Posts Tagged ‘Gruppentherapie’

Emotionen sprechen lauter als Worte (Teil 8)

11. Februar 2019

Eine Einführung in die klinische Theorie der Orgonomie mit einer Diskussion einiger paralleler Funde in der modernen Neurowissenschaft und Psychotherapie von David Holbrook, M.D.

 

DER WEG EINES ORGONOMEN ZUR ORGONOMIE (Fortsetzung)

Ich hatte in den 1970er Jahren an einer Gruppentherapie-Erfahrung teilgenommen, die in vielerlei Hinsicht an meine Schauspielerfahrungen erinnerte. In den Gruppen wurden tiefe Dinge ausgedrückt, manchmal durch Worte, manchmal nonverbal durch Wut oder Weinen oder sogar durch Tanzen. Mein Vater, der Schauspieler, begleitete mich zu einer langen Gruppensitzung am Wochenende und sagte anschließend, daß dies zu den besten Schauspielleistungen gehörte, die er je gesehen hatte. Damit meinte er nicht falsche Vorspiegelungen, sondern echten, aufrichtigen, tiefen und wahrhaftigen emotionalen Ausdruck. Es war eines der besten Theater, das wir beiden jemals erlebt hatten.

Schauspiel beinhaltet zwar verbale Sprache, aber auch Körpersprache. Wenn die Körpersprache „ausgeschaltet“ wird, ist das Schauspielern überhaupt nicht zwingend oder glaubwürdig. Die Wahrheit liegt in den Worten, aber auch im körperlichen Ausdruck. Mein Vater sagte bei der Lektüre dieser Ausführungen: „Vor einigen Jahren konnte ich mich der Methode annähern, Worte nicht zu spielen oder an Worte zu denken, sondern mich zu bemühen, die Emotionen zu beantworten, die ich in den Augen des anderen Schauspielers sehen konnte“ (persönliche Mitteilung). Vielleicht hat mein Hintergrund in der Schauspielerei mein Interesse an der Beziehung zwischen verbaler und nonverbaler Erfahrung beeinflußt. Emotion ist sowohl mit einem tiefen verbalen als auch mit einem tiefen nonverbalen Ausdruck verbunden.

Seit einigen Jahren bin ich daran interessiert, die Beziehung zwischen dem verbalen und dem nonverbalen Bereich besser zu verstehen. Ich merke immer mehr, wie wir alle ständig mit unserem Körperausdruck „nonverbal“ miteinander „reden“. Unser Kontakt mit uns selbst beinhaltet auch das Kontrollieren unserer eigenen körperlichen Zustände. Wir sprechen von „Bauchgefühl“ oder „innigen Emotionen“ oder von etwas, das uns „unter die Haut geht“. Wenn wir von etwas emotional bewegt werden, können wir Gänsehaut bekommen oder andere Empfindungen in unserem Körper verspüren.

Ich war schon immer auf die nonverbale Dimension „eingestellt“. Mir ist aufgefallen, daß ich viel mehr auf das reagiere, was ich in den Augen oder im Gesicht eines Menschen ausgedrückt sehe, oder auf das, was ich in seinem Tonfall höre, als auf die tatsächlichen Worte, die er von sich gibt, vor allem, wenn die Wörter nicht mit dem übereinstimmen, was der Rest des Körpers „sagt“. Ich finde mich wieder, wie ich die Worte „ausstelle“ und in eine Art Tagtraum eintrete, in dem ich ihre nonverbalen Botschaften beobachte und sie im Inneren intern beantworte, Botschaften, die ihnen vielleicht selbst nicht bewußt sind. Du weißt worüber ich rede?

 

Dieser Text aus dem Jahre 2013 wurde mit Genehmigung von Dr. Holbrook seiner Facebook-Seite entnommen und übersetzt.

Neo-Psychoanalyse

27. August 2016

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Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

Neo-Psychoanalyse
 

 

O. sagte 2013: “Es handelte sich um den Beginn der Orgon-Theorie. Fenichel und ich wagten nicht, uns anzugucken, denn kalte Schauer liefen uns den Rücken hinab.“
Ich mag mich ja irren, aber 1933 gab es noch keinen Beginn der Orgon-Theorie, weil es das Orgon noch nicht gab; dies enstand als Begriff 1939/40. Der Urgegensatz des Vegatativum war 1934 im enstehen, worüber sich die Herren unterhalten haben können und dies als „schizophrene Vorstellung“ betrachten.
Irgendwas kam Fenichel hier spanisch vor, was er als „schizophren“ versteht, wenn Reich dies noch mit einem Nachsatz wie „Kinder, wenn ich meiner Sache nicht so sicher wäre, würde es mich anmuten wie eine schizophrene Phantasie“ (Reich) kommentiert haben soll, dann hat Reich den Begriff selbst ausgedrückt, der im Gedächtnis haften blieb. Was war denn die „schizophrene Phantasie“? Das „Orgon“ war es noch nicht, sondern das eine biologische/bioelektrische Energie nachzuweisen wäre. Oder?

Darauf Robert: Naja, Reich hat seine Sachen erst dann veröffentlicht, wenn er sich seiner Sache absolut sicher war, also oft Jahre später. Er hat dann (1933) also sicher schon Vegeto-Therapie betrieben und gemeint, Libido wäre eine eigenständige biophysikalische Energie, die man evtl. am Hautwiderstand messen kann.

O.: Es war der hier genannte „erste Schritt“, der erinnert wird, verbunden mit genau der „Orgonthese“ (die später kam), als Reichs Untergang. Genau genommen ist es die Beschreibung der Funktion des Orgasmus als nachweisbarer Prozess, was nicht ertragen werden konnte. Solange es eine Theorie darüber gab, war noch alles einigemaßen ok, außer bei Freud. – Freud hätte ihn so oder so „gekillt“.

Renate fragte: Warum hätte ihn Freud „so oder so ‚gekillt’“ ?
Hatte den Eindruck, Freud war der einzige, der WR gegen Attacken verteidigt hatte (vor 1930), wo war dann der Bruch?

Sebastian: http://www.lsr-projekt.de/wrfreud.html#fueberr

O.: Meine schöne Erklärung hat sich im Äther verflüchtet ggrrrrr ….
Da nichts so ätzend ist, wie sich zu wiederholen, fällt die bessere Erklärung für Renate aus. Sorry.
Kurz gesagt: Reich und Freud inhaltliche Differenzen sind so groß, dass beide nicht zusammenpassten, was Freud sehr wohl bemerkte und Reich aber nicht sehen wollte.
Freud schmeißt Reich elegant raus (über Jones) und schmeißt ihn den Nazis zum Frass vor.
Die Freudsche Psychoanalyse passte hervorragend in die „arische Psychologie“, Reichs bessere Charakteranalyse hingegegen entarnte den Faschismus und wandte sich gegen Freuds Konzept der Triebsublimierung, um gesellschaftlich „besser“ zu funktionieren.

O.: Einerseits ging er auf Nummer sicher und hat später veröffentlicht. Die bioelektrischen Untersuchungen kamen aber erst nach 1933 – nämlich 1934 in Oslo als er dort die Geräte hatte.
Andererseits:
Sein „Orgon“ hat er in Anmerkungen erst im Nachhinein noch eingearbeitet in der 2. oder 3. Auflage der Charakteranalyse, die Zwischenphase der Vegetotherapie wird dadurch geschmälert und ein theoretisches Chaos entsteht durch mangelnde Abgrenzung der Phasen zum Nachteil der Orgontherapie, wie ich finde.

Robert: Aber die Hinweise von Sterba und Gerö lassen das Indiz zu, dass er schon angefangen hatte, in diese Richtung zu forschen. Wir wissen nicht, wann er erste Hypothesen diesbezüglich aufstellte, z. B auf der Nässetheorie von Kraus, die er schon in den Zwanziger Jahren laß.

Klaus schrieb 2011: „Es hat sogar ‚Satanisten’ gegeben, die sich auf Adler beriefen!“
Mag sein – besagt aber nicht viel. Man kann so viel Schauriges für „…“ einsetzen in „Es hat sogar … gegeben, die sich auf Reich beriefen!“
„Der Witz bei der ganzen Angelegenheit ist, daß Reich selbst bei sich von Anfang an, konstatierte, er stünde ‚draußen vor’.“ Ja ja, das behaupten allerdings so viele notorische Einzelgänger von sich, die sich für etwas ganz Einzigartiges halten, und spricht nicht für irgendetwas Relevantes.
Warum sich so sehr mit dem Mann Reich befassen und nicht eher nur insofern mit ihm, als es Beobachtung und Deutung interessanter Phänomene formulieren hilft?
Klar, das eine schließt das andere nicht aus; der Kult um IHN ist aber schon nervig genug und Wasser auf die Mühlen der Turners usw.

O.: Leute, die über vermeintliche Persönlichkeitsmerkmale anderer – hier über Reich – reden, sind mir suspekt. An anderer Stelle geäußerte und auch nicht neue Meinung Reich habe viele Frauen um sich gehabt oder die Frauen seien fasziniert von ihm gewesen, nun das halte ich für völlig normal für einen normal entwickelten Menschen. Wer das betonen muss, dem fehlt offensichtlich selbiges und sollte sich diesen Mangel mal anschauen. Das geht jetzt nicht direkt an Turner, der dies als Argument brachte, weil mich seine „Frauengeschichten“ eh nicht interessieren und bei einer solch unqualifizierten Bemerkung, ich ihn bemitleiden müsste.
Reich hatte nicht außergewöhnlich viel Frauen und hatte, was viel auffälliger war, doch schon in der psychoanalytischen Phase, sehen wir vom Altherrenclub einmal ab, und wohl auch in Berlin und Norwegen deultich viel attraktive und intellektuelle Männer um sich. Hieraus ist auch kein besonderer Schluss zu ziehen, außer dass auch diese Männer für Frauen eine Faszination gehabt haben dürften.
Männer, die stets auch (!) von Frauen umgeben sind, die ihnen zugeneigte sind, interessieren sich am wenigsten für dieses Phänomen, um nicht zu sagen, bekommen das meist auch gar nicht mit. Darüber mögen so manche Männer sich dann wundern und eifersüchtig werden. Viel Hass und Kontaktabbruch zwischen Männern kann hieraus resultieren, möglicherweise ist dies auch eher Reichs Problem geworden, dass die „konkurrierenden“ Männer sich in übler Rede selbst post mortem noch rächen wollen. Möglicherweise geht es gar nicht um den ORAC oder das Orgon, welches für die meisten ien Abstraktum bleibt, sondern um ihre eigenen geringe Anerkennung, die sie in ihrem Leben erhalten haben, speziell von Frauen und sich selbst als nicht liebenswert betrachten. Adler hätte dies in seinen Großgruppen themaisieren können. Das dahinterliegende Problem wäre dann wieder auch das der Sexualität geworden, ein Thema, das vorraussetzt, dass man welchen haben kann. Doch ohne ein Selbstwertgefühl wird man sich dem eigenen Gefühl, keine Chance gegenüber dem anderen Geschlecht zu haben, nicht stellen können.
Das Problem homosexueller Psychoanalytiker, die sich dann in die „verschmähte Mädchenrolle“ einordnen und ihren Hass ausagieren, will ich hier nicht ansprechen, dies hat sicherlich zur Zuspitzung der Problematik geführt.
Betrachtet man die Rolle der Frau innerhalb der Orgonomie, so spielen (von der Museumsleiterin ein mal abgesehen), die Frauen eine unterstützende und sich unterordnende Rolle. Nun das wäre mal auch für Kritiker ein interessantes Thema gewesen, aber offensichtlich sind sie immer nur an der Abarbeitung ihres Minderwertigkeitsgefühls orientiert, ohne dies auflösen zu können. Turner könnte sich mal fragen, wie männlich kommt er in seinem Reichroman rüber? Welche Frau wird so etwas lesen wollen? Frauen würden wohl eher etwas über die Psychologie oder Körpertherapie erfahren wollen, jedoch nicht „Eh, seht her, der Mann war ein Frauenliebling und schizophren! Nur damit alle, die nichts über ihn wissen, das nun endlich mal wissen.“ – So bleibt ein Autor doch single und kann mit seinem „orgasmotron“ spielen oder auf einen „Spontanorgasmus“ warten, der irgendwann dann tatsächlich doch eintritt – ohne einen auslösenden Reiz oder erkennbaren Anlass. Das kann dann auch beim Anblick der BILD-Zeitung passieren.

Darauf Peter: Barbara Koopman, Louisa Lance, Conny Huthsteiner, Irmgard Bertelsen, etc.

Peter: Barbara Koopman (einst zweite Frau des ACO, heute unabhängig), Louisa Lance (erst ACO, dann IOS, heute unabhängig), Conny Huthsteiner (IOS), Irmgard Bertelsen (erst ACO, dann IOS), etc.

Jonas: Sind all diese Damen in den USA ansässig, oder auch in Europa? Meines Wissens gibt es zwei Orgonominnen in Griechenland, und ansonsten noch Frau Fuckert in Waldbrunn. Würde mich interessieren, ob es noch mehr in Europa/Deutschland gibt.

Peter: Alles Ami-Frauen. Ansonsten weiß ich von keinen weiteren Therapeutinnen, nur das welche in Ausbildung sind. Das weiß ich aber nichts genaueres. Vor dem Facharzttitel halten Ärzte ihr Reich-Interesse eh geheim!

O.: Nun mir fällt eine andere Frage ein: Wie alt sind die Damen? Ist eine noch unter 40? Ich denke mal, dass es zu wenig Nachwuchs gibt. Und als 30-Jähriger zu einer 60-Jährigen Therapeutin zu gehen, passt auch nur schlecht.

O. weiter: Bitte keine Gerüchte in die Welt setzen: Fr. Dr. Buhl und Fr. Dr. Fuckert mögen Medizinerinnen sein, sie sind nicht vom ACO therapiert oder ausgebildet worden. Die Zertifikate möchte ich dann aber sehen. Eva Reich hat nie von einer Ausbildung bei ihrem Vater gesprochen, wir sind ja hier nicht in der Psychoanalyse bei den Freuds, wo der Vater die Tochter analysiert.
Barbara Koopman gehörte zum ACO. (s. JO) spielt aber keine führende Rolle, sondern bleibt „brav“ untergeordnet. (Baker, Blasband)
Eine „Schülerin“ von H. ist eben auch untergeordnete Schülerin will ich mal behaupten ohne zu wissen, wer sie ist. Von den anderen Damen habe ich auch noch nichts gehört, von daher scheinen sie in keinen führenden Positionen zu sein.
Es gab auch andere Ärtzinnen, aber das Studium macht sie meiner Ansicht nach nicht zu „führenden“ Persönlichkeiten, sondern lassen sie auch nicht aus der untergeordneten Rolle gegenüber Männern hervorstechen, insbesondere gegenüber ihren eigenen Partnern.

Robert: „Das Problem homosexueller Psychoanalytiker, die sich dann in die „verschmähte Mädchenrolle“ einordnen und ihren Hass ausagieren, will ich hier nicht ansprechen, dies hat sicherlich zur Zuspitzung der Problematik geführt.“
Es ist sowieso ein Wahnsinn, Perverse als Therapeuten auszubilden.

O.: Wenn es damals schon eine Ausbildung gegeben hätte, da gab es die Lehranalyse und fertig war der Therapeut.

Robert zu Rattner: Ich habe in den Siebzigern eine Menge Rattneranhänger kennengelernt, meist waren es Dipl-Psychologen/Innen oder LehrerInnen. Es war eine ganz normale Strömung zu der Zeit und sicherlich noch keine Sekte oder Guru-Fangemeinde.
Rattner ist zu verdanken, dass er viele Menschen mit der Tiefenpsychologie bekannt machte, die zu der Zeit noch weit unbekannt war oder falsch dargestellt.
Heutzutage wird die Tiefenpsychologie als eine minderwertige oder veraltete Strömung in der Psychologie angesehen und durch Pharmaka oder Kognitive Psychologie ersetzt (alles läuft nur im Gehirn!).
Einer seiner Anhänger meinte zu mir, es gäbe kar keine Libido, worauf ich fragte, und was ist mit dem Sexualtrieb?

O.: Tiefenpsychologie scheint nach neuerer Rechtslage zum berufsrechtlichen Verbot für Diplom Psychologen, die Psychotherapie ausüben zu können, einseitig als „Psychoanalyse“ definiert zu sein.
Dies ist historisch völlig falsch. Tiefenpsychologie ist ein Oberbegriff unterschiedlichster psychologischer und philosophischer Theorien, zu denen später auch die Psychoanalyse von Freud zählte. DAmit nicht nur die Psychoanalyse (PA) als Richtlinienverfahren anerkannt wurde, sondern auch Adlers Indiviualpsychologie und Jungs Analytische Psychologie wird die „Tiefenpsychologie“ erlaubt, die von Eugen Bleuler wieder popularisiert wurde. Mesmer und Reich würden hier genauso reinpassen, weswegen diese Therapien auch von der Kasse zugelassen wären. Da die Lobby um Prof. Grawe aber definiert, was wissenschaftlich fundiert sei, gelten nur Verhaltenstherapie (VT) und nochmals VT und mit geschlossenen Augen und Schmerz verzerrtem Gesicht auch PA.
Tiefenpsychologie ist schon sehr alt über 200 Jahre. Man kann argumentieren, das die PA keine Wirkung besäße. Dann sollte man auch erwähnen dürfen, das VT keine Therapie ist, sondern eine Verhaltensmodulation.
Faktisch gibt es in der BRD keine Psychotherapie mehr und der Ausspruch eines Prof. Eysenk wird Realität: Psychotherapie wirkt nicht. Daher kann man getrost alle Kosten für Psychotherapie einsparen, da Deutsche im Gegensatz zum Ausland keine Psyche (oder auch Seele genannt) haben. Es ist eben alles irgendwie somatisch und gehirnphysiologisch erklärbar und mit Medikamenten zu behandeln.
Die dt. Psychotherapie besteht modern aus drei Phasen: Aufnahmegespräch – Placebo – Entlassungsgespräch.
Wobei ein Placebo wissenschaftlich erwiesen mindestens genauso, wenn nicht wirksamer als ein Medikament ist.
Demnach besteht die dt. Orgontherapie modern auch aus drei Phasen:
Aufnahmegespräch – ORAC – Entlassungsgespräch.
Die Therapiedauer würde dann ca. 2 Stunden betragen.
Nun, es gibt natürlich auch die klassische Variante der Orgontherapie, die noch mehrere Jahre für die Therapie benötigt, aber so etwas wäre in Deutschland ja nicht nötig, da man die Blackbox der Psyche nicht unnötig überschätzen sollte.
Selbst Reich redete ja gegen Ende seiner therapeutischen Entwicklung nicht mehr von „Psycho-„, sondern Biotherapie zur Behandlung der Biopathie, statt Psychopathie.
Nun sicher wird diese moderne Sicht der „Psychotherapie“ nicht jedem gleich gefallen, aber man wird sich an alles gewöhnen können. Das Diplom wurde auch an den meisten Universitäten abgeschafft und durch Bachelor und Master ersetzt.

O.: Zu mir ist nie etwas durchgedrungen, vielleicht habe ich auch erfolgreich nicht mehr zugehört. Und was über einen selbst geredet wird, soll man ja eigentlich nicht erfahren. Ich würde auch auf Gerüchte nichts geben, sondern eine Person selbst kennenlernen wollen. Respekt bekommt eine Person, wenn sie authentisch ist in meinen Augen, ohne sich mit falschen Titeln aufzublasen und mir ist der Status eines Menschen völlig egal.
Im Gegenteil kann ich diese „ich bin Orgonom“ Haltung, weil ich eine Ausbildung gemacht habe (was meist nicht stimmt), nicht leiden. Das ist klarer Etikettenschwindel, weil es diesen Titel überhaupt nicht gibt. Bei Reich kann man nachlesen, was ein Orgonom ist. Da könnte die auch sagen „ich bin ein Bion, ausgebildet unter dem Mikroskop“.
Ferner gibt es auch keinen, der sich rühmen könnte die Orgonomie zu vertreten, außer Herr Nasselstein, der seit vielen Jahren sich hierum bemüht und dies nur auf theoretischer und inhaltlicher Weise macht. Auch Herr Dr. Müschenich hat nicht den Ansrpuch erhoben, die Orgonomie zu vertreten. Die Wilhelm Reich Institutionen usw. in Deutschland sind esoterische Fakes! Sie sind inhaltlich eine Schande für Wilhelm Reich und von ihm nicht authorisiert worden. Sie folgen auch nicht den Grundsätzen von ihm. Jeder Mensch ungeachtet seines Berufes hat das gleiche Recht sich dieser Titel zu bedienen, nur haben diese mehr Anstand, dies nicht zu benutzen, als die, die es tun.

David: In dieser Gesellschaft kann man, Baker zufolge, eh nur mit Einschränkung ein genitaler Charakter sein, nur ein „funktioneller genitaler Charakter“, d.h. man würde nur unter denkbar guten Bedingungen wie ein mustergültiger genitaler Charakter funktionieren – wenn Schwierigkeiten auftreten, fiele man früher oder später in seine alten neurotischen Verhaltensmuster zurück.
Das mit dem Rückfall wird wohl tatsächlich so sein – ich muss auch daran denken, wie berichtet wurde, dass während des Oranur-Experiments Rückfälle körperlicher Erkrankungen – an der biologisch schwächsten Stelle – aufgetreten sind.

O.: Baker bleibt mir zu allgemein: Ich kann dann sagen, ja – er hat da Recht (Irgendwo und irgendwie).
1. Das Erreichen des Genitalen Charakters ist ein Abstraktum, ein Ideal, dass keiner erreichen kann.
2. „Unter denkbaren guten Bedingungen …“, Wo soll es so etwas geben? Wieder ein Abstraktum und Ideal.
3. Ein „fertig therapierter“ Mensch wird nicht in die alten neurotischen Muster zurückfallen, da er sich schon strukturell weiterentwickelt hat, sonst wäre die Therapie wirkungslos gewesen.
4. Der therapierte Mensch muss zurück in die Familie …(aber nicht unbedingt) und in die Gesellschaft und wird dieselben Bedingungen vorfinden, die ihn geprägt und krank gemacht haben. Günstigerweise hat er den Arbeitplatz gewechselt und sich einen besseren besorgt oder einen für ihn günstigeren Weg eingschlagen. Dennoch wird er sich wieder verhärten müssen und seine Panzerung aufbauen und auch als Erwachsener ist er nicht viel kompetenter als er es als kompetenter Säugling war. Eva Reich hat immer gewarnt vor einer Auflösung der Blockaden (Panzerung) bei Säuglingen und Kindern, da sie in die gleiche Umwelt zu ihren neurotischen Eltern zurückkehren und sich nur stärker panzern müssen, um zu überleben. Tendenziell trifft das auch jeden therapierten Klienten. Es muss also auch nach der Therapie eine jahrelange Nachsorge geben, darüber wurde noch nicht nachgedacht!
Das Oranurexperiment war ein Schock und traf unvorbereitet. Oranur auch im kleinen wird den Körper immer treffen – und die Therapie oder ein Erreichen des Genitalen Charakters würde nichts nutzen, wie es auch vor Gift nichts nützt. Es aktiviert alte Wunden und Schwächen, trifft an den schwächsten Stellen zuerst.
Diese Einflüsse haben wir heute dauerhaft. Die Frage wie wir uns davor schützen können, wird zu wenig gestellt und beachtet. Die überkommene Vorstellung, dass man durch Körpertherapie „härter“ wird und nicht mehr so sensibel gegen Oranureinflüsse, dürfte dem therapeutischen Ziel widersprechen.
Baker meinte wohl: Ein Mensch kann auch (Jahre) nach einer Therapie bei einer Krise – meist geht es um das Thema Liebe (Entzug und Zurückweisung) – wieder in dem für ihn typischen Muster reagieren. Er durchlebt dann, genau wie in der Therapie sein Drama neu und intensiv. Es ist zu hoffen, dass er hier wieder alleine rausfindet oder sich Hilfe holt. Dies ist ein normaler Vorgang, eine Therapie gibt nicht die Garantie, das man nicht mehr im Leben leiden muss. Der Mensch stellt sich wieder seinen Problemen neu und kann sie hoffentlich besser lösen.

Reichs „Sozialpsychiatrie“ (Teil 1)

22. April 2016

In seiner Sexpol-Arbeit um das Jahr 1930 herum wollte Reich den neurotischen Widerstand unterlaufen, indem er den „individuellen moralischen Hemmungen“ eine „kollektive Atmosphäre der Sexualbejahung“ entgegensetzte (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 175). In seinen Massenveranstaltungen wurde die Gehemmtheit, der Intellekt und seine Kontrollfunktion umgangen und die Emotionen direkt angesprochen. Dergestalt gelang es ihm bis zur arbeitsdemokratischen Kernschicht des Charakters vorzudringen, der Grundlage jedes echten sozialen Verhaltens. Man könnte behaupten, daß er in seiner Sexpol-Arbeit als erster Gruppentherapie angewandt hat (siehe das entsprechende Kapitel über „Die Praxis der Sexualökonomie“ in Reichs Buch).

In den gleichen Jahren hat der Demagoge Hitler ähnliche Massentechniken benutzt, um alle moralischen Hemmungen gegen seine rassistische „Herrenmoral“ wegzufegen und dergestalt die faschistische Mittlere Schicht der Charakterstruktur zu mobilisieren, die unter der zivilisierten Fassade des Massenmenschen bedrohlich lauert. Durch diese Mobilisierung hätte er beinahe die ganze Menschheit in den Untergang getrieben. Doch wie Reich zeigte, kann man dieses Potential auch für das Gegenteil nutzen: den Weg aus der Falle weisen durch Mobilisierung der arbeitsdemokratischen Kernschicht. Man denke nur an evangelikale Massenveranstaltungen in Amerika, wo teilweise tatsächlich der Kern mobilisiert wird, was dann aber sofort in mystische Kontaktlosigkeit umbiegt. Es ist ganz einfach überwältigend, was in so einer Evangelisationsveranstaltung freigelegt wird. In der Massenatmosphäre kommt es zu Ausbrüchen, zu denen der auf sich allein gestellte Einzelne nicht in der Lage wäre.

Erinnert sei auch an heutige Rockveranstaltungen und insbesondere die Beatlemania der 1960er Jahre, wo gesittete junge Mädchen unter spastischen Zuckungen Schreikrämpfe bekamen. Wozu wurde diese ungeheure Energiefreisetzung genutzt, mit der man die Welt auf den Kopf, bzw. auf die Füße hätte stellen können? Immerhin wurde die 68er „Revolution“ ins Leben gerufen, die für die Reich-Renaissance verantwortlich war, ohne die wir alle wahrscheinlich nie von Reich gehört hätten. Vielleicht hat nicht viel gefehlt und es wäre zu einer echten Sexuellen, bzw. Biologischen Revolution gekommen. Und dies wurde nicht durch das unverständliche Intellektualisieren der Studenten entzündet, sondern allein durch den ausschließlich emotionalen Appell, der von der Rockmusik ausging.

Es sei daran erinnert, daß die Hitler-Bewegung direkt aus dem hypnotisierenden Musiktheater Wagners hervorgegangen ist und dessen ästhetische Mittel der Massenbeeinflussung genutzt hat. Man siehe Reichs Kritik an der Aufklärungsarbeit der KPD und sein „Lob“ für die Massenarbeit der Faschisten, die die Menschen nicht „aufklären“ wollten, sondern ihre (sekundären) Gefühle ansprachen.

Wäre die Musik der 1960er Jahre weniger eine, wie Reich es ausdrückt, „Fickermusik“ („rock and roll“!) gewesen, wäre alles weniger auf neurotische Rebellion zugeschnitten gewesen, hätte man der Jugend bessere Leitbilder gegeben, hätte man das Problem der Genitalität angegangen, wären keine Drogen, mystischen Lehren und politischen Ideologien im Spiel gewesen – vielleicht sähe die Welt heute anders aus.

Leider mußte Reich in Äther, Gott und Teufel konstatieren, daß das Sekundäre für den gepanzerten Menschen anziehender ist als das Primäre – und deshalb jeder Appell an die Emotionen ein Spiel mit dem Feuer ist. Nicht von ungefähr ist die individuelle Therapie so langwierig, die Herstellung von Rationalität so aufreibend und problematisch. Um wieviel gefährlicher muß da die „Massentherapie“ sein! Man denke in diesem Zusammenhang an den Personenkult („Führerkult“), der sich um nicht-pestilente zentrale Therapiefiguren wie Reich, Walter Hoppe und insbesondere Elsworth F. Baker jeweils kristallisiert hat. Bezeichnenderweise sind nach dem Ableben der zentralen Figur die jeweiligen Gruppierungen zerfallen. Man sollte sich auch nicht wundern, daß sich immer wieder pestilente Therapeuten der Reichschen Techniken bedienen, um ihre sadistischen Bedürfnisse auszuleben und einen faschistischen Kult um sich herum zu scharen. (Es war verblüffend, daß, wenn man eine beliebige Gruppe von „jungen Reichianern“ vor sich hatte, ausgerechnet die offensichtlich schlimmsten Neurotiker eine Therapie-Ausbildung machen wollten.)

Reich war sich dieser fatalen Mechanismen bewußt und hat sicherlich auch deshalb seine Tätigkeit als „Massentherapeut“ und später sogar als individueller Therapeut aufgegeben. Die Figur des Helfers, der denen „da unten“ hilft, ist mit den Prinzipien der Arbeitsdemokratie ohnehin unvereinbar. Unvereinbar – wenn nicht das Problem der Schere, die sich zwischen den Forderungen der rationalen Arbeitsdemokratie und der irrationalen Struktur der Massen auftut, bestände. Die Massen sind unselbständig, verantwortungslos und kindisch – und neurotisches Verhalten verlangt autoritäre Maßnahmen (Reich). Der heutige Mensch

ist im Grunde hilflos, freiheitsunfähig und autoritätssüchtig, denn er kann nicht spontan reagieren; er ist gepanzert und erwartet Befehle, denn er ist widerspruchsvoll und kann sich auf sich selbst nicht verlassen. (Die Funktion des Orgasmus, Fscher TB, S. 176)

Reich hat ein Gutteil seiner Massenpsychologie des Faschismus einem Beispiel für diese autoritäre Vorgehensweise gewidmet: Lenin, der durch die autoritären, un-arbeitsdemokratischen Maßnahmen einer therapeutischen „Erziehungsdiktatur“ die Menschen (nach Reichs grotesk falscher Interpretation der Intentionen Lenins) zur Arbeitsdemokratie führen wollte. Kombiniert mit Reichs Kritik an der ineffizienten Propagandatechnik der Kommunisten haben wir hier erste Ansätze einer „orgonomischen“ Massentechnik vor uns.

Der Konflikt zwischen dem Gefahrenpotential, das in der Massentherapie steckt, und der Notwendigkeit einer massentherapeutischen Herangehensweise, was beides in der widersprüchlichen Charakterstruktur der Massen begründet ist, fand schließlich in den 1950er Jahren seine Lösung, als Reich die „Sozial-Pathologie“, „Sozial-Psychiatrie“, bzw. „soziale Biopsychiatrie“ entwickelte. Vor dem Hintergrund seiner neuen Einsichten griff er dabei auf seine Sexpol-Zeit um 1930 zurück, wie er in seiner letzten Petition ans Oberste Gericht vom 10. Jan. 1957 ausdrücklich sagt (Jerome Eden, Hrsg.: Earth on Trial, Idaho 1988, S. 41). Neben Reichs Eingaben an die Gerichte ist sein Interview mit Kurt Eissler ein weiteres Dokument der „sozialen Psychiatrie“. Hier werden die Probleme der Sozial-Psychiatrie im historischen Kontext seiner psychoanalytischen Anfänge erläutert (Reich Speaks of Freud).

Dergestalt stand für Reich die Sozial-Psychiatrie zentral in seinem Lebenswerk und verband dessen Endpunkte: seine Anfänge als Charakteranalytiker und sozialer Aktivist in Wien mit seinem in die CORE-Arbeit eingebetteten Kampf gegen die FDA in Amerika. Die Sozial-Psychiatrie kann geradezu als Kulminationspunkt seiner Laufbahn betrachtet werden, da hier seine gesamte Entwicklung in ein einheitliches Gebilde floß. Man findet, zusammen mit CORE-Arbeit, eine Rückbesinnung auf Reichs angefangenes Jurastudium, auf seine „Marxistische“ Gesellschaftsanalyse („Higs“, Gangster in der Regierung, irrationale Geschäftsinteressen der Großindustrie gegen die orgonomische Medizin, etc.), sowie auf die rein verbale Vorgehensweise der Psychoanalyse und ihren konzeptionellen Rahmen.

Im Gerichtsprozeß blieb der wahre Angreifer, der Drahtzieher, im Hintergrund verborgen. Er benutzte – und mißbrauchte – seelisch kranke Menschen: Voyeure, Leute, die sich persönlich angegriffen fühlen durch meine Enthüllungen über den „Kleinen Mann“ (…), phallisch-sadistisch-homosexuelle Menschen, die ihre Bewunderung für mich, und ihren Wunsch von mir behandelt zu werden, so zum Ausdruck brachten, wie sie es in meiner Arztpraxis tun würden: durch Messerattacken, durch sadistisches Verspotten, Verleumdungen, oder – als schizoider Charakter – durch tatsächliche Versuche mich zu ermorden. Diese Beispiele mögen genügen, um zumindest etwas von der Pathologie im Hintergrund freizulegen; passiv-homosexuelle Menschen, die sich dem phallischen Charakter unterwerfen, dem Drahtzieher der Verschwörung. (Earth on Trial, S. 41)

Für Reich war Cloudbusting und CORE-Arbeit „planetarische Medizin“, soziale Massenaktion, Massentherapie, Öko- und Sozial-Hygiene: mit Verschwinden der „atmosphärischen Panzerung“ (DOR) hat der Kern wieder die Möglichkeit sich zu entfalten.

Die Gefahren von Körpertherapien: Drei Fallstudien (Teil 4)

14. März 2015

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Charles Konia: Die Gefahren von Körpertherapien: Drei Fallstudien (Teil 4)

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Laientherapeuten (Teil 2)

31. Januar 2015

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Elsworth F. Baker: Laientherapeuten (Teil 2)

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