
Wilhelm Reich, Physiker: 3. Der physikalische Laie Wilhelm Reich, c. Das schwer zu greifende Orgon
Töpfer unterscheidet zwischen „präsexuellen“ und sexuellen Bedürfnissen. Die ersteren könnten zwar etwas „Lustvolles“ haben, aber nichts Geschlechtliches, Sexuelles (Tiefenwahrheit, S. 292-298). Nun, das ist identisch mit Freuds und Reichs Unterscheidung von prägenital und genital! Die sexuellen Perversionen von Erwachsenen kann man lückenlos auf deren prägenitale Sexualität zurückführen. Allein von daher ist die Leugnung einer kindlichen Sexualität widersinnig. Reich definiert „sexuell“ als „lustvolle Expansion“! Im übrigen ist es nicht Reich, der Kinder „sexualisiert“, sondern eine Gesellschaft, die milliardenfach Penisse von Kindern (teilweise schon von Säuglingen!) verstümmelt:
Die sexualverneinende Gesellschaft macht aus praktisch jedem kleinen Mädchen eine Hysterikerin, die schon vor der Pubertät mit x-Beinen und nach innen weisenden Füßen rumläuft, weil das Patriarchat in keinster Weise mit der Sexualität von weiblichen Kindern umgehen kann. Ich erinnere nur an das „berüchtigte“ „Beckenschlagen“ von jungen Mädchen! Was ist mit den unzähligen kleinen Jungs, die schlaflose Nächte haben, wenn sie voller Horror sehen, daß ihre Spielkameradin, die statt männlicher Genitalien eine Wunde hat , offensichtlich kastriert wurde? Nicht wir „Reichianer“ sind die Perversen, sondern die antisexuelle (antigenitale) Drecksgesellschaft, der der vermeintliche „Anarchist“ Töpfer derartig fanatisch verteidigt!
Es ist wie mit Töpfers lächerlichem „Agnostizismus“: sein Angriff auf den „Maschinenmenschen“, der von vegetativen Strömungen durchflossen wird, die sich entladen müssen, entstammt einer tiefsitzenden erzreaktionären Loyalität gegenüber der überkommenen durch und durch verkommenen gepanzerten Gesellschaft.
Daran schließen sich dann 150 Seiten über den pädosexuellen Juden Reich an, dessen ganze Sexualität „schmutzig“ war (S. 315):
Wir können dieses große Thema im Rahmen dieses Buches natürlich nicht erschöpfend behandeln. Hatten Freud und Reich eine Mitschuld an der Verbreitung dieser verbrecherischen Erscheinung in der 68er Bewegung („sexuelle Revolution“) und ganz besonders in der Post-68er Bewegung (Alternative Liste, Partei Die Grünen, bei denen es von Reichianern wimmelte)? Wenn ja, würde das Reichs Gegenwart in einem dem intakten Individuum gewidmeten Projekt LSR schwer in Frage stellen. (S. 299)
Immerhin hatten Freud und Reich erfolgreich die „Lustzonen“ zu sexuellen Zonen umdeklariert, also Nichtsexuelles sexualisiert. Das war ein erster Schritt in Richtung Pädokriminalität. (S. 300)
(…) so ist wohl Reichs Verbleib in der illustren Runde der Radikalen Aufklärer neben Stirner und La Mettrie allein aufgrund der Überschneidungen mit der normalen, wissenschaftlich unapologisierten Pädokriminalität kompromittiert. Es ist – zumal nach der definitiven Enttarnung Reichs als ich-feindlicher Mechanist und dessen Therapie als „ineffizient“ (Laska) – endgültig „an der Zeit“ (Laska), Reich durch Janov und LSR durch LSJ oder am besten gleich durch LST zu ersetzen. (S. 302)
Und wer genau hat Reich letztendlich durch Töpfer ersetzt? Bingo!
Inzwischen scheint Nasselstein aber auch bezüglich der „orthodoxen“, also der unmittelbar von Reich autorisierten Orgonomie desillusioniert zu sein. Er glaubt einerseits immer noch an das Gute in der Orgonomie: „Andererseits wachsen die eigenen Kinder der Orgonomen unter denkbar optimalen Bedingungen auf, doch“, so fährt Nasselstein andererseits fort, „immer wieder gibt es dort neurotische Wracks, Schizophrene, Perverse – und kein Mensch weiß, was passiert ist.“ Das schrieb Nasselstein am 1. August 2024 – da hatte er zwei Monate zuvor schon seine Rezension des ihn erschütternden Buches von Paki S. Wright geschrieben! Da „wußte“ er also schon längst, „was passiert ist“. (S. 306)
Nein, Nasselstein denkt nicht an sexuellen Kindesmißbrauch. Nicht alles Leid der Welt geht auf diesen einen Faktor zurück! Aber weiter in Text:
Man kann aber Nasselstein überhaupt nicht vorwerfen, die Augen vor diesen Verbrechen verschlossen zu haben. Einerseits ist das das mindeste und selbstverständlichste, aber andererseits rechne ich ihm als Orgonomen das trotzdem hoch an, weil ich weiß, was ihm die Orgonomie bedeutet. Aber hier hören der Spaß und die Bedenken wegen „Nestbeschmutzung“ allerspätestens wirklich auf. Das ist Nasselstein absolut klar; dafür will er sicherlich keinen Orden. Wofür ich ihn eigentlich lobe, ist, wie schonungslos und ausführlich er hier die Orgonomie im Grunde auseinandernimmt und zerstört. (S. 306)
Man sieht, daß ich Töpfer verwirrt habe: einerseits, andererseits. Alles geschenkt, aber wie er dann daraus eine Anklage ausgerechnet gegen LASKA schmiedet…
Bei Laska habe ich noch nie eine Andeutung darüber gelesen. Ist Laska das alles vollständig entgangen? Die Bücher von Paki S. Wright und Malcolm J. Brenner sind zwar erst 2002 bzw. 2015 veröffentlicht worden, doch bis zum 14.02.15 hat Laska noch an den 307 Webseiten des LSR-Projektes gearbeitet. Im Jahre 2002 ist immerhin noch etliches an Aktivität auf der Seite feststellbar, aber nichts wird davon erwähnt. Sollte Laska wirklich nichts von „The All Souls‘ Waiting Room“ mitbekommen haben? Oder war ihm – einem der am meisten an Reich Interessierten der Welt – dieses bedeutende Buch keinen kleinen Text wert? Laska hätte doch auch noch nach dem Februar 2015 zur Feder greifen müssen, um das andere Buch – das von Brenner – irgendwie zu erwähnen, so bedeutend für die Reich-Thematik ist auch dieses. (S. 306f)
Unvermittelt wird aus einem Fall Reich ein Fall Laska!
Doch unabhängig von diesen beiden Autoren muß Laska – nicht so ein vergleichsweise eher oberflächlicher Reich-Interessent wie ich – doch mal etwas zu Ohren gekommen sein. – Ist er nie entsprechenden Hinweisen nachgegangen? Selbst Gerüchte, wenn sie solch schwere Anschuldigungen vortrugen, sollte man doch als sonst so überaus akribischer Reich-Forscher ernst nehmen und prüfen – ganz zu schweigen davon, daß auch er – wie ich – darauf hätte kommen können, daß in einer „aktiven Unterstützung der Sexualität von Kindern“ nicht nur etwa eine riesige Gefahr lag, sondern bereits eindeutig kriminelles Handeln. (S. 307)
Der neumodische Whataboutism, d.h. jeder kann Laska alle möglichen Versäumnisse an den Kopf werfen – vom Leid der Palästinenser bis hin zum Klimanotstand, vom Leben nach dem Tode bis hin zur karnivoren Ernährung. Töpfer hat das LSR-Projekt schlichtweg nicht verstanden: an L und S und R war Laska so gut wie alles gleichgültig bis auf den einen Punkt, der sie jeweils zu Parias der Geistesgeschichte gemacht hat. Und was nun spezifisch Reich und den sexuellen Kindesmißbrauch anbelangt: Laska war hier nur an einem Text interessiert, Reichs Aufsatz „Eltern als Erzieher“ von 1926. Dort geht es um den neurotischen „Erziehungszwang“ der Eltern, gegen den Reich auf die „Enthaltsamkeit in der Erziehung“, d.h. äußerste Zurückhaltung bei den Erziehungsmaßnahmen setzt.
Bei Töpfers Anschuldigungen gegen Reich und die Orgonomie in Sachen Kindersex, für die ich, Peter Nasselstein, einzige Quelle bin, wird ständig Laska dazwischengeschoben.
Laska hat sich 1981 explizit in die Diskussion über die „infantile Sexualität“ eingemischt. Wenn jemand – in diesem Falle Hansjörg Hemminger (…) – die Frage „Sexualität beim Kind: ja oder nein?“ mit „nein“ beantwortet, wird er von Laska lächerlich gemacht – „Hemminger glaubt dies entweder selbst“ –, oder Hemmingers Leser werden zu Idioten gemacht: „oder er setzt auf die Unwissenheit seines akademischen Fachpublikums“. (S. 317)
Laska beruft sich auf den Biologen Max Hartmann, einem Zeitgenossen Reichs, für den die Sexualität ein allgemeines Naturphänomen darstellte, das nicht mit Fortpflanzung identisch war. Allein schon dadurch macht sich Laska mitschuldig:
Warum Laska die beiden Fragen – „infantile Sexualität“ und Sex Reproduktions-Verkoppelung – vermischt, haben wir schon durchschaut: Es ist der billige „Alle-Lebewesen-auch-vorpubertäre-Menschen“-Trick, mit dem er die „infantile Sexualität“, eine folgenreiche Spinnerei seiner Helden Freud und Reich, retten will. (S. 319)
Von S. 317 bis S. 344 wird Laskas Haltung zur infantilen Sexualität ausgewalzt, was in folgendem kulminiert:
Ich will nicht abstreiten, daß Reich Beiträge zur Selbststeuerung des Menschen (…) geleistet hat. – Das mit dem „Gesundheitskriterium“ gehört aber schon mal nicht dazu. Aber erst recht ganz und gar nicht gehört die These von der „Sexualität vorpubertärer Menschen“ dazu, weil sie nicht nur Schwachsinn ist – das allein wäre die harmlose Spinnerei eines Verrückten –, sondern weil sie kriminell ist und im Zuge der Umerziehung eine enorme Wirkmächtigkeit gehabt hat und hat. Das Ziel (die orgastische Potenz), fährt Laska in seiner quintessentiellen Einführung fort, sei, so R, durch „Prophylaxe“ zu erreichen. Das heißt nichts anderes als die ekelhafteste und verbrecherischste Propaganda, die tatsächlich heutzutage fanatisch bis in die Kindergärten hineingezwungen wird und schon längst keine bloße Propaganda mehr ist. Eine Beteiligung Laskas, wie aller Reichianer, daran kann und darf – bei allen guten Leistungen Laskas – nicht weggewischt werden. (S. 343f)
Kurioserweise sagt Töpfer „abschließend“, daß in der „Tiefenwahrheit“ natürlich jeder an die infantile Sexualität glauben dürfe: „Hier zählt nur jedermanns eigene Wahrheit“ (S. 344).
Nach Elsworth F. Baker gibt es drei Grundtabus, auf denen gepanzerte Zivilisation beruht, d.h. sie dürfen nicht offen analysiert werden oder alles würde kollabieren: Religion, Politik und Sexualität.
Der Westen zeichnete sich, spätestens seit dem Investiturstreit Anfang des letzten Millenniums, durch die Trennung von weltlicher und geistlicher Macht aus, was den Hebel zur Untergrabung unserer Zivilisation ansetzte. Am Ende des Millenniums trat mit der Befreiung der Moral von der Religion die Emanzipation der Sexualität (wenn man so will der „häuslichen Macht“) hinzu. Parallel dazu haben Reich und Baker Religion (Mystizismus) und Politik (Mechanismus), wie man heute so schön sagt, „dekonstruiert“. Sie entsprechen den beiden Grundformen, wie wir die durch die Panzerung verzerrte Orgonenergie in uns empfinden. In der Religion ist das die Erfahrung „Gottes“ bzw. allgemein des „Ominösen“, die dadurch zustande kommt, daß sich zwischen der Wahrnehmung der Orgonenergie und der orgonotischen Erregung die Panzerung schiebt, die das Orgon in ein „Jenseits“ versetzt. Grundlage der Politik ist, daß die Menschen ihre gesellschaftliche Umwelt entsprechend der Gewichtungen in ihrer eigenen biophysischen Struktur (Fassade, sekundäre Schicht, Kern) einrichten: die Linken aufgrund ihres mangelnden Kernkontakts, die Rechten aufgrund ihres verzerrten Kernkontakts. Und was die Sexualität betrifft: Reich separierte ihre „Entladungsfunktion“ (die Funktion des Orgasmus) von ihrer Fortpflanzungsfunktion (Fortführung des göttlichen Schöpfungsakts und Kinderkriegen für den Staat).
Soweit der Westen, der schließlich die Orgonomie gebar. Der Osten hingegen ist vollkommen anders geprägt. Man betrachte etwa die Orthodoxie: hier bilden Religion, Politik und Sexualmoral eine unlösbare Einheit. Soweit es möglich war, wie im russischen Zarentum, galt das Prinzip der Staatskirche, d.h. die Kirche unterwarf sich vollkommen dem Staat und umgekehrt war die Ideologie des Staates die Religion, so daß für eine separate politische Sphäre gar kein Platz blieb, geschweige denn für so etwas wie „moralische Freiheit“. In der Orthodoxie bedeutet das Verbot jedweder Verhütung, geschweige denn Abtreibung, Unauflöslichkeit der Ehe und Verbot der Wiederverheiratung. Dieses Modell der Einheit von Religion, Politik und Sexualmoral finden wir heute in verschiedenen Variationen im islamischen Saudi-Arabien und im sich zum Neo-Zarismus hinbewegenden Rußland unter Putin, in Indien unter den Hindu-Nationalisten und auch in einem China, das wieder „unter dem Mandat des Himmels steht“, wird dieses Modell immer aktueller.
Im Osten versucht sich die gesellschaftliche Panzerung, die seit mindestens 200 Jahren durch den Westen unter Druck stand, wieder zu konsolidieren, während sie im Westen auf eine katastrophale Weise am endgültigen Kollabieren ist. Ob das ganze tatsächlich in einer Katastrophe mündet und die Welt schließlich wieder von den undurchdringlichen Wolken des Aberglaubens eingehüllt wird, oder die Aufklärung endlich eine neue stabile Ordnung auf der Grundlage von kosmischem Kontakt (statt Religion), gesellschaftlicher Selbststeuerung (statt Politik) und individueller Selbststeuerung, d.h. „tugendhafter Lust“, aus sich heraus gebiert, hängt von uns ab.
Wie Nietzsche im „Zarathustra“ schrieb:
Wohin ist Gott? Ich will es euch sagen! Wir haben ihn getötet, ihr und ich. Wir alle sind seine Mörder! Aber wie haben wir dies gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was taten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun? Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht? Müssen nicht Laternen am Vormittag angezündet werden? Hören wir noch nichts vom Lärm der Totengräber, die Gott begraben? Riechen wir noch nichts von der göttlichen Verwesung? – Auch Götter verwesen! Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unsern Messern verblutet – wer wischt dies Blut von uns ab? Mit welchen Wassern könnten wir uns reinigen? Welche Sühnefeiern, welche heiligen Spiele werden wir erfinden müssen? Ist nicht die Größe dieser Tat zu groß für uns? Müssen wir nicht selber zu Göttern werden, um nur ihrer würdig zu erscheinen? Es gab nie eine größere Tat – und wer nur immer nach uns geboren wird, gehört um dieser Tat willen in eine höhere Geschichte, als alle Geschichte bisher war!
Zunächst einmal: Niemand steht über dem Gesetz? Unsinn! ICH stehe über dem Gesetz, denn ganz allein ICH lasse mich beherrschen – oder eben auch nicht. Und das sagt jemand, der noch nie mit Vorsatz irgendein Gesetz gebrochen hat und dem es nicht im Traum einfallen würde, irgendjemanden wissentlich zu schaden. Vor allem würde ich niemals so unmenschlich handeln wie die Christen und Linken es alltäglich tun mit ihrer gottverfluchten „Ethik“, an der sie das Lebendige kreuzigen! Auch verbreite ich keine zutiefst faschistischen Appelle zur Selbstaufopferung.
Aber zum Thema: Die restlos amerikanisierte Kulturmischpoke regt sich über das Supreme Court der USA auf, als wenn das uns Deutsche auch nur einen feuchten Dreck angeht!
Aber – ich setz mich mal zum übelriechenden Gesindel: Zunächst einmal hat der Oberste Gerichtshof nicht in die Rechte der Bundesstaaten eingegriffen. In nur fünf Staaten der Union gab es ein „absolutes“ Abtreibungsverbot (dem sich jetzt tatsächlich immer mehr Staaten anschließen), was ziemlich bedeutungslos ist, da im Rest der Union die Abtreibung, mit einer gewissen Abstufung von Staat zu Staat, frei ist und zwar in einem Maße, d.h. bis an die Grenze zur tatsächlichen Kindstötung, die wir uns hier gar nicht vorstellen können.
Zweitens geht es nicht um Freiheit (Sex) gegen Verantwortung (Moral), sondern um Freiheit (Sex, das Hier und Jetzt) und Verantwortung (Liebe, Bindung, Blick in die Zukunft), was bedeutet, daß in der heutigen Zeit Verhütungsmittel zuverlässig sind und leicht zu bekommen sind, so daß „unverantwortlicher Sex“ in den meisten Fällen durch Drogen- und/oder Alkoholkonsum ausgelöst wird, oder durch sozialen Druck, oder durch eine Art „Sport“, oder durch infantile Sehnsucht, umarmt und gestreichelt zu werden, d.h. es ist ein bloßer Ersatz und sexualökonomisch vollkommen wertlos.
Drittens beruhen unsere Gesetze auf christlicher Mystik. „Mord ist Mord“ – was natürlich nicht stimmt. Es gibt Abstufungen. Ich weiß, daß dies eine faschistische und kommunistische Idee ist, aber jeder Arzt weiß, daß das Leben des Individuums unter bestimmten Bedingungen einen unterschiedlichen Wert hat. Man wird das Gesundheitssystem für millionen Bürger nicht ruinieren, um das Leben für eine winzig kleine Minderheit um ein paar schmerzreiche Jahre zu verlängern. Man wird eine 88-jährige Frau nicht retten, wenn eine 18-jährige Frau sterben wird, weil man sich stattdessen auf die Behandlung dieser alten Frau konzentriert. Dasselbe gilt für Embryonen. In den ersten Tagen oder sogar Wochen ist eine Abtreibung bedeutungslos, aber eine Spätabtreibung ist jenseits jeder Verhältnismäßigkeit. Das ganze Thema ist so verwirrend wegen unseres christlichen Erbes, das uns in Absolutheit, Schwarz gegen Weiß, Moral und „humanitärer Korrektheit“ gefangenhält, was dann auch noch als „Demokratie“ verbrämt wird.
Was die Bedeutungslosigkeit einer frühen Abtreibung betrifft zitiere ich meinen Aufsatz über Biologie:
Ontogenetisch folgt auf die unstrukturierte vorphylogenetische (okular, oral und anal) und die strukturierte phylogenetische (phallisch) die nachphylogenetische Entwicklungsstufe. Diese genitale Entwicklungsstufe ist dadurch gekennzeichnet, daß es erst hier zur eigentlichen Spezialisierung kommt, d.h. während der vorangehenden phallischen „Embryonalperiode“ (4.-8. Woche) strukturiert sich aus dem allgemeinen Grundmuster „Wirbeltier“ langsam die menschliche Gestalt, d.h. „im Alter von vier Wochen ist ein menschlicher Embryo kaum von irgendeinem anderen Wirbeltierembryo – Vogel, Reptil oder Säugetier – zu unterscheiden, mit sechs Wochen hingegen ähnelt er noch den übrigen Säugetierembryonen, und mit sieben Wochen nur noch den Embryonen anderer Primaten“ (…). Mit acht Wochen ist die „Organogenie“ abgeschlossen. Das Embryo ist vollständig integriert und man bezeichnet es als „Fetus“: der Mensch „ist da“ und braucht jetzt nur noch zu wachsen. Das tut er in der anschließenden genitalen Fetalperiode, während der zunächst das Längenwachstum und ab der 20. Schwangerschaftswoche die Gewichtszunahme im Vordergrund stehen.
Aber man kann weder mit rechten „verchristlichten“ Menschen diskutiere, d.h. „menschliches Leben relativieren“ noch gar mit dem eingangs erwähnten linken Abschaum.
Die Linke hat sich immer auf die Seite der Schwachen, der Arbeiter, der indigenen Völker, der Verdammten dieser Erde gestellt. Warum sind sie jetzt derartig davon besessen, die Schwächsten, die Ungeborenen, zu töten? Die Rechte hat sich nie um das „irdische“ Glück jener gekümmert, die dem Profit im Wege standen, die Arbeiter, die Ureinwohner. Warum stehen sie jetzt auf der Seite derjenigen, der Ungeborenen, die dem Kapitalismus wirklich nur im Wege stehen? Die Linke will immer alles staatlich regeln, nur jetzt soll eine grundlegende Schutzvorschrift, die das Ungeborene schützt, fallen und anarchische Freiheit herrschen? Die Rechten plädieren ständig für mehr Freiheit und den Rückzug des Staates, nur jetzt soll er sich plötzlich in unsere intimsten Angelegenheiten einmischen?
Hier stimmt doch etwas nicht! Genau, bei kaum einem anderen Thema werden die charakterstrukturellen Unterschiede der beiden politischen Lager, die Reich, Baker, Mathews und Konia freigelegt haben, evidenter. Demgegenüber zerstäuben alle Marxistischen („materialistischen“) und „geisteswissenschaftlichen“ Erklärungsversuche zu nichts!
Letztendlich geht es darum, daß die Rechte Sex haßt, weil Sex die Menschen gleich macht, d.h. er hat die Tendenz, die Schranken zwischen Rassen und Klassen niederzureißen. (Im Süden der USA gab es zwei Jahrhunderte kaum ein anderes Thema!) Sex schafft die klassenlose Gesellschaft. Die Linke hingegen haßt Sex, weil er die Menschen ungleich macht, d.h., er ist der ultimative „kapitalistische“ gar „faschistische“ Marktplatz, auf dem Sexappeal die Währung ist. Sex schafft eine Klassengesellschaft. Deshalb die Geschlechtsgleichschaltung („gender mainstreaming“), die aus uns allen lauwarme Kastraten machen soll in einer klassenlosen Gesellschaft, in der selbst die biologischen Geschlechtsunterschiede und damit der ach so destruktive Sex verschwindet.
Ja, auch die Orgonomie war einst extrem links. Reichs Sexpol vertrat im Wesentlichen zwei Utopien: 1) die Trennung von Sexualität und Ökonomie (Ehe, Kinderbetreuung, soziale Sicherheit usw.) und 2) die Trennung von Sex und Fortpflanzung. Beide Ziele wurden in alten matristischen Gesellschaften wie etwa den Trobriandern weitgehend verwirklicht. Das Patriarchat und das Christentum zerstörten beides durch Ehegesetze und die Verfolgung von „Hexen“. Und die ganze Scheiße dreht sich weiter. Dieses Schmierentheater im Irrenhaus „Planet Erde“ nennt sich dann „Geschichte“. Und zu den Empfindlichkeiten und ach so kostbaren „Gefühlen“ BEIDER lebensfeindlicher Seiten habe ich persönlich nur einen Kommentar übrig:

Bei der Neujustierung des Sozialversicherungssystems nach dem Krieg hat Adenauer jeden Einwand mit dem Argument vom Tisch gewischt, daß die Leute immer Kinder machen werden. Damit sei garantiert, daß die Jungen für die Alten und die Gesunden für die Kranken einzahlen. Heute stehen wir vor dem Problem, daß die Bevölkerung immer Älter und Gebrechlicher wird.
Der lebensfrohe Rheinländer Adenauer war einfach davon ausgegangen, daß die Menschen Sex haben wollen und damit mehr als genug Babys gezeugt werden. Die Pille, die den Sex von der Fortpflanzung trennt, konnte er nicht voraussehen. Man kann es drehen und wenden, wie man will: aufgrund dieser Fehlkalkulation stehen wir unausweichlich und unabwendbar vor dem Kollaps des Sozialversicherungssystems. Manche Schlaumeier wollen das Problem durch den Import des fehlenden Lohn- und Beitragsviehs aus der Dritten Welt, insbesondere Afrika, lösen, doch die kosten mehr als sie einbringen. Bestenfalls ist es bei Einzelnen ein Nullsummenspiel. Allein schon die importierten Tuberkulosefälle und ruinierten Gebisse fressen ein Gutteil des von den noch arbeitsfähigen deutschen Menschen Erwirtschafteten auf!
Dieser ganze Wahnsinn ist nur möglich, weil es vor dem Eindringen des weißen Mannes in Afrika „die Pille“ bereits gab und zwar in Gestalt einer astronomischen Kindersterblichkeit, gegen die man kaum anschnackseln konnte. Mit dem Einzug der weißen Medizin und Hygiene mußte es zwangsläufig zum Kollaps kommen – oder sagen wir lieber zur Explosion der Lemmingspopulation, die nun gen Europa zieht.
Es ist immer wieder erstaunlich, daß man, was Tiere und Ökologie betrifft, selbstverständlich sieht, daß, wenn ich das tue, jenes das unausweichliche Resultat sein wird. Wenn ich alle Füchse totschieße, muß ich mit einen Kaninchenplage rechnen. Wenn ich zuviel Wild schieße, wuchert mir der Wald zu einem undurchdringlichen Dschungel zu. Nur beim Menschen soll anderes gelten. Wenn ich jedem, der die Grundrechenarten beherrscht und seinen Namen schreiben kann, die Hochschulreife hinterherwerfe, muß das Handwerk ausbluten und das wissenschaftliche Niveau ins Bodenlose fallen. Aber nein, eine solche Aussage ist ungeheuerlich, niederträchtig, Volksverhetzung, vor allem aber BIOLOGISMUS.
Warum ist das so? Warum tappen wir wie blind auf den sicheren Abgrund zu? Warum werden die Regeln der allerprimitivsten Logik übersehen? Weil der Mensch kein Tier sein will! Weil er, um mit Reich zu präzisieren, gepanzert wie er ist, kein sexuelles Tier sein will. Aus Orgasmusangst (Reich) will er eine Existenz losgelöst von aller Biologie führen. Pferderassen, die nur ein Fachmann voneinander unterscheiden kann, gibt es, Menschenrassen, die unterschiedlicher sind als die unterschiedlichen Außerirdischen in Hollywoods Weltraumepen, existieren nicht. Selbst der Geschlechtsunterschied beim Menschen wird aufgehoben. Der sozialistische Wohlfahrtsstaat schaltet alle Gesetze des Überlebenskampfes aus und mittels Psychopharmaka wird der Motor des Kampfes, die Angst, beseitigt. Und wehe dem, der einen solchen Aufsatz schreibt!
Der Aufsatz „Fortpflanzung eine Funktion der Sexualität“ stammt gleichfalls aus der Zeitschrift für politische Psychologie und Sexualökonomie. Es geht um die weitere Fundierung der „Orgasmusformel“ (Spannung → Ladung → Entladung → Entspannung) in der Natur. Reich schreibt dazu:
Wenn wir in der Spannung und Entspannung und der damit einhergehenden elektrischen Ladung nicht nur das Kernelement der orgastischen Funktion, sondern vielmehr auch eine Grunderscheinung der lebenden Substanz zu sehen vermeinen, so muß sich diese Funktion auch an der Wurzel des Lebens, an der Kopulation zweier Einzeller bestätigen lassen. Gelingt dieser Nachweis, dann ist noch der andere zu erbringen, daß auch die sogenannte ungeschlechtliche Fortpflanzung durch Teilung und Sprossung im Prinzip der gleichen orgastischen Funktion unterliegt.
Das letztere erläutert Reich in Der Krebs: Zellteilung und Knospung sorgen für eine geringere Spannung der Membran. Die geschlechtliche Anziehung versucht er in diesem Beitrag mit Hilfe von Max Hartmanns Theorie der „relativen Sexualität“ zu erklären. Es ziehen sich nicht nur männliche und weibliche Gameten an, sondern auch starke männliche Gameten schwächere männliche Gameten. Desgleichen bei weiblichen Gameten. Mit der Entwicklung der Genetik seit Reichs Zeiten scheinen diese Ausführungen hoffnungslos überholt, aber immerhin beobachtet man im Tierreich entsprechendes, etwas was Reich nicht erwähnt: in gleichgeschlechtlichen Gruppen, etwa bei Schimpansen, verhalten sich in der Rangordnung tiefer stehende Tiere weiblich gegenüber im Rang über ihnen stehende Tiere, egal ob Weibchen oder Männchen. Ähnliches findet sich bei Zwitterwesen, etwa Schnecken, wo stets das schwächere bzw. unterlegene Tier den weiblichen Part übernehmen muß. Dieses Machtgefälle erinnert etwas an das später von Reich formulierte „orgonomische Potential“. Es sei auch an Reichs schlußendliche Erklärung der geschlechtlichen Anziehung erinnert: die Überlagerung zweier Orgonenergie-Ströme (siehe Die kosmische Überlagerung).
Wie sehr dem damals linkssozialistischen Reich diese zwingende aber denkbar politisch unkorrekte Schlußfolgerung (männliche Dominanz, weibliche Unterwerfung) gegen den Strich ging, zeigt folgende Fehlleistung:
Gehen wir von der experimentell erwiesenen Tatsache aus, daß sich ein schwächerer Gamet gegenüber einem stärkeren des gleichen Geschlechts gegengeschlechtlich verhält; daß also ein schwacher weiblicher einem stärkeren weiblichen gegenüber, gleichgültig, worin dieses „Stärkersein“ besteht, männlich und daß ein schwacher männlicher sich einem stärkeren männlichen Gameten gegenüber weiblich benimmt.
Nein, der relativ schwächere Gamet ist immer weiblich, der relativ stärkere Gamet immer männlich!
Für den naiven Leser ordnet sich der zweite Artikel dieser Ausgabe von Orgonomic Functionalism lückenlos dem ersten bei: der Kampf gegen kapitalistische Ausbeutung und der Kampf gegen Sexismus. Das Lebendige sei im Kern bisexuell und die Sexualität „relativ“! Reich wird zum Heros des antiautoritären, „demokratischen“ Amerika, in dem Männer rosa Fotzenhüte tragen und Frauen kahlgeschoren wie Marines auftreten.
Übrigens ist das Sexualleben dieser menschlichen „Zwitterwesen“ ähnlich von Gewalt und „Dominanz“ geprägt, wie das Leben der erwähnten Schnecken. Die Trennung in Geschlechter hat in der Natur für eine ungemeine Befriedung gesorgt – und hat so erst Befriedigung ermöglicht. Wenn die Geschlechtsrollen erst ausgefochten werden müssen, wie in Gefängnissen oder etwa unter deutschen Kriegsgefangenen des letzten Krieges, kommt es zu Mord und Todschlag. Das erklärt auch zwanglos die Gewaltaffinität der geschlechtlich amorphen Fetischszene und die Horrorkabinette, in denen sich schwule und lesbische Sexualität „entfaltet“. Die Genderideologie führt schnurstraks in die Hölle.
Die Aufklärung wird von diesem Planeten verschwinden und das Mittelalter triumphieren, weil es in der Natur einen alles bestimmenden Faktor gibt: die Fortpflanzung. Religiöse Menschen pflanzen sich fort, während „aufgeklärte“ Menschen keinen rechten Sinn darin sehen sich für andere (d.h. die eigenen Kinder) aufzuopfern. Religiöse Menschen planen Gräber für die Ewigkeit, die von ihren Kindern und Kindeskindern gepflegt werden, während es Atheisten tendenziell ziemlich schnurz ist, was mit ihren Gebeinen geschieht.
Deshalb stirbt beispielsweise Ostdeutschland aus. Nicht aus sozialen und ökonomischen Gründen (vollkommener, d.h. vulgär-marxistischer Unsinn!), sondern weil es die atheistischste Region auf diesem Planeten ist. Die Demographie in den USA ist so viel besser als in Europa, weil die Menschen in den Staaten im Durchschnitt religiöser sind als auf dem alten Kontinent. Die soviel bessere Versorgung mit Kindergärten, sozialer Absicherung, etc. in Europa spielt hier keinerlei Rolle! Eher im Gegenteil, denn (gut, jetzt argumentiere ich „materialistisch“!) wer sich vom Staat rundum versorgt fühlt, hat kein Interesse an Familienverbänden, die die persönliche Freiheit einschränken.
Aus orgonomischer Sicht zeichnet sich hier die ultimative Katastrophe ab, da auf diese Weise die Kinder der Zukunft eine Chimäre werden. Man betrachte sich etwa die Türken in Deutschland. Die, die sich westlichen Wertvorstellungen angleichen, haben im Durchschnitt genauso viele Kinder wie die Deutschen, während jene, die sich in der islamischen Kultur verpanzern, Deutschland eine unüberschaubare Schar zukünftiger inzuchtgeschädigter Islamisten und drogendealender HartzIVler schenken.
Religion bedeutet, daß zumindest ein wenig, wenn auch verzerrter Kontakt zum biologischen Kern vorhanden ist, während „aufgeklärte“ Menschen fast vollständig in der sozialen Fassade aufgehen. Ihre „Freiheit“ ist eine Illusion und selbstzerstörerisch. Das, wenn man so sagen kann, „religiöse Projekt“, bei dem sich alles um die Verantwortung für die Gemeinschaft dreht, hat wenigstens eine Zukunft.
Die gepanzerte Gesellschaft leidet daran, daß Freiheit und Verantwortung zu sich gegenseitig ausschließenden Gegensätzen werden:
Letztendlich beschreibt diese eine Gleichung die sich in „Parallelgesellschaften“ zersplitternde Gesellschaft.
Die Orgonomie steht dafür, daß Freiheit und Verantwortung nicht voneinander zu trennen sind und einander bedingen:
Die Orgonomie verkörpert diese Einheit:
Kinder stellen nicht, a la Fritz Perls, Hindernisse auf dem Weg zur vermeintlichen „Selbstverwirklichung“ dar, sondern sind Ausdruck der Selbstverwirklichung. Ein gepanzerter Mensch, etwa ein Fritz Perls, hätte sich auf die Sexualtheorie beschränkt, ohne jemals das Projekt „Kinder der Zukunft“ zu entwerfen. Tatsächlich sind Leute aufgetreten, die aus „Reichistischen“ Gründen gegen das Stillen waren (da dies dem Sexualorgan Brust schade) und gegen eine natürliche Geburt (da dies dem Sexualorgan Vagina schade). Sie träumten sogar von künstlichen Gebärmüttern und „Kinderkrippen“, um, frei nach Reich, Sexualität und Fortpflanzung endgültig voneinander zu trennen.
In einer orgonomisch geprägten Welt wären sexuelle Erfüllung im Hier und Jetzt und die Fortpflanzung nichts was sich behindert, sondern etwas was einander bedingt. Das Kinderkriegen ist dabei nicht nur wegen der Freude, die die Kinder schenken, eine Lust, sondern auch weil es selbst Spannung löst, indem wir uns sozusagen „entschulden“. Wir sind Teil eines transgenerationalen „Kreditgeschäfts“: unsere Eltern haben mit unserer Existenz in die Zukunft investiert und kontaktvollen (d.h. nicht „anti-autoritären“) Menschen ist es eine Lust sich dieser Schuld (bioenergetische „Ladung“ ohne moralischen Unterton!) zu entledigen („Entladung“), indem sie selbst Kinder bekommen. (Das Lebendige und die Arbeitsdemokratie erstrecken sich nicht nur im Raum, sondern auch über die Zeit!)
Der religiöse Mensch hat ein Gefühl für diese „bioenergetische Schuld“, moralisiert sie aber und beraubt sie ihres bioenergetischen Gehalts. Bei ihm wird alles zu „Pflicht“ und „Gefolgschaft“.
Bis heute fragen sich Biologen, wozu Sex eigentlich gut sein soll, denn im Vergleich zur ungeschlechtlichen Vermehrung ist Sexualität für das Individuum extrem kostspielig. Die Fortpflanzungsorgane schlagen in der Energiebilanz des Individuums negativ zu Buche, ohne irgendeinen Überlebensvorteil zu bieten, vielmehr würden sie nur der Art, d.h. den eigenen zukünftigen Konkurrenten dienen. Und auch für die Art selber wäre eine einfache Zellteilung oder Knospung weit günstiger, denn die durch die Sexualität möglich gemachte evolutionäre Weiterentwicklung (Rekombination der genetischen Information) schafft der Art Konkurrenz durch neue besser angepaßte Arten.
Im Rahmen seiner „Energon-Theorie“ zeigt Hans Hass, daß die sexuelle Fortpflanzung einer dritten Instanz dient, die über Individuum und Art hinausweist: dem „Lebensstrom“. Dieser „Strom“ ist das blinde, wie ein Feuer in Zeit und Raum auswuchernde Leben selbst. Die Evolution ermöglicht es, daß die lebendige Materie immer mehr tote Materie okkupiert – bis hin zum Mond. Entsprechend vergleicht Hass den „Lebensstrom“ mit einem Feuer, das sich immer weiterfrißt.
Hass beruft sich bei diesem Bild auf Heraklit. Doch der hatte eben nicht den mechanisch-toten Energieprozeß, der das leere Spiel der Genetik nach dem Gesetz des geringsten Widerstandes steuert, sondern das Orgon-„Feuer“ vorweggenommen; das Lebensfeuer, das das Movens des äußeren (motion) und inneren (emotion) Lebens ist.
Während für Hass der Körper nur seelenlose Maschine ist, das Werkzeug einer blinden Evolution, die sich mittels der mechanischen Gesetze des „kapitalistischen Konkurrenzkampfes in der Natur“ fortsetzt, ist für Reich der Lebensstrom in einem viel tieferen Sinne Sexualität. Reich begreift ihn als Lebensfeuer, das nicht nur im Evolutionsgeschehen zum Ausdruck kommt, sondern in erster Linie als individuelles „Libidogeschehen“. Der libidinöse Lebensstrom im Körper ist das Primäre und setzt sich sekundär im „Weiterströmen“ der Art und in der Weiterentwicklung des Lebens fort.
Reich zufolge dient der Geschlechtsapparat von frühester Kindheit an der Funktion der sexuellen Lust und Befriedigung. Mit der Geschlechtsreife tritt als bloßer Nebeneffekt für eine begrenzte Zeit auch die Funktion der Fortpflanzung hinzu.
Schon daraus geht hervor, daß die Funktion der sexuellen Befriedigung im Geschlechtsleben bedeutsamer ist als die Fortpflanzung. (Der Sexuelle Kampf der Jugend)
Der „libidinöse Lebensstrom“ im Körper ist das Primäre und setzt sich sekundär zufällig im „Weiterströmen“ der Art und in der Weiterentwicklung des Lebens fort.
Auch der Verhaltensforscher Hass räumt ein, daß man beim Menschen die Sexualität funktionell von der Produktion von Nachkommen loslösen kann. Beide Funktionen stören sich, Hass zufolge, sogar gegenseitig. Wir verdanktem dem Sexualtrieb nicht nur Lustgefühle, sondern auch „viele der höchsten menschlichen Leistungen, besonders auch die künstlerische Entfaltung, dürften weitgehend von dieser Triebfeder beeinflußt sein.“
Diese „kulturelle“ Funktionserweiterung der Sexualität, die in der Evolution erst beim Menschen voll ausgeprägt auftritt, hat nach Hass ihren funktionellen Kern in der Bindung des menschlichen Männchens an sein Weibchen mittels sexueller Lust. Diese durch Sexualität gefestigte Familienbindung sei für das Aufziehen der Kinder unabdingbar, da diese bei der Tierart Homo sapiens abnorm lange hilfsabhängig sind.
Dergestalt stellt die Sexualität in ihrer Funktionserweiterung für den Verhaltensforscher die Grundlage der gesamten menschlichen Zivilisation dar. Man kann also nicht sagen, daß, frei nach Freud, kulturelle Leistungen und die Forderungen der Zivilisation den Menschen von der tierischen Sexualität abspalten, vielmehr verdanken sie sich ganz und gar der Hypersexualität des Menschen!
Reich hat dargelegt, daß die Sexualität ihre Grundlage in einer Funktion hat, die zunächst einmal für das Individuum unverzichtbar ist: die Funktion des Orgasmus. Von ihrer Erforschung ist Reich nicht nur in den sozialen, sondern auch in den biologischen und schließlich in den kosmischen Bereich vorgestoßen („kosmisch“, da die Lebensenergie identisch mit dem „Äther“ ist):
1927 hatte Reich in Die Funktion des Orgasmus dargelegt, daß der „Destruktionstrieb“ (Freuds „Todestrieb“ – in weitestem Sinne Reichs DOR) in einem reziproken Verhältnis zur Sexualbefriedigung steht: der Orgasmus entzieht ihm die Energie. Interessanterweise kann man im Rahmen der Evolutionsbiologie ähnlich argumentieren. Zweigeschlechtliche Tiere, etwa Schnecken, haben nämlich ein denkbar brutales Sexualleben, da stets ausgekämpft werden muß, wer nun die Rolle des Männchens spielt, das die eigenen Gene ohne langfristige Investitionen und doch denkbar effektiv verbreiten kann. Die Zweigeschlechtlichkeit (im weitesten Sinne die „Genitalität“) hat, bei allen Kämpfen um die Weibchen, zu einer ungeheuren Befriedung in der Natur geführt.
Reich hat stets darauf insistiert, daß Sexualität nicht gleich Fortpflanzung ist. Er konnte dabei auf Mikroorganismen und niedere Organismen verweisen, wo die orgonotischen Prozesse offensichtlich waren. Siehe dazu Die bio-elektrische Untersuchung von Sexualität und Angst und Die Bionexperimente. Daß es auch Beispiele bei Vertebraten gibt und daß die daraus entspringenden Nachkommen sich normal entwickeln, zeigt, „zur Überraschung der Wissenschaftler“, der Sägefisch (pristis pectinatus) in Florida. Bislang hatte man so etwas nur in Zoos beobachtet, etwa wenn Schlangenweibchen kein Männchen haben. Desgleichen sogar bei Hühnern und Puten!
Bis jetzt fanden sich Zeugnisse für Parthenogenese bei Wirbeltieren fast nur bei gefangenen Tieren, die in der Regel ihre Halter mit der Geburt überraschten, obwohl sie keine Partner hatten. Wissenschaftler haben vor kurzem zwei weibliche Schlangen in freier Wildbahn gefunden, die jeweils trächtig aufgrund von Parthenogenese waren, ohne daß bekannt wurde, ob diese parthenogenetischen Nachkommen überlebt hätten. Es war weiterhin ungewiß, ob jungfräuliche Geburten in der Natur in erheblichem Umfang vorkommen.
Und speziell über den Sägefisch:
Bei Sägefischen und vielen anderen Kreaturen kommt es zu einer Meiose, bei der sich Zellen teilen, um Geschlechtszellen zu bilden, die jeweils nur die Hälfte des Materials haben, das benötigt wird, um Nachkommen hervorzubringen. Beim weiblichen Sägefisch fanden die Forscher Paare von Geschlechtszellen, die wahrscheinlich verschmolzen waren, um Nachkommen zu erzeugen. Allerdings sind diese Nachkommen nicht Klone der Mutter oder untereinander, da weder die Geschlechtszellen untereinander perfekt identisch sind noch die parthogenetischen Nachkommen, die aus diesen Geschlechtszellen hervorgehen.
Und weiter:
Möglicherweise tritt Parthenogenese hauptsächlich bei kleinen oder schrumpfenden Populationen auf, vielleicht wenn Weibchen während der Paarungszeit keine Männchen finden können. Die Forscher bitten nun andere Wissenschaftler, ihre DNA-Datenbanken von Vögeln, Fischen, Schlangen, Eidechsen, Haien und Rochen auf andere Beispiele für Parthenogenese bei Wirbeltieren in freier Wildbahn zu durchforsten.
„Dies könnte zum Umschreiben der Biologie-Lehrbücher führen“, sagt in einer Stellungnahme der Co-Autor der Studie Kevin Feldheim vom Pritzker Laboratory im Field Museum of Natural History in Chicago, wo die DNA-Fingerabdrücke abgenommen wurden. „Gelegentliche Parthenogenese könnte möglicherweise bei wilden Tierpopulationen viel mehr zur Routine gehören, als wir jemals gedacht haben.“
Wie Reich sagte: Sexualität und Fortpflanzung sind unterschiedliche Funktionen, haben unterschiedliche Aufgaben. Diese Erkenntnis wird nun langsam Einzug in die Biologiebücher halten. Wenn es nach Reich gegangen wäre, hätte man das schon vor 80 Jahren machen müssen!
Das folgende ist in zweifacher Hinsicht interessant. Erstens weicht es weiter nochmals die in diesem Blog häufiger diskutierte Grenze zwischen Tier und Mensch auf, dem „Menschentier“. Zweitens zeigt es die Bedeutung der Bione in unserer Evolution. Wie Reich Mitte der 1930er Jahre zeigte, wird Orgonenergie in Gestalt von „Orgonenergie-Bläschen“ (Bione) durch Kochen freigesetzt – von wegen Rohkost…
Das Kochen gilt als eine Schlüsseltechnologie unserer Vorfahren – möglicherweise war das Erhitzen von Nahrung eine entscheidende Voraussetzung für die Entwicklung des Menschen. Unklar ist allerdings, wann unsere Vorfahren die kognitiven Voraussetzungen für das Kochen entwickelten. Experimente mit Schimpansen zeigen nun: Theoretisch hätten auch unsere engsten Verwandten das mentale Rüstzeug für diese Kulturtechnik. Sie verstehen das Prinzip des Kochens und haben die Beherrschung, um sich Nahrung extra dafür aufzusparen.
Das Kochen von Nahrung macht nicht nur viele Speisen schmackhafter, das Erhitzen schließt auch Nährstoffe besser auf und macht sie für den Körper verfügbar. „Der Wechsel zu gekochter Nahrung könnte daher die Entstehung größerer Gehirne in der menschlichen Evolution begünstigt haben“, erklären Felix Warneken von der Harvard University und Alexandra Rosati von der Yale University. Denn gerade das Gehirn ist ein besonders energiehungriges Organ.
In sozialistischen Gesellschaften wie Schweden, aber auch im täglich sozialistischer werdenden Deutschland nimmt die Bedeutung eigenen Denkens, des Bewußtseins und anderer höherer Hirnfunktionen zunehmend ab. Es sind Störfaktoren, die insbesondere durch den Terror der Political Correctness immer mehr zurückgedrängt werden, um das reibungslose Funktionieren der sozialistischen Gesellschaft zu gewährleisten. Wie ich an anderer Stelle gezeigt habe, sind sozialistische Gesellschaft funktionelle Entsprechungen von Insektengesellschaften. Dazu nun folgender Bericht:
Die Gesellschaft, in der wir leben, prägt nicht nur unser Verhalten – es hat auf lange Sicht auch Auswirkungen auf die Entwicklung unseres Gehirns. Nach gängiger Theorie war es das Zusammenleben in komplexen sozialen Gruppen, das bei unseren fernen Vorfahren das Wachstum des Gehirns auslöste. Doch die simple Gleichung „komplexe Gesellschaft gleich großes Gehirn“ stimmt nicht für alle Tiere. Bei sozialen Insekten scheint sie sich sogar umzukehren, wie Forscher nun herausfanden: Bestimmte Teile im Gehirn der einzelnen Tiere schrumpfen sogar, wenn sie Kolonien bilden.
Jedenfalls bei Wespen führe das Zusammenleben in sozialen Gemeinschaften „zu einem Schrumpfen der für höhere Funktionen zuständigen Hirnareale“.
Das Wort „Panzer“ zur Beschreibung der muskulären und emotionalen Abwehrmechanismen von Neurotikern leitet sich von der Rüstung der alten Ritter her. Es waren „Exoskelette“ ähnlich denen bei Insekten, die einerseits den Träger schützten, ihn aber andererseits weitgehend bewegungsunfähig machten. In abgeänderter Form kehrt nun die Ritterrüstung zurück in Gestalt des „Roboteranzugs“.
Entwickler eines internationalen EU-Projekts haben den Prototypen eines Exoskeletts für Industriearbeiter präsentiert. „Robo-Mate“ kann mittels Motoren und Sensoren die Belastungen beim Heben auf einen Bruchteil reduzieren und gleichzeitig Haltungsschäden vorbeugen.
Es wird als ungemeine Hilfe für Arbeiter gepriesen, was sie auch zweifellos ist, doch das „Exoskelett“, wird über kurz oder lang auf den Menschen zurückwirken und zwar weitaus radikaler, als es sich selbst Reich im Rückblick auf die bisherigen Werkzeuge des Menschen, die ihn zu einem „Automaten-Ungeheuer“ gemacht hätten, vorstellen konnte.
[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=FSrcMaid0mg%5D
1943 hat Reich die biophysisch verheerenden Auswirkungen der ersten industriellen Revolution beschrieben, in deren Folge sich der Mensch mit Dampfmaschinen identifizierte, sodaß er sich selbst in ein maschinenartiges Anhängsel der Maschine verwandelte.
Es hat sich herausgestellt, daß die maschinellen Lebensanschauungen nicht bloß eine „Spiegelung“ der sozialen Prozesse im Seelenleben des Menschen sind, wie Marx annahm, sondern weit mehr als das: Im Laufe der Jahrtausende maschineller Entwicklung hat die mechanistische Lebensauffassung, von Generation zu Generation fortwirkend, sich tief im biologischen System der Menschen verankert. Sie hat dabei das Funktionieren des Menschen tatsächlich maschinell verändert. Der Mensch erstarrte plasmatisch im Prozeß der Abtötung der Genitalfunktionen. Er verpanzerte sich gegen das Natürliche Spontane in ihm, verlor den Kontakt mit der biologischen Selbststeuerungsfunktion und ist von schwerer Angst vor dem Lebendig-Freien erfüllt. (Die Massenpsychologie des Faschismus)
Dabei hätte der Mensch „ohne weiteres auf der einen Seite Maschinen mechanistisch konstruieren und auf der anderen Seite gleichzeitig das Lebendige nicht-maschinell, eben lebendig erfassen können“. Und weiter: „Die Maschine wurde, ist und wird sein gefährlichster Zerstörer bleiben, wenn er sich nicht von ihr differenziert.“
Der tragische Zwiespalt von biologischer und technischer Organisation, von Lebendigem und automatisch Maschinellem im Menschen kommt eindeutig in folgenden Tatsachen zum Ausdruck: Kein Massenmensch auf diesem Planeten wollte den Krieg. Alle, ausnahmslos, sind ihm verfallen, unrettbar, wie einem Automaten-Ungeheuer. Doch dieses Ungeheuer ist der versteifte Mensch selbst. (ebd.)
Zum Schluß ein Verweis auf das von mir schon des öfteren gepriesene Omega-3:
Omega-3 Fettsäuren gelten als wahre Gesundmacher: Sie beugen Herzinfarkten vor, schützen die Gefäße und stärken das Gehirn. Jetzt haben Forscher eine weitere positive Wirkung dieser ungesättigten Fette nachgewiesen: Sie können sogar den Ausbruch einer Schizophrenie verhindern. In einer Langzeitstudie bewahrte eine zwölfwöchige Einnahme von Fischölkapseln junge, psychisch vorbelastete Patienten davor, in die manifeste Psychose abzugleiten. Auch die psychischen Symptome besserten sich merklich. Die Omega-3 Fettsäuren könnten damit eine schonende Alternative zu Psychopharmaka sein, meinen die Forscher.
Es geht darum im Gehirn die orgonotische Ladung aufrechtzuerhalten!