[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Was wollte Laska? Was hat ihn getrieben? Für sich selbst Klarheit schaffen im Gewirr des intellektuellen Lebens. „Selbstvergewisserung“, wie er selbst immer wieder sagte. Warum aber dann ein lohnloser Achtstundentag am LSR-Schreibtisch, all seine Veröffentlichungen und Korrespondenzen? Warum hat er nicht einfach sein Leben genossen, indem er mit seinen geliebten Hunden durch den nahen Nürnberger Wald spazierenging? Weil er einer Utopie anhing. Zitat aus seiner Website: https://www.lsr-projekt.de/wrnega.html
Reich schloß seinen Aufsatz über den Erziehungszwang mit den Worten: „Wir müssen daran denken, daß die ursprüngliche lebendige Kraft, die der Erziehungszwang zähmen will, aus sich selbst heraus einmal Kultur geschaffen hat. Man darf großes Zutrauen zu ihr haben. Ist es gewagt, zu behaupten, daß sich das Leben seine notwendigen Daseinsformen selbst am besten zu schaffen vermag?“ Das war die Grundformel einer nichtpräskriptiven Utopie, die das Dilemma moderner Philosophie, in das sie der Zwang zur Vermeidung des sog. naturalistischen Fehlschlusses führt, überwindet.
In diesem Sinne war Laska ein Getriebener. „Das Leben“ in ihm hat nach außen gestrebt hin zu einer Utopie. Der Eigner (im Sinne Stirners) sehnt sich nach dem Verein – auch wenn der Jahrhunderte entfernt ist. Der Verein schafft sich in der Kooperation der Individuen spontan seine Regeln gemäß dem „rationalen Über-Ich“.
LaMettrie, Stirner und Reich haben durch ihren frühen, elenden Tod ihr Leben „geopfert“, weil sie sich ansonsten selbst verraten hätten. Aber wie das formulieren, ohne daß man im Sinne Hegels, Nietzsches und Heideggers vom Geist/Willen/Sein schwafelt, das einen benutzt, um sich zu verwirklichen – Stichwort „irrationales Über-Ich“?
Bei ihrem letzten Treffen, als sie über die sozialen Konsequenzen der Psychoanalyse sprachen und Reich für seinen sozialen Aktivismus warb, meinte Freud zu ihm „Der Eros [Geist/Lebenswille/Sein] wird eine Anstrengung machen“, was Reich zutiefst befremdet hat. Erinnert irgendwie an das „Verhältnis“ von Stirner und Schopenhauer, LaMettrie und Rousseaus „Naturkult“.
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Das Schicksal von LSR, wie es Bernd Laska dargestellt hat:
LaMettrie wird von Gutmeinenden erst de facto kastriert und dann „rehabilitiert“ – sozusagen „jenseits der Maschine“ als Prophet der Beliebigkeit.
Stirner wird als Ultraliberaler akzeptiert a la „Anarchokapitalismus“ (etwa eigentümlich frei) und banalisiert. Sein Vermächtnis kann dergestalt nichts mehr gegen die Sauerei, die inkorporierten Hierarchien, das Über-Ich, ausrichten.
Reich wird mit Blick auf sein Emigrantenschicksal „verziehen“; er bleibt bestenfalls jemand, der einiges zur Psychoanalyse beigetragen hat – und Instrument derer, die der organisierten Psychoanalyse via Antifa-Moralisieren eins reinsemmeln wollen, sich aber stets zum großen Freud, d.h. letztendlich zum Über-Ich bekennen.
Meiner Meinung nach war Freud imgrunde nichts anderes als Schopenhauerianer (wie übrigens auch sein angeblicher Gegenspieler Hitler). Wenn man aus dieser Perspektive den Gegensatz Freud/Reich betrachtet, ist es doch interessant, daß Nietzsche Stirner („LSReich“) mittels Schopenhauer („DMFreud“) zugekleistert und verdrängt hat. Dabei kam dann bei Nietzsche folgerichtig eine Proto-Psychoanalyse heraus.
Schopenhauer? – unbefriedigbarer durch und durch diabolischer Trieb vs. „Kultur“! Das Unbehagen in der Kultur war eine einzige Schopenhauerianische Tirade gegen den „ruchlosen Optimisten“ Reich.
„Kultur“? Moral! „Metaphysik“ und Religion haben sich zu substanzloser Moral verflüchtigt. Eine Moral ohne jede Grundlage (z.B. der Mensch bei Freud: eine polymorph-perverse Bestie!). Konsequenz? Die Moral wird immer hysterischer und mit immer unmoralischeren Mitteln durchgesetzt. Deshalb hetzen ausgemachte Atheisten wie Freud und Habermas mit solcher viehischen Wut gegen L/S/R, gegen die „ruchlose Amoral“. Und deshalb wird dieser moralinsaure Haß aktuell immer schlimmer: weil in einer gott- und „grundlosen“ Welt die Moral immer stärker wird. Die Welt geht, je atheistischer und „aufgeklärter“ sie wird, der kompletten Michel Friedmannisierung entgegen! (Übrigens: aus dieser Sicht sollte man vielleicht Reichs spätes Gerede über „Gott“ betrachten!)
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Man kann den Nerv der Zeit treffen. Jahrtausende wurden Milliarden von Menschenseelen von dem absurdesten und geistlosesten Müll in Beschlag genommen. Warum sollte die Alternative zu den beiden Grundideologien (Mechanismus und Mystizismus) die Menschen nicht weit mehr motivieren? Reichs Sexpol, d.h. das Bewußtmachen, daß niemand mit seinen natürlichen sexuellen Antrieben allein dasteht, das Über-Ich einen also angelogen hat, und man gemeinsam gegen die Unterdrückung vorgehen kann, war ein erster Schritt. Wobei Reich noch nicht ahnte, wie tief das Unnatürliche und die Unterdrückung in jedem Einzelnen selbst verankert ist und deshalb jede „Befreiungsbewegung“ sehr schnell ins Gegenteil kippen kann. Man betrachte nur, was heute „sexuelle Befreiung“ bedeutet: möglicherweise Pubertätsblocker und chirurgische Kastration.
Soll man also gar nichts tun, weil alles viel zu gefährlich ist? Um was es wirklich ging war stets: glaubt man wirklich an das Dreischichtenmodell, also an den Kern und hat deshalb Vertrauen („Glaube“) – oder ist man in Wirklichkeit Freudianer = Schopenhauerianer, d.h. Pessimist und „Bedenkenträger“. Wenn man das Dreischichtenmodell zu Grundlage macht, wird man niemals an der sekundären Schicht (Freuds „Unbewußtem“) verzweifeln und zum Reaktionär werden, weil man immer den bioenergetischen Kern vor Augen hat, der mit jedem Neugeborenen von Neuem und in absoluter Perfektion vor einem steht! Man wird aber auch nie in wilden Optimismus verfallen, eben weil man sich der sekundären Schicht stets bewußt ist. Man wird aber vor allem stets mit der oberflächlichen Schicht anfangen, d.h. Aufklärung betreiben. „Auf-Klärung“ bedeutet hier von oben nach unten, von der Oberfläche in die Tiefe der intrinsischen Logik dessen zu folgen, was uns als gesellschaftliche und individuelle Irrationalität entgegentritt.
Teil davon ist das LSR-Projekt, war doch die „Widerstandsanalyse“ explizit immer das Modell nach dem Bernd Laska vorgegangen ist. Selbst in Stirners Hauptwerk selbst finden sich dazu Ansätze, wenn Stirner versucht die „Weltgeschichte des Einzigen“ zu rekonstruieren, d.h. von der Oberfläche (etwa heutiges Christentum) zum Kern („Christus“ und wofür er wirklich steht) vorzudringen. Die Menschen müssen lernen, daß sie in der Falle stecken und wie diese Falle konstruiert ist und welche Gefahren lauern, wenn man die Falle verlassen will – und sich dabei nicht immer tiefer in der Falle verfangen will.
Es gibt gegenüber LaMettrie, Stirner und Reich eine ganz bestimmte „lächelnd herablassende“ Haltung von Menschen, die sich als „Aufklärer“ gerieren. Im Vergleich mit dem „göttlichen Marquis“ habe LaMettrie nicht die letzte Konsequenz gezogen, sondern sei nur charmant, galant, hedonistisch. Das entspricht ungefähr der Haltung Freuds gegenüber Reich, der das letztendlich Destruktive und zutiefst Perverse an den Trieben nicht habe sehen wollen. Kommt Stirner ins Spiel, werden letztendlich immer Marx oder Nietzsche bzw. eine Kombination von beiden ins Feld geführt. Doch letztendlich läßt sich der Vorwurf gegen Stirner auf ein einziges Wort kondensieren: „Kleinbürger“. Als Jugendliche hätten wir früher gesagt: „Ein blöder Wichser!“ Am Peinlichsten sei aber Naivling Reich, der früher vielleicht verklemmte Pubertierende habe ansprechen können und der sich mit dem „Orgon“ endgültig selbst trottelhaft ins Abseits gestellt habe. In jeder Hinsicht wurde er bei den „68ern“ von Marcuse und heute von Foucault obsolet gemacht, d.h. von einem Amalgam aus Sade, Marx, Nietzsche und Freud.
Ich muß bei den vermeintlich aufklärerischen Jüngern der letzten sechs immer an finster dreinschauende ganz in schwarz gekleidete Jugendliche denken, die ständig „nihilistische“ Dinge von sich geben, neuerdings sich die Genitalien amputieren lassen und von sich glauben, sie hätten die Weltläufe durchschaut. Tatsächlich ist das natürlich nur Lebensangst und die Selbstimmunisierung gegen Enttäuschung: wenn eh alles finster und scheiße ist… Das Erschreckende ist, daß dieser primitive Mechanismus nunmehr fast 300 Jahren den „kritischen“ Teil unserer Kultur bestimmt. Wenn ich die „kritische Elite“ unserer Intellektuellen anschaue, sehe ich verpeilte Rotzlöffel, die vor Lebensangst, Angst vor bioenergetischer Expansion, schlottern.
Vor LaMettrie, Stirner und Reich haben sie Angst, weil die ihre Feigheit, Heuchelei und Duckmäuserei angesichts des Lebens entlarven. Wieviel sicherer ist da doch die Feier des „Todestriebes“, wie Sade ihn betrieben hat und zu dem etwa Nietzsche in Gestalt von Schopenhauers Philosophie flüchtete. Heute bieten sich Marcuse und Foucault an.
Es ist wirklich auffallend: praktisch jeder, der sich bei der Wahl zwischen Reich und Freud für den letzteren entscheidet, argumentiert quasi „Schopenhauerisch“. Er ziehe den Stoiker Freud vor, weil der illusionslos gewesen sei, was die Natur des Menschen und dessen Stellung im Universum betrifft. Das ist so bezeichnend, weil Nietzsche auf diese Weise Stirner entkommen ist. Wie Laska entdeckt hat, hat Nietzsche seine schicksalswendende Entdeckung von Schopenhauers Die Welt als Wille und Vorstellung vorgeschoben, um so die Erschütterung durch Stirners Der Einzige und sein Eigentum zu bewältigen und den Konsequenzen durch Pseudoradikalität auszuweichen: die gesellschaftliche Sauerei verblaßt zu einem Nichts, weil das ganze Universum die Hölle ist. Jeder, der ein optimistisches Weltbild hat, ist entsprechend, so Nietzsches Meinung, ein verachtenswerter Philister.
Diesen Mechanismus, dieses Weglaufen von Stirner und Reich in die vermeintliche Illusionslosigkeit findet sich immer wieder in der Rezeptionsgeschichte der Werke Stirners und Reichs. Man nehme etwa das erste Buch des Psychoanalytikers und Historikers Bernd Nitzschke:
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Der Vordenker eines „zukunftsfähigen Konservatismus“, Günter Rohrmoser, behandelt Stirner wie folgt:
Diese Individualisierung und das mit ihr verbundene Freiheitsprinzip sind Ausdruck einer geschichtlichen Entwicklung, die Max Stirner, ein Philosoph des 19. Jahrhunderts, in seinem Buch Der Einzige und sein Eigentum charakterisiert hat. Es ist die Tendenz, daß jeder einzelne sich mit seinen Bedürfnissen, seinen Interessen und Ansprüchen selbst zum Absoluten erklärt und jede Beschränkung seines Willens zur Erfüllung der eigenen Ansprüche als eine unerträgliche Einschränkung und Unterdrückung seiner Freiheit versteht. Nietzsche hat diese Tendenz die „atomistische Revolution“ genannt, das heißt die Auflösung aller innerlich zusammenhaltenden, Gemeinschaft schaffenden Kräfte. (Rohrmoser: Der Ernstfall. Die Krise unserer liberalen Republik, Berlin: Ullstein, 1994, S. 423)
Und nochmal – mit den gleichen Worten:
Was sich nach dem Wiederaufbau der Gesellschaft nach dem Kriege in Deutschland entwickelt hat, ist eine Gesellschaft, die dabei ist, alles zu revidieren, was als Grundlage für ihren Aufbau von Bedeutung war. Die zunehmend postmodern sich verfassende Gesellschaft ist die Konsequenz eines seit langem andauernden, nun sich beschleunigenden Prozesses der Individualisierung. Die einzig beachtenswerte Substanz in dieser Gesellschaft scheint der einzelne zu sein, der sich in seinem Recht absolut setzt. Das sich absolut setzende Individuum negiert jede es übersteigende objektive Allgemeinheit. Das ist das Zeitalter Max Stirners: Jedes Individuum ist im Verhältnis zu sich selbst das Absolute. Wenn dieser Prozeß der Individualisierung und des Hedonismus sich weiter durchsetzt, muß das zwangsläufig zur inneren Auflösung der Gesellschaft führen. Es wird die „atomistische Revolution“ (Nietzsche) eintreten. Nietzsche sah, daß aus dem Niedergang der bürgerlichen Gesellschaft, aus der Selbstzersetzung und der Dekadenz der bürgerlichen Kultur die atomistische Revolution hervorgehen und die Gesellschaft sich in Anarchie auflösen werde. Die Individuen sind nicht mehr bereit, irgendeine durch die Geschichte gewordene oder vermittelte Autorität anzuerkennen. (ebd., S. 425)
Bezeichnend ist, daß sich der christliche Philosoph Rohrmoser auf den Antichristen Nietzsche beruft, um vor der geistigen Atombombe Stirner zu warnen. Auch interessant, daß Rohrmoser die gleichen Befürchtungen hegt, wie vor 150 Jahren Marx angesichts Stirners: Zersetzung und Anarchie! Rohrmosers Befürchtungen ähneln auch denen des Super-Marxisten Hans G. Helms (Die Ideologie der anonymen Gesellschaft, 1966) der Stirner schnurstraks mit den Nationalsozialisten und allem Bösen in der Welt kurzschloß.
Vielleicht bezieht sich Rohrmoser auf folgende Stelle aus Nietzsches Schopenhauer als Erzieher (nach Laskas Theorie hat Schopenhauer Nietzsche vor Stirner „gerettet“):
Es sind [im modernen Leben] gewiß Kräfte da, ungeheure Kräfte, aber wilde, ursprüngliche und ganz und gar unbarmherzige. Man sieht mit banger Erwartung auf sie hin wie in den Braukessel einer Hexenküche (…). Seit einem Jahrhundert sind wir auf lauter fundamentale Erschütterungen vorbereitet; und wenn neuerdings versucht wird, diesem tiefsten modernen Hange, einzustürzen oder zu explodieren, die konstitutive Kraft des sogenannten nationalen Staates entgegenzustellen, so ist doch für lange Zeiten hinaus auch er nur eine Vermehrung der allgemeinen Unsicherheit und Bedrohlichkeit. Daß die Einzelnen sich so gebärden, als ob sie von allen diesen Besorgnissen nichts wüßten, macht uns nicht irre: ihre Unruhe zeigt es, wie gut sie davon wissen; sie denken mit einer Hast und Ausschließlichkeit an sich, wie noch nie Menschen an sich gedacht haben, sie bauen und pflanzen für ihren Tag, und die Jagd nach Glück wird nie grösser sein, als wenn es zwischen heute und morgen erhascht werden muß: weil übermorgen vielleicht überhaupt alle Jagdzeit zu Ende ist. Wir leben die Periode der Atome, des atomistischen Chaos. Die feindseligen Kräfte wurden im Mittelalter durch die Kirche ungefähr zusammengehalten und durch den starken Druck, welchen sie ausübte, einigermaßen einander assimiliert. Als das Band zerreißt, der Druck nachläßt, empört sich eines wider das andre. Die Reformation erklärte viele Dinge für Adiaphora, für Gebiete, die nicht von dem religiösen Gedanken bestimmt werden sollten; dies war der Kaufpreis, um welchen sie selbst leben durfte: wie schon das Christentum, gegen das viel religiösere Altertum gehalten, um einen ähnlichen Preis seine Existenz behauptete. Von da an griff die Scheidung immer weiter um sich. Jetzt wird fast alles auf Erden nur noch durch die gröbsten und bösesten Kräfte bestimmt, durch den Egoismus der Erwerbenden und die militärischen Gewaltherrscher. Der Staat, in den Händen dieser letzteren, macht wohl, ebenso wie der Egoismus der Erwerbenden, den Versuch alles aus sich heraus neu zu organisieren und Band und Druck für alle jene feindseligen Kräfte zu sein: das heißt, er wünscht daß die Menschen mit ihm denselben Götzendienst treiben möchten, den sie mit der Kirche getrieben haben. Mit welchem Erfolge? Wir werden es noch erleben; jedenfalls befinden wir uns auch jetzt noch im eistreibenden Strome des Mittelalters; es ist aufgetaut und in gewaltige verheerende Bewegung geraten. Scholle türmt sich auf Scholle, alle Ufer sind überschwemmt und gefährdet. Die Revolution ist gar nicht zu vermeiden und zwar die atomistische: welches sind aber die kleinsten unteilbaren Grundstoffe der menschlichen Gesellschaft? (KSA Bd. 5, S. 367f)
Es sind die selbstsüchtigen tierischen Triebe und die hündische Feigheit des Menschen. Doch „der Schopenhauerische Mensch nimmt das freiwillige Leiden der Wahrhaftigkeit auf sich“ (ebd., S. 371). Schon bei Nietzsche findet sich dergestalt nicht nur Stirner vs. Schopenhauer, sondern bereits mehr als deutlich Reich („der revolutionäre Träumer“) vs. Freud („der abgeklärte Realist“).
Dieser innere Konflikt Nietzsches, der den Kern unserer gesamten Kultur ausmacht, zieht sich in den Folgejahren durch Nietzsche Oeuvre. Das geht bis Der Fall Wagner (KSA Bd. 6, S. 27), wo von „(…) Anarchie der Atome (…) ‚Freiheit des Individuums‘ (…) ‚gleiche Rechte für Alle‘ (…)“ die rede ist, wobei er sich hier wohl in erster Linie auf Rousseau (indirekt also auf Marx!) und wieder auf das (bzw. Rohrmosers) Christentum bezieht. Denn was habe das Christentum „am besten und längsten“ gelehrt? Die „Seelen-Atomistik“ (Jenseits von Gut und Böse, KSA Bd. 5, S. 27). Das ganze geht also bis auf den (gnostischen) Christus zurück… Zu Christus und Stirner siehe Bd. 1 von Der verdrängte Christus.