Posts Tagged ‘Posttraumatische Belastungsstörung’

David Holbrook, M.D.: DIE ÜBERLEGENHEIT DER CHARAKTEROLOGISCHEN IM VERGLEICH ZUR SYMPTOMATISCHEN DIAGNOSE (Diskussion)

29. November 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Die Überlegenheit der charakterologischen im Vergleich zur symptomatischen Diagnose

 

David Holbrook, M.D.: DIE ÜBERLEGENHEIT DER CHARAKTEROLOGISCHEN IM VERGLEICH ZUR SYMPTOMATISCHEN DIAGNOSE (Einführung und Anamnese)

27. November 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Die Überlegenheit der charakterologischen im Vergleich zur symptomatischen Diagnose

 

David Holbrook, M.D.: ERGEBNISSE DER ZEITGENÖSSISCHEN NEUROWISSENSCHAFT UND PSYCHOTHERAPIE, DIE PARALLELEN ZUR ORGONOMISCHEN PERSPEKTIVE AUFWEISEN

22. Mai 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Ergebnisse der zeitgenössischen Neurowissenschaft und Psychotherapie, die Parallelen zur orgonomischen Perspektive aufweisen

 

Emotionen sprechen lauter als Worte (Teil 6)

7. Februar 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Emotionen sprechen lauter als Worte

 

Emotionen sind für den Therapieerfolg wichtiger als Einsicht und Deutung

22. Februar 2017

So der Titel eines Tagungsberichts von dem Psychiater und Psychotherapeuten Andreas Meißner im NeuroTransmitter (Feb. 2017), dem offizielles Organ der Nervenärzte, Neurologen und Psychiater. Im Gegensatz zur ursprünglichen Psychoanalyse sei heute die Therapie dieses Traditionsstranges intersubjektiv statt hierarchisch, partnerschaftlich statt autoritär. Die therapeutische Beziehung ist der entscheidende Wirkfaktor, nicht mehr Deutung und Einsicht. Früheste nonverbale Beziehungserfahrungen werden jenseits der Sprache im prozeduralen Gedächtnis („Beziehungsgedächtnis“) abgelegt und können deshalb nicht „gedeutet“ werden, sondern es kann in der therapeutischen Beziehung allenfalls zur Nachreifung kommen. Die Gesprächsatmosphäre wird wichtiger als die kognitive Verarbeitung, denn sie schafft einen „Entwicklungsraum“. Entsprechend kommt es ganz entscheidend auf die Wahrnehmungsfähigkeit, die Lebendigkeit und das Verständnis des Therapeuten an.

Liest man die entsprechenden Ausführungen, muß man spontan an Reichs Konzept von gegenseitiger orgonotischer Erstrahlung und Anziehung denken. Etwa wenn es bei Meißner heißt:

Es handelt sich [bei Therapeut und Patient] um ein analytisches Paar, das etwas neues Drittes erschafft, eine neue Wirklichkeit, eine neue gemeinsame Erfahrung, aus der nun beide Beteiligten verändert hervorgehen, verändert in verschiedener Weise und in unterschiedlichem Ausmaß.

In dieser Art von Therapie hört der Patient auf, sich als bloßes Opfer längst vergangener Interaktionen zu betrachten, sondern (ganz wie in Reichs Charakteranalyse) tritt das Hier und Jetzt in den Vordergrund.

Soweit referiert Meißner Ausführungen des emeritierten Professors für Psychosomatik und Psychotherapie, Michael Erdmann. Im Anschluß daran beschreibt Meißner ergänzende Ausführungen des Professors für Verhaltensphysiologie und Neurobiologie, Gerhard Roth:

Pränataler und früh postnataler milderer Streß der Mutter führt beim Kind zu einem erhöhten Kortisolspiegel, der einhergeht mit Überängstlichkeit, Melancholie oder Angststörungen. Bei stärkerem, chronischem und nicht bewältigbarem Streß führt der entsprechende Hyperkortisolismus zu atypischer Depression, Empfänglichkeit für posttraumatische Belastungsstörungen und zu emotionaler Unempfindlichkeit bis hin zur Psychopathie (wie man sie etwa beim „gefühllosen Berufskiller“ findet). Der Hyperkortisolismus geht fast immer mit einer verminderten Serotoninproduktion einher, was zu Störungen der Regulation von Nahrungsaufnahme, Schlaf, Temperaturregulation, der Fähigkeit der Verhaltensregulation, Beruhigung und Wohlbefinden, etc. führt. Reich sprach hier von „Sympathikotonie“, der chronischen energetischen Kontraktion des Organismus, die bereits im Uterus anfange, spätestens aber während und unmittelbar nach der Geburt.

Dem könne, so Roth, ein Oxytocinanstieg im Rahmen einer liebevollen Interaktion entgegenwirken. Die Kortisolproduktion werde verhindert, der Serotoninspiegel steige. Damit sei die Möglichkeit einer Kompensation früher psychischer (gemeint ist wohl eher emotionaler) Defizite gegeben.

Aus diesem Grund seien auch rein kognitive Therapiestrategien kaum erfolgreich. Die neurobiologische Forschung zeige, daß die Wirkung etwa der kognitiven Verhaltenstherapie auf emotional wirkenden Faktoren beruhen müsse, wie die Bindung zum Therapeuten und das konkrete verhaltenstherapeutische Training und Einüben im Hier und Jetzt. Ähnliches ließe sich über die „einsichtsvermittelnde und bewußtmachende“ Psychoanalyse sagen. „Eine rein sprachlich aufklärende Mitteilung wirke nicht auf die subkortikalen limbischen Zentren, erläuterte Roth. Wirksam wird die Behandlung, wenn emotionale Dinge eine Rolle spielen.“ Ähnliches sagte Reich in der damaligen Begrifflichkeit seit Anfang der 1930er Jahre. Die psychoanalytischen Sektierer haben ihn dafür mit einem gnadenlosen Haß und abgrundtiefer Verachtung gestraft.

Auf die Orgontherapie verweist folgende Stelle in Meißners Aufsatz: Durch die therapeutische Allianz komme es zu den erläuterten neurobiologischen Veränderungen hinsichtlich Kortisol, Serotonin, Oxytocin, etc. Doch „Roth wies darauf hin, daß die eigentlichen strukturellfunktionellen Defizite dabei aber offenbar nicht behoben werden, was die hohe Rückfallquote von 80% erklären könnte“. Deshalb spiele „das Aufspüren von Ressourcen und das Einüben alternativer Schemata im Fühlen, Denken und Handeln“ in einer zweiten Therapiephase eine große Rolle. Die neurobiologische Umstrukturierung brauche halt Zeit. Schön und gut, aber tatsächlich scheitern diese Therapien letztendlich, weil die PANZERUNG nicht angegangen wird!

Biopathien und die Gene

4. Dezember 2014

Reich zufolge gehen die sogenannten „psychosomatischen Erkrankungen“ auf eine Störung der energetischen Pulsation im Körper zurück: es sind Biopathien. Seit Reich wurde die Medizin jedoch zunehmend mechanistischer und schließlich wurde versucht alles auf Gene zurückzuführen. Die Wende kam mit dem Human Genome Project, von dem man sich so viel erhofft hatte, doch statt dem Ziel näherzukommen, mit der „Software“ des menschlichen Körpers endlich die „Menschmaschine“ steuern zu können, stellte sich heraus, daß der Mensch gerade mal 40 000 Gene hat. Es gibt Pflanzen, die weitaus mehr Gene besitzen! Trotz intensiver Forschungen lassen „Gentherapien“ auf sich warten. Die Euphorie ist Ernüchterung gewichen.

Aber selbstverständlich spielen die Gene eine gewichtige Rolle. Man denke nur an die eindeutigen Erbkrankheiten, die heute lückenlos bis auf teilweise nur ein einziges Gen zurückgeführt werden können.

Aus orgonomischer Sicht sind Gene Ausdruck einer funktionellen Transformation, die orgonometrisch wie folgt beschrieben wird:

Es geht um die Überwindung der zeitlichen Trennung („t“ steht für Zeit, „L“ für Länge bzw. den Raum). Die Gene ähneln in dieser Hinsicht den „geistigen Funktionen“, insbesondere dem Gedächtnis. Genetische Vorgänge spielen sich entsprechend in einem ganz anderen Bereich ab als bioenergetische Funktionen (die orgonotische Pulsation und Energieströmungen).

Eine Forschergruppe um Klaus Hansen (Universität Kopenhagen) hat gezeigt, wie die beiden Funktionsbereiche ineinander verzahnt sind. Reichs Ansatz und die Genetik schließen sich demnach nicht aus, sondern ergänzen einander.

Hansen:

Wie fanden heraus, daß streßverursachende Faktoren unsere Gene beeinflussen können, indem sie bestimmte Gene aktivieren, die eigentlich stilliegen sollten. Es ist sehr wichtig, daß manche Gene an- und andere abgeschaltet sind, um eine regelrechte fötale Entwicklung und das richtige Funktionieren unserer Zellen später im Leben zu gewährleisten.

Simmi Gehani, ein Mitglied der Forschergruppe um Hansen, fand heraus, daß, wenn man menschliche Zellen einer streßverursachenden chemischen Zusammensetzung aussetzt, stilliegende Gene aktiviert werden. Das kann bei der Entwicklung des Fötus verheerend sein und auch im erwachsenen Körper schlimme Folgen zeitigen. Gehani:

Beispielsweise kann man sich vorstellen, daß langanhaltender Streß dazu führt, daß Nervenzellen im Gehirn Hormone produzieren und andere Botenmoleküle, die sie normalerweise nicht produzieren würden und daß dies die normalen Hirnfunktionen stört.

Die Forschergruppe um Hansen ist sehr daran interessiert, wie konkret unsere Gene an- und abgeschaltet werden. Hansen:

Wir wissen, daß unterschiedliche Eiweißkomplexe sich mit spezifischen Proteinen (Histone) verbinden können. Die DNS windet sich um sie herum, so daß sie bestimmen, ob die Gene aktiv oder inaktiv sind. Kleine chemische Gruppen können bewirken, daß Eiweißkomplexe an Histone anbinden und dies kann die Genaktivität bestimmen.

Das haben die Forscher en detail anhand eines chemischen Komplexes namens „PRC2“ studiert, der eine Methylgruppe an die Histone anbinden kann, so daß die Gene abgeschaltet sind. Durch Streßfaktoren wird jedoch ein Enzym namens „MSK“ dazu gebracht, eine Phosphatgruppe an die Histone in der Nähe der Mythylgruppen anzubinden. Die Phosphatgruppe neutralisiert die Wirkung der Mythylgruppen, so daß das Gen angeschaltet wird. Das heißt, ohne daß die Integrität der Gene selbst angetastet wird, können äußere Streßfaktoren die Genaktivität beeinflussen.

Wie Bioenergie und Biochemie zusammenwirken, hat Reich im einzelnen bereits Anfang der 1930er Jahre aufgezeigt, als er die Funktionen des Autonomen Nervensystems untersuchte. Siehe sein Buch Die bio-elektrische Untersuchung von Sexualität und Angst.

Die Epigenetik stellt dazu eine willkommene Ergänzung dar und ermöglicht als Brücke zur eigentlichen Genetik, eine Lücke in Reichs Überlegungen zu schließen: Reich hat den Organismus dermaßen auf „Pulsation“ und „Energieströmungen“, d.h. auf „Zeit-Funktionen“ reduziert, daß unerklärt blieb, wie der Organismus über seine eigene Lebensspanne und erst recht über unzählige Generationen hinweg seine, sozusagen „räumliche“ („zeitlose“), Identität bewahren kann. Ich verweise nochmals auf die obige orgonometrische Gleichung.

Natürlich muß, ähnlich wie Reich es im Rahmen seiner Möglichkeiten bei seinen Forschungen über Lust und Angst versuchte, ein lückenloses Funktionskontinuum zwischen der Bewegung der Orgonenergie (L/t) und den Genen (t → L) hergestellt werden. Das ist der Unterschied zwischen Naturphilosophie und Naturwissenschaft. Konkret geht es darum, welche orgonotischen Funktionen sich beispielsweise hinter der erwähnten „Phosphatgruppe“ (Genexpression) und der „Methylgruppe“ (Gensuppression) verbergen.

Die Orgonomie setzt genau dort an, wo die mechanistische Wissenschaft sich in einer metatheoretischen Schleife verfängt: Wenn epigenetische Vorgänge die Genexpression steuern, was steuert dann die epigenetischen Faktoren? Man kann Biologie nicht auf Chemie reduzieren!

Das hat ganz praktische Konsequenzen, etwa was die Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen betrifft, die schwerwiegende körperliche Folgeerkrankungen nach sich ziehen können. Man kann diesen Menschen mit Psychotherapie helfen und so die spätere Entwicklung psychosomatischer Erkrankungen zumindest teilweise abwenden. Wer hätte aber vor wenigen Jahren daran gedacht, daß die traumatischen Belastungen der Psyche mit Schädigungen der DNA einhergehen (die wiederum die erwähnten körperlichen Erkrankungen auslösen) – und daß man diese Schädigungen im Erbgut mit Psychotherapie zumindest teilweise wieder rückgängig machen kann?!

Iris-Tatjana Kolassa (Universität Ulm) et al. konnten anhand von schwertraumatisierten Flüchtlingen nachweisen, daß die psychischen Belastungen mit DNA-Schäden in Leukozyten einhergehen und damit die Immunabwehr kompromittiert wird, beispielsweise kommt es zu einer verfrühten Alterung. In einem zweiten Schritt wurde untersucht, ob die Behandlung mit der „Narrativen Expositionstherapie“, einer Form von Psychotherapie, in der das Trauma autobiographisch eingeordnet wird, auch auf dieser molekularen Ebene Auswirkungen hat. Nach vier Monaten dieser Psychotherapie war die DNA-Schädigung nur noch so hoch wie bei der nicht-traumatisierten Vergleichsgruppe. In den folgenden Monaten nahmen nicht nur die psychischen Symptome, sondern auch die Anzahl der DNA-Strangbrüche in den Immunzellen weiter ab. Kolassa: „Mit unserer Studie konnten wir erstmals zeigen, daß es einen Zusammenhang gibt zwischen traumatischem Streß und der Schädigung der DNA. Und, was wohl noch überraschender ist, daß sich traumatisch bedingte DNA-Schäden durch Psychotherapie mindern lassen.“