Posts Tagged ‘sexuelle Revolution’

Peter liest die Laska/Schmitz-Korrespondenz (Teil 8)

6. April 2024

Stark vereinfacht geht Hermann Schmitz von zwei Sündenfällen aus. Der erste ist der, den auch Reich in Christusmord beschreibt. Schmitz typisch verquast:

Der erste Sündenfall, der nach dem biblischen Mythos, besteht darin, daß die Menschen lernen, was gut und böse ist, also Vorzugsrichtungen des Verhaltens zu ihnen zustoßenden Herausforderungen nicht mehr nur blind, sondern mit Wissen und Wollen folgen können. Dabei lernen sie aber erst, was gut und böse ist, als handle es sich bei allem, was sie zu wissen nötig haben, um objektive oder neutrale Tatsachen. (…) Der erste Sündenfall schafft Halt nach außen, durch die Möglichkeit selbständiger, einsichtiger Orientierung am Gegebenen. (S. 175)

Schmitz beschreibt hier die Genese der Panzerung. Die Menschen verlieren die Unmittelbarkeit. Es ist, als wenn sich eine Wand, die Panzerung, zwischen sie und ihre Umwelt und zwischen sie und ihre Innenwelt schiebt. Bei letzterem denke man etwa an Freuds Entdeckung des unbekannten Kontinents des Unbewußten. Aber sie haben immer noch eine Orientierung sozusagen „am Sternenhimmel“ dort draußen und dem „sittlichen Gesetz“ hier innen: der Rahmen der autoritären Gesellschaft.

Der zweite Sündenfall ereignete sich, Schmitz zufolge, um das Jahr 1800 herum mit der „Entdeckung der strikten Subjektivität“ durch Johann Gottlieb Fichte (1762-1814):

Der zweite Sündenfall, der Fichte’sche, belehrt sie, daß es nicht so ist, daß sie also nicht einfach nachsehen können, was (an sich und für alle) ist und sein soll, sondern sich jeder in seinem Namen darum kümmern muß, was meine (seine) Tatsache, sein Programm, sein Problem ist. (ebd.)

Der zweite Sündenfall schafft dem Menschen Unsicherheit im Verhältnis zu sich, weil sich herausstellt, daß der Halt, der nach dem ersten Sündenfall noch gegeben war, langsam aber sicher wegbricht: alles ist subjektiv, willkürlich und unsicher.

Was Schmitz hier beschreibt, sind zwei menschheitsgeschichtliche Einschnitte, die sich vor etwa 6000 Jahren und ziemlich präzise um das Jahr 1960 ereignet haben: der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral und damit der Körperpanzerung und der Beginn der vermeintlichen „sexuellen Revolution“ und damit die weitgehende Ersetzung der Körperpanzerung durch die okulare Panzerung. Der Einbruch des kompletten Wahnsinns von Timothy Leary bis heute, der Freigabe des Cannabis-Konsums:

Man hört geradezu wie die Körperpanzerung Anfang der 1960er Jahre zusammenbricht! An ihre Stelle tritt die komplette Orientierungslosigkeit, der radikale „Werteverfall“ und – der Tod. Seit nun über 60 Jahren macht die Menschheit diese zweite Zensur durch, deren Bedeutung man nicht überschätzen kann, – sie könnte final sein.

Einerseits muß man Schmitz zugutehalten, daß er ein Gespür dafür hat (wer sonst hat diese beiden Sündenfälle so treffend beschrieben?), andererseits ist es fundamental verfehlt, wenn er schreibt, daß der erste Sündenfall „der Ausgang aus der Selbstsicherheit des skrupellosen instinktiven Lebens in die Verantwortung rationalen Prüfens und Wägens von Gut und Böse“ war (S. 179). Der Zusammenbruch der Selbststeuerung und Einbruch des Irrationalismus und der Perversion war für ihn „rational“, das Leben davor „skrupellos“. Schmitz ist ein in der Wolle gefärbter Reaktionär: die Kultur geht vor!

Den zweiten Sündenfall, den er, wie gesagt mit Fichte (und Stirner) und dem Beginn der „ironistischen“ Romantik verbindet, will Schmitz auffangen, indem er sie sozusagen vollendet, – indem er von dem „dem Vorurteil herunterkommt, alle Tatsache müßten objektiv sein, so daß das Subjektive in eine rätselhafte Rand- und Schwebestellung gerät, für die man bald die Metapher des (selbst paradoxen) Nichts erfindet; so kommt es zum Nihilismus. Dieses Mißverständnis, und damit der Nihilismus, kann geheilt werden“ (S. 176). Die Heilung vom Nihilismus verspricht die Neue Phänomenologie, indem sie sozusagen die Welt wiederverzaubert: Subjekt und Objekt verzahnen sich wieder. Die Welt ist dann nicht mehr etwas, wo man seine Stellung in der objektiven Welt findet, „sondern (die Menschen) müssen jeweils ihre Stellung durch eigene Stellungnahme finden und ständig neu gegen Erschütterungen, emotionale Hinfälligkeit, Labilität, personale Regression, sich aufrichtend, behaupten“ (S. 183).

Mal abgesehen davon, daß ich hier „Nietzsche pur“ höre, ist das ganze nichts anderes als ein ständiges Ausweichen vor dem Wesentlichen. Platt ausgedrückt: es geht weder darum, wie du dich in der Falle verortest (wie nach dem ersten Sündenfall), noch darum, wie du zur Falle Stellung beziehst (wie Schmitz es nach dem zweiten Sündenfall uns nahelegen will), sondern erstens mußt du sehen, DASS du in der Falle sitzt, um dann zweitens diese Falle zu verlassen. Laska versucht ständig Schmitz diesen einfachsten aller Gedanken nahezubringen, aber Schmitz ist blind, verrannt. Wie ALLE Philosophie dient auch die Neue Phänomenologie dazu, die Existenz der Falle zu sichern.

Letztendlich dokumentiert das Laska/Schmitz-Buch die Diskussion zwischen einem realitätstüchtigen Erwachsenen (Laska) und einem komplett verpeilten Kind (Schmitz) – mit manchmal ganz interessanten Einsichten.

Nachbemerkung: Wie „1800“ und „1960“ vereinbaren? Der Riß von 1960, der durchaus die Vernichtung der Menschheit besiegeln könnte, hat eine lange Vorgeschichte. Man denke nur an die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, den Ersten Weltkrieg, der, nicht zuletzt in sexualökonomischer Hinsicht, den gesamten Planeten auf den Kopf gestellt hat. Man denke an Nietzsche als Seismographen einer ungeheuren Umwälzung: den Einzug des alles zerfressenden Nihilismus. Kierkegaard. „Schmitz‘ Fichte“. Die Französische Revolution. Rousseau – der auf LaMettrie zurückgeht. Das ganze ist untrennbar verbunden mit der industriellen Revolution, die bereits Goethe am Ende von Faust II thematisiert. Unter diesem ständig wachsenden Druck, die letzten Faktoren waren vielleicht die Pille und die Drogenkultur (schon zu Reichs Zeiten mit der „Beat-Generation“ vorbereitet), hat dann in den 1960er Jahren die Körperpanzerung begonnen wegzubrechen und die Augenpanzerung trat an ihre Stelle: Its a Mad Mad Mad Mad World (1963)

https://www.youtube.com/watch?v=ejDx-zn7M5Y

Email [Laskas Weg] 2008

29. Februar 2024

Email [Laskas Weg] 2008

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 105)

10. Februar 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Philosophen rechtfertigen ihre Existenz damit, daß sie den „einfachen Menschen“ das Denken beibringen. Diese Geistesgrößen ahnen nicht mal, daß ihre philosophischen Diskurse infantile Fragen behandeln, die sich einem „einfachen Menschen“ nicht stellen, weil ihm alle Antworten das Leben selbst ins Ohr flüstert. (Man lese dazu Reichs Die sexuelle Revolution!) Es bleiben die „Erwachsenenfragen“ (wie sie etwa Stirner gestellt hat: „Was kümmert mich das eigentlich?!“), aber die werden systematisch ausgeblendet.

Wer beim Durchblättern einer „Einleitung in die Philosophie“, wer angesichts dieser systematischen Volksverdummung keinen Wutanfall bekommt, ist entweder ein Idiot oder ein Schwein.

In Platons Phaidon preist Sokrates die Philosophie, die er so beschreibt, daß sie das exakte Gegenteil von LSR bzw. Laskas „Paraphilosophie“ ist (die deshalb „Antiphilosophie“ heißen müßte). Platons Sokrates bietet eine perfekte (und natürlich zustimmende) Beschreibung des Über-Ich, der Staat geht vor, Unterwerfung unter die „Vernunft“, schwarze Pädagogik, Frauenfeindlichkeit, radikale Verneinung des Körpers, der Emotionen und des eigenen Ich. Der perfekte Anti-Stirner. Was Gewicht hat, weil mit den Begriffen Logos, der den Menschen dazu bringt sich mit Eifer (Thymos), der tierischen Begierde (Epithymia) entgegenzustellen, weitgehend Freuds Triade vorweggenommen wird: das Über-Ich (die überweltlichen Wirkprinzipien, denen wir uns angleichen sollen), das Ich und das Es. Man denke auch an den „kategorischen Imperativ“ Kants, wo das Kriterium lautet „jederzeit und für alle gültig“. Mit anderen Worten: „Reiß dich zusammen! Wenn das alle machen würden!“ Wo Ich war, soll Über-Ich sein! Kant selbst hat sich stets auf Rousseau berufen, der den „Gemeinwillen“ vertrat. Rousseau wiederum, hat diesen „Gemeinwillen“ implizit als Abwehr gegen LaMettries Lehre von der Schädlichkeit des Schuldgefühls für den Einzelnen und die Gesellschaft ins Feld geführt und damit die Aufklärung, kaum daß sie begonnen hat, zurück in antiaufklärerische Bahnen gelenkt. Der Rest bis hin zu meinetwegen Habermas ist dann nur noch hochtrabender Klamauk!

Ich bin kein Philosoph und kann das alles mangels Bildung und Kenntnissen unmöglich ausführen. Das überlasse ich getrost anderen. Hier soll es nur darum gehen, daß der Freudsche Begriff „Über-Ich“, den Laska sozusagen als Verlegenheitslösung übernommen hat, um das Gemeinsame von LaMettrie, Stirner und Reich umschreiben zu können, – daß dieser Begriff im abendländischen Denken zutiefst verankert ist. Die Philosophie ist nichts anderes, als die vermeintliche Vernunft, den kategorischen Imperativ, den Gemeinwillen, d.h. das Über-Ich ideologisch zu verankern. Sie ist Religion mit den Mitteln des Intellekts! Um Freud zu paraphrasieren: sie schuf der Illusion eine Zukunft! Laska ist DER Antiphilosoph, der eigentliche Zertrümmerer der Illusion, der eigentliche Aufklärer! Mit Stirner verscheucht er die Gespenster, mit Reich fängt erst bei ihm die Kultur an.

Der Rote Faden (Band 2): 59. Die Marxistische Reich-Kritik

10. Januar 2024

DER ROTE FADEN (Band 2): 59. Die Marxistische Reich-Kritik

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 96)

2. Januar 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Bei der Lektüre von Bernd Laskas Einleitung zu LaMettries Der Mensch als Maschine fällt auf, daß LaMettrie, ähnlich wie Reich, als geistig gestört abgetan wurde, und daß seine Schriften, ebenfalls ähnlich wie bei Reich, nie inhaltlich diskutiert wurden (S. XIIIf). Ein Kuriosum auf zwei Beinen, dem von den Zeitgenossen eine intensive Aversion entgegengebracht wurde – „der aufklärerischen übrigens mehr als der konservativen“ (S. VIII).

Ursula Jauchs umfangreiches Buch Jenseits der Maschine, das ein Jahrzehnt nach Laskas Ausführungen veröffentlicht wurde, liest sich wie eine Verwischung dieser Fakten. Letztendlich geht es darum, LaMettrie die Rehabilitation des Irrationalen und die „Wiederverzauberung der Welt“ zuzuschreiben und ihn dergestalt zu verharmlosen. Die Taktik ist ähnlich wie beim Umgang mit Reich durch seine falschen Freunde und durch „Reichianer“, die Reich zu gerne zu einem harmlosen „Lebensenergetiker“ a la C.G. Jung machen wollen.

Daß Religion und Ethik gesundheitsschädlich sind und eine wahrhaft demokratische Gesellschaft deshalb nur atheistisch und, man verzeihe den Ausdruck, „anti-ethokratisch“ sein kann, d.h. entsprechend eine wahrhafte Demokratie nur auf einer entsprechenden seelischen (gleich körperlichen) Struktur der Massen aufbauen kann, wird sowohl bei der Rezeption LaMettries als auch der Reichs wohlweislich verdrängt. Beide sind Vertreter einer, um Reichs Begriff zu verwenden, „biologischen Revolution“. Bei beiden dreht sich alles um das diesseitige Lebensglück, um erfüllende Lust, d.h. letztendlich um eine „sexuelle Revolution“ (vgl. S. XIXf).

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 77)

9. August 2023

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Was unterscheidet eigentlich Stirner von allen anderen Heroen der Freiheit, den Libertären, Anarchisten, Anarchen und entsprechenden Vögeln? Die Frage ist identisch mit der Frage, warum der „Stirnerianer Reich“ von Anfang der 1920er Jahre zum beinharten „Leninisten Reich“ von Ende der 1920er Jahre werden konnte. Ganz platt: Die „Freiheitlichen“ verteidigen die Privatheit, die Freiheit des Gewissens, des Geschäfts, der Religion. Beispielsweise darfst du deinem Kind transgender nahebringen oder es zu einem Siebenten-Tags-Adventisten erziehen. Der idealisierte fiktive Leninismus, dem Reich von 1927 bis Mitte der 1930er Jahre anhing, belegte genau derlei Freiheit der Seelenvergewaltigung und Freiheit des Kindermißbrauchs mit denkbar harten Strafen.

All die „bürgerlichen Freiheiten“ sind ja schön und gut, gehen aber am Wesentlichen vorbei: der inneren Freiheit, der Freiheit vom Über-ich. Angesichts der Kinder der Zukunft interessieren mich die „Freiheit“, die „Rechte“, gar die „Ehre“ etwa moslemischer oder woker Eltern einen feuchten Dreck. Stirner ist nicht ein „Super-Hyper-Mega-FDPler“, sondern… ….sondern das Jahr 1844 ist das Jahr Null der eigentlichen Menschheitsgeschichte.

Das Reich der vermeintlichen „Freiheit“ endete und der Äon der Eigenheit begann. Nunmehr werden Fragen gestellt wie: Was nützen eure „Menschenrechte“, wenn Jungen immer noch beschnitten werden? Was soll eine „Demokratie“, wenn sie von programmierten Robotern bevölkert wird? Welchen Sinn hat eine „Wissenschaft“, deren Vertreter „gläubig“ sind? Was soll eine Moral, die das Gegenteil dessen heranzüchtet, was sie beabsichtigt? – Man lese Reichs Die sexuelle Revolution, Massenpsychologie des Faschismus und Äther, Gott und Teufel.

Die gepanzerte Welt ist am Zusammenbrechen und aus dem Geröll brechen die ersten zarten Sprossen der neuen Zeit hervor.

Orgontherapie und die Massenpsychologie der Demokratie im 21. Jahrhundert

3. August 2023

Einst war das Problem, daß die psychiatrische Orgontherapie Reichs Schülern Unmengen von Geld einbrachte und deshalb immer die Gefahr bestand, daß der Profit alle wissenschaftlichen Überlegungen überlagert, die Orgonomie am eigenen Erfolg zugrundegeht. Tatsächlich konnten „Körperpsychotherapeuten“ bis weit in die 1980er Jahre hinein, als „alternative Gesundheitstage“ noch das Ding waren, „ein Schweinegeld“ machen, was auch so mancher Kriminelle, der sich als „Reichianer“ titulierte, schamlos ausgenutzt hat.

Diese Zeiten sind vorbei und Orgontherapie wird nachgefragt, als würde man abgelaufene, verklumpte Frischmilch einem Laktoseintoleranten anbieten. In Amerika laufen die (dort erlaubten) Werbeaktionen des American College of Orgonomy ins Leere und orgonomische Psychiater müssen sich weitgehend auf die konventionellen Methoden ihrer Profession besinnen, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen. Die Zeiten des: „Werde Orgontherapeut und Du hast für alle Zeiten ausgesorgt, weil dir die Patienten die Bude einrennen!“ sind definitiv vorbei.

Schuld ist die sexuelle Revolution, die etwa 1960 einsetzte. Sie hat die individuelle und die gesellschaftliche Panzerung derartig durcheinandergebracht, daß die Angst, die im Panzer einst fest gebunden war, nunmehr so frei flottiert, daß die meisten Menschen das Leben ohne Drogen und Medikamente nicht mehr ertragen können und sie sich neuerdings sogar Brüste, Hoden und Penisse abschneiden lassen, um den Energiepegel und damit die (Sexual-) Angst zu bändigen. Die Angst soll weg! Deshalb hat eine Therapieform, die darauf beruht Angst freizusetzen und auszuhalten, kaum noch eine Chance.

Im gesellschaftlichen Bereich erklärt das, warum „rechtspopulistische“ Parteien, die für die Demokratie, also die Herrschaft des Volkes, eintreten sich so schwertun und, kaum daß sie an der Macht sind, sich dem gegenwärtigen krypto-faschistischen System des Westens anpassen. Die Menschen haben zunehmend „Angst vor der eigenen Courage“. Nur das kann erklären, warum eine Partei wie Die Grünen, die AUSDRÜCKLICH „die Energie drosseln“ will, so einen absurd hohen Zuspruch hat und das selbst bei Menschen, die an sich gar nicht so dumm sind. Oder man denke an die SPD, deren EINZIGES Programm der „Antifaschismus“ ist, d.h. das Mobilisieren und das sich Aalen in Schuldgefühlen. Die „bürgerlichen Parteien“ sind eh nur noch eitrige Wurmfortsätze der Grünen. Einschläfernde Figuren wie Habeck, Mr. Magoo, SchMerz, Biden, Macron und all die anderen Schlaftabletten sind eben das: das Höchstmaß an Erregung, daß die Massen noch aushalten können. Sozusagen sprechende (stammelnde) und laufende (stolpernde) Massen-Psychopharmaka. Trump ist vielleicht das letzte Aufbäumen des Lebendigen auf der politischen Bühne, bevor alles im Nebel der „Psychopharmaka“ versinkt. Eine „bekiffte“, sterbende Welt!

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 74)

30. Juli 2023

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Der Kern dieser Reihe von Blogeinträgen läßt sich wie folgt zusammenfassen:

# ohne LaMettrie kein Rousseau, damit keine Französische Revolution und kein 19. Jahrhundert

# ohne Stirner weder Marx noch Nietzsche, d.h. keine Schrecknisse des 20. Jahrhunderts

# ohne Reich keine sexuelle Revolution, die etwa 1960 einsetzte, damit kein transgender, kein Transhumanismus und der Untergang der menschlichen Rasse

WAS?! WIE BITTE?! Bedeutet das nicht, daß LaMettrie, Stirner und Reich, kurz LSR, ein einziges Verhängnis sind? Bei dieser Frage muß ich an James DeMeos nur scheinbar widersinniges Diktum denken, daß es nichts Schlimmeres gäbe, als im Kern Saharasias zu cloudbusten und dort zumindest tendenziell das DOR durch OR, also die abgestorbene, wenn man so will, giftige „Todesenergie“ durch die Lebensenergie zu ersetzen. Durch diese zusätzliche frische Energie wird nämlich die Emotionelle Pest dort erst recht hochgepusht. Genauso ist es mit LSR: vermittelt durch LaMettries Schriften wurde Rousseau 1749 zu jener „Erleuchtung“ geführt, die unzähligen Menschen Tod und Leid bringen sollte, „daß der Mensch von Natur gut ist, und daß es lediglich von ihren Einrichtungen herrührt, wenn die Menschen böse werden“. Von dort führt eine gerade Linie zum Terror der Französischen Revolution und über Marx zum GULAG und den 100 000 000 Opfern des Kommunismus.

Marx war ein gläubiger Feuerbachianer bis ihn 1844/45 die Auseinandersetzung mit Stirner dazu brachte, den Historischen Materialismus auszuformulieren. „Hiernach sind“, so Friedrich Engels, „die letzten Ursachen aller gesellschaftlichen Veränderungen und politischen Umwälzungen zu suchen nicht in den Köpfen der Menschen, in ihrer zunehmenden Einsicht in die ewige Wahrheit und Gerechtigkeit, sondern in Veränderungen der Produktions- und Austauschweise; sie sind zu suchen nicht in der Philosophie, sondern in der Ökonomie der betreffenden Epoche.“ Das ist das Ende des selbstregulierten, autonomen, selbständigen Menschen – alles nur, um mit Stirner fertigzuwerden.

Nietzsche wurde mit Stirner anders fertig: alles wird gnadenlos zerredet, Behauptungen und Gegenbehauptungen aufgestellt, bis alles Denken blockiert ist. Am Ende steht nach allen vermeintlichen weltstürzenden Theorien, daß die alte reaktionäre Ordnung in verschärfter Form wiederhergestellt wird. Nietzsche…

Und schließlich Reich: die letzte Konsequenz der vollkommen verzerrten und pervertierten sexuellen Revolution, die die klassische Geschlechts- und damit auch Geschlechterordnung grundsätzlich in Frage stellte, ist transgender. Und transgender ist die unmittelbare Vorstufe zum vollendeten Transhumanismus. In der Vierten Industriellen Revolution werden, so Klaus Schwab, „die Grenzen zwischen der physikalischen, der digitalen und der biologischen Sphäre verschwimmen“, d.h. wir verändern nicht nur die Umwelt, sondern vor allem auch uns selbst. Die beliebige Auswahl des Geschlechts ist nur der Anfang des Horrors…

Am Ende der Menschheit steht eine Transformation, die im Kern eine Selbstveränderung ist – und damit eine grausame Karikatur derjenigen „Empörung“, die Stirner 1844 in Der Einzige und sein Eigentum angekündigt hatte:

Revolution und Empörung dürfen nicht für gleichbedeutend angesehen werden. Jene besteht in einer Umwälzung der Zustände, des bestehenden Zustandes oder Status, des Staats oder der Gesellschaft, ist mithin eine politische oder soziale Tat; diese hat zwar eine Umwandlung der Zustände zur unvermeidlichen Folge, geht aber nicht von ihr, sondern von der Unzufriedenheit der Menschen mit sich aus, ist nicht eine Schilderhebung, sondern eine Erhebung der Einzelnen, ein Emporkommen, ohne Rücksicht auf die Einrichtungen, welche daraus entspriessen. Die Revolution zielte auf neue Einrichtungen, die Empörung führt dahin, Uns nicht mehr einrichten zu lassen, sondern Uns selbst einzurichten, und setzt auf „Institutionen“ keine glänzende Hoffnung. Sie ist kein Kampf gegen das Bestehende, da, wenn sie gedeiht, das Bestehende von selbst zusammenstürzt, sie ist nur ein Herausarbeiten Meiner aus dem Bestehenden. (Hervorhebungen hinzugefügt)

Der grundsätzliche Fehler, den Rousseau, Marx und die Träumer vom Übermenschen begehen, ist offensichtlich: ohne das Über-Ich, die Panzerung, anzugehen, kann der LSR-Impuls (der ohne SYSTEMATISCHES Angehen des Über-Ich gar keiner ist, sondern das genaue Gegenteil) nur ins Verderben führen.

Der sexualökonomische Supergau

23. Juli 2023

Die Pille hat die sexuelle Revolution in den 1960er Jahren möglich gemacht bzw. erst initiiert. Sie hat Menschen sexuell frei und deshalb glücklicher gemacht. Wirklich?

Fangen wir mit etwas an, was mich buchstäblich seit Jahrzehnten verfolgt: Soweit ich zurückdenken kann, habe ich mich stets mit einem sehr unguten Gefühl gewundert, warum Liebes- und Ehepaare so oft, sehr oft, wie Geschwister aussehen. Schaue ich auf meine Eltern, deren Generation und weiter zurück – die sahen alles andere wie Geschwister aus! Wer fährt schon auf seine eigene Schwester bzw. seinen eigenen Bruder ab?!

Die Pille simuliert eine Dauerschwangerschaft, so daß die Frau nicht mehr schwanger werden kann. Das ist ja Sinn der Sache. Es kommt also zu einer denkbar fundamentalen Veränderung des gesamten Hormonhaushalts der Frau und damit ihres Empfindens. Sie ist „schwanger“ und sucht deshalb instinktiv nach einem Partner, der das unbewußt imaginierte „Ungeborene“ schützt, als wäre es Teil der eigenen Familie. Das „schwangere“ Menschentierweibchen sucht also nach einem Männchen, die wie es selbst aussieht, wie es riecht, wie es genetisch ausgestattet ist – soweit das irgend möglich ist.

Der Sex ist entsprechend mau-mau, alles andere als leidenschaftlich und prickelnd, zumal schwangere Weibchen nicht wirklich an Sex interessiert sind. Aber das ist erst der Anfang der sexualökonomischen Katastrophe, denn wenn dieses „Geschwisterpaar“ heiratet und sie die Pille absetzt, entstehen nicht nur Kinder, die, da das Genmaterial zu ähnlich ist, ein schwaches Immunsystem haben, mindere Intelligenz etc. – Inzucht, sondern plötzlich SIEHT die Frau aufgrund der erneuten Hormonumstellung und der entsprechenden neuen Gefühlslage, daß sie ihren „Bruder“ geheiratet hat und dazu noch einen minderwertigen, weibischen Waschlappen, den sie BUCHSTÄBLICH nicht riechen kann – und mit dem sie jetzt Sex haben soll. Wiiiderlich! Der Sex wird zur langweiligen Pflicht, bei der man nebenbei gerne die Nachrichten oder eine Serie im Fernsehen anschauen würde; die Familienatmosphäre ist zum Zerschneiden dick vor Frust, Ekel und Wut; die ohnehin kränklichen und gelinde gesagt etwas sonderbare aussehenden Kinder wachsen entsprechend in einer emotionalen Wüste auf.

Wie diese Wüste aussieht, sieht man etwa an diesem Video mit einer „Sexarbeiterin“ und einem typischen Kind des Pillenzeitalters:

Neuerdings haben die Sexarbeiterinnen ihr Geschäftsmodell auf Kinder (sic!) ausgeweitet. Statt an Dildos zu lecken, naschen sie jetzt an imaginären Süßigkeiten und lassen sich dafür von Acht- oder Zehnjährigen bezahlen, die so organisch in die Rolle zukünftiger Kunden einer milliardenschweren Sexindustrie hineinwachsen:

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 69)

17. Juni 2023

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

LaMettrie zusammengefaßt:

1. die Maschine, und zwar eine sozusagen „vitalistische Maschine“ im Sinne von Friedrich Kraus („vegetative Strömung“, Elektrolyte, Membranen, „Bioelektrizität“) und Reichs „sexualökonomischer Lebensforschung“.

2. die Bedeutung der Imagination, die dieses „Maschinelle“ sozusagen in die geistige Welt ausweitet und so der üblichen „geistigen Welt“ (Philosophie, Kultur) ein Ende setzt. (Ich habe den Eindruck, daß Ursula Jauch in ihrem großen Buch über LaMettrie mit ihrer Rede, ihrem Gerede, von der „Wiederverzauberung der Welt“, LaMettrie verfehlt, denn der will die geistige Welt ganz im Gegenteil endgültig entzaubern.)

3. sein Konzept der Wollust als eine teilweise verblüffend paßgenaue Vorwegnahme der Reichschen Orgasmustheorie. (LaMettrie verwendet sogar explizit den Begriff „die Funktion der Wollust“).

4. schließlich die Negation des Schuldgefühls, des später sogenannten „Über-Ich“; eine innere bzw. verinnerlichte Instanz, die diese ganze natürliche Maschinerie durcheinanderbringt („verdorbene Imagination“ durch Triebstau) und so die Menschen um ihr Glück bringt.

In Die Kunst, Wollust zu empfinden exemplifiziert LaMettrie seine quasi „sexualökonomische“ Weltsicht mit Hilfe einer Art hypothetischer „Trobriander“, d.h. zwei Menschenkindern, die sich in einer Art Garten Eden lieben. Dieses sozusagen „sexualökonomische“ Idyll findet seine Entsprechung in ökonomischen Szenarios dieser Zeit mit Hirten und Fischern und Bauern, die ihre Güter frei austauschen. Man denke nur an Adam Smith. Typisch Rokoko! Und natürlich anthropologischer Unsinn. Wie uns die „genital gesunden, matristischen“ Trobriander in Melanesien zeigen, ist sowohl das Liebesspiel als auch die Ökonomie nicht primär ein einfacher wilder Austausch im Hier und Jetzt, in dem der Faktor Zeit keine Rolle spielt, sondern das Eingehen von längeren Bindungen durch Geschenke, die zurückgezahlt werden müssen – mit Zins. So entsteht ein Gewebe von gegenseitigen Verpflichtungen, die die Gesellschaft zusammenhält.

Interessanterweise ging und geht es den Marxisten und selbst den heutigen „Zinskritikern“ stets darum, dieses Geflecht gegenseitiger Verpflichtungen zu zerschlagen und die Wirtschaft auf bloßen Tausch zu reduzieren (was war die DDR-Wirtschaft anderes als offizieller und inoffizieller primitivster Tauschhandel?) und die Sexualität auf Physiologie frei vom „bürgerlichen“ Brimborium.

Ich erwähne das, weil es zeigt, wie schnell LSR ins Gegenteil verkehrt werden kann. Unvermittelt steht LaMettrie neben seinem Gegensatz, dem Marquis de Sade, Stirner wird zum Paten irgendwelcher „Egoisten“, gar Serienmördern, und Reich wird zum Urvater der „sexuellen Revolution“… – und das durch kaum merkliche Akzentverschiebungen, die der Oberflächlichkeit der Massen zu schulden ist. LaMettrie wird einerseits zum Propheten mechanischer Androiden, andererseits zu einer Art „Drogenpapst“ und vor allem zum Vorgänger von de Sade!

Genau deshalb hat Laska um jedes Wort gerungen, nur um nicht wieder L und S R mißverstanden dastehen zu lassen.