Anhang zum Nachwort zu „Peter liest die kommentierte Neuauflage der Originalausgabe von Reichs MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS“ – Ausländerhaß: eine Bilanz nach 30 Jahren

4. März 2023

Ende 1992 verabschiedete die Generalversammlung der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung die „Erklärung der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung zu Fremdenhaß und Gewalt in Deutschland“ die dann in der Februar-Ausgabe 1993 der Zeitschrift Psyche veröffentlicht wurde. Sie markiert den historischen Rahmen, in dem Reich durch Psychoanalytiker wie Andreas Peglau, Bernd Nitzschke et al. „rehabilitiert“ wurde:

„Verunsicherung, Angst und Bedrohungsgefühle“ würden „reifes seelisches Funktionieren zurückdrängen“. Die Psychoanalytiker wollten 1992 mitwirken, „den alarmierenden Entwicklungen in unserem Land Einhalt“ zu gebieten, d.h. den „regressiven massenpsychologischen Phänomenen“.

Im nachhinein sehen wir, daß damals die allerletzte Chance bestand, der systematischen biologischen und ökonomischen und nicht zuletzt „psychologischen“ (emotionalen) Vernichtung unseres Volkes entgegenzutreten. Dieses Volk sieht einem Genozid ins Auge, muß sich aber von irgendwelchen volksfernen Pseudointellektuellen solch einen Scheiß vorhalten lassen. Wie ist es denn mit deren „Verunsicherung, Angst und Bedrohungsgefühlen“ angesichts von bioenergetischen Prozessen (Volkserhebung!) bestellt, die sie nicht ertragen können, weil sie von ihrem bioenergetischen Kern abgeschnitten sind und nur im Kopf leben, der ständig irgendwelche haltlosen „Deutungen“ produziert?

Sodann ist vom angeblich „nicht mehr zeitgemäßen Selbstverständnis der Bundesrepublik als einer homogenen Nation“ die Rede. Die mythische „Volksgemeinschaft“ kehre aus der Verdrängung zurück. Auch ist von der „Wohlstandsfestung“ die Rede. Interessant, das aus einem Milieu zu hören, das sich meisterlich vom einfachen Volk abzusondern weiß und auf dieses aus seiner „Wohlstandsfestung“ voller Verachtung hinabblickt: „Tumbe Nazis!“

In Punkt 3 ist vom Fremden als „Sündenbock“ die Rede, der Erleichterung verschafft, wenn man sich seiner entledigt. Ja, ja, „Nazis raus!“… „Unordnung, Schmutz, Betrug, Diebstahl, Brutalität und sexuelle Belästigung“ – alles nur unsere eigenen Strebungen, die wir in den Sündenbock hineinphantasieren. Da fragt man sich, angesichts eines zunehmend unordentlichen, schmutzigen, ver-zigeuner-ten, vernegerten, islamisierten Deutschland, wer hier eigentlich wirklichkeitsfremd „phantasiert“! Aber, nein, wir müssen von diesen Psychofatzkes erzogen werden: vertraue nicht deinen Augen, sondern dem, was dein Sektenguru, der Psychoanalytiker dir sagt!

„Toleranz und Humanität gegenüber Fremden erfordern also anhaltende zivilisatorische und kulturelle Anstrengung.“ Mit anderen Worten, das geht so tatsächlich aus dem Zusammenhang hervor, sollen wir aufhören sozusagen „Urmenschen“, d.h. Tiere zu sein! Denn: „Nur so kann die Macht von Projektionen eingeschränkt und die Vorstellung vom nationalen, andere aggressiv ausgrenzenden ‚Wir‘ relativiert werden.“ („Wir sind mehr!“ oder was?) Mit anderen Worten: die Psychoanalytiker fordern vom Deutschen Entsolidarisierung, Entfremdung, Unterwerfung. Das wird uns dann als „emanzipatorisch“ verkauft!

In Punkt 4 wird die Lüge aufgetischt, daß „so gut wie sämtliche“ – nochmal „so gut wie sämtliche kontinentaleuropäischen Repräsentanten“ der Psychoanalyse durch Asyl überlebten. Es ist davon die Rede, daß das grundgesetzliche „uneingeschränkte Asylrecht“ (eine weitere Lüge!) „eine Schuldanerkennung und einen Versuch der Wiedergutmachung“ beinhalte. Beides seien „psychische Leistungen, die schwer zu erbringen waren und die nun in akuter Gefahr sind, wieder verlorenzugehen“. Im Klartext, wir sollen weiter schön psychisch (emotional) an Gewissensbissen leiden (da sind wir dann plötzlich wieder eine einheitliches Volkssubjekt), aber natürlich auch materiell über unser Portemonnaie, indem wir irgendwelche Schwarzafrikaner, die nichts, aber auch rein gar nichts mit den vermeintlichen „beispiellosen“ Untaten unseres Volkes (!) zu tun haben, in ein bequemes rundumversorgtes lebenslanges Rentnerdasein versetzen. Wer hängt hier eigentlich einem infantilen, zutiefst magischen Denken und primitiven Rachephantasien an?! Von wem geht hier eigentlich gruppenbezogene Gewalt aus?! Und zwar eine denkbar hinterhältige Gewalt.

Den 5. Punkt möchte ich vollständig zitieren, da er imgrunde nichts anderes ist als ein Plädoyer für – Panzerung. Forderungen von Leuten, die für „offene Grenzen“ plädieren. „Emanzipatorische“ Psychotherapeuten, die wegen ihrer intellektuellen Abwehr kaum gradeausgehen können!

Zögernde Reaktionen von Politikern und Organen des Rechtsstaates sowie unsere mangelnde Zivilcourage tragen zum Zusammenbruch des individuellen Gewissens bei und decouvrieren [enthüllen] so ein Verstricktsein in eben dasselbe vorurteilsbehaftete Denken, das den offenen Gewalttaten zugrundeliegt. (sic!) Haß und Angriffe auf Ausländer und Asylbewerber, denen wir nicht entschlossen entgegentreten und denen nicht mit Mitteln des Rechtsstaates Einhalt geboten wird, reißen in erschreckend kurzen Zeiträumen Barrieren nieder, die jahrzehntelang für stabil gehalten wurden, und drohen in einer Kettenreaktion – wie die brutaler werdenden Formen des Antisemitismus zeigen – mehr und mehr die überwunden geglaubte Barbarei der Vergangenheit wiederzubeleben.

Der Staat soll endlich DURCHGREIFEN! Diese Haltung zeigenden Flitzpeople reden ständig vom „autoritären Charakter“, aber kaum es wird tatsächlich ernst und richtiger klassischer Faschismus (das Konglomerat von oppositionslosen Staat, Großkonzernen und Einheitsmedien) tritt auf und mordet Millionen, wird jeder, der sich diesem autoritären Regime widersetzt, als „Schwurbler“ abgetan, neuerdings als „Friedensschwurbler“, gar „Lumpenpazifisten“.

ICH KANN GAR NICHT SOVIEL FRESSEN, WIE ICH KOTZEN MÖCHTE!!

Und man komme mir nur nicht mit dem linken Reich a la Andreas Peglau, denn es geht tatsächlich um Klassenkampf – von oben nach unten:

Nachwort zu „Peter liest die kommentierte Neuauflage der Originalausgabe von Reichs MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS“

3. März 2023

Bemerkenswert ist nicht nur Reichs singulär kompromißloser Antifaschismus zu einer Zeit, als seine psychoanalytischen Kollegen noch vollkommen blind waren gegenüber der sich abzeichnenden Gefahren, wenn sie nicht sogar anfingen, sich den vermeintlich unausweichlichen Zeitläufen zu unterwerfen, sondern vor allem auch wie „politisch unkorrekt“ Reich damals war: Eingeständnis, daß die Nazis gewonnen haben, positive Bewertung des „Neuheidentums“, Offenheit gegenüber der „schwarzen Opposition“ innerhalb des NS gegen Hitler. Später nicht ein einziges Wort über all die Nazis, mit denen er auf Ellis Island interniert war, Antistalinist als alle für Uncle Joe waren, die Weigerung als Opfer („Holocaustüberlebender“) dazustehen und daraus wohlfeilen „moralischen“ Profit zu schlagen etc.

Das ganze ist sicherlich auch Reichs „oppositioneller“ Denkungsart zu schulden. Wie Myron Sharaf es beschreibt: Assistent wettert in den 1950er Jahren ganz „orgonomisch korrekt“ gegen Rotchina – unerwartet kontert Reich, immerhin würde es zig Millionen Menschen vertreten. Alle in seinem Umfeld, z.B. Wolfe und dessen Frau, sind „orgonomisch korrekt“ antichristlich eingestellt – unerwartet kontert Reich und sieht auch eine positive Rolle für Priester. – Immer das Gegenteil dessen, was man von ihm erwartet. Das macht die Reich-Forschung so problematisch. Man will z.B. Reichs Haltung zu Nietzsche eruieren, je nach Quelle:

War Reich mit einer Aussage konfrontiert, die Nietzsche verächtlich machte, findet sich als (hypothetische) Reich-Aussage: „Nietzsche war ein großer Denker, dem ich viel verdanke.“

Wäre Nietzsche hochgejubelt worden, hätte Reich zum gleichen Zeitpunkt auch sagen können: „Nietzsche war doch nur ein verrannter Neurotiker, der dem Wesentlichen ausgewichen ist.“

Das macht wohl auch einen Gutteil von Reichs „Funktionalismus“ aus: alles ist abhängig von den Umständen. Es geht um die grundsätzliche Haltung, nicht um dogmatische Aussagen.

Aber genau das wird zunehmen unmöglich. Kaum hat man heutzutage einen Halbsatz angefangen, wird man schon vom Gegenüber festgenagelt. „Ahh, so einer sind Sie also!“ – Das führt dahin, daß keiner mehr denkt, sondern sich alle nur noch nach „Denk“-Schablonen richten. Man weiß schon immer im Voraus, was das Gegenüber sagen wird. Reich hat hier sowohl 1933 (als er ein Tabu brach und die „Niederlage der Arbeiterklasse“ eingestand) als auch 1946 nicht mitgespielt (als er sich weigerte „die Deutschen“ zu verdammen und „die Russen“ zu glorifizieren). Beim ersten Mal führte das zu Reichs vollständiger politischer und wissenschaftlicher Isolation (Ausschluß aus der KPD und der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung) beim zweiten Mal zu einer linken Pressekampagne, die ihn buchstäblich in den Tod gehetzt hat.

Außerdem (schon Reich war Opfer dieses Mechanismus) ist man schnell mit irgendwelchen „Diagnosen“ zur Hand. Findet sich schon zwischen Jugendlichen: der ist das, jener das und der ist doch ein ….

Sich hier beim vermeintlichen „Diagnostizieren“ auf Reich zu berufen, ist ebenso abwegig, wie bei dem Spruch das Private sei politisch. Bei Reich äußerte sich um 1933 die „Politisierung des Privaten“ darin, daß er auf den Versammlungen der Sexpol bei der Beantwortung anonymisierter Fragezettel die privaten, d.h. sexuellen Probleme des Massenindividuums öffentlich ansprach und so das „private Gewissen“ außer Gefecht setzte. Das ist etwas anderes, ja das Gegenteil dessen, was heute daraus gemacht wird: das öffentliche Abarbeiten von psychischen Störungen und die Normalisierung von Perversionen, die erst ein Produkt des besagten Gewissens sind (sekundäre Triebe). Reich hat nie Perversionen öffentlich behandelt, sondern nur im privaten Gespräch nach der Versammlung. Was heute in der Tradition der 68er als „Politisierung des Privaten“ gilt, ist genau das, was Reich vehement abgelehnt hat: die bunte Vielfalt der Neurosen und Perversionen, die Freud und seine in jeder Beziehung „surrealen“ Adepten gefeiert haben.

Ganz im Gegenteil: Reich wollte Verhaltensmuster bloßstellen, die vor ihm kaum als pathologisch, sondern vielmehr als normal betrachtet wurden:

1. vor Reich gab es gerade mal die Symptomkomplexe „Hysterie“ und „Zwangsneurose“. Erst Reich hat das als krankhaft gebrandmarkt, was vorher als Ausbund der Gesundheit galt: der phallisch-narzißtische Charakter. Zwischenbemerkung: damit hat Reich nicht die armen, sozial auffälligen wehruntüchtigen Kranken gebrandmarkt, wie vor ihm Freud (der viel zur Wehrertüchtigung im Ersten Weltkrieg beigetragen hat – das Göring-Institut hat diesen „arischen“ Aspekt der Psychoanalyse später aufgegriffen), sondern die sprichwörtlichen „Leutnants“. Reichs Erweiterung der Nosologie war vom Ansatz her keine „Stigmatisierung des Untermenschen“, sondern ganz im Gegenteil eine emanzipatorische Demaskierung des Herrenmenschen a la Freud. (Ob Herr Prof. Dr. Freud ihm das [unbewußt] übelgenommen hat?)

2. Reichs Beispiele für den „pestilenten Charakter“ und den „Kleinen Mann“ haben eine ganz ähnliche Zielrichtung: der selbstgewisse amerikanische Spießer, die Clique um Truman, die die Bombe geworfen haben, die Töchter der Amerikanischen Revolution, etc.

3. „Modju“, „Red Fascist“, „Enemy of Mankind“, „Communist“, etc. – wenn man Reich genau liest, sind diese Begriffe NIE gegen die Konservativen und „Rechtspopulisten“ gerichtet, sondern gegen jene, die diese verfolgen. Jene Gutmenschen, Verbraucherschützer (Brady), Journalisten, die nur so mit „Charakterdiagnosen“ um sich werfen, selbst aber als Ausbund der Gesundheit gelten. Die wollte Reich festmachen, demaskieren; ihnen ein für allemal selbst ein Label verpassen.

4. der Begriff „Modern Liberal“ bzw. heute Pseudo Liberal (die restlichen „soziopolitischen“ Charaktere werden praktisch nie erwähnt) richtet sich nie gegen die „Armen, Schwachen und Kranken“, sondern sozusagen gegen die „phallischen Narzißten des Hirns“ (siehe Punkt 1).

Peter liest die kommentierte Neuauflage der Originalausgabe von Reichs MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 9)

2. März 2023

Eine subtile Verzerrung durch Andreas Peglau findet sich auf S. 240, wo er Reichs Menschen im Staat zitiert: die braunen Marschkolonen hätten sich in nichts von denen der Kommunisten unterschieden, was „Haltung, Ausdruck und Gesang“ betraf. Peglau verweist in diesem Zusammenhang auf die menschenverachtende Vorgehensweise von kommunistischen Schlägertruppen gegen abtrünnige bzw. oppositionelle Kommunisten, die ganz der der Nationalsozialisten entsprach (S. 240). Reich meinte im Zusammenhang seiner Ausführungen aber etwas grundlegend anderes: daß der erhebende revolutionäre Geist der SA und der Rotkämpfer identisch war.

Das macht ja die ganze Tiefe von Reichs Massenpsychologie des Faschismus aus: daß er im „Nazi“ nicht schlichtweg das nicht weiter reduzierbare „Böse“ sah, sondern sich auf die Gefühls- und Gedankenwelt des Nationalsozialismus einließ. Darauf weist im übrigen Peglau selbst hin auf S. 253f.

Hervorragend auch, wie er den Schritt von Freud zu Reich herausarbeitet. Freud hatte 12 Jahre zuvor in Massenpsychologie und Ich-Analyse auf zeitlose Konstanten rekuriert: die primitiven Triebe entziehen sich der Kontrolle, kennen keinen Aufschub mehr, während die Massen gegenüber dem Führer zu Kindern werden, die, ihre eigene Individualität aufgebend, sich mit dem Vater identifizieren. Reich hingegen arbeitete, so Peglau, die wechselseitige Beeinflussung und Abhängigkeit heraus, d.h. die Geführten sind ebenfalls verantwortlich. „Daher konnte er auch größeren Menschengruppen zubilligen, mehr zu sein als gleichgeschaltete Handlanger eines Alleinherrschers“ (S. 253). Erst recht verweist Reichs Umgang mit Marx auf sein wenige Jahre später herausgearbeitetes Konzept der Arbeitsdemokratie: die Arbeitenden handeln gegen ihre eigenen „Klasseninteressen“ (S. 254). Das verweist auf den von Reich in der amerikanischen Ausgabe von 1946 herausgearbeiteten Gegensatz von politischem Irrationalismus und Arbeitsdemokratie.

Ansonsten? Im großen und ganzen sind Peglaus Ausführungen interessant, teilweise hervorragend und durchaus ausgewogener, als ich es hier vielleicht vermittelt habe. Mein Problem ist halt, daß ich Peglaus Rechtsruck zuerst gelesen habe! Siehe meine Ausführungen zu diesem Buch hier. Beispielsweise krampft sich in mir alles zusammen, wenn Peglau auf S. 270f Reich zwar recht gibt, daß der Faschismus nicht nur bei Deutschen, Italienern und Japanern zu finden ist, sondern etwa auch bei den Amerikanern und Russen – und in diesem Zusammenhang die Atombombenabwürfe und den GULAG erwähnt, aber nicht die uns doch viel näherliegenden Kriegsverbrechen, insbesondere die gezielt auf Massenmord ausgerichtete Bombardierung von Arbeitervierteln und die ethnische Reinigung der ehemaligen deutschen Ostgebiete.

Im vorletzten Absatz des Buches hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen. Es wird behauptet, Reich wäre 1956 wegen Mißachtung des Gerichts verurteilt worden, weil er nicht allen gerichtlichen Auflagen nachgekommen sei. Dies habe er getan, da ein Gericht nicht über Wissenschaftliches zu befinden habe. Nein, aus dem genannten Grund war er 1954 nicht vor Gericht erschienen, so daß die Verfügung der FDA unwidersprochen in ganzer Härte erlassen wurde. Trotzdem hielt sich Reich an alle Auflagen – bis sein Mitarbeiter Michael Silvert mit dem Transport von Orgonenergie-Akkumulatoren über inneramerikanische Landesgrenzen hinweg eine eklatant kriminelle Handlung begangen hatte, für die nicht nur er, sondern auch Reich geradestehen mußten.

Thomas Gast

1. März 2023

Ich kann mich nicht erinnern, wie ich auf den Outdoor- und Militärexperten Thomas Gast gekommen bin. Wahrscheinlich bin ich irgendwann auf Youtube zufällig über ihn gestolpert. Warum bin ich bei ihm hängengeblieben? Erstmal, er war als „Mischling“ in der fränkischen Provinz von Anfang an Außenseiter – und ich war auch immer „draußen“. Ich kann mich noch erinnern, ich war vielleicht Fünf, als meine Mutter mich zum Tante-Emma-Laden schickte, um Mehl oder sowas zu kaufen. Vor dem Laden bin ich beim übermütigen „coolen“ Bremsen meines Fahrrades ins Schleudern gekommen und bauchlinks in eine Schlammpfütze gefallen. Bis heute kann ich mich, als ich schließlich, besudelt von meinem Schlammbad, am Verkaufstresen stand, an die Blicke der anderen Kunden erinnern – und meine abgrundtiefe Verachtung für diese Kleinbürger und Spießer. Trotz! Ihr und ICH! Immer war er da in der Schule: mein Oppositionsgeist, meine Extrawürste, mein krankhafter Eigensinn. „Peter, alle haben es so gezeichnet (oder was auch immer), nur mal wieder du….“

Seit Kindestagen fühle ich mich als „Outlaw“ nur, wie man heute so schön sagt, „outdoor“ wohl. Vor allem geht es in diesem Zusammenhang aber um einen Stachel in meinem Leben, das Militär. Ich hatte, schließlich ist man Abiturient, allen Ernstes mal eine Offizierslaufbahn in Erwägung gezogen, bin dann aber kläglich an der Bundeswehr gescheitert. Zum einen landete ich nicht bei den Jägern, sondern bei der Artellerie, was mir gar nicht zusagte. Ich sollte Fahrer werden, bis sich meine Vorgesetzten plötzlich anders entschieden. Mitten in der Grundausbildung wurde ich aus heiterem Himmel versetzt und in eine andere Kaserne gekarrt, wo man bis zum Ende der Wehrpflichtzeit nicht so recht wußte, was ich da eigentlich sollte, außer ständig Wache schieben mit scharfer Munition. Typisches Bundeswehr-Chaos. Was für ein desorganisierter Sauhaufen!

Es war eine scheiß Zeit. Und dann dieses ständige Machogetue, das mir dermaßen auf den SACK geht. Mein Helm ist zu klein für meinen Langschädel, ab ins Magazin, um einen größeren zu beschaffen. Einer dieser typischen Klappspaten wirft mir den Helm mit einer derartig wirklich unglaublichen Wucht entgegen, daß ich in Bruchteilen einer Sekunde entscheiden muß, ob ich ihn auffange und mir dabei wahrscheinlich einige Finger breche, oder ausweiche, so daß hinter mir sonstwas für ein Bruch entsteht und damit wieder mal Ärger, Ärger, Ärger. „Nasselstein!!!“ Also fange ich ihn auf, gerade so eben ohne schwerste Verletzungen davonkommend. Typisch Militär. Was für ARSCHLÖCHER!

Das mit dem Militär ist wirklich eine merkwürdige Dialektik. Befehl und Gehorsam, der Anschiß lauert wirklich hinter jeder Ecke, Sympathikotonie ist Dauerzustand, doch gleichzeitig kannst du dich nirgends freier fühlen. An sich ist der Traum jedes Jungen erfüllt und jeder Mann ist in seinem eigentlichen Element. Es ist in unserem Blut seit Schimpansenzeiten am Rande deines Reviers in quasi militärisch organisierten Gruppen nach feindlichen Menschenaffenhorden Ausschau zu halten und die Wildnis unsicher zu machen. Im Vergleich kommt einem das Zivilleben geradezu bizarr und künstlich und vollkommen sinnentleert vor.

Trotz allem und obwohl mir ein Unteroffizier an den Kopf geworfen hat: „Hasselstein, Sie sind ein hoffnungsloser Zivilist“, – das Militär ist mein Ding. Die Sommermonate als Lichtmesser irgendwo in der Schleswig-Holsteinischen Pampa, wo man sonst nie hinkommen würde. Auch nicht auf die Idee verfiele. Es zerreißt mich innerlich, wenn ich Thomas Gasts Beschreibungen seiner Zeit in der Fremdenlegion höre: Natur, Raum, Weiten, Abenteuer, Freiheit (sic!), Klarheit, Kameradschaft.

Was mich aber wirklich beschäftigt und verwirrt, ist Thomas Gasts Philosophie: du marschierst nicht mit den Beinen, sondern mit deinem Kopf! Das erinnert mich beispielsweise an den Marsch, als mein Hintermann mir sagte: „Sag mal, Peter, sickert da Blut aus Deinem Stiefel?“ „Upps, ja Du hast recht.“ Große Aufregung, ab mit dem Jeep zurück in die Kaserne zum Sani. „Hä, sowas habe ich ja noch nie gesehen!“ Mit diesem Fuß könnte man nach menschlichem Ermessen doch gar nicht gehen. Aber ohne meinen Hintermann hätte ich weiterhin meinen Körper und seine Signale schlichtweg ignoriert und wäre, stur wie ich bin, beliebig lange weitermarschiert.

Ist dieses Roboterhafte nicht das Gegenteil all dessen, wofür Reich und die Orgonomie stehen? Einmal sagte mir bei der Essensausgabe ein Kamerad, den ich kaum vom Sehen her kannte, unvermittelt und zusammenhanglos in den Nacken: „Roboter!“

„Augen zu und durch!“ Ich marschiere, Punkt! Ist das nicht die Quintessenz von Panzerung? Meiner charakterlichen Sturheit gleich Starrheit? Maschinenhaftigkeit? Die Trennung von Körper und Geist? Zweifellos. Doch andererseits… Ein guter Musiker der europäischen oder indischen Klassik oder des Jazz muß durch eine Hölle des mechanischen Lernens gegangen sein. Tonleitern, Akkordfolgen, Takt, Modulation etc. bis zum Überdruß, d.h. bis es zur Automatik wird. Erst dann ist er frei, um zu interpretieren bzw. zu improvisieren. Dazu muß er ziemlich ungepanzert sein. Man schaue sich kunstvollen Militärdrill an: ein total verspannter und verpeilter Mensch würde das nie und nimmer hinkriegen. Wie wach, kontaktvoll und geschmeidig mußt du sein, um aus einem militärischen Hinterhalt mit heiler Haut rauszukommen! Zweifellos machte mich meine Panzerung, nicht etwa meine Gesundheit zu einem schlechten Soldaten.

Aber, – da ist ein Widerspruch, den ich nicht verstehe. Auch verwirrt mich Thomas Gasts Diktum, daß du dem Leben eins in die Fresse hauen mußt oder das Leben macht dich fertig. Was bleibt da von der Hingabe an das Lebendige? Erst mal, Moment, wer wirklich Kontakt zur Natur hat, wirklich „Outdoor“ kennt, weiß, daß „die Natur“ kein romantischer Traum von Muttersöhnchen ist („Mutter Natur“), sondern von einer alles erschlagenden Nüchternheit sein kann. Ein Sommertag mutterselenallein weitab irgendwo in der besagten „schleswig-holsteinischen Pampa“! Die Nüchternheit, die brutale Leere und Indifferenz des Raumes! Und jederzeit kann ein Blutgerinnsel in dir oder ein bloßer Ast oder Stein, der irgendwo rumliegt, dir das Leben kosten! Sinnlos, trostlos, jenseits aller menschlichen Gefühle. Wie oft haben meine guten Reflexe seit frühster Kindheit mich vor einer Querschnittlähmung oder gar dem Halsbruch bewahrt! Life is a BITCH!

Romantische Naturliebhaber verstehen nichts von der Natur, Weicheier nichts von Hingabe. Man kann sich keinen härteren Knochen vorstellen als Thomas Gast – und doch keinen liebevolleren Vater, keinen hingebungsvolleren und lebendigeren Menschen. Sein ganzes Leben lang Militär und Paramilitär (Private Security) und „trotzdem“ einer der wenigen wirklich selbstregulierten, „anarchistischen“ Menschen. Sein ganzes Leben im Zentrum einer mörderischen lebensfeindlichen mechanistischen Zivilisation – und gleichzeitig immer draußen vor. Außerhalb der Falle. Er hatte einen denkbar schlechten Anfang, ganz unten auf der sozialen Leiter und dann noch „schwarz“ – und hat daraus ein perfektes Leben gemacht, wirklich GELEBT. Alles richtig gemacht!

„Sich den Arsch aufreißen, Bruder. Aber für die eigene Sache. Für die eigene Sache!“

Worum geht es in diesem Blogeintrag eigentlich? Um die Eigenliebe! Darum, daß Thomas Gast imgrunde ein Stirnerianer ist:

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 52)

28. Februar 2023

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Wie du im Bett bist zeigt sich im täglichen Leben – nicht umgekehrt. Wer nicht arbeiten kann (was leicht überprüfbar ist!), kann auch nicht orgastisch potent sein. Wer keine klare Gedankenfolge hinkriegt, kriegt auch keine „orgastische Folge“ hin, den Spannungsbogen. Wer nicht mal auf ein einfaches Gegenargument angemessen reagieren kann, wie will der „in der Hitze des Gefechts“ hingabefähig sein? Wer seine Frau in eine peinliche Lage bringt, wie will der ausgerechnet im Bett zärtlich sein? Reich hatte ein einfaches Kriterium: den Gang. Der eine geht wie ein Schauermann, der andere wie John Wayne, ein anderer wie ein Bär und jener wie ein Militär, aber keiner geht einfach nur. Jene, die einfach nur gehen, sind orgastisch potent (bzw. nahe dran), d.h. sie sind einfach sie selbst. Sie sind nicht besessen, sondern Eigner ihrer selbst.

Der Mund formt die Worte „Ich bin orgastisch potent!“ – bzw. eine äquivalente „sexualrevolutionäre“ Aussage, doch wie der Mund das sagt, die Stimme, die Augen und die Körperhaltung sagt dem Außenstehenden das Gegenteil. Wenn Besessene Freiheit spielen, kann daraus nur ein grotesker Totentanz werden. Wie Reich gemäß Bernd Laskas Übersetzung in Christusmord schrieb:

Wäre es der frühen Sexualökonomie Ende der zwanziger Jahre gelungen, eine Massenbewegung auf „Sexual-POLITISCHER“ Grundlage voll zu entwickeln, so wäre damit eine der schwersten Katastrophen in der Geschichte der Menschheit eingeleitet worden. (S. 358)

Reich meinte so ungefähr das, was sich seit ca. 1960 entwickelt hat: Freiheit statt Verantwortung, Primärtugenden („die Wahrheit“) statt Sekundärtugenden („die Gegenwahrheit“) und schließlich: Frieden (Zwang und Unterdrückung alles Primären) statt Freiheit.

Reich fordert dazu auf, „mit allen Mitteln“ zu versuchen, „die pornographische Flut einer Epidemie permissiver Fickerei einzudämmen“ (ebd., S. 183). Denn es gäbe „kaum einen Zweifel, daß eine (…) Periode permissiver Fickerei (…) jede Spur einer menschlichen Existenz auslöschen würde, ohne auch nur etwas Glück und Befreiung zu bringen“ (ebd., S. 184). Natürliche Liebe, die sich in tote Genitalien ergießt, wird zu Haß und stumpfen Mord am sozialen Dasein“ (ebd., S. 186).

Apropos „Revolutionäre“: Wer orgastisch potent ist, ist per definitionem ein genitaler Charakter und ein genitaler Charakter ist keinen widrigen Umständen unterworfen, da er sich selbst seine Umstände schafft. Der Neurotiker ist an die kranke Firma gebunden, weil er keine neue, bessere Arbeit findet. Der genitale Charakter ist so frei von irrationalen Ängsten, daß er an einem Tag (statt ins Arbeitsamt zu gehen und sich einer toten und tötenden Bürokratie auszusetzen) alle infrage kommenden Firmen der Gegend abklappert – und wegen seiner offenen und aktiven Art wird er mit Garantie sofort eine neue Anstellung finden. Da er nicht ängstlich ist und seinen eigenen Einschätzungen vertrauen kann, geht er rationale Risiken ein – und kann deshalb gewinnen.

DER ROTE FADEN (Band 2): 2. Wilhelm Reich wird ins Fadenkreuz Moskaus genommen

27. Februar 2023

DER ROTE FADEN (Band 2): 2. Wilhelm Reich wird ins Fadenkreuz Moskaus genommen

Anhang zu „Peter liest die kommentierte Neuauflage der Originalausgabe von Reichs MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 8)“

26. Februar 2023

Reich sagte, Freud sei „jüdisch“ gewesen, während er (Reich) „nicht-jüdisch“ sei. Was soll das heißen? Was macht Freuds „Jüdischsein“ aus? Wir kommen hier zum Grundkonflikt zwischen Freud und Reich! Was ist der Unterschied zwischen der „jüdischen“ Freudschen Psychoanalyse und der „nicht-jüdischen“ Reichschen Orgonomie? Nun, es ist der Unterschied zwischen dem hochintellektuellen Stubenhocker Jakob und dem vierschrötigen Naturburschen Esau aus dem Ersten Buch Mose. Jakob war kalkulierend und konnte seine Triebe kontrollieren („sublimieren“) und wurde so zum Stammvater aller Juden, während Esau seine Geburtsrechte unüberlegt wegwarf, weil er emotional („ausa-GIEREND“) war und von seinen tierischen Instinkten getrieben nach dem Linseneintopf griff. Freud war Jakob (Kontrolle der Libido), während Reich Esau war (Orgasmus-Theorie).

Aus Genesis 25:

27. Die Jungen wuchsen heran, und Esau wurde ein geschickter Jäger, ein Mann des offenen Landes, während Jakob sich damit begnügte, zu Hause in den Zelten zu bleiben. (…)

29. Einmal, als Jakob gerade einen Eintopf kochte, kam Esau vom Lande und hatte Hunger.

30. Er sagte zu Jakob: „Schnell, gib mir etwas von dem roten Eintopf! Ich bin am Verhungern!“ (…)

31. Jakob antwortete: „Verkaufe mir zuerst dein Erstgeburtsrecht.“

32. „Sieh mal, ich sterbe vor Hunger“, sagte Esau. „Was nützt mir da das Erstgeburtsrecht?“

33. Jakob aber sagte: „Schwöre mir zuerst!“ Da schwor er ihm einen Eid und verkaufte sein Erstgeburtsrecht an Jakob.

34. Dann gab Jakob Esau etwas Brot und einen Linseneintopf. Er aß und trank, dann stand er auf und ging weg. Da verschmähte Esau sein Erstgeburtsrecht.

Nicht ähnliches, sondern genau dasselbe schreibt Reich über die Nationalsozialisten. Hier in der Zusammenfassung von Peglau:

[D]er „nationalistische Faschismus [verlege, so Reich,] das Sexualsinnliche in die ‚fremde Rasse‘“. „Nordisch“ werde „gleichbedeutend mit licht, hehr, himmelhaft, rein“, asiatisch oder jüdisch hingegen mit „triebhaft, dämonisch, geschlechtlich, ekstatisch“. Der Nationalsozialist bekämpfe also im Feindbild des Juden auch seine eigene verleugnete Sexualität (S. 81, 84, 92, 94). (S. 259)

Durchgeknallte suprematistische Juden unterscheiden sich in dieser Hinsicht in nichts von „Nazis“! Der zionistische Faschismus verlegt das Sexualsinnliche in die „Goyim“. „Jüdisch“ wird gleichbedeutend mit licht, hehr, himmelhaft, rein, Nicht-jüdisch hingegen mit triebhaft, dämonisch, geschlechtlich, ekstatisch. Der jüdische Fanatiker bekämpft also im Feindbild des Goyim auch seine eigene verleugnete Sexualität. Ich könnte in diesem Zusammenhang auch etwas über die Sexualsymbolik des Davidsterns sagen, dieses Symbol jüdischer Reinheit… Oder darüber, daß Israel ein stinknormales Land ist – voller Rassisten.

Peter liest die kommentierte Neuauflage der Originalausgabe von Reichs MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 8)

25. Februar 2023

Peglau schreibt, durch das Einfügen von sechs zusätzlichen Texten, die die Massenpsychologie auf mehr als den doppelten Umfang haben anschwellen lassen, könne von einem „kohärenten Buch“ nicht mehr die Rede sein (S. 231). Dazu ist zu sagen, daß in der Originalausgabe von 1946 (neben einem zusätzlichen Abschnitt über „Die drei Grundelemente des religiösen Gefühls“ im VII. Kapitel) nur eine Einleitung und zwei zusätzliche Kapitel beigefügt wurden: einer über die Entwicklung in der Sowjetunion, die die Diskussion aus dem letzten Kapitel der ursprünglichen Massenpsychologie von 1933 fortführt, und ein abschließendes Kapitel über die Arbeitsdemokratie, die wiederum das vorangehende Kapitel organisch fortführt. In der von Mary Boyd Higgins zu verantwortenden heute „offiziellen“ Ausgabe, wurde diese klare Struktur (Kommunisten scheitern, Faschismus [Kapitel I-VIII der Higgins-Ausgabe] – Stalinismus [Kapitel IX und X der Higgins-Ausgabe] – Arbeitsdemokratie als neuer Ansatz [Kapitel XI und XIII der Higgins-Ausgabe]) leider durch auseinanderreißen der beiden nunmehrigen Schlußkapitel leider buchstäblich zerfleddert und das ganze macht einen zusammengestückelten Eindruck.

Die beiden Schlußkapitel müßten in einer korrekten deutschen Auflage wie folgt überschrieben sein:

IX. MASSE UND STAAT

1. Was geht in den Menschenmassen vor?

2. Die „sozialistische Sehnsucht“

3. Das „Absterben des Staates“

4. Das Programm der Kommunistischen Partei der Sowjetunion

5. Die „Einführung der Sowjetdemokratie“

6. Die Entwicklung des autoritären Staatsapparates aus rationalen sozialen Beziehungen

7. Die soziale Funktion des Staatskapitalismus

8. Biosoziale Funktionen der Arbeit. Das Problem der „freiwilligen Arbeitsdisziplin“

X. ARBEITSDEMOKRATIE

1. Gebt Verantwortung der lebensnotwendigen Arbeit!

2. Die biologische Rechenfehler im menschlichen Freiheitskampf

3. Arbeitsdemokratie versus Politik. Die natürlichen sozialen Kräfte zur Beherrschung der emotionalen Pest

Hier sieht man sofort, den vollkommen logischen und konsequenten Aufbau des Buches! Warum erwähnt Peglau das nicht in seiner Beschreibung der Unterschiede der Ausgabe von 1946 und dem Machwerk von Ms. Higgins?!

Gegen eine Präsentation der Ausgabe von 1933 als eigenständiges Werk ist natürlich nichts einzuwenden. Auch nichts gegen die meisten Ausführungen von Peglau am Ende des Buches. Mehr als befremdlich finde ich jedoch die Aussage, Reich habe, wie Freud, die Bedeutung der menschlichen Sexualität überbewertet, wobei sich Peglau ausdrücklich ausgerechnet auf Erich Fromm beruft… Man lasse sich das mal auf der Zunge zergehen:

Selbst die volle Befriedigung jener „Bedürfnisse, die der Mensch mit dem Tier gemeinsam hat – Hunger, Durst und das Bedürfnis nach Schlaf und sexueller Befriedigung – (…) gewährleistet noch nicht die geistige und seelische Gesundheit, Diese hängt von der Befriedigung jener Bedürfnisse und Leidenschaften ab, die spezifisch menschlich sind“. Freud überwand seine thematische Verengung, indem er das Konzept des Sexual- zu dem eines Lebenstriebes ausweitete, Reich durch Fokussierung einer sämtlichen Lebensvorgängen zugrundeliegenden Energie. (S. 235)

Wie ich schon in Teil 6 schrieb: Es ist, wie immer, der Gegensatz zwischen „Tier“, das sich nicht zügeln kann, und dem rötgrünen verantwortungsvollen „Geistesmenschen“ (vgl. S. 152). – Ich glaub, mein Schwein pfeift! Erich Fromm… Leute!

Eine weitere Schrecksekunde eine Seite weiter: in der Aufzählung der Ursachen des Faschismus in Deutschland fällt neben „Grundwidersprüche des Kapitalismus“ die Wortkombination „Antisemitismus und –kommunismus“ (S. 236). Hhmmm…

Reichs Buch zur Massenpsychologie könnte dazu beitragen „rechte Bewegungen“ zu verstehen und zu bekämpfen, denn „kein destruktives soziales System, ohne destruktiv gemachte Menschen!“ (S. 137). Schön, aber das ist heute allgemeiner gesellschaftlicher Konsens. Antifaschismus und „Sanftheit“ sind heute DER ideologische Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Daher braucht man nun nicht ausgerechnet Reichs Buch gegen Pegida und AfD und putschende Reichsbürger in Stellung bringen!

„Ausgerechnet“? Ja, denn dieses Buch hat weder die Nationalsozialisten noch irgendwelche „Rechten“ groß in Wallung gebracht. Interessanterweise war es die Linke, die auf dieses Buch mit einem nur als viehisch zu bezeichnenden HASS reagiert hat. Unmittelbar nach seiner Herausgabe im August/September 1933 reagierten die Kommunisten mit Reichs endgültigen Exkommunikation (vgl. S. 263). 1946 war die Herausgabe der veränderten und erweiterten amerikanischen Version der Anlaß ihn als „Psychofaschisten“ zu diffamieren, was über Mildred Brady zur Untersuchung der FDA und, zehn Jahre später, zur Gerichtsverhandlung Inhaftierung Reichs führte (vgl. S. 271). Und schließlich führte die Widerentdeckung Reichs ab etwa 1966 auch zu seiner posthumen Erledigung.

Peglau zitiert Reichs Beschreibung der Berliner Polizei in ihrem Vorgehen gegen Demonstrationen der Kommunisten. Sie seien Maschinenmenschen: verbotenes Lied –> Dreinschlagen (S. 140). Überlegen wir mal ganz stark, zu welchen Anlässen die Polizei in Berlin heutzutage genauso reagiert – und auch die Medien, wenn man den Gummiknüppel gegen die Schreibfeder tauscht. Covid 19 hat die Aktualität von Reichs Massenpsychologie des Faschismus gezeigt! Die einzigen Nichtfaschisten in diesem Land waren „Pegida und AfD und die Reichsbürger“!

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 51)

24. Februar 2023

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Von Alain de Benoist stammt der Satz: „Der Sinn des Kommenden ist immer in dem Verhältnis zur Herkunft enthalten“ (Aufstand der Kulturen. Europäisches Manifest für das 21. Jahrhundert, Berlin: Edition Junge Freiheit, 1999, S. 39). Wie der Titel seines Buches schon sagt, geht es darum, daß man nur „sinnvoll“ leben kann, wenn man in seiner Kultur, in der Vergangenheit verwurzelt ist. In diesem Zusammenhang gemahnt bei ihm manches an Reichs „europäische“ Abhandlungen über die Arbeitsdemokratie und auch an Reichs einfachen Ausspruch: „Die Zukunft erwächst aus dem ständigen Strom der Gegenwart, wie auch die Gegenwart aus der Vergangenheit hervorgeht“ (Christusmord, 1978, S. 72).

Ich glaube, wenn man gegen seine Herkunft lebt, man einen Preis dafür zu bezahlen hat. Das war wohl ein Teil von Reichs persönlicher Tragik: um er selbst zu sein, mußte er gegen seinen Vater, die Vater-Imago, das Judentum, letztendlich das Über-Ich anleben; das bekämpfen, was er als „Familitis“ bezeichnete. Aber wie, losgelöst von der Herkunft, selbst sein? Diese innere Zerrissenheit haben Ilse Ollendorff und Peter Reich sehr gut beschrieben.

Sie zeigt sich auch in Fragen der Kindererziehung. Anfangs wollte Reich das Kind als quasi autonomes Subjekt behandeln, das möglichst früh von der Familie, gar der Mutter getrennt, „kollektiv“ aufwächst. Erst Mitte der 1940er Jahre sah er angesichts seines eigenen Sohnes die ganze Bedeutung des engen orgonotischen Kontakts zwischen Mutter und Kind in den ersten Jahren.

Reich wollte seine eigene Problematik umgehen, indem er seine Herkunft, seine Erdung, seine „Verwurzelung“ (!) bei Amöben, Quallen und in der Milchstraße suchte (siehe Die kosmische Überlagerung).

Doch man lebt aus den unmittelbaren Wurzeln heraus und kann nicht, quasi religiös, die „Kontinuität der Funktionen“ überspringen (siehe dazu Orgonometrie, Teil 3, Kapitel 12).

Und was ist mit Freiheit, Autonomie, Eigenheit? „Nur ein freier Mensch kann frei sein“ (American Odyssey, S. 296). Ein isolierter Eintrag in Reichs Tagebuch. Sozusagen der Gedanke des Tages. Ein denkbar schwerer Schlag ins Gesicht der sogenannten „freien Gesellschaft“, die solange eine Illusion bleiben wird, solange der Einzelne nicht frei ist von Panzerung bzw. dem „Über-Ich“. Du bist nur frei, wenn nicht nur die äußeren Hierarchien, die dich bedrücken, weg sind, sondern vor allem erst, wenn auch die verinnerlichten Hierarchien („die Stimme des Gewissens“) verschwunden sind.

In seinem Du contrat social ou Principes du droit politique schrieb Rousseau, der Ahnherr der modernen Wurzellosigkeit, daß derjenige, der dem allgemeinen Willen nicht gehorcht, dazu gezwungen werden muß, „frei zu sein“. Wie das? „Wir sollten diesen Ausdruck der Freiheit als eines der grundlegenden Merkmale freier Menschen anerkennen.“ Rousseau glaubte, der Mensch sei gut und je mehr Menschen einen gemeinsamen Willen, eine Art Gemeinschafts-Ich, finden, desto „guter“ werden sie: deshalb müsse sich der Einzelne dem Volkswillen unterwerfen, um er selbst und frei = gut sein zu können. Mit anderen Worten: er soll sich den inneren Hierarchien unterwerfen, etwa im Sinne der modernen „Wokeness“.

Montesquieu, der Ahnherr der modernen (demokratischen) Rechten, glaubte, der Mensch sei von Natur aus schlecht und ohnehin gäbe es den Menschen gar nicht. Deshalb müsse er je nach den unterschiedlichen Gegebenheiten durch Checks and Balances vor der Tyrannei des vermeintlichen Volkswillens geschützt werden. Entsprechend schrieb Reich 1956: „Ein freier Mensch ist der, der sich im Angesicht des Todesurteils weigert, etwas preiszugeben, das er aus freien Stücken preiszugeben bereit wäre“ (Greenfield: USA gegen Wilhelm Reich, S. 388).

Es ist dokumentiert, daß sich Reich um 1956 herum intensiv mit Rousseau auseinandergesetzt hat (das geht aus Christusmord, wo er den Contrat Social erwähnt, und dem Bericht von Wolfe’s Witwe Gladys Meyer-Wolfe hervor, Reich lese Rousseaus Bekenntnisse). Durch Marx und dessen Robespierre (Lenin) war Reichs europäische Periode zwischen 1927 und 1937 durch und durch Rousseauistisch: der wahre Volkswille soll die bürgerliche Welt hinwegfegen (Was ist Klassenbewußtsein?).

Tragischerweise sah sich Reich seit etwa 1932 genau durch diesen „wahren Volkswillen“ (der in Stalin verkörpert war) verfolgt. Man betrachte nur die „Rousseauistischen“ Ausführungen von Wertham und Brady gegen den unsolidarischen „Volksschädling“ Reich (siehe dazu Der Rote Faden, Kapitel 5).

Vor diesem Hintergrund muß man Reichs vollkommene Hingabe an das „Montesquieusche“ Amerika betrachten, seine Bevorzugung des konservativen Geistes (Christusmord, Zeugnisse einer Freundschaft), den Frieden, den er mit dem Patriotismus, der Religion und den anderen bürgerlichen Institutionen schloß. Dieses innere Ringen Reichs schlug sich schließlich in Elsworth F. Bakers Unterscheidung zwischen dem vom bioenergetischen Kern getrennten kollektivistischen „liberalen Charakter“ und dem im Kern verwurzelten individualistischen „konservativen Charakter“ nieder (Der Mensch in der Falle).

Unsere gepanzerte Sprache

23. Februar 2023

Auf der Netzseite des American College of Orgonomy hat der medizinische Orgonom Dale Rosin 2015 folgendes über „gepanzerte Sprache“ geschrieben. Es geht darum, daß die Menschen in der angeblichen „Kommunikation“ das verbergen, was sie wirklich meinen und fühlen:

Ich habe durch meine Arbeit mit Mitarbeitern von großen Unternehmen aber auch mit Heranwachsenden und Studenten beobachten können, daß die Art und Weise, in der Wörter und Redewendungen benutzt werden, die wahren Gefühle, Absichten und Wünsche der Menschen immer mehr verschleiert. Das ist zu einem festen Bestandteil unserer Kultur geworden. Ich bezeichne das als gepanzerte Sprache.
Ein schönes Beispiel ist die Verwendung des Wortes „Sache“ (issue), was die Dinge vage hält und für Verwirrung sorgt. Mir fällt das oft auf, wenn ich mit den Eltern von Kindern spreche, die ich behandle. Wenn sie mir erzählen, da wäre mit ihrem Kind eine Sache hier oder eine Sache da. Das bewirkt bei ihnen einen gefühlsmäßigen Abstand zu dem, was sie mir sagen wollen und sie intellektualisieren das Problem übermäßig. Wenn ich die Eltern erst einmal gefragt habe, was sie mit „Sache“ meinen, fangen sie an sich zu öffnen und werden gefühlsmäßig involviert. Danach kann ich beginnen, mit ihnen und ihren Kindern effektiv zu arbeiten.
Meine Erfahrung hat gezeigt, daß, wenn es mir gelingt, Menschen diese gepanzerte Sprache bewußt zu machen, sich ihre Fähigkeit mit anderen Menschen in ihrem Leben zu kommunizieren, sei es ihr Lebensgefährte, ihr Kind oder ein Arbeitskollege, gewaltig verbessert.

Eine Lehrerin hat mich mal darauf hingewiesen, daß die Schüler seit Anfang der 1970er Jahre penibel darauf achten, sich nicht festzulegen und beispielsweise grundsätzlich nur im Konjunktiv antworten: „Ich würde sagen, …“ Und wer kennt das nicht, daß man heutzutage auf Fragen im alltäglichen Umgang zunehmend mit vollkommen inhaltsleeren Nichtantworten vollgetextet wird. Es ist eine allgemeine „Verwissenschaftlichung“ (man hütet sich vor apodiktischen Aussagen) und „Politisierung“ (man redet, ohne etwas zu sagen) der Alltagssprache zu verzeichnen.

Und umgekehrt: je klarer man sich ausdrückt, desto mehr Verachtung schlägt einem entgegen: „Ach Peter, so eindeutig kann man das nicht sagen!“ „Das mußt Du differenzierter sehen!“ Ich bin halt dumm, sektiererisch und rechtsradikal.

Robert (Berlin) hat darauf hingewiesen, daß zu diesem Thema auch das Neusprech der Politischen Korrektheit gehört, „welches gängige Wörter wie Neger, Rasse, Türke, Araber und Volk und Nation unterdrückt und man ständig nachdenken muß, wie man es anders ausdrückt“. Zum Gendern siehe hier.

Der Leser wird sich fragen, warum ich hartnäckig an der alten Rechtschreibung festhalte. (Wenn man mal gnädig von meiner anhaltenden Rechtschreibschwäche und meinem mangelnden Sprachgefühl absieht…) Es ist Protest! Ein Akt des Widerstandes gegen den Wahnsinn, der unser Vaterland, ganz Europa, die gesamte freie Welt untergräbt und dem sicheren Untergang entgegenführt.

Bei der alten Rechtschreibung zu bleiben, ist Ausdruck konservativer Gesinnung, die nicht jeden hanebüchenen Unsinn mitmacht, die nicht der tumben Masse folgt, die zwar privat ständig herumgrummelt, dann aber öffentlich doch denen folgt und sie an der Macht hält, die uns schnurstraks in den kulturellen und wirtschaftlichen Abgrund manövrieren. Um beim Thema zu bleiben: die Rechtschreibreform war die Vorbereitungs für die geschlechtergerechte Sprache.

Seit das Land in den 1970er Jahren auf breiter Front in die Hände roter Faschisten gefallen ist (sogenannte „Sozialdemokraten“), hat wirklich jede „Reform“ die Pforten der Hölle weiter geöffnet: Chaos und das Böse. Sei es die Legalisierung der Pornographie, eine „liberale“ Zuwanderungspolitik, die „Verwissenschaftlichung“ der Lehrerausbildung, immer neue soziale Wohltaten, die Verspargelung unserer Landschaft mit Vogelschreddern, die europäische Integration, Gendermainstreaming (auf gut deutsch Geschlechtergleichschaltung), „Gleichstellung“, „Emanzipation“, „Selbstverwirklichung“, Kinderkrippen, der „Euro“, schleichende Legalisierung „weicher“ Drogen oder die Rechtschreibreform – der Schaden war jeweils unermeßlich und wird wahrscheinlich nie wieder wettzumachen sein. Zumal wir heute von einer alle Parteigrenzen überschreitenden sozialdemokratischen Einheitsideologie beherrscht werden. Wer abweichende Meinungen vertritt, wird vom pseudointellektuellen Pöbel hysterisch niedergeschrien.

Die Rechtschreibung wurde reformiert, um den Schülern den Schulalltag zu erleichtern. Der Germanist Uwe Grund hat die Texte von Schülern vor und nach der Rechtschreibreform miteinander verglichen. Er kam vor 13 Jahren zu folgendem Ergebnis:

  1. Nach der Rechtschreibreform werden in der Schule erheblich mehr orthographische Fehler gemacht als davor.
  2. Die Fehler haben sich – möglicherweise sogar überproportional – in den Bereichen vermehrt, in denen die Reformer regulierend in die Sprache eingegriffen haben.
  3. Die Vermehrung der Fehler hat Konsequenzen, die vor allem die Lehrenden und Lernenden schlechter stellen, also jene Sprachteilnehmer, um derentwillen das Reformwerk angeblich geschaffen wurde.

Das Befolgen der Rechtschreibreform, die Milliarden verschlungen hat, ist wirklich symptomatisch für die gesamte „Reformpolitik“: ohne Sinn und Verstand wird in gewachsene Strukturen eingegriffen, was zum Zerfall und zur Reorganisation auf primitiverem Niveau führt, d.h. zu Anarchie und Tyrannei (= Kommunismus). Wer bei dieser Schweinerei mitmacht, ist selbst ein Schwein! Ohne mich!

Ich hätte nicht gedacht, daß ich mich mal auf Martin Heidegger beziehen würde, aber die Sprache ist „das Haus des Seins“. Systematisch wird der Deutsche auf denkbar fundamentale Weise von seinem Deutschtum getrennt.