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Die 15 Orgonomie-Gruppen (Teil 3)

11. Februar 2020

10. Charles Kelley war in vieler Hinsicht sozusagen der „amerikanische Paul Ritter“. In seiner Militärzeit war er zum Meteorologen ausgebildet worden und hatte an der Universität als Psychologe wissenschaftliche Methodik kennengelernt. Er war der einzige, der zu Reichs Lebzeiten in Reichs Zeitschriften außer Reich jeweils einen Artikel über Orgonometrie und Theoretisches zur Meteorologie veröffentlicht hatte. Nach Reichs Tod gründete er das Interscience Institute, cloudbustete, hatte engen Kontakt zu Oscar Tropp und ging bei einem Schüler von Baker in Therapie. Er gründete die Zeitschrift The Creative Process, in der u.a. auch Jerome Eden veröffentlichte und nicht zuletzt Leute aus dem Umfeld Ritters. Obwohl Kelley grundsätzlich zu Baker hielt, kam es doch im Laufe der Zeit zu einer starken Entfremdung. U.a. weil sich Kelley zunehmend für die Arbeit von Alexander Lowen interessierte und empört war, wie schroff und radikal die amerikanischen Orgonomen diese vermeintlich „wichtigen“ Beiträge von sich wiesen. In seinem Frust löste sich Kelley von der Orgonomie und gründete „Radix“ mit einer eigenen Theorie und sogar Therapieform – jeweils Karikaturen der Orgonomie.

11. Alexander Lowen, ursprünglich Rechtsanwalt, war einer der ältesten Schüler Reichs in Amerika, hatte er doch bereits Reichs Vorlesungen an der New School for Social Research unmittelbar nach Reichs Ankunft in den USA beigewohnt. Er wollte Therapeut werden, woraufhin ihn Reich dazu zwang noch im reifen Mannesalter ein Medizinstudium auf sich zu nehmen, das er in der damals bettelarmen und deshalb für Amerikaner spottbilligen Schweiz absolvierte. Als Reich nach dessen Rückkehr von Lowen forderte auch noch Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie zu werden, wandte sich dieser frustriert ab und gründete zusammen mit John Pierrakos die Bioenergetik, eine Disziplin, die plastisch zeigte, daß er nicht den blassesten Schimmer von der psychiatrischen Krankheitslehre im allgemeinen und der Psychoanalyse (die damals die Psychiatrie dominierte) im besonderen hatte.

12. Vollständig absurd wird es, wenn man daran denkt, daß sogar Reichs Klavierlehrer Al Bauman eine eigene „Reichianische“ Therapieform gründete, das heutige „Skan“ und ähnlich den Tropps eine Art „Kommune“ ins Leben rief. Ich habe mich an anderer Stelle mit Skan beschäftigt und werde hier nicht weiter auf diese Kackscheiße eingehen.

13. Alle bis hierher beschriebenen Abspaltungen von der Orgonomie waren zwar zum Großteil Ärgernisse, aber keine wirkliche Bedrohung für die Integrität der Orgonomie. Ganz anders war es um die Abspaltung des Institute for Orgonomic Science im Jahre 1982 bestellt. Wichtige, wenn nicht die wichtigsten Orgonomen, bildeten eine eigene Gruppe, darunter Bakers eigener Sohn Courtney Baker, der vor allem in der Orgonphysik tätig war, Robert Dew, Louisa Lance, Robert Ganz, die eine Reihe von Ausbildungskandidaten, also praktisch die Zukunft der Orgonomie, mit sich nahmen. Hinzu kam Lois Wyvell. Gründe für die Spaltung waren persönliche Auseinandersetzungen (es stellte sich heraus, daß Baker heimlich eine „Zweitfamilie“ gegründet hatte) und zunehmende Zweifel an der Urteilsfähigkeit des immer gebrechlicher werdenden Baker. Entsprechend war die Gruppe anfangs sozusagen „päpstlicher als der Papst“, doch nach dem Tod bzw. Ausscheiden der Gründungsmitglieder zerfiel sie sehr schnell zu einem Sammelsurium von „Linksorgonomen“ und es gab viele Überschneidungen zu den Gruppen um Sobey und Raphael. Jedenfalls hat sich die Orgonomie von diesem traumatischen Aderlaß nie wieder recht erholt.

14. Der letztendliche Grund für die Spaltung war der der Orgonomie inhärente Zielkonflikt zwischen Arbeitsdemokratie („Dezentralismus“) und einer effektiven, schlagkräftigen Führung, die etwas zuwege bringt („Zentralismus“). Dieser Konflikt zeigt sich in der letzten größeren Abspaltung im Jahre 2003, als der Orgontherapeut Dr. Gary Karpf zusammen mit wenigen anderen Orgonomen das American College of Orgonomy (ACO) verließ. Er hatte als neuer Präsident des ACO versucht „Schwung in den Laden zu bringen“ und die Orgonomie finanziell auf gesunde Beine zu stellen, nur daß niemand ihm folgte. In welche Richtung das ganze hätte gehen sollen, sieht man hier. Man sieht auch, wie der vor wenigen Tagen verstorbene Orson Bean, einer der Mitbegründer des ACO, für die Sache Werbung macht. So ungefähr würde heute die Orgonomie aussehen, wenn sich Dr. Karpf durchgesetzt hätte.

15. Last but not least ist natürlich der Geograph Dr. James DeMeo zu nennen, der seit Anfang der 1970er Jahre von Richard Blasband, einem der engsten und loyalsten Mitarbeiter Baker und nach dessen Tod Präsident des ACO, protegiert wurde. DeMeo ist der einzige in dieser Liste, der niemals Ambitionen in Richtung „Therapeut“ zeigte und sich ausschließlich auf den nichtmedizinischen Bereich, sozusagen die „wissenschaftliche“ Orgonomie konzentriert hat. Er steht heute vollkommen isoliert da und ist neben dem ACO die einzige Institution, die man ernstnehmen kann.

Es müßten zumindest noch Leute und Gruppen erwähnt werden, die sich auf Ola Raknes und Walter Hoppe berufen, aber dazu fehlen mir die Kenntnisse. Ohnehin wollte ich mich, wie anfangs gesagt, auf den amerikanischen (angelsächsischen Bereich) beschränken. Abgesehen vom ACO sind alle Gruppen heute tot oder allenfalls scheinlebendig (man schaue sich nur die verschiedenen Netzseiten an, die teilweise gar nicht mehr gepflegt werden!), selbst Alexander Lowens „Bioenergetik“, die als Therapieform derartig schlecht ist, daß kein gesunder Hahn mehr danach kräht.

Wahnsinn Körpertherapie

31. Oktober 2019

In der antiautoritären Gesellschaft, die sich seit etwa 1960 formiert, nimmt im Durchschnitt die Körperpanzerung der Menschen mit jedem Jahrgang immer weiter ab, was durch eine entsprechende Zunahme der Augenpanzerung „bioenergetisch aufgefangen“ wird – die Kontaktlosigkeit wächst. Entsprechend tritt in der Orgontherapie die „Körpertherapie“ immer mehr in den Hintergrund und stattdessen die (orgontherapeutisch modifizierte) Charakteranalyse in den Vordergrund. Die besagte Modifikation der Therapie bezieht sich vor allem darauf, daß bioenergetischer Kontakt hergestellt wird.

Vor diesem Hintergrund ist es absolut bemerkenswert, wie sich seit 1960 eine „Reichianische Szene“ herausgebildet hat (Alexander Lowens „Bioenergetik“, Skan, Radix, etc.), bei der der Akzent ganz auf eine aktivistische und interventionistische „Körpertherapie“ gelegt wurde. Statt dem kranken Trend der antiautoritären entgegenzuarbeiten, wird er unterstützt und den einzelnen Patienten massiv geschadet.

Die Nachfolge Reichs

30. Oktober 2019

Myron Sharaf hat mal gesagt, daß es die Nachfolger Reichs in mancher Hinsicht schwerer haben, als dieser selbst. Nachdem Reich die Psychoanalyse verlassen hatte und auf eigene Entdeckungsfahrt gegangen ist, war er frei seine eigene Begrifflichkeit an die Natur so anzupassen, wie er sie wahrnahm. Seine Nachfolger haben diese Freiheit nicht mehr: sie bewegen sich in jenem Gebäude, das Reich errichtet hat. Man könnte jetzt sagen, daß sie doch einfach das Gebäude verlassen sollen und Reich in dem Sinne nachfolgen sollen, daß sie selbst auf ihre eigene Entdeckungsfahrt gehen und eigene Gebäude errichten. Dazu möchte ich zweierlei sagen:

  1. hat jeder, der eine solche eigene Entdeckungsfahrt gemacht hat (z.B. Alexander Lowen oder Charles Kelley) kein besseres Gebäude errichtet, sondern ein weitaus schlechteres; und
  2. betrachte ich das Reichsche Gebäude weniger als fixes Gebäude, denn als geordnete Ansammlung von Werkzeugen, die gepflegt werden müssen, an ihren angestammten Platz zurückgebracht werden müssen, etc.

Mein Haupteinwand gegen Sharafs ansonsten richtige Anmerkung ist jedoch, daß Reich das Gebäude („die Panzerung“) – imgrunde jedwedes Gebäude – verlassen hat und ins Freie getreten ist. Oder, wie Reich selbst es ausgedrückt hat: er hat einen neuen Kontinent entdeckt und am Strand ein paar wenige Stützpunkte eingerichtet, von denen aus seine Nachfolger in die unerforschten Weiten vorstoßen müssen, um über die Generationen hinweg den Kontinent zu ihrem eigenen zu machen.

Reichs Perlen und die grunzenden „Reichianer“-Säue

17. August 2019

Wie Reich in den beiden Vorworten von 1944 und 1948 zur Charakteranalyse ausführt, war die Reichsche Therapie ab dieser Zeit keine Psychotherapie mehr, sondern Biotherapie. Entsprechend wird die Charakteranalyse nicht mehr so angewendet, wie sie Reich in der Erstausgabe von 1933 beschrieben hatte, da das Vorgehen mittlerweile kein Psychologisches mehr ist, sondern ein Bioenergetisches.

Liest man die Charakteranalyse aus dieser von Reich vorgegebenen Sicht, wird deutlich, wie überaus kontaktvoll er 1933 war, denn seine damaligen Erläuterungen harmonieren perfekt mit der Orgontherapie. Beispielsweise erst die Ich-Funktionen und dann die Es-Funktionen zu analysieren, entspricht dem „biotherapeutischen“ Vorgehen vom Kopf zum Becken. Das Unbewußte darf weder mit Deutungen „bombardiert“ werden, noch darf schematisch (also letztendlich auch chaotisch!) vorgegangen werden, was eins zu eins dem Vorgehen in der Orgontherapie, wo es um die Auflösung der biophysischen Panzerung geht, entspricht. Stellen wie die folgenden möchte man „Reichianischen“ Laientherapeuten geradezu um die Ohren hauen, bis das Blut spritzt:

Man wird vergeblich versuchen, uns davon zu überzeugen, daß durch „Anschießen“ mit Sinndeutungen oder gar durch Behandlung aller Patienten nach einem Schema, etwa von einem angenommenen Urquell der Neurose aus, den großen Problemen der Psychotherapie beizukommen ist. Wer solches versucht, zeigt dadurch nur, daß er die eigentlichen Probleme der Psychotherapie nicht erfaßt hat und nicht weiß, was das „Durchschneiden des gordischen Knotens“ wirklich bedeutet: nämlich ein Zerstören der analytischen Heilungsbedingungen. Eine so geführte Analyse ist kaum mehr zu reparieren. Die Deutung ist einer wertvollen Droge [gemeint ist Medikament] zu vergleichen, mit der man sparsam umgehen muß, wenn sie ihre Wirksamkeit nicht verlieren soll. Unsere Erfahrungen lehren anderes: daß der umständliche Weg der Aufwicklung des Knotens noch immer der kürzeste ist – wir betonen – zum wahren Erfolg. (Charakteranalyse, KiWi, S. 69)

Der psychoanalytischen „Sinndeutung“, mit der man sparsam umgehen müsse, entspricht in der Orgontherapie das direkte Angehen der muskulären Panzerung. Wenn ich da an manche „Bioenergetiker“, „Skan-Therapeuten“ und selbsternannte „Orgontherapeuten“ denke, gerate ich in einen Blutrausch. Ganz zu schweigen von all den „Genies“, die Reich „weiterentwickelt“ haben und endlich den „gordischen Knoten durchschneiden können“!

Unsere therapeutische Methode ist von folgenden theoretischen Grundauffassungen bestimmt. Der topische Gesichtspunkt bestimmt den technischen Grundsatz, daß Unbewußtes bewußtgemacht werden muß. Der dynamische Gesichtspunkt bestimmt die Regel, daß dieses Bewußtmachen des Unbewußten nicht direkt, sondern auf dem Wege der Widerstandsanalyse zu erfolgen habe. Der ökonomische Gesichtspunkt und die Strukturerkenntnis zwingen uns bei der Widerstandsanalyse die Einhaltung einer jedem Fall entsprechenden Ordnung auf. (S. 72)

Man kann davon ausgehen, daß das keiner der genannten BLÖDEN WICHSER auch nur ansatzweise verstanden hat!

Dieser Tatbestand verdient besonders unterstrichen zu werden: Bei geordneter und konsequenter Analyse des Charakterwiderstandes braucht man sich um das dazugehörige infantile Material nicht zu bemühen, es strömt von selbst immer klarer, immer enger verbunden mit dem aktuellen Widerstand – vorausgesetzt natürlich, daß man diesen Prozeß nicht durch vorzeitige Deutungen des kindlichen Materials stört. Die Sorge, man könnte nicht in die Kindheit gelangen, wird ganz überflüssig. Je weniger man in die Kindheit einzudringen sich bestrebt, je korrekter man das aktuelle Widerstandsmaterial bearbeitet, desto rascher gelangt man hin. (S. 144)

Es wird klargeworden sein, was ich meine, wenn ich seit Jahren den Standpunkt vertrete, daß es für jeden Fall nur eine Technik gibt, die aus seiner eigenen Struktur abgeleitet und auf ihn angewendet werden muß. (S. 159)

Liest man die unerträglichen Elaborate von „Bioenergetikern“, „Neo-Reichianern“, etc. ist davon NICHTS übriggeblieben. Diese „Reichianer“ betreiben etwas, dem Reich 1933 ein Ende setzen wollte: menschenverachtende Quacksalberei. Liest man die Erstausgabe der Charakteranalyse heute, entsprechen die aktuellen vermeintlich „bioenergetischen“ Therapeuten den damaligen konfusen Psychoanalytikern, gegen die Reich anschrieb.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto empörter werde ich – und ich denke schon seit über 40 Jahren darüber nach…

Der Orgasmusreflex, ein trügerisches Zeichen für Gesundheit

8. Mai 2019

Im Journal of Orgonomy (50(2), S. 76) beschreibt Elsworth F. Baker eine Patientin, die mit einem frei beweglichen, also weitgehend ungepanzerten Beckensegment in Therapie gekommen war. Am Ende der Therapie führte die Beseitigung restlicher Spannungspunkte im Becken und die Mobilisierung des Beckens (Aufforderung die Schließmuskeln des Anus und der Vagina widerholt anzuspannen und wieder loszulassen) zu einem starken Zittern der Schenkel und sie war fähig, beim Ausatmen das Becken nach vorne zu stoßen. Baker war es jedoch nicht möglich den Orgasmusreflex auszulösen. Dazu schreibt er: „Reich wies darauf hin, daß, obwohl einige Fälle ein hohes Gesundheitsniveau erreichen können, sie niemals den Reflex zeigen und manche nie [orgonotische] Strömungen verspüren.”

Umgekehrt berichtet im gleichen Heft (S. 178) Charles Konia von einer Patientin, die er von einem anderen Orgonomen übernommen hatte, bei der bloßes Atmenlassen auf der Couch sofort zu einem generellen Zittern des Körpers und zu einem Orgasmusreflex führte. Das trat zu einem Zeitpunkt auf, als von einer Heilung noch nicht im Entferntesten gesprochen werden konnte, war aber kein Grund zur Besorgnis, weil der vorangehende Orgontherapeut das okulare Segment ausreichend mobilisiert hatte, um eine geregelte Fortführung der Therapie zu garantieren.

Bei Patienten, die in den oberen Segmenten stark verpanzert sind, aber ein freies Becken haben, kann der „Beckenreflex“ auftreten, sozusagen „der halbe Orgasmusreflex“. Dieser kann sogar ein schlechtes Zeichen sein, weil insbesondere bei Schizophrenen zunächst die oberen Segmente entpanzert werden müssen, was nur durch Herstellung einer Panzerung (Immobilisierung) im Becken gelingen kann (die dann am Ende der Therapie natürlich wieder beseitigt werden muß).

Laientherapeuten können das alles nicht richtig einschätzen. Hinzu kommt, daß manchmal der „Orgasmusreflex“ (bzw. etwas, was der Laie für ihn halten könnte) in der ersten Sitzung auftritt. Jedenfalls war das zu meiner eigenen starken Verwunderung bei mir der Fall. Dr. Schwartzman versicherte mir damals, daß dies mitnichten der Orgasmusreflex sei. Am Anfang ist der Organismus (soweit er nicht vollständig erstarrt ist) noch vollkommen unvorbereitet, „naiv“ und es gibt noch keine Übertragung. Der quasi „hysterisch“ erregte Organismus ist deshalb der Situation hilflos ausgeliefert und läßt sich sozusagen gehen. Sehr bald panzert man sich jedoch in der therapeutischen Situation ab und die Illusion von Gesundheit verpufft. Laientherapeuten (Freiheitskrämer) leben von der Kultivierung solcher Illusionen. Ich denke nur an das „Orgasmusreflex-Training“.

Beim Schreiben dieses Blogeintrags flattert eine Einladung des „Instituts der Deutschen Gesellschaft für Intensive Psychodynamische Kurzzeittherapie nach Davanloo“ auf den Schreibtisch. Es geht um die „12. Jahrestagung mit Einführungkurs: Metapsychologie und Technik der IS-TDP nach [Habib] Davanloo: DIE SUCHE NACH DEM WIDERSTAND“. Das ganze findet im „Exerzitienhaus der Diözese Würzburg HIMMELSPFORTEN“ statt. Bei diesem ganzen Zauber geht es um die Nutzung der Übertragung, die einen Widerstand gegen emotionale Nähe mobilisiert. Schon mal Wilhelm Reichs Buch Charakteranalyse gelesen? Der hatte aber Respekt vor dem Widerstand des Patienten, der im Kern ein charakterlicher Widerstand ist. Das alles zu Umgehen und, wie es im Flyer, heißt u.a. einen „vertikalen Zugang zum Unbewußten“ zu finden, ist von einer erschreckenden Rücksichtslosigkeit: die Abwehr wird mit Gewalt durchbrochen. Ähnlich wie das „Orgasmusreflex-Training“ wirkt es wie eine Karikatur des Reichschen Ansatzes. Das ganze gemahnt an das, was Morton Herskowitz über Lowen und Janov geschrieben hat: http://www.orgonomie.net/hdobespr3.pdf (dort S. 154-160).

Antwort auf David Boadellas „The Breakthrough into the Vegetative Realm“ (Teil 2)

13. März 2019

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Antwort auf David Boadellas „The Breakthrough into the Vegetative Realm“

Das Ende der Laientherapie

29. November 2018

Reich hat das Ende der Laientherapie eingeläutet. In den 1920er Jahren opponierte er gegen Freud, der die Psychoanalyse zunehmend als bloße „Psychologie“ betrachtete und den bis dahin weitgehend auf Ärzte beschränkten Beruf des Psychoanalytikers für „Laien“ öffnen wollte. Reich argumentierte dabei, vor dem Hintergrund der sich formierenden Sexualökonomie, hauptsächlich von der Libidotheorie her. Die Neurosen hatten einen „ökonomischen“, also physiologischen Kern. Man lese nur sein Buch Die Funktion des Orgasmus aus dem Jahre 1927! Beispielsweise entspricht der Gegensatz von Angst und Lust dem Gegensatz zwischen Herz („Herzenge“) und Genital.

In den 1930er und 1940er Jahren führte er weiter aus, daß und wie Neurosen im Körper verankert sind. Er zeigte, daß die „Neurose“ in der Tat eine Nervenkrankheit ist, nämlich eine chronische Übererregung des Sympathikus („Sympathikotonie“). Um so idiotischer ist es, daß die von ihm entwickelte Therapieform (und ihre diversen illegitimen Abzweigungen) zunehmend von Laientherapeuten praktiziert wurde. Dabei hat Reichs „Schüler“ Charles Kelley, ein Psychologe, den Vogel abgeschossen, als er zur Rechtfertigung seiner therapeutischen Tätigkeit allen Ernstes ausführte, daß Neurosen gar keine „Nervenkrankheiten“ seien, die man ärztlich therapieren kann, sondern bloße Anpassungsstörungen. „Therapie“ sei deshalb mehr so etwas wie ein „Lernprogramm“, der „Therapeut“ ein Trainer für „Zielgerichtetheit und Fühlen“. Es gibt tatsächlich Leute, die derartigen Murx ernstnehmen! Am schlimmsten sind aber die „Körpertherapeuten“, etwa in der Tradition von Alexander Lowen, die weitaus mehr „mit dem Körper arbeiten“ als der Orgontherapeut, die aber nicht mal die Qualifikation als klinischer Psychologe geschweige denn Arzt vorweisen können. In dieser Szene tummeln sich Politologen, Kindergärtner, Betriebsschlosser, etc. Würdest du einen Politologen dein Auto reparieren lassen?!

Sexpol 2018: Vernichtet den Freudianismus und „Reichianismus“!

14. November 2018

Bei Freud und den anderen Vertretern der Psychoanalyse wird man vergeblich nach einer Beschreibung des genital-orgastischen Erlebens suchen. Es wird reduziert auf infantil-perverse Libidoanteile wie Saugen, Pissen und Defäkieren. „Orgasmus“ kommt nur vor als „Rückkehr in den Uterus“ bzw. als illusorische selige Erfahrung der einstigen symbiotischen Beziehung des Säuglings zur Mutter. Letztendlich ist für den Psychoanalytiker der Orgasmus eine „Illusion“ wie die Religion. Der reife, durchanalysierte Mensch kann über Kindereien wie die Reichs nur milde lächeln!

Die sexualfeindliche Reaktion ist zäh, weshalb im „Reichianismus“ Freud ständig neu aufersteht. Hier wäre beispielsweise Modju Alexander Lowen zu nennen, der ganz im Sinne Freuds die Funktion des Orgasmus durch das „Grounding“ ersetzte, die Verbindung zur „Mutter Erde“; das Ersetzen des Lustprinzips, durch das Realitätsprinzips. In „neo-Reichianischen“ Kreisen ist die Ablehnung der Konzepte „Genitalität“ und „genitaler Charakter“ universell. Imgrunde ist das alles eine Wiederkehr des Freudianismus und man kann es durchweg in die Tonne treten, Dieses Ungeziefer wird ausgemerzt werden, die Geschichte wird über diesen reaktionären Dreck hinwegschreiten!

TOD DER REAKTION!

Orgonomie: doktrinär, autoritär und kultisch?

12. September 2018

Doktrinär, autoritär und kultisch zu sein, wird der Orgonomie seit nunmehr 70, wenn nicht 80 Jahren vorgehalten. Deshalb sei sie steril und komme nicht voran. Da frägt man sich, was denn die beizutragen hatten bzw. hinterlassen haben, die gegen diese Doktrinäre, Autoritäre und Kultische gegenhielten! Was ist von Paul Ritter und David Boadella, deren Zeitschriften Orgonomic Functionalism und Energy and Character übriggeblieben? Liest man diese Periodika heute, stellt man fest, daß mit jedem Jahrgang, d.h. je mehr sie sich von Reich „emanzipierten“, die Beiträge flacher und unbedeutender wurden. Was an Originalität in den Vordergrund drang, war durchweg null und nichtig. Nicht ein fruchtbarer Gedanke, nicht einer! Nur Wirrnis und Leere. Ähnliches läßt sich über Alexander Lowen mit seiner „Bioenergetik“ sagen und Charles Kelleys „Radix“. Was bleibt, ist ein schlechtes Gefühl. Narzißten spreizen sich und wenn sie gegangen sind, bleibt nichts Produktives zurück.

Soweit die heterodoxen Nullen, aber mit den Orthodoxen ist es kaum besser. All die Orgonomen, die sich über die Jahrzehnte vom Hauptstrang der Orgonomie gelöst haben, um „frei“ zu sein… Dann hat man nie wieder von ihnen gehört. Bei manchen mag die Trägheit dafür gesorgt haben, daß die Bewegung einige Zeit anhielt, aber das verpuffte schnell. Am Ende stand eine gähnende Frustration.

Das, was diese Desperados von der Orgonomie entfremdete, war gar nicht das Doktrinäre, Autoritäre und Kultische der Orgonomie (das ich durchaus nicht bestreiten will!), sondern etwas ganz anderes: ihre eigene strukturelle Unfähigkeit Bewegung zu ertragen. Deshalb versuchen sie zu bremsen, die einheitliche, gerichtete Bewegung zu zersplittern und in chaotische Wärmebewegung zu transformieren. Sie sind im Organismus der Orgonomie das, was im einzelnen Organismus die Panzerung ist, die die einheitliche orgonotische Strömung eindämmt und zersplittert. Aus funktioneller Sicht sind deshalb SIE, die Rebellen der Orgonomie, doktrinär, autoritär und kultisch. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!

Psychotherapie, Körpertherapie, Orgontherapie

25. Juli 2018

Psychotherapie ist nicht das, was sie vorgibt zu sein, denn jedes längere Gespräch setzt euphorisierende Endorphine frei. Deshalb ist die Methode auch ziemlich gleichgültig, wie jeder ehrliche Psychotherapeut zugeben wird. Es kommt auf die Person des Therapeuten an, sein Charisma und seinen Rapport mit dem Patienten. Ähnlich ist es mit der Körpertherapie bestellt, etwa der „Bioenergetik“ nach Alexander Lowen. Die Aktivierung verspannter Skeletmuskulatur setzt Endorphine frei und entsprechend enthusiasmiert verläßt der Patient die Praxis. In beiden Fällen kommt das endorphin-freisetzende freiere Atmen hinzu.

Was rundweg allen diesen Ansätzen fehlt, ist die Libidotheorie Freuds, die einzig und allein Reich beibehalten und weiter ausgebaut hat. Dabei geht es nicht nur, wie es häufig dargestellt wird, darum, daß Reich das vage Konstrukt „Libido“ mit einer konkreten physikalischen Energie, dem Orgon, ausgefüllt hat. Wichtig sind die Libidostufen, d.h. die Befreiung der genitalen Libido von prägenitalen Überlagerungen. Das zwingt dem Gespräch und den körperlichen Interventionen von den Themen bzw. den Körperregionen her eine bestimmte Abfolge auf.

Orgontherapie ist „biophysische Chirurgie“ (Reich), d.h. die sprachlichen und die körperlichen Interventionen haben jeweils eine bestimmte FUNKTION, sind Teil eines strategischen Gesamtplans. Es geht nicht darum, daß es dem Patienten besser geht, d.h. er sich in seiner Neurose häuslicher einrichtet, sondern um die Umstrukturierung seiner Libidostruktur (= Charakterstruktur) in Richtung Genitalität (= Gesundheit, das Funktionieren des Organismus als Einheit).