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Orgonotische Erregungseffekte II (1958) (Teil 6)

9. Dezember 2018

von David Boadella

5. Laden und Entladen des Elektroskops

Diese Aktivität ist dreierlei Art: wir können die Art und Weise unterscheiden, wie das Elektroskop sich lädt, die Art und Weise, wie es sich entlädt, und die Art und Weise, wie sich die geladenen Blätter bewegen, wenn sie erregt sind. Die folgende Beschreibung setzt kein Vorwissen über Elektroskop-Reaktionen voraus. Es schien am besten, alle beobachteten Phänomene genau und treu zu beschreiben, das Bekannte und Vertraute, als auch das Unbekannte und das Ignorierte. Auf diese Weise kann das gesamte Muster der Elektroskop-Reaktionen deutlicher hervortreten.

Ein Routineverfahren zum Laden eines Elektroskops besteht darin, ein gut isolierendes Material zu nehmen, es einige Male kräftig auf einem geeigneten Stoff zu reiben und es dann nahe an die Metallscheibe des Elektroskops heranzuführen. Glas auf Seide, Leder oder Filz gerieben ist eine häufige Wahl, desgleichen Hartgummi auf Wolle oder Flanell gerieben. Wenn sich das geriebene Material der Messingscheibe nähert, spreizen sich die Blätter des Elektroskops ab. Wird das geladene Material dann entfernt, ohne die Scheibe berührt zu haben, konvergieren die Blätter wieder: die Anregung hört auf. Wenn jedoch der Isolator in Kontakt mit der Scheibe kommen kann, bleibt die Ladung erhalten, wenn der Isolator entfernt wird. Ob dies unmittelbar nach dem Kontakt geschieht, oder ob wiederholte Kontakte oder ein längerer Kontakt erforderlich sind, scheint von der Art des verwendeten Materials und von der Feuchtigkeit zu dieser Zeit abhängig zu sein.

Eine zweite Methode ist als ‚Aufladen durch Induktion‘ bekannt. Der Isolator wird ohne Berührung in die Nähe der Scheibe gebracht und dort gehalten, während die Scheibe durch Berühren mit dem Finger ‚geerdet‘ wird. Der Finger wird entfernt und dann der Isolator: die Blätter des Elektroskops konvergieren, wenn der Finger die Scheibe berührt, und spreizen sich ab, wenn der Finger und der Isolator entfernt werden.

Ein drittes Verfahren zum Aufladen des Elektroskops durch Streichen des Flaschenhalses mit der Hand wurde bereits beschrieben und wird später detaillierter diskutiert.

Eine vierte Methode wurde erstmals 1939 von Reich beschrieben (siehe 10, 11). Seine drei Experimente sind von größter Wichtigkeit, da sie direkt zur Konstruktion des ersten Orgonakkumulators führten, um die Energie, deren Wirkungen er beobachtete, einzuschließen.

Kurz gesagt, fand Reich zufällig heraus, daß ein Paar Gummihandschuhe, die in der Nähe einiger seiner Bionpräparate liegengelassen worden waren, die Blätter eines nahe gelegenen Elektroskops ablenkten. Er überprüfte, ob die Handschuhe nicht auf eine andere Weise aufgeladen worden waren. Anschließend konnte er das gleiche Aufladen des Elektroskops erreichen, indem er ungeladene Handschuhe in Kontakt mit dem Abdomen oder den Genitalien einer vegetativ beweglichen Person ließ oder sie für eine bestimmte Zeit starker Sonnenstrahlung aussetzte. Einige Jahre später (1944) gelang es Reich, das Elektroskop mit Gummi aufzuladen, das einige Tage lang in einem Orgonakkumulator gelegen hatte (siehe 5). Denjenigen Kritikern Reichs, die seine psychiatrische und soziologische Arbeit loben, aber seine Physik vollkommen anders bewerten, stünde es gut zu Gesicht sich daran zu erinnern, daß sich das Experiment mit dem Gummi auf den Genitalien oder dem Bauch sich, wie so viele seiner anderen Experimente, direkt aus seiner psychiatrischen und sexualökonomischen Arbeit entwickelt hat. Diese drei Experimente am Elektroskop waren die ersten orgon-physikalischen Experimente, die jemals durchgeführt wurden.

Ich habe versucht, diese Experimente zu wiederholen und das Elektroskop so aufzuladen, wie Reich es beschrieben hat. Am schwierigsten war es mit dem ersten Paar Handschuhen, welches ich benutzte, das Kontrollexperiment durchzuführen, den ungeladenen Handschuh in der Nähe des Elektroskops zu halten und keine Auslenkung zu erhalten. Entgegen der Erwartung hatte ein Handschuh, den ich mit keinem der beschriebenen Mittel aufladen wollte, trotzdem eine Ablenkung der Blätter bewirkt. Es schien, daß der bloße Umgang mit dem Handschuh, ohne die Absicht, ihn zu erregen, irgendwie beim Handschuh eine starke Ladung hinterließ. Solange ich den Handschuh weiter handhabte, als ich ihn der Elektroskopscheibe näherte, blieb die Ladung bestehen. Erst durch das Eintauchen in Wasser wurde sie vollständig entfernt, und das Halten der Handschuhe mit einer Pinzette erwies sich als die einzige erfolgreiche Methode, Ladungen von der Hand zu eliminieren. Wenn der Gummihandschuh eine Viertelstunde lang auf den Haaren blieb und dann sehr vorsichtig entfernt wurde, um wirklich jedwede Reibung vernachlässigbar zu machen, zeigte sich am Elektroskop immer noch eine starke Aufladung. Dies steht in Einklang mit der Leichtigkeit, mit der ein Plexiglasstab aufgeladen werden kann, indem man einmal auf das Kopfhaar streicht (siehe 5 und den Brief von Dr. Raknes hier). Das Experiment des Aufladens des Handschuhs durch Kontakt mit der Haut des Bauches wurde ebenfalls zufriedenstellend wiederholt. Es war nicht möglich, das Experiment mit der Erstrahlung in der Sonne oder im Akkumulator zu wiederholen, wegen des anhaltenden regnerischen und feuchten Wetters in Nottingham in diesem Sommer.

Ich kaufte ein zweites Paar Handschuhe, die am Elektroskop überhaupt keine Reaktion zeigten, egal welche Behandlung sie erhielten. Das Material wurde als ‚satiniertes‘ Gummi beschrieben, aber warum dieser Handschuh überhaupt nicht reagieren wollte, ist immer noch ein Rätsel. Möglicherweise hat es etwas mit der Tatsache zu tun, daß nicht alle Gummiprodukte Isolatoren sind. Die Frage, welche chemischen Komponenten, Herstellungsverfahren und Energiezustände mit so großen Kontrasten bei nach außen hin so wenig differenzierten Materialien verbunden sind, scheint eine intensive Forschung zu erfordern. Zur Zeit ist darüber nur sehr wenig bekannt.

Ich habe versucht, die Elektroskopscheibe zu erden, um zu sehen, ob dies das Aufladen erschweren oder unmöglich machen würde. Bei Erdung gab es keine Reaktion auf einen geladenen Isolator, der in die Nähe der Scheibe gebracht wurde oder auf sie gelegt wurde. Aber die Erdung verhinderte nicht das Aufladen, das durch das Streichen des Glases mit der Hand erzeugt wurde. Es war auch möglich, die Gummiisolierung des zur Erdung verwendeten Drahtes zu streichen und auf diese Weise ein Aufspreizen der Blätter hervorzurufen. Diese letzte Tatsache zeigt am eindeutigsten die Antithese zwischen Orgon und Elektrizität. Isolatoren aus Gummi werden vom Elektriker verwendet, um zu verhindern, daß Elektrizität vom Draht nach außen fließt. Die gleiche Gummiisolierung erleichtert jedoch das Fließen von Orgon von außen nach innen zum Draht. Der Einwand, daß die ‚Spannung‘ der Hände hoch genug sei, um durch die Gummidämmung hindurchzugehen, wirft nur das ungelöste Problem auf, wie diese ‚Spannung‘ überhaupt in die Hände gelangt. Er wird auch durch Reichs Entdeckung widerlegt, daß der Orgonfluß in Isolatoren effektiver ist, wenn die Isolierung sehr gut ist: „Je besser der Isolator, desto ausgeprägter ist die Reaktion – Styropor ist als hervorragender Isolator bekannt. Es gab immer diese Reaktion” (5, S. 119).

Das Routineverfahren zum Entladen des Elektroskops besteht darin, die Scheibe mit der Hand oder mit Metall zu berühren, d.h. die Blätter zu „erden“. Wir dürfen jedoch nicht davon ausgehen, daß das, was geschieht, notwendigerweise etwas mit der Erdung zu tun hat. Eine Reihe von Beobachtungen widerspricht dieser Annahme.

Bei ein oder zwei Gelegenheiten hatte ich große Schwierigkeiten das Elektroskop zu entladen, nachdem es mit den Händen auf dem Glas der Flasche geladen worden war. Metall oder meine Hand auf der Scheibe hatten keine Wirkung. Nur das Eintauchen von drei Vierteln des Elektroskop-Glases in Wasser brachte bei solchen Gelegenheiten die Blätter dazu sich zu entladen.

 

Literatur

5. Reich, Wilhelm: „Orgonotic Pulsation: the differentiation of orgone energy from electro-magnetism. Presented in talks with an electro-physicist“ (insbesondere Part II: The orgonotic excitation of insulators. Questionable points in the concept of static electricity), International Journal of Sex-Economy and Orgone Research, Vol. 4, 1945

10. Reich, Wilhelm: DREI VERSUCHE AM STATISCHEN ELEKTROSKOP, Rotterdam, 1939

11. Reich, Wilhelm: „Three experiments with rubber at the electroscope (1939)“, Orgone Energy Bulletin, Vol. 3, No. 3, 1951

 

Abdruck der Übersetzung aus dem Englischen mit freundlicher Genehmigung des Autors, Dr. Boadella. Der Originalaufsatz „Orgonotic Excitation Effects II“ findet sich in der von Paul und Jean Ritter in Nottingham, England herausgegebenen Zeitschrift Orgonomic Functionalism, Vol. 5 (1958), No. 4, S. 211-232.

Orgonotische Erregungseffekte II (1958) (Teil 5)

6. Dezember 2018

von David Boadella

4. Anziehung und Dissoziation bei Isolatoren

Es war so verstörend an den Unterschieden zwischen den orgon-physikalischen und den akademischen Erklärungen der Elektroskop-Reaktionen, daß sie durch sorgfältige Beobachtungen so leicht aufzulösen sein sollten, doch, als ich zu sorgfältigen Beobachtungen kam, die Schwierigkeiten nicht im geringsten abnahmen, sondern vielmehr zunahmen. Die elektrische Erklärung sagt einfach, und mit dem Dogmatismus eines physikalischen Gesetzes, daß „gleichsinnige Ladungen sich abstoßen, ungleichsinnige Ladungen sich anziehen“. Wenn man ein Elektroskop positiv auflädt und einen negativ geladenen Stab heranführt, sollten von daher die Blätter konvergieren. Wenn man einen zweiten positiv geladenen Stab nimmt, sollten die Blätter um so mehr divergieren.

Üblicherweise werden Gummi und Glas als die Materialien genommen, die beim Reiben an geeigneten Materialien eine negative bzw. positive Ladung annehmen. Es sollte eine ganz einfache Sache sein, das Elektroskop mit Gummi aufzuladen und dann etwas geladenes Glas zu nehmen und zu sehen, was passiert. Ich habe das bei vielen Gelegenheiten gemacht. Manchmal konvergierten die Blätter und die elektrische Theorie der positiven und negativen Elektrizität schien vollkommen erwiesen. Aber zu anderen Zeiten divergierten die Blätter um so mehr, genau wie Reich es beschrieben hatte. So scheinen sowohl der Elektrophysiker als auch der Orgonom „in gewisser Weise“ recht zu haben. Ich versuchte herauszufinden, ob ich unfair war oder ob ich die Ergebnisse irgendwie präjudizierte. Ich überprüfte sorgfältig, ob das Elektroskop tatsächlich seine positive Ladung behalten hatte, bevor ich die negative nahm und umgekehrt.

Ich legte das Elektroskop zur Seite mit dem inneren Gefühl, daß es irgendwie „fehlerhaft“ sein müsse und „verrücktspiele“, und begann mit verschiedenen Isoliermaterialien zu experimentieren. Ich wählte hauptsächlich die Materialien aus, die ich für gut geeignet befunden hatte: Glas, Gummi, Polyäthylenfolie, Hartgummi, Plexiglas und Äthylen. Ich lud jedes dieser Materialien auf, indem ich sie durch meine Hände zog oder über meine Haare führte, und bestätigte, daß sie tatsächlich geladen waren, indem ich sie über die Elektroskopscheibe hielt, um zu sehen, ob sich die Blätter bewegten, und dann feststellte, ob sie sich gegenseitig abstießen oder anzogen.

Der Ethilon-Streifen wurde, wenn er frei aufgehängt war und von Luftströmungen nicht gestört wurde, stark von geladenem Polyäthylen, Gummi, Hartgummi und Glas angezogen, von Plexiglas jedoch abgestoßen. Schlußfolgerung, nach der elektrischen Theorie: Ethilon und Plexiglas sind gleichsinnig geladen; antithetisch zu ihnen, aber in Beziehung zueinander gleichsinnig geladen, sind Polyäthylenfolie, Gummi, Hartgummi und Glas. Doch wir wissen, daß Gummi und Glas eine entgegengesetzte Ladung haben sollten und von daher Ethilon entweder durch Gummi oder Glas abgestoßen werden sollte.

Wenn ein Stück geladenes Gummi suspendiert war, wurde es von Plexiglas, Ethilon und Glas angezogen; und abgestoßen von Ebonit, Polythen und einem anderen Stück Gummi. Fazit nach der elektrischen Theorie: Glas hat die gleiche Ladung wie Ethilon und Plexiglas. Aber wir haben bereits gefunden, daß Glas Ethilon anzieht, und daher von ungleicher Ladung sein sollte.

Wenn eine dünne Polyäthylenfolie frei aufgehängt war, wurde sie von Gummi und Hartgummi abgestoßen, aber von Glas, Äthylen und Plexiglas angezogen. Die Sache scheint jetzt anzufangen einfach zu werden: Glas muß von gleicher Ladung sein wie Ethilon und Plexiglas, und die Tatsache, daß Glas Ethilon anzieht, muß ein ‚Fehler‘ sein. Im Laufe der immer neuen Wiederholungen dieser Beobachtungen stellte ich fest, daß ich das geladene Plexiglas dazu bringen konnte, das geladene Ethilon anzuziehen, um es dann abzustoßen und danach wieder anzuziehen. Es war genau so, als ob das Material einen eigenen Kopf hatte und bewußt unvorhersehbar war, um mich durcheinander zu bringen. So verhalten sich Äthylen und Styropor manchmal so, als wären sie gleich geladen und manchmal wie von ungleicher Ladung. In einem Moment sind sie positiv und im nächsten negativ.

Was ich beobachtete, war genau parallel zum Verhalten von Glas und Gummi am Elektroskop; manchmal eine Wirkung in die eine Richtung und manchmal in die gegensätzliche Richtung. Je mehr ich versuchte, das Material ‚festzunageln‘ und es sich in der einen oder anderen Richtung eindeutig verhalten zu lassen, desto mehr mußte ich erkennen, daß dieser Prozeß nicht starr ist und nicht auf die Frage reduziert werden kann, ob bestimmte Materialien regelmäßig mit zu wenigen oder zu vielen Elektronen hinterlassen werden, wenn sie gerieben werden. Tatsächlich ist die Theorie der positiven und negativen Elektrizität, so sie auf die Anziehung und Abstoßung von Isolatoren angewandt wird, nur haltbar, wenn man die Gelegenheiten übersieht und ignoriert, wo Gummi und Glas gegenseitig ihre Erregung des Elektroskops verstärken und die Gelegenheiten, wenn anscheinend identisch geladene Materialien sich gegenseitig anziehen.

Anschließend konnte ich ein kleineres Stück Ethilon aufnehmen, indem ich den großen Streifen etwa einen Zoll darüber hielt. Das kleinere Stück sprang dann aufwärts und klebte genau so, wie man es erwarten würde, wenn die beiden Stücke ungleiche Ladungen hätten. Aber beide Stücke stammten von einem Originalstreifen, beide waren auf die gleiche Weise gerieben worden, und beide hatten tatsächlich durch Einwirkung auf das Elektroskop zuerst gezeigt, daß sie geladen waren.

Ähnliche Erwägungen führten Reich zu der Schlußfolgerung, daß die Phänomene besser erklärt werden könnten, wenn man annimmt, daß die Isolatoren mit ein und derselben Energie aufgeladen sind, aber daß sie zwei gegensätzliche Funktionen aufweist: Anziehung und Dissoziation (oder Abstoßung). „Die Orgonenergie besteht also nicht aus zwei gegensätzlichen Fluida, sondern aus zwei antithetischen Funktionen, Anziehung und Abstoßung; und jede dieser Funktionen hat eine spezifische Beziehung zur Natur der Substanz“ (5, S.136). Diese Schlußfolgerung ist nicht so revolutionär, wie sie sich anhört. Wenn wir nach dem Ursprung des Begriffs positive und negative Elektrizität, wie er für Isolatoren verwendet wird, suchen, finden wir:

Die Elektrifizierung von mit Seide geriebenem Glas wurde früher vitreous genannt (von Vitrum das lateinische Wort für Glas); diejenige, die von Siegellack oder Harz, das mit Flanell gerieben wurde, abgeleitet wurde, wurde resinous genannt. Diese Namen sind jedoch längst von anderen verdrängt worden, da Glaselektrizität aus Substanzen, die Harzelektrizität erzeugten, gewonnen werden konnte und umgekehrt, indem lediglich das Material des Gummis verändert wurde. (12, S. 60)

Man weiß, daß, wenn rauhes Glas auf glattem Glas gerieben wird, die beiden Glasstücke Anziehung zeigen und daher von ungleicher Ladung sein sollen. Der Zustand der Substanz, die Art und Weise, in der sie angeregt wird, und die Intensität ihrer anfänglichen Ladung sind alles Faktoren, die bestimmen, ob es die anziehende oder die dissoziative Funktion ist, die ausgedrückt wird.

Nach dieser Beschreibung der Erregung eines Isolators durch einen anderen ist es leichter, die Aktivität der Elektroskopblätter zu verstehen.

 

Literatur

5. Reich, Wilhelm: „Orgonotic Pulsation: the differentiation of orgone energy from electro-magnetism. Presented in talks with an electro-physicist“ (insbesondere Part II: The orgonotic excitation of insulators. Questionable points in the concept of static electricity), International Journal of Sex-Economy and Orgone Research, Vol. 4, 1945

12. Poyser, A.W.: MAGNETISM AND ELECTRICITY, Longmans, Green, & Co. 1895

 

Abdruck der Übersetzung aus dem Englischen mit freundlicher Genehmigung des Autors, Dr. Boadella. Der Originalaufsatz „Orgonotic Excitation Effects II“ findet sich in der von Paul und Jean Ritter in Nottingham, England herausgegebenen Zeitschrift Orgonomic Functionalism, Vol. 5 (1958), No. 4, S. 211-232.

Orgonotische Erregungseffekte II (1958) (Teil 1)

26. November 2018

von David Boadella

 

[Vorbemerkung des Übersetzers: Der erste Artikel findet sich hier ff.]

1. Einige theoretische Überlegungen

Die in der letzten Ausgabe dieser Zeitschrift (1) beschriebenen Erstrahlungseffekte wurden von einer Reihe von Personen wiederholt. Ich antwortete auf den Brief des National Physical Laboratory (NPL) und wies in erweiterter Form auf die Widersprüche zwischen ihrer Erklärung und dem beobachteten Verhalten der Glühbirnen hin. Eine kurze Antwort ist eingegangen, die ihre Überzeugung wiederholt, daß die Phänomene abhängen von „der Art und dem Druck des gegebenen Restgases, der Zusammensetzung des Glases der Glühbirne (da es die isolierenden Eigenschaften und die Leichtigkeit des Elektrisierens beeinflußt) und wahrscheinlich von mehreren anderen Faktoren, wie die atmosphärische Luftfeuchtigkeit zu der Zeit“. Sie schließen das Thema, indem sie hinzufügen: „Es gibt unserer Meinung nach wenig zu gewinnen, wenn man der Sache weiter nachgeht, außer wenn man sich dafür entscheidet … durch sorgfältig kontrollierte Experimente.“ Die Bedeutung der weiteren Experimente, von denen ihnen berichtet wurde, wird ignoriert.

Zwei Kritikpunkte sind von einem Leser des Originalartikels aufgeworfen worden. Der erste bezieht sich auf den Vakuumdruck und der zweite auf die Ladung der Hände. Beide sind von Interesse für die Art von Komplikationen, die auftauchen, sobald jemand versucht zu zeigen, daß die Leuchteffekte „einfach genug“ durch orthodoxe physikalische Konzepte erklärt werden können.

Es wurde von dieser Person angeführt, daß, in Übereinstimmung mit der Anmerkung der NPL, je weniger Gas es gibt, desto geringer die Lichtausbeute sei. Um diese Sichtweise zu unterstützen, hat sie eine 20 Jahre alte Vakuumlampe mit geradem Heizfaden vorgelegt und mich aufgefordert, hier irgendwelches Licht hervorzurufen. Sie sagte, daß diese Lampe ein viel höheres Vakuum als moderne vakuumgefüllte Lampen hätte und deshalb nicht leuchte. (Vergleiche das mit der NPL-Aussage: „Wir wiederholen, daß der Grad des Vakuums den Effekt bestimmen wird, so daß einige gut gemachte moderne Vakuumlampen ihn nur schwer oder gar nicht zeigen könnten.“) Zur weiteren Unterstützung ihrer Ansicht, erklärte sie kategorisch, daß unterhalb eines bestimmten Drucks, ein Vakuum überhaupt nicht leuchte, und daß der Druck von 0,5 Mikron (in dem Artikel angegeben und von Reich verwendet) unerreichbar sei.

Was man beachten muß, um den Widerspruch, der die Vakuumfrage umgibt, zu entwirren, ist der Kontrast zwischen der normalen Methode eine Erstrahlung im Vakuum hervorzurufen und den Ergebnissen, die über die Hände berichtet werden und von Dr. Ola Raknes mit Vakuums bestätigt wurde, deren Druck bekannt war. Dr. Raknes erhielt seine Ergebnisse bei Vakuums mit einem Druck von 1/10 000 und 1/100 000 einer Atmosphäre. Hier eine Beschreibung aus einem Lehrbuch über Physik über den normalen Ablauf der Vakuumentladung:

Wenn die Luft nach und nach aus einer Röhre mit zwei Plattenelektroden gepumpt wird, die auf einer Potentialdifferenz von einigen tausend Volt gehalten werden, erscheint eine leuchtende Entladung, wenn sich der Druck einem 1/1000 einer Atmosphäre nähert. Angenommen, wir setzen die Entleerung unserer Entladungsröhre fort. Die leuchtenden Wolken schrumpfen von der Mitte der Röhre zurück, und der dunkle Raum nimmt zu, bis der Druck in der Röhre nur ein Millionstel einer Atmosphäre ist (d.h. 0,75 Mikron), die leuchtenden Erscheinungen im Gas haben vollständig aufgehört, obwohl Elektrizität immer noch geleitet wird. Die Wände der Röhre leuchten mit einem grünlichen Licht. Unsichtbare „Strahlen“ durchdringen die Röhre. Diese Strahlen sind ein Hagel von Elektronen, die sich mit großer Geschwindigkeit vom negativen Pol zum positiven bewegen. (2, S. 292)

Bei der 20 Jahre alten Glühbirne, die mir übergeben worden war, erwies es sich als sehr schwierig, mit den Händen irgendwelches Licht zu erhalten. Aber sie wurde leicht zum Leuchten gebracht, indem man sich mit einem geladenen Isolator irgendeiner Art näherte. Ich habe nicht herausgefunden, wie hoch der Druck dieser Lampe ist. Die G.E.C. hat mich jedoch informiert, daß die modernen 25 Watt Glühbirnen mit einem Druck von 0.0001 mm, d.h. 1 Mikron hergestellt werden. Dennoch muß die Leichtigkeit dieser Erstrahlung der NPL-Aussage [National Physical Laboratory] gegenübergestellt werden: „Von daher wird die schnellstmögliche Annäherung eines geladenen Hartgummistabes keine Wirkung zeitigen, da sie immer noch nicht schnell genug ist.“

Der zweite Kritikpunkt der gleichen Person war eine direkte Leugnung, daß die Ladung der Haut in Millivolt meßbar sei. Sie behauptete, daß die Hände leicht mehrere tausend Volt enthalten könnten, deshalb gäbe es nichts Bemerkenswertes bei den Erstrahlungseffekten. Sie sah daher keinen Grund, die Aussage zu akzeptieren, daß die elektrische Spannung der Hände tausendmal schwächer sei als die, die zur Erzeugung der normalen Vakuumentladungen verwendet wurde, wie oben zitiert. Die oszillographischen Experimente von Reich, zitiert als Beweis für die niedrige Spannung der Haut, akzeptiere sie nicht, da, wie sie sagte, „der Oszillograph keine Spannung mißt, er mißt Strom“. Der Punkt ist von einiger Wichtigkeit, denn, wenn man ohne Zweifel zeigen kann, daß die normale elektrische Spannung der Hände in der Tat im Bereich von Millivolt liegt, dann wird es tatsächlich sehr schwierig zu verstehen, wie das sanfteste Streicheln zu einer Erstrahlung führen kann, die Tausende von Volt erfordert. Ein Blick auf Reichs Bericht über seine Experimente machte deutlich, daß es sich um Spannung handelte, die er gemessen hatte. Reich verband die an der Haut befestigten Elektroden mit Hilfe von Drähten an die Gitterplatten in der Elektronenröhre seines Oszillographen. Ein Elektronenstrom floß durch diese Platten von einer Kathode zu einer Anode. Jede Ladung auf den Platten lenkte den Elektronenstrahl ab, und die Ablenkung konnte auf einem Bildschirm beobachtet werden.

Der Oszillograph wurde auf 10 Millivolt kalibriert. Die beobachtete Ablenkung konnte daher direkt mit der Kalibrierung verglichen werden. Der Widerstand des Oszillographen betrug 2 Millionen Ohm, die von den Händen erzeugte Strommenge war daher außerordentlich niedrig: Reich gibt sie als 0.000001 eines Ampere an, d.h. 1 Mikroampere (3).

Im folgenden muß der Unterschied zwischen der Ähnlichkeit von Einheiten und der Äquivalenz von Einheiten, der im ersten Artikel referiert wurde, ständig im Auge behalten werden. Es ist dann unerheblich, ob wir den Ausdruck „Statik“ verwenden oder „Orgon“, um bestimmte Effekte zu beschreiben, solange wir uns daran erinnern, daß „Statik“ mit Eigenschaften einhergeht, die die Strom-Elektrizität nicht besitzt. Wenn man in ein Geschäft geht, das elektrische Geräte oder elektrische Meßvorrichtungen verkauft, und nach einem Elektroskop fragt, ist die typische Reaktion „Ein Elektroskop? Was ist das? Wofür wird es verwendet?“. Dann kommt vielleicht eine Erinnerung an die Physik der Sekundarstufe zurück und ihnen wird dunkel bewußt, was ein Elektroskop ist. Der Begriff „Statik“ betont die Ähnlichkeiten zwischen Effekten bei Isolatoren und Effekten bei Metall und Drähten, die Unterschiede werden tendentiell vergessen oder übersehen, sie sind nicht wichtig. Der Begriff „Orgon“ betont die Ähnlichkeiten zwischen den Reaktionen von Isolatoren und Reaktionen des Lebendigen. Der Begriff „Elektrizität“ weist auf die mit Batterien verbundenen Phänomene und die Bewegung von Drähten in Magnetfeldern hin. Es ist lehrreich, sich daran zu erinnern, wie der Begriff auf Isolatoren angewendet wurde. Einige der frühesten Beobachtungen von „statischen“ Effekten wurden von Thales mit Bernsteinstücken gemacht. „Thales wußte nicht, warum Bernstein leichte Objekte anziehen konnte. Er wußte nur, daß Bernstein nach dem Reiben eine neue Eigenheit angenommen hatte. Wir sagen, daß der Bernstein elektrifiziert wurde, oder daß er durch Reiben ‚Elektrizität‘ erworben hat. Das Wort ‚Elektrizität‘ wurde gewählt, weil der griechische Name für Bernstein ‚Elektron‘ ist! Wenn wir also sagen, daß ein Kamm aus Hartgummi oder Plastik elektrisch aufgeladen (elektrisiert) wurde, sagen wir tatsächlich, daß der Kamm ‚bernsteinisiert‘ worden ist; der Kamm verhält sich wie Bernstein, wenn er gerieben wird“ (4, S. 306).

Es war das Erwägen der Unterschiede zwischen ‚Statik‘ und Elektrizität, und die Ähnlichkeiten zwischen ‚Statik‘ und atmosphärischer Orgonenergie, die Reich zu der Schlußfolgerung brachte, daß „der Begriff der ‚Reibungselektrizität‘ durch den der orgonotischen Erregung ersetzt werden könnte! ‚Reibungselektrizität‘ wäre dann nicht mehr als ein uninteressanter Spezialfall orgonotischer Erregung, der auf passiv absorbiertem Orgon basieren könnte, oder Orgon, das als Teil des lebendigen Funktionierens ausgestrahlt wird“ (5, S. 115).

 

Literatur

1. Boadella, David: „Some orgonotic lumination effects“. Orgonomic Functionalism, Vol. 5, No. 2, 1958

2. Taylor, Sherwood: THE WORLD OF SCIENCE, Heinemann, 1936

3. Reich, Wilhelm: EXPERIMENTELLE ERGEBNISSE ÜBER DIE ELEKTRISCHE FUNKTION VON SEXUALITÄT UND ANGST, Kopenhagen, 1937

4. Dees, Bowen C.: FUNDAMENTALS OF PHYSICS, Philadelphia, 1945

5. Reich, Wilhelm: „Orgonotic Pulsation: the differentiation of orgone energy from electro-magnetism. Presented in talks with an electro-physicist“ (insbesondere Part II: The orgonotic excitation of insulators. Questionable points in the concept of static electricity), International Journal of Sex-Economy and Orgone Research, Vol. 4, 1945

 

Abdruck der Übersetzung aus dem Englischen mit freundlicher Genehmigung des Autors, Dr. Boadella. Der Originalaufsatz „Orgonotic Excitation Effects II“ findet sich in der von Paul und Jean Ritter in Nottingham, England herausgegebenen Zeitschrift Orgonomic Functionalism, Vol. 5 (1958), No. 4, S. 211-232.

Einige orgonotische Erstrahlungseffekte. Eine vorläufige Mitteilung (1958) (Teil 6)

30. Juli 2018

Wilhelm Reich, Physiker: ANHANG; David Boadella über Erstrahlungseffekte

Einige orgonotische Erstrahlungseffekte. Eine vorläufige Mitteilung (1958) (Teil 5)

26. Juli 2018

Wilhelm Reich, Physiker: ANHANG; David Boadella über Erstrahlungseffekte

Einige orgonotische Erstrahlungseffekte. Eine vorläufige Mitteilung (1958) (Teil 4)

22. Juli 2018

Wilhelm Reich, Physiker: ANHANG; David Boadella über Erstrahlungseffekte

Einige orgonotische Erstrahlungseffekte. Eine vorläufige Mitteilung (1958) (Teil 2)

16. Juli 2018

Wilhelm Reich, Physiker: ANHANG; David Boadella über Erstrahlungseffekte

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23. April 2018

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