Posts Tagged ‘Theater’

Paul Mathews: Das Weltgeschehen, die Medien und Modju

28. Dezember 2019

 

Paul Mathews:
Das Weltgeschehen, die Medien und Modju

 

Das Weltgeschehen, die Medien und Modju (Teil 7)

18. August 2019

 

Paul Mathews:
Das Weltgeschehen, die Medien und Modju

 

David Holbrook, M.D.: DER WEG EINES ORGONOMEN ZUR ORGONOMIE

29. Mai 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Der Weg eines Orgonomen zur Orgonomie

 

Emotionen sprechen lauter als Worte (Teil 11)

17. Februar 2019

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Emotionen sprechen lauter als Worte

Orgonomie und Kultur

25. Juli 2014

Gestern ging es um das Tabu der Religion: „Der hat meine Religion beleidigt!“ Ein ähnliches Tabu ist die Kultur. Kaum einer wagt zu sagen, was offenkundig ist: daß die moderne Malerei, das moderne Theater und die moderne ernste Musik fast durchweg nichts anderes sind als minderwertiger Dreck. So sah jedenfalls Reich die Sache.

Die Hamburger Morgenpost rezensiert die Uraufführung eines zeitkritischen Theaterstücks Die Kontrakte des Kaufmanns von Elfriede Jelinek, die 2004 den Literatur-Nobelpreis erhalten hatte:

Die muntere Schauspielertruppe tat ihr Bestes, um das Publikum am Einschlafen zu hindern. Eisenstangen knallten auf die Bühne, Luftballons wurden zerstochen, und schließlich kletterte das Ensemble sogar über die Köpfe der Zuschauer hinweg. Ganz ehrlich, man kann es schaffen bis zum Ende.

Was würde Reich über Jelinek und die masochistische „Kultur“-Schickeria sagen, die diesen Müll über sich ergehen läßt? Wahrscheinlich dasselbe, was er über Kafka gesagt hat. Als Myron Sharaf ein Kafka-Zitat für das Orgone Energy Bulletin benutzen wollte, protestierte Reich:

Er (Kafka) war ein Neurotiker und andere Neurotiker sammelten sich um ihn und machten ihn zu einem großen Helden. (M.R. Sharaf: “Some Remarks of Reich (1949-1952)”, Journal of Orgonomy, Vol. 8, No. 1, May 1974)

Kunst entspricht „Löchern“ in der Panzerung, ist also in jedem Fall unneurotisch. Die nervende Kakophonie der Neurotiker, der sogenannten „Künstler“, die, statt sich eine Kugel durch den Kopf zu jagen, uns ihre Alpträume ins Gesicht kotzen, trägt nur zur allgemeinen Verpanzerung bei, gebiert neue Verzweiflung; ist Niedertracht, Menschenverachtung, Emotionelle Pest und sonst nichts! Immerhin hatte Kafka die innere Größe, darum zu bitten, daß nach seinem Tod seine Manuskripte verbrannt werden – statt dessen machten sie ihn zum Helden….

Zur neurotischen Schriftstellerei siehe auch Wilhem Reich, das Schreiben, meine Neurose und ich von Jan Decker.

Der Gegenpol zu Kafka, den Erzneurotiker, bildet William Blake.

Der berühmte brasilianische Romancier Paulo Coelho veröffentlichte in TV Hören und Sehen (41/09) wöchentlich eine Kolumne. Da ich kein Schöngeist bin, habe ich das nie gelesen. Doch blieb ich an einer Überschrift hängen: „Die Weisheiten von William Blake“.

William Blake (1757-1827) wird von der Zeitschrift als „Naturmystiker und Dichtermaler“ vorgestellt. Anlaß ist ein Bild des viktorianischen Malers Sir William Blake Richmond (1842-1921), der von seinem Vater nach dessen Freund William Blake benannt worden war. Als eines der „100 Meisterwerke“ der Malerei wird von TV Hören und Sehen Richmonds Bild „Venus und Anchises“ vorgestellt:

Richmond

Hier sieht man, wie die Liebesgöttin in einen herbstlichen Wald tritt und neues Leben spendet. Sowohl Blake als auch der nach ihm benannte Maler seien im Christentum verankert gewesen, gleichzeitig ginge es ihnen aber „um den Zauber der Natur und um sinnliche Leidenschaft, die nicht im Widerstreit steht zu Gott und den Botschaften der Bibel. Für den Dichter William Blake offenbarte sich Gott sogar erst in der menschlichen Lebensfreude.“

Ähnlich könnte man auch Coehlos Weltsicht betrachten, die von der Vorstellung einer „Weltenseele“ ausgeht. Coehlo stilisiert sich jedenfalls zu einer Art „Willam Blake der Gegenwart“.

Blake war einer der seltsamsten und „fremdesten“ Menschen, die je gelebt haben. Von seinen Graphiken geht eine bezwingende Kraft aus, der man sich kaum entziehen kann. Seine Gedichte wirken, als wären sie von Wilhelm Reich inspiriert. Gewisserweise ist Blake Teil der Orgonomie.

In seiner Einführung in die Orgonometrie Before the Beginning of Time meint Jacob Meyerowitz, daß Blake der einzige Künstler gewesen sei, den man mit Fug und Recht als „genitalen Charakter“ beschreiben kann. Dies erkläre, warum uns, die wir gepanzert sind, sein Werk so fremdartig, geradezu „außerirdisch“ erscheine.

Coehlo schreibt, daß Blake von den Intellekuellen seiner Zeit nicht nur seine angebliche „Exzentrik“ und „Naivität“, sondern auch „Mystizismus“ vorgeworfen worden sei. Tatsächlich wirken Blakes Werke auf den ersten Blick „mystisch“ und „verschroben“, doch offensichtlich war das seine einzige Möglichkeit, mit seinem Gefühlsleben umzugehen, das so radikal anders war als das seiner gepanzerten Umgebung.

Tatsächlich ist es manchmal schwer zu sagen, ob man es mit Mystizismus (durch die Panzerung verzerrter Kontakt zum Kern) oder mit einem genuinen Kontakt mit dem bioenergetischen Kern zu tun hat. Das betrifft auch Coelho selbst:

Am 15.8.03 berichtete das ZDF-Kulturmagazin Aspekte über das damals erschienene Buch Elf Minuten (die durchschnittliche Dauer des Geschlechtsakts) von Paulo Coelho. Es geht ohne „aufklärerischen“ Sozialkitsch um die Geschichte einer jungen Prostituierten, die nach der „Sprache des Körpers“ auch die „Sprache der Seele“ kennenlernt und so erfährt, was Erotik und Liebe wirklich ist.

Doch leider versteigt sich „der weltberühmte katholische Kulturalchimist“ gegenüber Aspekte:

Sexuelle Ekstase ist dasselbe wie mystische Ekstase. Wenn man Bücher von Mystikern liest wie der heiligen Theresia von Avila oder dem heiligen Johannes, die zu beschreiben versuchen, was religiöse Ekstase ist, dann liest man: „Ich verliere das Gefühl für diese Welt“ – und dasselbe geschieht beim Sex. Beim Orgasmus, wenn man in Ekstase gerät, verliert man sich, nimmt nichts mehr wahr, findet man aus sich heraus. Und das ist, denke ich, die heilige Erfahrung von Sex.

Reich schrieb, „daß das religiöse Empfinden gehemmter Sexualität entspringt, daß in gehemmter Sexualerregung die Quelle der mystischen Erregung zu suchen ist“ (Hervorhebungen hinzugefügt). Und er unterstreicht:

Daraus folgt der zwingende Schluß, daß klares sexuelles Bewußtsein und natürliche Ordnung des sexuellen Lebens das Ende des mystischen Empfindens jeder Art sein muß, daß also die natürliche Geschlechtlichkeit der Todfeind der mystischen Religion ist. (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 168)

Die Spaltung in der Kultur zwischen „Kafka“ und „Blake“ findet sich, wohin man schaut. Etwa, wenn Der Spiegel sich mit der Urgeschichte befaßt.

2005 berichtete Der Spiegel unter der Überschrift „Triebstau im Neandertal“ über den „Adonis von Zschernitz“ und andere Funde, die vom Sexualleben in der Frühzeit zeugen. Der Artikel liest sich, als wären wir noch im Jahre 1932, als Reich sein Buch Der Einbruch der Sexualmoral veröffentlichte. Ganz im Sinne Freuds sehen die „Tabuisten“ den Urmenschen in einem System aus Triebverzicht und Enthaltsamkeit mit einem streng reglementierten Fruchtbarkeitskult gefangen, in dem das geschlechtliche Verlangen sublimiert und zu ritueller Kunst umgeformt wird. Die Soziobiologen glauben hingegen, der haltlose Frühmensch habe dem genetischen Diktat folgend der Promiskuität gefrönt.

Von sexualökonomischen Überlegungen findet sich keine Spur. Stattdessen… – die Sprache des modern liberal: „Pornofiguren“, „Erotiktempel“, „Bewegung in der Sexfront“, „Reizwäsche aus der Bronzezeit“, es „wird gerammelt und geschleckt“, „Dildos“, „SM-Sklavin“, „Kloschmierereien“, „trunkene Orgie“, „Erotikriten“, „Eros-Center“.

Nach all dem gesellschaftlichen und wissenschaftlichen „Fortschritt“ der letzten Jahrzehnte sind Reich-Titel wie Der triebhafte Charakter, Die Funktion des Orgasmus und Geschlechtsreife, Enthaltsamkeit, Ehemoral aktueller als in den 1920er Jahren!

Immerhin schlägt der Bericht im Spiegel über die „Venus vom Hohle Fels“ einen anderen Ton an. Einen, bei dem man sich wohl fühlt. Die Statuette sei „– drall und erotisch (…), was wie ein Symbol für Wonne und Wohlleben, sattes Glück und sicheres Gebären scheint“.

Es gibt einen Unterschied zwischen Kultur, die in Einklang mit der Natur ist, und der entarteten Unkultur!