Posts Tagged ‘Todesangst’

Wilhelm Reich über den gegenwärtigen Loggdaun

7. Januar 2021

Wie konnte Corona zu einer sadomasochistischen Religion werden und die Massen dazu bringen, ihre Unterdrücker (etwa Södolf und das Ferkel) mehr zu lieben denn je? Der kleine Mann identifiziert sich mit diesen Horrorgestalten. Die freie Wirtschaft der kleinen Gewerbetreibenden, die Arbeitsdemokratie selbst, das Atmen selbst, „Liebe, Arbeit und Wissen“ verfolgt er mit einem untergründigen Haß – bis endlich die Gelegenheit auftritt, an dem er diesen Haß frei ausleben kann, dafür wird er Södolf und das Ferkel ewig lieben!

Es ist die „Massenpsychologie des Faschismus“. Wie Reich schrieb: „Der Gepanzerte mag in allen anderen Lebenslagen tolerant, ja liebreizend, freundlich und hilfsbereit sein. Er ist nur konsequent und rabiat, wenn er Lebendiges panzerfrei funktionieren sieht“ (Äther, Gott und Teufel, S. 70).

Sein destruktiver Haß richtet sich vor allem, es wäre nicht übertrieben zu sagen: einzig und allein, gegen alle echten und vollen Äußerungen des Lebendigen, gegen das Unwillkürliche, Hingegebene, Enthusiastische, Schwingende, Tolle und Törichte im Leben. Er richtet sich vor allem gegen das Unwillkürliche und Freie im körperlichen Bereiche. In seiner destruktiven Haltung gegen das Lebendige ist der gepanzerte Organismus ohne Rücksicht. Hier verlieren sich die Eigenschaften, die er sonst zum Ideal des menschlichen Verhaltens erhoben hat. Unter der Maske idealen oder hygienischen Verhaltens versteht es der gepanzerte Organismus, jede spontane Lebensregung in sich selbst und in anderen Organismen zu ertöten. (ebd., S. 68)

Er will mehr Unterdrückung, härter und konsequenter denn je! Seine Todesangst, die Angst vor dem Corona-Virus, ist in Wirklichkeit eine panische Angst vor dem Leben. Oder wie neulich jemand in einem Post auf Fähsbugg schrieb: „Nur weil jemand keine Angst vor Covid hat, leugnet er das Virus nicht automatisch. Er entscheidet sich nur für das Leben statt die Angst.“

„Du bettelst um Glück, aber Sicherheit ist dir wichtiger“ (Rede an den kleinen Mann, S. 35).

Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 16)

30. Dezember 2020

Corona ist kein medizinisches, sondern ein soziales Problem – letztendlich ein bioenergetisches. Es hat damit zu tun, daß wir schnurrstraks dem Kommunismus entgegengehen. Dies hat drei Elemente:

  1. Wissenschaft, bzw. „Wissenschaft“, hat die Religion als Leitideologie vollständig verdrängt und wurde dabei selbst zur Religion („wissenschaftliche Weltanschauung“) oder mit anderen Worten: der konservative Mystizismus wurde durch den linken Mechanismus ersetzt. Dessen Dogmen folgt man mit der gleichen blinden Inbrunst wie einst den Dogmen der Kirche. Man glaubt Dinge, die vollständig unsinnig sind. „Stell dir vor, es gibt einen Impfstoff, der so sicher ist, daß du Angst haben mußt, ihn zu nehmen – für eine Krankheit, die so tödlich ist, daß man erst getestet werden muß, um zu wissen, daß man sie hat.“
  2. Da das Christentum, und damit sein „metaphysischer“ Trost, verschwunden ist, haben die Menschen eine „Todesangst vor dem Tod“. Schicksalsergebenheit ist ihnen fremd, weshalb jede vermeintlich neue Krankheit einen ähnlichen Schrecken einjagt, wie früher „der Leibhaftige“ (der Teufel) selbst. Man flüchtet sich in magische Handlungen (etwa das Maskentragen allein im Auto und im Wald), um die Gefahr zu bannen und legt alle Hoffnung in „ein Wunder“ (die Impfung).
  3. Letztendlich soll einen der säkulare Staat vor dem Tod retten. Dazu ist man gerne bereit sämtliche bürgerlichen Freiheiten und sogar seine wirtschaftliche Existenz zu opfern und sich mit Haut und Haar dem totalitären Staat unterzuordnen. Im Kommunismus gibt es (jedenfalls in der offiziellen „Wirklichkeit“ der Propaganda) keine Naturkatastrophen, keine Unfälle, keine Krankheiten und – keinen Tod.

Der „Tod Gottes“ war biophysisch betrachtet nichts anderes als die endgültige Trennung des Menschen von seinem bioenergetischen Kern. Der Mensch ging nunmehr vollkommen im Sozialen auf (die oberflächliche „soziale“ Charakterschicht) und wurde dergestalt ein leichtes Opfer der machttrunkenen kommunistischen Verschwörer, die nur vorgeben diesen „sozialen Idealen“ zu folgen, tatsächlich aber Repräsentanten der sekundären (faschistischen) Charakterschicht sind und entsprechende „tiefe“ (radikale) „Lösungen“ anbieten.

Anmerkungen zum Thema „Emotion“

31. Januar 2019

„Angst ist in Wirklichkeit eine Kontraktion, die gegen die Ausdehnung gerichtet ist. Kontraktion allein, z.B. gegen Kälte, ruft keine Angst hervor“ (Elsworth F. Baker: Der Mensch in der Falle, S. 45). Bei der Schrumpfungsbiopathie hat man keine Angst, obwohl sich der Körper kontrahiert.

Bei der Expansion sollte man zwei Dinge auseinanderhalten, nämlich Liebe und Wut. Demnach ist nämlich nicht jede Expansion mit „lustvoller Entspannung“ oder gar „Auflockerung der muskulären Panzerung“ verbunden. Bei Wut ist wohl eher das Gegenteil gegeben, trotzdem sie eine Expansion ist. Andererseits löst sich bei Kontraktion, etwa bei tiefer Traurigkeit, die Panzerung auf.

Bei der Lust haben wir es mit einer Expansion zu tun, die frei zur Haut fließt, bei der Wut mit einer Expansion, die in die Muskulatur geht. Sehnsucht ist eine Emotion, bei der die Energie in die Brust, zum Mund und zum Genital hin expandiert. Bei Traurigkeit zieht sich die Energie einfach wieder zurück, während bei der Angst sie es gegen die Expansion macht und es zum inneren Stau kommt („Stauungsangst“).

Was ist mit „Lustangst“? Betrachten wir zunächst die Orgasmusformel: Spannung – Ladung – Entladung – Entspannung. Das Phönomen der „kalten Erektion“ schließt aus, daß der Flüssigkeitsstrom zur Peripherie eine sekundäre Folge der energetischen Ladungsverschiebung ist („Ladung – Spannung“). Wie Walter Hoppe in seinem Buch über Wilhelm Reich schrieb, muß man zentrale Erregung und periphere Aufladung auseinanderhalten, weshalb es „Spannung – Ladung“ ist (S. 226). Wenn man dies bedenkt, schließen sich Angst und sexuelle Lust durchaus nicht aus. Die anfänglichen Gefühle im Solar Plexus (zentrale Erregung) sind ja identisch. Generell sind „das Gefühl der Erwartungslust und das der Erwartungsangst miteinander verwoben“ (Die Funktion des Orgasmus). Das erklärt beispielsweise die Lust an Horrorfilmen. „Auch beim Schaukeln, im rasch abwärts fahrenden Lift (…) verspürt man am Herzen und am Genitale Empfindungen, die angst- und lustbetont zugleich sind“ (ebd.). Das erklärt die Lust an der „Todesangst“ auf der Kirmes.

OR gegen DOR

14. August 2015

Wie Reich in Äther, Gott und Teufel (S. 133ff) ausgeführt hat, steht das Wort „Gott“ für den Oberbegriff aller moralischen Forderungen. „Gott“ hält den „Teufel“ in Schach – der Oberbegriff für die pervertierten Triebe. Des weiteren führt Reich aus, daß durch Stärkung der Moral Perversionen und Brutalität nur noch weiter zunehmen. Versucht man aber die Moral einfach in einem rebellischen Akt wegzufegen, wird durch das entstehende Chaos zwangsläufig eine noch stärkere und strengere Moral das letztendliche Resultat sein. So gesehen sind Gott und Teufel nur zwei Seiten ein und derselben Medaille.

In diesem Kontext ist von Interesse, daß der unmoralische Teufel des Christentums im ursprünglichen israelitischen Verständnis eine hochmoralische Funktion im Hofstaat von König Jahwe innehatte. Zum Beispiel wendet Satan gegenüber Jahwe ein, Ijobs Frömmigkeit beruhe nur auf dessen Selbstsucht (Ijob 1,6ff).

Gleichzeitig symbolisiert Gott den mystisch verzerrten Kontakt mit dem bioenergetischen Kern, der für den konservativen Charakter typisch ist. Dem (links-) liberalen Charakter ist der Kern prinzipiell unzugänglich. Er bleibt in der oberflächlichen, äußeren Fassade haften. Sein einziger „Kontakt“ mit Gott ist die „subversive Rebellion gegen den Vater (-Gott)“. Er identifiziert sich dabei teilweise ganz offen mit dem Teufel, der wie bereits gesagt die Sekundäre Schicht, die sekundären, perversen Triebe verkörpert.

Hier paßt, was Gerhard Zacharias vor drei Jahrzenten in seinem Buch über Satanskult und Schwarze Messen (Der dunkle Gott, Wiesbaden 1982) festgestellt hat:

Auffällig ist die Tatsache, daß viele Teilnehmer an den satanischen Riten Angehörige der höheren Gesellschaft und Intellektuelle sind. Der Grund dafür liegt vermutlich in der Tatsache, daß Menschen, die in besonderer Weise von den Quellen ursprünglicher Vitalität abgeschnitten sind, im Satanskult und in den mit ihm verbundenen Orgien den Zugang zu Erfahrungen elementarer Art suchen.

Zacharias verweist auch auf „die direkt-satanischen Züge in jener Subkultur, die sich seit der Entstehung der Hippie-Bewegung an der kalifornischen Küste im Sommer 1967 in vielen Formen fast weltweit verbreitete.“ Er erwähnt auch „satanische Einflüsse auf die erste Generation von Terroristen“ und auf „die satanischen Aspekte zeitgenössischer Sekten, vor allem der Jugendsekten.“

Wichtiger aber ist die Entwicklung seit 1968 (…) Die Protestbewegung, die in vielen Ländern aufflammte, vollzog sich zum Teil als sexuelle Revolution, deren Banner vor allem den Namen Wilhelm Reich trug.

Wilhelm Reich als Satanist! So muß er jedenfalls dem konservativen Charakter erscheinen. Schon sein Vorgänger Jesus wurde von den rechtgläubigen Pharisäern als mit dem Teufel im Bund stehend angegangen (Mk 3,22). Die abergläubischen Bauern baten diesen unheimlichen Mann, doch ihr Gebiet zu verlassen (Mk 5,1-20).

Auch heute noch muß für manchen Christen die Orgonomie unheimliches Teufelswerk sein. Wer sich mit den wogenden Lebensströmungen befaßt, muß in jedem Gläubigen Todesängste provozieren. Sein Gott hat ja die Welt geschaffen, indem er die Wellen des Meeres brach (Ijob 38,4 und 8-11). Dies entspricht der Panzerung, die die Strömung der Lebensenergie einschränkt. Nachdem die Lebensenergie unter der Panzerung entartete, packte Jahwe „den Drachen, die alte Schlange, die auch Teufel und Satan genannt wird, und fesselte ihn“ (Offb 20,2). Wehe, diese Fessel wird wieder gelöst…

Auf die Verdächtigung der Teufelei erwiderte Jesus:

Jede Sünde kann den Menschen vergeben werden und auch jede Gotteslästerung. Wer aber den Heiligen Geist beleidigt, für den gibt es keine Vergebung, denn er ist auf ewig schuldig geworden. (Mk 3,28f)

Es geht ganz einfach darum, streng zwischen den primären und sekundären Trieben zu unterscheiden, die unter keinen Umständen miteinander verquickt werden dürfen.

Genauso wie Jesus will auch die Orgonomie „böse Geister austreiben“.

In der Sprache des wahren Christen würde man – ohne mystisch zu werden – sagen, daß der „Teufel“ durch die Funktionen „Gott“ oder „Jesus“ ausgetrieben wird. Ich drücke mich absichtlich auf diese Weise aus, um den Leser davon zu überzeigen, daß große Wahrheiten in derartigen religiösen Lehren stecken, auch wenn sie durch das gepanzerte Menschentier entstellt worden sind. (Äther, Gott und Teufel)

Dies schrieb Reich 1947, als er noch davon ausging, daß das „Böse“ genauso wie auch die Panzerung nicht wirklich in der Natur verankert ist, sozusagen nicht zur „Wirklichkeit“ gehört. Oder, um mit dem irischen Gelehrten des 9. Jahrhunderts, Eriugena zu sprechen, das Böse wurde von Reich als „substanzlos“ betrachtet. Dann kam aber nach 1951 mit dem katastrophalen Ausgang des ORANUR-Experiments und der daran anschließenden Entdeckung des DOR der große Umbruch in Reichs Denken. Der Teufel war wirklich. Das Böse brach wortwörtlich ins Paradies ein. Die schwarzen Wolken ziehen auf:

Im November 1961 veröffentlichte der Psychologe Charles Kelley, ein Schüler Reichs, in seiner Zeitschrift Creative Process eine Kritik an Reichs Auffassung, die dieser in Die kosmische Überlagerung dargelegt hatte, der Ursprung der Panzerung liege im Wechselspiel zwischen Bewußtsein und Orgasmusfunktion. Der Mensch sei sozusagen „gestrauchelt“, als er sich erstmals seiner selbst bewußt wurde und sich den orgonotischen Strömungen ausgeliefert sah. Die Frage bleibt dabei schlicht unbeantwortet, warum und wovor der Mensch es denn eigentlich mit der Angst kriegen sollte, gegen die er sich dann abpanzerte. Reichs Theorie mag anregend sein, erklärt aber so gut wie nichts, zumal Reich selber sie nicht weiter verfolgt hat und sie in seinem Oeuvre sehr bald durch die Vorstellung verdrängt wurde, die Panzerung ließe sich auf die abtötende Wirkung von atmosphärischem DOR zurückführen. Kelley ließ durchblicken, daß er sich dieser letzteren Theorie als einzig stimmiger anschließt.

Charakteristischerweise verwarf Kelley einige Jahre später sowohl die „DOR-Theorie der Panzerung“ als auch gleich Genitalität und Orgonenergie und fand seine Erklärung für die Panzerungsgenese in der Psychologie. Panzerung sei durch den Mechanismus der willentlichen Aufmerksamkeit und Kontrolle bedingt, der in der Evolution neu sei, weshalb wir ihn mühsam erlernen müßten, ohne uns abzupanzern. Kelley kehrte also in abgewandelter Form zu Reichs ursprünglicher Auffassung zurück – mit dem Anspruch von „Originalität“.

Auf ganz ähnliche Weise verdrängte der italienische Reichianer Luigi DeMarchi das DOR, wobei er in seinem Buch Der Urschock (Darmstadt 1988) ebenfalls von einer Kritik an Reichs erster Theorie ausgeht, die er so darstellt, als sei sie Reichs letztes Wort gewesen. Für DeMarchi liegt der Ursprung der Panzerung im „existentiellen Urschock“, den die ersten Menschen erfuhren, als sie sich ihrer eigenen Sterblichkeit bewußt wurden. Reich habe die Sterblichkeit verdrängt. Dabei erwähnt DeMarchi an keiner Stelle Reichs Konzept einer „Todesenergie“ (DOR).

Man gewinnt den Eindruck, daß Kelley und DeMarchi ängstlich vor etwas flohen, was auch mit ihrer Leugnung der Genitalität verbunden sein muß. In seinem Aufsatz „Die emotionale Wüste“ (Ausgewählte Schriften) wies Reich 1955 auf den „wohlverborgenen Haß“ gegen jeden hin, „der auf die Existenz einer tödlichen, übelriechenden DOR-Energie hinweist“ und auf „die grundsätzliche Neigung, alles, was mit Genitalität, dem System der Energieentladung, zu tun hat, zu ‚verbergen‘.“ Diese Verdrängung sei Ausdrucksform der grundlegenden Tatsache, daß das DOR im eigenen Organismus selbst zum Preis des Todes verborgen werden muß.

Reich denkt dabei an die „negative therapeutische Reaktion“, die einst Freud dazu veranlaßte den „Todestrieb“ zu postulieren. Anders konnte Freud sich nicht erklären, warum Patienten wirklich alles tun, wirklich alles in Kauf nehmen, nur um nicht zu gesunden, nur um nicht leben zu müssen.

Es fängt damit an, daß man keine Fremden anspricht, weil man Angst davor hat, mit der eigenen Unbeholfenheit konfrontiert zu werden. Es ist letztendlich die Angst davor mit dem eigenen DOR in Kontakt zu kommen.

Kurioserweise versinkt man bei dieser „Taktik“ erst recht zunehmend im DOR, so als gäbe es Freuds ominösen „Todestrieb“ tatsächlich. Es sei etwa an „Gruftys“ erinnert oder an Drogenabhängige. Was sie tatsächlich fliehen, ist die bioenergetische Reaktion, die mit dem Kontakt von ORgon und DOR einhergeht. In einer Art „Entzündung“ wird das DOR sequestriert, was mit einer ungeheuren Erregung des OR verbunden ist. Es ist diese orgonotische Erregung, letztendlich die Genitalität, die wir mit allen Mitteln fliehen. Deshalb meiden die Menschen instinktiv die Orgontherapie. Und wenn sie doch in Orgontherapie sind, tun sie alles, um dieser Erschütterung zu entgehen. Gegebenenfalls schreiben sie Essays wie Kelley und DeMarchi.

Das Elend dieser Welt hängt nicht damit zusammen, daß wir irgendwie fehlerhaft konstruiert sind und unser Bewußtsein mit der Wirklichkeit nicht zurande kommt, sondern damit, daß wir darauf konditioniert wurden uns im sozusagen „emotionalen Sumpf“ einzurichten. Wir erleiden lieber unzählige kleine Schmerzen, als daß wir uns dem großen Schmerz aussetzen, der damit verbunden ist, uns dem Leben zu stellen. Beispielsweise versinken wir lieber in der Agonie der Einsamkeit oder einer festgefahrenen Beziehung, als auf die Frau zuzugehen, in die wir uns verliebt haben.

Das, diese Angst des Rigiden und Abgestorbenen vor dem pulsierenden Leben durchzieht alles. Es treibt ganze Nationen an.

Während des Franquismus war das Motto der spanischen Fremdenlegion „Viva la muerte!

Es lebe der Tod, da, um mit Mussolini zu reden, der Tod die Voraussetzung der Wiederauferstehung ist. Der Widerauferstehung im Mythos. Der Tod überwindet die Zumutungen des Organischen (Pulsierenden!). Frei nach Marinetti wird das Reich des Organischen vom Reich des Maschinellen abgelöst.

Der Spiegel faßt den Futurismus denkbar knapp zusammen:

Sie waren Prediger einer brutalen Avantgarde: Vor 100 Jahren veröffentlichten die Futuristen ihr Manifest – sie liebten den Tod, das Tempo, Maschinen. Sie haßten Frauen und das Establishment. Wortführer Tommaso Marinetti wurde Mussolinis Kulturminister – und kämpfte für Hitler vor Stalingrad.

Die Wirkung des DOR auf dem sozialen Schauplatz hat mit unübertrefflicher Prägnanz J.P. Stern erhellt, als er sein Buch über Hitler mit der Bemerkung abschloß, er habe genügend Beweise dafür genannt, daß „nicht Eroberung, sondern blinde Vernichtung“ Hitlers Ziel gewesen sei.

Dies – und nicht irgendeine heroische Selbstbehauptung, nicht einmal die Aussicht auf materiellen Gewinn – war das Geheimnis, das seine Anhänger an ihn band; und nicht nur seine Anhänger. Auf diesem heimlichen Einverständnis beruhte seine Karriere. (Der Führer und das Volk, München 1978, S. 209)

Getreu dem Nibelungenmythos siegte man im Untergang, indem der eigene Opferwille unter Beweis gestellt wurde. Den Feind mit in den Untergang zu reißen, komplementiert den Triumph. Schon während des Ersten Weltkrieges soll Clemenceau, Thomas Mann zufolge, gesagt haben:

Die Deutschen lieben den Tod. Sehen Sie ihre Literatur an! Sie lieben im Grunde nur ihn.

Mit dem Langemarck-Mythos galt es die Westmächte genauso einzuschüchtern wie es heute die islamischen Gotteskrieger versuchen: „Ihr liebt das Leben und wir lieben den Tod“, bekundeten Dschihadisten im Bekenner-Video zum Attentat von 2004 ausgerechnet in Madrid.

Wenn man Mohammed liest, vermeint man die Stimme Himmlers zu hören:

Töten ist euch vorgeschrieben, auch wenn es euch widerwärtig ist. Doch es mag sein, daß euch etwas widerwärtig ist, was gut für euch ist, und es mag sein, daß euch etwas lieb ist, was übel für euch ist. Und Allah weiß es, doch ihr wisset es nicht. (Sure 2:216)

Das führt direkt zum heutigen Islamismus:

1938 erschien Al-Bannas Werk „Die Todesindustrie“, in welchem die Abwendung vom Leben radikalisiert und die Verherrlichung des Märtyrertums entfaltet wird: „Derjenigen Nation, welche die Industrie des Todes perfektioniert und die weiß, wie man edel stirbt, gibt Gott ein stolzes Leben auf dieser Welt und ewige Gunst in dem Leben, das noch kommt. Die Illusion, die uns gedemütigt hatte, besteht in nichts anderem als der Liebe zum weltzugewandten Leben und dem Haß auf den Tod.“).

Die gleiche „Todesverherrlichung“ manifestierte sich z.B. im japanischen Kamikaze-Kult, der die Amerikaner wirklich in Angst und Schrecken versetzte – und die Atombombe unausweichlich gemacht hat. Ich habe mich damit in meiner Besprechung von Hitler, Buddha, Krishna beschäftigt.

So könnte ich mit beliebig vielen anderen Beispielen fortfahren, ohne jemals den ganzen Gehalt des funktionellen Gegensatzes von OR und DOR ausschöpfen zu können!

The Journal of Orgonomy (Vol. 26, No. 1, Spring/Summer 1992)

21. Juni 2012

Grundsätzliches über die Endphase der Orgontherapie findet sich bei Charles Konia: „Orgone Therapy: The Application of Functional Thinking in Medical Practice. Part XIII: The Endphase of Therapy“ (S. 115-129).

Am Ende der Orgontherapie können somatische iatrogene Probleme auftreten, wenn die Beckenpanzerung aufgelöst wird. Dabei kann es zu zweierlei Komplikationen kommen: erstens kann die Entpanzerung der oberen Segmente nicht gründlich genug erfolgt sein, sodaß die freigesetzte Energie unvermittelt auf diese alten Panzerungsringe stößt und der Patient sich von neuem und diesmal um so stärker abpanzert; zweitens ist selbst bei bester Vorbereitung der Endphase die Therapie extrem schwierig, da

es neben dem Beckensegment kein anderes Segment gibt, wo die Arbeit mit der Panzerung so eng mit dem rapiden Anstieg des Angstpegels verknüpft ist. Es gibt keine Angst, die so tief ist wie diese Angst. (Morton Herskowitz: „The Physical Dissolution of Armoring“, Annals of the Institute for Orgonomic Science, 5(1), September 1988, S. 31)

Herskowitz erwähnt in diesem Zusammenhang Panikattacken, Fallangst und Todesangst („Therapeutic Procedure“, Annals of the Institute for Orgonomic Science, 7(1), September 1990, S. 25). Es ist die berechtigte Angst des kontrahierten Organismus auseinandergerissen zu werden: so wie ein frischer Grashalm lustig sich im Winde biegt, ein verholzter-verpanzerter aber umgeknickt wird.

Man beginne nicht, so Herskowitz, sich mit dieser „sexuellen Angst“ zu beschäftigen, bevor der Patient „nicht dadurch Energie und emotionale Stärke gewonnen hat, indem er mit den Ängsten sich auseinandergesetzt hat, die mit den höheren Segmenten verbunden sind“ (ebd., S. 17).

Zu dieser Problematik berichtet Elsworth F. Baker das folgende aus Reichs Ausbildungsseminar:

Während der Endphase begegnet man der Hauptgefahr in der Therapie. Es beginnt, wenn alle Blöcke aufgelöst worden sind, so daß der volle Energiefluß ins Becken eindringen kann und der Organismus als eine Einheit zu funktionieren beginnt. Die Gefahr rührt vom plötzlichen Sprung zu einem Energieniveau, an das der Organismus nicht gewöhnt ist. Früher funktionierte der Organismus durch Bindung der Energie. Jetzt ist er dazu nicht mehr in der Lage. (…) den Organismus können körperliche Krankheiten befallen; sogar Krebs kann sich entwickeln. (…) Reich sträubte sich dagegen, die Orgonomen in der Technik der Endphase zu unterrichten, da er glaubte, die meisten von ihnen könnten sie nicht richtig handhaben und daß es für die Mehrheit der Patienten besser sei, die Therapie vor dieser Phase abzubrechen. („My Eleven Years with Wilhelm Reich”, The Journal of Orgonomy, 11(2), November 1977, S. 171f)

Längst überwunden geglaubte Symptome können erneut auftreten und der Patient glaubt, wieder ganz am Anfang zu stehen. Insbesondere Blockaden, die vorher nur schwer nachgegeben hatten, werden wieder aktiv. Wenn die Blockade im Zwerchfell-Segment lag, wo so viele wichtige Organe liegen, ist ganz besonders auf somatische Erkrankungen, wenn nicht sogar den körperlichen Zusammenbruch zu achten (Baker: „Medical Orgonomy“, The Journal of Orgonomy, 11(2), November 1977, S. 193

Bei der Befreiung des Becken-Segments können in diesem Segment selbst (bzw. im darüber liegenden Bauch-Segment) iatrogen schlimme Krankheiten ausbrechen, wie Appendizitis, Eierstockzysten, Fibroide und sogar Krebs (siehe auch Der Krebs, Fischer TB, S. 381). Allein schon deshalb kann die Orgontherapie (die nichts weiter als Orgasmustherapie ist) ausschließlich von ausgebildeten Medizinern praktiziert werden.

Richard A. Blasband beschreibt einen Fall, wo es denkbar ist, daß durch die Freilegung der genitalen Impulse und der dadurch verursachten reaktiven organismischen Kontraktion es zu Brustkrebs gekommen ist.

Von Interesse ist, daß die Krebsdiagnose innerhalb eines Jahres nach der bemerkenswerten Steigerung der genitalen Empfindungen erfolgte. War demnach die Geschwulst Ergebnis der Kontraktion im Brustsegment beim Versuch des Organismus eine unerträgliche Expansion einzudämmen? Baker hat von Fällen berichtet, wo sich somatische Symptome, einschließlich Krebs, im Becken in ähnlichen Situationen entwickelt haben. In einem meiner eigenen Fälle entwickelte die Patientin eine gutartige Eierstockzyste mit einer außergewöhnlichen Wachstumsrate kurz nach einer vorläufigen Öffnung des Beckens. („The Cancer Biopathy – A Case History“, The Journal of Orgonomy, 9(2), November 1975, S. 152)

Einen weiteren Fall beschreibt Norman M. Levy („Hepatitis as a Complication of Therapy“, The Journal of Orgonomy, 4(1), May 1970, S. 91-96). Levy beruft sich dabei ausdrücklich auf das oben erwähnte Seminar Reichs über die Endphase der Orgontherapie. Beispielsweise habe ein Patient eine Tendenz zu Lebererkrankungen, trete sie in dieser Phase der Therapie in der einen oder anderen Form zutage. Siehe auch Emanuel Levine „Treatment of a Hypertensive Biopathy with the Orgone Energy Accumulator“, wo das ganze im Zusammenhang mit der Struktur eines Bluthochdruckpatienten beschrieben wird (Orgone Energy Bulletin, 3(1), January 1951, S. 32).

Überhaupt kann es von Anfang an ratsam sein, gar nicht erst bis zum Beckensegment vorzudringen. Reich sagte seinen Studenten, daß „das Persistieren einer Blockierung, die einfach nicht weichen will, Grund genug ist, die Therapie zu beenden“ („My Eleven Years with Wilhelm Reich”, The Journal of Orgonomy, 11(2), November 1977, S. 171f). Über diese Blockierungen, die Reich auch als „Haken“ bezeichnet hat, schreibt Dew:

Ebenso wie bestimmte (Charakter-) Strukturen vielleicht nicht imstande sind, die Therapie zu tolerieren, ist es genauso wahrscheinlich, daß einige der (somatischen) Biopathien „hakenartige“ Eigenschaften haben. Mit anderen Worten könnte für einige Patienten die Auflösung von Panzerung einen nicht tragbaren medizinischen Zustand auslösen. („The Biopathic Diathesis: Autoimmune Inflammatory Biopathies“, The Journal of Orgonomy, 3(1), March 1969, S. 74)

Herskowitz weist ausdrücklich auf den Schaden hin, den „Reichianische Therapeuten“ verursacht haben, die das Becken vorschnell von Panzerung befreit haben, wodurch in den oberen Segmenten eine starke Panzerung hervorgerufen wird, „die therapeutischen Bemühungen nicht mehr zugänglich ist“ („The Physical Dissolution of Armoring“, Annals of the Institute for Orgonomic Science, 5(1), September 1988, S. S. 32).

Wie eine Fallgeschichte zeigt, die der Orgonom Arthur Nelson aus seiner Praxis beschreibt, kann es selbst bei voll ausgebildeten, voll qualifizierten medizinischen Orgonomen zu derartigen Fehlern kommen, die die Heilungschancen des Patienten praktisch vernichten (Laurence Holt: „Premature Pelvic breakthrough“, The Journal of Orgonomy, 4(2), November 1970, S. 215-218).

Etwa 1949 fragte Reich eine kleine Gruppe von Orgonomen, wie viele von zehn ihrer Patienten die Genitalität erlangen würden. Die Aussagen reichten von sieben bis zu zwei. Wozu Reich anmerkte: „Das ist doppelt so gut wie bei mir. Bei mir schafft es einer” (Myron Sharaf: „Further Remarks of Reich (1946-1949)“, The Journal of Orgonomy, 10(1), May 1976, S. 130). Für Sharaf zeigt diese Anekdote dreierlei auf: Reich bestand darauf, daß orgastische Potenz das wirkliche Ziel der Therapie war, er hielt dieses Ziel auch gegen alle Widerstände und ständigen Enttäuschungen im Auge und er machte sich über die Wirksamkeit der Therapie keinerlei Illusionen. Ganz ähnlich wie Freud! Ich werde mich morgen damit beschäftigen.