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Marx und die Geister der Ermordeten

12. April 2015

Wie Hermann von Berg, einst hochrangiger Ökonom in der „DDR“ und Spezialist für die Geschichte der Arbeiterbewegung, 1986 in seinem Buch Marxismus – Leninismus (Köln) ausführte, kann Marx nur Spezialisten beeindrucken: Historiker, die keine Ahnung von Ökonomie haben, Ökonomen, die nichts über den Stand der damaligen ökonomischen Wissenschaft und die Geschichte der Arbeiterbewegung wissen, Philosophen, Germanisten, Politologen…

Man lese nur bei Marx:

Der Verfasser der „Observations“ und S. Bailey beschuldigen Ricardo, er habe den Tauschwert aus einem nur Relativen in etwas Absolutes verwandelt. Umgekehrt. Er hat die Scheinrelativität (…) auf das hinter dem Schein verborgene Verhältnis reduziert, auf ihre Relativität als bloße Ausdrücke menschlicher Arbeit. (Kapital 1, Frankfurt a.M. 1978, S. 62)

Aus solchen Nonsens-Possen besteht der ganze Marx. Nichts als heiße und übelriechende Luft.

Marx war nach von Berg nichts als ein

schäbiger, unseriöser, rückständiger Plagiator, der weder geschichtsphilosophisch noch volkswirtschaftlich neue Erkenntniswerte geschaffen hat.

Bereits 1934 erschien Karl Marx. A Study in Fanatism von E.H. Carr, dessen Inhalt Walter Laqueur (Mythos der Revolution, Frankfurt a.M. 1967) wie folgt zusammengefaßt hat:

„Marx war das Genie der Zerstörung, nicht des Aufbaus.“ Marxismus sei ein Glaubensakt (…) Dialektischer Materialismus Unsinn, die „Einheit des Denkens und Handelns“ Gefasel, die Arbeitswerttheorie unoriginell und dogmatisch. Die treibende Kraft bei Marx (…) sei Klassenhaß; wie utopisch von Marx zu glauben, daß der Klassenhaß die Menschheit zu der Vollkommenheit des kommunistischen Weltreichs führen könnte!

Carr sei auch dem Reichisten-Marxisten ins Stammbuch geschrieben:

Der Pseudomarxist ist eine traurige Gestalt. „Er weiß, daß der Marxismus leerer Schein ist; aber er nährt trotzdem die Hoffnung, in ihm einen Schimmer zu finden, dem er folgen könnte.“

Was die faschistische Diktaturen in Europa [in den 1930er Jahren] betrifft, so „ist [Carr zufolge] zwischen der sogenannten ‚Diktatur des Proletariats‘ und den Diktaturen, die lieber andere Fahnen hissen, der einzige Unterschied der, daß die erstere ihre marxistische Abstammung verkündet, während die anderen sie verleugnen.“

Marxistischen Humanismus hat z.B. auch Engels schon 1849 zum Ausdruck gebracht, als er schrieb:

Es gibt kein Land in Europa, das nicht in irgendeinem Winkel eine oder mehrere Völkerruinen besitzt (…) zurückgedrängt und unterjocht von der Nation, welche später Trägerin der geschichtlichen Entwicklung wurde. Diese Reste einer von dem Gang der Geschichte, wie Hegel sagt, unbarmherzig zertretenen Nation, diese Völkerabfälle, werden jedesmal und bleiben bis zu ihrer gänzlichen Vertilgung und Entnationalisierung die fanatischen Träger der Konterrevolution, wie ihre ganze Existenz überhaupt schon ein Protest gegen eine große geschichtliche Revolution ist.

Hermann von Berg zeigt in seinem Buch, „daß Stalin im Gegensatz zu Lenin lupenreiner Marxist war“.

Bereits 1968 konnte jeder in Bertram Wolfes Marx und die Marxisten (Frankfurt a.M.) nachlesen, daß Marx schon 1848 in seinen „Forderungen der Kommunistischen Partei in Deutschland“ seine Katyn-Fratze zeigte: „Stalin hätte diese Vorschläge zu seinem Evangelium erklären können.“

Es sollte klar sein, daß der Rote Faschismus vollkommen in Marx und Engels ruht und wenig mit „russischer Barbarei“ zu tun hat. So schreibt George F. Kennan über die ersten Sowjetführer:

Man muß sich vor Augen halten, daß das alles Männer waren, die aus ideologischer Überzeugung heraus den Standpunkt ablehnten, es gebe irgendwelche absoluten moralischen Wertmaßstäbe, nach denen man sich zu richten habe. Ob moralisches Verhalten, einschließlich ihres eigenen, recht oder unrecht war, wurde letzten Endes dadurch entschieden, ob es nach ihrer eigenen Definition der Sache der gesellschaftlichen Veränderung diente. Für das Verhältnis zu Personen außerhalb der Partei war das tatsächlich das einzige Kriterium. Hier waren Unredlichkeit, Betrug, Verfolgung, Mord und Folter angebracht, wenn sie im Augenblick für die Sache nützlich und wichtig zu sein schien. (z.n. John Barron: KGB, München 1982)

Trotzki sagte (…) kurz vor seiner Ermordung: „Eine Gesellschaft ohne soziale Widersprüche wird natürlich eine Gesellschaft ohne Lüge und Gewalt sein. Doch kann man zu dieser Gesellschaft nicht anders eine Brücke schlagen, als unter Anwendung von revolutionären, d.h. gewaltsamen Mitteln (…) So sind ‚Lüge und Schlimmeres‘ vom Klassenkampf (…) nicht zu trennen. Dem bleibt hinzuzufügen, daß selbst die Begriffe von Wahrheit und Lüge aus sozialen Widersprüchen geboren wurden.“ Könnten Nihilismus und moralischer Relativismus noch weitergehen?

Frägt Bertram Wolfe.

Angesichts der „Krise des Kapitalismus“ wird Marx wieder Gehör geschenkt und es wird versucht ihm Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Ich hingegen denke an die 100 000 000 Toten, die der Marxismus zu verantworten hat. Jene Vollpfosten, die behaupten, dies hätte nichts mit dem „wahren“ Marxismus zu tun, sind zu einem Gutteil personenidentisch mit jenen, die heutzutage felsenfest davon überzeugt sind, den Islam besser zu verstehen als Osama bin Laden! Es sind „Intellektuelle“ wie Marx selbst einer war!

Wie die „Stalinisten“ hätte auch Marx zu Mord und Terror gegriffen, um seine Ideologie zu verbreiten, der allein bei der sowjetischen „Landreform“ 1932-33 (übrigens nach Plänen Trotzkis ausgeführt!) 6 000 000 Menschen zum Opfer gefallen sind, die man bewußt hat verhungern lasen! Das ist lupenreiner Marx.

Bertram Wolfe zufolge behauptete Marx,

daß es nur im Zusammenhang mit dem Eigentum Erniedrigung und Entmenschlichung gebe; beides werde mit dem Wechsel der Eigentumsformen beseitigt werden (…) Diese Simplifisierung der vielfältigen und komplexen Probleme der menschlichen Verhältnisse machte Marx zu einem „schrecklichen Vereinfacher“, deswegen werden viele seiner Nachfolger innerlich zu Barbaren und Nihilisten, was alle außerhalb des Bereichs der Geschichte liegenden Werte anbelangt, Werte, auf Grund deren Geschichte – und Institutionen – beurteilt werden müssen, will man Geschichte, soweit sie beeinflußbar ist, menschlicher machen.

Hermann von Berg zeigt jedem orgonomisch orientierten Leser glasklar auf, daß Marx Modju par excellence war.

Überhaupt, wenn alles eine Fehlentwicklung des Marxismus war, wie konnte da Marx‘ Zeitgenosse Proudhon alles voraussehen?

Der Kommunismus läßt sich [Proudhons] Meinung nach (…) nie mit der Würde des Einzelnen und mit den Werten des Familienlebens vereinbaren; er strebe die Universalisierung des Elends an und die Unterdrückung des menschlichen Lebens in einem kasernenhaften Mittelmaß. Seine Befürworter hält [Proudhon] für Fanatiker der Macht, die zur Einführung der Allgewalt des Staates streben, der auf dem öffentlichen Eigentum basiert. In Wirklichkeit hebt der Kommunismus das Eigentum und dessen destruktive Folgen nicht nur nicht auf, sondern führt das Eigentum ad absurdum; im kommunistischen System besitzen die Individuen kein Eigentum, das gesamte Eigentumsrecht – oder vielmehr Unrecht – wird auf den Staat übertragen, der nicht nur zum Besitzer der materiellen Güter, sondern auch zum Besitzer seiner Bürger wird. Die einzelnen Menschen, ihre Bestrebungen, Talente, ihr Leben, das alles wird auf einen Schlag verstaatlicht. Das Prinzip des Monopols, welche Quelle allen sozialen Unheils ist, erfährt im Kommunismus seine höchste Steigerung; der Kommunismus ist nicht anderes als die Ankündigung des extremen Polizeidespotismus. (Leszek Kolakowski: Die Hauptströmungen des Marxismus, Bd. 1, München 1977)

In der Revolution gelten Parolen wie „Befreiung des Lebendigen von erstarrten Strukturen“, also Befreiung des schöpferischen Potentials der „Massen“, nach der Revolution zeigt sich dann aber sehr schnell, daß diese Parole eine Lüge war, um liberale Dumpfbacken für dumm zu verkaufen. Zitieren wir den vergöttlichten Che, der zum Thema Der Sozialismus und der Mensch in Kuba schrieb:

(…) die Masse verwirklicht mit Begeisterung und Disziplin ohnegleichen die Aufgaben, die die Regierung setzt, seien sie nun wirtschaftlicher, kultureller, verteidigungstechnischer, sportlicher oder anderer Natur. Die Initiative geht im allgemeinen von Fidel oder vom Oberkommando der Revolution aus und wird dem Volk erklärt, das sie dann als seine eigene aufgreift. (z.n. H.C.F. Mansilla: Systembedürfnis und Anpassung. Zur Kritik sozialistischer Verhaltenssteuerung, Frankfurt a.M. 1973)

Entsprechendes schreibt von Berg über Marx:

Dieser Mann hatte keine Verbindung auch nur zu einer Klasse des deutschen Volkes. Er hatte keine Ahnung, was Arbeiter, Bauern und Demokraten dachten, fühlten, wollten, obwohl alle ihre ausformulierten, konkreten Programme hatten. Marx war ein spintisierender Intellektueller, ohne Heimat, ohne Vaterland; zerfressen von Haß gegen Juden und Deutsche, geeignet nur zur Zerstörung, destruktiv, ein klassenfremdes, „halbgebildetes“ Element, wie die demokratischen Arbeiterkommunisten [des „Bundes der Kommunisten“] es formulieren, als sie ihn nach der Revolution [von 1848] aus der KP ausstießen.

In seinem Buch Die Achillesferse des Marxismus: der Widerspruch von Kapital und Arbeit (Hamburg 1974) schreibt Werner Becker, daß für Marx, als „konsequentestem Verfechter der sogenannten Arbeitswertlehre“, die Preise der auf den Markt gehandelten Güter „lediglich die sichtbare, äußere Erscheinungsform eines tieferliegenden, sozusagen ‚inneren‘ [absoluten] Wertes“ darstellen. Damit habe Marx die lebendige Vielfalt über einen Leisten gebrochen – und damit das Lebendige selber zerbrochen, wie wir hinzufügen.

Die Arbeit in Wertgestalt, die „abstrakte Arbeit“, (…) ist eine metaphysische Realität, sie ist empirisch so wenig vorzeigbar wie etwa der christliche Gott. Sie ist ein pures Glaubensprodukt. (Becker)

Hier dürfen wir nicht vergessen, daß Marx hauptsächlich von der Verballhornung Hegels lebte, der Religion und Philosophie zu einer Einheit machte. Aber für Hegel war der Weg zur „Erlösung“ innerlich. Robert Tucker (Karl Marx, München 1963) hat darauf hingewiesen, daß man Marx nur verstehen kann, wenn man sieht, daß er Hegel dadurch „auf den Kopf gestellt hat“, indem er diese internen Konflikte externalisiert hat. (Der emotionell pestkanke Charakter sucht die Lösung seiner neurotischen Konflikte auf dem sozialen Schauplatz!) Damit ist Tuckers Analyse zentral für ein orgonomisches Verständnis Marxens und der Geschichte des Kommunismus.

Grob gesagt, ist der Marxist ein Mensch, der durch Beeinflussung der Gesellschaft nach Befreiung von seiner Panzerung strebt. So ist auch erklärlich, warum so viele ehemalige Marxisten nach all den Enttäuschungen schließlich östliche „Erlösungswege“ beschreiten.

„Kapitalistische Reichianer“ (Teil 2)

3. März 2015

Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre setzte sich Reich im Rahmen einer „Marxistischen“ „politischen Sexualökonomie“ fast ausschließlich mit der Pathologie des rechten Spektrums auseinander. Dabei wollte er insbesondere erklären, warum die „Massen“ nicht die Ideologie der „herrschenden Klasse“, die zur Ideologie der gesamten Gesellschaft geworden war, spontan von sich abtaten, „der wirtschaftlichen Entwicklung gemäß ein revolutionäres Klassenbewußtsein entwickelten“ und die „Ausbeuterklasse“ aus ihrer Machtstellung beseitigten.

Reich konnte das Ausbleiben dieser revolutionären Umwälzung damit erklären, daß wohl die ökonomische Unterdrückung in die Rebellion führe, die damit aber verbundene sexuelle Unterdrückung das genau gegenteilige Ergebnis zeitigte. Die sexuelle Unterdrückung würde autoritätshörige Menschen erzeugen, die aktiv die Interessen ihrer Unterdrücker verfechten. Die Agentur dieser charakterlichen Verformung durch sexuelle Unterdrückung ist die Familie, deren Erhalt deshalb der Kern jedweder konservativen Gesellschaftsdoktrin sei. Darüber hinaus sei erst der sexuell verkrüppelte Mensch überhaupt in der Lage, die entfremdete Fabrikarbeit zu leisten. Daß diese strukturelle Umformung auch weitere neurotische Symptome bedingt, die durchaus ungewollt sind, da sie die Arbeitsfähigkeit letztlich doch untergraben, ist ein nicht zu vermeidendes Nebenprodukt.

Eben wegen dieses letzten Punktes ist Reichs Kritik am Kapitalismus hinfällig geworden und hat sich in eine des Sozialismus verwandelt. Der entwickelte Kapitalismus benötigt kreative, innovative Mitarbeiter, keine menschlichen Automaten, die stur einen festgesetzten Plan erfüllen. Demgemäß war ja auch die sexuelle Unterdrückung in sozialistischen Wirtschaftssystemen weit größer als in kapitalistischen.

In seiner Schrift Die natürliche Organisation der Arbeit zeichnete sich 1939 Reichs Bruch mit der sozialistischen Bewegung ab, um sich in Weitere Probleme der Arbeitsdemokratie 1941 ganz zu vollenden. Am 7. November 1940 schrieb Reich an Neill, er fühle sich, was seine bisherigen sozialistischen Ansichten beträfe, „völlig verunsichert“ und er tendiere dazu,

das meiste zu revidieren, was ich je in Europa darüber gelernt habe, was Sozialismus sein könnte oder sollte. Ich kann nur hoffen, daß die Grundlagen meiner fachlichen Arbeit mich davor schützen, reaktionär zu werden. Wenn man Sozialisten und Kommunisten, die hier herübergekommen sind, sagen hört, daß Roosevelt ein Diktator oder Faschist sei, dann dreht sich einem einfach der Magen um. Ich fange an, sie zu hassen. Sie erscheinen mir ausgesprochen schädlich mit ihrer völligen Unfähigkeit, einen Gedanken zu Ende zu denken oder irgendeine Arbeit zu tun. Aber es kann sein, daß dies Gefühl zum Teil nichts als Enttäuschung ist.“ (Hervorhebungen hinzugefügt)

Doch schon 1942 sollte Reich im Vorwort zur Massenpsychologie des Faschismus die Grundlage für die objektive Bewertung linker Politik schaffen, indem er den falschen Liberalismus auf die oberflächliche, verlogene Charakterschicht zurückführte.

Heute, 70 Jahre später, geht es schlicht darum, was den Zielen der Orgonomie (= die individuelle und gesellschaftliche Selbststeuerung) näher steht: die libertär-kapitalistische eigentümlich frei oder all die krypto-kommunistischen Medien, die in einem Land gegen „die Auswüchse des Neo-Liberalismus“ wettern, dessen Staatsquote und Sozialleistungen (in denen Deutschland ungeschlagen Weltspitze ist) es zu einem de facto sozialistischen Land machen.

Was soll ich tun? Für noch mehr „Arbeitnehmerrechte“ eintreten? Damit noch weniger Leute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben! Für mehr Mieterrechte? Damit der Wohnungsmarkt weiter schrumpft! Für mehr Konsumentenrechte? Damit unser aller Leben noch komplizierter und bürokratisierter wird! Mehr Mitbestimmungsrechte im Betrieb? Damit die politische Pest weiter um sich greift! Höhere Besteuerung der Reichen? Um die Kapitalflucht und das Auswandern der Leistungsträger zu fördern! Soll ich gegen die Ausgrenzung älterer Arbeitnehmer wettern? Damit würde ich für noch mehr Antidiskriminierungsgesetze eintreten! Soll ich in den allgegenwärtigen „Antiautoritarismus“ einstimmen und „gegen die da oben“ wettern? Also das tun, was ohnehin alle tun! Soll ich (gegen meine Überzeugungen) gegen die „Zinsknechtschaft“ anschreiben oder Marx Mehrwerttheorie vertreten?

Nein, ich ziehe es vor mit „Libertär-Kapitalisten“ wie Hayek, Mises und Rothbard gegen das planwirtschaftliche System der Zentralbanken und die politische Korruption der Großindustrie „anzugehen“.

Dabei bin ich mir mit Adam Smith durchaus bewußt, daß es der Natur des Kapitalismus entspricht wirklich aus allem „Kapital zu schlagen“ und seien es Heroin oder Kinderpornos. Deshalb war Smith durchaus für einen starken und schlagkräftigen Staat, der gegen das vorgeht, was Reich später als „Emotionelle Pest“ bezeichnet hat. Je mehr der Staat in dieser Hinsicht überflüssig wird, desto mehr nähern wir uns einer Arbeitsdemokratie an.

Die anhaltende Weltwirtschaftskrise spiegelt unser tragisches Leben in der Falle wider:

Einerseits ringen die Massen darum, daß alles noch bürokratisierter und gesellschaftlich immobiler (gepanzerter) wird und schaden sich durch das Abwürgen der Arbeitsenergie nur selbst, da die Produktion des Reichtums immer weiter erschwert wird. (Wenn man die Staatsquote von formal fast 50% und real 70% betrachtet, sind wir bereits ein sozialistisches Land! 80% der Parlamentarier sind eh Beamte. Der Asozialstaat verschlingt schon mehr als die Hälfte des Etats. Vor 20 Jahren gab der Bund 90 Milliarden Euro für Asolziales aus, heute sind es 150 Milliarden!) Andererseits haben die Massen durchaus recht, wenn sie gegen „die da oben“ anrennen, denn der gesellschaftliche Reichtum wird von der Nomenklatura immer mehr monopolisiert und sinnlos verpulvert. Man denke nur an den ungeheuerlichen Betrug, dem Kleinaktionäre in den letzten Jahren zum Opfer gefallen sind. Vom Betrug mit dem Euro und an den Kleinsparern wollen wir gar nicht erst reden.

Doch auch hier schädigen sich die Massen mit ihrem Engagement nur selbst, denn sie fordern die Verschärfung genau dessen, was Ursache der Misere ist: die „Kontrolle der Finanzmärkte“, letztendlich Planwirtschaft. Dabei ist die Ausbeutung nur möglich, weil Geld heute gar keine echte Ware ist, sondern planwirtschaftlich, d.h. mafiös verwaltet wird. Dieser Bereich ähnelt der strukturellen Mißwirtschaft in der ehemaligen UdSSR und erodiert entsprechend unsere Wirtschaft langsam aber sicher (vgl. Ökonomie und Sexualökonomie).

Symptomatisch für die umrissene Falle ist der vor drei Jahren verstorbene Ökonom Milton Friedman.

Konservative, insbesondere in den angelsächsischen Ländern, können sich in ihren Lobreden für diesen „Champion der Freiheit und Demokratie“ kaum überbieten. Der Student der Orgonomie kann bei Friedman über ein Phänomen sinnieren, das Reich in Äther, Gott und Teufel diskutiert hat:

Mit neurotischer Zwanghaftigkeit geht der Mensch immer wieder in die Irre, weil er eine panische Angst davor hat, folgerichtig zu denken. Stattdessen bleibt er immer an irgendeinem „Absoluten“ hängen, an dem sich dann von neuem das alte Elend kristallisiert und mit frischer Kraft perpetuiert. Es ist wie mit der Panzerung: die Energie fließt, bis sie an einem bestimmten Punkt ins stocken gerät.

Beim Friedmanschen „Monetarismus“ war es die sozialistische (sic!) Bewirtschaftung des Geldes. Die Wirtschaft soll vollkommen frei sein, aber ausgerechnet das Geld, das Lebensblut der Wirtschaft, habe einer strengen planwirtschaftlichen Regulierung unterworfen zu sein! Jene Völker, die in die richtige, und d.h. die kapitalistische, Richtung gehen, werden auf diese Weise immer weiter ins sozialistische Elend getrieben und die Linken können ihren Finger auf das Amok laufende „Finanzkapital“ richten, das Scheitern des Kapitalismus konstatieren und, wie gegenwärtig in Südamerika, ausgerechnet den Sozialismus als Alternative preisen.

An diesem Beispiel wird auch deutlich, daß es ziemlich gleichgültig ist, wie man sich selbst ideologisch einordnet oder von anderen eingeordnet wird. Man kann „Friedmanianer“ und trotzdem ein pseudoliberaler modern liberal character (ein Kommunist) sein, der alles tut, um die kapitalistische Gesellschaft in den Untergang zu treiben.

Diskussionsforum 2010: eine Nachlese (Teil 1)

27. Februar 2015

Zunächst einmal hat Robert auf folgende Quellen hingewiesen. Ein neuer Hinweis auf sie lohnt sich allemal!

Auf einen Hinweis durch Andreas Peglau hin zitierte Robert aus dem Handbuch der Judenfrage, Theodor Fritsch, Hammer-Verlag, Leipzig, 1944, S. 248:

Aber die Psychoanalytiker sind noch nicht die schlimmsten. Weit übler ist, was sich um Magnus Hirschfeld, den Leiter des Instituts für Sexualwissenschaft, um Herrn Marcuse und Konsorten scharte.

Hier wurde, davon kann man überzeugt sein, ganz bewußt darauf hingearbeitet, die deutsche Seele zu zerstören.

Hier fanden sich die wissenschaftlichen Verteidiger der Homosexualität, ja der widernatürlichen geschlechtlichen Betätigung mit Tieren. Hier wurde die Aufhebung des §175 gefordert, weil die Homosexualität nicht als Entartung, sondern als natürliche Abart des Geschlechtstriebes aufzufassen dem Menschen angeboren sei (J. Meißner). Gewiß ist auch uns bekannt, daß in vielen Fällen die gleichgeschlechtliche Einstellung angeboren ist; wir wissen aber auch, daß in sehr vielen anderen Fällen erst die Verführung den jungen Menschen zum Homosexuellen macht. Wir wissen, daß die alten Kulturvölker ihrem Untergang entgegengingen, als die Knabenliebe in ihnen einen breiteren Raum einnahm, und wir müssen uns dafür einsetzen, daß die Seuche zurückgedämmt wird und sich nicht auch bei uns noch weiter ausbreitet. – Wenn ferner Magnus Hirschfeld in einer vom sozialistischen Schülerbund in das Kölnische Gymnasium einberufenen Versammlung 1928 vor Schülern und Schülerinnen vom 12. Jahre an sagte: „Ein natürlicher Geschlechtsverkehr der Jugend sei, wenn kein Zwang auf den anderen ausgeübt werde, keine Sünde und nichts Unehrenhaftes“, wenn die Herren Dr. Töplitz und Reich sich in ähnlichem Sinne äußerten, nun, so kann man sich nur wundern, wenn die Eltern der Kinder sich solche „Aufklärungen“ gefallen ließen, kann man sich nur wundern, daß sich nicht einmal ein Vater fand, der dem Herrn Magnus Hirschfeld mit der Reitpeitsche zeigte, wo der Weg für ihn war.

Außerdem zitiert Robert aus Gregor Schöllgen: Willy Brandt. Die Biographie, Berlin – München 2001, Propyläen Verlag, S. 16f:

Schließlich hat er Perspektiven: politische – die Fortsetzung der SAP-Arbeit in Oslo – und persönliche. Im Sommer 1933 folgt ihm, wie vereinbart, seine neunzehnjährige Freundin Gertrud Meyer, genannt „Trudel“, nach Oslo, nachdem sie in Lübeck vorübergehend in Haft gewesen ist.

Die beiden ziehen zusammen, wohnen zunächst möbliert, können sich aber bald eine eigene Unterkunft leisten. Es ist die erste eigene Wohnung des inzwischen einundzwanzigjährigen Willy Brandt, und Gertrud Meyer ist die erste von vier Frauen, mit denen er zusammenleben wird.

Verheiratet sind die beiden nicht; allerdings gelten sie in Oslo als Ehepaar. Tatsächlich geht Gertrud im Februar 1936 eine Scheinehe mit dem norwegischen Studenten Gunnar Gaasland ein, um in den Besitz der norwegischen Staatsbürgerschaft zu kommen und so vergleichsweise unbehelligt Kurierdienste nach Deutschland durchführen zu können.

Willy Brandt und Gertrud Meyer-Gaasland leben bis ins Frühjahr 1939 zusammen. Dann geht Gertrud nach New York. Nach eigenem Bekunden tut sie diesen Schritt, um den Psychoanalytiker Wilhelm Reich zu begleiten, dessen Sekretärin und Mitarbeiterin sie in Oslo ist. Vermutlich ist sie durch die Erkenntnis, Brandt nicht dauerhaft an sich binden zu können, in ihrem Entschluß bestärkt worden. Zum ersten Mal im Leben des Willy Brandt geht damit die langjährige Beziehung zu einer Frau in die Brüche.

Wilhelm Reich – „rötliches Gesicht, graue Haare, stechender Blick, bezwingende Sprache“, so Brandt später – ist 1934 über Dänemark nach Norwegen gekommen. Gertruds Arbeit bringt es mit sich, daß Reich und Brandt zeitweilig einen recht intensiven Umgang pflegen. Reich hat 1933 das unter Insidern vielbeachtete Buch Die Massenpsychologie des Faschismus vorgelegt. Im Zentrum seiner wissenschaftlichen Arbeit, in gewisser Weise auch im Mittelpunkt dieses Buches steht die Rolle der Sexualität im gesellschaftlichen Leben. In der Theorie hat sich Willy Brandt bislang allenfalls am Rande mit diesem Thema beschäftigt: Neben August Bebels Die Frau und der Sozialismus hat das Erfolgsbuch des Schweizer Arztes Auguste Forel über Die sexuelle Frage zur bescheidenen Lübecker Bibliothek der Frahms gehört. Die Gespräche mit Reich eröffnen dem jungen Sozialisten „einen gewissen Zugang“ zur „Seelenforschung“, und Brandt beginnt zu begreifen, daß Freud und seine Schüler „Türen zu Bereichen“ aufstoßen, die „man früher als Dunkelkammer der Seele“ gefürchtet habe.

Überhaupt ist das skandinavische Klima für die offene Behandlung solcher Themen günstiger als das deutsche. So gibt eine Gruppe Mediziner aus der Organisation „Mot Dag“ („Dem Tag entgegen“) eine Zeitschrift für sexuelle Aufklärung heraus. In den Diskussionen dieser Gruppe, aber auch in den Gesprächen mit Reich, stellt Willy Brandt erstmals fest, „wie in einer politischen Gemeinschaft sadistische Neigungen sublimiert ausgelebt und masochistische Bedürfnisse anderer befriedigt werden können. Diese psychischen Mechanismen verdienten, offener dargelegt zu werden.

Sexuelle Verklemmtheit scheint für begabte Hasser und Intriganten zu sorgen: Politik als Ersatzliebe tarnt sich nicht selten als selbstlose Unbedingtheit.“ Und Brandt lernt damals verstehen, wie er sich 1982 erinnert, „daß der Nazismus und verwandte Herrschaftsformen in der Tat auch von sexuellen Repressionen bestimmt“ sind.

Robert verwies auch auf Manilowski: „Wer Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral gelesen hat, weiß, daß Reich sich zu großen Teilen auf den polnisch-englischen Ethnologen Bronislaw Malinowski bezieht. Es gibt neuerdings eine BBC-Serie genannt Tales from the Jungle, in der auch Malinowski behandelt wird.“

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=f22VsAlOwbc%5D

Und dazu auf Guido Sprenger: Erotik und Kultur in Melanesien – Eine kritische Analyse von Malinowskis „The Sexual Life of Savages“, Lit Verlag, Hamburg 1997. Robert:

Als Magisterarbeit gedacht, will Sprenger mit Hilfe von Foucaults Dekonstruktivismus Malinowski kritisch hinterfragen.

Es zeigt sich im Laufe seiner Ausführungen, daß sein Ziel gründlich mißlungen ist, weil die Theorien Foucaults keine brauchbaren Ansätze bilden, um in der Ethnologie Kulturen zu erklären.

Sprenger stellt zuerst fest, daß die Sexualität und Erotik in der Ethnologie ein Schattendasein bilden und bietet an, eine eigene Definition zu generieren.

Wilhelm Reichs Buch Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral hat er offenbar nicht gelesen, lediglich ein abwertendes Zitat ist er ihm Wert:

Was die Rezeption von Malinowski außerhalb der Ethnologie angeht, so zeigt sich an ihr wiederum die Brisanz des Themas. Nicht nur erhielten die Trobriander bis in die heutige Zeit das Image der Inseln der Freien Liebe – Malinowskis Aussagen über die Liebesbeziehungen wurden auf bezeichnenderweise Weise falsch gelesen. Ein erhellendes Beispiel ist die Rezeption durch Wilhelm Reich in seinem Buch Invasion of compulsory sex-morality. Der Psychoanalytiker vermochte nicht zu differenzieren zwischen einem Fehlen des Verbots vorehelichen Geschlechtsverkehrs – und nichts anderes hat Malinowski beschrieben – und einer völligen Regellosigkeit in Sachen Sex. Seine Vorstellungen von der strengen Kontrolle, die Kultur über Sexualität ausübt, ermöglichten ihm nur eine Alternative: das Aussetzen eines für den Westen seiner Zeit zentralen Verbotes wurde gleichbedeutend mit dem Aussetzen jedes Gesetzes (Senft 1995a: 485-487). Diese Mißverständnisse sind charakteristisch für zahlreiche spätere Rezipienten, die in die Trobriander ein Gegenmodell ihrer eigenen, als sexuell restriktiv empfundenen Kultur hineinprojizierten. (S. 31) [Senft 1995a = Gunter Senft, „Noble Savages“ and the „Islands of Love“: Trobriand Islanders in popular publications“. In: C. Baak [e.a.] (eds.): Tales from a concave world, Liber Americon Bert Voorhoeve, Leiden, S. 480-510]

Es ist relativ leicht zu verstehen, warum Sprenger Reich dermaßen behandeln muß. Während Reich eine Erforschung und Definition gesunder Sexualität geleistet hat, muß Sprenger hilflos herumrätseln und zu den abwegigsten Beispielen greifen.

Sein Paradebeispiel ethnologischer Sexualität sind ein geheimes Volk, welches von den Ethnologen verborgen wird, weil sie solche absurden päderastischen Sexualriten wie institutionalisiertes Spermaschlucken aufweisen. Darüber hält sich Sprenger lang und weitschweifig aus. Folgerichtig kritisiert er an den Trobriandern, daß sie nicht schwul werden dürfen und hier zeigt sich die ganze Misere der Sexualethnologie, die teilweise von Homosexuellen und Gender-Predigern/innen dominiert werden.

Warum also solchen typischen Foucault Schmiersinn lesen? Zum einen ist die moderne Literatur bis 1997 verarbeitet worden und er diskutiert in lesbarer Weise, wo Malinowski Fehlinterpretationen lieferte und zeigt natürlich weitere Ergänzungen zu dessen Forschungen. Er geht sehr ausführlich auf Magie und Kula (Warentausch) ein.

Insgesamt scheitert er an dem, was er leisten wollte. Die Erotik des Volkes zu erklären und am sinnfälligsten wird es am Beispiel der sogenannten Tabu-Ehen, die Reich so hervorragend als ökonomisches System der Kreuz-Vetter-Basen-Heirat enträtselte.

Das Buch ist selbst nicht mehr zu kaufen, lediglich in Universitätsbibliotheken erhältlich.

„Freudo-Marxismus“ (Teil 2)

13. Januar 2015

Wenn Marx Leute wie Stirner oder Proudhon zu seinen „kleinbürgerlichen“ Hauptfeinden erklärte, erklärte er damit „funktionell gesehen“ auch Reich zu seinem Hauptfeind. Mit Stirner habe ich mich bereits befaßt.

Stirner hatte bei der Kritik der idealistischen Philosophie, insbesondere Hegel, angesetzt: Es gehe nicht abstrakt um „den Menschen“, sondern jeweils um mich. Ich sei kein Abstraktum, sondern die unmittelbare, nicht weiter reduzierbare Realität, die sich nicht von inkorporierten Hirngespinsten (Freuds „Über-Ich“) definieren und unterdrücken lassen sollte. Würden solche sozusagen „realistischen“ Individuen in Freiwilligen Vereinen zusammenfinden, würde die Welt von der Realität und nicht mehr vom Irrsinn bestimmt (Reichs „Arbeitsdemokratie“).

Marx hatte auf diese, um mit Reich zu reden, „umwälzende Kritik sämtlicher moraltheoretischer Systeme“ keine Antwort. Ähnlich wie Freud, der die Konsequenz seiner eigenen Theorie damit abwehrte, daß er das Über-Ich kurzschlußartig in der Biologie verankerte, benutzte auch Marx einen üblen Taschenspielertrick: Er behauptet, daß Stirner ein Idealist sei, da er nicht den „wirklich tätigen Menschen“ im Blick habe, der in bestimmte Produktionsverhältnisse eingebunden sei. Das Sein bestimme das Bewußtsein! Reich mußte sich mit diesem kurzschlußartigen Soziologismus in der Massenpsychologie des Faschismus abquälen.

Die Antwort sowohl auf Freud als auch auf Marx ist Reichs Konzept des „Charakters“, mit dem er zeigt, wie konkret das Über-Ich in der Biologie verankert ist und daß diese Verankerung auf ganz bestimmten soziologischen Mechanismen beruht. (Elsworth F. Baker und Charles Konia haben das dann später weiter ausgerollt.)

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Proudhon trat gegen den ökonomistischen Marxismus auf. Proudhon vertrat eine Art von „Sozialpsychologie“, Selbstbestimmung, Antipolitik und die Arbeitsdemokratie. Proudhon:

Indem die Tätigkeitssphäre jedes Bürgers durch die natürliche Teilung der Arbeit und durch die Wahl des Berufes bestimmt ist, indem die sozialen Funktionen in einer solchen Verbindung zueinander stehen, daß sie eine harmonische Wirkung hervorbringen, entsteht die Ordnung aus der freien Tätigkeit aller; es gibt keine Regierung.

Dagegen ist „Zentralisation“ einer der wichtigsten Begriffe im Kommunistischen Manifest, wo von der Zentralisation der „vielen Lokalkämpfe zu einem nationalen, zu einem Klassenkampf“ die Rede ist, gefolgt von der Zentralisation der Instrumente der Produktion.

Bereits 1846 warnte Proudhon „den Bandwurm des Sozialismus“, d.h. Marx, sich nicht zum „Führer einer neuen Intoleranz“, zum „Apostel einer neuen Religion“ zu machen, der mit „Exkommunikationen“ und „Bannflüchen“ operiere.

Reich hat Marx vollständig fehlbeurteilt, z.B. in Rede an den Kleinen Mann erwähnt Reich Marx 5 mal, dabei 3 mal in Verbindung mit Jesus (der von Reich 7 mal erwähnt wird). Reich nennt Marx „einen wahrhaft großen Mann“ (S. 19), jemand der, im Gegensatz zum Kleinen Mann, „den Preis für echte Freiheit zahlt“ (S. 22). In Christusmord versteigt sich Reich gar zu dem Satz:

In die heutige Zeit übertragen ist Stalin im Verhältnis zu Marx das, was Paulus in bezug auf Christus war.

In Menschen im Staat weist er darauf hin, daß die Emotionelle Pest von den Parteipolitikern in den Marxismus getragen wurde, indem sie die ökonomischen Begriffe wie „Kapitalist“ oder „Mehrwert“ mit Haßgefühlen besetzten, um so „die Massen“ emotional aufzustacheln.

Dazu eine Erinnerung des Zeitzeugen Carl Schurz an Marx:

Ich erinnere mich noch wohl des schneidend höhnischen, ich möchte sagen, des ausspuckenden Tones, mit welcher er das Wort „Bourgeois“ aussprach; und als „Bourgeois“, das heißt, als ein unverkennbares Beispiel einer tiefen geistlichen und sittlichen Versumpfung, denunzierte er jeden, der seinen Meinungen zu wiedersprechen wagte.

Proudhon hatte bereits die Gegenwahrheit zum Freiheitsstreben des Menschen erkannt, – daß

jeder in der Menschheit zu verwirklichende Fortschritt (…) zum Hauptgegner in der Philosophie diejenigen [hat], deren Aufklärung er zum Zweck [hat]; in der Freiheit diejenigen, deren Emanzipation er zum Gegenstand hat; in der sozialen Ökonomie diejenigen, die er zu bereichern sich vornimmt.

Proudhon hat sogar dieselbe Lösung der Problems wie Reich gefunden: die Praxis verantwortlicher Freiheit, „d.h. die Schaffung von möglichst vielen und gegenseitigen Beziehungen (Mutualismus)“ (P.J. Proudhon: Bekenntnisse eines Revolutionärs, rororo 1969).

Ja, aber war nicht Proudhon ein schlimmer Antisemit? Diese Art von Fragen stellen Marxisten stets, wenn es darum geht, andere Propheten der sozialistischen Bewegung abzuwerten. Aber schauen wir uns doch einmal Marx selbst an:

Dazu ein Zitat aus Marxens Schrift Zur Judenfrage, die er im Herbst 1843 schrieb:

Die Judenemanzipation in ihrer letzten Bedeutung ist die Emanzipation der Menschheit vom Judentum. (…) Welches ist der weltliche Grund des Judentums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz. Welches ist der weltliche Kultus der Juden? Der Schacher. Welches ist sein weltlicher Gott? Das Geld. Nun wohl! Die Emanzipation vom Schacher und vom Geld, also vom praktischen, realen Judentum [= Kapitalismus] wäre die Selbstemanzipation unserer Zeit.

Daß Marx dies genau so meinte, wie es hier steht, wird aus einem 13 Jahre später veröffentlichten Artikel deutlich, den er für The New York Tribune schrieb, damals die größte Zeitung der Welt. Marx:

Wir wissen, daß hinter jedem Tyrannen ein Jude steht, wie hinter jedem Papst ein Jesuit. Wie das Heer der Jesuiten jeden freien Gedanken tötet, würde der Wunsch der Unterdrückten Erfolgsaussichten haben; die Nützlichkeit von Kriegen, angestiftet von Kapitalisten, würde enden, wenn sie nicht für die Juden sein würden, welche die Reichtümer der Menschheit stehlen. Kein Wunder, daß vor 1856 Jahren Jesus die Wucherer aus dem Tempel Jerusalems gejagt hat. Sie waren die zeitgenössischen Wucherer, die hinter Tyrannen und Tyranneien stehen. Die Mehrheit von ihnen ist jüdisch. Die Tatsache, daß die Juden so stark geworden sind, das Leben der Welt in Gefahr zu bringen, veranlaßt uns, ihre Organisation und ihr Ziel zu enthüllen, damit ihr Gestank die Arbeiter der Welt zu Kampf aufrütteln möge, um solch ein Übel auszulöschen.

Man lese dazu Reichs Ausführungen über Julius Streicher und die Verbindung zwischen Antisemitismus (heute Marxistischer „Antizionismus“) und Antikapitalismus in Menschen im Staat:

Der Jude wird im allgemeinen, besonders unter dem Druck so konsequenter Propaganda wie der des Banditen Streicher, als „Schächtjude“ erlebt, also als ein Mensch mit einem langen Messer, der christliche und deutsche Kinder zum Pessachfest abschlachtet. Da er kleine Kinder am Glied beschneidet, untermauert sich die Angst vor ihm durch die uralte Kastrationsangst, die in allen sitzt. Solche Dinge tut nur ein Wesen, das selbst alle Lust, speziell Sexuallust für sich rauben will. Der Jude nimmt also dem Arier die Mädchen weg, nachdem er die Männer kastriert hat. Der Jude nimmt immer etwas weg. Da er zudem das Unglück hat, durch frühere Judenverfolgungen dem Handel zu frönen, raubt er Geld. Nur ein Schritt noch, und er ist der Inbegriff des „Kapitalisten“ geworden. So kann sich unter geschicktester Ausnützung der Sexualangst vor dem Schächtjuden der gesamte Gefühlshaß der Massenmenschen gegen den Geldwucherer, mit anderen Worten, den „Kapitalisten“, auf den Juden verlagern. Der Jude zieht somit sowohl den sozialistischen Kapitalistenhaß wie die erworbene Sexualangst auf sich.

Hier hat Reich unbewußt eine orgonomische Analyse auch des Marxismus geliefert! Er ist ein Wahnsystem, in dem das Kapital aus einem nicht weiter ableitbaren Trieb heraus („Habgier“, „Judentum“) die lebendige Arbeit zerstückelt („Entfremdung“, „Arbeitsteilung“) und wie ein unersättlicher Vampir aus der Arbeitskraft heraussaugt. Um dieser Blutschande ein Ende zu setzen, müsse der Markt zerstört, also das gesellschaftliche Leben stranguliert und das „jüdische“ Geld („Energie“, „Blut“) abgeschafft werden.

Der faschistische Mythos, der sich in der Marxistischen „Kritik der politischen Ökonomie“ verbirgt, tritt besonders klar zutage, wenn „Reichianer“ hinter dem äußeren „dialektischen Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital“ einen inneren „dialektischen Widerspruch zwischen lebendiger und erstarrter Triebenergie“ wahrzunehmen vermeinen. Es ist prinzipiell der gleiche Wahn, der in „den Juden“ den geldaussaugenden Vampir „erkennt“. Marx‘ „Denken“ ist eine Pest!

Warum Reich Marx als obsolet betrachtete (Teil 3)

30. Juni 2014

Ich kann es einfach nicht lassen – hier schon wieder das Interview mit dem KGB-Offizier Yuri Bezmeno:

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Und hier ein Artikel, der Bezmenos Ausführungen denkbar kurz zusammenfaßt und auf die Gegenwart hin ausweitet: Droht den USA eine Invasion? Ziemlich abwegig, was dort prognostiziert wurde, aber eine logische Folge der Unterminierungsarbeit der sowjetischen Einflußagenten, die Bezmeno beschreibt. Er war einer von ihnen.

Was Deutschland betrifft verlohnt es sich Bettina Röhls Kolumnen zu lesen, etwa die über den Sarrazin-Skandal, der zeigt, daß wir in der Tat bereits im 4. Reich leben: freie Meinungsäußerung ist illegal, alles was nicht der rotgrünen Parteilinie folgt wird erbarmungslos niedergeknüppelt. Lauter widerliche kleine Freislers. Man lese Röhls Essay Thilo Sarrazin und die Heuchel-Gesellschaft.

Bettina Röhl ist die Tochter Ulrike Meinhofs. In ihrem Buch So macht Kommunismus Spaß beschreibt Röhl, eingebettet in ihre Familiengeschichte, wie die Sowjetunion den Westen systematisch ausgehöhlt hat.

Sie beschreibt die Geschichte der Zeitschrift konkret und deren Steuerung durch die verbotene KPD. Diese systematische Infiltration der „kritischen Öffentlichkeit“ durch die Kommunisten, die beispielsweise durch den obligatorischen antikommunistischen Artikel in jeder konkret-Nummer verschleiert wurde, hat „1968“ erst möglich gemacht.

Die Zersetzung wirkt bis heute fort, hat das soziale Gefüge zerstört und die gegenwärtige Islamisierung Europas ermöglicht. Der Erfolg macht ähnlich schwindelerregend wie die bevorstehende Eroberung der USA durch Rußland, China und Mexiko: man kann mit einiger Sicherheit davon ausgehen, daß Deutschland in wenigen Jahren von der SED regiert wird! Außerdem wird dieses „Deutschland“ kaum noch von indigenen Deutschen bewohnt sein. Wie Sarrazin sagt: Deutschland steht das Schicksal des ur-serbischen Kosovo bevor, der von den Albanern mittels ihrer hohen Geburtenrate erobert wurde.

Einer der „antiautoritären“ Führer von „68“, Daniel Cohn-Bendit, gab folgenden Kommentar zu Sarrazin ab: „verwirrt, dieser Mensch ist verwirrt“. Am Ende des Interviews argumentierte Cohn-Bendit, daß es erstens keine Parallelgesellschaft gäbe, zweitens die existierenden Parallelgesellschaften etwas Gutes seien und drittens, daß wir für die Existenz der (offenbar doch schlechten) Parallelgesellschaften selbst verantwortlich seien. So gehört im Deutschlandfunk am 07.10.09. Dieses hirnzersetzende „Denken“ ist das quasi offizielle Denken der EUdSSR! Wer nicht so „denkt“ ist „verwirrt“!

Anzufügen wäre, daß vor diesem Hintergrund auch die damalige Reich-Renaissance zu sehen ist: da man mit dem drögen Ökonomismus von Marx niemanden mobilisieren konnte, wurde Reich für die Verbreitung des Roten Faschismus instrumentalisiert.

Im ZDF-Nachtstudio („Die 68er – Sind sie an allem Schuld?“) vom 27.4.2004 erinnerte sich der Zeitzeuge und bekennende Marxist Bernd Lunkewitz:

Es hat damals sehr viele Ansätze aus allen möglichen Richtungen gegeben. Also, wenn man sagt, Wiederentdeckung von Literatur: wir haben in den 68gern ganz früh, ab 66 schon, also Wilhelm Reich gelesen. Massenpsychologie, Die Funktion des Orgasmus und alle solche Dinger. Also es gab diese hedonistische Seite. [Einwurf: Es wurde wichtiger als Marx – zum Teil.] Ne, das wurde es also mit Sicherheit nicht. [Allgemeine Erheiterung.] Also vielleicht für einige, aber – also alle imgrunde haben das gelesen, aber dann haben sich also viele wegentwickelt und tatsächlich zu Marx hin entwickelt.

Von jeher wird Reich als Wegbereiter sowohl für den Roten Faschismus (Marxismus) als auch für den Schwarzen Faschismus (angebliche „Spiritualität“) mißbraucht. Beides hat man beispielsweise anhand der „Wilhelm-Reich-Zeitschrift“ emotion verfolgen können:

Warum Reich Marx als obsolet betrachtete (Teil 2)

29. Juni 2014

In Obama Antichrist habe ich das Zeugnis des KGB-Einflußagenten Yuri Bezmeno präsentiert. Die Erfolge dessen, was Moskau bis 1989 in die Wege leitete, wirkt fort. Man denke nur daran, daß manche Lehrergewerkschaften und die Redaktionen auch formell „konservativer“ Medien kaum mehr sind als kommunistische Kaderorganisationen, die nach und nach eine „Erziehungsdiktatur“ errichten.

Wie sich dies auswirkt, zeigte beispielsweise 2009 der Rasmussen Report in den USA.

Demnach glaubten nur 53% der Amerikaner, daß der Kapitalismus besser als der Sozialismus ist. 20% hielten den Sozialismus für besser und 27% waren unentschieden. Bezeichnend sind die Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Bei den unter 30jährigen, also jenen, die unter dem vollkommenen Meinungsmonopol der Linken aufgewachsen sind, bevorzugten nur 37% den Kapitalismus, 33% den Sozialismus. Leute in den 30ern bevorzugten zu 49% den Kapitalismus, zu 26% den Sozialismus. Bei den über 40jährigen waren es schließlich nur noch 13%, die den Sozialismus für besser hielten. Die Zahlen sehen zwar anders aus, wenn man statt „Kapitalismus“ nach „freier Marktwirtschaft“ fragt, aber der Trend ist eindeutig. Sollte er sich fortsetzen, und Hussein Obama tut alles dafür, dann wird die UdSSR dank der Arbeit ihrer Einflußagenten gesiegt haben, Jahrzehnte nachdem sie selbst untergegangen ist.

Wie kaum ein anderer hat Reich vor dieser kommunistischen Unterwanderung gewarnt. Insbesondere die Orgonomie wollte er schützen. Daß „kommunistische Unterwanderung“ keine bloße Floskel ist, sondern eine reale Bedrohung der Orgonomie, zeigte 2008 ein Fall, der mich schier fassungslos gemacht hat:

Am Samstag, den 12.4.2008 präsentierte „Das offene kommunistische Forum Süd“ im Bamberger Gasthaus „Zum Sternla“ die Veranstaltung „Politik mit Gefühl: Wilhelm Reich – eine neue marxistische Kritik?“

Reich habe die Psychoanalyse um „ein damals revolutionär-ganzheitliches Menschenbild“ bereichert.

Die Untersuchung des Sexuallebens, sowie die Feststellung von „Charakter“- und „Muskelpanzern“ bildeten die Ausgangsbasis für die Betrachtung der Lebensenergien des Menschen, später auch „Orgonenergie“ genannt. Blockaden des Flusses dieser Energien verursachen letzten Endes schwere Krankheiten, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Diese Betrachtung bildet heute die Grundlage moderner Krankheits- und Therapielehren, wie z.B. Homöopathie, Kinesiologie bis hin zur Geistheilung.

Reich sei aber auch in der KPD aktiv gewesen und habe sich als Marxist verstanden. Habe trotz seiner lebensenergetischen Forschungen nie vergessen „vor dem aufkommenden Faschismus zu warnen, auf seine Natur hinzuweisen, und Kommunisten, Sozialdemokraten und Linksliberale auf ihre grundsätzlichen Fehler hinzuweisen, die dem Faschismus letzten Endes die Steigbügel zur Machtergreifung hielten.“ Entsprechend sollte der Marxismus heute „seine nach wie vor geniale Methodik der Gesellschaftsanalyse unter einem ganzheitlichen Menschenbild mit der individuellen Analyse von Persönlichkeiten und Charakterstrukturen verbinden und Energieblockaden innerhalb der Menschen und zwischen den Menschen aufbrechen.“

Wie sieht denn diese „geniale Gesellschaftsanalyse“ konkret aus? Die Geschichte als Abfolge von Klassenkämpfen? Das hat Reich ausführlich zurückgewiesen. Etwa die verquaste Arbeitswerttheorie mit all dem esoterischen Humbug über „Warenfetischismus“? Siehe dazu Ökonomie und Sexualökonomie.

Was Reich zum Antikommunisten (später auch zum Antisozialisten und „Anti-Linksliberalen“) machte, waren jedoch nicht derartige theoretische Fragen, sondern die systematische Infantilisierung der Massen durch die Kommunisten (und durch Sozialisten im Westen): statt sie zu mehr Freiheitsfähigkeit zu erziehen, wurden ihre Abhängigkeitswünsche ausgenutzt, kultiviert und die nachwachsenden Generationen sogar explizit so erzogen.

Wohin der sozialistische Traum führte, sieht man beispielsweise an folgender Aussage einer stellvertretenden Chefärztin eines städtischen Krankenhauses in Tiflis. Vor einem Wahlauftritt des mittlerweile wiedergewählten georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili sagt sie zum Deutschlandfunk:

Jetzt haben sie erstmal den Lohn der Lehrer erhöht. Und wahrscheinlich kommt auch bald der Tag, an dem wir mehr Geld bekommen. Mein Sohn hat auch Arbeit. Deshalb kommen wir zurecht. Saakaschwilis Politik ist sehr richtig. Er ist sehr gescheit. Er ist ein echter und würdiger Präsident. Er hat in vier Jahren soviel getan wie kein anderer und er denkt viel an die Bevölkerung und die Republik. Er hat Straßen für uns gebaut. Nach Jahren ohne Gas haben wir endlich eine sichere Gasversorgung. Jetzt müssen wir selbst auch unseren Teil tun. Nicht alles hängt vom Präsidenten ab, sondern vieles auch von den Menschen.

Solche kindischen, ja kindlichen Aussagen sind weitaus vernichtender für die Bilanz des Kommunismus als alle grausigen Statistiken in „Schwarzbüchern“. Man denke auch an den Erfolg der faschistischen Sekte Falun Gong in China oder diverser Gurus und „Geistheiler“ in Rußland. In diesem Zusammenhang sind die „Falun Gong-artigen“ Ausführungen („Geistheilung“!) unseres pseudo-Marxistischen „Reichianers“ einfach nur gruselig!

Und was den „Faschismus“ betrifft: man bedenke, daß seit der „Befreiung vom Faschismus“ die Abhängigkeit der Massen vom Staat nicht etwa abgenommen, sondern dank der Sozialdemokraten zugenommen hat. Als Wüstengewächs kann Die Linke nur in dieser Emotionalen Wüste gedeihen.

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Warum Reich Marx als obsolet betrachtete (Teil 1)

28. Juni 2014

Angesichts der Weltwirtschaftskrise haben „Alternativen zum Kapitalismus“ wieder Hochkonjunktur. Das Erschreckende ist, daß sie über kurz oder lang wieder im Roten Faschismus landen. Sei dies über Silvio Gesell oder gleich ohne Umweg durch eine aufgepeppte Neuauflage des Realsozialismus.

Beispielsweise appelliert der Kolumnist Peter Zudeick in seinem Buch Tschüß, ihr da oben (Vom baldigen Ende des Kapitalismus), wir sollten uns von den Kapitalisten emanzipieren. Wer will dem so recht widersprechen? Der Mann begeht jedoch einen grandiosen Denkfehler, der die Linke geradezu konstituiert: Wenn sich die Massen befreien können, warum haben sie es nicht schon längst getan? Wer oder was hindert uns daran, unser Leben selbst in die Hand zu nehmen und glücklich zu sein? Die Linke antwortet mit Hinweis auf „Strukturen“ und das „System“. Wieder haben sie nicht so Unrecht, schaut man aber, wie das Leben konkret abläuft, erkennt man schnell, daß ausgerechnet jene Dinge uns niederhalten, die uns aufrichten sollen. Der Dschungel der gesetzlichen Regelungen, Sozialstandards und konfiskatorischer Steuern und Abgaben, machen es dem Einzelnen, insbesondere dem, „der von unten kommt“, extrem schwer, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Und man komme mir nicht damit, daß das „von oben“ aufgezwungen wurde! Vielmehr haben die Massen aus ihrer Freiheitsangst heraus selbst die individuelle Panzerung sozusagen „externalisiert“. Es ist wie in einer unerträglichen Beziehung, bei der man sich fragt, warum die beiden überhaupt zusammenbleiben. Der Partner hilft dabei, die eigenen Antriebe in Schach zu halten. Er wurde zum integralen Teil der eigenen Panzerung und wird deshalb verzweifelt umklammert. (Das ist der überwiegende Teil dessen, was heutzutage als „Liebe“ bezeichnet wird!)

Wie sehr Zudeick daneben liegt, zeigt sich an seiner Alternative zum Kapitalismus, die ein Rezensent wie folgt zusammenfaßt:

Zudeicks revolutionärer Furor ist nicht mehr zu stoppen. Er will wirklich ein neues Gesellschaftssystem etablieren, gemäß dem alten Motto: Planwirtschaft ist machbar, Herr Nachbar! Denn anders als zu Zeiten des gescheiterten real existierenden Sozialismus ließen sich heute, so sein Argument, mit Hilfe von allgemeiner Computerisierung alle Bedürfnisse und Gesellschaftszustände berechnen. Hieß es einst in der UdSSR, Sozialismus sei Sowjetmacht plus Elektrifizierung, verficht Zudeick die Parole: Die neue Gesellschaft beruht auf den Säulen Gerechtigkeitsapostel plus Großrechner.

In den 1960er Jahren hat Walter Ulbricht versucht, die Planwirtschaft mit Hilfe der damals aufregend neuen Kybernetik auf Vordermann zu bringen. Honecker ersetzte in den 70er Jahren diesen Ansatz mit seiner „Einheit von Sozial- und Wirtschaftspolitik“, weil die „DDR“-Machthaber einsehen mußten, daß die Menschen keine Maschinen sind, sondern „materieller Anreize“ bedürfen. Zudeick will offenbar zurück zum spätstalinistischen Ansatz!

Gleichzeitig zeigt sich, daß die mechanistische Lebensauffassung untrennbar mit Mystizismus verbunden ist. Irgendjemand muß nämlich „den Computer“ mit Programmen und Daten füttern, was, damit denn „der Plan“ überhaupt funktionieren kann, sinnvollerweise nur von einem allwissenden unfehlbaren Superhirn geleistet werden kann. Wer soll das anderes sein als der promovierte Meisterdenker Zudeick?!

Mir fällt dazu nur das Lied der Who ein: We don’t get fooled again!

Zu Reichs Zeiten waren, außer Ellsworth F. Baker und Michael Silvert, alle Orgonomen mehr oder weniger links eingestellt. Manche, wie etwa Victor Sobey, betrachteten sich sogar als „Marxisten“. Wiederholt hat Reich Baker gefragt, ob diesen seine, Reichs, alten gesellschaftspolitischen Vorstellungen von der Orgonomie entfremden könnten. Er versicherte Baker, daß dieser sich keine Gedanken machen müsse, da Marx‘ Ansatz mittlerweile vollständig irrelevant geworden sei, da die Arbeiter in Amerika genug verdienen würden, um die Fabriken selbst zu übernehmen, wenn sie denn bereit wären, die Verantwortung zu tragen. Nicht die Kapitalisten, sondern ihre eigene charakterstrukturelle Verantwortungsscheu würde sie davon abhalten (R.A. Harman: „Editorial Note: Masses and State“^, Journal of Orgonomy, 32(2), 1998).

Es gibt einen Fall, wo dies umgekehrt war, d.h. den Arbeitern diese Übernahme aufgezwungen wurde. Der Kapitalist Hannsheinz Porst („Photo-Porst“) verstand sich als Marxist und verordnete 1972 seiner Belegschaft die „totale Mitbestimmung“ innerhalb eines „Mitarbeiter-Unternehmens“. Nur so könne es, so Porst, zur „Bewußtseinsbildung der Massen kommen, die sich letzten Endes systemverändernd auswirken muß.“

Er übergab die Hälfte der von ihm kontrollierten Firmengruppe der „Mitarbeiter-Beteiligungs-KG“ (MAB). In ihr fungierte jeder einzelne Mitarbeiter als Gesellschafter. Der MAB sollten alle Gewinne zufließen. Die Vollversammlung der Beschäftigten hatte die Macht, die Geschäftsführer abzuberufen und Mitarbeiterausschüsse konnten über Entlohnung, Arbeitszeit und Urlaub entscheiden.

Interessanterweise opponierte die zuständige Gewerkschaft, die als besonders links geltende Handel, Banken und Versicherungen (HBV), gegen dieses Modell, da die Ausschüsse den Betriebsrat überflüssig machten. Außerdem war ihr die produktivitätsorientierte Lohnpolitik ein Dorn im Auge.

Zehn Jahre später war die MAB pleite. Porst machte dafür, neben Veränderungen im Markt, die gewerkschaftseigene BfG-Bank mitverantwortlich, weil sie den Geldhahn aus den angedeuteten ideologischen Gründen zugedreht hatte.

Dietger Hamacher, damals Sprecher der Geschäftsführung, und Günther Kandlubek, der ein Buch über Porst schrieb, machen jedoch die Mitarbeiter- und Mitbestimmungskonstruktion der Firma für das Scheitern verantwortlich. In der MAB sammelte sich zu wenig Kapital an. Die Löhne lagen rund 20% über dem Branchendurchschnitt. Die Mitbestimmung sei von den Beschäftigten, so Hamacher, teilweise „maßlos ausgenutzt“ worden. Endlose Diskussionen hätten schnelle Entscheidungen verhindert.

Dies zeigt, daß es sich bei der „Ausbeutung im Kapitalismus“ primär um ein charakterologisches Problem handelt. Die Charakterstruktur der Masse der Menschen ist zur Selbstregulation unfähig. Eine „soziale“ Politik und die Gewerkschaften perpetuieren und verschlimmern eine infantile Mentalität von Verantwortungslosigkeit und Hilflosigkeit.

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Der Wallstreet-Zoo

19. Juni 2014

Als ich neulich in der Innenstadt an lauter teuren Luxusboutiquen vorbeiging und von den entsprechenden Leuten umgeben war, mußte ich an etwas denken, woran ich immer denken muß, wenn mir in sozialen Situationen unwohl ist: an Schimpansen bzw. die gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Schimpanse. Unvermittelt stehe ich dann mitten im Affengehege von Hagenbeck. Der soziale Status in Horden von Menschenaffen läßt sich unmittelbar am Zustand des Fells ablesen. Sozial höherstehende Tiere haben nicht nur ein besseres Immunsystem, sondern werden auch weitaus häufiger gelaust. Ihr Fell ist entsprechend glänzend und glatt. Kleider machen Leute!

Einer Studie der Tufts University in Medford zufolge, läßt sich am Aussehen von Führungskräften die finanzielle Lage der Unternehmen erkennen.

Der finanzielle Erfolg eines Unternehmens spiegelt sich auch in dem Eindruck wider, den das Aussehen des Vorstandsvorsitzenden auf Außenstehende macht. Die Chefs erfolgreicher Firmen strahlen mehr Kompetenz, Dominanz, Reife, Sympathie und Vertrauenswürdigkeit aus als die Leiter weniger gut florierender Unternehmen. Das schließen Forscher aus einer Studie mit Studenten, die Fotos von 50 amerikanischen Firmenchefs beurteilen mußten, ohne zu wissen, um wen es sich dabei handelte. Dabei ergab sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen den Gesichtszügen der Firmenchefs und dem Erfolg des Unternehmens.

In Hans Hass und der energetische Funktionalismus wird die Theorie von der funktionellen Identität von Charakterstruktur von Firmenchef und Firma diskutiert.

Der Wirtschaft kosten falsche Planung der Manager, schlechtes Anleiten und generell Chaos jährlich 74 Arbeitstage pro Mitarbeiter. Zu diesem Ergebnis kam 2004 eine internationale Studie der amerikanischen Unternehmensberatung Proudfoot, die auf fast 1700 Einzeluntersuchungen in acht Ländern basiert. In Großbritannien sind es 87 Arbeitstage, in den USA 96 und in Frankreich 127. Hinzu kommt von Seiten der Arbeitnehmer mangelhafte Qualifikation. Entsprechend läßt sich die Produktivität weniger durch immer neue Anlagen steigern, sondern durch einen klügeren Einsatz und eine bessere Schulung der vorhandenen Mitarbeiter.

Für Reich war Hitler „der Generalpsychopath“ (siehe Die Massenpsychologie des Faschismus). Als Resultat des Zerfallsprozesses des „Kasinokapitalismus“ (vgl. Ökonomie und Sexualökonomie) und des kulturellen Einflusses des modern liberal (vgl. Der politische Irrationalismus aus Sicht der Orgonomie) beobachten wir heute wieder, daß die Führer („Führungskräfte“) die gleiche „rebellische“ Charakterstruktur haben wie asoziale Kleinkriminelle.

Den US-Wirtschaftspsychologen Paul Babiak und Robert Hare zufolge, erobern gegenwärtig „skrupellose Irre“ die Chefetagen. Teilweise werden sie bewußt eingestellt, da sie vor harten, schnellen Entscheidungen nicht zurückschrecken. Sie sind energisch, zupackend, selbstbewußt und weil sie sich gut ausdrücken können, denkt jeder, sie hätten „Visionen“. Nach außen hin liebenswürdig, sind sie in Wirklichkeit unaufrichtig, arrogant und ohne jeden Skrupel oder mitmenschliches Gefühl. Dauernd „erfinden sie sich neu“, spielen ständig va banque, wobei sie ihre Position durch Manipulationen und politische Netzwerkbildung sichern.

Bisher krankte die ökonomische Theorie daran, daß sie mehr oder weniger eine Sache der Weltanschauung (letztendlich unterschiedlicher Panzerstrukturen) war, die sich, wie etwa bei Marx, mit Hilfe von Dialektik und Mathematik ein wissenschaftliches Mäntelchen umhängte. Man vergegenwärtige sich nur, mit welchem missionarischen Eifer die Jünger von Marx, Gesell, Keynes, Friedman und der anderen Gurus der Ökonomie ihre Glaubenslehren vertreten! Die Verhaltensbiologie zeigt uns erstmals, wie sich das kapitalistische Wirtschaftssystem organisch aus den Verhaltensmustern der Affen und Primaten heraus entwickelt hat – parallel zur Entwicklung der Genitalität (siehe Biologische Entwicklung aus orgonomischer Sicht ).

Verhaltensbiologen haben den Umgang von Affen und Menschenaffen mit „Geld“ untersucht. Dabei handelte es sich um unterschiedlich große Steine, die sie je nach Größe der Steine gegen Früchte umtauschen können. Die Forscher fanden, daß etwa Kapuzineräffchen sehr schnell begreifen, daß „Münzen“, die besagten Steinchen, unterschiedlichen Wert haben. Bei „Rabattaktionen“ verhalten sie sich genauso wie die Kunden eines Supermarkts. Schimpansen zeigten sogar Sparverhalten, d.h. sie zweigten einen Teil der Münzen, die sie als Belohnung bekamen, ab und legten sie auf die hohe Kante. (Ein Fall für Silvio Gesell und seine Jünger!) Auch ansonsten wurden bei den Affen alle möglichen Elemente des Kapitalismus evident: Gewinnstreben, „Warenfetischismus“, Prostitution, Betrug und empörtes Einfordern von Verhalten, das dem eines „ehrbaren Kaufmanns“ entspricht.

Schimpansen hat man sogar dazu gebracht, diese „Geldwirtschaft“ untereinander zu praktizieren. Der Austausch von Dienstleistungen, etwa Lausen, manchmal auch gegen Nahrung, wurde auch in freier Natur beobachtet. Der Austausch von Gütern brach in den beschriebenen Versuchen jedoch ohne menschlichen Einfluß sehr bald zusammen. Die Forscher spekulieren, es könne daran liegen, daß Güter gestohlen werden können.

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Die Arbeitsgesellschaft

13. Juni 2014

Wissenschaftler u.a. des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), der Universität Bonn und der Universität Maastricht legten 2011 eine Studie vor, die sich um das Verhältnis von Charakter und Ökonomie drehte. Es wurde ermittelt, daß risikobereite Menschen (also jene, die sich der Angst stellen) mit ihrem Leben zufriedener sind.

Warum, das lässt sich schwer deuten. „Möglicherweise führt eine höhere Risikobereitschaft zu mehr Erfolg im Leben und damit zu einer größeren Zufriedenheit“, sagt der Ökonom Thomas Dohmen von der Universität Maastricht.

Wie Reich in seiner Rede an den Kleinen Mann sagt: „Du bettelst um Glück, aber Sicherheit ist dir wichtiger!“

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Darum geht es bei der Wahl zwischen Rechts und Links, die stets eine sexualökonomische Wahl ist: zwischen dem „Risiko“ einer frei fließenden Lebensenergie (der internationale Kapitalismus) oder der dumpfen „Sicherheit“, die uns die Sozialisten von der SPD, NPD und SED versprechen.

Diese Leute behaupten, daß Angst, etwa vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, die der moderne Kapitalismus mit sich bringt, für diverse „psychosomatische Erkrankungen“ (Biopathien) verantwortlich sei und beispielsweise in Ungarn zwischen dem Ende des Sozialismus und heute dafür sorgte, daß die Lebenserwartung beträchtlich gesunken ist, weil die Existenzangst den Menschen buchstäblich „an die Nieren geht“. Ist das kapitalistische System unmenschlich, unbiologisch und steht damit im Widerspruch zur Orgonomie?

Ebenso könnte man argumentieren, das Nachgeben von Panzerung sei ungesund, denn bei einem „Versagen“ der Panzerung tritt Angst auf! Nur perfekt abgepanzerte Menschen oder Krebskranke, bei denen Kontraktion mangels Expansion keinen Stau (= Angst) mehr erzeugen kann, sind vor der Angst gefeit. Tatsächlich vermitteln beide meist einen ausgesprochen „ausgeglichenen“ und „zufriedenen“ Eindruck. Man denke an Yogis, Lamas, Mönche und andere „Heilige“!

Unter dem Titel „Die Ökonomie des Glücks“ wurde 2005 in der Taz erläutert, auf was für wackeligen Beinen die ökonomische Wissenschaft stehe. Heute könne man „Glück“ mittels der Kernspintomographie objektiv messen. Es sei deshalb mehr als ein „rein subjektiver Faktor“. Außerdem hänge Glück nicht vom steigenden Bruttosozialprodukt, sondern vom sozialen Ausgleich und der sozialen Sicherheit ab. Deshalb sei der europäische Weg der sozialen Absicherung objektiv glücksverheißender als das amerikanische Prinzip der Eigenverantwortung.

Reich hat in seinen bio-elektrischen Experimenten Glück (Lust) objektiv gemessen. Aus seiner Sicht ist Glück eine Funktion der Strömungsempfindungen im Körper – doch die können nur in einem eigenverantwortlichen Leben frei fließen. Die Taz redet dem „Glück“ (Sicherheit) der rundum versorgten, „sitzenden“ Zoo-Tiere das Wort!

Ja, auch die Sozialisten haben „irgendwo Recht“, denn es geht natürlich nicht um Kapitalismus („rücksichtsloses Profitstreben“) per se, sondern, wie stets, um bioenergetische Expansion, d.h. um die Hinwendung zum Mitmenschen. Aber gerade die ist profitabel, wie eine Studie der Universitäten Bonn und Maastricht zeigt.

Positive und negative Reziprozität sind voneinander unabhängige Wesenszüge: Manche Menschen sind eher positiv reziprok, manche eher negativ; wieder andere sind beides. Die Forscher aus Bonn und Maastricht wollten herausfinden, welchen Einfluß diese Charakter-Eigenschaften auf Größen wie „Erfolg“ oder „Lebenszufriedenheit“ haben.

Es zeigte sich, daß sich „Negative Reziprozität” nicht auszahlt! Will sagen, derjenige, der unfaires Verhalten seiner Mitmenschen mit gleicher Münze heimzahlt, ist im Leben unzufriedener, hat weniger Freunde und ist im Schnitt häufiger arbeitslos.

Menschen, die dem Leben zugewandt sind, Risiken eingehen und auf ihre Mitmenschen freundlich und zuvorkommend behandeln, sind glücklicher und erfolgreicher.

In Gestalt der anvisierten Überwindung der „Arbeitsgesellschaft“ feiert die Marxistische Ganovenideologie, der zufolge Arbeit ein Fluch ist, fröhliche Urstände. Dabei sollte ein Blick in den Schweinestall genügen, um zu sehen, was mit jenen passiert, die im „sozialistischen Schlaraffenland“ leben!

Eine Studie des „Glücksforschers“ Bengt Brülde (Universität Göteborg, Schweden) besagt, daß nur wer viel arbeitet, wirklich glücklich sein kann. Die Wirkung von Müßiggang, Urlaubsreisen und Luxusgütern verpufft schnell. Vielmehr braucht der Mensch ein Ziel, auf das er hinarbeiten kann. Am glücklichsten ist er, wenn er die Früchte seiner Arbeit gemeinsam mit anderen zu genießen vermag.

Reich zufolge kann man nur glücklich sein, wenn sich Arbeit (Unabhängigkeit!) und Liebe (Hingabe!) periodisch abwechseln.

liebearbeit

Funktionalismus bei Hans Hass (Teil 3)

1. Januar 2014

Hans Hass‘ Energontheorie harmoniert perfekt mit Reichs Ausführungen in Der biologische Rechenfehler im menschlichen Freiheitskampf. Wir haben die Maschinen und Werkzeuge geschaffen, die auf uns zurückwirken und uns (die wir doch eigentlich ihre Herren sein sollten) versklaven.

Orgonometrisch sieht das wie folgt aus:

lebendiemaschine

In einer ungepanzerten Gesellschaft benutzt der Mensch seine zusätzlichen Organe (Maschinen), um die Macht des Lebendigen auszuweiten (Gleichung 1). Gleichzeitig separiert er das Lebendige in sich von der toten Maschine (Gleichung 2).

In einer gepanzerten Gesellschaft hingegen identifiziert sich der Mensch mit der Maschine und wird selbst zur Maschine (Gleichung 1). Gleichzeitig verliert er jede Kontrolle über die Maschine (Gleichung 2).

Darüber hinaus gibt es in der Energontheorie keinen Unterschied zwischen materiellen Werkzeugen (Hammer, Auto, PC, etc.) und immateriellen Werkzeugen (Sprache, Gesetze, Moral, Ethik, Religion, etc.). So gesehen ist in ihr durchaus Platz für das Über-Ich und Charakterpanzer bzw. natürlich Kritik am Über-Ich und am Charakterpanzer, was die obigen orgonometrischen Erörterungen weiter vertieft.

Der Energontheorie zufolge besteht kein funktioneller Unterschied zwischen der Schutzvorrichtung eines Igels (Stacheln) und der eines Kaninchens (die immaterielle Verhaltensvorschrift „Lauf weg!“). Es ist letztendlich gleichgültig ob der Gendarm real vor mir steht oder immateriell in meiner Brust steckt (vgl. Der Einzige und sein Eigentum, Reclam, S. 55).

Wie sich vom Über-Ich, dem „Gendarmen in der Brust“ befreien? In Begriffen der Energontheorie: im Rahmen einer Funktionserweiterung. Wir sind einerseits Tiere (Metazoen, die aus Keimzellen hervorgegangen sind), andererseits wiederum selbst Keimzellen von Hyperzellern. Wir haben die Welt erschaffen, die uns umgibt. Wie haben wir das gemacht? Mit unseren Händen, die ursprünglich dazu geschaffen waren, um sich an Äste zu klammern, und mit unserem Gehirn, das ursprünglich dazu geschaffen war, uns zu intelligenten Tieren zu machen, die das natürliche Nahrungsangebot optimal ausnutzen können. Durch Funktionserweiterung dieser beiden Organe wurden wir zu Keimzellen von Hyperzellern – und im Laufe der Entwicklung wurden wir zu Sklaven unserer von uns erschaffenen Umgebung. Aber genauso, wie wir das Gehirn für die Entwicklung von zusätzlichen Organen (vom Hammer bis zum Space Shuttle, von der Sprache bis zur höheren Mathematik) „mißbrauchten“, steht es uns frei im Rahmen einer weiteren Funktionserweiterung des Gehirns uns kritisch mit unserer Lage auseinanderzusetzen und uns von unseren zusätzlichen Organen, insbesondere dem Über-Ich, wieder zu distanzieren, bzw. sie ganz abzustoßen.

Hass hat uns gelehrt, unsere Ehrfurcht vor der Lebensentfaltung zu überwinden: das, was ist und was „natürlich“ ist, muß nicht gut sein. Gut für wen? Für die Hyperzeller (Wirtschaft und Staat). Nicht gut für wen? Für den nackten Menschen, für den Egoisten, für den Einzigen, für das Menschentier. Das bedeutet nicht ein Zurück zur Natur, sondern: die Lebensentfaltung hat uns, hat mir zu dienen.

Ich möchte nie mehr auf das zusätzliche Organ Computer und Internet verzichten – sehr wohl aber auf das Über-Ich. Wie sieht dieses ominöse „Über-Ich“ aktuell aus? Wie werden unsere Kinder im Interesse der Hyperzeller bzw. des Lebensstroms, den sie fortsetzen, verformt? Es liegt im Interesse der Lebensentfaltung, daß sie selbstvergessene, konsumorientierte, unkritische RTL-Gucker werden, die sich einbilden Egoisten zu sein, in Wirklichkeit aber einzig und allein dem Egoismus der Lebensentfaltung dienen. Der größte Feind dieser über die Keimzellen der Hyperzeller hinwegströmenden Lebensentfaltung sind kritische „Egoisten“, die ihre Stellung im Rahmen der Lebensentfaltung kennen. Aus energontheoretischer Sicht sind sie die Stimme der Keimzelle(n) der Hyperzeller. Beispielseise hatte Max Stirner eine recht gute Vorstellung von der Lebensentfaltung in Gestalt der Philosophie Hegels („die Entfaltung des absoluten Geistes“).

Betrachten wir doch einmal Stirners Leben und Werk aus energontheoretischer Sicht: Damals waren Staaten entweder Berufskörper des jeweiligen Königs (wie im absolutistischen Frankreich: „der Staat bin ich“ – so wie der Handwerker sagt: „die Firma bin ich“) oder gigantische Erwerbsorganisationen, etwa Preußen, wo sich der König als erster und höchster Diener des Staates verstand. Hegel war der Ideologe dieser Erwerbsorganisation, in der der Bürger zum Rädchen im Getriebe wird und von Kindheit so gedrillt wird, bis er schließlich „den Gendarmen in seiner Brust hat“. Auch Stirner wurde da hineingepreßt und sollte als Lehrer aus freien Menschentieren Zellen des Hyperzellers „Preußen“ machen. Dagegen empörte er sich in Funktionserweiterung dessen, was er gelernt hatte. Leider blieb seine Argumentation größtenteils „geistesgeschichtlich“. Dagegen stellte Marx sein „materialistisches“ Programm, – das aber nicht viel mehr war als doch nur wieder Hegel.

Stirners „Verein der Egoisten“ ist nichts anderes als eine Ansammlung von Keimzellen, die sich von ihren Hyperzellern emanzipiert haben und mit ihren zusätzlichen Organen wieder frei umgehen.

Stirner stellt (ganz im Sinne von Hans Hass) das Recht (also gewisserweise das „Über-Ich“ der Gesellschaft) als „zusätzliches Organ“ (sozusagen ein immaterielles Werkzeug) dar, daß sich gegen seinen eigenen Schöpfer wendet, ihm sozusagen über den Kopf wächst:

Der Gedanke des Rechts ist ursprünglich mein Gedanke oder er hat seinen Ursprung in Mir. Ist er aber aus Mir entsprungen, ist das „Wort“ heraus, so ist es „Fleisch geworden“, eine fixe Idee. Ich komme nun von dem Gedanken nicht mehr los; wie Ich Mich drehe, er steht vor Mir. So sind die Menschen des Gedankens „Recht“, den sie selber erschufen, nicht wieder Meister geworden: die Kreatur geht mit ihnen durch. Das ist das absolute Recht, das von Mir absolvierte oder abgelöste. Wir können es, indem Wir‘s als absolutes verehren, nicht wieder aufzehren, und es benimmt Uns die Schöpferkraft; das Geschöpf ist mehr als der Schöpfer, ist „an und für sich“. (Der Einzige und sein Eigentum, S. 225)

„Das Recht ist der Geist der Gesellschaft“ (Der Einzige und sein Eigentum, S. 204) – und stempelt mich zum Verbrecher, wenn ich ich bin. Das Recht, ursprünglich ein Interessenausgleich zwischen Individuen, ein Werkzeug meiner Macht, wurde zu einer heiligen fixen Idee, die mich, ihren Schöpfer, auslöschen will. – Die Energontheorie beschreibt nichts anderes: der Mensch erschuf sich seine Umwelt, um leben zu können und brachte es zu einer ungeheuren Machtsteigerung – nur um festzustellen, daß sich alles gegen ihn, den Schöpfer, wendet; manipuliert, abhängig und kurz vor der Auslöschung. – Was bei Stirner der „Einzige“ ist, ist bei Hass die „Keimzelle Mensch“.

Wie drückt man diese Gewalt nun verkehrterweise aus? Man sagt, Ich habe ein Recht auf diesen Baum, oder er sei mein rechtliches Eigentum. Erworben also habe Ich ihn durch Gewalt. Daß die Gewalt fortdauern müsse, damit er auch behauptet werde, oder besser: daß die Gewalt nicht ein für sich Existierendes sei, sondern lediglich im gewaltigen Ich, in Mir, dem Gewaltigen, Existenz habe, das wird vergessen. Die Gewalt wird, wie andere meiner Eigenschaften, z.B. die Menschlichkeit, Majestät usw., zu einem Fürsichseienden erhoben, so daß sie noch existiert, wenn sie längst nicht mehr meine Gewalt ist. Derart ist ein Gespenst verwandelt, ist die Gewalt das – Recht. Diese verewigte Gewalt erlischt selbst mit meinem Tode nicht, sondern wird übertragen oder „vererbt“. (Der Einzige und sein Eigentum, S. 307)

Das entspricht ganz der Panzerung, die ja in der individuellen Geschichte des Menschen am Anfang auch eine rationale Schutzfunktion hatte, d.h. anfänglich ebenfalls sozusagen ein „zusätzliches Organ“ war, dann aber außer Kontrolle geriet: wir haben keine Panzerung mehr, wir sind Panzerung, d.h. wir „haben“ einen Charakter. Ausgeweitet auf die Gesellschaft ist das die jeweilige „Kultur“, die von Generation zu Generation weitergetragen wird.

Seitdem die Abstammung des Menschen aus primitiveren Lebensformen erwiesen sei, liege, so Hass, ein „natürliches und neutrales“ Bezugssystem vor. So wie aus der Lebensentwicklung

jede neue Struktur, jedes neue Phänomen hervorgegangen ist – so sollten auch die Begriffssysteme aller Spezialwissenschaften auf die gemeinsame Wurzel dieser Entwicklung zurückgehen. (…) Es wird nur allzuleicht übersehen, daß (die) Begriffe das höchst persönliche Werk des Menschen sind – nicht aber notwendigerweise ein Spiegel der Wirklichkeit. (…) Diese „Schubladen“, die über Erziehung und Tradition von einem Gehirn auf das nächste übertragen werden, machen uns leicht glauben, daß die Erscheinungen, die in ihnen zusammengefaßt sind, von Natur her zusammengehören, daß diese Einheiten also das „Wesen“ dieser Welt kennzeichnen. Das tun sie aber nur beschränkt – denn jeder Begriff ist bloß eine uns dienliche Einrichtung, ein Werkzeug unseres Geistes – jeder von ihnen, mit einem Wortsymbol versehen, ist ein uns dienender Funktionsträger und in diesem Sinn auch wieder ein erworbenes – ein „künstliches“ Organ. Und (…) hier besteht die Gefahr, daß aus Dienern Herren werden, indem sich diese Schubladen nicht mehr wirklich unseren Zwecken unterwerfen, sondern höchst selbstsüchtig unsere Gedanken in ihre Schablone pressen. (…) Wir brauchen (Worte), wir können ohne sie nicht denken – aber man muß ihnen mit äußerstem Mißtrauen begegnen. (…) Das junge, sich erst bildende Gehirn ist in dieser Hinsicht noch frei und unbehindert. Es kann jeden dieser Diener erst prüfen, ehe es sich ihm anvertraut.

Hass stimmt hier vollkommen mit Stirner überein, d.h. die „emanzipatorischen“ Implikationen sind bei beidem identisch. Stirner:

Begriffe sollen überall entscheiden, Begriffe das Leben regeln, Begriffe herrschen. (…) Nach Begriffen wird alles abgeleiert, und der wirkliche Mensch, d.h. Ich werde nach diesen Begriffsgesetzen zu leben gezwungen. (…) Eine unzählige Menge von Begriffen schwirren in den Köpfen umher, und was tun die Weiterstrebenden? Sie negieren diese Begriffe, um neue an deren Stelle zu bringen! (…) So schreitet die Begriffsverwirrung vorwärts. (Der Einzige und sein Eigentum, S. 104f)

Es geht um eine zweifache „Götzendämmerung“: einerseits um die erörterte Befreiung von der Knechtung durch Begriffe, die von unseren zusätzlichen Organen, sich zu Herren über uns aufgeschwungen haben und andererseits um die Empörung gegen jenen Entfaltungsstrom, dessen willenlose Werkzeuge wir bisher waren, der aber doch nur aufgrund unserer Anstrengung leben kann.