Posts Tagged ‘Arbeiterbewegung’

Warum Peter kein Verfassungsfeind ist

16. September 2018

Rechte und Linke träumen von einer politiklosen Gesellschaft. Welcher Traum könnte schöner sein als der, daß dieser ganze irrationale Mumpitz endlich unser Leben verläßt! Gestalt gewinnt dieser Traum etwa im Konzept eines reinen Verwaltungsstaates nach dem Rechten (autoritären) Karl-Heinz Hoffmann („Wehrsportgruppe Hoffmann“). Die Regierung erwüchse in diesem quasi „monarchistischen“ Zukunftsmodell aus der Verwaltung, Experten regierten und Parteien und Wahlen würden abgeschafft. Klingt vernünftig, denn würden alle unsere Politiker nicht aus dem Sommerurlaub zurückkehren: kein Mensch vermißte sie. Wir müßten allenfalls auf immer neue und immer schwachsinnigere Gesetze verzichten! Aber muß diese Hoffmannsche Utopie nicht zwangsläufig in einen verknöcherten Kafkaesken Alptraum münden, wo im Extremfall „unnütze Esser“ „verschwinden“ und alles endet wie in einer Militärdiktatur. War die neo-feudalistische „DDR“ so viel anders?

Von linker (anti-autoritärer) Seite kommen rätekommunistische und anarcho-syndikalistische Träumereien, wie die ersten Ausformulierungen des Konzepts „Arbeitsdemokratie“ durch Wilhelm Reich Ende der 1930er Jahre, der damals immer noch eindeutig links stand. Auch dort sollten die Experten regieren, nur daß Reich (inspiriert von der Arbeiterbewegung im allgemeinen und dem „anti-bürokratischen“ Trotzkismus im besonderen) mehr von der Wirtschaft her dachte und von der Selbstorganisation der „Produzenten“ und Konsumenten, d.h. der Arbeiter. Auch in einer solchen nicht von oben (wie bei den Rechten), sondern von unten regierten Gesellschaft möchte ich nicht leben, einfach weil nach allgemeiner Lebenserfahrung sich persönlichkeitsgestörte Besserwisser in den Vordergrund spielen werden, Gruppendruck herrschen wird und genau das passieren wird, was bei und nach der Gründung der Grünen passiert ist: die „roten Garden“ werden sich durchsetzen und das ganze wird im ganz gewöhnlichen roten Faschismus münden! Das hatten wir schon alles in der russischen Räte-Union („Sowjetunion“)!

Ohnehin werden die beiden Utopien, so heilsam sie auch auf den ersten Blick wirken mögen, langfristig nicht funktionieren, da sich die gepanzerte Gesellschaft stets in links und rechts spalten wird. Solange die Menschen gepanzert sind, wird man die Politik nicht beseitigen können. Politik ist eine BIOENERGETISCHE Gegebenheit des gepanzerten Menschen wie jede andere neurotische Erscheinung auch. Schaltet man aber die Politik aus, wird sie schon bald in leicht veränderter Form automatisch von neuem ihre häßliche Gestalt erheben. Gepanzerte (neurotische) Menschen werden sich immer in zwei Gruppen spalten, wobei die eine jeweils den Trieb und die andere die Triebabwehr repräsentieren wird. In einer parlamentarischen Demokratie wie Deutschland wird dieser Konflikt nicht unter den Teppich gekehrt, sondern in all seiner Häßlichkeit auf kontrollierte Weise öffentlich ausgetragen. Nur aus diesem Grund konnte Amerika so lange überleben und sogar den vielleicht verheerendsten Bürgerkrieg der Weltgeschichte überstehen. Ähnliches läßt sich über das an sich unregierbare Indien sagen. Jede andere Konstruktion ist nicht überlebensfähig, weil Konflikte nicht ausgetragen werden und es über kurz oder lang zum großen Knall kommen muß. Oder mit anderen Worten: wer Alternativen zu den westlichen Demokratien entwirft, ist ein gefährlicher Spinner!

Das wirkliche, das eigentliche Problem ist, daß die bioenergetischen (charakterologischen) Grundlagen dessen, was geschieht, nicht durchschaut werden und deshalb nicht zunehmend bewältigt werden können – in Richtung des von Reich in Die Massenpsychologie des Faschismus dargelegten reifen Konzepts einer Arbeitsdemokratie. Die Aufgabe, dieses bioenergetische Wissen zu vermitteln, hat sich Charles Konia gestellt, wie wir morgen sehen werden.

Der Rote Faden: Reich in Norwegen

2. November 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

b. Agenten des Roten Terrors

c. Der Friedenskämpfer Nr. 1

d. Der Kalte Krieger Nr. 1

e. Der Warmduscher

3. Mentalhygiene

a. Sexpol

b. Die sexuelle Revolution in der Sowjetunion

c. Psychoanalyse und Kommunismus

d. Otto Fenichel und seine „Rundbriefe“

e. Die Leninistische Organisation

4. Polithygiene

a. Reich in Norwegen

 

Der Rote Faden: Die Leninistische Organisation

28. Oktober 2017

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DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

b. Agenten des Roten Terrors

c. Der Friedenskämpfer Nr. 1

d. Der Kalte Krieger Nr. 1

e. Der Warmduscher

3. Mentalhygiene

a. Sexpol

b. Die sexuelle Revolution in der Sowjetunion

c. Psychoanalyse und Kommunismus

d. Otto Fenichel und seine „Rundbriefe“

e. Die Leninistische Organisation

 

Der Rote Faden: Sexpol

20. September 2017

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DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

b. Agenten des Roten Terrors

c. Der Friedenskämpfer Nr. 1

d. Der Kalte Krieger Nr. 1

e. Der Warmduscher

3. Mentalhygiene

a. Sexpol

 

 

Robert (Berlin) 2011: Der Autor Aldous Huxley zeichnete eine Diktatur in der Zukunft in welcher die Menschen “lernen, ihre Knechtschaft zu lieben“. Die beruhigende Droge Soma im Roman entspräche in der Realität einer Mischung aus zahlreichen Medikamenten, die eine künstliche Zufriedenheit bedingen. Huxley verlautbarte:

“Es wird in der nächsten oder übernächsten Generation eine pharmakologische Methode geben um Menschen dazu zu bringen, ihre Knechtschaft zu lieben und um Diktaturen ohne Tränen hervorzubringen, um es so zu formulieren, um ein schmerzfreies Konzentrationslager für ganze Gesellschaften hervorzubringen, damit Menschen es eher genießen dass man ihnen ihre Freiheiten nimmt, weil sie abgelenkt sind von jeglichem Verlangen nach Rebellion durch Propaganda oder Gehirnwäsche oder durch via pharmakologischen Mitteln ergänzte Gehirnwäsche. Und das scheint die endgültige Revolution zu sein.”

http://www.politaia.org/umwelt-und-gesundheit/infokrieg-%E2%80%93-oxford-professor-fordert-zwangsmedikation-der-gesamten-bevolkerung-durch-trinkwasser/

Robert (Berlin): Zu Jef Last:

http://www.munzinger.de/search/portrait/Jef+Last/0/1804.html

Robert (Berlin): „In Norway Last was supported by Willy Brandt who gave him jobs
as an interpreter.“

Jef Last gehörte zu den Kulturradikalen und war Mitglied der SDAP (wie Brandt).

http://www.bevrijdingintercultureel.nl/eng/illsutraties/lasteng.pdf

Weitere Informationen auch in Einhart Lorenz: ‚Willy Brandt in Norwegen. Die Jahre des Exils 1933 bis 1940‘

Sebastian: Eine Frage zur ersten Grafik: Reich schreibt, daß Sexualität und Arbeit beim genitalen Charakter keine Gegensätze sind. Die biologische Erregung pendelt zwischen Arbeit und Liebesbetätigung hin und her. Heißt das, daß Arbeit = Lust bzw. im pädagogischen Kontext Lernen = Lust ist?

Dazu Peter: Liebe, Arbeit und Wissen sind Kernimpulse, die nach außen gerichtet und deshalb in sich luftvoll sind. Für diesen Lustgewinn nimmt man gerne einige Mühen in Kauf. Erst durch die Panzerung verwandelt sich Sexualität in Frust, Arbeit in „sinnlose Plackerei“ und Wissen in dröge „Information“. Dies wird dann versucht sekundär zu kompensieren: durch „Pornographie“ (im denkbar weitesten Sinne), durch „Boni“ und etwa durch einen Unterricht, der aufgebaut ist wie Fernsehunterhaltung. Ohne Panzerung wären diese künstlichen Maßnahmen nicht notwendig.

Und O.: „Lustvolles“ Arbeiten und Lernen geht nur, wenn man auch einiger Maßen lustvolle, befriedigende Sexualität hat, erst dann kann es wie im Modell „pendeln“.
Was kreatives, produktives und „lustvolles“ Arbeiten ist, muss sich jeder für sich überlegen. Man arbeitet aus eigenem Antrieb und nicht, weil man muss im Idealfall. Ohne befiedigende Sexualität wird das Arbeiten starr, spasslos und mehr und mehr zur Qual zum reinen Gelderwerb, um sich gerade so zu ernähren. Wer liebt, kann ja sich auch nicht den ganzen Tag „sexuell“ betätigen … über einen längeren Zeitraum gedacht, sondern wird dann auch einfach etwas arbeiten wollen, Arbeit, für die sich jemand berufen fühlt und die Sinn macht für den einzelnen …
Arbeit und Sexualität ist mehr eine Frage der Qualität nicht der Quantität! Das wird oft verwechselt.

Kinder (und Erwachsene) lernen am besten, wenn sie sich ihren Stoff selber aussuchen können und ihre Zeit selbst einteilen können. Das Schulsystem widerspricht dieser Idee per se. Noten sind überflüssig … in die Richtung würde es gehen. Und Kinder brauchen auch Zeit für sich und für ihre Freunde und Platz zum spielen ohne Einmischung von außen, dann könne sie mal sehr langsam und dann wieder ganz schnell lernen. Lernen findet oft phasisch statt und jedes Kind hat einen eigenen Rhythmus. Im Einheitsrhythmus macht man die Selbstregulation der Kinder kaputt, das wird ja mit dem Schulsystem ja auch beabsichtigt, weil man eben kein willensstarke Kinder will, sondern lieber seelisch und somatisch verstümmelte Kinder.

O. Says: Mit der Annahme oder Vision wir hätten eine zügellose sexualisierte Gesellschaft mit viel Pornographie … verwischt man schnell das tatsächliche sexuelle Elend, das nach wie vor existiert. Natürlich kann man sich mit Drogen vollpumpen, den ganzen Tag oder vor RTL rumhängen und eine Anzüglichkeit nach der anderen konsumieren, das Ergebnis ist aber, das im Bett der Leute nichts mehr läuft, also genau das Gegenteil von dem, was man vermuten wollte. Die Erregung läuft auf niedrigem Niveau zur fast dauerhaften Erregung und Spannung, die keine Abfuhr bekommt. Diejeinigen, die sich dann unter eigenem Zwang sexuell austoben für ein paar Jahre sind doch relativ wenige und eben auch gar nicht entspannt. Von sexueller Freiheit sind wir Lichtjahre entfernt, unsere Freiheit besteht darin, dass wir theoretisch uns irgendwo in einer Disco oder Club besaufen können und versuchen mal jemanden abszuschleppen, um einen One-Nigth-Stand für das Selbstbewußtsein hinzubekommen. Ob das dann einer umsetzen kann, hängt vom Geschick (oder von der plumpen und dümmsten Art der Anmache ab …), das ist die Freiheit, die wir noch haben. So können wir auch unsere Partner auf diese Weise schnell betrügen (und bekommen dann ein schlechtes Gewissen), aber solche Erlebnisse sind so emotional dürftig, dass man sie sich auch gleich stecken lassen kann, wenn man sich in früheren Jahren mal „ausgetobt“ hat. Die heutige Zeit ist prüder, sehr viel prüder geworden. Und das geht stetig voran.
Von sexueller Befriedigung redet ohnehin keiner, da weiß auch keiner genau, was das sein soll. Das wird dann mit dem schlichten „Orgasmus des Mannes“ verwechselt. Um mal zu provozieren: Frauen haben eben keinen im Akt.
Was die Männer nicht wissen, ist: Sie haben auch keinen!

Peter; Eine sehr gute Beschreibung der chronischen „energetischen Überexpansion“ in Wirtschaft und Politik:

http://www.pi-news.net/2011/08/der-westen-am-scheideweg/

Dazu O.: Eine neue Generation von Politikern. Bis die am Bahnhof angekommen wären, ist der Zug lang abgefahren. Wer immer noch auf Politik (-er) hofft, ist verloren. Warum wird da so nett mit denen umgegangen? Wird Zeit, dass man sich was neues ausdenkt bzw. dass man überhaupt mal wieder sich was denkt … und dann handelt.

Robert (Berlin) 2013: Die KPD war allerdings die einzige Partei in der Weimarer Republik, die den Schwulenparagraphen (denn Verboten war nur die männliche Homosexualität) abschaffen wollte. Federführend war hier Richard Linsert, ein Mitarbeiter Hirschfelds.
Rohrwasser fand nur einen kommunistischen Roman, der sich mit sexuellen Themen auseinandersetzte, „Maria und der Paragraph“.

O.: Wilhelm Reich mal wieder nur unter Beschuß sexualökonomisch pestkranker Politfunktionäre, die eines schnellstens begriffen, Reich wollte ihnen und ihren Untertanen an die orgastische Impotenz, was unbedingt von allen Faschisten (braun bis rot) verhindert werden sollte.
Reich hätte daraus schlußfolgern müssen, dass es eine politische Änderung nicht ohne Therapie der Massen und ihrer Anführer geben kann.

Robert (Berlin) 2014: Institut für Sexualwissenschaft (1919-1933)
eine Online-Ausstellung der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft

http://www.hirschfeld.in-berlin.de/institut/de/ifsframe.html

Robert (Berlin) 2015: Kurze Mitteilung: Wilhelm Reich 1931 in Düsseldorf
Klar war bislang schon, dass Wihelm Reich bei der Gründungskonferenz des ersten “Einheitsverbandes für proletarische Sexualreform und Mutterschutz”, am 2.5.1931 in Düsseldorf, eine zentrale Rolle spielte.

http://andreas-peglau-psychoanalyse.de/kurze-mitteilung-wilhelm-reich-1931-in-duesseldorf/

Robert (Berlin) weiter: Zu Schröter:

http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Schr%C3%B6ter_(Politiker)

Robert (Berlin): Schröter unterwarf sich schon Mitte 1929 völlig der Parteilinie und wurde 1930 von der KPD mit der Leitung der ARSO beauftragt. Auch 1930 und 1932 wieder in den Reichstag gewählt, leitete er 1932/33 den kommunistischen Reichsausschuß der Erwerbslosen

http://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/wer-war-wer-in-der-ddr-%2363%3b-1424.html?ID=5138

Robert (Berlin): Das Thema „Kapitalistische und proletarische Sozialpolitik“ könnte sich an einer Broschüre von Paul Merker, Proletarische oder kapitalistische Sozialpolitik, Berlin: Internat. Arbeiter-Verlag 1928, anlehnen.

Robert 2011: Excellenter Artikel über Reichs mittlere Phase. Die Stalinisierung der KPD läßt sich auch an deren häufigen Kurswechsel feststellen, was zu ihrer großen Fluktuation beitrug.

Robert (Berlin) 2013: Zu Martha Ruben-Wolf:


Robert (Berlin) 2016:
https://de.wikipedia.org/wiki/Luise_Dornemann

Robert (Berlin): „In der Broschüre Liebe verboten (Verlag für Arbeiterkultur, Berlin 1931) wurde über den gescheiterten Berliner Kongreß berichtet und für eine Lösung der Sexualnot nach sowjetischem Vorbild geworben, außerdem enthielt sie die Auseinandersetzung mit einer Papstenzyklika. Ihr Kern bildete aber eindeutig Reichs Plattform.“

http://bit.ly/1XwD6An

nachrichtenbrief50

26. Juli 2017

Rackelmann: Der Konflikt des „Reichsverbandes für Proletarische Sexualpolitik“ (Sexpol) mit der KPD Anfang der dreißiger Jahre (1992)

21. September 2016

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Rackelmann: Der Konflikt des „Reichsverbandes für Proletarische Sexualpolitik“ (Sexpol) mit der KPD Anfang der dreißiger Jahre (1992)

Die Orgonomie und ihre Kritiker

13. Juni 2016

Auf Amazon habe ich eine interessante Besprechung von Charles Konias Buch The Emotional Plague gefunden. Interessant deshalb, weil sich der Rezensent wirklich mit dem Thema beschäftigt hat, beispielsweise auch Bakers Der Mensch in der Falle kennt, aber trotzdem die gängigen, immer und immer wiederkehrenden Mißverständnisse widergibt:

  1. Osama bin Laden leide, so behaupte Konia, unter „orgiastischer Impotenz“ (sic!), ohne daß Konia dafür den geringsten Beleg vorlege. Wir wüßten nichts über Osamas Sexualleben – außer, daß er einige Ehefrauen hatte. (Immerhin haben wir seit neustem weitere Einblicke.)
    Erst einmal heißt es „orgastische Impotenz“. Es ist absolut bezeichnend, daß die Kritiker immer und immer und immer wieder ad nauseam irgendetwas von „orgiastischen Freuden“ oder so im Kopf haben. Es geht um die Endlust, um Befriedigung, nicht um sexuelle Exzesse! Der Orgasmus ist außerdem kein isoliertes Ereignis, sondern drückt in einem großen Ereignis die gesamte Pulsationsfähigkeit des Organismus aus; dessen Fähigkeit einheitlich zu funktionieren (= Gesundheit).
  2. Konia liefere keine Beweise dafür, daß die Erfahrung eines befriedigenden Orgasmus die politischen Ansichten von jemand geändert hätten.
    Dazu ist zu sagen, daß man keinen Orgasmus „haben“ kann. Solange Osama derjenige ist, der er ist, solange wird er keinen befriedigenden Orgasmus haben. Er müßte vorher eine Orgontherapie durchlaufen, d.h. Hingabe lernen, also ein ganz anderer werden, der kaum noch etwas mit Osama gemeinsam hätte. Erfahrungsgemäß ist es jedoch so, daß Menschen mit extremen politischen und religiösen Ansichten gar nicht erst eine Therapie beginnen bzw. sehr bald wieder abbrechen – eben weil sie extrem orgastisch impotent sind und auch nicht den geringsten Kontrollverlust zulassen können. Es ist beispielsweise sinnlos gläubige Katholiken oder gläubige Marxisten in Orgontherapie zu nehmen.
  3. Der Kritiker moniert, daß Konia behauptet, die sozialen Bewegungen der 1960er Jahre wären von unbefriedigter Sexualität angetrieben worden. Dabei sei es doch ganz im Gegenteil zu dieser Zeit zu einer sexuellen Befreiung gekommen.
    An diesem „Argument“ zeigt sich das ganze Elend der Reich-Diskussion: konsequent werden die Emotionen draußen vorgelassen. Man nehme eine alte Jungfer, die zufrieden und sorglos in den Tag hineinlebt – bis ein junges glückliches Paar in die Nachbarschaft zieht. Plötzlich wird der alten Jungfer ihre Lebenssituation bewußt und sie wird manifest neurotisch, weil das sexuelle Erregungsniveau steigt. Etwas ähnliches geschah in den 1960ern, als die Menschen unglücklicher wurden, nicht etwa obwohl, sondern weil alles lockerer wurde. Das erklärt auch, warum heute der islamische Fundamentalismus immer extremere Formen annimmt und nicht etwa zu Zeiten explodierte, als die sexuelle Unterdrückung viel schwerwiegender war.
  4. Konia führe alle möglichen Erkrankungen und sozialen Übel auf eine Störung der Orgasmusfähigkeit zurück, ohne überzeugende Belege für diese Verbindung zu präsentieren.
    Es ist ganz einfach. Man nehme etwa Herzerkrankungen. Sie gehen darauf zurück, daß das Herz Blut durch eine chronisch kontrahierte Peripherie pressen muß. Das nennt sich Panzerung. Faschismus entsteht, weil Menschen nicht selbst ihr Leben in die Hand nehmen können. Die Panzerung hindert sie daran. Das Hauptsymptom der Panzerung ist aber die orgastische Impotenz. Gleichzeitig erhält die orgastische Impotenz die Panzerung aufrecht, indem sie ihr die notwendige Energie zuführt.
  5. Konia behaupte, daß alle Bemühungen das Los des Menschen zu verbessern gescheitert wären. Der Kritiker führt hingegen nacheinander die Beendigung der Sklaverei, die Senkung der Kindersterblichkeitsrate, die Erhöhung der Lebenserwartung, die verbesserten Lebensbedingungen der Arbeiter, der Frauen und der Minoritäten, die Emanzipation der Homosexuellen und generell die zunehmende Toleranz an. Diese Erfolge hätten wenig bis nichts mit Reichs Theorien zu tun.
    Der Punkt ist, daß jeder einzelne Fortschritt, so begrüßenswert er auch jeweils ist, über kurz oder lang zu mehr menschlichem Leid geführt hat. Das Ende der Sklaverei in den USA mündete schließlich darin, daß die „schwarze Gemeinschaft“ heute effektiv zerstört ist. In Afrika garantiert die sinkende Kindersterblichkeit ein immer weiter wachsendes Massenelend. Die Emanzipation der Frau hat sie und ihre Kinder unglücklich gemacht. Und der Traum der Homosexuellen mündete in der AIDS-Hölle. Tatsächlich illustriert das Lied „Go West“ der Pet Shop Boys das Elend jeder Massenbewegung, sei es der der Homosexuellen „nach San Francisco“ oder die der Arbeiter „nach Moskau“. Wem es (im Bewußtsein dessen, was die Pet Shop Boys hier zum Ausdruck bringen wollten) bei diesem Video nicht die Kehle zuschnürt, der hat nichts von der Tragik der menschlichen Existenz verstanden – genau darauf wollte Konia anspielen.

Es ist offensichtlich, worauf das ganze zuläuft: Die Kritiker greifen zwei Dinge heraus (etwa „orgastische Impotenz“ und „Osamas Verhalten“) und verlangen, daß eine Kausalität zwischen dem ersten und dem zweiten Faktor nachgewiesen wird. Die Orgonomie hingegen verweist auf einen dritten Faktor, der diese beiden Faktoren umfaßt und die Verbindung zwischen ihnen indirekt herstellt. (In diesem Fall ist das schlichtweg die Panzerung mit ihren unterschiedlichen Ausprägungen.)

Mechanisten werden Funktionalisten niemals verstehen und Funktionalisten werden Mechanisten niemals überzeugen können.

Was schließlich die Mystiker betrifft: Für die ist alles einfach „das Sein“. Dinge sind, wie sie sind. „Es ist so, wie es ist.“ Wir müssen einfach den „göttlichen Plan“ erkennen, wie im Christentum, oder „die Leere erfahren“, wie im Zen. Diese Leute sehen kaum einen Unterschied zwischen Funktionalismus und Mechanismus. Beides sind für sie einfach nur Gedankengebäude von Ignoranten, die die Wahrheit nicht erkennen wollen.

Da er ein funktioneller Denker war, lernte Reich in seiner psychotherapeutischen Praxis, daß die Fähigkeit zur sexuellen Befriedigung mit besserem Kontakt zu sich selbst (Selbstvertrauen) und zu seinen Mitmenschen (Einfühlungsvermögen) einhergeht, so daß die alte moralische Zwangsordnung überflüssig wird.

Gelingt es dem Gesundenden, den passenden Partner im Geschlechtsleben zu finden, dann zeigt sich nicht nur, daß alle nervösen Symptome verschwinden – mehr, er kann nun mit erstaunlicher Leichtigkeit, die ihm früher unbekannt war, sein Leben ordnen, Konflikte unneurotisch erledigen, und er entwickelt eine automatische Sicherheit in der Lenkung seiner Impulse und sozialen Beziehungen. Dabei folgt er durchaus dem Prinzip der Lebenslust. Die Vereinfachung seiner Einstellung zum Leben in Struktur, Denken und Fühlen beseitigt viele Quellen von Konflikten aus seinem Dasein. Gleichzeitig damit erwirbt er eine kritische Einstellung zur heutigen moralischen Ordnung. (Die sexuelle Revolution, Fischer TB, S. 31f)

Bei jungen Erwachsenen gehört eine befriedigende Sexualität zur gesunden psychologischen und sozialen Entwicklung. Das zeigt eine Studie von Freya Sonenstein und Adena Galinsky von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health. Auf der Grundlage der Daten von 3237 Befragten im Alter von 18 bis 26 ist es die erste repräsentative Untersuchung der Beziehung zwischen Entwicklungsvorteilen und der sexuellen Befriedigung. Abgeglichen wurden dabei Selbstvertrauen, Autonomie und Empathie mit regelmäßigem Orgasmus, passiver und aktiver oraler Befriedigung. Das Ergebnis läßt sich in drei Punkten zusammenfassen.

  1. Bei jungen Frauen sind Selbstachtung, Autonomie und Empathie mit den drei Typen sexueller Lust positiv korreliert.
  2. Bei jungen Männern ist es die Empathie.
  3. Bei jungen Männern ist das Niveau der Befriedigung in allen drei Bereichen sexueller Lust höher. 9 von 10 berichten, daß sie meistens oder immer einen Orgasmus haben, während es bei den jungen Frauen weniger als die Hälfte sind.

Zu Punkt 1 führt Galinsky aus, daß die drei Aktiva (Selbstvertrauen, Autonomie, Empathie) es jungen Frauen und jungen Männern ermöglichen ein höheres Niveau sexueller Lust zu erfahren. Da frägt man sich natürlich: Warum nicht umgekehrt? Liegt die Kausalkette sexuelle Lust → Selbstvertrauen, Autonomie, Empathie nicht näher?!

Zu Punkt 2 bringt Garlinsky die Hypothese vor, daß empathische Personen auf die Bedürfnisse ihres Partners besser eingehen und so ein positiver Feed-Back-Zyklus entsteht. So wird die Funktion des Orgasmus, d.h. eine energetische Betrachtungsweise, systematisch aus dem Blickfeld gerückt.

Zu Punkt 3 führt Galinsky an, daß junge Frauen mit mehr Hindernissen für die sexuelle Befriedigung konfrontiert sind als junge Männer. Deshalb führe sexuelle Befriedigung bei ihnen auch zu einer größeren Steigerung von Selbstvertrauen und Autonomie (Punkt 1). Man könne aber auch die Theorie aufstellen, daß diese beiden Entwicklungsvorteile für junge Frauen wichtig sind, weil sie dazu beitragen Hemmungen der sexuellen Kommunikation und Experimentierfreude niederzureißen.

Man sieht, wie grotesk das mechanistische Denken ist. Da zerbrechen sich Wissenschaftler allen Ernstes den Kopf darüber, ob Kontakt zu sich selbst und anderen (Selbstvertrauen und Empathie) die Voraussetzung für sexuelle Befriedigung darstellt oder umgekehrt sexuelle Befriedigung zu besserem Kontakt führt!

Dieses Fehlen einer energetischen Betrachtungsweise hat dramatische gesellschaftliche Folgen, denn mechanistisches Denken führt schnurstraks zu entsprechenden sozialistischen Maßnahmen (social engineering). Sonenstein gibt an, daß Studien wie diese bei der Entwicklung von Strategien gegen riskantes Sexualverhalten, das zu Geschlechtskrankheiten und unbeabsichtigten Schwangerschaften führt, beitragen könnten. Eine Untersuchung, die zu einem besseren Verständnis der Dynamik der sexuellen Befriedigung führt, soll also dazu genutzt werden junge Frauen und Männer besser zu kontrollieren. Statt einfach die Sexualität zu befreien und damit die Selbststeuerung der Menschen zu stärken, also das zu unterstützen, was Reich als „sexuelle Revolution“ bezeichnet hat, sollen staatliche Programme entwickelt werden, um junge Frauen und junge Männern zu instruieren. Das woran das ganze krankt, nämlich mangelnde Selbstregulation, wird so weiter behindert.

Immerhin kommt Galinsky zu einer für Mechanisten bahnbrechenden Erkenntnis:

Sexuelle Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von sexuell übertragbaren Infektionen, unbeabsichtigten Schwangerschaften, Gewalt oder anderen Problemen. Es ist die Anwesenheit von sexuellem Wohlbehagen.

Noch drei Dinge sind zu erläutern:

  1. Durch sexuelle Befriedigung gewinnen Frauen vor allem an Selbstbewußtsein und Autonomie, während es bei Männern Empathie ist. Das verweist auf die grundlegenden biologischen Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Während bei den ersteren die Hingabe im Vordergrund steht, ist es bei letzten die Aggression. Man betrachte doch nur Primaten oder das Verhalten von kleinen Mädchen und Jungen! In einer befriedigenden Partnerschaft gleichen sich die Geschlechter hormonell an, wie in Die Funktion des Orgasmus (Teil 3) ausgeführt: Frauen werden selbstgewisser, Männer werden weicher. Entsprechend lebten früher weibliche Hausangestellte und Soldaten im Zölibat: die ersteren wollte man fügsam halten, die letzteren gemeingefährlich machen.
  2. Mit der Frage, warum Frauen so viel mehr „Orgasmusschwierigkeiten“ haben als Männer hat sich bereits Reich beschäftigt. Er war sich nicht sicher, ob die soziale Stellung der Frau oder vielleicht doch biologische Ursachen letztendlich verantwortlich sind. Siehe dazu meine Ausführungen in Biologische Entwicklung aus orgonomischer Sicht. Früher stand die Angst vor ungewollter Schwangerschaft und sozialer Ächtung („Schlampe!“) im Vordergrund, heute im Zeitalter der Supermodels ist es die Entfremdung vom eigenen Körper, der bis zum Selbstekel geht.
  3. Daß in dieser Studie der genitale Orgasmus genauso gewichtet wird wie „Oralsex“, zeugt von einer Ignoranz, die schlichtweg fassungslos macht. Für das heutige Amerika ist die Fixierung auf oralen Sex ohnehin bezeichnend. Das läßt sich unmittelbar auf Clintons Aussage zurückführen, seine verklemmten Sexspiele mit einer Untergebenen wären kein Sex gewesen. Seitdem nehmen Fellatio und Cunnilingus ungefähr die gleiche Rolle ein wie früher die Masturbation: ein billiger Kompromiß, da man anders die drängende Sexualität von Jugendlichen nicht bändigen kann. Siehe dazu meine Ausführungen in Die Bedeutung von Vorbildern.

Marx und die Orgonbiophysik (Teil 1)

30. Oktober 2015

Es ist traurig, aber kaum überraschend, daß Marx nach wie vor aktuell ist. Beispielsweise neulich in meinem Beisein ein Gespräch zwischen drei Polizeibeamten aus dem höheren Dienst: Es könne doch nicht angehen, daß man selbst als überdurchschnittlich gut Verdienender seinen drei Kindern kaum etwas bieten könne. Daran schloß sich dann eine kurze Diskussion über die Ungerechtigkeiten der Einkommensverteilung an, bis schließlich einer der drei einwirft, er habe neulich in Marx‘ Das Kapital gelesen und es müsse doch möglich sein, die Gesellschaft gerechter zu organisieren.

Reich wurde bei seinem Denken über die Arbeitsenergie entscheidend von Karl Marx beeinflußt. Noch 1953 veröffentlichte er in seiner politischen Autobiographie Menschen im Staat einen 1936 verfaßten Aufsatz über „Die lebendige Produktivkraft – Arbeitskraft – bei Karl Marx“. Also war er, was sich auch aus einer Erwähnung von Marx in seiner Petition ans Oberste Gericht von 1956 schließen läßt, bis ans Ende seines Lebens von der Marxschen Arbeitswert- und Mehrwerttheorie überzeugt. Er glaubte, daß Marx‘ Theorie vom „lebendigen Charakter der menschlichen Produktivkraft“ als „eine der größten Taten, die je vom menschlichen Denken vollbracht wurde“, bestehenbleiben werde, sie sei nämlich identisch mit der „’Arbeitsfunktion der biologischen Energie‘ der Orgonbiophysik“.

Nichts kann weiter von der Wahrheit entfernt sein, denn Marx‘ Arbeitswertlehre ist ein krudes mechano-mystisches Konstrukt. Zwar rechnete Reich schließlich auch Marx das zu, was er 1943 als „biologischen Rechenfehler im menschlichen Freiheitskampf“ bezeichnet hat, aber Reich irrte sich, als er behauptete, dies wäre zwangsläufig so gewesen, weil zu Marx‘ Zeiten Freuds spätere Entdeckungen noch unbekannt gewesen seien. Hier sei nur an die von Bernd Laska im Rahmen des LSR-Projekts eruierte Verdrängung der Einsichten Stirners durch Marx erinnert, die um das Problem der psycho-strukturellen Freiheitsunfähigkeit des Menschen kreiste: das, was Freud später „Über-Ich“ und Reich „Panzerung“ nennen sollte.

Woher kam eigentlich der Marxismus und warum wurde er formuliert? Die erste Auseinandersetzung findet sich in Die deutsche Ideologie, in der es in erster Linie um eine Auseinandersetzung mit Max Stirner ging. Stirner hatte behauptet, daß alles, wirklich alles, vom Individuum abhängt. Marx versucht zu zeigen, daß es von wirtschaftliche Zwängen und vor allem Klasseninteressen bestimmt wird. Damit wird auch Stirners eigentlicher Hauptpunkt obsolet, nämlich daß mein Ich gar nicht mein richtiges Ich ist, sondern von „verinnerlichten Hierarchien“ bestimmt wird, von denen es sich zu befreien gilt.

Marx setzte gegen diesen (vermeintlichen) Idealismus die ehernen Gesetze der Ökonomie und die Zwänge des Klassenkampfes. Sie würden den Menschen derartig bestimmen, daß für Stirners Konzept nicht nur kein Platz bleibt, sondern Stirner selbst als Spielball dieser Kräfte und letztendlich als Klassenfeind entlarvt wird.

Marx‘ Lösung der menschlichen Malaise war es, den Klassenkampf des produzierenden Proletariats gegen die akkumulierende Bourgeoise bis zum Ende durchzufechten. Am diesem Ende stünde eine Gesellschaft, die nicht vom komplizierten Geflecht der Warenproduktion bestimmt wird, sondern in der die Menschen unmittelbar die Früchte ihrer Arbeit genießen könnten. Zunächst werden Bezugsscheine nach erbrachten Arbeitsstunden verteilt, später, wenn sich die Menschen endgültig vom kapitalistischen Ungeist befreit haben, nach den Bedürfnissen des Einzelnen. Daß bei diesem „Emanzipationsprozeß“ nichts vom Individuum übrigbleibt, sondern es vollständig in der Gesellschaft aufgeht, d.h. von verinnerlichten Hierarchien bestimmt wird, ist offensichtlich. Genauso offensichtlich ist, daß Stirner und Reich funktionell eins sind!

Die Unvereinbarkeit von Reich und Marx wird insbesondere deutlich, wenn man Marx direkt von einer sexualökonomischen Warte aus betrachtet:

Der Sozialismus in England und auf dem Kontinent scheint die bürgerliche Respektabilität eher unterstützt als angegriffen zu haben. Während Marx und Engels zwar die patriarchalische Familienstruktur ihrer Zeit durch eine Familie ersetzen wollten, die auf Liebe und größere Gleichheit gegründet war, achteten sie doch zugleich darauf, die Grenzen der Respektabilität zu wahren. Beispielsweise verwarfen sie ausdrücklich die libertäre Sexualmoral des Anarchisten Max Stirner. (George L. Mosse: Nationalismus und Sexualität. Bürgerliche Moral und sexuelle Normen, München 1985, S. 230)

Was Reichs angeblichen „Marxismus“ betrifft, meint der Marxist Helmut Kentler:

Mit seiner „Naturphilosophie“ brachte sich Reich nicht nur in Gegensatz zu Freud, sondern auch zu Marx. Für Freud wie für Marx nämlich war die Inadäquatheit von Mensch und äußerer Natur eine Grundtatsache, und darum konnte für sie immer nur die Geschichte die wahre Naturgeschichte des Menschen sein. (Sexualwesen Mensch, Hamburg 1984)

Man denke in diesem Zusammenhang etwa an Reichs Rede von der „Entdeckung der natürlichen biologischen Arbeitsdemokratie“ (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 26).

Reichs Gegensatz zu Marx dokumentiert Kentler, indem er die beiden Fassungen von Reichs Einbruch der sexuellen Zwangsmoral von 1935 und 1952 (in Großschrift) miteinander vergleicht:

  • Marxsche Soziologie – ÖKONOMISCHE SCHRIFTEN VERSCHIEDENER RICHTUNGEN ANGEHÖRENDER AUTOREN
  • während die materielle Not nur die beherrschte Klasse erfaßt – WÄHREND DIE WIRTSCHAFTLICHE NOT NUR EINEN KLEINEN TEIL DER GESELLSCHAFT ERFASST
  • im Proletariat – UNTER DEN VERARMTEN
  • die privatwirtschaftliche Gesellschaft – DIE AUF DER HERRSCHAFT DES GEPANZERTEN MENSCHEN BASIERTE GESELLSCHAFT
  • kapitalistisch – PATRIARCHALISCH-AUTORITÄR
  • urkommunistisch – UR-ARBEITSDEMOKRATIE
  • privatwirtschaftlich – AUF ARBEIT ALS HANDELSWARE BASIERT
  • Privat- und Warenwirtschaft – MENSCHLICHE ABHÄNGIGKEIT
  • das Kapital und seine Ordnung – DIE GROSSUNTERNEHMER UND DER STAAT
  • proletarische Revolution – UMSTRUKTURIERUNG DER MASSEN
  • Kapital – PFEILER DER REAKTIONÄREN GESELLSCHAFT DER HIERARCHIE IN STAAT, KIRCHE UND UNTERNEHMERTUM
  • bürgerliche Sozialpolitiker – REAKTIONÄRE SOZIALPHILOSOPHEN
  • Interesse am Privatbesitz im Anfang der Klassengesellschaft – SOZIALE STRATIFIZIERUNG
  • Wegfall der Warenwirtschaft – ENTWICKLUNG IM 20. JAHRHUNDERT

Ich selbst habe die ersten Kapitel der beiden Fassungen der Massenpsychologie des Faschismus miteinander verglichen (Reichs Berichtigungen von Anfang der 1940er Jahre in Großschrift):

  • in einer ökonomisch zur Sprengung der kapitalistischen Produktionsweise reif gewordenen Phase – IN EINER, WIE DIE MARXISTEN BEHAUPTETEN, „ÖKONOMISCH ZUR…“
  • die junge sexualpolitische Bewegung – DIE JUNGE BEWEGUNG DER ARBEITSDEMOKRATISCHEN SEXUALÖKONOMIE
  • wirtschaftspolitische Ziele der Arbeiterbewegung – WIRTSCHAFTSPOLITISCHE ZIELE DER NATÜRLICHEN ARBEITSDEMOKRATIE
  • Antikapitalisten – REVOLUTIONÄRE
  • wissenschaftlicher Sozialismus – WIRTSCHAFTSLEHRE DES SOZIALISMUS
  • bürgerliche Erfassung der Wirklichkeit – REAKTIONÄRE ERFASSUNG DER WIRKLICHKEIT
  • revolutionäre Praxis – BEWÄLTIGUNG DES REAKTIONÄREN
  • sozialistische Praxis – REVOLUTIONÄRE PRAXIS
  • marxistische Forschung – SOZIOLOGISCHE FORSCHUNG
  • Klassensituation – ARBEITSSITUATION
  • Hemmung der Entwicklung des revolutionären Bewußtseins – HEMMUNG DER SOZIALEN BEWUSSTHEIT
  • Klassenbewußtsein – SOZIALES VERANTWORTUNGSBEWUSSTSEIN
  • bürgerliche Gesellschaft – AUTORITÄRE GESELLSCHAFT
  • bürgerliche Wissenschaft – KONSERVATIVE LEBENSANSCHAUUNG
  • privatwirtschaftliche Gesellschaft – PATRIARCHALISCH-AUTORITÄRE GESELLSCHAFT
  • kapitalistische Interessen – AUTORITÄRE INTERESSEN

Reich zufolge wird der besagte biologische Rechenfehler, der auch Marx unterlaufen ist, durch folgende Maximen gekennzeichnet:

„Weg vom Tier; weg von der Sexualität!’ sind die Leitsätze aller menschlichen Ideologiebildung. Gleichgültig, ob es ein Faschist in die Form des rassisch reinen „Übermenschen“, ein Kommunist in die Form der proletarischen Klassenehre, ein Christ in die Form der „spirituell-moralischen Natur“ des Menschen oder ein Liberaler in die Form der „höheren moralischen Werte“ kleidet. (Massenpsychologie des Faschismus, S. 300)

In Menschen im Staat (Stroemfeld 1995, S. 72) konstatiert Reich bei Marx konkret ein „Unverständnis für die biologische Verwurzelung des Menschen, für seine Triebbestimmtheit.“

Nachdem Reich diese entscheidende Lücke bei Marx beklagt, setzt er auf eine kaum nachvollziehbare Weise dessen „lebendige Arbeitskraft“ mit der „‘Arbeitsfunktion der biologischen Energie’ der Orgonbiophysik“ gleich! Reichs Mißgriff ist allzu offensichtlich, denn einerseits ist am Marxschen Arbeitsbegriff nichts biologisch. Ganz im Gegenteil hat Marx wie kaum ein anderer die Arbeit von der Biologie des Menschen und der „natürlich biologischen Arbeitsdemokratie“ der Gesellschaft getrennt. Und zweitens liegt bei Marx keine Aufwertung, sondern im Gegenteil eine Abwertung der menschlichen Arbeit vor.

Marx und die Geister der Ermordeten

12. April 2015

Wie Hermann von Berg, einst hochrangiger Ökonom in der „DDR“ und Spezialist für die Geschichte der Arbeiterbewegung, 1986 in seinem Buch Marxismus – Leninismus (Köln) ausführte, kann Marx nur Spezialisten beeindrucken: Historiker, die keine Ahnung von Ökonomie haben, Ökonomen, die nichts über den Stand der damaligen ökonomischen Wissenschaft und die Geschichte der Arbeiterbewegung wissen, Philosophen, Germanisten, Politologen…

Man lese nur bei Marx:

Der Verfasser der „Observations“ und S. Bailey beschuldigen Ricardo, er habe den Tauschwert aus einem nur Relativen in etwas Absolutes verwandelt. Umgekehrt. Er hat die Scheinrelativität (…) auf das hinter dem Schein verborgene Verhältnis reduziert, auf ihre Relativität als bloße Ausdrücke menschlicher Arbeit. (Kapital 1, Frankfurt a.M. 1978, S. 62)

Aus solchen Nonsens-Possen besteht der ganze Marx. Nichts als heiße und übelriechende Luft.

Marx war nach von Berg nichts als ein

schäbiger, unseriöser, rückständiger Plagiator, der weder geschichtsphilosophisch noch volkswirtschaftlich neue Erkenntniswerte geschaffen hat.

Bereits 1934 erschien Karl Marx. A Study in Fanatism von E.H. Carr, dessen Inhalt Walter Laqueur (Mythos der Revolution, Frankfurt a.M. 1967) wie folgt zusammengefaßt hat:

„Marx war das Genie der Zerstörung, nicht des Aufbaus.“ Marxismus sei ein Glaubensakt (…) Dialektischer Materialismus Unsinn, die „Einheit des Denkens und Handelns“ Gefasel, die Arbeitswerttheorie unoriginell und dogmatisch. Die treibende Kraft bei Marx (…) sei Klassenhaß; wie utopisch von Marx zu glauben, daß der Klassenhaß die Menschheit zu der Vollkommenheit des kommunistischen Weltreichs führen könnte!

Carr sei auch dem Reichisten-Marxisten ins Stammbuch geschrieben:

Der Pseudomarxist ist eine traurige Gestalt. „Er weiß, daß der Marxismus leerer Schein ist; aber er nährt trotzdem die Hoffnung, in ihm einen Schimmer zu finden, dem er folgen könnte.“

Was die faschistische Diktaturen in Europa [in den 1930er Jahren] betrifft, so „ist [Carr zufolge] zwischen der sogenannten ‚Diktatur des Proletariats‘ und den Diktaturen, die lieber andere Fahnen hissen, der einzige Unterschied der, daß die erstere ihre marxistische Abstammung verkündet, während die anderen sie verleugnen.“

Marxistischen Humanismus hat z.B. auch Engels schon 1849 zum Ausdruck gebracht, als er schrieb:

Es gibt kein Land in Europa, das nicht in irgendeinem Winkel eine oder mehrere Völkerruinen besitzt (…) zurückgedrängt und unterjocht von der Nation, welche später Trägerin der geschichtlichen Entwicklung wurde. Diese Reste einer von dem Gang der Geschichte, wie Hegel sagt, unbarmherzig zertretenen Nation, diese Völkerabfälle, werden jedesmal und bleiben bis zu ihrer gänzlichen Vertilgung und Entnationalisierung die fanatischen Träger der Konterrevolution, wie ihre ganze Existenz überhaupt schon ein Protest gegen eine große geschichtliche Revolution ist.

Hermann von Berg zeigt in seinem Buch, „daß Stalin im Gegensatz zu Lenin lupenreiner Marxist war“.

Bereits 1968 konnte jeder in Bertram Wolfes Marx und die Marxisten (Frankfurt a.M.) nachlesen, daß Marx schon 1848 in seinen „Forderungen der Kommunistischen Partei in Deutschland“ seine Katyn-Fratze zeigte: „Stalin hätte diese Vorschläge zu seinem Evangelium erklären können.“

Es sollte klar sein, daß der Rote Faschismus vollkommen in Marx und Engels ruht und wenig mit „russischer Barbarei“ zu tun hat. So schreibt George F. Kennan über die ersten Sowjetführer:

Man muß sich vor Augen halten, daß das alles Männer waren, die aus ideologischer Überzeugung heraus den Standpunkt ablehnten, es gebe irgendwelche absoluten moralischen Wertmaßstäbe, nach denen man sich zu richten habe. Ob moralisches Verhalten, einschließlich ihres eigenen, recht oder unrecht war, wurde letzten Endes dadurch entschieden, ob es nach ihrer eigenen Definition der Sache der gesellschaftlichen Veränderung diente. Für das Verhältnis zu Personen außerhalb der Partei war das tatsächlich das einzige Kriterium. Hier waren Unredlichkeit, Betrug, Verfolgung, Mord und Folter angebracht, wenn sie im Augenblick für die Sache nützlich und wichtig zu sein schien. (z.n. John Barron: KGB, München 1982)

Trotzki sagte (…) kurz vor seiner Ermordung: „Eine Gesellschaft ohne soziale Widersprüche wird natürlich eine Gesellschaft ohne Lüge und Gewalt sein. Doch kann man zu dieser Gesellschaft nicht anders eine Brücke schlagen, als unter Anwendung von revolutionären, d.h. gewaltsamen Mitteln (…) So sind ‚Lüge und Schlimmeres‘ vom Klassenkampf (…) nicht zu trennen. Dem bleibt hinzuzufügen, daß selbst die Begriffe von Wahrheit und Lüge aus sozialen Widersprüchen geboren wurden.“ Könnten Nihilismus und moralischer Relativismus noch weitergehen?

Frägt Bertram Wolfe.

Angesichts der „Krise des Kapitalismus“ wird Marx wieder Gehör geschenkt und es wird versucht ihm Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Ich hingegen denke an die 100 000 000 Toten, die der Marxismus zu verantworten hat. Jene Vollpfosten, die behaupten, dies hätte nichts mit dem „wahren“ Marxismus zu tun, sind zu einem Gutteil personenidentisch mit jenen, die heutzutage felsenfest davon überzeugt sind, den Islam besser zu verstehen als Osama bin Laden! Es sind „Intellektuelle“ wie Marx selbst einer war!

Wie die „Stalinisten“ hätte auch Marx zu Mord und Terror gegriffen, um seine Ideologie zu verbreiten, der allein bei der sowjetischen „Landreform“ 1932-33 (übrigens nach Plänen Trotzkis ausgeführt!) 6 000 000 Menschen zum Opfer gefallen sind, die man bewußt hat verhungern lasen! Das ist lupenreiner Marx.

Bertram Wolfe zufolge behauptete Marx,

daß es nur im Zusammenhang mit dem Eigentum Erniedrigung und Entmenschlichung gebe; beides werde mit dem Wechsel der Eigentumsformen beseitigt werden (…) Diese Simplifisierung der vielfältigen und komplexen Probleme der menschlichen Verhältnisse machte Marx zu einem „schrecklichen Vereinfacher“, deswegen werden viele seiner Nachfolger innerlich zu Barbaren und Nihilisten, was alle außerhalb des Bereichs der Geschichte liegenden Werte anbelangt, Werte, auf Grund deren Geschichte – und Institutionen – beurteilt werden müssen, will man Geschichte, soweit sie beeinflußbar ist, menschlicher machen.

Hermann von Berg zeigt jedem orgonomisch orientierten Leser glasklar auf, daß Marx Modju par excellence war.

Überhaupt, wenn alles eine Fehlentwicklung des Marxismus war, wie konnte da Marx‘ Zeitgenosse Proudhon alles voraussehen?

Der Kommunismus läßt sich [Proudhons] Meinung nach (…) nie mit der Würde des Einzelnen und mit den Werten des Familienlebens vereinbaren; er strebe die Universalisierung des Elends an und die Unterdrückung des menschlichen Lebens in einem kasernenhaften Mittelmaß. Seine Befürworter hält [Proudhon] für Fanatiker der Macht, die zur Einführung der Allgewalt des Staates streben, der auf dem öffentlichen Eigentum basiert. In Wirklichkeit hebt der Kommunismus das Eigentum und dessen destruktive Folgen nicht nur nicht auf, sondern führt das Eigentum ad absurdum; im kommunistischen System besitzen die Individuen kein Eigentum, das gesamte Eigentumsrecht – oder vielmehr Unrecht – wird auf den Staat übertragen, der nicht nur zum Besitzer der materiellen Güter, sondern auch zum Besitzer seiner Bürger wird. Die einzelnen Menschen, ihre Bestrebungen, Talente, ihr Leben, das alles wird auf einen Schlag verstaatlicht. Das Prinzip des Monopols, welche Quelle allen sozialen Unheils ist, erfährt im Kommunismus seine höchste Steigerung; der Kommunismus ist nicht anderes als die Ankündigung des extremen Polizeidespotismus. (Leszek Kolakowski: Die Hauptströmungen des Marxismus, Bd. 1, München 1977)

In der Revolution gelten Parolen wie „Befreiung des Lebendigen von erstarrten Strukturen“, also Befreiung des schöpferischen Potentials der „Massen“, nach der Revolution zeigt sich dann aber sehr schnell, daß diese Parole eine Lüge war, um liberale Dumpfbacken für dumm zu verkaufen. Zitieren wir den vergöttlichten Che, der zum Thema Der Sozialismus und der Mensch in Kuba schrieb:

(…) die Masse verwirklicht mit Begeisterung und Disziplin ohnegleichen die Aufgaben, die die Regierung setzt, seien sie nun wirtschaftlicher, kultureller, verteidigungstechnischer, sportlicher oder anderer Natur. Die Initiative geht im allgemeinen von Fidel oder vom Oberkommando der Revolution aus und wird dem Volk erklärt, das sie dann als seine eigene aufgreift. (z.n. H.C.F. Mansilla: Systembedürfnis und Anpassung. Zur Kritik sozialistischer Verhaltenssteuerung, Frankfurt a.M. 1973)

Entsprechendes schreibt von Berg über Marx:

Dieser Mann hatte keine Verbindung auch nur zu einer Klasse des deutschen Volkes. Er hatte keine Ahnung, was Arbeiter, Bauern und Demokraten dachten, fühlten, wollten, obwohl alle ihre ausformulierten, konkreten Programme hatten. Marx war ein spintisierender Intellektueller, ohne Heimat, ohne Vaterland; zerfressen von Haß gegen Juden und Deutsche, geeignet nur zur Zerstörung, destruktiv, ein klassenfremdes, „halbgebildetes“ Element, wie die demokratischen Arbeiterkommunisten [des „Bundes der Kommunisten“] es formulieren, als sie ihn nach der Revolution [von 1848] aus der KP ausstießen.

In seinem Buch Die Achillesferse des Marxismus: der Widerspruch von Kapital und Arbeit (Hamburg 1974) schreibt Werner Becker, daß für Marx, als „konsequentestem Verfechter der sogenannten Arbeitswertlehre“, die Preise der auf den Markt gehandelten Güter „lediglich die sichtbare, äußere Erscheinungsform eines tieferliegenden, sozusagen ‚inneren‘ [absoluten] Wertes“ darstellen. Damit habe Marx die lebendige Vielfalt über einen Leisten gebrochen – und damit das Lebendige selber zerbrochen, wie wir hinzufügen.

Die Arbeit in Wertgestalt, die „abstrakte Arbeit“, (…) ist eine metaphysische Realität, sie ist empirisch so wenig vorzeigbar wie etwa der christliche Gott. Sie ist ein pures Glaubensprodukt. (Becker)

Hier dürfen wir nicht vergessen, daß Marx hauptsächlich von der Verballhornung Hegels lebte, der Religion und Philosophie zu einer Einheit machte. Aber für Hegel war der Weg zur „Erlösung“ innerlich. Robert Tucker (Karl Marx, München 1963) hat darauf hingewiesen, daß man Marx nur verstehen kann, wenn man sieht, daß er Hegel dadurch „auf den Kopf gestellt hat“, indem er diese internen Konflikte externalisiert hat. (Der emotionell pestkanke Charakter sucht die Lösung seiner neurotischen Konflikte auf dem sozialen Schauplatz!) Damit ist Tuckers Analyse zentral für ein orgonomisches Verständnis Marxens und der Geschichte des Kommunismus.

Grob gesagt, ist der Marxist ein Mensch, der durch Beeinflussung der Gesellschaft nach Befreiung von seiner Panzerung strebt. So ist auch erklärlich, warum so viele ehemalige Marxisten nach all den Enttäuschungen schließlich östliche „Erlösungswege“ beschreiten.

„Freudo-Marxismus“ (Teil 3)

14. Januar 2015

Das Über-Ich ist, so Reich, „Vertreter der versagenden Person bzw. der Forderungen der Gesellschaft im Ich“ (Charakteranalyse, KiWi, S. 284). Es ist „ein fremder, der drängenden und drohenden Außenwelt entlehnter Bestandteil“ (S. 219). In diesem Sinne, d.h. weil beide eine Verarbeitung des Ödipus-Komplexes sind, ist, wie Elsworth F. Baker in Der Mensch in der Falle geschrieben hat, das Über-Ich funktionell identisch mit dem Panzer. Reich:

Dieser Charakter des Ichs baut sich aus Elementen der Außenwelt, aus Verboten, Triebeinschränkungen und Identifizierungen verschiedenster Art auf. Die inhaltlichen Elemente des charakterlichen Panzers sind also äußerer, gesellschaftlicher Herkunft. (ebd., S. 220)

Oder wie Reich in dem von Freud so sehr inkriminierten Aufsatz über den Masochismus schrieb: das Leiden kommt „aus der Außenwelt, aus der Gesellschaft“ (S. 289).

Freud konnte das nicht akzeptieren, schob Reichs damaligen „Kommunismus“ vor, um seine Ablehnung zu rechtfertigen, doch tatsächlich ging es ihm einzig darum, daß das Leiden von Innen kommt, durch den biologisch bedingten und unabwendbaren Ödipus-Komplex und den Todestrieb oder zumindest durch eine Triebstruktur, die dem friedlichen Zusammenleben und dem Glück des Menschen entgegenstehen. Beispielsweise ist das Über-Ich nichts anderes als vom Todestrieb gespeister Selbsthaß, während der Gegenspieler des Todestriebes, der Eros (sic!), den antisozialen Narzißmus speist (siehe Freuds Das Ich und das Es). Das Leben, ein mörderischer Alptraum! Die beiden Psychoanalytiker Bela Grunberger und Janine Chasseguet-Smirgel bringen dieses psychoanalytische Lebensgefühl wie folgt zum Ausdruck: „Die Existenz eines natürlichen Sozialtriebs biologischer Natur erscheint uns äußerst hypothetisch“ (Freud oder Reich?, Frankfurt 1979, S. 181).

Man frägt sich unwillkürlich, in was für einer Welt solche Leute leben! Während der Aggressionstrieb, Feindschaft und Ambivalenz für sie den Kern der menschlichen Natur ausmachen, erscheint ihnen Freundschaft, Kameradschaft, Liebe als etwas dem Menschen Fremdes und den Kindern Aufgezwungenes. Entsprechend steht die genitale Umarmung für Grunberger und Chasseguet-Smirgel auf der gleichen qualitativen Ebene wie eine Diarrhö, nur daß sie etwas komplexer ist:

Wir glauben in der Tat, daß der Orgasmus an sich noch keine besondere Bedeutung hat. Es handelt sich bei ihm um eine einfache Abfuhr von Spannungen, welche in Wirklichkeit nichts anderes ist als eine Entleerung (Alexander spricht von einer „Entwässerung“), selbst wenn die betreffenden Spannungen weitaus komplexerer Natur sind als die rein analen Spannungen. Wenn es infolgedessen beim Orgasmus vor allem darum geht, sich aus der Umklammerung des Feindes zu lösen [den Autoren zufolge ist der Paranoiker, also Reich, psychoanalytisch betrachtet, „im Rektum seines Verfolgers gefangen“, PN], so scheint es ein Fehler zu sein, ihm in der Genitaltheorie eine solch entscheidende Rolle zu übertragen, besonders dann, wenn diese Theorie von der Vollendung der psychosexuellen Entwicklung auf allen Ebenen [also nicht nur der analen, PN] handelt. (Grunberger und Chasseguet-Smirgel, ebd., S. 125f)

Was bei Reich die Funktion des Orgasmus ist, ist, wie bereits in Teil 1 dargelegt, bei diesen Freudisten das Gehirn, in das sie sich flüchten. Freud:

Es ist unsere beste Zukunftshoffnung, daß der Intellekt – der wissenschaftliche Geist, die Vernunft – mit der Zeit die Diktatur im menschlichen Seelenleben erringen wird. (z.n. ebd., S. 146)

Wo Es war, soll Ich sein! Grunberger und Chasseguet-Smirgel fahren (na ja…) ganz richtig fort:

Auf diesem Hintergrund erscheint nun das Werk von Reich als Einbruch des Irrationalen in die Psychoanalyse und – in gewisser Hinsicht – in den Marxismus. Gleichzeitig ist es aber, gewiß unbewußt, ein Werk der Destruktion beider Systeme. (ebd.)

Was bei Grunberger und Chasseguet-Smirgel bleibt, ist Resignation, Zynismus, ein Leben ohne jede Freude und das Gefühl intellektueller Überlegenheit – was verdammt an das erinnert, was bisher stets am Ende der Marxistischen Theorie stand: eine tote, „wertlose“ Welt – und die Illusion, die Welt (den „Warenfetisch“) durchschaut zu haben. Das Motiv ist jeweils die tiefsitzende Lebensangst und der Lebenshaß des typischen „Intellektuellen“. Reich sprach von „intellektueller Abwehr“.

Vor dem klassenfremden Intellektuellen Marx ging es der Arbeiterbewegung einzig und allein um Macht. Ein Machtkampf um gerechte Löhne zwischen „Arbeit“ und „Kapital“. Das erinnert an den ständigen Bürgerkrieg zwischen der Legislative und Exekutive in einer Demokratie. Jedenfalls in einer Demokratie mit einer funktionierenden Gewaltenteilung wie in Amerika. (Deutschland ist infolge seiner obrigkeitsstaatlichen Tradition in dieser Beziehung ein vollkommener Saustall!)

Die Marxistische Mehrwerttheorie sagt aus, daß der Kapitalismus grundsätzlich falsch ist, unabhängig von den jeweiligen Zuständen in einem kapitalistischen Land. Demnach sind „Arbeitskämpfe“ aus Marxistischer Sicht vollkommen sinnlos. Wie Trotzki ausgeführt hat: auch wenn jeder einzelne Arbeiter einen Lohn erhält, der ihn zum Millionär macht; solange der von den Arbeitern erwirtschaftete Mehrwert in der Tasche der Kapitalisten verschwindet, ist das System ausbeuterisch.

In diesem Sinne hat die Arbeitswerttheorie, aus der die Mehrwerttheorie hervorgeht, eine einzige Funktion: die Delegitimierung privater ökonomischer Betätigung. In diesem Sinne ist sie Roter Faschismus. In einer abwegigen Wendung ist sie sogar Schwarzer Faschismus, denn Engels (und damit automatisch auch sein Parasit Marx) war selbst Kapitalist. Engels argumentierte, daß er (getreu der Marxistischen Gesellschaftsanalyse) nichts tun könne, um das Los seiner eigenen Arbeiter zu verbessern, denn deren Lage sei dem Kapitalismus an sich zuzuschreiben. (Die perfekte Rechtfertigung für Ausbeutung, die später von den Kommunisten in den „staatskapitalistischen“ Ländern auf die Spitze getrieben wurde.)

Abgesehen davon gibt es zumindest ein Sache, die zu Gunsten der Arbeitswerttheorie spricht: bis heute kann die „bürgerliche“ Ökonomie nicht erklären, wie überhaupt „Wert“ entsteht. Marx zufolge ist er die „geronnene“ lebendige Arbeit des kollektiven Arbeiters. Die „bürgerliche“ Ökonomie hat dem hingegen Konzepte, wie dem vom individuellen „Geistkapital“ vorgebracht, d.h. die unternehmerische Initiative und Expertise. Reich selbst, der in dieser Hinsicht stark von Marx beeinflußt war, macht sich zu recht über die Vorstellung lustig, Wert würde irgendwie durch den Handel geschaffen.

abstrueberWahrscheinlich kann das Rätsel, wie Wert produziert wird, nur durch Reichs Entdeckung der kosmischen Überlagerung bzw. ihrer orgonometrischen Formulierung gelöst werden.

Durch Beseitigung der Kapitalisten als Klasse und damit der „geistigen Produktivkraft“ wird die Erschaffung von Wert unmöglich gemacht (wie die Geschichte des Kommunismus plastisch vor Augen geführt hat). Das gleiche läßt sich sagen, wenn die „lebendige Produktivkraft“ der Arbeiterklasse zerstört wird, wie gegenwärtig beim Zerfall der liberalen Gesellschaft (Drogen, Hartz IV, die Jugend-„Kultur“, der generelle sittliche Verfall im allgemeinen und der Arbeitsmoral im besonderen). Charakteristischerweise fördern Marxisten diesen Zerfall, um die „Aufhebung“ des Kapitalismus voranzubringen.

Was also ist Wert? Es ist das „A“ in der obigen Gleichung: das Produkt der Überlagerung von Kapital und Arbeit. Dieses Produkt „A“ ist dabei eine mittelbare Fortführung der kosmischen Orgonenergie „N“: „geronnene Orgonenergie“, wenn man so will. Marx hat alles getan diese „Wertschöpfung“ zu verunmöglichen.