturimperialismus, Rassismus, Geschäftemacherei, Machismo, Klassenunterschiede, Gewaltverherrlichung, etc.pp. Am eindeutigsten „rechts“ ist der alles durchdringende Mystizismus im Islam.

Der Islam ist zweifellos rechts und zweifellos wurde er von Menschen geschaffen und geprägt, die auch von ihrer Charakterstruktur rechts waren. Aber wie Charles Konia in seinem Buch The Emotional Plague (S. 256) ausführt, gibt es auch im Islam Menschen mit einer „linken“ Charakterstruktur. Konia zufolge erkennt man sie daran, daß es ihnen vor allem um ihre kulturelle Identität zu tun ist.

Wie ihre pseudo-liberale Entsprechung im Westen zieht es sie zu linksgerichteten politischen Versammlungen, etwa Demonstrationen von Feministinnen, oder sie schließen sich antiamerikanischen Antikriegs-Bewegungen an. Sie identifizieren sich mit den Unterprivilegierten und Außenseitern und betrachten Amerikaner als Rassisten, die gegen Moslems Vorurteile hegen. Ihre Identität gruppiert sich um die muslimische „Opferrolle“ und nicht um das westliche Land, das sie aufgenommen hat. Sie tragen Schleier nicht so sehr aus religiöser Überzeugung, sondern als Zeichen des Protests und um ihre „Gruppenidentität“ zu feiern. Sie blühen auf, wenn sie Kontroversen hervorrufen und beim Debattieren sozialer und politischer Fragen, weil auf diese Weise Energie in ihr Gehirn hochgezogen wird.

Ähnlich muß man die Nationalsozialisten betrachten. Beispielsweise war Goebbels von der Charakterstruktur her wohl doch eher ein „Linker“, während Himmler ein „Rechter“ war.

Die Frage, wie man die „Bewegung“ als ganzes einordnen soll, läßt sich nur beantworten, wenn man den Nationalsozialismus in die gesamte Geschichte des Abendlandes einordnet, wie Konia es getan hat. Dann geht es schlicht um die Frage, ob intellektuell durchschaubare mechanische Kräfte das Geschehen bestimmen (Mechanismus) oder ein undurchschaubarer Gott bzw. „die Vorsehung“ (Mystizismus). Diese beiden grundsätzlich unvereinbaren Weltanschauungen gehen auf die Charakterstruktur ihrer Anhänger zurück. Diese bioenergetische Ebene wird zwar von politischen, ökonomischen, soziologischen und psychologischen Verwerfungen überlagert, teilweise bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, kommt aber letztendlich doch zum tragen.

Orgonomie und Mystizismus (Teil 1)

12. August 2014

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Richard Schwartzman: Orgonomie und Mystizismus (Teil 1)

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Kann es orgonomische Politik geben?

27. Dezember 2013

Mir wurde von amerikanischen linken „Reichianern“ (die Marx, Marcuse und anderen Murx hochhalten) vorgehalten, wie verlogen doch Konia & Co. seien, die diesen „Reichianern“ eine Politisierung der Orgonomie vorwerfen, während gerade diese Orgonomen selbst weit mehr politisch agitieren, wenn auch extrem rechtskonservativ. Wie kann es sein, daß, wenn man für Obama ist, als „Anti-Orgonom“ dasteht, während ein ausgesprochener Obama-Gegner und Tea-Party-Aktivist den Mantel Wilhelm Reichs überstreifen kann?

War Reich nicht selbst Sozialist?! Was ist mit seinen gesellschaftspolitischen Forderungen und Aktivitäten Ende der 1920er bis Mitte der 1930er Jahre?! Nun, Reich ging es um die Freilegung der Wechselwirkung zwischen Charakterstruktur und Gesellschaft. Er erkannte, daß Gesellschaftspolitik nicht etwa Ausdruck konkreter soziopolitischer Erfordernisse ist, sondern charakterstruktureller Zwänge. An die Stelle der Gesellschaftspolitik tritt entsprechend die Arbeitsdemokratie, d.h. die Absage an jedwede Ideologie – d.h. die Überwindung jedes charakterstrukturellen Zwanges. Hat aber nicht Reich Politik ohne wenn und aber überhaupt abgelehnt?!

Das Problem mit dieser Argumentation ist, daß mit dem Begriff „Politik“, zwei gegensätzliche, sich wechselweise sogar ausschließende Gegebenheiten bezeichnet werden. Wenn Konservative von „Politik“ sprechen, dann meinen sie Staatskunst, Diplomatie, Schutz von Besitz und Familie und nicht zuletzt eine staatliche Haushaltsführung, bei der am Ende die Bilanz bei plus minus Null steht, also weder die gegenwärtige noch zukünftige Generationen durch Überschüsse bzw. Schulden ausgebeutet werden. Wenn Linke von Politik reden, dann meinen sie GESELLSCHAFTSpolitik, d.h. Veränderung der Gesellschaft durch staatliche Interventionen, Regulierung der Wirtschaft, „Umverteilung“ und eine von oben organisierte Umgestaltung der Familienstrukturen. Neuerdings sogar die Aufhebung der Staatsgrenze und Umvolkung, also die biologische Ausmerzung des Souveräns.

Man mag einwenden, daß „Konservative“ heutzutage doch genau dasselbe tun, aber erstens passen sich diese dem „Zeitgeist“ an, um politisch zu überleben, und wenn sie doch tatsächlich konservative Gesellschaftspolitik betreiben, dann ist das eine Abwehrreaktion, die ihnen von den Linken aufgezwungen wurde.

Jedes Zusammenleben in größeren Gruppen braucht so etwas wie einen Staat und damit Politik, d.h. die Auseinandersetzung wie dieser Staat konkret funktionieren soll. Dazu müssen Allianzen geschlossen, Kompromisse eingegangen, ein Geflecht von Verpflichtungen geknüpft werden. Das kann man bereits in jeder Schimpansenhorde beobachten. In Rudimenten bei allen Herdentieren. Der Unterschied zur Gesellschaftspolitik ist, daß genuin politische Entscheidungen selten und nur punktuell getroffen werden müssen.

Die Staatskunst kann irrational sein, ist es sogar meistens auch („Seilschaften“), aber sie ist nicht prinzipiell irrational. Man nehme ein denkbar einfaches Beispiel: die Spartaner. Es mußte entschieden werden, ob sie sich dem persischen Großreich widersetzten oder sich unterwerfen und hoffen, sich einordnen zu dürfen. Das ist Politik: Gemeinschaften müssen handlungsfähig sein, sozusagen als „juristische Person“ mit einem Ziel und einem Willen auftreten, oder sie können nicht überleben.

Irrational und zwar prinzipiell irrational wird es, wenn eine gesellschaftspolitische Agenda ins Spiel kommt. Man nehme etwa die ach so demokratische Mitgliederbefragung der SPD zur Großen Koalition. Frägt man Parteimitglieder, geht es meist um irgendwelche unsinnigen, wenn nicht destruktiven ideologischen Wunschträume: Gleichstellung homosexueller Paare, doppelte Staatsbürgerschaft, höhere Renten und Mindestlohn. Das sind durchweg keine politischen, sondern gesellschaftspolitische Fragen. Es sind keine Fragen des Überlebens, sondern es ist durchweg der pure Schwachsinn, etwa die Rechtschreibreform und ähnlicher destruktiver – Schwachsinn.

Das Fatale ist, daß es sich hier um sogenannte „Sachthemen“ handelt, also das ganze einen rationalen Anstrich hat, während es sich bei der drögen Staatskunst meist um „Personalfragen“ dreht, was einen extrem irrationalen Gout hat. Tatsächlich geht es aber um den alles entscheidenden Charakter der Entscheidungsträger. Die „Sachfragen“ beantworten sich sowieso meist von selbst. Wirkliche politische Weichenstellungen sind, wie gesagt, eher selten zu treffen. Immer wenn grußspurig davon die Rede ist, daß es um „Sachthemen“, nicht um „Personalfragen“, gehen soll, denkt der tumbe „Reichianer“ an „Arbeitsdemokratie“, tatsächlich erhebt aber ihr diametrales Gegenteil ihr häßliches Haupt: die Emotionelle Pest!

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Reich, Marx und die Charakterlosigkeit (Teil 1)

2. Juli 2013

In seinem neuen Buch Neither Left Nor Right beschreibt Charles Konia nicht nur die charakterologischen Unterschiede zwischen Linken und Rechten, sondern auch, warum den ersteren charakterologische Unterschiede nicht zugänglich sind:

Für den Konservativen basiert das Konzept Charakter auf Zügen, die aus dem biologischen Kern („guter Charakter“) und der zerstörerischen mittleren Schicht („schlechter Charakter“) abgeleitet werden. Folglich ist er ein Begriff, der stark mit einem pejorativen oder moralischen Unterton behaftet ist. Man vergleiche diese Ansicht mit derjenigen des Liberalen, für den „Charakter“ ein im wesentlichen bedeutungsloses Konzept darstellt. Die Vorstellung, daß eine Person vorgegebene Merkmale besitzt, ist für ihn unverständlich. Er geht davon aus, daß alle Menschen intrinsisch guten Willens sind und unbegrenzt gebessert werden können. (S. 234)

Konia fährt fort:

Ärzte, die das Ausbildungsprogramm des American College of Orgonomy für medizinische Orgonomie durchlaufen und einen liberalen sozio-politischen Charakter besitzen, haben Probleme beim Erfassen und Anwenden der Grundlagen der Charakterdiagnose und Charakteranalyse. Da die meisten Psychiater sowohl zu Reichs Zeiten als auch heute einen liberalen sozio-politischen Charakter haben, stellt diese Einschränkung beim Erkennen und Verstehen der Bedeutung des Charakters einen Grund dafür dar, daß Reichs Beiträge nicht in die Psychiatrie integriert werden konnten und die Praxis dieser Fachrichtung mechanistisch entartete. (ebd.)

Tatsächlich läßt sich fast jede Abspaltung von der Orgonomie damit erklären, daß liberale Charaktere sich dagegen verwahrten, „Menschen zu kategorisieren“.

Von jeher hatten eher liberal gesinnte Orgonomen Probleme mit der Charakterologie. Da wären etwa Ola Raknes und, wenn ich das richtig einschätze, Walter Hoppe zu nennen, aber auch die Orgonomen, die sich seit 1982 im Institute for Orgonomic Science zusammengefunden haben. Die letzteren haben, etwa mit Einführung des „okularen Charakters“, aus der orgonomischen Charakterologie eine Travestie gemacht, die keinerlei praktischen Nutzen mehr hat. Als erstes wäre aber Otto Fenichel zu nennen, der Reichs „Hang zum Schema“ kritisierte und immer alles „differenzierter“ betrachtet wissen wollte. Nach Reichs Tod, distanzierten sich die meisten Orgonomen, repräsentiert von Chester M. Raphael, von Elsworth F. Baker, als dieser Reichs Charakteranalyse systematisierte und Reichs Charaktereinteilung den Erfordernissen der Orgontherapie anglich. Hinzu kam, daß Baker die Charakterdiagnostik auf den soziopolitischen Bereich ausdehnte.

Im Newsletter for Friends of the Wilhelm Reich Museum (No. 35, 1994) das weitgehend Raphaels Auffassung repräsentierte, findet sich folgende Aussage unter der Überschrift „Why is Reich’s Work so Misunderstood“:

Am vierten Tag der Konferenz befaßte sich der Erzieher Wilbur Rippy mit Reichs Soziologie und der Bedeutung von Marx und Engels für seine Bemühungen die Wurzeln des gesellschaftlichen Elends zu verstehen und Wege zu ihrer Verhütung zu finden. Im Verlauf seiner Ausführungen wies Mr. Rippy auch auf die Fehlauslegung Reichs durch die politische Linke und Rechte hin, besonders auf die „schreckliche Travestie“ der Ansichten, die vom Psychiater Elsworth Baker verbreitet werden.

Das läuft auf die Behauptung hinaus, daß die aktuelle Umwelt die Menschen mehr formt als Baker behauptet, also die spätestens seit der Pubertät weitgehend zementierte Panzerung nicht der alles entscheidende Faktor ist. Rippy sieht nicht, daß aber erst von daher, d.h. aus Sicht der Charakterologie, „Marx und Engels“ für die Orgonomie wirklich Sinn machen:

In Die Massenpsychologie des Faschismus legte Reich dar, daß die aktuellen ökonomischen Bedingungen des Individuums so gut wie keine Rolle für dessen Ideologie spielen, sondern fast ausschließlich die charakterlichen Verformungen, die er sich in der Kindheit zugezogen hat. Trotzdem sind „Marx und Engels“ nicht vollkommen nutzlos, denn bei ihnen läuft, wie Reich in Menschen im Staat gezeigt hat, alles auf die zentrale Bedeutung der menschlichen Arbeitskraft hinaus, die Arbeitsfunktion wird aber genauso wie die Sexualfunktion von der Panzerung, d.h. der Charakterstruktur des Menschen bestimmt.

„Marx und Engels“ haben deshalb in der Orgonomie einen Platz, weil alle anderen ökonomischen Theorien zwar einen begrenzten Erklärungswert haben, etwa für die Euro-Krise, letztendlich aber alles auf die Qualität und Quantität der menschlichen Arbeitsfunktion hinausläuft, Marx’s „lebendige Produktivkraft“, die wiederum von der Struktur der Panzerung, also vom Charakter abhängt.

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Silvio Gesell und der Rote Faschismus

31. Mai 2013

Warum sind, Reich zufolge, ausgerechnet die totalitären, staatsgläubigen Kommunisten „Freiheitskrämer“? Man sollte doch weit eher etwa die USA als „Freiheitskrämer“ bezeichnen, wollen die doch der Welt die „Freiheit“ bringen!

Die Kommunisten haben eine tiefere, eine biologische Zielsetzung, nämlich den „neuen Menschen“, während Konservative nur oberflächliche Veränderungen wollen, etwa die Einführung eines parlamentarischen Systems und einer freien Marktwirtschaft (vgl. Neither Left Nor Right, S. 142). Konservative wollen keinen „grundlegenden“, keinen radikalen, d.h. an die Wurzel gehenden Umbau.

Kommunisten wollen die „Blockaden“ lösen, die eine freie Entwicklung behindern. Bisher sei die Geschichte von blockierenden Klassengegensätzen geprägt, die verhinderten, daß der Mensch sein wahres Potential entfalten konnte. In der zukünftigen klassenlosen Gesellschaft verschwinde diese Dauerblockade und an ihre Stelle trete, so das Kommunistische Manifest, „eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist“.

Genau das hat Reich zu den Kommunisten hingezogen und hat ihn später zu einem Antikommunisten gemacht: daß sie das Blaue vom Himmel versprechen, die Menschen für im Grunde gut und gerecht und rational halten, wenn nur nicht die „Umstände“ wären, die die Massen daran hinderten, ihr wahres Potential zu entfalten. Statt, daß der Kleine Mann auf sich selbst und seine Verantwortung verwiesen wird, werden „die Ausbeuter“ und „Wall Street“ für seine Malaise verantwortlich gemacht. Gäbe es die nicht, wäre er frei, zumindest nach einer „Übergangsphase“.

Es ist bezeichnend, daß Leute, die ständig von Marx redeten, sich nach dem Ende des Realsozialismus prompt in Anhänger von Silvio Gesell verwandelten. War es früher „das Kapital“, das alles blockierte, ist es nun „das Zinssystem“. Sowohl Reich als auch Gesell hätten die „Blockierungen“ lösen wollen: die „Blockierung der Lebensenergie“ und die „Geldblockierung“.

Rahim Taghizadegan zeigt in seinem Aufsatz Eine kritische Überprüfung von Freiwirtschaft, Zinskritik und Schwundgeld nach Silvio Gesell, daß Gesells Projekt zwangsläufig im Roten Faschismus enden muß. Ja, man lese Taghizadegans Beitrag bis zum bitteren Ende durch!

Das Perfide an der Botschaft der Marxisten, Gesellianer und all der anderen Freiheitskrämer ist, daß die Aufmerksamkeit geradezu systematisch von der eigenen Blockierung, der biophysischen Panzerung, weggelenkt und auf externe Faktoren gerichtet wird. Konservative mit ihrem „Keine Experimente!“ haben zwar auch keine Lösung anzubieten, aber sie sorgen zumindest nicht für ein haltloses Chaos, das die Lösung der Probleme auf immer verunmöglicht.

Beim Publikum kommt bei den Marxistischen und Gesellianischen Vorträgen an, daß nicht etwa sie selbst die Schuld für ihre Umstände tragen, d.h. die Verantwortung, sondern vielmehr „das System“. Wenn dieses umgestaltet werde, komme alles in Fluß und würde sich schließlich selbst regulieren. Klingt gut, aber das Gegenteil ist der Fall. Jede „Umgestaltung“ wird eher zu einer Katastrophe führen, wie erst vor kurzem die Einführung des Euro gezeigt hat, der uns von „nationalen Egoismen“ befreien sollte, jedoch das exakte Gegenteil bewirkte. Der einzige Weg raus aus der allgemeinen Misere liegt im Blick nach innen: du trägst die Verantwortung für dein eigenes Leben und niemand sonst. Aber das will niemand hören.

Freiheit und Verantwortung beruhen auf dem Kontakt mit dem biologischen Kern und sind deshalb biologische Funktionen. Freiheit ist nicht ohne Verantwortung zu haben und läßt sich nicht dadurch herbeiführen, daß man die „Umstände“ verändert und irgendwelche angeblichen „Blockaden“ beseitigt. Sie ist nur mit biologischen Mitteln erreichbar. Sie mit soziologischen erreichen zu wollen, ist Freiheitskrämerei und kann nur in der Katastrophe münden.

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Ein kurzer Abriß über die acht sozio-politischen Charaktertypen

5. Februar 2013

Winston Churchill hat seine konservative Charakterstruktur wie folgt in einem oft zitierten Spruch perfekt zum Ausdruck gebracht:

So schön die Strategie auch ist, sollte man doch gelegentlich auf das Resultat blicken.

Der konservative Charakter sieht sich räumlich und zeitlich in die Tradition eingebunden und handelt entsprechend wie ein verantwortungsvolles Familienoberhaupt. Er denkt an die Nation, nicht nur indem er sich seinen Mitmenschen (desto mehr, je näher sie ihm stehen), sondern auch seinen Vorfahren und seinen Kindern gegenüber verantwortlich fühlt. Niemals würde er das für irgendeinen „Fortschritt“ gefährden. (Daß er in einer gegebenen Situation aufgrund seiner Rigidität doch absoluten Mist bauen kann, ist dabei unbenommen.) Während „Progressive“ blind drauflos stürmen und alles Überkommene zerstören, betrachtet der Konservative immer genau, was aus seinen Taten folgen könnte.

Progressiven geht es, im krassen Gegensatz zu den Konservativen, immer nur um eins: um Rebellion, letztendlich um Rebellion gegen Gott selbst. Oder wie Stalin 1943 gegenüber Churchill sagte:

Gott steht auf Ihrer Seite? Ist er ein Konservativer? Der Teufel steht auf meiner Seite, er ist ein guter Kommunist.

Rechts vom Konservativen steht der erzkonservative Charakter, etwa Pat Buchanan, Redenschreiber von Nixon, später selbst Präsidentschaftsanwärter, Fernsehkommentator und Buchautor. In seinem Buch Churchill, Hitler und der unnötige Krieg: Wie Großbritannien sein Empire und der Westen die Welt verspielte kritisiert er, daß Churchill Hitlers Friedenbemühungen ignorierte und stattdessen alles tat, um die USA und Rußland in den Konflikt hineinzuziehen. Ergebnis war letztendlich die Vernichtung des britischen Empire. Ähnlich verhängnisvoll sei die Politik von G.W. Bush, der sich vollkommen den Interessen Israels unterordne, statt mit der islamischen Welt Frieden zu schließen.

Ohne selbst rechtsradikal zu sein, fühlt sich der Erzkonservative im Gegensatz zum einfachen Konservativen zum „rechten Spektrum“ zugehörig und hat damit eine gewisse instinktive Affinität zu faschistischen und beispielsweise auch islamistischen Strebungen. Churchill wäre nie auf die Idee gekommen, mit einem Faschisten gemeinsame Sache zu machen oder auch nur „Friedensangebote“ ernstzunehmen. (Selbstredend wäre die Sache anders gewesen, wäre es zu einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Großbritannien und der Sowjetunion gekommen: Staatsräson! Es geht hier nicht um Moral, sondern darum, wie Charakterstrukturen Handlungen bestimmen.)

Rechts vom Erzkonservativen findet sich der Reaktionär, der sogar noch weiter vom gesunden Menschenverstand entfernt ist und dessen Kontakt zum bioenergetischen Kern noch prekärer und noch mehr mystisch verzerrt ist.

Unser Beispiel hier sei Recep Tayyip Erdogan, der Ministerpräsident der Türkei. Seine ganze Haltung kommt vielleicht am besten durch den folgenden Ausspruch zum Ausdruck, mit dem er sämtliche Anschuldigungen gegen Türken und Mohammedaner, etwa hinsichtlich der Armenier oder Dafur vom Tisch wischte: „Ein Muslim kann keinen Völkermord begehen“.

Der echte faschistische Charakter findet sich unter den islamischen Terroristen, die für Taktierer und Kompromißler wie Erdogan nur Verachtung übrighaben. Ihre Kontaktlosigkeit ist fast vollständig. Es handelt sich zumeist um paranoid-schizophrene Charaktere.

Ein liberaler Charakter und deshalb in mancher Hinsicht Churchills Gegenspieler war Franklin D. Roosevelt. Obzwar ebenfalls gemeinhin kein Vertreter der Emotionellen Pest, ist dieser Charakter durch seine Kontaktlosigkeit und seinen Glauben an das Gute im Menschen doch gefährlich. So sagte Roosevelt beispielsweise 1943:

Ich habe einfach das Gefühl, daß Stalin nicht solch ein Mann ist. … und ich denke, wenn ich ihm alles gebe, was in meiner Macht steht und im Gegenzug um nichts bitte, er, Noblesse Oblige, nicht versuchen wird, sich irgendwelche Gebiete anzueignen und mit mir für eine Welt der Demokratie und des Friedens arbeiten wird.

Immerhin muß man diesem Idioten zugute halten, daß er ein amerikanischer Patriot war. Ganz anders sieht das bei seinen linken Kritikern aus, die ihm vorhalten, er hätte Pearl Harbor geschehen lassen, um einen zwingenden Kriegsgrund gegen Japan zu haben oder die USA hätten zumindest die armen Japaner mit Embargos dermaßen in die Enge getrieben, daß Nippon einfach zuschlagen mußte. Derartige Verschwörungstheorien haben immer einen einzigen Hintergrund: die USA zu delegitimieren und als „Aggressor“ dastehen zu lassen.

Wenn Linke irgendetwas hassen, dann dieses „Experiment der Selbstregierung“, d.h. Amerika. Nicht etwa, daß sie irgendwelche nachvollziehbaren rationalen Gründe hätte (alle „Gründe“ sind nur vorgeschoben und nichts weiter als Blablabla), sondern einzig und allein aus charakterologischen Gründen, d.h. Dinge (in diesem Fall die „Selbstregierung“) werden aus der Umwelt entfernt, die unerträgliche Emotionen, Sensationen und Antriebe provozieren könnten.

Die emotionell pestkranke Linke setzt sich charakterologisch aus Sozialisten, Pseudo-Liberalen (von Elsworth F. Baker als modern liberals bezeichnet) und Kommunisten zusammen.

Nehmen wir nacheinander Sigmar Gabriel und seine Genossen, Joschka Fischer und schließlich dessen Gegenspielerin Jutta Ditfurth:

Während Sozialdemokraten gemeinhin ganz offen in ihren staatsgläubigen Bestrebungen sind und unverhohlen mit der sozialistischen Sehnsucht, d.h. der Hilflosigkeit der Massen spielen, versteckt der Pseudo-Liberale seine viel weitgehenderen und explizit zerstörerischen Ziele hinter einer liberal-bürgerlichen Fassade. Man denke an den gewalttätigen Revoluzzer Fischer, der sich bürgerlich gab und sich der Staatsräson unterwarf, heimlich aber seine subversiven Ziele um so effektiver verfolgte, etwa die Umvolkung Deutschlands. Der einzige Unterschied zu einem kommunistischen Charakter wie Ditfurth ist, daß die letztere diese Ziele offen und unverhohlen verfolgt, so als sei die linke Machtübernahme bereits erfolgt. Man denke auch an die RAF in den 1970er Jahren, ihrem pseudo-liberalen Umfeld (den „Sympathisanten“) und dem sozialdemokratischen Zeitgeist, der den Nährboden bildete. Man hatte zumindest („letztendlich“) die gleichen Ziele!

Die Linken sind vor allem dadurch gekennzeichnet, daß sie ihre sekundären Triebe abwehren. Die „politische Korrektheit“ ist ihr Lebenselixier. Kernkontakt („Gott“) ist kaum vorhanden. Bei den Rechten ist es genau umgekehrt: sie haben einen, wenn auch mystisch verzerrten Kernkontakt, während die Abwehr gegen sekundäre Triebe kaum eine Rolle spielt: man spricht „eine klare Sprache“ mit einem Hang zu unverblümtem Sadismus. Es sind die sprichwörtlichen „Kreuzritter“.

achtspinner

Nachtrag zu „Die sozio-politische Charakterologie Elsworth F. Bakers am Beispiel der Bundestagsparteien“

5. Dezember 2012

Man meint, den Streit Liberalismus gegen Konservativismus dadurch umgehen zu können, indem man („Schluß mit der Politik!“) einfach die Lebensfeindlichkeit schlechthin bekämpft oder positiver ausgedrückt: für das Leben einsteht, egal ob es nun von rechts oder von links bedroht wird. Aber ist nicht a priori „politisch sein“ identisch mit „links sein“? Die Linken sagen doch selber immer, daß eine apolitische Haltung zu reaktionären Ansichten führt. Politik bestimmt unser Leben wie kaum etwas, wir sollen aber nicht versuchen sie zu begreifen?

Um effektiv für das Leben und gegen das Antileben eintreten zu können, muß man:

  1. die pestilenten Mechanismen in ihren Einzelheiten erkennen; und
  2. sich im konkreten Leben, jenseits nebelhafter Grundsätzlichkeit, so neurotisch wie es nun mal ist, für eine Seite in einer bestimmten Situation entscheiden. Genauso wie sich Reich immer entschieden hat.

Mit grundsätzlichen (einfachen) Überlegungen kommt man im Leben halt nicht immer weiter.

Menschen denken gemeinhin nach dem mechano-mystischen Ausschließlichkeitsprinzip, anstatt funktionell („dialektisch“) zu denken. Für sie scheint es so zu sein, daß sich:

  1. der Liberale als „guter Mensch“ und der Faschismus einander ausschließen. In Wirklichkeit können sie aber sehr wohl funktionell identisch sein. Etwas, was Leute nicht verstehen, die immer beklagen, Reich hätte wahllos jeden Linken als Roten Faschisten bezeichnet.
  2. der rigide konservative und der weiche genitale Charakter einander ausschließen. In Wirklichkeit können auch sie funktionell identisch sein, z.B. dann, wenn sie im Gegensatz zum Liberalen die Freiheit und nicht den „Frieden“ an die erste Stelle setzen.

In Die Massenpsychologie des Faschismus hat Reich drei Charakterschichten postuliert und sowohl mit soziologischem Verhalten als auch mit Gesellschaftssystemen in Zusammenhang gebracht:

  1. die oberflächlichste, die Fassade: das Reich der liberalen Gesinnung; soziales System: die liberale Gesellschaftsordnung;
  2. die perverse mittlere Schicht: faschistische Gesinnung; Gesellschaftssystem: Faschismus; und
  3. die tiefste, primäre Schicht: Genitalität; Arbeitsdemokratie.

Diese Einteilung ist die Grundlage für die Beurteilung der Politik in der Orgonomie.

Zur „Fassade“ ist zu sagen, daß es hier zwei Arten des Liberalismus gibt, die das Gesetz der gleichzeitigen Gegensätzlichkeit und Identität (mit der zweiten Schicht) aufzeigen:

  1. Der Gegensatz: der genuine Liberale, der seinen rationalen Platz in einer gesunden Gesellschaft hat, um den Konservativen in Schach zu halten, versucht ehrlich seine mittlere Schicht durch intellektuelle Abwehr unter Kontrolle zu halten. Leider Gottes ist diese Abwehr aber äußerst labil und schlägt leicht in ihr Gegenteil um. Damit haben wir:
  2. Die Identität: die Abwehr wird zum Diener der mittleren Schicht. In „Modju at Work in Journalism“ schreibt Reich dazu:

    Das Motiv fair und rational zu erscheinen, ist nicht etwa fair und rational zu sein, sondern nur den Anschein des Fairen und Rationalen zu wahren, um auf besonders gerissene Weise zu verbergen, daß man unfair und zerstörerisch irrational ist. (Orgone Energy Bulletin, Vol. 5, March 1953)

Deshalb haut also die Orgonomie immer so „einseitig“ auf die Linke ein:

  1. weil der Liberalismus doch nur der Zuckerguß über einer stinkenden Eiterbeule ist;
  2. weil er sehr schnell nach unten in die mittlere Schicht abgleiten kann; und
  3. weil dies der Liberalismus auf eine unglaublich teuflische Weise tut: all die „Gutheit“ wird benutzt, um so effektiver böse sein zu können – man schaue sich nur die „Friedensoffensiven“ der Sowjetunion an!

Das erklärt, warum die Orgonomie gegen die Linke ist (jedenfalls tendenziell). Warum tendiert sie dann mehr zur Rechten?

In der obigen Reichschen Einteilung in die drei Charakterschichten fällt natürlich auf, daß dort kein Platz für das Reich des Konservativen ist. Aus persönlicher Erfahrung heraus werden die meisten den Konservativen wie folgt beschreiben:

  1. rigid und sexuell verklemmt;
  2. mystisch veranlagt (Primärprozeßdenken: Mutter = Nation, Vater = Staat); und
  3. autoritär.

Der erste Punkt weist darauf hin, daß eine muskuläre, anstatt einer intellektuellen Abwehr vorliegt. Der zweite Punkt auf einen verzerrten Kontakt mit dem Kern, der sich nicht nur in Religiosität zeigt, sondern auch in der Verbindung mit dem Ahnenerbe. Ist es nicht naheliegend den konservativen Charakter aus diesen Gründen zwischen die mittlere Schicht und den Kern einzuordnen? Und kommt er damit nicht der Genitalität am nächsten?

soziopol

Seine Rigidität und sein Konservatismus schützt den Konservativen „nach oben“ in die mittlere Schicht abzugleiten und zum Nazi zu werden.

In der Welt, wie sie nun mal ist, müssen wir, wenn wir den Genitalen Charakter suchen, wohl vorerst mit dem Konservativen vorlieb nehmen. Das ist auch der Grund dafür, daß man faktisch die Arbeitsdemokratie mit dem Kapitalismus gleichsetzen kann. Eine entsprechende Frage von mir hat Charles Konia wie folgt beantwortet:

Der Kapitalismus ist eine Kernfunktion im ökonomischen Bereich. Die Arbeitsdemokratie ist eine Kernfunktion im tieferen, umfassenderen bio-sozialen Bereich.

Kommen wir nun, immer noch unter dem strukturellen Gesichtspunkt „tiefer-höher“, zu einer mehr therapeutischen Sichtweise:

Dazu wollen wir den liberalen Charakter mit dem Schizophrenen vergleichen, wobei aber nicht vergessen werden darf, daß es genauso viele liberale wie konservative Schizophrene gibt:

  1. beide können oberflächlich manchmal ziemlich gesund wirken, da sie nicht so rigid gepanzert sind wie der Zwangs- bzw. der konservative Charakter;
  2. beide sind unglaublich kontaktlos;
  3. deshalb können sie weit destruktiver sein als ihre neurotischen Pendants; und
  4. beide müssen zuerst neurotisch bzw. konservativ werden, bevor sie die Genitalität erreichen können.

Leider ist es dabei so, daß der so freie Schizophrene erst zum beschränkten Spießer werden muß (wie Reich es in Charakteranalyse beschreibt), während der Liberale zuerst seine angeblich fortschrittliche Haltung aufgeben muß, was ihn sicherlich auch nicht sympathischer werden läßt.

Die sozio-politische Charakterologie Elsworth F. Bakers am Beispiel der Bundestagsparteien

3. Dezember 2012

Die von Elsworth F. Baker 1967 vorgestellte sozio-politische Charakterologie bzw. deren leichte Modifikation durch Charles Konia (The Emotional Plague, 2008) sieht wie folgt aus:

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Nach links hin von einer hypothetischen „gesunden Mitte“ haben wir der Reihe nach den Liberalen, den Sozialisten, den Pseudo-Liberalen und den Kommunisten. Es ist kaum bis gar kein Kernkontakt vorhanden und die Fassade dient der Abwehr gegen die mittlere Schicht, um beim Kommunisten zu kippen, d.h. in den Dienst der mittleren Schicht zu treten. Man denke nur an die unterschiedlichen Funktionen des Pazifismus bei der westlichen Linken in den 1980er Jahren („atomfreie Zonen“) und des damaligen „Pazifismus“ der nuklear aufrüstenden UdSSR.

Nach rechts hin haben wir den Konservativen, den Erzkonservativen, den Reaktionär und den Schwarzen Faschisten. Hier ist mehr Kernkontakt vorhanden, wenn auch zu einem Gutteil mystisch verzerrt. Die Fassade drückt nach rechts hin immer prominenter und nackter die mittlere Schicht aus. Das macht etwa das berühmte „Faszinosum“ des Nationalsozialismus aus: „es wird die Sau rausgelassen“.

Es bringt wenig bis nichts, diese Aufstellung auf die deutsche Parteienlandschaft zu übertragen, da diese generell nach links verschoben ist und da jede Partei „eine Welt für sich ist“ mit einer jeweils komplexen Geschichte. Gehen wir die Parteien deshalb nacheinander durch:

Die Grünen waren eine Sammlungsbewegung aus den Erben Rudi Dutschkes, liberal gesinnten „Bürgerrechtlern“ und echten Ökologen, d.h. „Konservativen“ im eigentlichen Sinne des Wortes. Die beiden Extreme der Partei, echte charakterologische Kommunisten wie Jutta Ditfurth auf der einen und Menschen des „rechten Spektrums“ auf der anderen Seite, wurden sehr schnell aus den Reihen der Partei weggegrault bzw. verließen sie enttäuscht, weil diese eine „FDP mit grünem Anstrich“ geworden sei oder, auf der anderen Seite, sich als „Wassermelone“ entpuppt habe: außen grün, innen rot. Was blieb, waren vollkommen kontaktlose „pazifistische Liberale“, die von Pseudoliberalen, die so taten, als wären sie selbst ebenfalls genuine Liberale, mißbraucht wurden.

Nachdem Kommunisten erst einmal mit Hilfe der Liberalen und Sozialisten an die Macht gekommen sind, sind nicht etwa wie vorher die Konservativen ihr Hauptfeind, sondern ihre ehemaligen liberalen und sozialistischen Bundesgenossen. Nichts kann eine kommunistische Herrschaft weniger brauchen als „subversive“, „kritische“ Geister und Leute, die nach „Solidarität“ („Fraktionsbildung“!!) rufen. Was sie braucht sind willfährige Untertanen, die sich nicht viel um Politik scheren bzw. tun, was ihnen gesagt wird. Wenn die Kommunisten diesen „konservativen“ Bevölkerungsanteil mit Versatzstücken der kommunistischen Ideologie indoktrinieren können, um so besser! Beim Untergang des Kommunismus fand man entsprechend Liberale und Sozialisten eher bei den Regimegegnern als bei den Parteimitgliedern der SED/PDS. Zwar stirbt langsam das alte konservative Milieu der DDR weg, doch sind wohl immer noch weite Kreise der Parteimitglieder und Wähler der Linken in Ostdeutschland eher konservative Charaktere. In Westdeutschland ist das vollkommen anders, was die Partei Die Linke immer wieder an den Rand der Spaltung führt, denn hier dominiert das charakterologisch extrem linke Spektrum die Partei.

Die SPD war in den Industriezentren und Metropolen Westdeutschlands so etwas wie die „SED des Westens“. Noch heute kontrolliert sie in weiten Teilen den gesamten Staatsapparat und die Medien, in NRW praktisch flächendeckend. Wie im Fall der SED war auch hier ein Großteil der Mitglieder, erst recht aber der Wähler, eher konservativ strukturiert. Das änderte sich spätestens in den 1970er Jahren, als die ehemalige Arbeiterpartei zunehmend eine Partei der Pseudointellektuellen wurde. Zentrum der Partei war natürlich stets die sozialistische Ideologie von „Gerechtigkeit“ und „sozialem Ausgleich“. Entsprechend findet die SPD erst seit kurzem zu sich selbst, da nun die sozialdemokratische Ideologie besser zur durchschnittlichen Charakterstruktur der Parteimitglieder paßt.

Am authentischsten waren seit jeher die beiden „bürgerlichen Parteien“ CDU/CSU und FDP, denn hier stimmte die offizielle konservative bzw. liberale Ideologie stets mit der jeweiligen Charakterstruktur der Parteianhänger überein. Wenn man mal von manchen sozialistischen Absonderlichkeiten am Anfang der Parteigeschichte der CDU absieht und davon, daß ausgerechnet die FDP lange Zeit geradezu ein Auffangbecken für „alte Kameraden“ war. Durch die Verschiebung des soziopolitischen Spektrums nach links ist von der genannten „Authentizität“ wenig geblieben. Nicht von ungefähr spricht man von der zunehmenden „Sozialdemokratisierung“ der CDU.

Die FDP hätte die Chance gehabt, als „Partei der Freiheit“ zu überleben, hat aber Selbstmord verübt, weil der Liberale bei all seinen hehren „Prinzipien“ wankelmütig ist. Wegen seiner Struktur und der ihr inhärenten Kontaktlosigkeit kann er sich dem Linkstrend nicht entgegenstellen. Der Konservative ist den Linken ebenfalls ausgeliefert, weil er an Werte wie Fairneß und „Jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden!“ glaubt. Werte, auf die die extreme Linke, insbesondere der Kommunist, spuckt!

Der „aufklärerische“ und der konservative Blick auf die Welt

31. Januar 2012

Wieder eine Studie, die, auch nach Einschätzung der Forscher selbst, auf etwas deutet, was Reichs Schüler Elsworth F. Baker bereits 1967 behauptet hat: politische Haltungen sind in erster Linie biologisch fundiert und haben so gut wie nichts mit – Politik zu tun. Oder hätte schon einmal jemand erlebt, daß politische Debatten irgendetwas an den Grundauffassungen der Teilnehmer der vermeintlichen „Diskussion“ (tatsächlich abwechselnde Monologe) geändert hätten? Politik spiegelt die soziopolitische Charakterstruktur wider, wie sie von Baker ausgearbeitet wurde. Siehe dazu sein Buch Der Mensch in der Falle.

Die besagte Studie stammt von Mike Dodd, University of Nebraska, et al. Die Forscher untersuchten die physiologischen Reaktionen und Augenbewegungen von Versuchspersonen, denen abwechselnd schöne und schreckliche Bilder gezeigt wurden. Während „liberals“ länger auf die schönen Bilder blickten und bei diesen stärkere Reaktionen zeigten, waren es bei den „conservatives“ die schrecklichen Bilder.

Die Forscher schließen daraus, daß Linke und Konservative die Welt buchstäblich mit unterschiedlichen Augen betrachten. Dergestalt ist es allzu offensichtlich, warum Linke, angesichts von Fragen der „nationalen Sicherheit“ oder etwa der Einwanderungsproblematik, die ängstlichen Sorgen der Konservativen einfach nicht nachvollziehen können. Und warum andererseits Konservative angesichts der „rosaroten Brille“, die Linke ständig zu tragen scheinen, einfach nur fassungslos sind.

Es sind die grundlegend unterschiedlichen biologischen Strukturen dieser beiden Bevölkerungsgruppen am Werk, bzw. in orgonomischer Begrifflichkeit: es sind unterschiedliche Charakterstrukturen!

Hier zwei Beispiele für den Unterschied zwischen dem linken („aufklärerischen“) und dem konservativen Blick auf die Welt:

Es ist ein Phänomen jeder Armee, ich habe es selbst bei privaten Videoabenden bei der Bundeswehr erlebt: Soldaten sind geradezu krankhaft fasziniert von Kriegsfilmen – die fast durchweg als Anti-Kriegsfilme konzipiert waren, tatsächlich aber das „kriegsbegeisterte“ Selbstbild von Soldaten stärken und die noch nicht infizierten ins militaristische Fahrwasser ziehen. Ein „Antikriegsfilm“ ist ein Widerspruch in sich selbst. Der linke Regisseur vermeint mit Peng und Bumm und Hektolitern von Blut die Zuschauer wachrütteln zu können, doch tatsächlich werden diese nur um so blutgeiler. (Kurioserweise kenne ich nur einen Kriegsfilm, der einen wirklich die Lust am Kriegsspiel austreibt – und der ist das genaue Gegenteil eines Antikriegsfilms: Mel Gibsons konservativer Vietnamfilm Wir waren Helden von 2002.)

Die aufklärerischen Träume der Liberalen und Linken sind nur Schäume, die immer zum Gegenteil dessen führen, was sie ursprünglich intendieren. Auf dem DGPPN-Kongreß 2011 in Berlin haben dazu Antonie Arnoldussen und Jörg Wolstein ein schönes Beispiel vorgestellt: „Der paradoxe Effekt eines Theaterstücks zur Prävention riskanten Alkoholkonsums bei Kindern und Jugendlichen in einer Längsschnittuntersuchung“.

In Bamberg hatten zwei Laienschauspieler ein Alkoholpräventionsprojekt an Hauptschulen initiiert: ein 30minütiges Theaterstück plus eine anschließende 60minütige Diskussion über die Hintergründe und Gefahren des Alkoholkonsums. Die Jugendlichen reagierten positiv auf das Projekt und gaben an, die Aussage verstanden und etwas gelernt zu haben. Paradoxerweise stellte sich aber bei einer „Nachuntersuchung“ drei Monate später heraus, daß sie infolge des grandiosen Aufklärungsprojekts sich häufiger betranken als vorher. Und das sowohl in der Gruppe mit niedrigem als auch der mit hohem Risiko. Offensichtlich, so nehmen jedenfalls die beiden Autoren an, war das der hohen Attraktivität des Antihelden des Theaterstücks zu schulden. Eine positive Identifikationsfigur! (Info Neorplogie & Psychiatrie, Januar 2012).

Vielleicht erinnert sich noch der eine oder andere an die vom Stern und anderen Medien betriebene Aufklärungsarbeit hinsichtlich „der Kinder vom Bahnhof Zoo“, mit Kinofilm und allem drum und dran. Erfolg war, daß sich zahllose Jugendliche und Kinder „Christiane F.“ zum Vorbild nahmen und unter den Klängen von David Bowies „Heroes“ in die Drogenhölle und den Kinderstrich abdrifteten. Kaum eine ach so gutgemeinte Kampagne der linken Aufklärer war verheerender!

Wie berechtigt die fatalistische, quasi „biologistische“ Haltung der Konservativen ist, zeigt eine Studie von Michael Haselhuhn und Elaine Wong, University of Wisconsin: statistisch (!) sind Männer mit, im Verhältnis zur Höhe des Kopfes, breiten Gesichtern dazu prädestiniert unethisch zu handeln. Bereits zuvor hatten die Autoren gezeigt, daß solche Männer statistisch (!) dazu neigen, auf die kleinsten vermeintlichen Herabsetzungen aggressiv zu reagieren und das Vertrauen ihrer Mitmenschen auszunutzen. Oder mit anderen Worten: es sind geborene Kriminelle!

Damit haben die beiden Forscher die „aufklärerische“ Weisheit der letzten 100 Jahre vom Tisch gewischt! „Vielleicht sind einige Männer tatsächlich bis auf die Knochen böse.“

Der Konservative fühlt sich ob solcher wissenschaftlicher Erkenntnisse in seiner finsteren, leicht paranoiden Weltsicht bestätigt, der Linke – guckt weg und singt fröhlich und naturbekifft: „Lalalalala, Sonne, Mond und Sterne!“

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