
Posts Tagged ‘Biophysik’
DAS BLAUE BUCH 2012-2016: 3. Medizinische Orgonomie, c. Gedächtnis / d. Die Ausdruckssprache des Lebendigen und die Linguistik
2. Oktober 2026Orgonenergie-Akkumulator und Neurose
12. August 2026In seiner Rückschau von 1942 beschreibt Reich seine Weiterentwicklung der Freudschen Libidotheorie Mitte der 1920er Jahre wie folgt: die auf seelischen Konflikten beruhende Neurose (Ödipuskomplex, Kastrationsangst) hat einen körperlichen aktual- bzw. stauungsneurotischen Kern (sexuelle Frustration). Die Sexualstörung beruht wiederum auf seelischen Bedrängnissen.
Die Sexualerregung ist ein ausgesprochen körperlicher Vorgang. Die Konflikte der Neurose sind seelischer Art. Es kann nicht anders sein, als daß ein geringer Konflikt, an sich normal, eine kleine Störung des sexuellen Energieausgleichs herbeiführt. Diese kleine Stauung verstärkt den Konflikt, und dieser wieder die Stauung. Derart heben psychischer Konflikt und körperliche Erregungsstauung einander gegenseitig in die Höhe. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 88f)
Stauung und Konflikt schaukeln sich gegenseitig hoch.
Ähnlich beschreibt Reich zwei Jahrzehnte später die Wirkung des Orgonenergie-Akkumulators: die Energiefelder der beiden Orgonsysteme (Akkumulator und Akkumulatorbenutzer) schaukeln sich durch orgonotische Erstrahlung, die Reich bei der Beobachtung von Bionen entdeckt hatte, wechselseitig hoch.
Genauso wie der Kontakt zweier Bione in eine orgonotische Erstrahlung ausläuft, erstrahlt auch das Blut und das Zellsystem im Kontakt mit dem Orgonfeld des Akkumulators. Dieser Kontakt der beiden Orgonsysteme [Akkumulator und Akkumulatorbenutzer] führt zu einer Steigerung des Orgonenergiewechsels im Organismus, dem nun die belebende Wirkung der Orgon[akkumulator]therapie zugeschrieben werden muß. (…) Wir haben es also im Falle der Orgontherapie mit sexualenergetischen Vorgängen im strengen biophysikalischen Sinne des Wortes zu tun. Nur so wird verständlich, daß so viele Kranke, die an Stillstand der biologischen Energieumsetzungen leiden, [durch die Behandlung mit dem Akkumulator] sexuelle Erregungen und eine Sexualstauung entwickeln. (Der Krebs, Fischer TB, S. 322f)
Der Krebskranke ist typischerweise „buddha-artig“ milde und entspannt, stoisch, frei von Sexualstauung und deshalb „unneurotisch“. Umgekehrt ist die Neurose so etwas wie der Versuch einer Selbstheilung, eine, wenn man so will, „autonome Akkumulatorbehandlung“: die seelische Bedrängung aktiviert das körperliche Energieniveau und der wachsende Energiepegel „macht aus jeder Fliege (jeder psychischen Irritation) einen Elefanten“. Am Ende dieses energetischen Hochschaukelns steht typischerweise der „Herzkasper“ oder ein ähnliches dramatisches Symptom der wachsenden Sexualstauung – als habe man viel zu lang im Orgonenergie-Akkumulator gesessen und leide unter einer Überladung.
Wilhelm Reich, Physiker: 3. Der physikalische Laie Wilhelm Reich, f. Zum naturwissenschaftlichen Status des Orgons
1. März 2026Die drei Kreise der Orgonomie
3. Mai 2023Was ist Orgonomie? Am Anfang steht der Entdecker der Lebensenergie. Was hat er entdeckt? 1. die Funktion des Orgasmus, 2. das Orgon und 3. die objektive Logik der Natur (orgonomischer Funktionalismus) sowie 4. ORANUR/DOR. Das ist der Kern der Orgonomie.
Wirkliches Leben wird der Orgonomie aber nur eingehaucht in der Klinik (medizinische Orgonomie), im gesellschaftlichen Leben (soziale Orgonomie), im Labor (biophysikalische Orgonomie) und in der Studierstube (Orgonometrie). Das ist sozusagen der „zweite Kreis“ der Orgonomie, ihre „mittlere Schicht“, wenn man so will – das „Mesoderm“.
Der dritte Kreis, die „soziale Fassade“ der Orgonomie ist die Tradition, die Organisation, die „Kultur“ der Orgonomie. Selbstverständlich kann jeder die Orgonomie für sich selbst studieren und sich selbst die Dinge praktisch erarbeiten, etwa am Mikroskop, aber wie in jeder anderen Wissenschaft, gibt es auch hier so etwas wie ein „Peer Review“. Etwas, was nicht der kritischen Überprüfung durch andere ausgesetzt wird, existiert schlichtweg nicht. Außerdem kann eben nicht jeder „tun und lassen, was er will“. Bzw. kann er schon, aber er muß die Konsequenzen tragen. Wissenschaft ist weder eine Demokratie und schon gar nicht eine Anarchie. Sie ist eine Monarchie, solange der Gründer bzw. die Gründergeneration noch tätig ist und geht dann in eine Republik über, die von Gesetzen bestimmt wird und dem ständigen Austausch zwischen den Gliedern der Gesellschaft getragen wird, von denen sich einige eine besondere Autorität erarbeitet haben. Von daher wären Mehrheitsabstimmungen über Sachfragen oder libertäre „Freiheit“ vollkommen abwegig.

Man wird fragen, ob denn nicht das Labor im Zentrum stehen müßte, aber das macht weder historisch Sinn noch „funktionell“. Am Anfang steht immer ein „Wilhelm Reich“, der eine Beobachtung macht bzw. eine Hypothese aufstellt und die dann überprüft. Es ist, man verzeihe mir den Vergleich, wie bei einem Rockstar. Normalerweise überbieten sich diese bei ihrem überschwenglichen Dank an die Fans, die das ganze erst möglich machen würden. Sie, die Fans, wären sozusagen „der Kern“ der ganzen Angelegenheit. Diese Haltung ist genauso universell wie unlogisch. Das ist mir bei einem Interview mit Doyle Wolfgang von Frankenstein aufgegangen, der sich über die Zudringlichkeit seiner Fans schrecklich aufregte und vollkommen richtig meinte, sie, die Fans würde es (eben als Fans) gar nicht geben, würde er, Doyle, seine Vision und seine Arbeit, nicht existieren! Sie sollen gefälligst ihm dankbar sein und ihn bezahlen, wenn sie seine Musik hören wollen.
DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 15. Die Trennung von Liebe und Sex / Die Orgonometrie von Liebe und Sex
31. Oktober 2022DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 1. Die Apokalypse / Wilhelm Reich
14. Februar 2022Freudismus, Marxismus, Orgonomie und Verschwörungstheorien
6. April 2020Gestern habe ich die Frage der Intentionalität offengelassen. Das möchte ich heute nachholen:
Verschwörungstheorien und Orgonomie? Schwierig! Einfach, weil Reich selbst eindeutig „Verschwörungstheoretiker“ war, von wegen „The Red Thread of a Conspiracy“ (Der rote Faden einer Verschwörung), andererseits dieses Denken in Begriffen bewußter Intentionalität der Orgonomie so wesensfern ist. (Wobei natürlich von vornherein zu sagen ist, daß niemand und keine Theorie derartige Verschwörungen jemals wirklich ausschließen kann!)
Die Psychoanalyse war in ihrem Wesen vor allem eine Psychologie, in der es um Bilder, Vorstellungen und Intentionen ging, d.h. um Bewußtsein, das Vorbewußte und vor allem das Unbewußte, das sich aber immer noch mit Hilfe der Sprache ausdrückt. Reich gesamter Ansatz hingegen war es nicht nur jenseits des Bewußtseins, sondern prinzipiell auch jenseits der Sprache zu gehen. Es ging also sozusagen nicht um die „K-a-t-z-e“, sondern um die Katze als „Ding an sich“. Das Unbewußte war entsprechend unmittelbar in der verspannten Muskulatur gegeben, jenseits aller Sprache. Und die Sprache selbst war unmittelbarer Ausdruck von Körperlichkeit, beispielsweise in dem Wort „Hartnäckigkeit“. Psychologie und Soziologie wurden auf Biologie reduziert und die weiter auf Physik bzw. „Biophysik“.
In dieser Weltsicht bleibt kein Platz für eine zentrale Rolle von Intentionalität, dem „freien Willen“, der insbesondere in der Gestalt des „gefallenen Engels“ Satan zum Ausdruck kommt, der dem Vaterunser zufolge mit seinen bewußten Machinationen hinter allem steckt, was in der Welt falschläuft. Auf diese Vorstellung lassen sich wirklich alle Verschwörungstheorien zurückführen, von der „jüdischen Verschwörung“ („die Synagoge Satans“) angefangen. Das Denken der weitaus meisten Menschen auf diesem Planeten wird von diesem Grundmuster („alles läßt sich auf die böse Intention zurückführen“) geprägt, insbesondere in der moslemischen Welt.
Für die Orgonomie gibt es nicht „den Bösen“, sondern nur „das Übel“ der Panzerung, das jeden guten Impuls in sein Gegenteil verkehrt. Mit anderen Worten geht es um Struktur ganz entsprechend dem Marxismus. In Der Mensch im Staat legt Reich größten Wert darauf, daß für Marx die Kapitalisten keine „Teufel“ waren, sondern Menschen, die in einem System gefangen sind, das ihnen selbst keine Wahl, keine Willensfreiheit läßt. Von daher sind alle Verschwörungstheorien über „die bösen Kapitalisten“ null und nichtig bzw. rotfaschistische Propaganda.
Wenn Reich von „Verschwörung“ spricht, dann meint er etwas vollständig anderes: die Emotionelle Pest, d.h. keine intentionale, „gedankliche“ Verschwörung, sondern eine emotionale Verschwörung. Dabei geht es um objektive Strukturen, d.h. die Panzerung, die aus gesunden (primären) Impulsen kranke (sekundäre) Impulse macht, welche für gepanzerte Menschen leider ansprechender (sozusagen naher) sind als die primären (die bedingt durch den Panzer fern, fremd und deshalb nicht ansprechend wirken). Es entwickelt sich entsprechend ein struktureller Zwang „Böses“ (eben „Sekundäres“) zu tun, ähnlich wie bei Marx die Kapitalisten auch bei besten bewußten Intentionen durch das kapitalistische System gezwungen sind, die Arbeitskraft ihrer Mitmenschen auszubeuten.
Die hier erläuterte Unterscheidung mag spitzfindig klingen, entspricht aber dem, wie Reich den Unterschied zwischen ursprünglichem „Arbeiterkommunismus“ und dem späteren roten Faschismus der Sowjetunion beschrieb. Gleicher Art ist der Unterschied zwischen den üblichen Verschwörungstheorien und dem, was Reich mit „The Red Thread of a Conspiracy“ ausdrücken wollte. Ihm ging es dabei nicht um „Verschwörungen“ per se, sondern um „emotionale Verschwörungen“, die auf dem beschriebenen (charakter-) strukturellen Zwang beruhen.
nachrichtenbrief105
19. März 2018



















