Posts Tagged ‘Biochemie’

Der Orgon-Akkumulator (Teil 2)

18. April 2019

von Bernd Laska

2. Entstehungsgeschichte

Der Akku war nicht eine geniale Idee, die Reich plötzlich hatte, sondern das Resultat jahrelanger, intensiver Forschungsarbeit.

Nach gut einem Jahrzehnt klinischer Arbeit auf psychoanalytischer Grundlage war Reich etwa um 1932/33 an die Grenzen der Psychologie gestoßen. Sicher gab es (und gibt es auch heute) noch zu erforschende Details; aber das war für den Pionier Reich keine Aufgabe, er wollte nicht in die Breite forschen, sondern in die Tiefe.

Da Reichs Orientierung von Anfang an naturwissenschaftlich war, hielt er sich neben seiner sonstigen Tätigkeit über die Entwicklungen in anderen Wissenschaften wie Biologie, Medizin, Physiologie etc. auf dem laufenden. Zudem wuchs mit seinen Einsichten in die Ursachen der Neurosenentstehung sein gesellschaftspolitisches Engagement, sodaß man kaum erwarten konnte, daß Reich sein Leben wie die meisten Psychoanalytiker mit dem einträglichen Kurieren von Neurosen verbringen würde.

Die wesentlichen Erkenntnisse, die mit der psychoanalytischen Methode gewonnen worden waren, hielt Reich gegen die ‚revisionistischen‘ Bestrebungen von vielen Analytikern und Freud selbst fest und brachte sie mit Erkenntnissen in Verbindung, die aus anderen Naturwissenschaften kamen. Er integrierte ausgewählte Ergebnisse aus Physiologie, Biochemie (speziell Kolloidchemie) und Biologie, die er mit eigenen charakteranalytischen Erkenntnissen zu einer ganzheitlichen Theorie vom Menschen zu entwickeln suchte. So stammt zB das Konzept der vegetativen Strömung vom Berliner Internisten Friedrich Krause. Auch die Untersuchungen von Walter und Käthe Misch zur Biochemie von Lust und Angst sowie L.R. Müllers Forschungen zum vegetativen Nervensystem ergänzten sich in Reichs Sicht gegenseitig und mit seinen eigenen Konzepten. Während dieses Jahres intensiven Studiums (1934) im dänischen Exil machte Reich selbst keine neuen Entdeckungen; er verarbeitete die erwähnten und weitere bisher kaum miteinander in Beziehung gebrachte Ergebnisse der Spezialwissenschaften zusammen mit eigenen Theorien zu dem fundamentalen biologischen Konzept der „psychosomatischen Identität und Gegensätzlichkeit“.

In diesem Prozeß der Aufarbeitung aller ihm in diesem Zusammenhang relevant erscheinenden Theorien tauchten bald Fragestellungen auf, deren Beantwortung er selbst in Angriff nehmen mußte. Er frischte also seine alten experimentellen Kenntnisse wieder auf, erweiterte sie und ging mit einigen speziell ausgebildeten Mitarbeitern diese neuen Probleme an. So kam es zu den elektrophysiologischen Versuchsreihen zur Angst und Sexualität (lange vor Masters/Johnson und mit anderer Zielrichtung) und zu den Bionversuchen.

Trotz der schlechten äußeren Bedingungen der Emigration waren die Jahre 1933-39 eine sehr fruchtbare Periode in Reichs Leben. Auch im ideologischen Bereich fand in diesen Jahren eine entscheidende Veränderung statt. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem französischen Vitalisten Roger DuTeil bei den Bionversuchen und unter dem Eindruck der Entwicklung im ‚sozialistischen Lager‘ löste sich Reich langsam vom offiziellen Marxismus, ohne jedoch die Ziele aufzugeben, die einst ihn und viele andere zum Marxismus geführt hatten.

Bei seinen elektrophysiologischen Vorsuchen und bei der Arbeit mit den Bionkulturen arbeitete Reich noch immer mit dem Konzept der Bioelektrizität. Einige Ergebnisse paßten dort jedoch überhaupt nicht hinein, sodaß sich Reich gezwungen sah, die Existenz einer energetischen Strahlung außerhalb des elektromagnetischen Spektrums zu postulieren, die er Orgonenergie nannte.

Dieser so konsequente Weg Reichs, der hier nur ganz grob skizziert werden konnte, ist allgemein wenig bekannt und deshalb hier dem eigentlichen Thema vorangestellt.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors. Aus: Wilhelm Reich Blätter 4/76.

Zur Entstehungsgeschichte der Orgonomie (Teil 9)

23. September 2018

Klaus Heimann (Philipps-Universität Marburg/Lahn 1977, gepostet mit der freundlichen Genehmigung des Autors)

II. Die Entdeckung der Orgonenergie: 5. Experiment XX1

Die Bionversuche haben gezeigt, daß die Bione ein Energiefeld besitzen, d.h. sie strahlen eine Energie aus, sie haben ein Orgonenergiefeld. Auch Menschen bilden ein Orgonenergiefeld um sich herum, das mit Hilfe des Orgonenergiefeld-Messers nachgewiesen werden kann. Dieser Orgonenergiefeld-Meßapparat beruht auf folgendem Prinzip: Die Sekundärspule eines Induktionsapparats entwickelt ein Orgonenergiefeld, das durch Erstrahlung eines Edelgases ohne direkten Kontakt durch einen Draht nachgewiesen werden kann. Wird nun ein Kontakt hergestellt zwischen menschlichem Energiefeld und Energiefeld der Sekundärspule, so wird das Glühen einer zwischengeschalteten Glühbirne verstärkt und ist mit Hilfe einer Photozelle meßbar.2

Das Experiment XX diente ursprünglich dazu, die Erstrahlung verschiedener Orgonenergie haltiger Flüssigkeiten zu messen. Reich verwendete für diesen Versuch Erdbion-Wasser, das aus gesiebter Gartenerde gewonnen wurde. Die Gartenerde wurde eine Stunde lang in Wasser gekocht. Anschließend wurde das Wasser kristallklar abgefiltert. Die Erstrahlung dieses so gewonnenen Bion-Wassers wurde mit einem Apparat zur quantitativen Bestimmung der Fluoreszenz von Flüssigkeiten gemessen. Reich wies ausdrücklich darauf hin, daß die elektrisch gemessenen Werte nichts über die eigentlichen Kräfte der Orgonenergie aussagen, da diese nicht elektrischer Natur seien. Das Bionwasser erstrahlte im Durchschnitt etwa 45 mal stärker als vor dem Kochen.

„Durch das Kochen hat sich die Materie der Erde in bewegte bionöse Materie verwandelt. Aus der Materie wurde Energie befreit. Das ist mikroskopisch an der inneren Bewegtheit, am langsamen Pulsieren und an der Kontraktilität der Orgonenergie-Bläschen (im Gegensatz zur Unbewegtheit derselben Partikel derselben Erde vor dem Kochen) eindeutig festzustellen. Es haben sich im Prozesse des Kochens nicht nur die Erdpartikel in Bione verwandelt, es ist nicht nur Energie in den Partikeln frei geworden, so daß sie innerlich bewegt wurden, sondern mehr: Diese Energie gelangt auch ins Wasser, denn Wasser zieht Orgon an sich wie auch umgekehrt So erhöht sich die orgonotische Potenz des Wassers von ihrem Eigenwert auf den biochemischer Flüssigkeiten von hohem orgonotischen Wert.3

Mit dem Bion-Wasser wurden verschiedene Versuche durchgeführt. Zu seiner eigenen Überraschung stellte Reich fest, daß sich in eingefrorenem, kristallklarem, partikelfreiem Bion-Wasser dichte Flocken bildeten, die sich mikroskopisch als außerordentlich stark strahlende, bionöse Materiepartikel erwiesen. Die steril aufbewahrten Präparate mit dem aufgetauten Bion-Wasser und den darin entstandenen Flocken zeigten nach einigen Tagen eine deutliche Vermehrung der Flocken durch Teilung sowie durch Substanzansatz. Im Verlauf mehrerer Wochen veränderten sich die Flocken, es bildeten sich stark blauschimmernde, kreisförmige Bione, die sich allmählich streckten und Bohnenform annahmen. Aus diesen „Bohnenformen“ entwickelten sich schließlich ruckend und zuckend fortbewegte Protozoen, die rein weiter gezüchtet werden können. Aus diesem Versuch zog Reich folgende Schlüsse:

  1. Erdhumus enthält Orgonenergie. Durch Verwandlung des Erdhumus in Erdbione steigert sich die orgonotische Potenz des Wassers…
  2. Orgonenergie in hoher Konzentration färbt Flüssigkeiten gelblich.
  3. Die bei Zimmertemperatur in der Flüssigkeit gleichmäßig verteilte Orgonenergie kontrahiert unter Kälteeinfluß zu einem gelben Kern im Eis.
  4. Protoplasmatische Flocken oder Materie entsteht aus konzentriertem masse-freiem Orgon.
  5. Hohe orgonotische Potenz von Flüssigkeiten führt zur Entwicklung von Protozoen über die Bildung von Orgonenergiebläschen.
  6. Die Bildung von plasmatischer Materie aus konzentrierter Orgonenergie deutet einen allgemeinen Prozeß an, durch den Materie aus Energie entstand, wenn man in der Orgonenergie die primordiale kosmische Energie erblickt.
  7. Nach unseren Ergebnissen in Experiment XX ging auf unserem Planeten die Entwicklung des lebenden Plasmas der Organisation von Kohlesubstanz und Kohlehydraten voraus. Kohle ist ein Produkt des Zerfalls lebender Materie. Biochemische Moleküle existierten nicht vor der Entwicklung plasmatischer Substanz, sondern traten als einer der mechanischen Bestandteile im Prozeß der plasmatischen Organisation auf.4

Nach übereinstimmender Auskunft von Raknes5 und Kelley6 wurde das Experiment XX von mehreren Wissenschaftlern in den USA wiederholt und die Ergebnisse bestätigt.7 Widerlegt wurden diese Untersuchungen, die ja den lebensspezifischen Charakter der Orgonenergie nachweisen, von niemandem.

 

Fußnoten

  1. Vgl. Reich, W., Die Entdeckung… Der Krebs a.a.O. S. 80–93
  2. Vgl. ebenda S. 162–165
  3. ebenda S. 84f
  4. ebenda S. 92f
  5. Vgl. Raknes, W. Reich und die Orgonomie, a.a.O. S. 98
  6. Vgl. Kelley, What is orgone energy? a.a.O. S. 66
  7. Besonders genannt sei hier der Biochemiker Grad, der von Raknes und Kelley zitiert wird. Originalliteratur lag mir von ihm leider nicht vor.

ZUKUNFTSKINDER: 5. Säuglingspflege und Kindererziehung, d. Schläge machen dumm und fett

8. März 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

ZUKUNFTSKINDER:

5. Säuglingspflege und Kindererziehung, d. Schläge machen dumm und fett

ZUKUNFTSKINDER: 2. Die Vererbungsfrage, a. Genetik und Epigenetik

31. Januar 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

ZUKUNFTSKINDER:

2. Die Vererbungsfrage, a. Genetik und Epigenetik

Reich und die moderne Biologie (Teil 1)

7. Dezember 2014

Mancher wird sich an die Aufregung um das „Human Genom Projekt“ erinnern, die Entschlüsselung des „genetischen Codes“ des Menschen, und was für ungeheure Folgen es haben würde: wir würden beginnen so gut wie alles zu verstehen. Die Euphorie hat sich schnell verflüchtigt.

Es wurde berichtet, daß die Entschlüsselung des menschlichen „Epigenoms“ gelungen sei. Thema der Epigenetik ist die Steuerung der Genexpression. Schließlich sind die Gene in jeder Körperzelle, etwa in einer Nierenzelle oder einer Netzhautzelle, identisch und außerdem werden nicht alle Gene von der Zelle gleichzeitig benötigt. Was steuert also die Gene – die doch angeblich den menschlichen Organismen steuern?

Die Wissenschaft erklärt dies heute insbesondere durch Verweis auf die „Methylierung“, mit der wir uns bereits in Die Kinder der Zukunft und die Genetik (Teil 3) und Der zweite Code und die Kinder der Zukunft beschäftigt haben:

An einige DNA-Bausteine hängt der Körper kleine chemische Schalter, Methylgruppen genannt, an und schaltet damit dahinterliegende Gene aus.

Man sieht, die mechanistische Wissenschaft verlagert das Problem lediglich, denn was steuert nun wiederum die „Methylgruppen“?

Wir sind gerade Zeugen einer Revolution in den Biowissenschaften, durch die Reich von neuem im Wesentlichen Recht gegeben wird. Das Ende der erdrückenden Dominanz der Genetik ist nah.

Reich zufolge werden durch das Energiesystem neugeborenes Kind „einige elementare kosmische Funktionsgesetze in den Bereich menschlichen Handelns gebracht.“ Es bilden „sich die Spermatozoen und Eier in den Metazoen (…) durch Kondensation von Orgonenergie im Keimgewebe“ (Die kosmische Überlagerung). Reich fragt „worin konkret sich die Vererbung kundgibt, an welchen biologischen Funktionen sie abläuft.“ und glaubte die, damals noch hypothetischen Gene wären „eigens dazu erdacht die Frage des lebendigen Funktionierens“ zu verhüllen und den Zugang zur formbildenden lebendige Kraft zu verrammeln (Der Krebs).

Und tatsächlich war es zu Reichs Lebzeiten „alles andere als klar, daß diese Einheiten [die Gene] Moleküle in Begriffen der strukturellen Chemie waren.“ (Max Delbrück z.n. J. Herbig: Die Geningenieure, München 1978) Heute sind wir immerhin weiter und kennen die Struktur der Gene genau. Zwar kann man heute noch immer nicht erklären, wie sich neue Arten entwickeln, aber die Konstanz der Arten ist mit Hilfe der Gene erstmals verständlich geworden!

Wissenschaft findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern ist wie jedes menschliche Handeln durch die Charakterstrukturen bestimmt und es will so scheinen, daß die wissenschaftlichen Erfolge bezüglich dieses „konstanten Faktors“ mit der Panzerung der Wissenschaftler zusammenhängen. Man dringt wohl ins Innere der Körperzellen und sogar in die Atomkerne vor, aber die Orgonenergie wird übersehen. Der gepanzerte Mensch nimmt nur das für wahr, was seiner Panzerung entspricht – er nimmt nur das Unbewegliche, das „Unbedingte“ wahr. So ist ihm das Wesentliche bei der Vererbungsfrage durch die Hände geglitten.

Henri Bergson hat in seiner Einführung in die Metaphysik diesen Grundirrtum wie folgt in der Geschichte der Philosophie festgemacht, die unsere Naturwissenschaft geprägt hat: Der Irrtum der antiken Philosophien lag darin,

daß sie immer aus dem menschlichen Geiste so natürlichen Glauben schöpfen, eine Veränderung könne nur Unveränderlichkeiten ausdrücken und entwickeln. Hieraus ergab sich, daß die Aktivität eine abgeschwächte Kontemplation, die Dauer ein trügerisches und bewegliches Bild der unbeweglichen Ewigkeit, die Seele ein Sturz der Idee war. Diese ganze Philosophie, die mit Plato beginnt, um bei Plotin anzulangen, ist die Entwicklung eines Prinzips, das wir folgendermaßen formulieren würden: „Im Unbeweglichen ist mehr enthalten als im Beweglichen, und man gelangt vom Stabilen zum Unstabilen durch eine einfache Verminderung.“ Das Gegenteil aber ist die Wahrheit.

Diese Tradition führte in der Biologie schließlich zur Genetik, die eben keine „reine“ Wissenschaft ist. Eine solche kann es (in einer gepanzerten Gesellschaft) gar nicht geben, da Wissenschaft immer mehr ist als die Ansammlung von Fakten. Die Charakterstruktur filtert diese zwiefach: erstens wird die Faktenauswahl beschränkt, man sucht das Statische, und zweitens wird ohnehin alles im Sinne des Statischen interpretiert, – weil man selber „statisch“ ist, gepanzert.

In seinem Buch Die Selbstorganisation des Universums (München 1982) führt Erich Jantsch aus, daß Bergson sich seinerzeit u.a. gegen die Meinung wandte, menschliches Gedächtnis habe seinen Sitz ausschließlich im Gehirn:

Gedächtnis ist ihm zufolge eine Funktion des Gesamtorganismus. Die Unterscheidung zwischen metabolischem und neuralem Gedächtnis, je nach Art der beteiligten Kommunikationsprozesse, bringt hier Klärung. Die Existenz eines metabolischen Gedächtnisses im Menschen bestätigte sich, als Wilhelm Reich in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts nachwies, daß sich traumatische Erlebnisse nicht nur in der Psyche, sondern auch in Muskelkontraktionen niederschlagen.

Es wäre interessant hier auch den Einfluß des deutschen Zoologen Richard Wolfgang Semon (1859-1918) auf Reich näher zu analysieren, denn wie in der Chronik der Orgonomie erwähnt, gehörte, neben Bergson, auch Semon zu Reichs frühsten wissenschaftlichen Prägungen. Semon hatte angenommen, daß Sinneseindrücke zu permanenten Veränderungen in den Nerven führen. Diese Engramme (Spuren) ermöglichen Semon zufolge die Assoziation und Erinnerung und sie gehen ins Erbgut ein. Alle Engramme zusammen bilden die Mneme, d.h. das biologische Gedächtnis.

Die Lehre von der Vererbung erworbener Eigenschaften hat sich bis zum heutigen Tage, obwohl sie richtig ist, praktisch nicht durchsetzen können. (Der Krebs)

Bei dieser Verteidigung des Lamarckismus dachte Reich wohl an das Schicksal eines seiner wichtigsten frühen Anreger. 1919 hatte Reich den österreichischen Zoologen Paul Kammerer (1880-1926) persönlich kennengelernt, dem es gelungen war, die Vererbung erworbener Eigenschaften an Niederen Tieren und Amphibien experimentell nachzuweisen.

Der Biologe Alexander Vargas von der Universität von Chile ist nach Untersuchung der Laborbücher Kammerers zu dem Schluß gekommen, daß Kammerer ein früher Vertreter der erwähnten Epigenetik war.

An Kammerers Biologievorlesungen erinnerte sich Reich „mit besonderer Vorliebe“. Ilse Ollendorff zufolge führte Reich sein bleibendes Interesse an der Biologie auf Kammerers Wirken zurück. In Der Krebs zitiert er Kammerer ausführlich.

Näheres über Kammerer kann der Leser in Arthur Koestlers Der Krötenküsser (München 1972) finden. Hier sei Kammerer nur kurz zitiert, um einen Eindruck von seiner Grundeinstellung zu vermitteln, die nachhaltig auf Reich gewirkt hat:

Entwicklung ist (…) nicht erbarmungslose Auslese, die alles Lebendige formt und vervollkommnet, nicht verzweifelter Kampf ums Dasein, der allein die Welt beherrscht. Alles Geschaffene strebt vielmehr aus eigener Kraft nach oben dem Lichte und der Lebensfreude zu und begräbt nur Unbrauchbares im Gräberfeld der Selektion.

Anfang der 1920er Jahre war Kammerer einer der berühmtesten aber auch umstrittensten Biologen der Welt. Zu einer Zeit als sich die Eugenik, d.h. die Züchtung wertvollen und die „Ausmerzung“ wertlosen Lebens zunehmend durchsetzte, vertrat Kammerer offensiv einen Lamarckismus, demzufolge beispielsweise die guten Eigenschaften, die eine gute Kindererziehung mit sich bringt, an zukünftige Generationen vererbt wird. Es war nur naheliegend, daß er 1926 an die Kommunistische Akademie der Wissenschaften in Moskau, die Institution für fortschrittliches Gedankengut, berufen wurde.

Leider konnte er diesen Posten nicht mehr ausfüllen, da er infolge des Skandals um einen angeblichen wissenschaftlichen Betrug Selbstmord verübte. Stattdessen wurde Iwan Wladimirowitsch Mitschurin zum führenden sowjetischen Lamarckisten. Unter Mitschurins Einfluß war die Parteilinie seit 1929 offiziell Lamarckistisch. Er stand so hoch in Kurs, daß seine Heimatstadt Koslow nach seinem Tod 1935 in Mitschurinsk umbenannt wurde. So heißt sie heute noch.

Diese Entwicklung war nicht verwunderlich, denn schon Engels hatte davon gesprochen, daß die Bedürfnisse des Vormenschen sich ihre Organe geschaffen hätten. Bereits 1906 hatte Stalin darauf hingewiesen, daß die Theorie des Neo-Lamarckismus an die Stelle des Neo-Darwinismus rücke, denn sie zeige, „wie quantitative Veränderungen qualitative hervorbringen“ (C.D. Darlington: Das Gesetz des Lebens, Wiesbaden 1959).

Als „humanistische Materialisten“ wollten die Sowjetmarxisten die Welt langfristig zum Guten wenden, und dazu bot damals nur der Lamarckismus einen realistischen Ansatzpunkt, wollte man nicht wie die Nazis Menschen züchten. Der Lamarckismus war das Ideal für die über Generationen hinweg in die Zukunft blickenden Erziehungsdiktatoren der Sowjetunion. Aktuelle Verhaltensveränderungen würden sich verewigen und so das Sowjetsystem langfristig absichern.

Es ist nicht verwunderlich, daß der „bürgerliche“ Begründer des Behaviorismus, J.B. Watson, enthusiastisch Kammerers Ergebnisse über die Vererbbarkeit erworbener Eigenschaften begrüßte. Watson:

Wie viel würde es für die Pädagogen, für die Gesellschaft im allgemeinen bedeuten, wenn [Kammerers Resultate] richtig wären!

Reich reiht sich hier lückenlos ein. Noch 1949 hat Reich den berühmt-berüchtigten Hohenpriester des „Mitschurin-ismus“, Trofim Denissowitsch Lyssenko, in einem Brief an Neill gegen die amerikanischen Genetiker verteidigt. Reich beklagt nur, die Russen hätten rein politische Motive geleitet, die sie zufällig auf die richtige wissenschaftliche Seite geführt hätten.

Neben dem Einfluß des Vitalismus (wie ihn Kammerer vertrat) und des „Dialektischen Materialismus“ auf Reich ist natürlich in vorderster Linie Freud zu nennen. In der Psychoanalyse diente der Lamarckimus hauptsächlich dem Zweck, eine Art Ursünde auf den Grund des Unbewußten zu setzen. So führt Freud (noch ziemlich vage) in Totem und Tabu den Ödipuskomplex auf den „Vatermord in der Urhorde“ zurück, der so quasi angeboren ist. Explizit sollte sich Freud zwei Jahrzehnte später in Der Mann Mosese zum Lamarckimus bekennen, trotz der „gegenwärtigen Einstellung der biolgischen Wissenschaft (…), die von der Vererbung erworbener Eigenschaften auf die Nachkommen nichts wissen will.“

Freud brauchte den Fortbestand von Erinnerungsspuren aus der archaischen Erbschaft, um die Kluft zwischen Individual- und Massenpsychologie überbrücken zu können, d.h. um die Völker wie einzelne Neurotiker behandeln zu können. Freud:

Wir tun damit auch noch etwas anderes. Wir verringern die Kluft, die frühere Zeiten menschlicher Überhebung allzuweit zwischen Mensch und Tier aufgerissen haben. Wenn die sogenannten Instinkte der Tiere, die ihnen gestatten, sich von Anfang an in der neuen Lebenssituation so zu benehmen, als wäre sie eine alte, längst vertraute, wenn dies Instinktleben der Tiere überhaupt eine Erklärung zuläßt, so kann es nur die sein, daß sie die Erfahrung ihrer Art in die neue eigene Existenz mitbringen, also Erinnerungen an das von ihren Voreltern erlebte in sich bewahrt haben. Beim Menschentier wäre es im Grunde auch nicht anders. Den Instinkten der Tiere entspricht seine eigene archaische Erbschaft, sei sie auch von anderem Umfang und Inhalt.

Reich hat sich nie mit dem Mißbrauch des Lamarckismus durch die Stalinisten und Freudianer auseinandergesetzt. Dazu war er zu sehr in der jeweiligen Tradition verankert. Seine Kritik galt ausschließlich dem Mißbrauch des Darwinismus durch rechte reaktionäre Kreise im Sinne der Klassengesellschaft und des Rassenwahns. So unterscheidet Reich 1933 in seiner Massenpsychologie des Faschismus zwischen der Darwinschen Hypothese der natürlichen Zuchtwahl, die von Hitler rassistisch mißbraucht werden konnte, Reich nennt sie „reaktionär“, und dem Darwinschen Nachweis der Abstammung der Arten, der Reich zufolge „revolutionär“ gewesen sei.

lamarck

Lamarcks Vorstellungen wurden bis vor kurzem als wissenschaftliche Kuriosa betrachtet, die keiner ernsten Untersuchung wert seien. Mit Beginn des neuen Jahrtausends scheint sich eine Renaissance des Lamarckismus anzubahnen.

Man kann beispielsweise auf Joachim Klose von der Berliner Charite verweisen. Seiner Meinung nach, können epigenetische Informationen beim Menschen durchaus in die Keimbahn eingehen. Renato Paro vom ETH Zürich untersuchte entsprechendes bei der Fruchtfliege Drosophila. Würden sich diese Forschungsansätze bestätigen, wären die Konsequenzen global. Sogar die Evolution könnte sich schneller und gezielter abgespielt haben, als Darwin es sich vorgestellt hat. Sein verspotteter Gegenspieler Lamarck, der schon vor 190 Jahren von einer Vererbung erworbener Eigenschaften sprach, könnte zu neuen Ehren kommen.

Im letzten Jahrhundert wurde geflissentlich verdrängt, daß Darwin selber mit zunehmendem Alter immer mehr zu einem ausgesprochenen Lamarckisten wurde. Außerdem ging es bei Darwin weniger um die mechanistische Lehre zufälliger Mutation, sondern die natürliche Auslese als schöpferische Instanz stand zentral. Beide, Darwin und, wie wir gesehen haben, Lamarck, wurden schlimm entstellt und vulgarisiert – „mißbrauchsfähig“ gemacht.

Pierre P. Grassé (Evolution, Stuttgart 1973) meint, eine der Hauptmethoden Lamarck kaltzustellen, habe darin bestanden, ihm Behauptungen zuzuschreiben, die er so nie gemacht hatte.

Lamarck wird viel zu wenig gelesen und seine Gedanken wurden in einer so vereinfachten und schematisierten Form dargestellt, daß sie manchmal geradezu lächerlich wirken.

Für Lamarck war weniger die mechanistische Beeinflussung durch die Umwelt, die dann vererbt wird, entscheidend, als vielmehr innerplasmatische Vorgänge. Diese wurden jedoch, so Grassé,

bisher nicht in die Experimente mit einbezogen, die darauf abzielten die Erblichkeit erworbener Merkmale zu beweisen. Sie berücksichtigen vor allem die Umwelt und nicht den Organismus, ihre negativen Ergebnissen sind nur zu gut zu erklären.

Es wird kaum erwähnt, daß Lamarck einen Vervollkommnungstrieb annahm, der bestimmte „Fluida“, vergleichbar mit Bergsons „élan vital“, zu bestimmten Organen leiten bzw. sie von dort ableiten würde. Lamarcks Konzept von den „Fluida“ und einem inneren Drang der die Form bestimmt, erinnert an Reich:

Wachstum in der Längsachse (…) erscheinen (…) als energetische Funktionen des Körperorgons, als Resultate seines inneren Bestrebens, aus dem einengenden Membransack hinauszugelangen. Dabei dehnt sich die Membran und bildet so die vorquellenden Säcke der sich entwickelnden Organe in ihrem Ursprungsstadium. (Die kosmische Überlagerung, S. 64)

Etwa zeitgleich mit Reich entwickelte der Franzose Paul Wintrebert den „chemischen Lamarckismus“. Eine der theoretischen Hauptfragen des Lamarckismus ist, wie erworbene Merkmale der Körperzellen sich den Keimzellen mitteilen und sich dort verankern. Nach Wintrebert vollzieht sich dieser Vorgang in drei Etappen:

  1. In einem Organ bildet sich infolge einer durch das Milieu bewirkten Störung eine Substanz, die mit seinem Verhalten nichts zu tun hat und auf eine chemische Veränderung seiner Mechanismen hindeutet. Diese Substanz zeigt in ihrer Struktur Spuren ihrer Herkunft und wirkt wie ein Antigen.
  2. Es erfolgt eine Reaktion des Haut- und endokrinen Drüsen-Systems. Dieses neutralisiert die pathogene Wirkung des Antigens durch Erzeugung eines spezifischen Gegenstoffes, eines adaptiven Enzyms, das die mangelhafte Funktion anregt und das humorale [durch Blut- und Lymphewege übertragenes] Gleichgewicht wieder herstellt. Dieser Gegenstoff hat den Charakter eines zweckmäßigen und vergänglichen Begleithormons.
  3. Dieses adaptive Hormon verbindet sich gegebenenfalls chemisch mit den Nukleoproteinen des Erbplasmas. (z.n. Jean Rostand: Biologie – Wissenschaft der Zukunft, Darmstadt 1954)

Dabei ist hervorzuheben, daß Wintrebert die beiden ersten Stufen als Werk der lebendigen Substanz betrachtete und nur der dritten Etappe einen rein chemischen Charakter gab. Für Wintrebert bestand die Differenz zwischen Genetikern und Lamarckisten

im wesentlichen darin, daß für die Genetiker das Gen das Protoplasma steuert, während ganz im Gegenteil für die Lamarckisten das Protoplasma über das Gen, das es gebildet hat, verfügt, es verwendet oder nicht, je nachdem, ob in seiner Funktionsweise seine Struktur es dazu veranlaßt oder nicht, sich aufgrund chemischer Affinität mit ihm zu kombinieren. (Grassé)

Für den mechanistischen Genetiker ist die Evolution ein vom Lebensprozeß losgelöster Vorgang – nicht das Leben bildet und benutzt die Gene, sondern die „egoistischen“ Gene benutzen das Protoplasma, um ihre Information in die Ewigkeit weiterzugeben. Es ist das mechanistische Äquivalent einer extrem mystischen Weltsicht, in der eine unsterbliche Seele in der Reihe der „Wiedergeburten“ Körper benutzt.

Für den „aufgeklärten Lamarckisten“ Wintrebert hingegen ist die Evolution

eine Verkettung von Mechanismen, die adaptive Substanzen erzeugen, sie ist die ständige Schöpfung adaptiver Mutationen, die die Umwelt überwinden und die miteinander verkettet sind. Sie sind auf einen einzigen Erbvortrag zu reduzieren, hieße ihren Dynamismus mit der erblichen Kinematik zu verwechseln, aus dem Leben die schöpferische Funktion auszuschalten. (…) Die Evolution ist eine Verkettung von Neubildungen und die Vererbung begnügt sich damit, diese zu investieren. (z.n. Grassé)

Zum Abschluß ein Dokumentarfilm über die Evolution:

Biopathien und die Gene

4. Dezember 2014

Reich zufolge gehen die sogenannten „psychosomatischen Erkrankungen“ auf eine Störung der energetischen Pulsation im Körper zurück: es sind Biopathien. Seit Reich wurde die Medizin jedoch zunehmend mechanistischer und schließlich wurde versucht alles auf Gene zurückzuführen. Die Wende kam mit dem Human Genome Project, von dem man sich so viel erhofft hatte, doch statt dem Ziel näherzukommen, mit der „Software“ des menschlichen Körpers endlich die „Menschmaschine“ steuern zu können, stellte sich heraus, daß der Mensch gerade mal 40 000 Gene hat. Es gibt Pflanzen, die weitaus mehr Gene besitzen! Trotz intensiver Forschungen lassen „Gentherapien“ auf sich warten. Die Euphorie ist Ernüchterung gewichen.

Aber selbstverständlich spielen die Gene eine gewichtige Rolle. Man denke nur an die eindeutigen Erbkrankheiten, die heute lückenlos bis auf teilweise nur ein einziges Gen zurückgeführt werden können.

Aus orgonomischer Sicht sind Gene Ausdruck einer funktionellen Transformation, die orgonometrisch wie folgt beschrieben wird:

Es geht um die Überwindung der zeitlichen Trennung („t“ steht für Zeit, „L“ für Länge bzw. den Raum). Die Gene ähneln in dieser Hinsicht den „geistigen Funktionen“, insbesondere dem Gedächtnis. Genetische Vorgänge spielen sich entsprechend in einem ganz anderen Bereich ab als bioenergetische Funktionen (die orgonotische Pulsation und Energieströmungen).

Eine Forschergruppe um Klaus Hansen (Universität Kopenhagen) hat gezeigt, wie die beiden Funktionsbereiche ineinander verzahnt sind. Reichs Ansatz und die Genetik schließen sich demnach nicht aus, sondern ergänzen einander.

Hansen:

Wie fanden heraus, daß streßverursachende Faktoren unsere Gene beeinflussen können, indem sie bestimmte Gene aktivieren, die eigentlich stilliegen sollten. Es ist sehr wichtig, daß manche Gene an- und andere abgeschaltet sind, um eine regelrechte fötale Entwicklung und das richtige Funktionieren unserer Zellen später im Leben zu gewährleisten.

Simmi Gehani, ein Mitglied der Forschergruppe um Hansen, fand heraus, daß, wenn man menschliche Zellen einer streßverursachenden chemischen Zusammensetzung aussetzt, stilliegende Gene aktiviert werden. Das kann bei der Entwicklung des Fötus verheerend sein und auch im erwachsenen Körper schlimme Folgen zeitigen. Gehani:

Beispielsweise kann man sich vorstellen, daß langanhaltender Streß dazu führt, daß Nervenzellen im Gehirn Hormone produzieren und andere Botenmoleküle, die sie normalerweise nicht produzieren würden und daß dies die normalen Hirnfunktionen stört.

Die Forschergruppe um Hansen ist sehr daran interessiert, wie konkret unsere Gene an- und abgeschaltet werden. Hansen:

Wir wissen, daß unterschiedliche Eiweißkomplexe sich mit spezifischen Proteinen (Histone) verbinden können. Die DNS windet sich um sie herum, so daß sie bestimmen, ob die Gene aktiv oder inaktiv sind. Kleine chemische Gruppen können bewirken, daß Eiweißkomplexe an Histone anbinden und dies kann die Genaktivität bestimmen.

Das haben die Forscher en detail anhand eines chemischen Komplexes namens „PRC2“ studiert, der eine Methylgruppe an die Histone anbinden kann, so daß die Gene abgeschaltet sind. Durch Streßfaktoren wird jedoch ein Enzym namens „MSK“ dazu gebracht, eine Phosphatgruppe an die Histone in der Nähe der Mythylgruppen anzubinden. Die Phosphatgruppe neutralisiert die Wirkung der Mythylgruppen, so daß das Gen angeschaltet wird. Das heißt, ohne daß die Integrität der Gene selbst angetastet wird, können äußere Streßfaktoren die Genaktivität beeinflussen.

Wie Bioenergie und Biochemie zusammenwirken, hat Reich im einzelnen bereits Anfang der 1930er Jahre aufgezeigt, als er die Funktionen des Autonomen Nervensystems untersuchte. Siehe sein Buch Die bio-elektrische Untersuchung von Sexualität und Angst.

Die Epigenetik stellt dazu eine willkommene Ergänzung dar und ermöglicht als Brücke zur eigentlichen Genetik, eine Lücke in Reichs Überlegungen zu schließen: Reich hat den Organismus dermaßen auf „Pulsation“ und „Energieströmungen“, d.h. auf „Zeit-Funktionen“ reduziert, daß unerklärt blieb, wie der Organismus über seine eigene Lebensspanne und erst recht über unzählige Generationen hinweg seine, sozusagen „räumliche“ („zeitlose“), Identität bewahren kann. Ich verweise nochmals auf die obige orgonometrische Gleichung.

Natürlich muß, ähnlich wie Reich es im Rahmen seiner Möglichkeiten bei seinen Forschungen über Lust und Angst versuchte, ein lückenloses Funktionskontinuum zwischen der Bewegung der Orgonenergie (L/t) und den Genen (t → L) hergestellt werden. Das ist der Unterschied zwischen Naturphilosophie und Naturwissenschaft. Konkret geht es darum, welche orgonotischen Funktionen sich beispielsweise hinter der erwähnten „Phosphatgruppe“ (Genexpression) und der „Methylgruppe“ (Gensuppression) verbergen.

Die Orgonomie setzt genau dort an, wo die mechanistische Wissenschaft sich in einer metatheoretischen Schleife verfängt: Wenn epigenetische Vorgänge die Genexpression steuern, was steuert dann die epigenetischen Faktoren? Man kann Biologie nicht auf Chemie reduzieren!

Das hat ganz praktische Konsequenzen, etwa was die Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen betrifft, die schwerwiegende körperliche Folgeerkrankungen nach sich ziehen können. Man kann diesen Menschen mit Psychotherapie helfen und so die spätere Entwicklung psychosomatischer Erkrankungen zumindest teilweise abwenden. Wer hätte aber vor wenigen Jahren daran gedacht, daß die traumatischen Belastungen der Psyche mit Schädigungen der DNA einhergehen (die wiederum die erwähnten körperlichen Erkrankungen auslösen) – und daß man diese Schädigungen im Erbgut mit Psychotherapie zumindest teilweise wieder rückgängig machen kann?!

Iris-Tatjana Kolassa (Universität Ulm) et al. konnten anhand von schwertraumatisierten Flüchtlingen nachweisen, daß die psychischen Belastungen mit DNA-Schäden in Leukozyten einhergehen und damit die Immunabwehr kompromittiert wird, beispielsweise kommt es zu einer verfrühten Alterung. In einem zweiten Schritt wurde untersucht, ob die Behandlung mit der „Narrativen Expositionstherapie“, einer Form von Psychotherapie, in der das Trauma autobiographisch eingeordnet wird, auch auf dieser molekularen Ebene Auswirkungen hat. Nach vier Monaten dieser Psychotherapie war die DNA-Schädigung nur noch so hoch wie bei der nicht-traumatisierten Vergleichsgruppe. In den folgenden Monaten nahmen nicht nur die psychischen Symptome, sondern auch die Anzahl der DNA-Strangbrüche in den Immunzellen weiter ab. Kolassa: „Mit unserer Studie konnten wir erstmals zeigen, daß es einen Zusammenhang gibt zwischen traumatischem Streß und der Schädigung der DNA. Und, was wohl noch überraschender ist, daß sich traumatisch bedingte DNA-Schäden durch Psychotherapie mindern lassen.“

Die fünf Grundfarben unserer Lebenswelt

22. November 2014

Blau ist nicht nur meine persönliche Lieblingsfarbe (wie die der meisten Deutschen), sondern auch die Farbe der Orgonenergie. Man schaue aus dem Fester: wir leben in einem Ozean aus blauer Orgonenergie – und sollten im Interesse der Kinder der Zukunft entsprechend leben.

Man hat festgestellt, daß Tiefseefische, die in blauem Licht aufgezogen werden, kleinere, d.h. „weitsichtigere“ Augen haben, als ihre Artgenossen, die unter Rotlicht aufwuchsen und entsprechend „kurzsichtig“ sind. Das läßt sich auf den Menschen übertragen. Bei Sehtests stellte man fest, daß beim Lesen unter blauem Licht die Linsenbewegung zur Scharfstellung des Bildes („Akkommodation“) weniger ausgeprägt ist, als bei rotem Licht. Das liegt daran, daß der Brennpunkt von Rotlicht hinter der Netzhaut liegt. Leider ist es so, daß Bücher heute auf Papier gedruckt werden, das rotes Licht stärker reflektiert. Wenn man stattdessen leicht bläuliches Papier benutzen würde, verschöbe sich der Brennpunkt beim Lesen so nach vorne, daß der Kurzsichtigkeit, die vor allem durch Lesen in früher Kindheit entsteht, effektiv vorgebeugt würde.

Außerdem zeigen diverse Studien, daß helles Blau, insbesondere als Wandfarbe, ideal ist zur Beruhigung von hyperaktiven Kindern, den Blutdruck sinken läßt und allgemein die soziale Atmosphäre bessert.

Bei einer blauen Beleuchtung reagiert das Gefühlszentrum wesentlich stärker auf Emotionen in der Stimme eines anderen als etwa bei grünem Licht. Da bläuliches Licht zudem die Aufmerksamkeit verbessert und Müdigkeit entgegenwirkt, könnten auch Menschen ohne depressive Verstimmungen von einem höheren Blauanteil im Umgebungslicht profitieren.

Tatsächlich ist blaues Licht der Taktgeber unserer Existenz:

Im Auge wurde Anfang des Jahrtausends ein System der Lichtmessung entdeckt, das die Pulsation des gesamten Organismus steuert. Selbst wenn in der Netzhaut keine Stäbchen und Zapfen vorhanden sind, also aus klassischer Sicht vollkommene Blindheit vorliegt, reagieren die Pupillen und die biologischen Rhythmen verändern sich. Der dafür verantwortliche „circadiane Melanopsin-Sensor“ spricht auf blaues Licht an. Man denke auch an die chronisch geweiteten Pupillen bei Schizophrenen, die getreulich die Kontraktion des gesamten Organismus widerspiegeln (siehe E.F. Baker: Der Mensch in der Falle).

Ein österreichisch-britisches Forscherteam um Simone Moser (Universität Innsbruck) hat herausgefunden, daß Bananen unter UV-Licht blau zu leuchten beginnen, wenn sie reif werden, d.h. ihre Farbe von Grün zu Gelb wechseln. Schließlich entwickeln sich braune Flecken, deren Ränder ganz besonders stark leuchten. Im Todeskampf („Apoptose“ bzw. „programmierter Zelltod“) würden die absterbenden Zellen blau aufleuchten. „Wie die Forscher nun zeigen konnten, leuchten immer diejenigen Zellen vermehrt, die als nächstes absterben werden.“ Mit der einsetzen der Fäulnis hört das blaue Leuchten der Bananen dann ganz auf.

Für den Studenten der Orgonomie ist das blaue Leuchten der reifen Bananen Ausdruck der Orgonenergie und das Erstrahlen der Ränder der braunen Flecken nichts anderes als Ausdruck des bionösen Zerfalls, bei dem besonders viel Orgonenergie freigegeben wird.

Für den Mechanisten handelt es sich hingegen um fluoreszierende Abbauprodukte des grünen Chlorophylls („FCCs“). Tiere, die UV-Licht wahrnehmen können, beispielsweise Affen, werden von dem Leuchten angelockt und so die Pflanzensamen verbreitet. „Außerdem vermuten die Forscher, daß die fluoreszierenden Stoffe vorteilhafte Eigenschaften für die Pflanzenzellen haben. Wissenschaftler fanden bereits bei Säugetieren verwandte Moleküle, wo sie als Zellschützer wirken.“

Die mechanistische Wissenschaft stolpert ständig über jene Phänomene, die Reich in den 1930er Jahren des letzten Jahrhunderts zu entdecken begann, bleibt aber immer an irgendwelchen stofflichen Details („fluoreszierende Abbauprodukte“) hängen und in einem letztendlich mystischen Weltbild verfangen, in dem alles mit einem Zweck „erklärt“ wird. Die Forschungsergebnisse sind natürlich nicht falsch. Es ist nur schade, daß die Forscher in einer mechano-mystischen Betrachtungsweise gefangen sind, die steril ist und nicht wirklich weiter führt.

Ich verweise auf Reichs Studien mit dem Fluoroskop, die er in Der Krebs beschreibt.

Unsere Umwelt wird durch fünf Farben bestimmt: das Orgonblau des Himmels, das Grün der Flora, das Gelb/Braun des Bodens, und das Schwarz des Mutterbodens. Es fehlt die Fauna, deren charakteristische Farbe das Rot ist – jedenfalls, wenn man sie „aufschneidet“. Tiere sind die orgonotischten Einheiten in unserer Umgebung. Das Blut ist rot, da Rot für hocherregtes Orgon steht. Blut außerhalb des Körpers wird schnell braun, weil es seinen Orgongehalt verliert. Das entspricht dem Verwelken von Pflanzen, die von ihrer Energiequelle abgelöst werden: sie werden gelb-braun, weil sie Orgon verlieren. Die „Matrix“ des Lebens, der „Lebenssaft“ ist gelb. Braun wird sie durch Beimengung mit „schwarzem Orgon“, Melanor – das Produkt abgestorbenen Lebens. In reiner Form haben wir es bei tiefschwarzem Humus vorliegen. Wie aus Tod und Verfall neues Leben hervorgeht, hat Reich in Der Krebs beschrieben.

Die mechanistische Wissenschaft hat natürlich jeweils andere Erklärungen, etwa für das Oxidieren („Verrosten“) des Blutes. Betrachten wir die Fauna etwas ausführlicher. Die heutige Wissenschaft hat dazu folgende Erklärungsmodelle entwickelt:

  • Biochemie: im Herbst nimmt das Chlorophyll ab, wodurch andere Farbstoffe, etwa gelbe, sichtbar werden. Zusätzlich wird Anthocyane produziert, das für die Rotfärbung sorgt.
  • Anpassung an die Witterung: die neugebildeten Stoffe schützen die alternden Blätter vor dem Licht an kühlen Tagen.
  • Anpassung an die Freßfeinde: im Herbst legen Läuse ihre Eier bevorzugt auf grünblättrige Bäume.

Für die letzte These spricht eine Arbeit des britischen Forschers Marco Archetti, derzufolge sich kultivierte Apfelbäume, die sich über die Generationen vor Läusen weitgehend geschützt entwickeln konnten, im Herbst weniger verfärben als die Wildformen.

Zur weiteren Erhärtung untersuchte Archetti den ebenfalls von Läusen verursachten und von Landwirten gefürchteten Feuerbrand. Seine Vermutung: Sorten, die empfänglicher für diese Krankheit sind, müßten sich eher rot verfärben als weniger gefährdete Arten. Auch diesen Zusammenhang bestätigt die aktuelle Studie.

Außerdem haben die Apfelbäume mit sich rot verfärbenden Blättern laut dem Forscher deutlich kleinere Früchte. Ein Indiz dafür, daß sie noch viel näher mit ihren wilden Vorfahren verwandt sind.

Hier schließt sich der Kreis zu einer tieferen Ebene, die von der mechanistischen Wissenschaft beharrlich ausgeblendet wird:

  • Bioenergetik: die generelle Kontraktion der blauen Orgonenergie im Herbst geht mit entsprechenden Prozessen in den Lebewesen einher.

Reich:

Die Blätter vertrocknen und werden gelb, weil das Blau aus dem Grün schwindet. Schließlich verlieren die Blattstiele ihren Halt an den Zweigen und fallen ab. Die „Saftigkeit“ weicht einem trostlos wirkenden, trockenen, winterlichen Aussehen. (OROP Wüste, S. 25)

Ariettis Arbeit weist darauf hin, daß die kultivierten Apfelbäume, die von den Obstbauern gezielt so gezüchtet wurden, daß sie größere Früchte tragen, orgonotischer („saftiger“) sind als die Wildformen und deshalb im Herbst länger dem „anorgonotischen“ Trend der Umwelt widerstehen können.

apfel

Zum Abschluß meine aus Spaß zusammengezimmerte „Flagge der Orgonomie“, eine Apotheose des Lebens:

orgonflag

Das Gelb steht für die Matrix des Lebens, das Blau für die atmosphärische Orgonenergie. Beide zusammen ergeben das Grün der Flora (Chlorophyll). Das Rot steht für die Fauna (Hämoglobin), die hochenergetische Form des Lebens. Der weiße Hintergrund (als zusätzliche, sechste Farbe) steht für, man verzeihe mir die Wortwahl, „das höchste Prinzip“ des Lebens. Es wird durch das Orgonit (die Farbe der höchsten Erstrahlung der Atmosphäre zur Mittagszeit) und das weiße Orin (sozusagen geronnene Lebensenergie) verkörpert. Das rote Symbol des orgonomischen Funktionalismus steht für den Kampf für das Leben: die medizinische Orgonomie, die naturwissenschaftliche Orgonomie und das Cosmic Orgone Engineering.

Krebs, Chromosomen und Orgonenergie (Teil 1)

11. April 2014

In Der Krebs (Fischer TB, S. 241f) erklärt Reich ausgehend von der Orgasmustheorie den „Reichtum an Kernteilungsfiguren“ bei Krebszellen („Kernreichtum“, „Kerndichte“, „Chromophilie“).

Ende der 90er Jahre hat der durch seine Kritik an der HIV-AIDS-Theorie bekanntgewordene Molekular- und Zellbiologe Peter Duesberg eine ähnliche Krebstheorie vorgebracht: Krebs beruht nicht auf Genmutationen, sondern auf „Aneuploidie“ (eine numerische Abweichung vom normalen Chromosomensatz). Entsprechend sollten in der Krebsvorsorge, so die Forderung Duesbergs, Substanzen nicht auf ihre mutagene Wirkung, sondern auf ihre Fähigkeit hin getestet werden, Aneuploidie hervorzurufen, d.h. den Spindelapparat zu schädigen.

Wie für Reich ist auch für Duesberg die Krebszelle ein parasitärer Organismus, der sich vollkommen vom Wirtsgewebe unterscheidet, d.h. eine andere Spezies darstellt. Im Gegensatz zu isolierten Genmutationen verändert nämlich eine abweichende Anzahl von Chromosomen den Phänotypus des betreffenden Organismus (also der Krebszelle im Vergleich zum gesunden Ausgangsgewebe) so drastisch, daß es sich um eine neue, eigenständige Spezies handelt.

2002 hat das Max Planck Institut für Biochemie ein Kontrollelement des sogenannten „Spindel-Checkpoints“ identifiziert, das bei Krebszellen beeinträchtigt ist. Bei einer Schädigung kommt es zu dramatischen Zellteilungsfehlern. Die Forscher glaubten, damit einen Ansatzpunkt für neue Krebstherapien gefunden zu haben.

Spätestens seit das Genom des Menschen entschlüsselt ist, mehren sich die Zweifel, daß allein die DNA-Sequenz das Funktionieren des Organismus bestimmt. Vielmehr scheinen auch die Chromosomen eine Rolle zu spielen. Für Thomas Cremer, Professor für Anthropologie und Humangenetik der Universität München, ist die DNA selbst inert, sie wird erst durch Eiweiße belebt, die die Informationen ablesen und umsetzen. Dirigiert werden sie durch das Chromosom. Erst wenn sich diese Verpackung der DNA-Fäden über einem DNA-Abschnitt lockert, werden die Gene dieses Bereichs für Proteine zugänglich. Dieser Vorgang wird wiederum durch die räumliche Anordnung der Chromosomen untereinander bestimmt.

Ich nehme mir die Freiheit folgendes einzufügen: – Und Dirigent der räumlichen Anordnung der Chromosomen ist die organismische Orgonenergie, was man z.B. bei der Zellteilung unmittelbar unter dem Lichtmikroskop beobachten kann.

Neil Ganem (Dana-Farber Cancer Institute in Boston, Massachusetts) et al. konnten mit Hilfe einer neu entwickelten Mikroskopietechnik, mit der man lebende Zellen mehr als eine Woche hinweg kontinuierlich beobachten kann, eine seit Ende des 19. Jahrhunderts herrschende Theorie wiederlegen. Dieser Theorie zufolge beruht der fehlerhafte Chromosomensatz von Krebszellen auf ihrer ungeordneten Teilung, bei der, statt wie normal zwei, beispielsweise drei oder vier Tochterzellen aus einer Mutterzelle hervorgehen können.

Am Dana-Farber Cancer Institute fand man nun, daß diese abnormalen Zellteilungen verhältnismäßg selten auftreten und die resultierenden Tochterzellen aufgrund der ungeordneten Chromosomensätze nur wenige Tage überlebensfähig sind. Vielmehr fanden die Forscher bei der Langzeitbeobachtung lebender Krebszellen, daß es zwar zu einer normalen Zweiteilung kommt, die Chromosomensätze aber nicht gleichmäßig auf die beiden Tochterzellen verteilt werden. Es käme zu einer Art „Tauziehen“ um die Chromosomen. Dieses Tauziehen wird durch das Vorhandensein zusätzlicher Zentrosome hervorgerufen, die zwar seltener als früher angenommen zu Mehrfachteilungen führen, aber doch den normalen Zellteilungsvorgang empfindlich stören.

Offenbar hat man es hier mit so etwas wie „Panzerung“ auf zellulärer Ebene zu tun, die die orgastische Entladung der Zelle (= Zellteilung) behindert.

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