Posts Tagged ‘Marcuse’

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 137)

8. Juni 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Man kann den Marxismus als Versuch betrachten, mit Stirner fertigzuwerden – und den Neomarxismus als verzerrte Rückkehr des Verdrängten.

Da wäre Marx quasi Aristotelische Hinwendung zur „Essenz“. Im Kapital heißt es beispielsweise, daß sich „in den zufälligen und stets schwankenden Austauschverhältnissen Arbeitszeit als regelndes Naturgesetz gewaltsam durchsetzt, wie etwa das Gesetz der Schwere, wenn einem das Haus über dem Kopf zusammenpurzelt. Die Bestimmung der Wertgröße durch die Arbeitszeit ist daher ein unter den erscheinenden Bewegungen der relativen Warenwerte verstecktes Geheimnis“ (Marx, z.n. Wolfgang Röd: Dialektische Philosophie der Neuzeit, München: C.H.Beck, 1986, S. 223). In der Ware steckt als transzendentale Essenz die Arbeit wie Christus in der Hostie! Bei dieser „Werttheorie“ bleibt vom Subjekt („Be-Wertung“) nichts. – Von der berühmten (angeblichen Marxschen) Dialektik, d.h. dem Austausch subjektiver Sichtweisen, um „auf dem Markt“ zu einer gemeinsamen objektiven Wertung zu gelangen (etwa so wie Blinde jeweils einen Körperteil eines Elefanten abtasten und sich dabei verbal austauschen), bleibt nichts!

Der Zerfall des Marxismus, der nicht zuletzt 1933 mit Reichs Massenpsychologie begann, wirkt wie eine Wiederkehr des bösen Geistes Stirner. Beispielsweise klingt Satre verdammt nach Stirner, wenn etwa die Rede ist von „Gruppen freier Praxis“ vs. „inertes Kollektiv“ (Verein vs. Gesellschaft): „Das im eigentlichen Wortsinn Wirkliche ist das Individuum in seiner totalisierenden Aktivität, nicht irgendwelche Universalien oder Kategorien, die vielmehr erst in der Totalisierung, also als Ergebnis der individuellen Praxis, erzeugt werden“ (z.n. Röd, S. 311).

Röd erwähnt neben Sartre (der verdammt, und verquer, Stirnerisch klingt) beispielsweise Adorno und nicht zuletzt Marcuse: „Wesentlich ist für Marcuses Auffassung der Dialektik die Betonung der Rolle des geschichtlichen, erkennenden und sich frei entscheidenden Subjekts“ (Röd, S. 300).

Adorno über seine „negative Dialektik“: „Mit konsequenzlogischen Mitteln trachtet sie, anstelle des (Hegelschen) Einheitsprinzips und der Allherrschaft des übergeordneten Begriffs die Idee dessen zu rücken, was außerhalb des Banns solcher Einheit wäre“ (z.n., Röd, S. 303).

Peter liest die Laska/Schmitz-Korrespondenz (Das Ende)

3. Mai 2024

Das Versinken der gesamten europäischen Kultur „folgt“, so Laska, „der Agenda, die Thilo Sarrazin mit der Formel ‚Deutschland schafft sich ab‘ prägnant erfaßt hat (…). Ich [Laska] sehe den tieferen Grund dafür in der von mir fokussierten Selbstsabotage der Aufklärung (indem Marx und Nietzsche über Stirner triumphierten, zuvor Rousseau über La Mettrie); der Grund für diese [Selbstsabotage] allerdings bleibt mir ein Rätsel“ (S. 482f).

Nun, man muß es nur („L – S – R“) durch Freuds, Marcuses, Fromms, Adornos Triumph über Reich ergänzen. Wie hat Reich den „Todestrieb“ erklärt? Immerhin hat Freud den entsprechenden Artikel zum Anlaß genommen, Reich aus der Psychoanalyse und damit aus der Geistesgeschichte zu verbannen! Der Masochist (als Extremform des gepanzerten Menschen) nimmt lieber die vergleichsweise kleineren Schmerzen hin, provoziert sogar deren Zufügung, nur um der einen großen Gefahr zu entgehen: von der orgastischen Zuckung in tausend Fetzen zerrissen zu werden.

Reich schrieb ein ganzes Buch darüber, Christusmord, warum die Aufklärung das schlimmste wäre, was der Gesellschaft widerfahren könnte. Sie bleibt lieber im mechano-mystischen Obskurantismus gefangen, da die Wahrheit sie zerfetzen würde. Sie wäre die ultimative Katastrophe. Schmitz versucht sie zu verhindern. Er ist der ultimative Katechon, der „Aufhalter“, Laska ist sein (vermeintlicher) Antichrist. Dieses Buch dokumentiert die Geschichte dieser beiden archetypischen Schicksalsgestalten der Menschheit.

Schmitz selbst hat nur eine vage Ahnung von dem Strom, der uns ins unausweichliche Verderben spült: aber immerhin – was auch zeigt, warum Laska überhaupt mit ihm diskutiert. Schmitz:

Nach meiner Konstruktion schwimmt Stirner mit im Strom, der von Fichte ausgeht, nämlich von der Entdeckung der strikten Subjektivität (d.h. dem Umstand, daß z.B. in meinem Fall mir eine Auskunft über Hermann Schmitz wesentlich weniger Information gibt, als wenn hinzukommt, daß ich selbst Hermann Schmitz oder sonst etwas bin) zusammen mit ihrer Verkennung als rezessiv entfremdete Subjektivität (d.h. als über oder zwischen allen Tatsachen schwebendes Ich). Dieser Strom führt von der romantischen Ironie über die Dandys und den Weltschmerz tief in das ironistische Zeitalter absoluter Wendigkeit zur Coolness der modernen Jugend und zum „Zappen“ an elektronischen Geräten aller Art und sonstigen Freizeitvergnügen. Die Auszeichnung Stirners besteht in meinen Augen nur darin, daß er die rezessive Entfremdung mit trockener Humorlosigkeit blutig ernst nimmt, während die Ironisten damit eher ein Spiel treiben, das harmlos wirken kann, während Stirner mit seinem Ernst zeigt, wohin die Reise wirklich geht. Er ist ein Offenleger des tiefen Sinns des ironistischen Zeitalters, ein Mahnmal, nicht ein suggestiver Anstifter. Er wirkt abschreckend, so daß sich die von Ihnen entlarvten „Exorzisten“ an ihm vorbeizudrücken suchen. Der Schrecken hat aber reales Gewicht, ohne daß Stirner als Autor der Anstifter wäre. (S. 492)

Laska sieht den Strom von LaMettrie, Stirner und Reich ausgehend und das Verhängnis in der falschen Weichenstellung durch Diderot, Marx und Freud, die das Über-Ich doch noch gerettet haben, das uns heute beispielsweise dazu führt, vom Schuldwahn („Über-Ich-Wahn“) benebelt und restlos verunsichert den Holocaust der Umvolkung wiederstandlos über uns ergehen zu lassen. Das Warum kann Laska, wie erwähnt, nicht beantworten. Das kann, wie erläutert, nur Reich. Entsprechend ist, richtig gelesen, die Laska/Schmitz-Korrespondenz das Requiem der Menschheit:

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 124)

21. April 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Im Ukraine-Krieg war untergründig stets Immanuel Kants Stimme vernehmbar: „Handle nur nach dieser Maxime, wobei du gleichzeitig wollen kannst, daß sie zu einem universellen Gesetz wird.“ Wenn Rußland es tut, wird es schließlich jede Nation tun, usw. Der Punkt ist, daß a) die Realität so nicht funktioniert, d.h. niemand wird tatsächlich so handeln; und b) ein „universelles Gesetz“ ist unsinnig, weil es eine Vielzahl von Umständen gibt. Kant träumte schließlich von einer einzigen Weltregierung, um den universellen Frieden zu sichern. Kant war ein verdammter globalistischer Kommunist.

Diese vermeintliche „Aufklärung“ ist doch nur Religion mit anderen Mitteln, d.h. es läuft immer auf das Gegenteil von ungepanzerter Selbstbestimmung hinaus. In die gleiche Kategorie fällt Adornos Diktum, „es kann kein gutes Leben im Schlechten geben, nichts Wahres im Falschen“. Nicht nur, daß es hervorragend zu seinem Elitedenken und seinem großbürgerlichen Hochmut paßte. Man kann sich gut ausmalen, wie Adorno auf die drei letzten „kitschigen“ Seiten von Reichs Rede an den kleinen Mann reagiert hätte, wo Reich das gute, einfache, anständige, „kleinbürgerliche“ Leben preist: die exakte Gegenposition zum besagten Diktum, das ebenfalls auf den kommunistischen Terror hinausläuft.

Wie grundsätzlich anders Reichs Herangehensweise war, zeigte sich bei seinen Sexpol-Veranstaltungen: daß, wenn sie sich geschützt und in der Gruppe geborgen fühlen und durch die Sanktionierung durch die Gruppe vom individuellen Über-Ich befreit sind, einfache Menschen genau die gleichen Gedanken und Empfindungen äußern, wie sonst nur die ganz raren genitalen Charaktere. (Manche behaupten, Reich wäre damit der Begründer der Gruppentherapie gewesen.) Man kann den Menschen und der Natur vertrauen jenseits aller von Meisterdenkern, die keinerlei Kontakt zu den Massen und zur Natur haben, ausgeheckten bzw. erträumten Idealwelten – die sich letztendlich immer als Höllen erweisen.

Adorno konnte seinen berühmten Satz nur Formulieren, weil er einer jener Marxisten war, die Reich so sehr verabscheut hatte: zu denen, die sich nie bei Demonstrationen und Massenveranstaltungen sehen ließen, sondern lieber wie Marcuse bei Heidegger promovierten und in Intellektuellenzirkeln ihre Gehirnsekrete absonderten. Jene, die keinerlei Kontakt zu den Zadnikers, Templetons und Ross‘ hatten.

Wer „bildet“ diese Gesellschaft: diese Gesellschaft wird von den Lehrern „gebildet“ (inklusive den Eltern, den Nachbarn, Kollegen und den Medien: „Über-Ich“). Alle folgen der „Kultur“ und alle geben den gleichen Schwachsinn von sich. Aber wenn sie zur Ruhe kommen, sich entspannen und im intimen Kreis ihr Herz öffnen, wird fast jeder Dinge von sich geben, als hätte er Reich „etc.“ gelesen.

Reich hatte die Hoffnung, daß der Zweite Weltkrieg auch die allerletzte Illusion von den Menschen nehmen würde und deshalb in der Nachkriegszeit die „Arbeitsdemokratie“ ausbrechen würde. Gewisserweise hatte er recht, denn die Generation unserer Väter und Mütter, die für nichts und wieder nichts durch die Hölle gegangen waren, war wirklich ein für allemal „fertig“. Ich weiß doch, was in meiner Familie, mit meinen Eltern abgelaufen ist – und so war es in jeder einzelnen deutschen Familie! So sehe ich die Apathie, kalte Verachtung und die grundsätzliche Verweigerung von Engagement die dem Enthusiasmus und der Aufbruchstimmung der „68er“ entgegenschlug: es war die absolut gesunde Verweigerung irgendwelchen neuen „Kulturprojekten“ zu folgen. (Wohin das führt, zeigt heute der Grüne Abschaum!) „Bioenergetisch“ betrachtet ist damals das genaue Gegenteil dessen vorgegangen, als was es oberflächlich erschien.

Nur ein grundsätzlich anderes „68“ hätte zum Erfolg führen können, nämlich das, was Reich vorschwebte: Schluß, endgültig Schluß mit aller Politik, allen großen Ideen und Ideologien, die Menschen nehmen ihr Leben selbst in die Hand, angefangen von den kleinsten Einheiten.

Aus Laskas Email-Verkehr Anfang der 2000er Jahre: Über die Einsamkeit

11. April 2024

Aus Laskas Email-Verkehr Anfang der 2000er Jahre: Über die Einsamkeit

Notizen zu „Projekt: Reich-Renegaten“ (handschriftlich o.J.)

29. November 2023

Notizen zu „Projekt: Reich-Renegaten“ (handschriftlich o.J.)

Die große Verachtung

25. August 2023

Es gibt gegenüber LaMettrie, Stirner und Reich eine ganz bestimmte „lächelnd herablassende“ Haltung von Menschen, die sich als „Aufklärer“ gerieren. Im Vergleich mit dem „göttlichen Marquis“ habe LaMettrie nicht die letzte Konsequenz gezogen, sondern sei nur charmant, galant, hedonistisch. Das entspricht ungefähr der Haltung Freuds gegenüber Reich, der das letztendlich Destruktive und zutiefst Perverse an den Trieben nicht habe sehen wollen. Kommt Stirner ins Spiel, werden letztendlich immer Marx oder Nietzsche bzw. eine Kombination von beiden ins Feld geführt. Doch letztendlich läßt sich der Vorwurf gegen Stirner auf ein einziges Wort kondensieren: „Kleinbürger“. Als Jugendliche hätten wir früher gesagt: „Ein blöder Wichser!“ Am Peinlichsten sei aber Naivling Reich, der früher vielleicht verklemmte Pubertierende habe ansprechen können und der sich mit dem „Orgon“ endgültig selbst trottelhaft ins Abseits gestellt habe. In jeder Hinsicht wurde er bei den „68ern“ von Marcuse und heute von Foucault obsolet gemacht, d.h. von einem Amalgam aus Sade, Marx, Nietzsche und Freud.

Ich muß bei den vermeintlich aufklärerischen Jüngern der letzten sechs immer an finster dreinschauende ganz in schwarz gekleidete Jugendliche denken, die ständig „nihilistische“ Dinge von sich geben, neuerdings sich die Genitalien amputieren lassen und von sich glauben, sie hätten die Weltläufe durchschaut. Tatsächlich ist das natürlich nur Lebensangst und die Selbstimmunisierung gegen Enttäuschung: wenn eh alles finster und scheiße ist… Das Erschreckende ist, daß dieser primitive Mechanismus nunmehr fast 300 Jahren den „kritischen“ Teil unserer Kultur bestimmt. Wenn ich die „kritische Elite“ unserer Intellektuellen anschaue, sehe ich verpeilte Rotzlöffel, die vor Lebensangst, Angst vor bioenergetischer Expansion, schlottern.

Vor LaMettrie, Stirner und Reich haben sie Angst, weil die ihre Feigheit, Heuchelei und Duckmäuserei angesichts des Lebens entlarven. Wieviel sicherer ist da doch die Feier des „Todestriebes“, wie Sade ihn betrieben hat und zu dem etwa Nietzsche in Gestalt von Schopenhauers Philosophie flüchtete. Heute bieten sich Marcuse und Foucault an.

Das Reich des Teufels (Teil 5): Die Bestien der Hölle

17. August 2023

Es sagt alles über den Zustand unserer verachtenswerten „Kultur“, daß DeSade bei den „Aufgeklärten“ immer beliebter war als LaMettrie. DeSade, der pornographische Schmierfink, wird sogar zunehmend zu der Schlüsselfigur der Aufklärung hochgejubelt. LaMettrie wird zum inkonsequenten blassen Vorläufer. Doch was zeichnet DeSade aus, wenn nicht das „konsequente“ Zuendedenken, dessen, was, gemäß dem katholischen Katechismus, geschehen würde, wenn Moral und Ethik, das Über-Ich, wegbrechen würde? Tatsächlich ist er ein zutiefst katholischer Schriftsteller:

Ähnlich ist das Verhältnis von Stirner und Nietzsche. Der letztere feierte stets genau das, was Stirner als den einen Unglücksfaktor bloßgelegt hatte: die „Zucht“, das Züchtigen, das Überwinden des Menschentiers, das Abpanzern. Aus den gequälten und gemarterten Kindern, wie Nietzsche eines war, sollte ab und an etwas entstehen, was die Apotheose des Lebens sei – und all der verquaste Nietzsche’sche Bombast, in dem unsere verkorksten „Intellektuellen“ sich suhlen wie Schweine in der Gülle.

Beide, De Sade und Nietzsche, flossen schließlich im „Überwinder“ Reichs zusammen, der nicht von ungefähr um Potenzen mehr Einfluß auf die 68er und das Grüne Gesindel hatte, als jemals Reich: der „Freudo-Marxist“ Herbert Marcuse, der sich streng gegen jeden „Revisionismus“ sowohl im Marxismus (Stichwort „parteiliche Toleranz“, d.h. beinharter Klassenkampf a la Stalin, Mao, Pol Pot) als auch im Freudismus wandte (beispielsweise vertrat Marcuse Freuds Todestriebtheorie). Am Anfang stand Marcuse für die präödipale Perversion gegen die „Tyrannei des genitalen Primats“. Seine Helden waren buchstäblich die Figuren aus Pasolinis 120 Tage von Sodom:

Aber Marcuse hat sich weiterentwickelt, denn später waren seine Helden, gemäß der ursprünglichen Freudschen Dichotomie Perverser vs. Neurotiker, die verklemmten Neurotiker, die, ähnlich wie die bis zur äußersten Entmenschung entfremdeten Marxschen Proletarier, schließlich raptusartig gegen ihre Unterdrückung rebellieren und, irgendwie, das Paradies auf Erden errichten… Ja, ich weiß, man fäßt sich an den Kopf!

Das ist der Gegensatz, der den Kern unserer verfluchten Kultur ausmacht: DeSade überwindet LaMettrie, Nietzsche überwindet Stirner, Marcuse überwindet Reich – indem sie jeweils ins Erzreaktionäre zurückfallen… Der Faschismus triumphiert, der schiere Irrsinn, die Unterdrückung, die Emotionelle Pest, der Tod triumphiert. Nichts anderes wird heute in den Hörsälen und Seminaren unserer Verblödungsanstalten („Universitäten“) toleriert. Die Agenda der Mächtigen, die uns ihre eigenen „Revolutionäre“ vor die Nase setzen, führt vom Transgenderismus und Transspeziesismus zum Transhumanismus:

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 75)

31. Juli 2023

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Stirners Bedeutung ist die, daß er ausnahmslos die gesamte moderne (Hegelsche und post-Hegelsche) Philosophie entlarvt und überwunden bzw., besser gesagt, ad absurdum geführt hat. Wie Hans-Martin Sass 1975 feststellte: „Alle Spielarten überhaupt möglicher kritischer Theorie, alle Spielarten von Anarchismus und Existentialismus sind [zu Stirners Zeiten durch die „Jungehegelianer“] in Berlin durchgespielt worden, und alles, was später kam, sind (überspitzt gesagt) Neuauflagen: Adorno, Marcuse, Habermas und Heidegger; sie sind nicht nur historisch später, sie sind auch weniger originell, zugegeben in manchem gründlicher, im Grundsätzlichen schon lange durchgespielt in jenen Jahren in den zwei, drei Stammlokalen, die man in Berlin hatte.“

Stirner hat die diversen Philosophien seiner vermeintlichen Mitstreiter und damit die gesamte Philosophie bis heute als Apotheose der Enkulturation entlarvt, d.h. der dreischichtigen Charakterstruktur des gepanzerten Menschen (nach Reich):

Die willkürlichen und unveränderlichen mechano-mystischen „Prinzipien“ der Kultur werden verinnerlicht, obwohl sich das Leben ständig ändert. Es ist, als sollte ein mittelalterlicher Ritter in seinem „Panzer“ bei einem rhythmischen Tanzgymnastikturnier mithalten.

Mir wurde schon des öfteren vorgeworfen, ich wäre Opportunist. Kaum, daß ich mich als libertär geoutet habe, fordere ich ein brutales staatliches Durchgreifen. Eben noch predigte ich einen wirklich konsequenten Atheismus und rede jetzt von Gott. Marx habe ich stets in Grund und Boden verdammt, nur um ihn angesichts des Großkapitals unvermittelt in höchsten Tönen zu preisen. Bin ich Demokrat, Monarchist, Republikaner? Keine Ahnung, hängt auch vom Tag und der Tageszeit ab… Die Liste würde ein Buch füllen!

Eure „Prinzipien“ könnt ihr euch sonstwo hinschmieren! Ich lasse mich durch nichts und niemanden festlegen, auch nicht durch mich selbst und das, was ich noch vor einer Sekunde unumstößlich vertreten habe. Nicht mal der soeben niedergeschriebene Satz gilt unbedingt! Hauptsache die Sache funktioniert. Alles andere ist Ideologie, d.h. schlichtweg GEISTESKRANKHEIT. Lenin war so groß, weil er als überzeugter Marxist praktisch sämtliche Lehren des Marxismus über Bord geworfen hat, als ihm dies opportun erschien. Ähnliches kann man über Reich in Bezug auf den Freudismus sagen.

Aber wird durch derlei „Funktionalismus“ nicht jedes menschliche Gesellschaftsleben hintertrieben, das auf Vertrauen und Verläßlichkeit beruht? Nun, ich vertraue nicht darauf, daß du irgendwelchen „Prinzipien“ treu bleibst, sondern daß du die in dich gesetzten Erwartungen erfüllst und verdammt noch mal deine ARBEIT erledigst. Man verschone mich mit den Arschlöchern, die ihre Aufgaben nicht erfüllen, weil sie „überzeugte Anarchisten“, oder was auch immer für „Überzeugungen“, „prinzipiell“ folgen! GEISTESKRANKE!

Das kann man auch anders formulieren: es ist unwichtig, was Leute sagen und „bekennen“, entscheidend ist, WAS SIE TUN!

Hier ein kleines Beispiel für den Irrsinn, in dem wir leben müssen, weil die Menschen ihren „Prinzipien“ treu bleiben: „Berliner Elektrofeuerwehren sind [durch die Batterien] so schwer, dass die Gefahr besteht, dass sie voll beladen samt Straße in die Kanalisation durchbrechen. Mit an Bord der Elektrolöschflotte: Ein Dieselaggregat, das unterwegs die Akkus nachlädt, damit die Feuerwehr nicht auf halber Strecke stehenbleibt.“

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 73)

24. Juli 2023

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Warum konnte ein Mann wie Reich, der Stirner kannte, seine Orgasmustheorie, Charakteranalyse etc. in der Tasche hatte, auf die Linken und, wie er sie später in Amerika rückschauend nannte, die „Liberalen“ hereinfallen? Weil er und sie etwas gemeinsam hatten: im krassen Gegensatz etwa zu Freud glaubten Reich und die Linken, daß der Mensch gut ist, daß man ihn nur a la Sexpol „aufklären“ müsse, damit sein guter Kern zum Tragen komme. Später mußte Reich erkennen, daß erstens Freud (oberflächlich) recht hatte und zweitens, die Linken und „Liberalen“ noch weiter vom „Kern“ entfernt waren, als etwa Freud: ihre „optimistische Anthropologie“, ihr Glaube an das Gute im Menschen war darauf begründet, daß sie nur die soziale Fassade sahen und selbst nur in dieser Fassade lebten. Ich denke jetzt an Habermas, Fromm, Marcuse und all diese anderen Flachen.

Das ist Reichs singuläre Position: daß er nichts, aber auch rein gar nichts, mit seinen alten Genossen zu tun hat (auch wenn die Rackelmanns, Senfs, Nitzschkes, Fallends, Bennetts, etc. ihn wieder in die „Emanzipationsbewegung“ heimholen wollen), sehr viel jedoch mit einer konservativen Position a la Freud – seinem Todfeind…. Siehe oben.

Das ganze ist geradezu peinlich simpel, offensichtlich und selbstverständlich, aber ich kenne niemanden, der sowas ausspricht.

Ich hasse „Freud“, ich hasse unsere „Kultur“… Die Frage ist nur, wie man die Falle verläßt. Die Linke, das Liberale, das „Progressive“, wird uns ob seiner Oberflächlichkeit in alle Ewigkeit nur noch weiter in die Scheiße reinreiten. Der einzige Weg ist: siehe oben. – Und überhaupt: Bernd Laskas LSR-Projekt mit seiner Devise „zunächst die Widerstände“ reiht sich harmonisch in diesen „konservativen“, realistischen Weg ein.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 64)

14. Mai 2023

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Während Otto Fenichel Gedankengymnastik betrieb, ist Reich auf die Straße gegangen, hat demonstriert, hat sich „die Hände schmutzig gemacht“. Während andere die Psychoanalyse durch immer neue Theorien „ausbauten“, beschäftigte sich Reich mit klinischen Problemen. Während andere „Parteiarbeit“ betrieben, fragte er sich „was in den Massen vorgeht“, hat sich mit Arbeitern angefreundet.

Eine Zeitzeugin berichtet, wie die Frankfurter Instituts-Mitglieder Horkheimer, Marcuse, Adorno, Friedrich Pollock, etc. die Institutsmitarbeiter behandelt haben: so wie ihre Eltern mit deren Bediensteten umgegangen waren. „Man spricht nicht mit dem Personal.“ – Marxisten und „Antiautoritäre“ (Studien über den „autoritären Charakter“), die sich weiterhin wie großbürgerliche Arschlöcher aufführten. Reich war da ganz anders, zuerst in seinem Institut in Norwegen – wo er gleich vom „Personal“ ausgenutzt wurde, weil das nicht gewohnt war, als Menschen behandelt zu werden. Und in Amerika, wo er lieber mit dem Waldschrat Templeton, den Bauarbeitern auf Orgonon und den Krämerladenbesitzern in Rangeley sprach als mit „Seinesgleiches“.

Reich war einfach ganz anders als jene, die über Theorien erbittert diskutiert und gestritten haben (und dafür das erforderliche „Bildungsgut“ hatten), über Marxismus, Nationalsozialismus, Psychoanalyse, „Kultur“. Was hatte Reich mit diesem bildungsbürgerlichen Abschaum zu schaffen? Ein Abschaum, der über Reich richtete und noch heute richtet, weil dessen Analysen nicht komplex genug gewesen seien und seine Lösungsansätze zu einfach. „Holzschnitt“!

Adorno hat allen Ernstes noch Ende 1933 die Aufnahme in die Reichsschrifttumskammer beantragt. Noch geraume Zeit nach der Machtübernahme versuchte er sich als Musikkritiker, etwa in einer Nazi-Musikzeitschrift vom März 1934. Er lebte in seiner eigenen Welt aus Musik und Büchern. Horkheimer machte sich ein schönes großbürgerliches Leben (in Amerika kein Familienhaus, sondern eine Villa) mit dem Stiftungskapital, das für Marxistische Studien bestimmt war. Marcuse und die anderen dienten sich dem CIA an. Nach dem Krieg machte das Institut vollkommen sinnlose, pseudowissenschaftliche „empirische Studien“ für die Großindustrie. Noch als Greise: Adornos Studenten waren schockiert über dessen devotes, infantiles Gehabe Horkheimer gegenüber.

Ich schreibe das nicht etwa, um diese traurigen Gesellen auf eine billige Weise niederzumachen, sondern weil das ganze ein bezeichnender Licht auf zweierlei wirft, was hier etwas näher ausgeführt wird: die gesamte woke „Frankfurter“ Agenda, unter der wir heute leiden, geht zweitens auf die „Frankfurter“ Enttäuschung an der Arbeiterklasse zurück. Die Bürgersöhnchen waren von den Arbeitern enttäuscht und haben stattdessen absonderliche Freaks als „Helden der Befreiung“ kreiert – die nunmehr die Arbeiterklasse terrorisieren, Marke „Klimakleber“.

Das ganze ist engstens mit LSR verknüpft, geht es doch um die Befreiung von den verinnerlichten gesellschaftlichen Normen, um die Eigenheit, um Selbstbestimmung. Das Perfide dabei ist, daß, wenn man denn etwas tiefer blickt, tatsächlich diese „Emanzipationsbewegung“ das exakte Gegenteil von LSR ist. Rousseau, der Prophet der Französischen Revolution, hatte den LaMettrie’schen Impuls auf eine ähnliche Weise umgekehrt, wie die Frankfurter Schule den Reich’schen: in woken Tugendterror. Stirner wurde zum Propheten der perversen Freaks umgelogen und zum unfreiwilligen Ahnherrn der „höheren Menschen“ im Nachklang von Nietzsche, Rudolf Steiner, Heidegger, Satre et al. Und Reich fiel in die Arme der „Reichianer“. Man denke nur an das Wilhelm Reich Museum und sein Umfeld, das neuerdings alles tut, um Reich ins „Frankfurter“ Umfeld zu verpflanzen.

Das folgende Video zeigt alles, was ich hier sagen will. Wichtig ist nicht das „schwarze Tier“, sondern ihre „Frankfurter“ Managerin!