Posts Tagged ‘Wissenschaft’

Wilhelm Reich, Physiker: 2. Orgonbiophysik, i. Kosmische Überlagerung

1. Februar 2026

Wilhelm Reich, Physiker: 2. Orgonbiophysik, i. Kosmische Überlagerung

Bernd A. Laska liest den Roman IDEALISTEN von Hans Scherfig (Teil 2)

30. Januar 2026

Bernd A. Laska liest den Roman IDEALISTEN von Hans Scherfig (Teil 2)

Peter Töpfer (Teil 13)

17. Dezember 2025

Diese Serie von Blogeinträgen klingt so wie ein systematisches Heruntermachen von Töpfers Bemühungen. Ich bin durchaus mit gegenteiligen Absichten an dieses Projekt herangetreten. Denn tatsächlich ist er umfassend gebildet, belesen, originell, ein unabhängiger Denker und schreibt ein hervorragendes Deutsch – jedenfalls ein besseres als ich. Außerdem sind wir in etwa die gleiche Generation. Er ist sehr offen, was seine eigene Befindlichkeit und Lebensgeschichte betrifft. Man muß ihm zu Gute halten, daß er bei mir als Leser den Impuls weckte auch selbst in die, wenn man will, Tiefenwahrheit zu gehen. JEDER HAT IRGENDWO RECHT!

Zentral für ihn scheint der Schmerz, gar der „Urschmerz“ zu sein. Ich hingegen muß sagen, daß Traumata m.W. keinerlei Rolle in meiner Abpanzerung gespielt haben, sondern vielmehr die Kontaktlosigkeit meiner Eltern, die man an kaum etwas Konkretem festmachen kann, die mich aber vielleicht gerade deshalb nachhaltig verunsichert hat. So kann selbst ein Wunschkind, daß mit Liebe und Zuneigung überschüttet wurde, emotional krank werden.

Meine Mutter ist an der Reeperbahn als Tochter eines Kellners und einer Kellnerin aufgewachsen, damals hochangesehene Berufe. Das Problem war, daß die alleinerziehende Kellnerin tagsüber schlafen mußte und die Kinder deshalb aus der Wohnung verbannt wurden. Tag ein Tag aus mußte meine Mutter bei jedem Wind und Wetter ihren Puppenwagen runter zum Bismarckdenkmal schieben und dort ihre Zeit damit verbringen, ihren Puppen die Liebe und Wärme zu schenken, die ihre Mutter, die sie kaum sah und ihre Oma, die sich fast ausschließlich um die Kinder kümmerte, meiner Mutter vorenthielten. Diese früh verwitwete Oma war ein schreckliches, kaltherziges, verbittertes, verbiestertes, sadistisches Weib. Meine Mutter empfand nie etwas anderes als abgrundtiefen Haß für dieses niederträchtige Scheusal. Eine ihrer gegen meine Mutter gerichteten Sprüche war beispielsweise: „Ich wollte, Deine Mutter hätte dich wegmachen lassen, wie all die anderen verfluchten Bälge auch!“ Meine Mutter schwor sich ihre eigenen Kinder nie zu schlagen, nie zu erniedrigen und ihnen alle Liebe der Welt zu schenken.

Mein Vater war geprägt durch frühen Kriegsdienst, Kriegsgefangenschaft und daran anschließendes 10 jähriges Exil in England als Knecht auf einem Bauernhof, einfach weil er nach einem kurzen Besuch glaubte, das vollkommen zerbombte Hamburg sei auf ewig zerstört. Ihm wurde schließlich eine Farm oder Ranch in Alberta angeboten, denn es galt immer noch das englische Weltreich zu bevölkern, aber er zog es vor in den Schoß seiner katholischen Familie nach Hamburg zurückzukehren, die er zutiefst verachtete, nachdem er miterlebt hatte, wie man eine uneheliche Cousine zeitlebens als „Frucht der Sünde“ behandelt hatte. Er kehrte zurück, weil sein Vater, mein Opa, den ich leider nie kennenlernen durfte, im Suff tödlich verunglückt war. Ein Suff, in den ihn meine Oma, ebenfalls ein schreckliches Weib, getrieben hatte. Einst sollte mein Vater seinen Vater aus der Kneipe abholen. Was er da zu Gesicht bekam, ließ ihn schwören, niemals selbst zu trinken. Also kurzentschlossen entschied er sich, seiner nun zur Witwe gewordenen Mutter beizustehen: statt das vielversprechende Abenteuer Alberta, wählte er aus reiner Gutmütigkeit das Dasein als Hafenarbeiter im Hamburger Hafen.

Diese Familiengeschichte trug mir die untergründige Kontaktlosigkeit zweier vom Leben Betrogener ein und den Neid und abgrundtiefen Haß meiner frühen Spielkameraden und das damit zusammenhängende sozusagen „außerfamiliäre“ Trauma für mich, das einen lebenslangen Hang zur Sozialphobie erzeugte. Sie kannten keine liebevollen Mütter, keine gewaltfreien und dem Alkohol abholden Väter, kein intaktes Familienleben, sondern nur Streit, Familiendramen und Gewaltexzesse im Suff. Als einziger Spielkamerad blieb mir der Sohn eines, wie ich im nachhinein glaube, Anthroposophen, der in unserer Behelfsheimsiedlung für Ausgebombte einen Schrebergarten besaß.

Die fremdelnde Distanz zu und tiefsitzende Verachtung für „unsere Gesellschaft“ steckte tief in mir drin, als ich ähnlich wie Töpfer absurd früh zu geistigen Höhenflügen ansetzte. Ich werde häufig gefragt, warum ich all das, etwa diesen Blog, mache: weil ich spätestens seit meinem 13. Lebensjahr nichts anderes tue, als – das, was ich tue… Hier eine Schöpfung aus der Zeit meines Erwachens in Richtung Orgonomie:

Bild Nr. 19

Die Frage nach dem Sinn und Funktion meiner Tätigkeit stellen mir immer Leute, deren Leben vollständig leer ist; die ihre Abende und ganze Nächte mit Computerspielen verbringen, allein schon um ihrer öden Beziehung zu entfliehen, und sich auch sonst nur mit irgendeinem verblödenden Scheißdreck beschäftigen, den sie nur mit Alkohol und Psychopharmaka ertragen können! Jede Tiefe ruft in ihnen Panik hervor. An sich tun sie nichts anderes als sich die Zeit bis zum Tod zu verkürzen.

Was mich von Töpfer unterscheidet, ist, daß mir sein radikaler Subjektivismus vollkommen fremd ist. Wie ich bereits ausführte, hat sein gesamter Ansatz etwas Kindlich-Magisches an sich: wenn ich selbst die Augen zumache, sehen mich die anderen nicht. Für ihn lebt jeder in seiner eigenen Wahrheit. – Dabei muß ich spontan an Bronislaw Malinowskis Analyse von „Wissenschaft und Magie“ bei den Trobriandern denken. Die Trobriander denken nur in jenen Bereichen wie Kinder, nämlich magisch, wo sie die Umwelt nicht gezielt beeinflussen können. Ändert sich das, löst sich die magische Lebenshaltung in Luft auf. Beispielsweise werden die Schiffe für die weiten Expeditionen in die Inselwelt Mikronesiens nach allen Regeln rationaler Handwerkskunst („Wissenschaft“) gebaut, ohne auch nur einen Hauch von Magie. Wenn es aber um so etwas Unberechenbares wie die Unbilden des Wetters und des Weltmeeres geht, greift man zu kindischen Zaubersprüchen und irgendwelchen magischen Amuletten. Diese Magie weicht bei den Primitiven (jedenfalls bei den genital gesunden Primitiven) instantan der wissenschaftlichen Aufklärung, so wie die Sonne die Wolken vertreibt, wenn sie die Situation praktisch bewältigen können. – Es hat etwas zutiefst Beunruhigendes, daß dieses subjektivistische Weltbild bei Töpfer immer mehr alles zuwuchert und daß dann noch unter dem Vorwand, die LSR-Aufklärung praktisch zu machen und dergestalt zu vollenden. „Wissenschaft“ ist sein großes Feindbild.

Peter Töpfer (Teil 12)

12. Dezember 2025

Die Massen in den überlaufenden Wartezimmern der „objektivierenden“ Psychotherapeuten warten auf Töpfer (Tiefenwahrheit, S. 73), der sich auf Stirner beruft: „Stirner (…) war die Ausgeburt des Subjektiven; das machte ihn zum ‚bedeutsameren Denker‘ (Laska), und deswegen ist er unser Leitstern“ (S. 73). Reich, der „ich-feindliche Mechanist“ (S. 302), hingegen sei ein „enthemmter Anti-Subjektivist (…), der als Helfer bei einer Eignerwerdung im stirner‘schen Sinne von vornherein nicht in Frage kam“. Reich hätte doch lieber Landwirt bleiben oder sich auf Naturwissenschaft beschränken sollen! Außerdem war er, wie Laska, „ich-schwach, in beträchtlichem Maße entfremdet und von großem Mißtrauen sich selbst gegenüber gewesen“ (S. 101).

Ahnt Töpfer eigentlich wie modern oder sagen wir lieber „postmodern“ (antiautoritär) er mit seinem radikalen, alles Objektive dekonstruierenden Subjektivismus ist? Für ihn ist die subjektive Wahrheit die eine und einzige Wahrheit (S. 102). Sieht er nicht, daß heute, in der woken Gesellschaft, alle Diskussionen postphilosophisch ablaufen, d.h. rationale („kognitive“) Argumente spielen keinerlei Rolle mehr, sondern nur noch Gefühle, allein schon, wenn man falsche oder verbotene Worte benutzt? Im Zweifelsfall enden die Diskussionen dann emotional-affektiv mit Weinen oder hysterischen körperlichen Bedrohungen.

„Es nimmt angesichts der Heerscharen von Wahrheitskrämern nicht Wunder, daß die Wahrheit bei Stirner gehörig ihr Fett abkriegt.“ Dieser Satz Töpfers zeigt, daß er nicht die blasseste Ahnung von dem hat, was Wahrheit (Kontakt) und was Wahrheitskrämerei (der kontaktlose Umgang mit der Wahrheit) ist. Stirner habe „nur“ die äußere Wahrheit, „auf die Welt außer mir bezogene Wahrheit“, denunziert. Verwirrenderweise fährt er im nächsten Satz fort: „Gegen diese ‚zahllosen Wahrheiten‘ hatte er ja auch gar nichts.“ Aber es sei halt nicht seine innereWahrheit: „die Wahrheit, die er zur Konstituierung seiner Person (seines ‚Eigners‘) und zu seinem Verkehr braucht“ (S. 104). Für mich sind diese Ausführungen nichts weiter als wirres Zeugs! Wahrheit ist Kontakt mit der Wirklichkeit und wer keinen Kontakt zu sich selbst hat, kann auch keinen Kontakt zu seiner Umgebung haben und umgekehrt. Punkt. Ende der Diskussion!

Und was die Wirklichkeit betrifft und damit die Wahrheit: wir haben Hunderte von Millionen Jahren von Evolution, d.h. Anpassung an die Wirklichkeit, hinter uns. Wir können hundertprozentig sicher sein, daß wir die Welt exakt so wahrnehmen, wie sie ist. Eine hypothetische „wirkliche Wirklichkeit“ kann uns gleichgültig sein. Hauptsache der Schlüssel (wir) paßt zum Schloß (die Umwelt). Unser einziges Problem ist die Panzerung, die den Kontakt verzerrt. Punkt. Ende der Diskussion!

Dazu schreibt der offensichtlich vollkommen ungepanzerte Töpfer: „Meine Wahrheit entsteht in mir, ich pflücke sie nur in mir ab, und dann weiß ich sie – ist sie mir ‚gewiß‘. Manchmal muß ich sie, im Unterschied zu Stirner, der sie ja angeblich schon vollumfänglich hat, auch suchen – aber eben nur in mir, niemals im Äußeren (es sei denn, ich bin Ingenieur und will eine Maschine bauen)“ (S. 106). – Oder essen, arbeiten, lieben, mich in der Umwelt bewegen, überhaupt irgendwie außerhalb meines Kopfes leben und – überleben!

Töpfer: „Stirner meint mit der Wahrheit (…) irgendeine höhere Wahrheit, die weitab von mir ist und nach der ich von vornherein nur im Außen suche – Politik, Geschichte, Wissenschaft, Philosophie –, anstatt daß ich ‚bei mir zuhause nachsehe‘ (Otto Waalkes), oder die jetzt in mir ist, weil ich sie hereingenommen, die ich von außen übernommen habe (‚Über-Ich‘)“ (S. 106). Die „äußere Wahrheit“, daß ich lieber nicht prüfen sollte, ob eine Herdplatte angeschaltet ist, indem ich meine Handfläche auf sie lege, ist schlichtweg realitätsgerecht und „Wissenschaft“ und deshalb, wenn ich es einem Kind vermittle meinetwegen „rationales Über-Ich“. Nur Unsinn, etwa das Tragen einer Covid-Maske, das Kindern eingebleut wurde, erzeugt ein „irrationales Über-Ich“. – Bei Töpfer geht das alles im Wirbelwind pseudo-philosophischer Phrasen unter! Immerhin ist die „objektivistische“ Wissenschaft ja sein Hauptgegner!

Töpfer:

Psychologie ist als Wissenschaft das neue Heilige: etwas Höheres – nichts Gutes wie die Mathematik (…). Stirner weiter dazu: „Warum ist eine unumstößliche mathematische Wahrheit, die nach dem gewöhnlichen Wortverstande sogar eine ewige genannt werden könnte, keine – heilige? Weil sie keine geoffenbarte, oder nicht die Offenbarung eines höhern Wesens ist.“ Jede Anthropologie aber kann ebenfalls, selbst wenn sie mit mathematischen Mitteln arbeitet, nur eine solche geoffenbarte Wahrheit sein, weswegen ich sie nicht mag. (S. 107)

Daß grundsätzlich alle bisher erforschten Menschengruppen die gleichen Grundemotionen zeigen, daß es nie und nirgends vegane Menschengruppen gab, überall Linkshänder in der Minderzahl sind, etc.pp. und daß in der wissenschaftlichen Anthropologie alles durch den Fleischwolf der Frage nach der statistischen Relevanz der Ergebnisse gedreht wird, gerade um alles Ideologische, d.h. „Über-Ichige“ auszuschließen… Seufz! – Das bedeutet nicht, daß die Wissenschaft „heilig“ ist, sondern nur, daß die Wirklichkeit dich zum Straucheln bringen wird, wenn du das kollektiv angesammelte Wissen ignorierst und vollkommen verpeilt deiner „inneren“ vermeintlichen „Wahrheit“ folgst und entsprechend selbst jeden Scheiß auf die harte Tour lernen mußt!

Warum Töpfer so ist, teilt er uns selbst mit. Seine „Wahrheitstheorie“ begann im Alter von 15 Jahren, als er auf seinen initialen Hauptgedanken kam: Wenn ich unter irgendetwas leide – wenn zum Beispiel meine Mutter sterben sollte –, dann muß ich nur darüber nachdenken, dann muß ich mir das genau vorstellen und analysieren. Dann könne mir nichts passieren“ (S. 108). Die Seelenwelt des tatsächlich noch „ich-schwachen“ Kindes, das an die Allmacht der Gedanken glaubt, an die die Welt konstituierende „innere Wahrheit“. Wenn ich die Augen zumache, sieht mich niemand!

Das ist der Kern des gesamten Projekts „Tiefenwahrheit“. Laska habe nur paraphilosophische Kriminalgeschichte betrieben, um eine illusorische bzw. verbrecherische Praxis der Neurosenprävention zu initiieren (Stichwort Pädosex), doch ich, Töpfer, verändere die Welt, indem ich die Augen zumache und in mich gehe. Ich werde sozusagen effektiv, indem ich affektiv werde… Mein, Töpfers, Maßstab von Aufklärung und Wahrheit ist die Holocaustleugnung! Willkommen in der wunderbaren Welt von – LST! Aber es geht tiefer:

Rückblickend hätte ich mir LSR sparen können. LSR war nur ein Umweg zu SJT bzw. ST, d.h. zur Tiefenwahrheit als stirneristischem Verfahren zur „Selbstermächtigung“ (Laska) bzw. zur Wieder-Aneignung. Für ein solches Verfahren scheidet R sowieso aus. Dieser hatte auch einen Umweg genommen, aber einen unproduktiven: über Freud zurück zu seiner Naturwissenschaft. Meiner, über Reich und Janov, war produktiv. (S. 658)

Wilhelm Reich, Physiker: 1. Biophilosophie, c. Antifunktionalismus: Der Geist in der Maschine

6. Dezember 2025
Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist oranurphysik.jpg.

W:ilhelm Reich, Physiker: 1. Biophilosophie, c. Antifunktionalismus: Der Geist in der Maschine

Wilhelm Reich, Physiker: 1. Biophilosophie, b. Orgonomischer Funktionalismus

21. November 2025
Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist oranurphysik.jpg.

Wilhelm Reich, Physiker: 1. Biophilosophie, b. Orgonomischer Funktionalismus

Was ist der Unterschied von Arbeitsdemokratie und Kapitalismus? (Teil 1)

26. Oktober 2025

Liebe, Arbeit und Wissen bestimmen unser Leben, sie sollten es auch beherrschen!

Betrachten wir dazu das konkrete Liebes-, Arbeits- und „Wissensleben“, fällt uns auf, daß es jeweils vom Agon (sich im Wettkampf messen) bestimmt wird. Kaum etwas ist kompetitiver und brutaler als der Dating-Markt, nichts stressiger, als der Kampf um Karriere und Marktanteile, nichts desillusionierender, als der Konkurrenzkampf innerhalb der Wissenschaft („veröffentliche oder sterbe“). Ohne dieses alles bestimmende Agon, ohne diesen „Willen zur Macht“ würden wir uns alle gehenlassen und aus dem Genpool würden schließlich nur noch dumme häßliche Krüppelmonster entspringen, die Ökonomie würde den Weg Venezuelas gehen und die Wissenschaft würde generell so verblöööden wie die Absolventen von Genderstudies.

Ganz brutal „Nietzscheanisch“: ohne diesen allesumfassenden „Kapitalismus“ würde die Dekadenz triumphieren und wir in einem sozialistischen Sumpf der Mediokrität ersaufen. Der letzte macht das Licht aus. Wer diese brutale Welt nicht erträgt, ist ein Feind des Lebens und sollte für sich selbst die Konsequenz ziehen! – Aber gemach! Es gibt einen tieferen Funktionsbereich, der uns nur deshalb nicht ins Auge fällt, weil er sozusagen „perspektivisch nachgelagert“ erscheint. Die genitale Umarmung nach dem erfolgreichen Dating und wechselseitigem Kennenlernen ist selbstverständlich nicht vom Agon, sondern von Hinwendung, Zärtlichkeit und Liebe geprägt, genauso wie der Umgang mit dem möglicherweise dabei gezeugten späteren Kind. Ähnlich in der Arbeits- und „Wissenssphäre“: ohne Kooperation und wechselseitige Resonanz wäre ein erfolgreiches Arbeiten kaum möglich, sei das nun auf dem Bau beim herstellen einer Bodenplatte oder im Labor bei der Entschlüsselung des Genoms eines Hefepilzes. Ein Wissenschaftler baut auf den Arbeiten seiner Vorgänger auf, ist vom offenen wissenschaftlichen Austausch mit seinen Kollegen abhängig und gibt „selbstlos“ all sein Wissen und Können an seine Studenten weiter.

Der tiefste Aspekt jenseits von selbstischem Agon (Konkurrenz) und, for lack of a better term, „selbstloser Agape“ (Solidarität) ist jedoch die Naturgesetzlichkeit. Um den Kapitalismus zu begreifen, braucht man nur die Darwinistische „natürliche Auswahl“ betrachten. Der Kapitalismus ist die unmittelbare Fortführung des natürlichen Geschehens im Dschungel und auf der Savanne: die, die am besten funktionieren pflanzen sich fort und verdrängen die Versager. Ergebnis ist eine blühende, sich immer weiter ausweitende biologische Sphäre, der es sogar gelungen ist, die Antarktis zu besiedeln. In Gestalt des „kapitalistischen“ Menschen ist sie gerade dabei die Erde zu verlassen und Mond und den Mars zu besiedeln. Alles folgt dabei ohne jeden Bruch den allgemein bekannten Naturgesetzen, die in der DNA Struktur geworden sind. Diese beruhen aber auf den Naturgesetzen „jenseits der DNA“, wie sie Reich in seiner „sexualökonomischen Lebensforschung“ der 1930er bzw. seiner „Orgonbiophysik“ der 1940er Jahre parallel zur Entdeckung der DNA erschlossen hat. Die orgonomischen Naturgesetze bestimmen unser Liebesleben, das was Reich als „natürliche Arbeitsdemokratie“ (im Sinne von „naturgegeben“) bezeichnet hat und schließlich jenen Prozeß, bei dem sich die kosmische Orgonenergie ihrer selbst bewußt wird („Wissenserwerb“). Das reicht von der Funktion des Orgasmus und Orgasmusformel, über die genitale und kosmische Überlagerung bis hin zur Orgonometrie.

Du bist nicht Wilhelm Reich! (Teil 1)

19. Oktober 2025

Am Anfang steht das Wort. Man nehme eine Orgontherapie, auf die schließlich auch erst hingewiesen werden muß, bevor der Patient überhaupt darauf kommt, zum orgonomischen Arzt zu gehen. Es mag sein, daß es mit Reich anders gewesen ist, aber heute beginnt jedes orgonomische Experiment mit dem Nachvollzug eines überlieferten Versuchsaufbaus. Orgonomie ist wie alle Wissenschaft zunächst immer eine mündliche oder schriftliche Mitteilung. Vor der Praxis stehen Vorlesungen und Durcharbeiten von Lehrbüchern. Entsprechend ist die Qualität der wissenschaftlichen Unternehmungen von der Klarheit und Logik der Darstellung abhängig. Reich selbst hat immer wieder darauf hingewiesen, wie verheerend schludrige und unpräzise Formulierungen für die Entwicklung der Wissenschaft sind, beispielsweise in der Biologie die beiden Worte „um zu“.

Das bedeutet natürlich nicht, daß bloße Worte wichtiger wären als das Experiment und die konkrete Erfahrung. Es ist ähnlich wie eine Wegbeschreibung, die das „unsubstantiellste“ am ganzen Weg ist, an dessen Ende beispielsweise ein „Date“ stehen könnte, – aber ohne die dröge und formelhafte Wegbeschreibung wird man von vornherein hoffnungslos in die Irre gehen.

Aus funktioneller Sicht ist es eine Todsünde sich unlogisch, verworren oder so „verschwurbelt“ auszudrücken, daß einem niemand folgen kann. Nicht nur, daß eine solche Ausdruckweise die Arbeitsdemokratie unterminiert und sabotiert. Sie ist auch in einer anderen Hinsicht Emotionelle Pest (= destruktiver Irrationalismus auf dem sozialen Schauplatz), denn sie induziert bei anderen die eigene okulare Panzerung, die dadurch geradezu „ansteckend“ wird.

Bioenergetisch entspricht das ganze einer Orgontherapie, die (wenn man mal von der Mobilisierung der Atmung absieht) stets beim okularen Segment beginnt und erst am Ende zum Beckensegment und damit zum Kern der Neurose (dem Ödipuskomplex und der orgastischen Impotenz) vordringt.

Leute, die kaum einen geraden Satz formulieren können, aber gleich immer zu den „handgreiflichen“ Essentials durchdringen wollen, ähneln in ihrem Vorgehen der „Bioenergetik“ nach Alexander Lowen, bei der gleich am Anfang das Becken „mobilisiert“ wird und dadurch ein hoffnungsloses Durcheinander im Patienten hervorgerufen wird. Derartige Leute, die alle möglichen „praktische Erfahrungen“ vorweisen können, sind dann typischerweise jene, die schließlich die Orgonomie, bzw. das, was sie für „Orgonomie“ halten, mit den absurdesten mystischen Theorien anreichern.

Ein des Öfteren zu hörender Einwand lautet, die Formulierungen, mit denen die Orgonomie verbreitet wird, seien zu holzschnittartig, gar „phrasenhaft“. Dem kann man nur entgegenhalten, daß fast jede Neuformulierung der Orgonomie erfahrungsgemäß kaum mehr erzeugt als ein heilloses Durcheinander, also genau das, was ich anfangs kritisiert habe.

Die folgende Abbildung (die ausschließlich im Zusammenhang mit diesem Blogeintrag Sinn macht!!) illustriert das gesagte:

In der korrekten Vermittlung der Orgonomie, die dem eingezeichneten Pfeil folgt, steht eine möglichst klare Erklärung am Anfang (Orgonometrie). Darauf folgt die Bobachtung der Erscheinungen, auf die man aufmerksam gemacht wurde, woran sich der Nachvollzug der Experimente anschließt (quantitative Orgonometrie), was schließlich im qualitativen Nachvollzug mündet. Am Anfang wird man auf die Orgonenergie hingewiesen, an Ende weiß man, daß sie existiert. Steht am Anfang chaotische Fehlinformation, kann es diese Erfahrung nie und nimmer geben.

Da die Menschen heute nun mal so sind, wie sie sind, nämlich gepanzert, kann die umgekehrte Entwicklung, die Reich selbst genommen hat, von vagen Ahnungen einer „psychischen Energie“ hin zu wildem „Herumprobieren“ nur zu entstellten mystischen Formulierungen führen. Der übliche Unsinn, der über die Lebensenergie verbreitet wird.

Reich selbst hat den umgekehrten Weg beschritten. Er ist aus seinem eigenen inneren Erleben in den 1920er Jahren vom Postulat einer „psychische Energie“ ausgegangen, hat in den 1930er Jahren entsprechende, anfangs „wilde“ und unsystematische, Experimente durchgeführt, die in den 1940er Jahren zu entsprechenden Beobachtungen der atmosphärischen und kosmischen Orgonenergie führten, was schließlich in den 1950er Jahren in seinen orgonometrischen Formulierungen mündete. Aber Reich war halt Reich!

Wilhelm Reich, Physiker: Einleitung

16. Oktober 2025
Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist oranurphysik.jpg.

Wilhelm Reich, Physiker: Einleitung

Warum ausschließlich das AMERICAN COLLEGE OF ORGONOMY? (Teil 1)

11. September 2025

Die Orgonomie ist eine Wissenschaft und von daher weder an Institutionen noch an irgendwelche akademischen Titel oder Diplome gebunden. Reich hat aber auch eine psychotherapeutische Schule begründet, die Biopsychiatrie. Und hier ist es nicht anders als etwa bei Autowerkstätten, wo man ja auch nicht zu beliebigen Leuten hingeht, die „sich irgendwie mit Autos auskennen“, sondern sich ausschließlich an lizensierte Meisterbetriebe wendet, um etwa das Bremssystem überprüfen oder gar richten zu lassen. Da gibt es zwar auch keine hundertprozentige Garantie, daß alles richtig gemacht wird, aber immerhin wird die Fahrt von der Werkstatt zurück nach Hause nicht zu einem unkalkulierbaren Himmelfahrtskommando.

Als Reich sich kurz vor dem ORANUR-Experiment dafür entschied, seine Aktivitäten ganz nach Orgonon zu verlagern und sich auf die naturwissenschaftliche Forschung zu konzentrieren, gab er die Verantwortung für die Ausbildung in Orgontherapie aus der Hand und übertrug sie seinem Schüler Elsworth F. Baker, der diese Funktion ununterbrochen bis zu seinem Tod 1985 ausübte, die zu diesem Zeitpunkt an Charles Konia überging. Reich wählte Baker, der 1968 mit seinen mittlerweile ausgebildeten Schülern das „Amerikanische Kollegium der Orgonomie“ gründen sollte, aus, weil er als einziger von Reichs Schülern ausgebildeter Psychiater in gehobener Position war und eine fundierte psychoanalytische Ausbildung abgeschlossen hatte, so daß seine Hinwendung zur Orgontherapie Hand und Fuß und vor allem Gewicht hatte. Er verzichtete auf eine bequeme Karriere im medizinischen Establishment! Außerdem betrachtete Reich ihn von seiner Charakterstruktur her am geeignetsten. Am bemerkenswertesten war wohl Bakers vollkommen freies Augensegment.

Reich selbst hatte die Orgontherapie erst vor kurzem entwickelt. Tatsächlich erschien die Beschreibung der sieben Panzersegmente erst in der dritten amerikanischen Ausgabe der Charakteranalyse 1949! Entsprechend hatte Reich, der selbst noch „im Schwimmen war“, seine Schüler nie sonderlich gründlich ausgebildet. Das beste Beispiel ist Baker selbst, dem Reich 1946 bereits nach sechs Wochen seiner eigenen Therapie erlaubte, selbst Patienten orgontherapeutisch zu behandeln. Das waren sozusagen die wilden Jahre der Orgonomie; genauso wie noch Anfang der 1920er Jahre, als Reich als Therapeut anfing, die sich immer noch formierende Psychoanalyse nach wie vor sich in ihren „wilden Jahren“ befand und von geregelter psychoanalytischer Ausbildung keine Rede sein konnte. Hier ist Reich selbst das beste Beispiel! Das änderte sich erst im Verlauf der 1920er Jahre, nicht zuletzt aufgrund der Arbeit Reichs am „technischen Seminar“ in Wien.

Ob in den „wilden Jahren“ der Psychoanalyse (etwa 1900 bis 1925) und der Orgonomie (etwa 1935 bis 1950) wirklich kompetente Therapeuten ausgebildet wurden, war mehr oder weniger Glückssache, zumal während dieser Zeiten jeweils teilweise sogar Nichtmediziner zugelassen wurden. Noch heute hat man ab und an mit mittlerweile sehr alten Orgontherapie-Patienten zu tun, die manchmal ziemlich konfus wirken, so als sei zwar ihr Biosystem dramatisch „aktiviert“, dabei jedoch vor allem das Augensegment sträflich vernachlässigt worden, da ihre „Orgontherapeuten“ nicht wirklich wußten, was sie taten. Wahrscheinlich waren diese Patienten auch falsch, wenn überhaupt, biopsychiatrisch diagnostiziert und entsprechend in einen Zustand allgemeiner bioenergetischer Konfusion versetzt worden.

Bis heute ist am American College of Orgonomy das Feintuning in Sachen Diagnose und Therapie nicht abgeschlossen. Beispielsweise wurde immer deutlicher, daß die Diagnose einer „Schizophrenie“ (im biopsychiatrischen Sinne, nicht im Sinne der mechanistischen Psychiatrie!) weitaus häufiger angebracht ist, als noch zu Bakers Zeiten angenommen. Hinzu kommt der grundlegende Wandel von der autoritären zur antiautoritären Gesellschaft, die heute eine ganz andere orgontherapeutische Herangehensweise verlangt als noch bis in die 1980er Jahre hinein.

Es ist der reine Horror, daß es heute, teilweise sogar mehr denn je, Individuen und sogar ganze vermeintlich „orgonomische“ Organisationen gibt, die immer noch so agieren, als wäre die Orgonomie nach wie vor in ihren „wilden Zeiten“ und als könne man Patienten nach dem überkommenen Schema F behandeln. Resultat können bestenfalls immer neue Patientengenerationen sein, die einfach „daneben“ sind, einem ständig auf die Nerven gehen, sich aber einbilden „durchtherapiert“ zu sein, weil sie innerlich irgendwelche aufregenden Erlebnisse verbuchen können. Einen richtigen Orgontherapie-Patienten erkennt man an seinen freien, tiefen Augen, seiner unprätentiösen Lebendigkeit und seiner, im besten Sinne des Wortes, „Normalität“. Er kann„versprechen, d.h. bioenergetische Spannung aushalten und deshalb in den Bereichen Liebe, Arbeit und Wissen seinen individuellen Möglichkeiten entsprechend produktiv ein. Er ist ein „Mensch“ im Sinne des Jiddischen, kein „bioenergetischer Freak“!

Im Jiddischen bezeichnet das Wort „Mensch“ eine Person von Integrität, Ehre, Anstand und noblem Charakter, d.h. eine Person, die nachgeahmt werden sollte. Ein „echter Mensch“ ist jemand, der mit Ehrlichkeit handelt, Respekt zeigt, Mitgefühl hat und das Richtige tut, auch wenn es ihm Nachteile bringt. Mit anderen Worten: er ist das exakte Gegenteil des Kleinen Mannes!