THE JOURNAL OF ORGONOMY: chronological index vols. 1-56 (1967-2023)
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BIBLIOGRAPHIE DER ORGONOMIE: Register von The Journal of Orgonomie Vols. 1-56 (1967-2023)
27. Dezember 2023Der Rote Faden (Band 2): 54. Die FDA wird wieder aktiv
24. Dezember 2023Enttäuschung an der Orgonomie
14. Dezember 2023Ein Großteil der Interessierten wenden sich über kurz oder lang enttäuscht von der Orgonomie ab. Das kann nur die organisierte Orgonomie betreffen, aber auch gleich Reichs gesamtes Lebenswerk.
Die Gründe sind vielschichtig und reichen von persönlicher Enttäuschung, Verbitterung, Desillusionierung etc. bis zur „objektiven“ Erkenntnis, daß die Orgonomie in ihren Grundlagen nicht stimmig, wenn nicht sogar schlichtweg falsch ist.
Die Leute gehen enthusiastisch an die Sache heran und begegnen „Vertretern“ der Orgonomie, die in bestimmten Situationen auch nicht im Entferntesten das verkörpern, was sie verkünden. Oder ein Gymnasiast mit Leistungskurs Physik liest Reichs Der Krebs und sagt sich: „Moment mal, mein Lehrer würde mir für diese Darstellung eine glatte 6 geben!“
Im allgemeinen erklären Orgonomen dieses Abwenden mit mystischen Erwartungen von Perfektion, die nicht erfüllt werden konnten. Man stelle sich diese Aussage von einem KFZ-Meister vor, wenn bei einem Auto nach der Reparatur die Bremsen defekt sind! Der Fehler liege in den zu hohen Erwartungen des Kunden!
Tatsächlich geht es aber um etwas anderes. Es ist wie in der Liebe. Objektiv hat der Partner alle möglichen Schwächen, die einem neutralen Beobachter abstoßen würden, aber der sieht nicht das, was du siehst. Du siehst den wunderschönen Kern, der so hell leuchtet, daß alles andere überstrahlt und damit praktisch unsichtbar wird.
Die, die bei der Stange bleiben, „die treu bleiben“, haben immer diesen „perfekten“ Kern vor Augen, der alles Imperfekte als unbedeutendes Beiwerk erscheinen läßt. Und das gilt nicht nur für die Theorie, sondern auch für Organisationen und einzelne Personen. Ein HSV-Fan bleibt treu, egal wie absolut scheiße der Verein auch spielt. Ein Freund bleibt ein Freund, egal wie unmöglich er sich auch verhält, denn eben das, diese bedingungslose Loyalität, macht Freundschaft aus.
Entweder überzeugt dich Reichs imgrunde einzige Entdeckung, die Funktion der orgastischen Plasmazuckung, oder eben nicht. Entweder empfindest du gegenüber dem Entdecker und seinen Erben eine unverbrüchliche Loyalität oder eben nicht.
Brief an Jerome Eden (über das Ende der WILHELM REICH BLÄTTER)
12. Dezember 2023Die 15. Version der BIBLIOGRAPHIE DER ORGONOMIE, Teil 3
11. Dezember 2023Leserbrief: „Deformation“ in Freiheit (Bernd Nitzschke: Psychoanalyse und Macht. In: Psychologie heute, Heft 10/89)
3. Dezember 2023Reich und die Philosophie
2. Dezember 2023Reich hat sich definitiv nicht als Philosophen betrachtet. Er war in erster Linie Naturwissenschaftler, sozusagen kein „Denker“, sondern ein Beobachter. Reich war dabei aber kein blinder Praktiker, sondern hat ganz im Gegenteil die Wichtigkeit der Theoriebildung hervorgehoben:
Die Theoriebildung wird von vielen sogenannten „Praktikern“ als ein „philosophischer Luxus“ betrachtet. Theoriebildung ist aber kein Luxus, sondern ein wissenschaftliches Werkzeug ähnlich der Anordnung der vielen Instrumente bei einer Operation. Diese Instrumentenanordnung ist ebenso entscheidend für das Gelingen der Operation wie jedes einzelne Werkzeug für sich. Der beste Chirurg würde fehlgehen, wenn das Werkzeug für jeden neuen Handgriff erst im Raume herumgesucht werden müßte. Wie in der Werkzeuganordnung kommt man auch in der Theoriebildung von schlechteren zu besseren Anordnungen von Tatsachen. Solche Theorien können also nie ein fertiges System bilden, sie sind immer unvollständig und verbesserungsbedürftig. (Der Krebs, Fischer TB, S. 317)
Reich hat kein „System“ entworfen, das über die „Werkzeuganordnung“ hinausging. Er keine „Weltanschauung“ begründen wollen, auch wenn die Orgonomie auf eine solche immer wieder verkürzt wird, sondern es ging ihm um eine neue „Denktechnik“. Was soll das sein? Ist das nicht in dem Sinne Philosophie wie etwa Heideggerei oder die Analytische Philosophie „Denktechniken“ sind?
Man nehme die Frage, warum es immer nur zwei Funktionen mit einem gemeinsamen Funktionsprinzip gibt und nicht beispielsweise drei. So würde ein Philosoph fragen, doch Reich wendet ein, daß dies „eine unnötige Frage“ sei.
Ich habe es mir nicht ausgesucht, es hat mich ausgesucht. Ich weiß, was Ihr Problem ist. Sie kommen aus der Philosophie, wo man mit vorgefaßten Meinungen, mit Prinzipien an die Dinge herangeht. Das ist es, was die meisten Menschen tun. Aber man kann die Natur nicht so verändern, wie man sie haben will. Ich würde sagen, das ist es, was an der bisherigen Naturphilosophie falsch war. (…) Sie haben die Natur selbst nicht sprechen lassen. Ich habe mich sehr bemüht, mein Denken zu widerlegen. Ich habe versucht, herauszufinden, wo es nicht zwei Funktionen gibt, die in einem gemeinsamen Funktionsprinzip vereint sind. Aber ich konnte es nicht. Jetzt kommen Sie mir nicht mit Ideen, sondern nennen Sie mir einfach ein Beispiel, wo es mehr als zwei gibt. (Reich: „Functional Thinking“ (discussion between Reich and his students, August 8 and 12, 1950), Orgonomic Functionalism 1, Spring 1990, S. 100-112)
Es geht nicht um unsere Vorstellung von der Wirklichkeit, sondern um diese Wirklichkeit selbst, die sich unserer Begriffswelt entzieht, wie ein Fischschwarm einem Netz mit einer viel zu großen Maschenweite! Dies sieht man an den üblichen Begriffspaaren, die zwar den Eindruck von „funktionelle Paaren“ im obigen Sinne vorgaukeln können, aber doch nur Kopfgeburten sind. Über die grundsätzliche Schwierigkeit, die Reichsche Theorie in derartigen „philosophischen“ Begriffspaaren in Worte zu fassen, schreibt Bernd A. Laska:
Wer je versucht hat, genuin Reich’sche „Philosophie“ zu formulieren, wird gemerkt haben, wie sehr solch ein Versuch einer Gratwanderung gleicht, bei der die ihm sprachlich zur Verfügung stehenden Begriffspaare (z.B. tolerant/intolerant, dogmatisch/undogmatisch) die Abhänge darstellen, auf die man nicht geraten darf. Die Begriffspaare fordern ein „entweder/oder“, im Geiste Reichs ist jedoch nur ein „weder/noch“ möglich. Positiv aber läßt sich mit dem traditionellen Begriffsarsenal kaum formulieren. („Zur Bestimmung des Status der Reichschen Theorie: II. ‚Früher‘ contra ’später‘ Reich – Eine überflüssige Kontroverse“ Wilhelm Reich Blätter 2/80, S. 79)
Die obenerwähnte „Denktechnik“ ist Ausdruck einer „ungepanzerten“ Herangehensweise, während Philosophie nichts anderes ist als die Kodierung der „gepanzerten“ Existenz des Menschen. Die verschiedenen Philosophien sind Paradigmen, d.h. die Wahrnehmungs- und Denkweisen aufgrund unterschiedlicher Panzerungsmuster. Reich hat das durchbrochen, als er sich von Anfang an außerhalb stellte. Laska schreibt dazu:
Wer sich (…) ernsthaft mit [Reichs Theorien] auseinandersetzt, befindet sich (…) bald vor der Frage nach den Grenzen des gegenwärtigen Paradigmas (…). Er weiß dann aber auch, daß Reich auf Grund des ihm eigenen Vorgehens (…) stets fast automatisch auf „wunde Punkte“ stieß. Er selbst schrieb dies seinem Festhalten an der zentralen Bedeutung der Sexualität zu, die einerseits zwar fundamentale Eigenschaft aller Lebewesen ist, andererseits aber einzig gerade dem Menschen seit dem „Sündenfall“ enorme Schwierigkeiten bereitet hat. Insofern glaubte Reich, nicht nur die Grenzen der Paradigmata einzelner Wissenschaften, sondern den Gesamtrahmen eines seit Jahrtausenden bestehenden „Superparadigmas“ überschritten zu haben. (Laska: Wilhelm Reich rororobildmono, S. 7f; vgl. S.A. Clark/R.A. Frauchiger: „Pradigm-Maker or Paradigm-braker“ Journal of Orgonomy 20(1), May 1986, S. 93-105 & Journal of Orgonomy 20(2), November 1986, S. 262-274).
Reich faßt das im Zusammenhang mit seiner Krebsforschung zusammen:
Ich habe meine Krebsforschung an anderer Stelle so ausführlich beschrieben, daß ich mich hier auf das Wesentliche beschränken kann. Der Leser wird nun besser verstehen können, daß es nicht so schwierig war, „so viel auf einmal zu entdecken“, wie es war, das Entdeckte theoretisch zu ordnen. Ohne die strenge Ordnung der beobachteten Tatsachen nach einer Technik des Denkens hätte es überhaupt keine Entdeckung gegeben. Viele Forscher hatten zerfallendes Gewebe, Protozoen, Krebsgewebe und amöboide Krebszellen gesehen und untersucht und mit ihnen gearbeitet. Auch die Bione waren häufig gesehen und beschrieben worden. Die große Bedeutung der Denktechnik für die wissenschaftliche Forschung zeigt sich hier am deutlichsten in der funktionellen Verknüpfung der Beobachtungen, die in erster Linie für die Entdeckung der biologischen Energie verantwortlich war. Wissenschaftliche Bereiche wie „Krebsforschung“ und „Biogenese“, die vorher so unterschiedlich waren, verschmolzen nun nahtlos zu einer großen funktionellen Einheit. Es ist also inkohärent zu behaupten, daß ich verschiedene Arten von Entdeckungen in vielen verschiedenen Bereichen gemacht habe. Es ist auch nicht richtig zu behaupten, daß ich meine wissenschaftliche Kompetenz in einem bestimmten Bereich überschritten habe oder daß die biologische Energie von einem „Außenseiter“ der spezialisierten Wissenschaften entdeckt wurde. Alles, was ich tat, war, eine grundlegende Entdeckung zu machen, indem ich die unverantwortliche, wenn auch verständliche Zurückhaltung gegenüber dem zentralen Vorgang der Sexualität überwand. Ich entdeckte lediglich die Funktion des Orgasmus, aber ich tat dies gründlich und konsequent. Alles andere ergab sich dann von selbst. Meine wichtigste Leistung und Anstrengung war nicht so sehr meine Entdeckung (obwohl das natürlich auch dazu gehörte), sondern die Tatsache, daß ich tief verwurzelte Vorurteile, falsche Behauptungen, persönliche Hindernisse und die lebensbedrohlichen Anfälle der emotionellen Pest, die sich zum ersten Mal ernsthaft herausgefordert sah, überwunden hatte. (Reich: „Functionalism in the Realm of the Bions“ The Developmental History of Orgonomic Functionalism, In Orgonomic Functionalism 4, 1992, S. 10f)
Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 92)
30. November 2023[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
„Laskas LSR“ läßt sich auf den Satz reduzieren: „Wo Über-Ich war, soll Ich sein!“ gegen Freuds Satz: „Wo Es war, soll Ich sein!“ und den Satz so mancher verpeilter Reichianer: „Wo Ich war, soll Es sein!“
Als Reich zur Psychoanalyse kam, war ihm von Anfang an das Suhlen im Prägenitalen fremd, wie es etwa die Psychoanalytiker Isidor Sadger und Paul Federn verkörperten. Für den letzteren war der Mensch das einzige „sadomasochistische Tier“ und er war einer der wenigen konsequenten Anhänger von Freuds Todestriebtheorie. Es war natürlich Federn, den Reich als „Modju“ festmachte, ohne zu wissen, daß es Freud war, der Reichs Genitalitätstheorie als „Steckenpferdreiterei“ denunzierte und der die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten auf denkbar zynische Weise ausnutzte, um Reich ohne peinliche Diskussionen loswerden zu können. Die Nazis, vor denen man sich doch angeblich schützen wollte, bekamen das gar nicht mit – anfangs nicht mal Reich selbst…
Jene, die heute absurderweise Reich wegen dieses Ausschlusses „rehabilitieren“ wollen, bekunden nichtsdestotrotz weiterhin ihre persönliche Distanz zu Reich und daß sie „menschlich“ Freud vorziehen würden. Man suhlt sich weiter lieber im Prägenitalen, was heute, angesichts des Genderwahns, einfach „progessiver“ ist denn je.
Laska hat dieses Ausweichen vor dem Wesentlichen des Reich-Freud-Konflikts und diese klammheimliche Sympathie mit Freud immer im Sinne von „Wo Über-Ich war, soll Ich sein!“ interpretiert, d.h. der Angst vor einer konsequenten Aufklärung. Ich kann dem nur zustimmen, „aber“ m.E. gibt es hier einen zweiten Aspekt, für den Laska keinen Blick hat, weil er die weitere Entwicklung Reichs Richtung Entdeckung des Orgons und kosmische Überlagerung weitgehend ausblendet.
Dieser zweite Aspekt ist tatsächlich das „Es“, d.h. der Ozean der Triebe, aus denen das Ich wie eine Insel hervorgegangen ist. Im Netz findet sich folgende Definition des Es:
Es ist vorerst das Insgesamt von allem natürlich Gegebenen wie Konstitution, Vererbung, Geschlechtszugehörigkeit, Triebe und archaische Bilder (…). Sodann ist es das Auffangbecken von allem Verdrängten, das weiterhin aus dem Es heraus wirkt und psychisches Geschehen beeinflußt. Das Es ist einem Hexenkessel vergleichbar: einem Konglomerat von Triebregungen, Anlagen, Wünschen, Gefühlen, Strebungen ohne Logik, ohne Moral, ohne Sinn für Ordnung und Maß, ohne Rücksicht sogar auf die Selbsterhaltung, einzig dem Bestreben nach Lustgewinn und Unlustvermeidung verpflichtet.
Wie das Ich aus diesem Chaos „ohne Sinn für Ordnung und Maß“ hervorgehen soll, wird nicht recht ersichtlich, zumal auch noch der „Todestrieb“ eine Rolle spielt. Reichs Genitalitätstheorie impliziert aber genau „Sinn für Ordnung und Maß“. Konkret heißt das, daß man sich von Anfang an, auf die Selbstregulierung „des Lebendigen“ verlassen kann, wie Reich es beispielsweise in der „sexualökonomischen Lebensforschung“ (Bione) und in der Untersuchung der Eigenschaften des Orgons (kosmische Überlagerung) freigelegt hat. Wenn man so will hat Reich den formbildenden „Logos“, das Gesetz von „Ordnung und Maß“ freigelegt – und instinktiv von Anfang an vertreten. Auf ziemlich verquere Weise bringen die besagten „Reichianer“ das mit ihrem „Wo Ich war, soll Es sein!“ zum Ausdruck.
Ähnliches, nämlich die Grundannahme, daß das Lebendige jederzeit seine eigenen Seinsbedingungen schaffen kann, läßt sich über Laskas beide anderen Helden LaMettrie und Stirner sagen. LaMettrie ging es darum, daß man sich letztendlich auf die Natur verlassen könne, weil das Maximum an Lust, daß sie erstrebt, nur mit Delikatesse, Rücksicht und Zärtlichkeit erreichbar ist – das exakte Gegenteil der Folterkeller des vermeintlichen „Libertines“ De Sade. Genitalität vs. Prägenitalität.
Und was schließlich Stirner betrifft, der seine Sache auf nichts gestellt hat: Der konkrete Einzelne steht jeweils für sich im Mittelpunkt seiner Welt und bildet ein Netz von Beziehungen. Stirner sprach von „Vereinen“, die den Interessen ihrer Mitglieder dienen und aufgelöst werden, wenn der einzelne bessere Optionen findet. Die Selbstorganisation der Gesellschaft. Reich sprach von der „Arbeitsdemokratie“. Marx, Stirners Gegenspieler, dreht dieses Bild um und „überwand“ auf diese Weise diese „Kleinbürgerei“: die Strahlen kommen sozusagen aus dem mystischen Nichts („die Gesellschaft“, man denke nur an „die Wähler“: eine Entität mit einem Willen…) und ihre Schnittstellen, sind die einzelnen Menschen, die dergestalt nichts sind als Ensembles gesellschaftlicher Verhältnisse. Niemand ist für irgendwas verantwortlich. Genitalität vs. Prägenitalität. Zur Illustration schaue man sich ein beliebiges Marxistisches Gesellschaftssystem in der Geschichte an.



















