Posts Tagged ‘sexuelle Revolution’

Das Jüngste Gericht begann 1960 (Teil 5)

24. März 2023

Die autoritäre Gesellschaft beruhte im Wesentlichen darauf, daß die Menschen „nicht aus der Reihe tanzen“. Die Gesellschaft war bei allen Klassenkämpfen und Kriegen doch eine einheitliche Formation. Genau das hat Reich 1934 in Was ist Klassenbewußtsein? beklagt und Wege beschrieben, wie dieses Gebilde aufzuspalten ist.

Was die einheitliche Formation betrifft verweise ich auf den nach oben gerichteten einheitlichen Pfeil in der Abbildung in Teil 4. Wie kam es „1960“ zur in Teil 4 beschriebenen Aufspaltung dieses einheitlichen Impulses, d.h. zur Transformation von der autoritären zur antiautoritären Gesellschaft?

Es war die „sexuelle Revolution“, vor der Reich bereits 1953 in Christusmord gewarnt hatte, sie könnte zum Untergang der Menschheit führen. Man nehme etwa die „Bewegung für freie Meinungsäußerung“, Stichwort Woodstock, die die autoritäre Gesellschaft tatsächlich zerstörte. Und wie? Indem man alles und jeden „psychoanalysierte“. Das war krank und zerstörte jeden Kontakt, machte die Menschen ahnungslos bis hin zur Psychose. Das Ergebnis ist, daß sich heute niemand mehr traut, etwas zu sagen, weil buchstäblich ein bloßes „Hallo“ einen als „Rassisten, „Misogynsten“, „Transphobiker“ oder was auch immer dastehen lassen kann. In einer dialektischen Verdrehung zerstört entsprechend heute die freie Rede die antiautoritäre Gesellschaft. Die Gesellschaft ist auf jeder Ebene gespalten und jeder steht gegen jeden. Ich verweise nochmals auf die Illustration in Teil 4!

Ich glaube tatsächlich, daß die Psychoanalyse die westliche Gesellschaft zerstört hat, so wie Kinder reihenweise von ihren „psychoanalytischen“ Eltern zerstört wurden. Alles und jedes wird „hinterfragt“. „Du hast also Hunger? Was willst du mir damit eigentlich wirklich sagen? Was bedeutet ‚Hunger‘, meine Liebe? Was verbindest du mit diesem Begriff?“ usw. In gewisser Weise hat auch die Charakteranalyse die Gesellschaft zerstört: heutzutage wird jeder als „Rassist“ oder was auch immer „diagnostiziert“. Die Menschen sehen keine Individuen mehr, sondern „Typen“. Seit den 1960er Jahren wollten alle möglichen Linken den Menschen die „Charaktermasken“ (ein Begriff, der seit Ulrike Meinhofs Zeiten zum festen Vokabular der Linken gehört) vom Gesicht reißen, um sie zu entlarven („Hinter dem Lächeln des scheiß Liberalen verbirgt sich die Fratze des Nazis!“). Dies wurde bei Trump ständig getan. Es scheint, als seien Amerika und Deutschland zu großen Höllenlöchern geworden, in denen jeder jeden analysiert!

Aus dem Akt der Befreiung „im Jahre 1960“, der der ganzen Verlogenheit der autoritären Gesellschaft ein Ende setzen sollte, wurde ein Sprengsatz, der jede Möglichkeit eines menschlichen Zusammenlebens zerreißt!

Das Jüngste Gericht begann 1960 (Teil 3)

21. März 2023

Die Progressiven in der autoritären Gesellschaft waren vorwiegend kulturkritisch, d.h. es wurde das „geistige Schicksal des Menschen“ gerungen, wobei die Gesellschaft als „idealistische“ Ganzheit betrachtet wurde. In der antiautoritären Gesellschaft geht es dann vorwiegend um gesellschaftskritische Fragen, d.h. um „materialistische“ Konflikte, die die besagte „Ganzheit“ als Illusion entlarven. Mit anderen Worten geht es um Subversion! Der Übergang von der einen „Kritik“ zur anderen fällt in die 1960er Jahre.

Genauso wie es in der „kulturkritischen Periode“ nie darum ging irgendetwas tatsächlich grundlegend zu verändern, sondern, um mit Reich zu reden, die Falle immer wieder von neuem zu dekorieren („die Kultur geht vor!“), geht es in der heutigen „gesellschaftskritischen Periode“ nicht um die tatsächliche „Emanzipation“ irgendwelcher vermeintlich benachteiligter gar unterdrückter Gruppen, sondern einzig und allein um die Spaltung der Gesellschaft, um der Spaltung an sich. Es müssen Zeichen gesetzt, d.h. immer neue spaltende Frontlinien gezeichnet werden.

Tatsächlich ist die Revolution der 1960er Jahre nichts anderes als der klägliche Versuch einer sexuellen bzw. biologischen Revolution. Alte, überkommene Strukturen sollten aufgebrochen werden, doch verursachte dieser chaotische Versuch eine derartige Angst, eine bioenergetische Panik, daß sich seitdem die Gesellschaft selbst zerstört. Selbst die Definition von Kategorien wie „Deutscher“ oder „Frau“ wird zunehmend unmöglich, da dieser Verweis auf Identität, Eigenheit, Einheit und Natürlichkeit einen derartig starken bioenergetischen Spannungszustand hervorruft, daß sofort alles getan wird, die „Gesellschaftskritik“ immer weiter bis zu den absurdesten Konsequenzen voranzutreiben. All die sich selbstverstümmelnden Borderliner-Monster, die heute unsere Städte bevölkern, sind der sinnfällige Ausdruck der „woken“ Gesellschaftskritik.

Das Jüngste Gericht begann 1960 (Teil 1)

19. März 2023

Vielleicht könnte man Reichs Studie zum Masochismus („der Drang von außen zum Platzen gebracht zu werden“) auf das Weltgeschehen anwenden. Man denke nur an den Iran (den 12. Iman hervorlocken, indem man die Welt an den Abgrund bringt) oder Israel (dem Messias und damit dem Weltende die Bahn ebnen).

Meines Wissens beschäftigt sich Reich nur an einer Stelle ausdrücklich mit dem „Jüngsten Gericht“ und zwar im Christusmord:

Christus ist „gegen“ einen bewaffneten Aufstand. Er lehnt es ab, einen solchen Aufstand zu führen. Er predigt eine Seelenrevolution, die das Tiefstinnere nach außen kehrt. Christus weiß, daß das jüngste Gericht schon auf seine Generation herabkommen wird. Wenn es nicht gelingt, dieses Tiefstinnere nach außen zu kehren und zu praktischer Wirksamkeit zu bringen. Christus fühlt mehr als daß er bewußt erkennt, daß der Mensch seinen Kern widerfinden und lieben muß, wenn er überleben und das Himmelreich auf Erden errichten will. (Christusmord, Freiburg 1978, S. 129f)

Das schrieb Reich zu einer Zeit, 1951, als langsam jener „Emanzipationsprozeß“ anhob, der sich dann in den 1960er Jahren entfalten und sich schließlich als ein Alptraum erweisen sollte. In dieser Hinsicht ist sein Gesamtwerk so eine Art „Apokalyptik“: „die mißglückte biologische Revolution“ (Titel des Kapitels über den Nationalsozialismus in Die Funktion des Orgasmus, 1942). Das „vegetative Leben“ strebt nach Befreiung, aber da sich die „Struktur“ nicht ändert (die „Panzerung“ = festgefahrene Verhaltensmuster, versteifte Körper), muß jeder „Befreiungskampf“ wohl oder übel in einen Alptraum münden – und je grundsätzlicher die Befreiung ist, desto schlimmer der Alptraum, desto totaler die Apokalypse.

Was Reichs Thema „sexuelle Revolution“ betrifft schreibt er beispielsweise im Christusmord:

Nichts ist leichter, als aus einer Lehre, die die Liebe und die natürliche genitale Umarmung umfaßt, eine Religion der permissiven, pornographischen Sexualität zu machen. Und es gäbe für die Menschheit keine größere Katastrophe als die Herausbildung solch einer Bordellreligion aus einer Botschaft, die die Liebe mit genitaler Umarmung verbindet. (Christusmord, S. 183)

70 Jahre später fühlen sich die Orgonomen, als würden sie die Apokalypse durchleben: nach all der angeblichen „Befreiung“ sind die Menschen kränker und „strukturell“ hoffnungsloser („härter“) als je zuvor – weil es zu keiner „Seelenrevolution“ gekommen ist. Ganz im Gegenteil: die Menschen haben ihre Seele verloren – sie sind kontaktloser geworden.

Über die Zerstörung der amerikanischen Nation durch die Politik

30. Januar 2023

Über die Zerstörung der amerikanischen Nation durch die Politik

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 19. Die Dogmatik der Christusmörder: Christus und Hitler (Teil 2)

21. Januar 2023

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 19. Die Dogmatik der Christusmörder: Christus und Hitler (Teil 2)

Peter liest die kommentierte Neuauflage der Originalausgabe von Reichs MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 6)

18. Januar 2023

Reich spricht von Gegensatz zwischen moralischer Hemmung und der drängenden Sexualität. Reich: „Im Anfangsstadium wird das sexuelle Bedürfnis, später die moralische Hemmung Oberhand gewinnen, sicher aber wird bei politischen Erschütterungen der gesamten gesellschaftlichen Organisation der Konflikt zwischen Sexualität und Moral an die Oberfläche und auf die Spitze getrieben werden, was dem einen als moralischer Untergang, dem anderen als sexuelle Befreiung oder ‚sexuelle Revolution‘ erscheinen wird, ohne es in Wirklichkeit noch zu sein (…)“ (S. 95). Reich beschreibt hier schon 1933 die ersten Dynamiken der antiautoritären Gesellschaft, die erst mit der eigentlichen „sexuellen Revolution“ der 1960er Jahre voll zum tragen kamen. Als die Nazis im Berlin Anfang der 1930er Jahre die „Lüsternheit, Geilheit und sexuelle(n) Schmutz“ sahen, entsprach dies

nicht nur der Phantasie des faschistischen Betrachters, sondern auch der realen Situation des brennenden Widerspruchs in der Erlebnisweise der Menschen dieser Epoche. Die dionysischen Feste [des Altertums] entsprechen den verschiedenen Redouten und Maskenbällen unserer Bourgeoisie. Man muß nur genau wissen, was sich auf solchen Festen begibt, um nicht dem Fehler zu verfallen, der ganz allgemein begangen wird, in diesem ‚dionysischen‘ Tun den Gipfel sexuellen Erlebens zu erblicken. Nirgends enthüllen sich die im Rahmen dieser Gesellschaft unlösbaren Widersprüche zwischen gelockertem sexuellen Begehren und moralisch zersetzter Erlebnisfähigkeit gründlicher als auf solchen Festen. (S. 96)

Es war wirklich ein Witz, daß später die Kommune 2, Langhans und dieser ganze bourgeoise Dreck ausgerechnet mit Reich in Verbindung gebracht wurde oder daß heute Reich als obsolet betrachtet wird, weil die Menschen ja ach so „sexuell frei“ sind. Reich 1933:

Keine noch so laute und „frei“ scheinende sexuelle Betätigung kann den Kundigen über [die] tief sitzende Hemmung hinwegtäuschen; mehr, viele krankhafte Äußerungen im späteren Geschlechtsleben, wie wahllose Partnerwahl, sexuelle Unrast, Neigung zu Ausschweifungen etc. leiten sich gerade aus der Hemmung der sinnlichen Erlebnisfähigkeit her. (S. 133)

Reich argumentiert, daß der Staat von der Reaktion als „organisches Ganzes“ gesehen wird, weil für den Kleinbürger Familie und soziale Daseinsformen weitgehend identisch sind, für den noch nicht verkleinbürgerlichten Proletarier ist der Staat aber ein Instrument der Klassenherrschaft, ein Klassenstaat. Er ist, so Reich, „in der Lage, das Wesen des Staates als eine Zweiheit von Klassen zu sehen“ (S. 113).

Heute, ein Jahrhundert später in der antiautoritären Gesellschaft, ist es jedoch genau umgekehrt: die Familie zerfällt zusehends, der Staat wird zur Ersatzfamilie und die Massen sind wie blind dafür, daß heute der Staat mehr denn je ein verbrecherisches Ausbeutungsorgan der herrschenden Klasse ist, die, Stichwort „Klaus Schwab“, den Interessen, ja sogar der physischen Existenz selbst der arbeitenden Volksmassen exakt entgegengesetzt ist. TODFEINDE!

Wenn die Bourgeoisie mit einer bestimmten ideellen Propaganda Erfolg hat, so kann es nicht bloß eine Vernebelung sein, sondern in jedem Falle muß ein massenpsychologisches Problem vorliegen, muß etwas von uns noch Unerkanntes in den Massen vorgehen, das sie befähigt, entgegen ihren eigenen Interessen zu denken und zu handeln. Die Frage ist entscheidend, denn ohne dieses Verhalten der Massen wäre die herrschende Klasse völlig machtlos; nur die Bereitschaft der Massen, diese Ideen aufzunehmen, was wir den „massenpsychologischen Boden“ der Klassenherrschaft nennen könnten, macht die Stärke der Bourgeoisie aus. Es ist daher dringende Aufgabe, hier volles Verständnis zu erzielen. Mit den Steigerungen des materiellen Drucks auf die beherrschte Klasse pflegt sich immer auch der moralische zu verstärken. Das kann nur die Funktion haben, einer eventuellen Rebellion der Massen gegen den ökonomischen Druck durch eine Steigerung ihrer ideologischen und moralischen Abhängigkeit von der herrschenden Ordnung vorzubeugen. Auf welche Weise geschieht das? (S. 119)

Reich machte 1933 die „religiöse Verseuchung“ der Massen verantwortlich und spricht von der „Kirche als internationale sexualpolitische Organisation des Kapitals“. Nun, heute existiert das Christentum nur noch als Versorgungswerk von Pfaffen und anderen Beamten. Was heute massenpsychologisch wirksam ist und die Massen im Sinne der Herrschenden mürbe macht, ist ein ganz anderer Mystizismus, der sich teilweise ein christliches Gewand gibt, teilweise explizit antichristlich auftritt: der Ablaßhandel, daß du mit der richtigen Gesittung (etwa „Willkommenskultur“ und ähnliche Buntheiten) deine „weiße Schuld“ abträgst. Heute ist das Fernsehen und das „betreute Internet“ die Kirche dieser neuen Religion, die nicht zuletzt durch Pornographie und Genderideologie systematisch deine Sexualität zerstört, denn nur derartig im bioenergetischen Kern geschädigt, kann die „ideele Propaganda“, diese ständige Kackscheiße, die auf uns niedergeht, von den Massen akzeptiert werden. (Dazu gehört auch die flächendeckende Ruhigstellung durch Psychopharmaka und Marihuana.)

Genauso wie in der autoritären Gesellschaft, die Reich beschreibt, wird selbst vor den Kleinsten nicht halt gemacht. Zur Verankerung sexueller Angst in der Kindheit und dadurch die Verankerung der Religion in den Kinderseelen zitiert Reich folgendes Abendgebet für Kinder:

Lieber Gott, nun schlaf ich ein, schicke mir ein Engelein. Vater, laß die Augen Dein, über meinem Bette sein. Hab ich Unrecht heut getan, sieh es, lieber Gott, nicht an. Vater, hab‘ mit mir Geduld und vergib mir meine Schuld. Alle Menschen groß und klein mögen Dir befohlen sein. (S. 142f)

Wer erinnert sich da nicht an die Worte unseres rotfaschistischen Kulturrevolutionärs im Kanzleramt: „Die Regierung will mit dem Ausbau der Ganztagsbetreuung eine ,kulturelle Revolution‘ erreichen. Wir wollen die Lufthoheit über unsere Kinderbetten erobern!“

Religion? Das ständige Virtue Signaling der Erwachsenen, etwa durch Lastenfahrräder, das ständige Belästigen durch irgendwelche Rotznasen, die einem zu ihrer Öko- und Genderreligion missionieren wollen. Das ist eine politische Religion, genauso wie es der Nationalsozialismus war. Es ist, wie immer, der Gegensatz zwischen „Tier“, das sich nicht zügeln kann, und dem rötgrünen verantwortungsvollen „Geistesmenschen“ (vgl. S. 152).

Aber Sexualunterdrückung? Heute?! Man lasse folgendes Zitat auf sich wirken und denke an einen jungen Buntling. Reich:

Der Gottesglauben, der selbst in früher Kindheit anläßlich der ersten sexuellen Regungen aufgenommen wurde, versetzt in einen Zustand sexueller Erregung, der nicht nur einen Ersatz für die sinnliche Genitalbefriedigung bildet, sondern vielmehr derart ist, daß dadurch tatsächlich die normale, reife Sexualstrebung gelähmt wird. Der Jugendliche muß sich nämlich, um das Gebot der Kirche zu verwirklichen, in eine passiv-homosexuelle Triebrichtung begeben bzw. die entsprechenden Anlagen hierzu voll entwickeln; die passive Homosexualität ist triebenergetisch der wirksamste Widerpart der phallischen männlichen Sexualität, denn sie ersetzt die Aktivität und Aggression durch Passivität und masochistische Haltungen, also gerade diejenigen, die die massenstrukturelle Basis der christlichen wie jeder patriarchalischen Religion bestimmen. Das bedeutet aber gleichzeitig auch Setzung von Neigung zu kritikloser Gefolgschaft, Autoritätsgläubigkeit und Anpassungsfähigkeit an die Institution der Ehe. Die Kirche spielt also in Wirklichkeit, indem sie die revolutionäre genitale Kraft niederringen will, eine andere sexuelle Triebkraft gegen sie aus. Sie bedient sich selbst sexueller Mechanismen zur Durchsetzung ihrer Ziele. Diese von ihr teils in Gang gesetzten, teils zur Blüte gebrachten nichtgenitalen sexuellen Regungen bestimmen dann die Massenpsychologie der kirchlichen Anhängerschaft: moralischer (sehr oft auch deutlich körperlicher) Masochismus und passive Homosexualität. Es ist daher unvollständig, zum Teil sogar falsch, wenn die Religion und ihre Macht aus der infantilen Vaterbindung erklärt wird. Sie bezieht ihre Macht aus der genitalen Sexualeinschränkung, die erst sekundär zur Regression auf die Linie der passiven und masochistischen Homosexualität drängt. Sie basiert sich also triebdynamisch auf doppelte Weise: durch Erzeugung von genitaler Angst und Ersatz der Genitalität durch infantile, für den Jugendlichen nicht mehr normale Triebrichtungen, die ihre Kraft aus der versagten Genitalität beziehen. Für die sexualpolitische Arbeit unter christlichen Jugendlichen halten wir vorläufig fest, daß im Kampfe gegen die Religion, wenn er mit geeigneten Mitteln geführt werden soll, der genitale Anspruch der Jugendlichen gegen den passivhomosexuellen ausgespielt werden kann und muß. Diese massenpsychologische Aufgabe deckt sich vollkommen mit den objektiven Entwicklungslinien des Kommunismus auf sexualpolitischem Gebiet: Aufhebung der genitalen Versagungen und Bejahung des genitalen Geschlechtslebens der Jugendlichen. (S. 153)

Oder das: man braucht nur einige Worte an heutige Verhältnisse umwandeln, um zur internationalistischen rotgrünen Gender-Politreligion und deren Phrasen zu passen – und Reich beschreibt die heutige Massenpsychologie:

In der Wahrnehmung der sexuellen Lust und der Endlust selbst gesperrt, muß die religiöse Erregung eine dauernde Veränderung der psychischen Apparatur herbeiführen. Nicht nur daß das reale Sexualerleben selbst als erniedrigend erlebt wird, es kann auch nie zu einem Vollerleben kommen. Die Abwehr des sinnlichen Begehrens muß im Ich-Ideal gefühlsbetonte Vorstellungen von ethischer Reinheit und Vollkommenheit einbauen. Was die gesunde Sinnlichkeit und Befriedigungsfähigkeit an Selbstgefühl vermittelt, ergibt sich beim religiösen und mystischen Menschen aus diesen Abwehrformationen. Wie beim nationalistischen Empfinden wird auch beim religiösen das Selbstgefühl aus diesen Abwehrhaltungen geschöpft. Es unterscheidet sich jedoch vom genital basierten Selbstgefühl schon äußerlich durch seinen zur Schau getragenen Charakter, durch den Mangel an Natürlichkeit im Auftreten, durch die tiefenpsychologisch leicht feststellbare Unterbauung durch ein sexuelles Minderwertigkeitsgefühl, das zur Kompensation mithilfe entlehnter tugendvoller Eigenschaften drängt. Das erklärt, warum der christlich oder national „sittlich“ erzogene Mensch den Phrasen der politischen Reaktion wie „Ehre“, „Reinheit“ etc. so leicht zugänglich ist. (S. 158)

Schreibt hier Reich über die heutigen woken Gender- und Klimajünger? DIALEKTISCH LESEN, LEUTE!

Und den systemtreuen Schreiberlingen an den Universitäten und in den Massenmedien sei hinterhergerufen:

Beim Durchschnitt der Intellektuellen, „die mit der Politik nichts zu tun haben wollen“, lassen sich unmittelbar wirtschaftliche Interessen und Ängste um ihre von der Meinung der Großbourgeoisie abhängige Existenz leicht nachweisen, denen sie die groteskesten Opfer an Wissen und Überzeugung bringen. (S. 187f)

Zur Judenfrage (Teil 3)

30. Dezember 2022

Anläßlich der Massenirrationalität der 1930er Jahre in Deutschland und Italien stellte Reich fest, daß der „Faschismus das Resultat jahrtausenderalter Verunstaltung der Menschen (ist). Er hätte in jedem Lande, in jeder Nation zur Entwicklung kommen können“ (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 284). In diesem Sinne war der Nationalsozialismus nur die konsequenteste Ausprägung des Patriarchats, dessen Doktrin im Alten Testament archetypisch niedergelegt ist.

Rassistisches (wenn auch sicherlich nicht im modernen biologistischen Sinne) kann man auch im Alten Testament finden. Unter den Neubegründern (bzw. den eigentlichen Begründern) des Judentums, Esra und Nehemia, herrschte nach dem babylonischen Exil ganz offener Rassismus. So „schalt und verwünschte“ Nehemia jene Juden, die Mischehen geschlossen hatten und „ließ auch einige von ihnen schlagen und ihnen die Haare ausraufen“ (Neh 13,25). Esra meinte, Mischehen würden das Land mit Unreinheit von einem Ende zum anderen erfüllen (Esra 9.10). Fremde Frauen und ihre Kinder sollten verstoßen werden.

Nicht vergessen sei aber auch, daß bis zu David Israel ohne zentralen König war und auch später nie einen wirklichen „orientalischen Tyrannen“ geduldet hat. Für die despotischen Zustände im antiken Orient ist es ohne Beispiel wie etwa Judas König Joschija (638-609), nachdem er sich von der assyrischen Tyrannei befreit hatte, den aufgefundenen Text des Deuteroniums vor dem Volk verlas. Michael Grant zufolge scheint Joschijas Regierungsstil demokratischer als der der anderen Herrscher seiner Zeit gewesen zu sein.

Seine öffentliche Verlesung des heiligen Textes weist darauf hin, daß er offensichtlich davon überzeugt war, daß die Bevölkerung ein Recht habe, über Dokumente von nationaler Bedeutung informiert zu werden, und der Prophet Jeremia [22,15f], der gewiß nicht leicht zufriedenzustellen war, erklärte, der König habe recht gehandelt, indem er sich den Niedrigen und Armen zugewandt habe. (Grant: Das Heilige Land, Bergisch Gladbach 1988, S. 224f)

Wie Ernst E. Vardiman schreibt, gab es in Israel im Gegensatz zu Hellas keine unterdrückte Urbevölkerung und keine Massensklaverei (Vardiman: Die Frau in der Antike, Düsseldorf 1982). Außerdem war die Unterdrückung der Frau weit geringer.

Es läßt sich eine gerade Linie ausmachen, die vom alten Israel, über das Christentum (man denke etwa an die Kreuzzüge) bis zum heutigen Westen ausmachen und seinem Bemühen, die Welt zu „demokratisieren“. Hier zieht sich wie eine Leitlinie das Gefühl hindurch, man sei von Gott ausgewählt „das Licht der Welt zu sein“. Genau hier beginnt das Problem, das Sendungsbewußtsein.

Über das Sendungsbewußtsein Amerikas und des Christentums brauchen wir nichts weiter sagen. Problematisch wird es bei den Juden. Man schaue sich nur die Geschichte de Orgonomie selbst an: Marxismus, Bolschewismus, Psychoanalyse, die Sexpol, Reich in Skandinavien und New York: das waren durch und durch jüdische Veranstaltungen. Wogegen haben sie sich gewendet? Gegen die Produktionsverhältnisse (ökonomische Revolution) und gegen die, wenn man so will, „Reproduktionsverhältnisse“ (sexuelle Revolution). Frankfurter Schule, die westliche Kulturrevolution seit den 1960er Jahren, heute vor allem rassische und sexuelle „Diversity“, was nichts anderes bedeutet als weißer Genozid.

Es gibt zwar keine Rassen aber „BPoCs“ (Black and People of Color)! Es gibt zwar Dutzende Geschlechter, aber merkwürdigerweise kann man sich nur an zwei von ihnen medikamentös und chirurgisch anpassen lassen!

Hier, in diesem widersprüchlichen und bösartigen Mumpitz, scheint die ganze Dialektik auf, die von Anfang an unsere christliche Kultur geprägt hat. Man denke nur daran, wie Jesus gegen die Pharisäer gewettert hat, die weitgehend identisch mit den späteren Talmud-Juden sind. Er hat sie nicht etwa angegriffen, weil sie von Natur aus böse waren, d.h. ihr Grundimpuls in irgendeiner Weise falsch war, schließlich war ja auch er in mancher Beziehung einer von ihnen, sondern er griff sie an, weil sie eben diesen Grundimpuls verraten und verkauft hatten; hochmütig, weltfremd und niederträchtig auftraten. Nichts wurde logisch zuendegedacht – d.h. es wurde nicht funktionell gedacht. Der humanistische Grundimpuls des Judentums wurde zu einer subversiv-suprematistischen Scheußlichkeit.

Genau das war auch Reichs Problem mit den Juden: daß der Grundimpuls der Befreiung der „Arbeitsenergie“ in einen elenden Marx-Talmudismus entartete, der dazu führte, daß Leute wie Erich Fromm und andere Stubengelehrte dem Straßenkämpfer Reich den „Marxismus“ absprachen; der Bolschewismus entartete zu etwas, was der krypto-religiöse Franz Kafka hätte entwerfen können; der Grundimpuls der Psychoanalyse, nämlich die Befreiung der Sexualenergie, wurde zu einem „Befreien Sie mich von Reich!“; die Entartung von Reichs eigener Lehre durch seine Schüler beschreibt er in seiner Rede an den Kleinen Mann. Beschränkte und bösartige Pharisäer!

Warum (linke) Meinungen auf diesem Blog keinen Platz haben (Teil 1)

2. November 2022

Nie mehr darf eine siegreiche Arbeiterbewegung es duIden, daß pastorale Sozialisten, ethisierende Intellektuelle, zwangskranke Grübler oder sexuell gestörte Frauen über die Neuordnung des sexuellen Lebens zu entscheiden haben. Man muß wissen, daß diese Schichten der Bevölkerung gerade in den Augenblicken, wo alles höchste Klarheit erfordert, gedrängt von unbewußten Gefühlen sich in die Debatte mischen. (Die sexuelle Revolution, Fischer TB, S. 262)

So lange wie du mit dem Orgon-Institut verbunden bist, bist du kein freier Akteur und kannst nicht handeln, wie es dir gefällt. Wenn du auf eigene Faust vorgehen willst und tun willst, was dir einfällt, muß du dich vom Orgon-Institut trennen. Warum? Weil du Teil einer Armee bist, die sich im Krieg befindet, wo Leben auf dem Spiel stehen und deshalb Selbstregulierung nicht angebracht ist… Es gibt ein grundlegendes Naturgesetz, das ich im Artikel über orgonometrische Gleichungen beschrieben habe, dieses Gesetz bindet dich… Ich möchte dich bitten, mir dabei zu helfen, die Freibrief-Ideologie in unserer Mitte auszumerzen. …am notwendigsten ist der Kampf gegen die Pest. Das bedeutet, daß wir nicht wie eine Organisation von freien Menschen organisiert sind, sondern eher wie die Mitarbeiter einer Universität oder die Mitglieder eines militärischen Dienstes… Ich befinde mich seit 30 Jahren im Krieg. Das ist nicht meine persönliche Wahl, aber ich stehe im Krieg… (Reich z.n. Pulse of the Planet, No. 3, S. 99)

Seit den 1980er Jahren nerven mich „Bewegungen“ und gar Parteien („Mündige Bürger“) mit irgendwelchen welterschütternden Einsichten und Theorien über die schwindenden Ressourcen, die Geld- und Zinspolitik, die Unterdrückung von xyz, irgendwelche Verschwörungstheorien, etc. Ständig wird eine weitere laut grunzende Sau durchs Dorf getrieben. Das Internet hat diesen Irrsinn verstärkt, sogar potenziert. Das Problem ist, daß diese angeblichen Offenbarungen zu einem Gutteil kontraproduktiv sind, Halbwahrheiten enthalten oder sogar nichts weiter sind als eine gigantische Lüge. Man nehme nur den unfaßbar dummen Film Zeitgeist, der am Anfang das Christentum mit der Astrologie erklären will. Vollkommener Schwachsinn, wie immer und immer wieder nachgewiesen wurde, aber diesen Dreck glauben Millionen. Tatsächlich müßten sie sich übergeben angesichts der Lügen und Manipulationen, die ihnen in diesem Machwerk frech aufgetischt werden. Das Perfide ist, daß sich die kontaktlosen Massen angesichts dieser Manipulationen von Seiten persönlichkeitsgestörter Arschlöcher „wissend“ und „überlegen“ fühlen. Dem einigermaßen Klarsehenden ist evident, daß Abermillionen verhungern und auf andere Weise umkommen werden, wenn sich die vorgeblichen „Umweltschützer“, die „Zinskritiker“ und all die anderen Menschheitsbeglücker durchsetzten. Tatsächlich ist es schon geschehen. Man denke nur das den Kampf gegen das DDT oder an den Holocaust an den Ungeborenen infolge der angeblichen „sexuellen Revolution“. Millionen und Abermillionen ERMORDETER! Aber was schert das die Weltretter, Hauptsache sie können anderen ihre fixen Ideen aufdrängen…

Was die Weisheit vergangener Generationen sagt, zählt bei ihnen gar nichts. Was Experten sagen, die ihr Leben der Erforschung des jeweiligen Problembereichs gewidmet haben, zählt nicht. Das einzige was zählt, sind die Hirngespinste von Irren, die es versäumt haben, einen Psychiater aufzusuchen. Lieber setzen sie ein gemeines Gerücht nach dem anderen in die Welt. Der Nationalsozialismus beruhte auf nichts anderem.

Wer kennt das nicht. Eine produktive Diskussion, in der gemeinsam immer tiefer in die Funktionszusammenhänge eingedrungen wird und die gemeinsame bioenergetische Erregung ansteigt. Jeder steht unmittelbar vor neuen und befriedigenden Einsichten, bis urplötzlich der verbiesterte kleine Wicht sich mit einem sadistischen Gesichtsausdruck zu Wort meldet und mit einer wohlplazierten „Frage“ den Erregungsablauf zu einem schmerzhaften Abbruch führt. Es ist wie eine Vollbremsung bei voller Fahrt: alles wird durcheinandergewirbelt und am Ende bleibt nur Chaos, Verwirrung, Katzenjammer und ein ekliger Nachgechmack.

Es gibt zwei Arten, etwas zu einem beliebigen Thema zu sagen: entweder bringt man seine „subjektive“ Charakterstruktur zum Ausdruck oder man verleiht der objektiven Logik der Natur Ausdruck. Entweder schwafelt man wie ein debiler Irrenhäusler oder man betreibt Orgonometrie.

Genau das ist auch der Unterschied zwischen „Reichianismus“ und Orgonomie. Im ersteren geht es notorisch um die Meinungen irgendwelcher angemaßter Autoritäten, die „ihr Ding“ machen wollen und sich „von niemandem etwas sagen lassen“.

Mir wird vorgeworfen, daß ich mich „unsolidarisch“ gegenüber anderen Reichianern verhalte? Aber es gibt kein „Wir“! Ich bin kein „Reichianer“. Groteskerweise haben sich stets jene als „Reichianer“ bezeichnet, – die mit zentralen Theorien Reichs, insbesondere der Orgasmustheorie, nicht übereinstimmten.

Architektur und sexuelle Revolution

16. Oktober 2022

Vor fünf Jahren lieferte ich hier im Blog eine sexualökonomische Erklärung der Wilhelminischen Architektur ab:

Ich rätselte bei einer Fahrradtour durch Hamburg weiter über meine alte Marotte: warum mir die Wilhelminische Architektur so überaus gut gefällt, gerade enthusiasmiert, und warum mich alles derartig anwidert, was in den letzten 100 Jahren gebaut wurde. Ein physischer Widerwille, abgrundtiefer Haß und purer Ekel!

Mein Fehler war bisher, daß ich a la Rudolf Steiner von steinzeitlichen Höhlen ausgegangen bin und daß heute diese natürlichen Formen durch mechanische Formen ersetzt wurden. Doch dieser Ansatz ist nicht zielführend. Man muß Häuser anders betrachten, nämlich frei nach Hans Hass (Energontheorie) als zusätzliches Organ, das funktionell dem Federkleid der Vögel, dem Fell der Säugetiere und der Kleidung der Menschen entspricht.

Das Federkleid eines Pfaus oder eines Enterichs, das überbordende Geweih eines Hirsches oder die imposante Mähne eines muskelbepackten Pavian-Paschas sind vollkommen überflüssiger Schnickschnack ohne jede Funktion. Dieser absurde Luxus der Sexprotze signalisiert nur eins: eine überbordende Gesundheit, eine überschwellende Energie, gutes Erbmaterial. Und genau das signalisierte die verschnörkelte, sich in abstruse Einzelheiten verlierende Architektur des imperialen Deutschlands, das vor wirtschaftlicher Kraft schier barst, warum denn auch die Emotionelle Pest alles tat, um das Deutsche Reich wieder zu zerstören.

Die Architektur unter Kaiser Wilhelm läßt mein Herz höher schlagen, weil sie eine hohe orgonotische Ladung signalisiert, Optimismus und Lebendigkeit. Alles was danach kam, ausnahmslos alles, ist eine Architektur des Niedergangs, des Verfalls, des Todes. Die heutigen Städte sind steingewordene Anorgonie. Ausspuck!

Soweit mein alter Text. Nichts davon nehme ich zurück, außer vielleicht das mit der „wirtschaftlichen Kraft“ als ein entscheidender Faktor. Mir war damals nicht klar, daß die neue Architektur, also die Architektur nach dem Ersten Weltkrieg, rein gar nichts mit ökonomischen Zwängen zu tun hat. Auch dachte ich, zu Wilhelminischen Zeiten sei die Arbeitskraft halt billig gewesen, nach dem Ersten Weltkrieg habe sich das geändert und man mußte schnell und trotz verteuerter Arbeitskraft billig für eine wachsende Bevölkerung bauen. Das ist Unsinn! Die Bauten des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts wurden bereits weitgehend industriell gefertigt. Es gab Fabriken, in denen Steine, vor allem „künstliche Steine“ (Steine aus Kalkmörtel), geschnitten und mit Hilfe von Schablonen gefräst wurden und all die Ornamente und Figuren, sind nicht etwa Produkte von Steinmetzen, sondern wurden massenhaft gefertigt, wie heute all die Statuetten und anderer billiger Firlefanz, den geschmacklose Zeitgenossen in ihre Gärten stellen. Auch Einzelstücke brauchten keinen „Michelangelo“, sondern wurden aus vorgefertigten Versatzstücken schnell zusammengepfuscht.

Warum wurde das, die überbordende Ornamentik, so abrupt aufgegeben und durch brutale Nacktheit ersetzt? Man vergleiche die schlichte Frauenmode der 1920er Jahre mit dem Panzer aus Stoff und Tüll, der die Frauen vor dem Großen Krieg eingehüllt hatte und kaum atmen ließ! Die neue sogenannte „funktionale“ Architektur, mit anderen Worten „nackte Architektur“, beruhte auf keinster Weise auf materiellen Zwängen, sondern war ein Nebenaspekt der sexuellen Revolution, die mit dem Krieg und dem Zusammenbruch der alten Ordnung einherging.

Natürlich waren das keine bewußten Entschlüsse und kein Mensch hat die besagte „Nacktheit“ des Mauerwerks mit Nackedeis assoziiert. Es geht hier um geschichtliche Prozesse, die auf der Entfaltung der Orgonenergie in der Gesellschaft beruhen. Die Menschen wollten endlich frei sein von den alles erstickenden Konventionen. Die sexuelle Revolution endete im Sadomaso-Brutalismus der Pornographie, der sich immer mehr in der fast schon alltäglichen Mode niederschlägt. Der Brutalismus der modernen Stadtarchitektur ist davon nur ein Aspekt.

Offensichtlich sind auch andere auf ähnliche Gedanken gekommen, soweit ich das dem bombastischen Wortgeklingel entnehmen kann.

Die „rotfaschistische Rückkehr“ Reichs nach Deutschland

19. September 2022

Wer hat eigentlich 1966 die Herausgabe von Die sexuelle Revolution initiiert und damit „Reich heim ins Reich geholt“? Vielleicht steckt ja die 1959 von Wolfgang Fritz Haug gegründete Zeitschrift Das Argument dahinter. Jedenfalls veröffentlichte er 1965 den Aufsatz

Bernhard Blanke/Reimut Reiche/Jürgen Werth, Die Faschismustheorie der DDR. In: Das Argument, H. 33/1965, S. 33-55

Dort (S. 48) wird die Faschismustheorie der DDR zwar kritisch betrachtet, aber prinzipiell der „bürgerlichen“ als überlegen erachtet. Von den Autoren wird neben linkskommunistischen Faschismus-Theoretikern wie August Thalheimer auch Wilhelm Reichs Theorie von der Massenpsychologie des Faschismus wegen ihres antibürgerlichen Gehalts positiv bewertet. (Hans-Helmuth Knütter: Die Faschismus-Keule. Das letzte Aufgebot der deutschen Linken, Frankfurt: Ullstein, 1993, S. 71)

Es kann gut sein, daß sich die Veröffentlichung des Reich-Buches gegen Ludwig Erhards angeblich faschistische Ideologie der „formierten Gesellschaft“ (vgl. Knütter, ebd.) und gegen seine damals aktuellen „anti-hedonistischen“ „Mäßigungs-Appelle“ richtete. (Geradezu tragikomisch ist dabei natürlich, daß Erhards Konzepte sich mit Reichs Konzept der Arbeitsdemokratie überschneiden. [Selbst Erhards bis heute immer wieder gerne ausgebudelte Rede vom journalistischen Ungeziefer und Schmeißfliegen könnte von Reich stammen „No see’ems“.])

Wirklich komisch ist aber der Satz des konservativen Politikwissenschaftlers Klaus Hornung: Das totalitäre Zeitalter, Berlin: Propyläen, 1993, S. 287: „Klassische Faschismus-Analysen aus der Zeit der Weimarer Republik von August Thalheimer und Arthur Rosenberg bis Wilhelm Reich und Herbert Marcuse kamen [zur Zeit der Studentenbewegung] wieder auf den Markt, die die These vom ‚Faschismus‘ als dem Agenten und Söldner des Großkapitals wiederaufnahmen.“ Reich als Vertreter der Dimitroff-Formel!