Posts Tagged ‘Kulturrevolution’

nachrichtenbrief203

2. Mai 2021

Der „Todestrieb“ als bioenergetische Grundlage dieses Linksstaates

3. Januar 2020

Es wird so getan, als sei dieser Staat von Links unterwandert worden und die „68er“ hätten ihren Weg durch die Institutionen gemacht. Ja, natürlich haben sie das, aber es soll sich doch niemand einbilden, sie seien vom Himmel gefallen. Es hat immer einen Bodensatz aus Anarchisten, Sozialisten und Kommunisten gegeben, die von jeher nur ein einziges Ziel hatten: alles organisch Gewachsene zu vernichten. Das ist Teil ihrer Charakterstruktur, die auf der kompletten Abtrennung vom biologischen Kern und auf der ewigen ödipalen Rebellion gegen „das Establishment“ beruht. Deshalb hassen sie alle Traditionen, ihr eigenes Herkommen, letztendlich das Leben selbst. Könnten sie, würden sie jeden Erfolg und Stolz („Antifaschismus“), die letzten Reste der Genitalität („Antisexismus/Antihomophobie/Antitransphobie“) und das Menschsein selbst („Antispeziesismus“) vernichten. Das Photo habe ich soeben am Eingang des örtlichen Gymnasiums gemacht:

Dieser „Todestrieb“, dieser nihilistische „Anti-Sein-ismus“, wirkt seit spätestens der Französischen Revolution in der Gesellschaft und ist nichts Neues. Man muß nur daran denken, daß die RAF, die nie für irgendwas anderes stand als Mord und Todschlag, von praktisch der gesamten Kulturelite und sogar weiten Teilen des Staatapparats getragen und aktiv unterstützt wurde. Diese Mordgesell*Innen konnten sich schon Anfang der 1970er Jahre wie Maos „Fische im Wasser“ frei bewegen – und können es noch heute. Wer erinnert sich nicht an die Posse um die „Isolationsfolter“, bei den einzigen Gefangenen weltweit, bei denen Männlein und Weiblein vereint waren. Was für ein degenerierter Scheißstaat läßt soetwas zu?!

Wir haben es hier nicht nur mit einer Ideologie zu tun, die sich ausgebreitet hat, sondern mit einem BIOENERGETISCHEN Problem. Einer Lebensenergie, die sich gegen sich selbst richtet. Nur so kann man die systematische Zerstörung Deutschlands durch Angela Merkel erklären. Ein Todesengel, der in seinem Tun eine breite gesellschaftliche Unterstützung findet, weil weite Kreise von diesem erfaßt sind: dem Vernichtungshaß gegen das Eigene. In der Panzerung richtet sich das Lebendige gegen sich selbst; etwas, was es in der Natur ansonsten nicht gibt. Die widernatürliche Linke (das Gutmenschentum) ist die ultimative Ausprägung der Panzerung per se.

Paul Mathews: People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest

1. November 2019

 

Paul Mathews:
People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest

 

People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest (Teil 4)

9. Mai 2019

 

Paul Mathews:
People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest

 

nachrichtenbrief129

27. April 2019

Blogeinträge November/Dezember 2015

6. Januar 2019

Charles Konia über politischen Radikalismus:

November/Dezember 2015

  • Was ist dem Nahen Osten widerfahren?
  • Der Dritte Weltkrieg
  • Die funktionelle Beziehung zwischen der Emotionellen Pest auf der Linken und auf der Rechten
  • Warum sprengen sie sich in die Luft?
  • Was ist der Ursprung der politischen Korrektheit?
  • Wie Leute radikalisiert werden
  • Das Rätsel der fehlenden Linksradikalen

Der Rote Faden: Reich und Lenin

12. November 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

b. Agenten des Roten Terrors

c. Der Friedenskämpfer Nr. 1

d. Der Kalte Krieger Nr. 1

e. Der Warmduscher

3. Mentalhygiene

a. Sexpol

b. Die sexuelle Revolution in der Sowjetunion

c. Psychoanalyse und Kommunismus

d. Otto Fenichel und seine „Rundbriefe“

e. Die Leninistische Organisation

4. Polithygiene

a. Reich in Norwegen

b. Reich und Marx

c. Reich und Lenin

 

emotion (Teil 1: Marxismus)

6. November 2016

Bücherlogo

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

emotion (Teil 1: Marxismus)

Reichs „Sozialpsychiatrie“ (Teil 2)

23. April 2016

Ähnlich wie in der CORE-Arbeit betrachtete sich Reich auch in der Sozial-Psychiatrie als den einzigen, der genug Erfahrung besaß, um sie praktisch ausüben zu können. Noch 1946 hatte Reich geschrieben, daß man im sozialen Verkehr nicht die Techniken der charakteranalytischen Behandlung anwenden könne (Walter Hoppe: Wilhelm Reich, München 1984, S. 514, siehe auch Reichs Vorwort zu Der Krebs).

Die Praxis sollte sich für ihn als verhängnisvoll erweisen, denn ihre Anwendung fand die entwickelte Sozial-Psychiatrie in seiner Gerichtsverhandlung, die er nicht mit juristischen Tricks (die in der Grundlagenforschung nichts zu suchen haben), sondern mit wissenschaftlichen (medizinischen und sozialhygienischen, d.h. dem Thema immanenten) Mitteln durchstehen wollte. Er beklagt die „charakterologische Fehlkalkulation“ in Gerichtsprozessen, „das Vernachlässigen der irrationalen Motive bei kriminellen Handlungen und bei Rechtsentscheidungen“. Deshalb wollte er in seinem öffentlichen Verfahren die irrationalen Motivationen seiner Gegner bloßlegen, wie er es früher im Behandlungszimmer unter vier Augen getan hatte (vgl. Jerome Eden, Hrsg.: Earth on Trial, Idaho 1988, S. 41f).

Das ständige Offenlegen und Infragestellen der Motivation anderer ließ Reich für den Uneingeweihten als paranoiden Verrückten erscheinen, der überall dunkle Machenschaften sieht. Man kann sagen, daß Reich diesem letzten seiner wissenschaftlichen Experimente zum Opfer gefallen ist, da man erstens dergestalt nicht mit der unpersönlichen Justiz und Bürokratie umgehen kann und zweitens auf diese Weise der Mythos von Reichs angeblicher paranoider Schizophrenie aufkam (bzw. die „definitive Bestätigung“ fand), der bis heute die Rezeption seines Werkes erschwert.

Hinzu kam Reichs unangenehm totalitär wirkende, da die Gewaltenteilung unterminierende, Forderung, an den Gerichten „Kommissionen für Sozial-Pathologie“ einzurichten, wie er es bereits in seiner eigenen Organisation mit der Aufstellung des EPPO (Emotional Plague Prevention Office) vorexerziert hatte. Was für „Stalinistische“ Untertöne dies hatte, zeigt sich an folgendem Beispiel: Bei einem Treffen mit seinen Schülern brachte er das Gerücht zur Sprache, daß ihre finanziellen Beiträge für den orgonomischen Forschungsfonds in seine Taschen wandern würden. Er hatte festgestellt, daß viele der Ärzte von den Gerüchten wußten, aber keiner ihnen nachgegangen war, wodurch sie, seiner Meinung nach, zu verstehen gaben, daß die Gerüchte vielleicht etwas für sich hatten. Reich zog dies ans Licht und sagte, daß er nun kein Geld mehr annehme, „bevor nicht all dieser Schmutz und Mist aus der Arbeit entfernt worden ist“.

Dem Tondukument dieses Treffens folgend beschreibt ein heutiger Student der Orgonomie das weitere Geschehen wie folgt:

Die Ärzte einer nach dem anderen zur Rede stellend fragte er: „Was haben Sie sich dabei gedacht? Warum haben Sie nichts gegen das Gerücht getan? Warum haben Sie Geld gegeben? Was dachten Sie, wohin es gehen würde? Haben Sie es freiwillig gegeben?“ Nach viel Drucksen und Gestottere (man konnte sich das Sichwinden bildhaft vorstellen) war das Hauptgefühl, das bei den meisten Doktoren aufzusteigen schien: „Ich fühlte mich schuldig, auf ihren Schultern zu reiten“, und: „Ich dachte, Sie würden das Geld verdienen, daß es für Laborausrüstung und so was verwendet wird“. Mit anderen Worten, keiner von ihnen kannte seine eigenen Beweggründe genau oder hatte es auf sich genommen herauszufinden, wozu ihre Beiträge dienen würden. (…) Die Einheitlichkeit von Reichs Herangehensweise war offensichtlich und seine Hartnäckigkeit emotionalem „Dreck“ hinter den Kulissen nachzugehen war bewundernswert. Dies war eine beeindruckende Demonstration dessen, was er als die Ausübung der praktischen Sozial-Psychiatrie bezeichnet hat. Nachdem die Atmosphäre gereinigt war, endete das (…) Treffen mit der Bemerkung: „Ich fühle mich nun viel besser, wo alles raus ist“, was bei allen Anwesenden Anklang fand. (Pulse of the Planet, No. 3, S. 100)

Wie können sich Erwachsene in der Öffentlichkeit (in einer individuellen Therapiesitzung ist es etwas anderes) derartig vorführen und zur Schnecke machen lassen? Fragwürdig ist auch die begeisterte Reaktion des heutigen Studenten der Orgonomie. Das ganze erinnert beklemmend an die Art, wie die Kommunisten mit ihren eigenen Leuten umgesprungen sind, insbesondere an die Versammlungen während der chinesischen Kulturrevolution, wo „Abweichler“ sich vor der Gruppe selbst anklagen mußten. Was für ein totalitäres System könnte sich aus der Orgonomie entwickeln!

Hier gehört auch her, wie Ilse Ollendorff den Reich vom Anfang der 1950er Jahre beschreibt:

Reich fürchtete zu dieser Zeit, daß ich weggehen könnte. Er fürchtete sogar, daß ich ein Gegner werden und ihn verleumden würde. Um sich dagegen zu schützen, benutzte er jetzt genau dieselben Methoden, die er so wütend bei anderen, besonders bei den Stalinisten, bekämpfte. Er verlangte immer wieder von mir, „Geständnisse“ über meine Gefühle der Furcht vor der Arbeit niederzuschreiben, über gelegentliche Gefühle von Furcht vor ihm und Haß gegen ihn, und er nahm diese „Geständnisse“ an sich und schloß sie ein. (Wilhelm Reich, München 1975, S. 150f)

Andererseits kann man Reichs Herangehensweise, bei der Einzelne aus der Gruppe herausgegriffen werden, auch vor dem Hintergrund betrachten, daß das Individuum in der Masse zur Irrationalität neigt. Meist ist die irrationale Meinung des Einzelnen eine Funktion der Gruppe, zu der er gehört. Die Masse ist der Sitz der irrationalen Ideologie, die das Individuum vertritt. Nimmt man es aus der Masse heraus, erweist es sich als unerwartet einsichtsvoll und klug. Reich hat versucht, den Einzelnen zur Besinnung zu bringen, ihn wachzurütteln. Dabei benutzte er die Gruppe, denn die ist, wie er aus seiner Sexpol-Arbeit wußte, nicht nur Sitz der Irrationalität, die ein Hitler ausnutzen konnte, sondern auch Schlüssel zum rationalen Kern.

Im Kampf gegen die Emotionelle Pest rät Reich u.a.:

Wenn nötig enthülle offen deine Schwachpunkte, sogar deine Geheimnisse. Die Menschen werden verstehen. („Truth Versus Modju“ Orgone Energy Bulletin, Vol. 4, S. 162-170)

Die Masse funktioniert irrational, wenn sie aus Monaden besteht, die voreinander ihr Innenleben hinter einer Maske verbergen. Wird diese Maske weggezogen und der Einzelne im Kontext der Gruppensituation angesprochen, ist der Zauber der Massenirrationalität gebrochen: das natürliche Empfinden betritt den sozialen Schauplatz. Nichts anderes ist „Sozialpsychiatrie“.

Diese diffizile Dialektik von „anonymer Masse“ und Individuum ist das Geheimnis des Gegensatzes von Politik und faschistischer Irrationalität auf der einen und Arbeitsdemokratie und Rationalität auf der anderen Seite. Es ist der Gegensatz von Blauem Faschismus und Orgonomie. Es ist eine Gratwanderung, die der Menschheit den finalen Todesstoß versetzen könnte, sollte die Orgonomie in die falschen Hände geraten. Oder wie Reich im Rückblick auf seine Sexpol-Zeit sagte: „Ich hätte ein Führer sein können wie Hitler“ (Myron R. Sharaf: „Further Remarks of Reich: 1949“The Journal of Orgonomy, 7(1), S. 113-116, May 1973).

The Journal of Orgonomy (Vol. 47, No. 2, Fall 2013/Winter 2014)

11. November 2014

In dem Artikel „The Exception that Proves the Rule: The Natural Organization of America“ legt Charles Konia dar, daß Verantwortung eine soziale Funktion ist, Freiheit eine tiefere biologische Funktion. In der amerikanischen „Revolution“ wollten die einen, wie Washington, einfach nur die Unabhängigkeit, d.h. die Verantwortung für ihr Leben selbst übernehmen, die anderen, insbesondere Jefferson, wollten Freiheit, indem sie in einer „richtigen“ Revolution „die da oben“ blutig stürzen. Das zeigte sich beispielsweise an der unterschiedlichen Haltung der beiden Parteien zur Französischen Revolution, die das Mutterland England bedrohte.

Heute wird Jefferson von ganz Links bis ganz Rechts unisono als tiefer, radikaler Geist gepriesen, während man „Pragmatikern“ wie Washington mit kaum verhohlener Verachtung gedenkt. Das Problem ist, daß man „Freiheit“ mit politischen oder gar militärischen Mitteln nie und nimmer erlangen wird. Die Menschen sind nämlich biologisch freiheitsunfähig, ähnlich wie eine Regenbogenforelle „meerwasser-unfähig“ ist. Entsprechend war der pseudo-liberale Charakter Jefferson ein gemeingefährlicher Freiheitskrämer, dessen Reden von „Freiheit“ fast zwangsläufig im amerikanischen Bürgerkrieg münden mußten, von dem sich das Land bis heute nicht restlos erholt hat.

Reich schrieb über diese Freiheitskrämer im Christusmord, daß, hätten sie die Macht „Freiheit und Selbstregulierung“ über Nacht einfach so zu dekretieren, eine Menschheitskatastrophe die Folge wäre, die unser Leben wie eine neue Sintflut hinwegspülte.

Leute wie Washington wollten hingegen „nur“ Unabhängigkeit – ein Ziel, daß man tatsächlich mit „sozialen“ Mitteln erreichen kann. Überall dort, wo die Menschen sogenannte „bürgerliche Revolutionen“ hatten, etwa nach dem Krieg in Westdeutschland, als sich die Marktwirtschaftler gegen die Sozialisten durchsetzten, kam es zur Prosperität. Überall dort, wo man radikaler und grundsätzlicher vorging, etwa auf dem chinesischen Festland, kam es zur ultimativen Katastrophe. In diesem Zusammenhang erinnere ich an die Begeisterung für Mao, den größten Massenmörder der Menschheitsgeschichte, die selbst den einen oder anderen „Reichianer“ in ihren Bann gezogen hat („Kulturrevolution“). Leute wie Jefferson und Mao sind im gesellschaftlichen Bereich die Entsprechung zu den Reichianischen Körpertherapeuten: verantwortungslose Freiheitskrämer, die mit Dingen hantieren, von denen sie nicht die blassesten Schimmer haben.

Das bringt mich zur Gegenwart und dem ewigen Streit, ob Leute wie Konia eine „akzeptable“ Sicht auf die USA haben. Dabei wird beispielsweise auf den „Petrodollar“ verwiesen, den die Amerikaner mit militärischer Gewalt verteidigten, um so ihre Währung auf Kosten der übrigen Welt künstlich am Leben zu halten, obwohl die Gelddruckmaschinen der Federal Reserve seit Jahrzehnten heißlaufen. Die USA als „Weltterrorist“ und die EU als Erfüllungsgehilfe. Dabei wird stets übersehen, daß einem „Freiheitshelden Jefferson“ stets ein „Diktator Lincoln“ folgen muß, soll nicht alles in Unfreiheit und Barbarei enden!

Wie Robert Harman in „Practical Functional Economics (Part IV): The State of the Global Economy“ darlegt, hat der Kapitalismus aufgrund orgonomischer Gesetzmäßigkeiten („orgonotische Pulsation“) ein Zentrum und eine Peripherie. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war London und das britische Pfund das Zentrum, seit spätestens dem Zweiten Weltkrieg ist es New York und der Dollar. Beide Währungen wurden theoretisch durch Gold gedeckt, wobei man Gold (bzw. natürlich eine Golddeckung) benötigte, um an Pfund bzw. Dollar zu kommen. Für das Zentrum selbst (erst London dann New York) war deshalb die eigene Golddeckung kurioserweise vollkommen unbedeutend.

Diesen Absatz nehme ich auf meine Kappe: Das System brach deshalb jeweils zusammen, als Frankreich (1.) 1926 den Goldstandard einführte, dabei den Franc stark unterbewerte und damit das überbewertete und kaum goldgedeckte Pfund destabilisierte; und (2.) 1965 gegenüber den USA darauf bestand, für seine goldgedeckten Dollar auch tatsächlich das entsprechende amerikanische Gold zu erhalten, d.h. es physisch nach Frankreich zu verfrachten. Der Präzedenzfall war da, der Damm war gebrochen, so daß 1971 Nixon die Golddeckung aufgeben mußte. Im ersteren Fall mündete Frankreichs Rebellion gegen das Zentrum des Weltkapitalismus in der Großen Depression der 1930er Jahre, im zweiten Fall im Zusammenbruch von 2007. Daß im zweiten Fall der Zusammenbruch so lange hinausgezögert werden konnte, liegt u.a. am „Petrodollar“, der an die Stelle der Golddeckung getreten war. Die ganze Welt mußte ihr Rohöl mit Dollar bezahlen, der letztendlich in amerikanischen Kassen endete. Man stelle sich vor, der Zusammenbruch wäre zu Hochzeiten des Kalten Krieges erfolgt! Heißt das, daß man die Geldpolitik der USA gut finden muß oder jeden ihrer Versuche, die internationale Ordnung aufrechtzuerhalten? Nein, aber es geht nicht an, Amerika als Beelzebub schlechthin darzustellen und freiheitskrämerisch die Moralkeule zu schwingen.

Der letzte Absatz ist auf meinem eigenen Mist gewachsen, karikaturhaft verkürzt und wird Harmans Ausführungen in keinster Weise gerecht, d.h. die Große Depression und „2007“ hatten weit komplexere Ursachen, aber im Kern stimmt es. Es ist auch bezeichnend, daß ausgerechnet Frankreich („Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“) an der Wiege der beiden Katastrophen steht. Es geht darum, wie sich die globale Wirtschaft spontan organisiert und wie die Akteure damit umgehen.

Dabei gibt es beständig eine Auseinandersetzung zwischen der lebendigen Arbeit und den ökonomischen Gesetzmäßigkeiten auf der einen Seite und der Emotionellen Pest (der „Antiarbeit“) auf der anderen Seite. Ein schlagendes Beispiel ist der Euro, der weitgehend ein „französisches“ Projekt ist. Wie Harman im Anschluß an Reich darlegt, ist die lebendige Arbeit eine internationale Funktion, die durch Staatsgrenzen nur behindert wird. Aus dieser Sicht war die Einführung des Euro ein lebenspositives Projekt. Geradezu diabolisch ist es, daß gleichzeitig die Südländer durch den starken Euro, der in keinster Weise ihre schwache Produktivität zum Ausdruck brachte, dazu verführt wurden, sich bis zum Abwinken zu verschulden. Und statt diese Schulden, die eh niemals beglichen werden können, einfach abzuschreiben und eine Krise in Kauf zu nehmen, die man vielleicht noch hätte bewältigen können, wurde vor allem auf den Druck Frankreichs hin „gerettet“, d.h. ein um so katastrophalerer Zusammenbruch in die Zukunft verschoben. Heute sind wir dergestalt in der Situation, daß wir so tief verstrickt sind, daß wir den Euro gar nicht mehr aufgeben können, wobei gleichzeitig dessen Erhalt ebenfalls in die garantierte Apokalypse münden wird. Das ist die Emotionelle Pest: sie führt (verantwortungslos und im Namen der „Freiheit“) das Lebendige in Situationen, aus denen es kein Entkommen mehr gibt. Harman:

Ich habe hier zusätzliche Aufmerksamkeit auf die Beschreibung dieser Situation in Europa gelegt, weil es ein so klares Beispiel dafür ist, wie die Emotionelle Pest funktioniert. Die Pest schafft Verwirrung und Immobilisierung bis zu dem Punkt, wo menschliches Denken und Handeln (…) ein extremes Niveau von Sinnlosigkeit erreicht, das zu tragisch selbstzerstörerischem Verhalten führt, das nur das Ausmaß an Verwirrung und Immobilisierung verstärkt. Was geschieht, ist das Sequestrieren und Beseitigen der Lebensfunktion selbst. Wenn die fadenscheinigen Rationalisierungen entfernt werden, ist die einzige Logik an der Pest die Logik der Notwendigkeit, das Leben abzusondern und zu eliminieren. (S. 71f)

Man nehme etwa folgende Ausführungen gegen die USA, den Petrodollar, etc. Sie führen in ihrer inneren Logik dazu, daß der Kern der Weltökonomie, die USA und der Dollar, funktionsunfähig gemacht wird, auf der Weltbühne die Anarchie ausbricht und Verbrechersyndikate, d.h. ehemalige kommunistische „Staaten“ wie Rußland und China die Welt dominieren. Das alles natürlich im Namen der „Freiheit“, gar des „Lebendigen“. Das Schlimme ist, daß niemand die Emotionelle Pest erkennt, sondern ganz im Gegenteil alle vermeinen hier würden sich Liebe, Leben und Freiheit regen und die Erlösung nahe sein:

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=PiTZuozOaBA%5D