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Zeena Schreck

19. August 2024

Anlaß dieses Beitrags ist ein neues, seltenes Interview von Zeena Schreck:

Zeena Schreck (Jahrgang 1963) ist die Tochter des Gründers der Church of Satan in San Francisco, Anton LaVey. Sie war das erste Kind, daß im Namen Satans getauft wurde, wobei jede Menge Götter, Göttinnen und Dämonen herausbeschworen wurden. Tatsächlich war LaVey ein Atheist und seine Kirche (gegründet 1966) ein Geschäftsmodell und Kabarett pur. Seine Satanische Bibel war fast Durchweg ein Plagiat – ein konsequenter Satanist! Noch heute fallen Volldeppen auf diesen Unsinn herein:

Hier beschreibt ein „Satanist“ seine nach zwei Jahren erfolgreich abgeschlossene „Orgontherapie“ bei einem „Orgontherapeuten“. Was daran bemerkenswert ist, ist nicht das, was der YouTuber sagt, sondern wie er es sagt. (Und zum Inhalt: in einem anderen Video phantasiert er von zukünftigen Androiden, die als Arbeits- und Sexsklaven für uns tätig sein könnten.)

Es geht darum, daß dieser Mann penetrant seinen „Satanismus“ zur Schau stellt, im Blick, im Gehabe, in der Körperhaltung, im Gesichtsausdruck. Es ist ein einziger großer Krampf, Getue, Show, „Charakter“ – oder mit einem anderen Wort: Abwehr.

Dieser Mann wurde zwei Jahre lang mit „Körperpsychotherapie“ malträtiert, charakteranalysiert und „biophysikalische Arbeit“ an ihm gemacht (Muskeln gequetscht und geknetet) – mit dem Resultat, daß er wahrscheinlich ein schlimmeres Arschloch ist als je zuvor.

Solche Fälle sind der Grund dafür, warum ich „Reichianer“ und sogenannte „Orgontherapeuten“ wie die Pest hasse. Es ist tatsächlich nichts weiter als Emotionelle Pest, was diese Muskelquetscher und „Energiemobilisierer“ verkörpern.

Wo ihr Fehler liegt? Da wo er immer liegt: im mechano-mystischen Denken!

Wie kann man ernsthaft glauben, daß, wenn man einen Organismus nur kräftig „durchschüttelt“, in Wallung bringt oder irgendwelche „Komplexe“ aufarbeitet, sich irgendetwas Grundlegendes verändern wird?

Wenn man all die pseudo-orgonomischen, „Reichianischen“ und „Neo-Reichianischen“ Publikationen liest – es ist wirklich alles durch die Bank schierer Mist. All diese Tricks und Kniffe und Techniken sind nichts weiter als ein immer weiter ausgebautes System des systematischen Ausweichens vor dem Wesentlichen.

Und es wird tatsächlich auch niemandem geholfen. Mal abgesehen davon, daß die sogenannten „Therapeuten“ und ihre sogenannten „Patienten“ (wie etwa der Mann im Video) subjektiv von ihrem Tun bzw. dem, was ihnen widerfahren ist, begeistert sind. So empfinden aber auch Scientologen, Sufis, Zen-Adepten, Taoisten, Lamaisten, Guruisten, etc.pp.

Reich ging es nicht darum, daß sich die Menschen besser in die Falle einfügen, sondern um eine wirkliche Veränderung. Die ist aber nur möglich, wenn man das tut, was wirklich alle unisono vermeiden: sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das bedeutet in der Orgontherapie, wenn sie denn ihrem Namen gerecht werden will, den einen Hauptwiderstand des Patienten dingfest zu machen und penetrant immer und immer und immer wieder anzugehen, d.h. sie dem Patienten auf eine existentielle Weise bewußt zu machen. Andernfalls ist Orgontherapie nichts anderes als folgenlose „biophysikalische Gymnastik“ kombiniert mit sinnleerem Psychogelaber. Am Ende stehen dann unerträgliche Narzißten und Wichtigtuer, die sich einbilden „umstrukturiert“, „entpanzert“ und „orgastisch potent“ zu sein. Tatsächlich sind sie aber nur Teil eines weiteren verrückten, destruktiven Kults.

Orgontherapie findet sich auf der Seite roomforhappiness.de. Den Rest, egal wie sehr er sich auch auf Reich berufen mag, kann man getrost vergessen. Besonders schlimm ist das, weil wir seit etwa 1960 tatsächlich in „satanistischen“ Zeiten leben mit Menschen, die eine fundamental neue Charakterstruktur haben. Von diesem Homo novis kann jeder Psychotherapeut ein Lied singen. Nur noch in Städten wie Münster findet man die klassischen von Freud und Reich beschriebenen triebgehemmten Neurotiker, während Praxen in Hamburg, Berlin, Frankfurt, etc. von psychopathischen triebhaften Freaks bevölkert werden. Der Orgonom Charles Konia hat diese Leute wie folgt beschrieben:

  1. chronische Parasympathikotonie (als Reaktion auf die zugrundeliegende Sympathikotonie);
  2. muskuläre Erschlaffung im Gegensatz zur muskulären Verspannung;
  3. statt dessen wird die Energie vom okularen Segment gebunden, daß entsprechend stark gepanzert ist;
  4. dies geht wiederum mit einer extremen emotionalen Kontaktlosigkeit einher;
  5. weshalb die Panzerung heute ausgeprägter ist als jemals zuvor;
  6. das sieht man daran, daß die Therapie weitaus länger dauert (aus dem Homo novis muß zuerst ein normaler Neurotiker gemacht werden, der dann wie zu Reichs Zeiten geheilt wird);
  7. trotz der oberflächlichen „Entspanntheit“ und Überexpansion sind die Kontraktionen weitaus stärker als jemals zuvor: schwerste Depressionen, Selbstmorde und vor allem eine extreme Intoleranz für wirkliche Expansion (wirkliche „Lebensfreude“);
  8. das alles führt zu einer ewigen Rebellion ohne Ziel und Grund. Hierher gehört auch der Hang zum Sadomasochismus und „Satanismus“.

Aber zurück zu Anton LaVey:

Als sich immer mehr Neurotiker („Sinnsucher“) und Perverse um ihn scharrten, zog Lavey die Notbremse und machte klar, daß er allein das Sagen habe und das ganze nicht mehr sei als ein Geschäft. (Der Mann war schließlich böse!) Daraufhin kam es zur Abspaltung einer Gruppe, die tatsächlich an Satan bzw. den „Prinzen der Finsternis“ glaubte. Es bildete sich der Temple of Set. Set war der ägyptische Totengott und angeblich die Urform des christlichen Teufels. Ansonsten blieb vieles beim Alten, d.h. LaVeys lächerliche Rituale, von denen einige „Himmler und der SS“ entlehnt waren, wurden weiter praktiziert. LaVeys Tochter Zeena, die Mittlerweile zur „Hohepriesterin“ der „Kirche“ avanciert war, wandte sich schließlich enttäuscht und angewidert ob der Lügen und Betrügereien ihres Vaters von diesem ab und wurde Mitglied des Temple of Set. 2002 trat sie auch dort aus, weil die vertretenen Lehren nicht „authentisch“ seien und einer kritischen Überprüfung nicht standhielten. Aus ihr wurde eine tantrische Buddhistin, deren Ziel es ist zu einem Bodhisattwa zu werden. Gleichzeitig blieb sie Set treu und blieb eine bekennende Sadomasochistin und Hexe. Sie lebt heute in Berlin.

Tatsächlich war der europäische Satanismus (Blavatsky, Crowley und Co.) mit seinen sexualmagischen Praktiken zu einem Gutteil kaum mehr als eine Verballhornung des tibetischen Buddhismus, der mit der Kabbala und der Magie der Renaissance zu einem abartigen Gebräu vermengt wurde. Zentral war dabei der „prolongierte Orgasmus“ bei möglichst „aufgeilendem“ perversen Sex und die Konzentration der magischen Intention während des Orgasmus.

Es ist bemerkenswert wie weit sich dieses Gedankengut in der westlichen Welt verbreitet hat. Ich erinnere nur an Projekte wie „Orgasmen für den Frieden“.

In ihrem Buch über die Sexualmagie Demons of the Flesh, The Complete Guide to Left Hand Path Sex Magic stellen Zeena Schreck und ihr Ehemann Nicolas Jesus als einen Zauberer dar, dem es um „Selbstvergöttlichung“ ging und der dazu Sexualmagie mit Maria Magdalena praktizierte. Als Beleg verweisen sie auf die tatsächlich bemerkenswert weite Verbreitung sexualmagischer Elemente in der christlichen Gnosis. Ich selbst habe auf dieses Element des Christentums wiederholt hingewiesen (siehe Der verdrängte Christus).

Warum ich das alles erwähne? Erstens zeigt es, daß so manche Verdächtigung gegen den tibetischen Buddhismus alles andere als aus der Luft gegriffen ist. Beispielsweise schreibt Zeena (auf ihrer mittlerweile eingestellten Website) unter einem Photo des Dalai Lama: „Mahakala in Disguise“. Mahakala ist der tantrische Gott der Zeit, die männliche Entsprechung der Göttin Kali und in vieler Hinsicht die tibetische Entsprechung von Set. Oder mit anderen Worten: der Dalai Lama ist eine Verkörperung Satans. „Satan“ im Sinne von Mephisto: jene Kraft, die alles Erschaffene („die Welt der Illusionen und Anhaftungen“) zerstören will. Siehe dazu Die Massenpsychologie des Buddhismus.

Entgegen allem äußeren Anschein geht es dem tibetischen Tantrismus nicht weniger um die Vernichtung des Weiblichen als etwa dem Islam. Beispielsweise sind die „Dakinis“, die stets in Flammen gehüllt dargestellt werden, bei lebendigem Leib verbrannte Hexen, die sich, magisch gebannt, dem Buddhismus unterworfen haben. Zeena Schreck selbst ist eine solche Dakini. Ihren soziopathischen und frauenverachtenden Vater hatte sie mit einem Todesfluch belegt, woraufhin dieser elendig verreckt ist. In dem obigen Interview führt sie aus, daß sie damals ganz im Sinne des LaVey‘schen Satanismus gehandelt hat: so dir einer auf die recht Wange schlägt – zerschmettere seinen Schädel! Das ist die Moral der Gangster, die dazu führt, daß man in der Unterwelt möglichst ehrlich und höflich mit den anderen Verbrechern umgeht. Zeenas Tragik ist, daß sie sich mittlerweile ganz dem Karmapa und dem Dalai Lama unterwirft. Und auch Set steht beispielsweise Allah näher als sie es wahrhaben will. Ein Leben gefangen in einem grandiosen Mißverständnis.

Tatsächlich ist sie so etwas wie „das erste Kind des neuen Äons“, die Verkörperung einer vollkommen andersgearteten Menschheit als wir sie bisher kannten, dem erwähnten Homo novis. Bis etwa 1960 hatten wir eine autoritäre Gesellschaft mit „gottgläubigen“ Menschen, wie Reich sie in seinen Schriften beschrieben hat. Seitdem schält sich immer mehr die antiautoritäre Gesellschaft heraus mit „satanistischen“ Menschen, die eine grundsätzlich andere Panzerstruktur haben. Wenn ich mir Zeena Schreck anschaue… – sie hat die gleiche Ausstrahlung wie so viele andere Mädchen und junge Frauen heute. Verkörperungen einer Biologischen Revolution, die hoffnungslos schiefgegangen ist.

Es geht hier nicht darum irgend jemanden zu verurteilen („Sadomasochismus“, „Okkultismus“, „Satanismus, der mit Elementen des Nationalsozialismus kokettiert“, etc.), tatsächlich habe ich einen Heidenrespekt vor Zeena Schreck, sondern um die Trauer angesichts des fatalen Hangs des gepanzerten Menschen zur Selbstzerstörung. Der „neue Mensch“ ist diesem (wenn man so sagen kann) „Todestrieb“ weit mehr verfallen als vorangegangene Generationen.

sadofascho

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Galaxien” und folgende

3. August 2024

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David Holbrook, M.D.: Mitmenschlichkeit und Liebe

9. Juli 2024

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„Die Tür offenhalten“

Opernhafte Liebe

Alles ist nutzlos, außer der Liebe

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Endphase” und folgende

7. Juli 2024

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Die Reich’sche Therapie im Schnelldurchlauf

12. Juni 2024

Was sind die Unterschiede zwischen Psychoanalyse, Charakteranalyse, charakteranalytischer Vegetotherapie und psychiatrischer (bzw. medizinischer) Orgontherapie?

Psychoanalyse –> Charakteranalyse: nicht mehr das Verdrängte wird bewußtgemacht, sondern die Art und Weise, wie man verdrängt (Charaktereinstellungen): der Fokus liegt nicht mehr auf der Vergangenheit, wie in der ursprünglichen Psychoanalyse (was willkürlichen „Deutungen“ Tor und Tür öffnete!), sondern auf den gegenwärtigen Verhaltensmustern.

Charakteranalyse –> charakteranalytische Vegetotherapie: psychische Einstellungen sind funktionell identisch mit „körperlichen Einstellungen“ und können daher (bio-)physisch behandelt werden: der Fokus ist nicht mehr psychologisch, sondern wirklich medizinisch (mit einem starken Fokus auf das autonome Nervensystem, das strukturierte Pulsation ist: Parasympathikus Expansion, Sympathikus Kontraktion)

Charakteranalytische Vegetotherapie –> psychiatrische (bzw. medizinische) Orgontherapie: der einzige Unterschied zwischen Vegetotherapie und Orgontherapie ist die Entdeckung und der Fokus auf die sieben Segmente der Panzerung, so daß die Therapie nunmehr auf allen drei Achsen arbeitet: von der Gegenwart zur Vergangenheit (Charakteranalyse), von der Peripherie zum Zentrum (Vegetotherapie, das orgonotische System) und vom Augensegment abwärts zum Beckensegment (Orgontherapie, das energetische Orgonom).

Der therapeutische Erfolg wird auf jeden Fall durch drei Mechanismen erreicht und zwar in dieser Reihenfolge der Bedeutsamkeit:

1. die Kontaktaufnahme mit dem Patienten, wozu auch eine korrekte biopsychiatrische Diagnose gehört (ohne diese ist jede Therapie null und nichtig!);

2. die Mobilisierung der natürlichen Atmung, d.h. die orgonenergetische Aufladung (ohne Atmung ist jede biophysikalische Intervention nur „Yoga“ und damit null und nichtig);

3. die direkte „Manipulation“ der spastischen Muskeln, die die ultima ratio darstellt und erst in der Endphase der Therapie zentrale Bedeutung gewinnt.

Der verschwuchtelnde Fokus

14. Mai 2024

Langsam ertrage ich dieses ständige Psychogequatsche nicht mehr. Allein schon weil ich persönlich ohne Reich nie, in Äonen nicht, darauf gekommen wäre, jemals einen Psychotherapeuten zu konsultieren. Dieses ständige Rumwälzen in der eigenen Befindlichkeit und das ständige Analysieren von zwischenmenschlichen Beziehungen… Ein MANN zieht sein Ding durch und fertig! Da ist ein Mammut, das zu erlegen ist – wie es mir dabei geht und was ich dabei empfinde, interessiert nicht, am allerwenigsten mich selbst. Ich bin nicht wichtig! Oder wie Thomas Gast immer sagt: „Marschiere mit dem Kopf!“ Will sagen, du hast das Ziel im Kopf, während du das, was dabei in deiner „Seele“ und deinem Körper vorgeht, schlichtweg ignorierst.

Die Gegenwahrheit ist natürlich, daß unsere Väter bzw. Großväter genau deswegen mit vollkommen kaputten in sich verpanzerten Seelen aus der Hölle des Krieges zurückgekehrt sind und dann gefühllos wie Roboter Deutschland wiederaufgebaut haben. Aber die Kehre, die Umrichtung des einseitigen Fokus von außen nach innen, seit den 1970er Jahren, zu der nicht zuletzt auch die „Reich-Bewegung“ gehörte, ist um keinen Deut besser.

Dieser Innenfokus zerstört Leben, allein schon, weil, wie gefühlsduselig das ganze auch aufgezogen sein mag, Energie in den Kopf verlagert wird, vor allem aber aus der willkürlichen Muskulatur abgesogen wird. Man folgt nicht mehr seinem ureigensten spontanen inneren Impuls und man wird handlungsunfähig. Allein schon die Fragen: „Was tue ich hier?“, „Was macht das mit mir?“, „Bin das wirklich ich?“, und daraus abgeleitet: „Wie stehen die anderen zu mir?“, „Was rufe ich im Gegenüber hervor?“, „Werde ich meinem Gegenüber gerecht?“ Was verlorengeht ist die Unmittelbarkeit und die Authentizität. Es verlagert sich, entgegen aller „Verinnerlichung“, alles in die soziale Fassade und alle Spontanität geht flöten.

Es ist wie bei den berühmten „Wir müssen darüber reden!“-Gesprächen, die Männer so hassen. Am Ende der Suche nach der vermeintlichen „Wahrheit“ steht ein alles lähmendes Knäuel, das keiner mehr entwirren kann und das man, oh Schrecken, nur noch mit einem herzhaften Schwerthieb durchtrennen kann. Tatsächlich haben wir es hier, trotz aller Emotionen, mit einer „intellektuellen Abwehr“ zu tun, wie Reich sie in der Charakteranalyse beschrieben hat. Nicht von ungefähr dominiert die Linke ausschließlich wegen der Frauenstimmen – und wegen all der kastrierten Schwuchteln.

Reichs Impuls war ähnlich: statt „Hören mit dem Dritten Ohr“, wie bei den anderen Psychoanalytikern, angeblich „holzschnittartige“ Charakteranalyse; statt mit einem Masochisten zu ellenlang diskutieren, ein beherzter schmerzhafter Schlag mit dem Lineal auf seinen Hintern; statt „Rekonstruktion“ der Vergangenheit, Arbeit am „Vegetativum“; statt Reden, Reden, Reden einfach nur ATMEN; statt letztendlich immer willkürlichen (UND MANIPULATIVEN) Deutungen dessen, was vermeintlich im Patienten vorgeht, das Aufmerksam-Machen auf ins Auge springende Widerstände: ein generelles Vorgehen weg vom Kopf in die Muskulatur.

Peter liest die Laska/Schmitz-Korrespondenz (Teil 18)

26. April 2024

Hermann Schmitz folgende vermeintlich gegen Reich gerichtete Aussage ist absolut bemerkenswert:

(…) Thema der Prophylaxe die Befreiung vom Erziehungszwang (und damit von einem „Charakterpanzer“, wie Sie oft, gleichfalls nach Reich, sich ausdrücken) (…). Ich bestreite zwar nicht, daß so etwas gelegentlich auch heute noch eine gute pädagogische Aufgabe sein kann, aber ich glaube, daß diese Zielsetzung als pädagogisches Generalthema seit 200 Jahren antiquiert ist, nämlich seit dem Einsetzen der Verfehlung des abendländischen Geistes mit Fichte und der Frühromantik einschließlich Stirners. (…) Das Hauptproblem der Menschheit ist heute nicht mehr der Erziehungszwang oder der Charakterpanzer, sondern der Nihilismus (…) im Sinn der Entdeckung der strikten Subjektivität, daß die Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“ nicht mehr in objektiven oder neutralen Tatsachen zu finden ist. (In allen objektiven Tatsachen, die über Herrn Hermann Schmitz ausgesagt werden können, ist kein Grund dafür zu finden, daß ich er bin.) Daraus ergibt sich für jeden, daß er die Maßstäbe dafür, wofür er verantwortlich ist, nur noch seiner Selbstbesinnung entnehmen kann. Dem sind Menschen noch nicht gewachsen. Sie haben noch nicht gelernt, sich in die für sie subjektiven Sachverhalten, Programme und Probleme so einzuleben, daß sie diesen eine Steuerung des Beliebens über den Wechsel von Launen hinweg entnehmen können. Die Menschen nehmen sich alles heraus und wissen nicht, wohin. Das ist das nihilistische Leiden an der eigenen Freiheit. (…) Was die Menschen heute brauchen, ist eine neue Standfestigkeit, nicht oder nur nebenbei eine Befreiung von Zwang. Wie sehr sie eine solche Festigkeit als nötig empfinden, zeigen die vielfältigen Ersatzbefriedigungen im (namentlich religiösen) Fundamentalismus, z. B. im Islam oder in Bushs neoamerikanischer Religion. (S. 374)

Das ist eine sehr gute Beschreibung des Unterschiedes zwischen der autoritären, durch den Muskelpanzer bestimmten Gesellschaft vor 1960 und der antiautoritären nach 1960, die durch den Augenpanzer bestimmt wird. Was man sich darunter vorstellen soll, wird sehr schön durch folgende junge Dame verkörpert:

So etwas bringt nur ein Mensch fertig, der so gut wie frei von Muskelpanzerung ist. Ihre Videos zeigen auch, daß sie ein freies Becken hat. Sie ist aber natürlich kein „genitaler Charakter“, sondern das genaue Gegenteil: ein Mensch, der ganz in der Oberfläche lebt („Cosplay“) und innerlich vollkommen leer ist: buchstäblich ein Roboter, den man nach Belieben mit irgendwelchen Programmen füttern kann.

Es ist eine haltlose Generation. Wir leben aber auch in einer Übergangsphase, in der der Mensch lernt (oder sagen wir besser: lernen könnte), die Haltlosigkeit (Ungepanzertheit) zu erden, d.h. das subjektive „Es gibt keine Wahrheit!“ durch das Objektive, die Entdeckung der kosmischen Orgonenergie zu ersetzen.

Schmitz geht aber einen Schritt weiter und leugnet schlichtweg ganz die Sinnhaftigkeit des Konzepts „Charakterpanzer“.

Die Anthropologie, die darin zum Ausdruck kommt, stimmt mit dem ersten Absatz von Rousseaus „Emile“ überein und ist m.E. grundfalsch. Das Bild verlangt, daß erst einmal ein Körper da ist, dem der Panzer angelegt werden kann, in der Sprache Rousseaus a.a.O. der Mensch, „wie er aus den Händen des Schöpfers kommt“. (…) Das sind sehr naive Verdinglichungen. (…) Deswegen will ich nur andeuten, daß die Person als Bewußthaber mit Fähigkeit zur Selbstzuschreibung (etwas für sich selbst zu halten) in ambivalenter Zwitterhaftigkeit zwischen diesem personalen Selbstbewußtsein und dem präpersonalen des leiblich-affektiven Betroffenseins mit leiblicher Dynamik und leiblicher Kommunikation existiert und unabwerfbar ihre zuständliche persönliche Situation (volkstümlich genannt: ihre Persönlichkeit) als Hülle und Kontrahenten zugleich mit sich führt, ein Gepäck wie eine zähfließende Masse, in der unzählige zähflüssige Massen gleiten und die ihrerseits in solchen zähflüssigen Massen (implantierenden und includierenden gemeinsamen Situationen) gleitet. Die Hülle ist also schon da, wenn die Person sich zu ihrer Lebensgeschichte als Person aufmacht, und zwar mehrfach da, als persönliche Situation und als diese in sich einbettende gemeinsame Situation; sie ist gleichursprünglich mit der Person. Deswegen ist die Annahme verfehlt, der Mensch sei als Person erst einmal gleichsam nackt vorhanden und dann irgendwie bekleidbar, sei es mit einem (Charakter-)Panzer oder mit einem weicheren Kleid. Unter den einbettenden und eingebetteten Situationen, in denen die Person befangen ist, gibt es immer Reibungen, und dazu gehören Verhärtungen, Verklumpungen, Verkrustungen, die durch gleichsam kluge Diplomatie (z. B. Erziehung, Psychotherapie) aufgelöst werden sollten. Die Hoffnung, unter einer Kruste den lebendigen Organismus freizulegen (wie beim Schwein, wenn der trocken gewordene Schlamm in der Sonne abplatzt), ist bei der Person aber vergebens. (S. 382)

Um darauf einzugehen, muß ich etwas weiter ausholen: Bei Schmitz fällt auf, daß die Wirtschaft gar nicht vorkommt. Sein System imponiert als das Gegenteil des Historischen Materialismus. Johann Gottlieb Fichte ist in seinem System unendlich wichtiger als die Dampfmaschine, die sich etwa zeitgleich zu verbreiten beginnt! Von Klassengegensätzen will ich erst gar nicht anfangen. – Was hat das nun mit dem „Charakterpanzer“ zu tun? Betrachten wir dazu den Hamburger Hafen: der hat seit jeher ein besonderes Flair, Gepräge, ein fast schon „mediterranes“ Mikroklima etc. Entsprechend wird er auch beispielsweise in der Touristenwerbung der Freien und Hansestadt Hamburg verkauft. Die „Natur“ des Hafens und seine nach außen getragene „Persönlichkeit“ (bei der seine „Natur“ karikaturhaft zugespitzt wird) sind weitgehend identisch. Das, diese „implantierende Situation“, ist die ganz Welt Schmitz‘. Daß es auch so etwas wie den Hafenbetrieb, die Ökonomie gibt, der sich, wenn man so will, als „Charakter“ zwischen „Natur“ und „Persönlichkeit“ schiebt, und daß der alles bestimmt, kommt bei Schmitz konzeptionell nicht vor. Das läßt sich selbstredend eins zu eins auf den Menschen übertragen: selbstredend, weil wir ja daher diese Begrifflichkeit genommen haben.

Hier gehört der materialistische „Charakterpanzer“ hin (und ganz nebenbei die Verortung des „Marxistischen“ Anteils der Orgonomie!), für den es in Schmitz‘ „idealistischem“ System einfach keinen Platz gibt. Wenn man mal von Schmitz‘ Begriff „Fassung“ (S. 389) absieht (im Sinne von „die Fassung verlieren“). Ziemlicher Unsinn, denn wenn ich meine Fassung verliere, kommt mein Charakter erst recht zum Vorschein. Schmitz‘ „Fassung“ entspricht demnach dem, was Reich als „die Fassade“ bezeichnet hat. Das wird durch Laskas Zusammenfassung von entsprechenden Passagen bei Schmitz offensichtlich (S 390f), aber Schmitz begreift rein gar nichts!

Email [Laskas Weg] 2008

29. Februar 2024

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Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Amöbe” und folgende

22. Februar 2024

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Humana conditio ex orgonomico prospectu: Vorbemerkung und Einführung

2. Februar 2024

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