Posts Tagged ‘Hitler’

Deutschland und die Emotionelle Pest (24)

11. Dezember 2025

Geschichte sollte nicht der Volkspädagogik dienen und nicht politisch instrumentalisiert werden („Mitgefühl“). Geschichtliche Ereignisse sollte man so betrachten, als würde man fernab von den Menschen über der Erde schweben. Nur so werden die funktionellen Zusammenhänge deutlich. Etwa, daß Bürgerkriege Auseinandersetzungen zwischen Menschen mit unterschiedlichen Charakterstrukturen sind. Der „europäische Bürgerkrieg“ zwischen 1917 und 1989 war da keine Ausnahme. Am Anfang stand der Rote Faschismus, der die gesamte menschliche Zivilisation bedrohte. Als Immun-Reaktion gegen ihn formte sich der Schwarze Faschismus, der zeitweise nicht weniger zerstörerisch war. Es war wie bei einer Infektion, wo man zeitweise nicht recht weiß, ob die Krankheitskeime oder die überschießende Immunabwehr lebensbedrohlicher sind. Schließlich obsiegten die westlichen Demokratien (OR) über die beiden Faschismen (DOR).

Ursprünglich hatte niemand ausgerechnet Moskau als Zentrum der Weltrevolution vorgesehen. Sowohl Engels als auch Lenin waren wie selbstverständlich davon ausgegangen, daß Berlin das natürliche Epizentrum der Umwälzungen sein werde. Bis 1923 war entsprechend alle Hoffnung der sich gerade bildenden Sowjetunion darauf gerichtet, daß es in Deutschland zu einer Revolution („Räterepublik“) komme und natürlicherweise das „deutsche Proletariat“ die Führung auf dem Weg zur Weltrevolution übernehme, denn von einem nennenswerten „russischen Proletariat“ konnte man kaum sprechen. Diese Hoffnung war alles andere als unrealistisch, – so ist auch der damalige „Hitler-Putsch“ einzuordnen. Nach dem Vorbild Mussolinis wollte Hitler der Machtübernahme durch die Kommunisten ein für allemal einen Riegel vorschieben. Zum Glück erwies sich die parlamentarische Demokratie in Deutschland zu diesem Zeitpunkt als unerwartet stark.

1923 kam es in der Sowjetunion zum Richtungskampf: sollte man die Weltrevolution doch vorantreiben (Trotzki) oder sollte man gegen alle Marxistische Orthodoxie (die schon Lenin selbst kaum beachtet hatte) versuchen, zunächst einmal die Sowjetunion zu konsolidieren und auf eine Art „sowjetischen Nationalismus“ setzen (Stalin)? Dies hatte zur Konsequenz, daß die Komintern zu einem bloßen Instrument der sowjetischen Außenpolitik wurde. Für Deutschland bedeutete dies, daß die Kommunisten für das „Mutterland des Sozialismus“ Werbung machen mußten und von ihren Feinden nicht zu Unrecht als „Moskau-hörig“ gebrandmarkt wurden. Hinzu kam, daß die Säuberungen gegen Abweichler, insbesondere aber „Trotzkisten“, d.h. „Weltrevolutionäre“, nach Deutschland übergriff. Die deutschen Kommunisten sollten die Weimarer Republik schwächen, aber auf keinen Fall ein „Sowjet-Deutschland“ errichten, das Moskau Konkurrenz machen würde und vom „Trotzkistischen Geist“ durchsetzt wäre.

Hitlers Machtergreifung kam Stalin mehr als Recht. Hitler war der Eispickel, den Stalin in den Schädel des Trotzkismus rammte. Deutsche Kommunisten, die in die Sowjetunion flohen, wurden vor dem Krieg fast restlos ausgemerzt, jene, die ins westliche Ausland flohen, nach dem Krieg. Sie hatten ihre Schuldigkeit getan, nämlich Deutschland und den Westen zu zersetzen, was sollte die Sowjetunion schon mit solchen „Zersetzern“ im eigenen Territorium anfangen?

Schließlich erfüllte Hitler als „Eisbrecher“ genau jene Aufgabe, die Stalin ihm zugewiesen hatte: mit Hilfe der Ressourcen der Sowjetunion, vor allem Lebensmittel, Erdöl und seltene Metalle, schaltete Hitler die westlichen Demokratien aus und war drauf und dran, sich in einem Krieg mit England zu verausgaben. Stalin war bereit, Europa „vom Faschismus zu befreien“ und die Sowjetunion bis zum Atlantik auszudehnen. Die deutsche Armee war derartig schwach, das kurz vorher die deutschen Generäle beinahe Hitler weggeputscht hätten, weil sie panische Angst hatten vor einem Krieg mit – der Tschechoslowakei! Der Einfall ins Deutsche Reich und damit nach Westeuropa wäre für Stalin ein Spaziergang gewesen, wenn Hitler nicht das Undenkbare und deshalb vollkommen Unerwartete getan hätte: in Stalins Aufmarsch hinein anzugreifen. Die Sowjetarmee war überhaupt nicht auf Verteidigung ausgerichtet und deshalb ein leichtes Ziel für die von der Ausrüstung her eher minderwertige Wehrmacht. Immerhin hielt Hitler die Rote Armee solange zurück, bis Westeuropa (gegen Hitlers verzweifelten Widerstand!) von der amerikanischen Armee besetzt war. Die Sowjetunion konnte nicht mehr expandieren, trotz verzweifelter Versuche in der Dritten Welt, und kollabierte deshalb schließlich unter Gorbatschow.

Der wirklichkeitsfremde Hitler selbst ist nichts weiter als eine kuriose Randerscheinung. Kurios in zweifacher Hinsicht: erstens war der Angriff auf die Sowjetunion ein schlichtweg größenwahnsinniges Unternehmen, nur ein Irrer konnte so etwas befehlen, und zweitens hätte dieser Wahnsinn beinahe doch funktioniert, hätte man die Sowjetvölker, insbesondere aber die Ukrainer, auf seine Seite gebracht. Aber Hitler hatte von den von ihm so bewunderten Kommunisten gelernt: eine in sich geschlossene Ideologie ist unbesiegbar, – kreierte entsprechend eine abgrundtief schwachsinnige Gegenideologie („Rassenkampf“ statt Klassenkampf), der er dann jedoch selbst zum Opfer fiel. Immer, wenn es darum ging, rational hellsichtig oder ideologisch verblendet zu entscheiden, wählte er die letztere Option. Im krassen Gegensatz zum genialen Stalin war er unfähig dialektisch zu denken.

Dazu zwei Vorträge vor amerikanischen Militärakademien:

Neoscholastik (Teil 2)

2. Dezember 2025

Ähnlich wie vor der „Machtübernahme“ der Nationalsozialisten werden auch heute die deutschen Universitäten von „National-Sozialisten“ dominiert. Dazu eine typische Veranstaltungsankündigung eines beliebigen Allgemeinen (!) Studierendenausschusses:

„Grenzgänge – Critical Whiteness Studies und Weißseinsforschung in Deutschland“ (sic!). Eine Frau Dr. Soundso diskutiert die Bedeutung der Hautfarbe in Deutschland. „Weißsein“ gelte „als Signatur für Deutschsein, als das Normale und somit Normative.“ Wie in den USA müsse nun auch in Deutschland die Debatte um Rassismus und „Weißsein“ geführt werden.

Zu den Feldern, auf denen diese Debatte geführt wird, gehört auch die Richtung von Queer Theorie, deren Fokus auf De/Konstruktionen von Gender und Sexualität liegt. (sic!)

Diese Leute mögen sich für „Antifaschisten“ halten, aber die systematische Zerstörung („Dekonstruktion“) wissenschaftlichen Denkens und die Aufteilung der Gesellschaft in willkürlich konstruierte „Gruppen“ brandmarken sie als Nazis.

In der Massenpsychologie des Faschismus hat Reich gezeigt, wie die ursprünglich noble Idee eines internationalen Sozialismus aufgrund der Struktur der Massen und ihrer „Führer“ unweigerlich in einen nationalen Sozialismus degenerieren muß: in Absonderlichkeiten wie etwa „nationale Befreiungsbewegungen“ und die Kreierung und Instrumentalisierung immer neuer derartiger „Nationen“ (beispielsweise der „queer nation“).

Siehe dazu auch Der politische Irrationalismus aus orgonomischer Sicht, wo die funktionelle Identität solcher modern liberals mit rechtsradikalen Obskurantisten diskutiert wird.

Hier ein bezeichnender Einblick in das alltägliche Geschehen deutscher Universitäten: die „antifaschistische“ Einheitsfront von Stalinisten und Islamisten.

Wie der neue Stalinismus, der dieses Land überzieht, konkret aussieht, hat Henrick M. Broder sehr schön beschrieben: „Der nackte Wahnsinn gibt den Ton an“.

Für diesen Wahnsinn steht ein Name: Judith Butler:

Konsequent verweigert Butler auch in ihrem politischen Denken die Unterscheidung von sex und gender. Ihr Ausgangspunkt ist die Annahme, dass auch das biologische Geschlecht/sex durch materialisierende Akte von Sprache entstehe. Durch Dekonstruktion gelte es auch hier, Spielraum für ein Erproben von alternativen Geschlechtsidentitäten, „queer identities“, zu schaffen. „Queer“ ist hierbei nicht als ständig wechselbare Identität gedacht, ebenso wenig wie „queer“ auf den Wunsch eines Körpers jenseits von Macht verweist. Ziel sei vielmehr, die Kontingenz von anatomischen Körpermerkmalen und performativer Geschlechtsidentität aufzuzeigen und Geschlechter-Verwirrung zu stiften. Butlers Konzept der Subversion setzt voraus, dass Subjekte, die gegebene Geschlechtsidentitäten annehmen, zwangsläufig inkohärente Konfigurationen erzeugen, die durch die Valenz überschneidender und widersprüchlicher Diskurse Widerstand hervorrufen. Durch diese Koexistenz der Diskurse entsteht die Möglichkeit der Rekonfiguration und Neu-Einsetzung: zum Beispiel durch Parodie, Travestie oder andere experimentelle Praktiken.

Vor der Linken bzw. vor obskurantistischen Linken kann man heutzutage nur noch angewidert ausspucken! Geistig korruptes debiles stinkendes Nazi-Dreckspack! Ekelhaft wie Julius Streicher und dumm wie Brot.

Um den Obskurantismus abzurunden Butler zu Freuds – Todestrieb:

Es paßt, daß die linken Obskurantisten ein symbiotisches Verhältnis zu den heutigen Nationalsozialisten haben, d.h. den „Islamisten“. Der Islam ist Nationalsozialismus. Da wäre Rassismus und das Führerprinzip. Zum ersteren hat, wie oben verlinkt, Hartmut Krauss gesagt: „Der Reinrassigkeit als totalitärem Druckmittel im faschistischen Terrorstaat entspricht die Rechtgläubigkeit als totalitärem Druckmittel im gottesherrschaftlichen Terrorstaat.“

Der Journalist Gideon Böss erzählte im Netz eine Begebenheit aus dem Berliner Wedding:

Ich wartete auf den Bus und las dabei einen Artikel über die Satanischen Verse von Salman Rushdie, da setzt sich ein Mann neben mich und fragt nach der Uhrzeit. Sein Blick fällt auf den Artikel. „Allah wird ihn bestrafen!“, bemerkt er, nicht aggressiv, eher wie eine Feststellung. (…) Ich überlege, ob ich eine Diskussion über Meinungs-, und Kunstfreiheit führen will und entscheide mich dagegen. „Ich glaube eigentlich, daß Allah Rushdie ziemlich mag, immerhin läßt er ihn mit Models schlafen, während die iranischen Mullahs Frauen gewaltsam dazu zwingen müssen, mit ihnen das Bett zu teilen. Es ist doch eindeutig, auf wessen Seite Allah da steht.“ Der Tunesier lacht und verabschiedet sich wieder.

Was an dieser Geschichte bemerkenswert ist? Der Nordafrikaner bzw. „Araber“ wäre schier ausgerastet, vielleicht sogar handgreiflich geworden, wäre nicht von Allah, sondern von Mohammed die Rede gewesen! Im Islam steht Mohammed über Gott.

Martin Bormann hat auf die Frage seines Sohnes, was denn nun eigentlich „Nationalsozialismus“ sei, lapidar geantwortet: „Der Wille des Führers!“ Nichts anderes ist der Islam: der Wille Mohammeds, wie er im Koran, in den überlieferten Aussprüchen und Handlungen und in der Biographie des „Propheten“ niedergelegt ist.

Nur ein eurozentrisch beschränkter Mensch kann glauben, der Islam sei einfach eine „Religion“ wie jede andere auch. Der spirituelle Gehalt des Islam ist gleich Null. Das einzige, was ihn zu einem Faszinosum macht, ist seine politische Dimension.

Leider fehlt heute das, was nur ein lebendiger Führer geben kann: der unmittelbare Befehl, an dem es nichts zu deuteln gibt und der aus der Gemeinschaft eine schlagkräftige Armee macht. Das strebt die Kalifats-Bewegung an: eine Umma, ein Weltreich, ein Führer. Ihr Motto ist: „Der Islam wird die Welt beherrschen!“

Imgrunde ist bereits heute alles so wie zu Reichs Lebzeiten! Die Nazis (Hamas und die Hisbollah) bedrohen Israel mit Raketen, die nur eine Funktion haben: so viele Zivilisten wie nur irgend möglich zu verstümmeln und zu töten und auf diese Weise Angst und Schrecken zu verbreiten. Die Hisbollah droht mit „Wunderwaffen“. Es gibt gewisserweise sogar den Hitler-Stalin-Pakt: heute unter dem gemeinsamen Dach „Antizionismus“.

Hier ein weiterer Blick in den Wahnsinn:

  1. Strategischer Essentialismus und Klassen-Hurenkampf (Class Whorefare): Evangelische Christen als Analogie
  2. Die „Ander-ungen“ („Other-ings“) des Zionismus und der Apartheid: Reflektionen über schwules und jüdisches Aufwachsen im Südafrika der Apartheid
  3. Das Pinkwashing meiner Diaspora: LGBTQ-Geburtsrechts-Trips und der Homonationalismus der zurückblickt
  4. Vom Heteronormativen zum Homonationalen: Die gegenderte Verrassung (Racialization) des „Jüdischseins“ im Zionismus
  5. Homonationalismus/Ethnizität: über die Selbstproduktion der Zionisten als eine liberale und kritische Gesellschaft durch die Erschaffung des Araber-Juden (Mizrahi) als des Anderen

Deutschland und die Emotionelle Pest (22)

30. November 2025

Apropos Emotionelle Pest gegen Deutschland: Im Februar 1945 war es ziemlich irrelevant, ob Dresden Militärausrüstung produzierte, etwa Periskop-Optik. 90 Prozent der militärischen Stärke Deutschlands war zusammengebrochen, alliierte Truppen hatten bereits die Hälfte des Territoriums erobert, die Fabriken waren zerstört, die meisten Regionen hatten weder Strom noch Wasser, der Himmel über Deutschland war dunkel von alliierten Bombern und Jägern, die, kaum erschien ein LKW auf einer Landstraße, ihn sofort zerschossen. Ob es also noch Rüstungsindustrie in Dresden gab, hatte wenig oder gar keine Folgen für die Verbündeten, ohnehin war Deutschland schon seit Wochen nicht in der Lage, in irgendeiner Weise in die Offensive zu gehen.

Jede halbwegs professionelle Armee der Welt hätte in der Lage sein sollen, das Geschehen souverän zu kontrollieren und einen Gesamtsieg innerhalb von Wochen zu besiegeln, ohne ganze Städte einzuebnen, ohne Massenmord (!) und ohne Zerstörung des Kulturerbes der Menschheit. Ich bin mir ziemlich sicher, daß die Bombardierung von Dresden nur einen psychologischen und symbolischen Grund hatte. Erstens als ein Mittel der sadistischen Rache gegen Deutschland und zweitens (wie Hiroshima und Nagasaki) als ein Mittel, den Russen zu zeigen, wie mächtig und skrupellos der Westen vorgehen kann, wenn er nur will.

Dresden, Hiroshima und Nagasaki haben gezeigt, daß unter den Alliierten die Emotionelle Pest ähnlich an der Arbeit sein konnte wie in Deutschland. Angesichts ihrer absoluten Überlegenheit an Manpower, Material, Waffen und Technologie hatten die Alliierten elegantere (und „weichere“) Möglichkeiten den Krieg zu beenden, statt die schlimmsten Werkzeuge, die sie zur Verfügung hatten, zur Anwendung zu bringen.

Für die westliche Welt (und in allen politisch korrekten Geschichtsschulbüchern) steht „Coventry“ für die verachtenswerte, brutale, kriminelle und bösartige Kriegsführung der Nazis. Der deutsche Luftangriff auf Coventry in der Nacht vom 14. November 1940 kostete aber gerade mal 568 Todesopfer, und Coventry war in der Tat die Rüstungsmetropole Britanniens. Amerikas Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki (zu einem Zeitpunkt, als der Krieg sowieso längst entschieden war) führte zu 260mal so vielen Toten, d.h. 130 000 sofortigen Opfern, sowie mehreren Hunderttausend Fällen von verzögertem Tod wegen der langanhaltenden Folgen der radioaktiven Verseuchung.

Das Hauptproblem der USA, das letztendlich den Einsatz der Atombomben auf Japan erzwang, war ein eklatanter Mangel an Professionalität in der Ausbildung der US-Eliteeinheiten. Ein Muster, das immer wieder in Amerikas Kriegführung zum Ausdruck kam, war die feige Tendenz zum „Overkill“. Es wurde stets weit mehr Personal, Waffen und Hardware als nötig verwendet, um ein bestimmtes militärisches Ziel zu erreichen. Clint Eastwood hat das in seinen beiden Filmen Flags of Our Fathers und Letters from Iwo Jima über die Landung der Amerikaner auf Iwo Jima herausgearbeitet: den Kontrast zwischen der amerikanischen Overkill-Mentalität und der japanischen Opferbereitschaft.

Apropos Overkill: Wie bereits in Teil 21 gezeigt, hat Polen, das damals chauvinistischste Land in Europa, sämtliche Angebote Hitlers brüsk zurückgewiesen, weil es fest mit dem unmittelbar bevorstehenden Kriegseintritt Frankreichs und Großbritanniens rechnete. Als die Wehrmacht Richtung Warschau marschierte, wurde offensichtlich, wie schwach die polnische Armee war und beispielsweise polnische Kosaken gegen deutsche Panter anritten. Einige Stunden, bevor die erste Bombe auf Warschau fiel, unterrichtete die Luftwaffe die eingekreiste Stadt davon, daß bereitstünde, die gesamte Stadt in Schutt und Asche zu legen. Man möge doch bitte kapitulieren, und kein einziges Gebäude werde zerstört. Die polnische Antwort lautete, daß die Invasion Deutschlands durch die Westmächte unmittelbar bevorstünde und die glorreiche polnische Flak sowieso jedes deutsche Flugzeug vom Himmel holen würde. Es geht nicht darum, den pestilenten Charakter Hitler zu rechtfertigen, der daraufhin ein „rücksichtsloses Vorgehen“ anordnete, sondern es soll nur darauf hingewiesen werden, wie sehr auch bloßes neurotisches Verhalten, schlichtweg kindische Unvernunft, Unheil anrichtete.

Ein dritter Faktor war schlicht und ergreifend die Maschinerie, in die die Menschen eingebunden waren und die sie kaum beherrschen konnten. Man nehme Rotterdam am 14. Mai 1940: Bis eine Stunde vor dem Angriff verweigerte die Stadt, aus ähnlichen Gründen wie zuvor Warschau, jede Kapitulation. Dann, als der deutsche Angriff bereits ins Laufen gekommen war, änderten die Holländer plötzlich doch noch ihre Meinung und erklärten Rotterdam zur „offenen Stadt“. Die Luftwaffe versuchte ihre Flugzeuge sofort zurückzurufen, aber wegen technischer Probleme und weil es ohnehin schon zu spät war, kam es zu Bombardierungen. Im Anschluß entschuldigten sich die Deutschen für die Tragödie und gaben ihr Bedauern zum Ausdruck für das, was geschehen war. Doch nach Rotterdam waren alle Dämme gebrochen: Der neue britische Premierminister, Winston Churchill, hob einen Tag später, am 15. Mai die Sperre gegen zivile Ziele in Deutschland auf. Noch in derselben Nacht griff ein Verband von 99 Bombern Öl- und Eisenbahnziele im Ruhrgebiet an. Die strategische Bomberoffensive gegen Deutschland hatte damit ernsthaft begonnen.

Es bleibt natürlich die Ursünde Guernica: Die einen sagen, man wollte einfach die baskische Zivilbevölkerung terrorisieren und deren Widerstandswillen brechen. Andere glauben, es wäre ein Versehen gewesen. Eine wichtige Brücke über den Fluß Orca sollte zerstört werden, und wegen der schlechten Sichtverhältnisse seien die Bomben auf die Stadt gefallen. Und schließlich verweisen wieder andere, daß es bei der Legion Condor vor allem um die Erprobung der damaligen Waffentechnik ging. Wie auch immer, die gleiche Rücksichtlosigkeit und – Sinnlosigkeit wie in Dresden.

Beim Schreiben dieser Blogserie mußte ich immer wieder an den Beamten der Reichsbahn denken, der mir seine Kriegerlebnisse erzählt hat. Wegen seiner unersetzbaren Stellung war er vom Kriegsdienst freigestellt worden und im besetzten Polen tätig. Er sah die Bahnwaggons mit Juden, die weiter Richtung Osten fuhren. „Ich wußte, wohin sie gebracht wurden, aber ich hatte keine Ahnung, was dort mit ihnen geschah.“ Er war ein kleines, aber unverzichtbares Rädchen in der Maschinerie des Holocaust. Er war es, der buchstäblich die Weichen nach Auschwitz stellte.

Er funktionierte einfach solange, bis ihn die Rote Armee überrannt hatte und er sich in einem polnischen Internierungslager wiederfand, in dem die Zustände „unbeschreiblich“ gewesen seien. Eine der Folter- und Mordmethoden war es, die deutschen Gefangenen fast verhungern zu lassen und ihnen dann verschimmelte Brotlaibe vor die Füße zu werfen. Die, die sich nicht zurückhalten konnten und die Laibe aus dem von menschlichen Exkrementen übersätem Morast aufklaubten und gierig verschlangen, sind ihrer letzten menschlichen Würde beraubt samt und sonders elendig verreckt. „Recht so, diese Nazischweine!“ Wer so denkt, vergißt, daß die SS-Wachmänner in den KZs durch Goebbels‘ und Himmlers Greuelpropaganda genauso emotional gepolt waren wie die Wachmänner im polnischen Internierungslager.

Wir konstatieren, daß im zweiten Dreißigjährigen Krieg drei Elemente zusammengespielt haben:

  1. Die Emotionelle Pest, d.h. die eigene bioenergetische Erregung wird bewältigt, indem man die bioenergetische Erregung bei anderen ausschaltet, diese anderen sogar tötet. Der pestilente Charakter rechtfertig dieses Morden vor sich selbst und anderen mit den fadenscheinigsten Begründungen.
  2. Die Massenneurose, die u.a. dazu führt, daß diese Begründungen allen Ernstes akzeptiert werden. Sie bewirkt, daß die Massen alles erdulden und sich sogar danach sehnen unterdrückt („befreit“) zu werden, weil ihnen das Sicherheit schenkt, – sie vor der eigenen Erregung schützt.
  3. Die Maschinenzivilisation, die dafür sorgt, daß die Menschen sich in „Zwängen“ wiederfinden, denen sie hoffnungslos ausgeliefert sind. Letztendlich gründet sich die „Kriegsmaschinerie“ mit ihrem „unerbittlichen Eigenleben“, den technischen, wirtschaftlichen, politischen, geostrategischen, militärstrategischen, etc. Zwängen, einzig und allein darin, daß der Mensch selbst maschinell entartet ist, d.h. „strukturellen Zwängen“ unterliegt: er ist gepanzert.

Deutschland und die Emotionelle Pest (21)

18. November 2025

Schließlich muß auch etwas erörtert werden, was immer unter den Tisch fällt: Deutschland als Opfer der Emotionellen Pest. Ich will jetzt nicht mit den gezielten Bombardierungen von deutschen Zivilisten oder den von langer Hand geplanten antideutschen „ethnischen Säuberungen“ in den ehemaligen deutschen Ostgebieten anfangen oder gar von den Plänen für die Nachkriegszeit, die an einen Genozid grenzten. (Uns hat nur gerettet, daß man uns als Schutzschild gegen die Russen brauchte!) Hier möchte ich nur folgendes zu diesem Themenkomplex sagen: Es ist teilweise ungeheuerlich, was man sich von vermeintlichen „Antifaschisten“ in dieser Hinsicht anhören muß. Die betroffenen Deutschen hätten das verdient! Sie hätten den Preis für ihre Hitler-Verehrung bezahlt! Aus solchen Aussagen spricht die gleiche menschenverachtende Mentalität, die einen Goebbels geprägt hat.

Oder doch, die Bombardierung Deutschlands: die war gleich in doppelter Hinsicht eine bodenlose Bosheit, denn sie war sozusagen der Ersatz für die „zweite Front“, um die die Russen die Westalliierten seit Hitlers überraschendem Überfall geradezu angefleht hatten. Hunderttausende russischer Bauernjungen krepierten im deutschen Kugel- und Artilleriehagel, während die Westmächte die Russen bis Mitte 1944 hinhielten, d.h. erst nachdem der russische Vormarsch auf Europa ihre eigenen Interessen zu gefährden begann. Das werden die Russen (ob Kommunisten oder Antikommunisten ist hier egal) dem Westen niemals verzeihen! Außerdem wurde die zweite Front erst aufgebaut, als der Holocaust schon so gut wie erledigt war. Es war kein Krieg gegen Nazi-Deutschland und schon gar keiner zur Befreiung der Juden, sondern es ging einzig und allein um die nationalen Interessen der Alliierten.

Der Dreißigjährige Krieg von 1914 bis 1945 war vor allem ein imperialistischer Krieg auf allen Seiten, die beteiligt waren. England und Frankreich wollten diesen Krieg, um ihre wirtschaftlichen Imperien zu erhalten und weiterzuentwickeln – genauso wie sie heute den Krieg in der Ukraine wollen. Dazu mußte eine ernsthafte wirtschaftliche Konkurrenz auf den Weltmärkten verschwinden, während die Underdogs Deutschland und Österreich um ihren „Platz an der Sonne“ kämpften.

Selbst die USA realisierten, wie rücksichtslos und imperialistisch die britische Position stets gewesen war. Roosevelt zwang die Engländer, die ökonomische Ausbeutung der Kolonien einzuschränken. Der Historiker Robert Trout hat dazu gesagt:

Die Briten waren nur dann für den Freihandel, wenn es zu ihrem Vorteil gereichte. Das britische Empire beruhte auf monopolistischen Handelsregeln, die Großbritannien bereicherten und die Kolonien verarmen ließen. Der Handel zwischen den britischen Kolonien und anderen Ländern wurde stark eingeschränkt.

Vor und nach den beiden Weltkriegen war Deutschland seit jeher die bei weitem friedvollste Nation unter allen zivilisierten Ländern. Sogar an den Kreuzzügen hatte sich Deutschland kaum beteiligt! Das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ war Opfer von Napoleons militantem Imperialismus. In den 850 Jahren, die dem vorangegangen waren, war Deutschland weder bereit noch überhaupt fähig zu großartigen Kriegseinsätzen, während die imperialistischen Militärmächte England, Frankreich, Spanien, Portugal, Belgien, Holland, den USA und so weiter die ganze Welt eroberten, Millionen von Einheimischen versklavten und töteten und ihre Bodenreichtümer plünderten.

Seit der Frühen Neuzeit war das Reich strukturell nicht mehr zu offensiver Kriegsführung, Machterweiterung und Expansion fähig. Seither wurden Rechtsschutz und Friedenswahrung als seine wesentlichen Zwecke angesehen. Das Reich sollte für Ruhe, Stabilität und die friedliche Lösung von Konflikten sorgen, indem es die Dynamik der Macht eindämmte. Da seit 1648 auch benachbarte Staaten als Reichsstände in seine Verfassungsordnung integriert waren, erfüllte das Reich zudem eine friedenssichernde Funktion im System der europäischen Mächte.

So war Deutschland die eine und einzige friedenstiftende Nation, während alle anderen zivilisierten Länder innerhalb dieser 850 Jahre äußerst kriegerisch waren. Man denke nur an den Westfälischen Frieden, der ausgehandelt wurde, nachdem andere Nationen 30 Jahre lang ihre Konflikte auf deutschem Boden ausgefochten hatten. Diese schreckliche Zeit hat bis heute die Mentalität der Deutschen geprägt.

Während des Zweiten Reichs (nachdem Deutschland, als Revanche für die Niederlage gegen Napoleon, Frankreich – nach dessen Kriegserklärung – geschlagen und wieder zu einer einheitlichen Nation wurde, wenn auch ohne Österreich) war Deutschland weniger kriegerisch als die anderen europäischen Länder. Während die anderen Nationen noch immer die ganze Erde ausbeuteten, konzentrierte sich Deutschland auf sich selbst. Mit Ausnahme der kleinen deutschen Kolonien (Togo, Kamerun, Namibia) hatte Deutschland den höchsten Standard an Bürgerrechten in der ganzen Welt. Ein komplettes Sozialversicherungssystem für Minderbemittelte und die Arbeiterklasse wurde von Bismarck in den 1880er und 90er Jahren eingeführt, zu einer Zeit, als beispielsweise die britische Arbeiterklasse von der sehr wohlhabenden Oberklasse extrem ausgebeutet wurde. Die in Teil 11 beschriebenen Zustände hatten in Deutschland nie in diesem Umfang geherrscht. In Deutschland hat es keine grotesken Figuren wie Churchill gegeben, der nie in seinem Leben ein Geschäft betreten hat, der nie ein Portemonnaie besaß und der die einfachen Menschen um sich herum nur als Gegenstände wahrnahm.

Man betrachte die Liste der Kriege und Schlachten im 19. Jahrhundert und im 20 Jahrhundert. Läßt man kleinere Grenzscharmützel beiseite, schält sich heraus, daß Deutschlands Streitkräfte kaum an kriegerischen Auseinandersetzungen beteiligt waren. Während Großbritannien, Frankreich, Belgien, Spanien, Holland, Portugal und so weiter jede Menge grausamer imperialistischer Kriege ausfochten, war Deutschland der große Friedensstifter, fast eine pazifistische Nation innerhalb einer extrem imperialistischen Welt.

Aus wirtschaftlichen Gründen (die Briten wollten ihre antiquierte wirtschaftliche Vormachtstellung und ihren zusammengeraubten Wohlstand behalten) war es immer britische Politik gewesen, die mächtigste Nation auf dem Kontinent zu bekämpfen und damit ihren gefährlichsten wirtschaftlichen Konkurrenten in Europa loszuwerden („Balance of Power“). Für dieses Ziel hatte Großbritannien in der Vergangenheit Kriege gegen Spanien und Frankreich geführt. Aber 1913 (zu einem Zeitpunkt, wo Deutschland 50 Prozent aller Nobelpreise gewonnen hatte und ein riesiges Potential an technischen Erfindungen und wirtschaftlicher Macht vorwies) wurde klar, daß Großbritannien einen Vorwand brauchte, um Deutschland in einen verheerenden Krieg ziehen und so zerstören zu können.

Daß es dann schließlich gegen Hitler kämpfte, ändert an dieser Grundmotivation zunächst einmal gar nichts, zumal es selbst immer wieder deutlich machte, daß es auch im Zweiten Weltkrieg gegen Deutschland in den Krieg zog. Aufschlußreich ist die Times vom Ende 1918, wo zu lesen ist: „Wenn Deutschland in den nächsten 50 Jahren wieder beginnt Handel zu treiben, ist dieser Krieg umsonst geführt worden.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Vorgehensweise diffiziler. Die deutschen Eliten wurden dazu gebracht,

Deutschlands Platz unter den westlichen Nationen dadurch zu sichern, daß die BRD das Geschichtsbild der Siegermächte in toto übernimmt und sich dadurch sozusagen moralisch unter die Sieger einreiht – freilich um den Preis einer Politikauffassung, wonach Politik in der Vertretung bestimmter Werte und Ideologien besteht, so daß die Vertretung „westlicher Werte“ im Zweifel Vorrang vor der Verfolgung eigener nationaler Interessen gewinnt.

Großbritannien (wie auch Frankreich) war auf Deutschlands Potential neidisch, denn Deutschland beherrschte den Weltmarkt nicht nur bei Stahl, Kohle und Elektrogeräten, sondern auch in Medizin, Wissenschaft, Musik, Philosophie, Technik, Chemie, Logistik, Bürgerrechten und der Sozialversicherung für Arbeitnehmer. Deutschland war das erste Land mit Schulpflicht, die durchschnittliche Bildung war die höchste in der Welt. Dies ist dafür verantwortlich, daß wir auch heute die breiteste Mittelschicht unter allen westlichen Ländern haben, während der Anteil der sehr reichen und sehr armen Bürger in England, Frankreich und den USA viel höher ist als in Deutschland.

Das war vor allem extrem bedrohlich für die Briten: Deutschland war historisch der Erfinder der „sozialen Marktwirtschaft“ (die sich bereits zu Bismarcks Zeiten abzeichnete), d.h. der Kombination von Freihandel und modernen Geschäftspraktiken plus vorbildlichen Sozialleistungen. Die damalige Angst der Engländer vor Deutschland kann man sich heute vergegenwärtigen, wenn man sieht, wie die amerikanische Gesellschaft, aber insbesondere die amerikanische Geschäftswelt, auf Investitionen großer deutscher Unternehmen in den USA reagiert: „Die machen uns ja den ganzen Standard kaputt!“ Deutschland war die Quadratur des Kreises gelungen, d.h. es war weitaus erfolgreicher als sowohl der sprichwörtliche „Manchesterkapitalismus“ als auch der Sozialismus, und zwar auf beiden Gebieten: der Industrieproduktion und der sozialen Sicherheit. Auch das deutsche Rechtssystem war seit Friedrichs Zeiten weitaus besser als das seiner späteren Konkurrenten. Noch heute kann ein Deutscher angesichts des teilweise abenteuerlichen amerikanischen Rechtssystems nur seinen Kopf schütteln. Der „Fall Reich“ wäre im Nachkriegsdeutschland nur schwer vorstellbar gewesen.

Deutschland stand in jeder Hinsicht für Arbeitsdemokratie, seine Gegner für die Emotionelle Pest… Ich verweise aber ausdrücklich auf Teil 3 dieser Blogserie!

Deutschland und die Emotionelle Pest (19)

12. November 2025

Die „Kriegsschuldfrage“ im Ersten Weltkrieg ist eine leidige Angelegenheit. Sie reduziert sich aber im Grunde auf folgende Aussage:

Das Mächtesystem Europas ertrug den deutschen Nationalstaat gerade so lange, wie er bereit war, sich strikte Beschränkungen aufzuerlegen. Die ausgleichende Außenpolitik von Reichskanzler Otto von Bismarck war von seinen Nachfolgern jedoch nicht fortgesetzt worden; die europäischen Mächte empfanden das neue, weltpolitisch auftrumpfende Deutsche Reich als bedrohlichen Störenfried. Zudem versechsfachte Deutschland zwischen 1871 und 1914 seine industrielle Produktion und überflügelte damit Großbritannien.

In beiden Weltkriegen mußte sich Deutschland auf sich selbst verlassen, da es keine starken Brudernationen hatte, die es unterstützen konnten, stattdessen waren unsere Verbündeten immer so schwach, daß wir ihnen beim Überleben helfen mußten. Wegen der vertraglichen Bindung an die Donaumonarchie hatte Deutschland den Österreichern (genauer gesagt: der österreichisch-ungarischen k.u.k. Monarchie), die zu dieser Zeit bereits ziemlich geschwächt waren, nach dem Attentat von Sarajewo politische und militärische Unterstützung zu gewähren. Und im Zweiten Weltkrieg war Japan nie ein enger Freund Deutschlands. Es gab nur in einigen Situationen eine informelle Zusammenarbeit, die aber weitgehend folgenlos blieb.

Aber Hitler war von Pearl Harbor derartig enthusiasmiert, daß er, um seine Solidarität mit Japan auszudrücken, sofort an Amerika eine Kriegserklärung richtete, im festen Glauben Amerika sei im Pazifik genug beschäftigt und die U-Boot-Waffe würde schon Schlimmeres verhindern. Kein Bündnisvertrag hatte Hitler zu diesem wahnwitzigen Schritt gezwungen , den er quasi im Alleingang entschieden hat, ohne mit irgendeinem Gremium oder „Senat“ Rücksprache zu halten, und für den er von Japan auch kaum eine Gegenleistung erhielt. Man vergegenwärtige sich, wie unglaublich groß die USA und ihr wirtschaftliches sowie Rüstungspotential waren – und daß vielleicht maximal 5 deutsche U-Boote zum New Yorker Hafen hätten vordringen können, eine wirksame Bombardierung oder gar Besetzung der USA in einem Zweifrontenkrieg jedoch völlig außerhalb der deutschen Möglichkeiten lag. Sicherlich spekulierte er auch darauf, daß Japan im Gegenzug Rußland den Krieg erklären würde, doch statt zu „spekulieren“, hätte Hitler gegenüber Japan vielleicht genau das zur Bedingung seiner Kriegserklärung an die USA machen sollen. In diesem Fall wäre die UdSSR innerhalb eines halben Jahres zusammengebrochen. Schließlich wollte er sicherlich auch die letzte Brücke hinter sich niederbrennen, um den Deutschen jede verbliebene Hoffnung auf eine nichtmilitärische Beendigung des Konflikts zu nehmen. In diesem Sinne war es auch eine Kriegserklärung an das eigene Volk: „Fanatismus oder Untergang“. Er wollte in Deutschland eine Mentalität wie in Japan. Und tatsächlich: hätte die Wehrmacht auch nur den mittlerweile vollkommen sinnlosen Krieg wenige Wochen weiter ausgefochten, wäre die erste Atombombe auf Berlin gefallen!

Italien war der katastrophalste Freund, den Deutschland finden konnte. Nicht nur verlor Italien wirklich ausnahmslos jede einzelne Schlacht im gesamten Krieg, sondern wechselte schließlich auch noch die Seiten. Mussolinis Operetten-Abenteuer (z.B. indem er Griechenland angriff) verzögerten den Angriff auf Rußland um sechs entscheidende Wochen und kosteten damit Deutschland den zumindest möglichen Sieg mit der Eroberung Moskaus vor dem Winter. Mussolini zwang Hitler in eine militärische Überexpansion in Afrika, Griechenland und Bulgarien hinein, die sich als zu viel für ein so kleines Land wie Deutschland erwies. Ohne diesen wahnsinnigen Amateur hätte kein deutscher Soldat jemals seinen Fuß auf afrikanischen Boden gesetzt – stattdessen hätte Rommel Moskau erobert. Einige Tage vor seinem Tod erklärte Hitler nicht ganz zu Unrecht sinngemäß: „Wir hätten leicht den Krieg gewinnen können, wenn Italien unser Feind, nicht unser Verbündeter gewesen wäre!“ Und warum das ganze? Weil Hitler sich Mussolini gegenüber, den er bereits 1923 als Vorbild genommen hatte, persönlich verpflichtet fühlte!

Nie wurde der ganze Wahnsinn der Politik, das ganze erbärmliche Affentheater, mehr ad absurdum geführt als durch Hitler. Das gleiche gilt für jeden „materialistischen“ Versuch, die Geschichte zu erklären. – Aber zurück zu eben diesen materialistischen Grundlagen des Zweiten Weltkrieges, denn das ist schließlich der Rahmen, in dem sich das besagte Affentheater abspielte:

Im Gegensatz zu fast allen seinen Kriegsgegnern war Deutschland überbevölkert, hatte nur einen kleinen und leicht blockierbaren Zugang zu den Ozeanen, war, was Rohstoffe und selbst die Nahrungsversorgung anbetrifft, zur Selbstversorgung nicht in der Lage, hatte nach dem Versailler Vertrag keine einzige Kolonie mehr, und direkt an unserer Grenze standen die Armeen von Österreich, Schweiz, Frankreich, Belgien, Niederlande, Dänemark, Polen und der Tschechoslowakei. Ein solches Land ist leicht angreifbar und erpreßbar im Gegensatz etwa zu Frankreich, England und Amerika.

Daher war in beiden Weltkriegen Deutschland stets knapp in der Zeit. Es wird immer so getan, als wären Wilhelm II. und Hitler in der Offensive gewesen: oberflächlich betrachtet waren sie das natürlich, aber bei genauerer Betrachtung der globalen Machtverhältnisse waren sie in einer (jedenfalls aus ihrer subjektiven Perspektive heraus) verzweifelten Defensive und mußten so schnell wie irgend möglich zum Befreiungsschlag ausholen, um nicht schließlich hoffnungslos marginalisiert zu werden. Frankreich, England und Amerika hatten alle Zeit der Welt, Deutschland nicht. Wenn Deutschland einen Krieg führen würde, mußte es jetzt und ein „Blitzkrieg“ sein, weil Deutschlands Lage nicht mehr hergab.

Für Deutschlands Gegner war die Situation umgekehrt – weil sie wußten, daß mit jedem Jahr, das verstrich, die Überlegenheit der Alliierten größer und ihre gemeinsame Bewaffnung immer überwältigender werden würde. Ein kleines Land wie Deutschland ist in der Regel nach 4 bis 5 Jahren der Kriegsführung komplett ausgeblutet, was die Anzahl der verfügbaren Soldaten und Ressourcen betrifft. Während England, Frankreich und die USA aufgrund ihrer überseeischen Besitzungen und zahllosen alliierten Staaten auf der ganzen Welt bei Bedarf 20 Jahre hätte weiterkämpfen können. (Sie taten es dann auch im 40jährigen Kalten Krieg!)

Deshalb taten im Zweiten Weltkrieg an der Westfront Frankreich und England anfangs rein nichts. Sie warteten nur, weil sie wußten, daß die Zeit für sie arbeitete. Erst recht sah es so bei Stalin aus, der im krassen Gegensatz zu Hitler so viel Zeit schinden mußte wie nur irgend möglich.

Hitler wußte jedoch, daß, was immer er auch tun wollte, es sehr bald geschehen müsse. Deshalb marschierte er in das abwartende Frankreich ein und überfiel nur ein Jahr später das ebenfalls abwartende Rußland. Dabei hatte er keinen „großen Plan“, ja, noch nicht mal klar definierte Kriegsziele, sondern wurde zum großen „Vabanquespieler“, der jeweils spontan reagierte und improvisierte. Und genau das macht selbst für den Zweiten Weltkrieg die „Kriegsschuldfrage“ nicht so eindeutig, wie es uns die Historiker, die stets ihren volkspädagogischen Auftrag im Hinterkopf haben, weißmachen wollen.

Im Spätsommer 1939 richtete Hitler an Polen eine Friedensofferte nach der anderen, in der Hoffnung, das Danzig-Problem am Verhandlungstisch zu lösen. In seinem Buch Der Krieg der viele Väter hatte dokumentiert der Bundeswehr-Generalmajor im Ruhestand Gerd Schultze-Rhonhof, daß die Polen von den Briten und Franzosen dazu angehalten wurden, sämtliche Friedens- und Verhandlungsangebote Deutschlands zurückzuweisen. Tragischerweise waren die Polen voller Optimismus, jeden denkbaren Krieg gegen Deutschland leicht zu gewinnen, weil England und Frankreich ihnen unverantwortlicherweise versprachen, daß sie sofort in Deutschland einmarschieren würden, sobald Deutschland es wagen würde, Polen anzugreifen. Deutschland wäre sofort in einen hoffnungslosen Zweifrontenkrieg verwickelt gewesen, den es schnell verloren hätte, da Deutschlands Bewaffnung ziemlich schwach war. Nachdem Polen alle Annäherungsversuche arrogant und brüsk von sich gewiesen hatte, sah Hitler keine andere Möglichkeit, als Polen so schnell wie möglich anzugreifen. Es ist wohldokumentiert, daß Hitler vollkommen überrascht war, als daraufhin Frankreich und England ihm den Krieg erklärten, da er davon überzeugt war, daß beide das denkbar unbedeutende Polen opfern würden – was sie dann ja auch taten.

Hitler improvisierte, und die seiner Ideologie zutiefst widersprechende taktische Antwort auf die Bedrohung aus dem Westen war der Hitler/Stalin-Pakt, der Polen zwischen Deutschland und der UdSSR weitgehend nach den historischen Grenzen vor Versailles aufteilte. Über das Vorgehen Hitlers regt man sich zu Recht auf, aber über das unverantwortliche, feige und zutiefst verachtenswerte Verhalten von Frankreich und England wird großzügig hinweggegangen. Es schnürt einem die Kehle zu, wenn man an die unfaßbar heroischen polnischen Soldaten etwa am Monte Cassino denkt, die in englischer Uniform voller Todesverachtung für ein befreites Polen kämpften, zu einer Zeit, als die Engländer Polen schon wieder hinters Licht geführt, verraten und verkauft hatten – diesmal an Stalin. Polen wurde in diesem Krieg von den Westmächten genauso verraten und verkauft wie die Juden!

Hitler griff Frankreich nicht an, um es zu erobern, sondern weil er unter Zeitdruck stand und sich die Gelegenheit bot. Er wollte damit England imponieren und die englischen Expeditionstruppen vom Kontinent vertreiben. Der daran anschließende Luftkrieg gegen England war nur eine große Show, um ein friedliches „Gentlemen´s Agreement” zwischen Brudernationen zu erreichen und endlich freie Hand für sein eigentliches Ziel zu haben. Er wollte die Sowjetunion, die Deutschland im Ersten Weltkrieg geschaffen hatte, um Ruhe an der Ostfront zu haben, durch deutsche Hand wieder den garausmachen. Dazu mußte er Stalins durchsichtigen Plan durchkreuzen, daß sich Deutschland und die Westmächte in einem aufreibenden Kampf gegenseitig schwächen würden, so daß Stalin bequem in das dann restlos ausgeblutete Westeuropa hineinmarschieren hätte können. In diesem Zusammenhang ist die Kriegsschuldfrage auch an die Sowjetunion zu richten!

Warum sollte ich mich für Philosophie interessieren?

11. November 2025

Gemeinhin liest man einen Philosophen, etwa Nietzsche, um daraus irgendwelche Lebensweisheiten zu schöpfen. Man schaut etwa, was Nietzsche über Künstler geschrieben hat, und wägt das dann mit den eigenen Erfahrungen mit Künstlern im eigenen Leben ab. Gemeinhin merkt man schnell, daß das nirgendwo hinführt und die eigene Positionierung in der Welt in keinster Weise erleichtert, sondern eher zu mehr Verwirrung führt. Fruchtbarer hingegen ist es die betreffende Stelle von Nietzsches Biographie her zu lesen, also beispielsweise als Kommentar über Wagner. In diesem Kontext wird alles plastischer und man findet alle möglichen Parallelen in der eigenen Wirklichkeit, denkt an den passionierten Wagnerianer Hitler oder die Verwirklichung des „Gesamtkunstwerks“ in Hollywood. Ein ansonsten läppischer Aphorismus aus der so ganz anderen Welt eines verkrachten Altphilologieprofessors vom Ende des 19. Jahrhunderts öffnet dergestalt den kritischen Zugang zu einer ganz neuen Sichtweise.

Oder man nehme läppisch wirkende Aussagen über Polypen in Teichen oder die Auswirkungen von Drogen auf das Gehirn. Der oberflächliche Leser zuckt nur mit den Schultern, während sich der vorgebildete Leser unvermittelt in einem aufregenden Gedankenstrudel wiederfindet, weil Nietzsche hier Teil der Aufklärung ist, die seit DesCartes das Lebendige und das Bewußtsein im Rahmen der Naturgesetze verstehen wollte. Nietzsche und mit ihm der Leser sind dann nicht mehr irgendwelche Spintisierer, sondern werden Teil einer sich durch die Geschichte ziehenden quasi autonomen „Bewußtwerdung“ der vegetativen Strömung, die dem Geschichtsprozeß zugrunde liegt, seit die Menschen vor Urzeiten das Sprechen und das Denken lernten.

Die Philosophiegeschichte ist dann nicht mehr eine langweilige, abseitige und im Grunde überflüssige Beschäftigung von Philosophiestudenten, die sich auf eine Existenz als Taxifahrer vorbereiten, sondern rückt in das Zentrum unserer Existenz als Mensch, wenn diese mehr sein soll als sinnleeres Fressen, Fernsehen und Ficken!

Warum Nietzsche oder irgendeinen anderen Denker lesen? Aus dem gleichen Grunde warum man sich für Ökonomie interessieren sollte: um sich im „ideellen“ (und materiellen) Fluß des Geschichtsprozesses zu positionieren. Entweder wird man Teil des nach vorne strebenden Lebensimpulses oder man geht zugrunde. Es ist wie der einzelne Soldat im Gefecht: entweder weiß er, wo genau der Feind und der Freund steht, wo er Deckung findet und wie er den jeweiligen Feind vernichten kann oder er bleibt als Kanonenfutter auf der Strecke; oder der, der sich noch immer auf die Stabilität der Fiatwährungen verläßt, während am Horizont sich bereits die wirtschaftliche Apokalypse abzeichnet.

Hinzu kommt der Trost, Teil von etwas zu sein, das umfassend ist, weit zurückweist und Zukunft hat. Ich könnte jetzt schreiben, daß sich im Menschen das Orgon seiner selbst bewußt wird und ich im Kern das Orgon bin, das sich in dem entfaltet, was wir als „Geschichtsprozeß“ bezeichnen… Das Problem dabei wäre, daß alles zu sehr an Hegel („Weltprozeß“), Heidegger („Seinsgeschichte“) und Konsorten (weitere neoplatonistische Vorstellungen) erinnerte, d.h. an mystisch verzerrte und pervers entstellte Ahnungen dessen, was ich hier zum Ausdruck bringen will – und es grundlegend verfehlt. Diese Systeme sind nämlich direkter Ausdruck von Kontaktlosigkeit und Augenpanzerung, während es hier um das diametrale Gegenteil geht. Es geht um das dreidimensionale Sehen, d.h. die umfassende Positionierung in Raum und Zeit. Es geht schlichtweg ums LEBEN, um Tiefe und Weite, um den Nietzscheschen Pathos im besten Sinne, sozusagen um… …den Pathos der Eigentlichkeit!

Man lese Werke wie F.A. Langes Geschichte des Materialismus, Reichs Äther, Gott und Teufel und Menschen im Staat, um einen Zugang zu dem hier angedeuteten zu finden.

Deutschland und die Emotionelle Pest (17)

31. Oktober 2025

Seit den 1930er Jahren beruht die angeblich „antifaschistische“ Propaganda auf Lügenmärchen. Die Emotionelle Pest läßt sich aber nicht mit Lügen, sondern ausschließlich mit der Wahrheit bekämpfen. Lügen sind eine Funktion der mittleren (sekundären) Schicht der menschlichen Charakterstruktur, genauso wie die Emotionelle Pest selbst. Entsprechend verstärkt man mit Lügen die Pest, statt sie zu schwächen. Die Pest kann nur aus dem bioenergetischen Kern (dem Bereich der Wahrheit) heraus effektiv bekämpft werden.

Die ersten Hitler-Biographien waren nichts anderes als reine Phantasie-Produkte, voller hanebüchenem Unsinn, der bis heute tradiert worden ist. Man nehme etwa die Geschichte mit Hitlers Nichte Geli Raubal, die Hitler angeblich für unaussprechlich perverse Spielchen mißbraucht habe. Diese kranken Phantasien fallen auf ihre Urheber zurück! Siehe dazu das Buch Anna M. Sigmund: Des Führers bester Freund, 2003.

Ähnliches läßt sich über Hitlers angebliche Welteroberungspläne sagen. Ich verweise nur auf das Buch von Pat Buchanan: Churchill, Hitler und der unnötige Krieg, 2008.

Alles in allem war der Modju Hitler ein erschreckend normaler Mann und die menschenzermalmende Politik des Deutsche Reichs war (ausgenommen von der pestilenten „Judenpolitik“) ebenfalls erschreckend normal, halt angemaßte „Großmachtpolitik“.

Hat man das erst einmal durchschaut und sich von dem peinlichen Herrn Knopp („Hitlers Fußpfleger“) befreit, geht einem auf, was für Verbrecher die Herrn dieser Welt seit jeher sind und wie verbrecherisch die „Weltpolitik“ doch ist.

Man hat Hitler und das „Großdeutsche Reich“ derartig karikaturhaft überzeichnet, daß gar nicht auffiel, wie universell die pestilente Sauerei ist. Hitler und der Nationalsozialismus werden von den angeblichen „Antifaschisten“ zynisch dazu verwendet, den universellen Faschismus aufrecht erhalten zu können. Niemand kann so abgrundtief böse und pervers wie Hitler und das „Dritte Reich“ sein, – folglich ist niemand und nichts böse. Und jeder, der auf diese perfide Gedankenfigur, der es der Pest erlaubt sich frei zu entfalten, hinweist, steht da als „Neonazi“.

Deutschland und die Emotionelle Pest (16)

23. Oktober 2025

Hitler ist so eine interessante Figur, weil er wie kein anderer die autoritäre Gesellschaft ad absurdum geführt hat. Sie beruht darauf, daß die Autorität tatsächlich Autorität besitzt, d.h. weiß, was sie tut bzw. anordnet. Hitler hat nie gewußt, was er eigentlich tat. Wäre es nach ihm gegangen, hätte die Wehrmacht tatsächlich noch mal den verstaubten Schliefen-Plan nachgespielt und hätte sich in Frankreich entsprechend eine blutige Nase geholt. (Die Weltgeschichte hing von einem Saufgelage in Münster und einem Fehlflug nach Belgien ab! Slapstick!) Die fast schon kindliche Ignoranz ging soweit, daß Hitler, wie in Teil 14 erwähnt, beim Rußland-Feldzug seinen Soldaten allen Ernstes (ja wirklich, mit vollem Ernst!) die Jugendromane von Karl May anempfohlen hatte. Karl May hätte beschrieben, wie man gegen Indianer (Russen!) zu kämpfen habe, etwa indem man jede Deckung ausnutzt, die sich einem bietet.

Die Generäle der professionellsten Armee, die die Welt je gesehen hat, haben diesen ganzen Unsinn fraglos mitgemacht, weil in der autoritären Gesellschaft das berühmte „kritische Denken“ ausgeschaltet wird. Wie selbstverständlich nimmt man an, daß „die da oben“ (in diesem Fall „die politische Führung“) wissen, was sie tun. Das geht soweit, daß das eigene Gewissen, das doch an sich die letzte Instanz sein sollte, vollkommen bedeutungslos wird. Nur so war der Holocaust überhaupt möglich. Ich wage sogar zu behaupten, daß die wenigsten der Beteiligten überhaupt überzeugte Antisemiten waren, – was das ganze noch erschreckender und nochmal ungeheuerlicher macht. „Der Führer weiß schon, was richtig ist!“

Man kann sagen, daß nach Hitler eine autoritäre Gesellschaft vollkommen undenkbar geworden ist. Doch leider befindet sich die Menschheit in der Falle, weshalb die „antifaschistische“ anti-autoritäre Gesellschaft keine Alternative darstellt. Tatsächlich ist „Karl May“ heute aktueller denn je. Karl May war jemand, der über Dinge schrieb, von denen er nicht den blassesten Schimmer hatte. Gewisserweise war er ein Pionier der „Demokratie“: irgendeine Meinung ist genauso angebracht wie jede andere Meinung unabhängig von jeder Autorität, sei diese nun faktenbasiert oder nicht. Das krasseste Beispiel ist die „Genderforschung“ und der Feminismus: Biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern? Anthropologen können soviel Tatsachenmaterial beibringen, wie sie wollen, dann wird halt von den FeministInnen die Wissenschaft an sich infrage gestellt. Was zählt, ist die Meinung der feministischen GenderforscherInnen und sonst nichts!

Daß auf diese Weise in allen Bereichen der Gesellschaft der gleiche Wahnsinn Einzug hält, der bereits das nationalsozialistische Regime geprägt hat, scheint niemanden weiter aufzufallen.

Wie oft stand ich bei Gesprächen mit offenem Mund da, restlos baff ob der Antwort: „Da bin ich aber anderer Meinung!“ Kein Mensch kümmert sich mehr um die Tatsachen, etwa um die physikalischen Gesetze im Zusammenhang mit der verpeilten „Energiewende“, oder überhaupt um irgendetwas, was „autoritär“ gesagt wird. Autorität (egal ob berechtigte Autorität oder angemaßte Autorität) wird ganz „antifaschistisch“ aus Prinzip abgelehnt. Ich habe den Eindruck, daß man mit Jugendlichen heutzutage überhaupt nicht mehr diskutieren kann. Lauter kleine „Karl Mays“ bzw. „Hitlers“ – das Resultat der „antifaschistischen“ Erziehung.

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 15)

17. Oktober 2025

Wie Reich 1933 in Massenpsychologie des Faschismus dargelegt hat, war der Nationalsozialismus immer gezielt das, was ihn für die angesprochene Gruppe attraktiv machte. Für das gesicherte Bürgertum repräsentierte er die alte Ordnung („Potsdam“), während er für das vom sozialen Abstieg gefährdete Kleinbürgertum und teilweise sogar für das Proletariat eine „national-sozialistische“ Volksgemeinschaft vertrat, die Sicherheit, Schutz und die Möglichkeit zum sozialen Aufstieg bot. Für die durch und durch heterogenen Parteigänger des Nationalsozialismus selbst war der Nationalsozialismus vor allem eins: Antisemitismus. Das war der Kitt, der das ansonsten an allen Ecken und Enden auseinanderfließende Gebilde „Nationalsozialismus“ zusammenhielt und ihm seine unverwechselbare Identität gab.

Der nationalsozialistische Antisemitismus war dadurch gekennzeichnet, daß er einen zutiefst religiösen Aspekt hatte. Die Juden repräsentierten eine Art „Gegengott“, den Teufel. „Der Jude“ selbst ist dieser (Gegen-) „Gott“: er ist allgegenwärtig und allmächtig. Sekundär wurde der „Jude“ dann zum „Dämon der bolschewistischen Zersetzung“ und gleichzeitig zum „Finanzkapitalisten“, der die Verantwortung für alle Mißstände trüge.

Der Schritt zum Holocaust war dergestalt fast zwangsläufig. Fast, denn ohne Krieg mußte er, aus Sicht eines gläubigen Nationalsozialisten, eine chiliastische Utopie bleiben. Der Krieg bot Hitler die Möglichkeit alle Juden aus seinem Herrschaftsbereich in Konzentrationslager im Osten zu verbringen. Mit einer verqueren, aber nachvollziehbaren psychotischen „Logik“ wollte er potentielle Agenten und Saboteure unschädlich machen. Dieser Wahnsinn hatte Methode, denn rein formal ist in Amerika das gleiche passiert: Roosevelt ließ zumindest an der Westküste ein Gutteil der Japaner mit amerikanischer Staatsbürgerschaft internieren, um so potentielle Agenten und Saboteure unschädlich zu machen. Wären sie nicht auch alle ermordet worden, hätte Roosevelt dazu die Order gegeben? Das wäre nicht der erste Völkermord-Befehl eines US-Präsidenten gewesen! (Ich spreche natürlich von den Indianerkriegen mit ihren „Todesmärschen“.) Siehe auch die rassistische Mentalität, die Truman dazu brachte, zwei japanische Städte auszuradieren als wären es Rattennester!

Ich schreibe das, um deutlich zu machen, daß die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht einfach mit Verweis auf Hitlers Charakter und eine angebliche „Massenpsychose“ erklärt werden können, sondern sich alles in rationalen Begriffen verstehen läßt. Reich hat dazu ein Jahrzehnt vor dem Holocaust geschrieben:

Die nationalsozialistischen Versammlungsreden zeichneten sich (…) durch sehr geschickte Maßnahmen aus, mit den Gefühlen der Massenindividuen zu operieren und sachliche Argumentation tunlichst zu vermeiden. (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 53)

Es ist (…) irreführend, wenn man den Hitlerschen Erfolg allein aus der Demagogie der Nationalsozialisten, mit der „Vernebelung der Massen“, ihrer „Irreführung“ oder gar mit dem vagen, nichtssagenden Begriff der „Nazipsychose“ zu erklären versuchte, wie die Kommunisten und später andere Politiker es taten. Kommt es doch gerade darauf an zu begreifen, weshalb sich die Massen der Irreführung, Vernebelung und psychotischen Situation zugänglich erwiesen. Ohne die genaue Kenntnis dessen, was in den Massen vorgeht, kann man das Problem nicht lösen. Die Angabe der reaktionären Rolle der Hitler-Bewegung genügt nicht. Denn der Massenerfolg der NSDAP widersprach dieser ihrer reaktionären Rolle. Millionenmassen bejahten ihre eigene Unterdrückung, ein Widerspruch, der nur massenpsychologisch, und nicht politisch oder ökonomisch, zu lösen ist. (ebd., S. 53)

Leider gibt es gerade unter Reichianern die Tendenz, die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus unnötig zu emotionalisieren. Das schimpft sich dann „Antifaschismus“, wobei die ständig wütenden und moralisch aufgebrachten sogenannten „Antifaschisten“ überhaupt kein Gefühl dafür haben, wie sehr sie doch in ihrer ganzen Herangehensweise, die keine Grautöne kennt, den Nationalsozialisten ähneln: Fanatismus, der jede Diskussion ausschließt, nachdem Schlüsselbegriffe gefallen sind! Und wenn der Nationalsozialismus auch noch zur Inkarnation des Bösen schlechthin stilisiert wird, dann wird es wirklich unheimlich. Gar wenn das ganze eindeutig paranoide Züge annimmt und praktisch überall „Nazis“ vermutet werden. „Antifaschisten“ ahnen nicht mal, daß sich ihre „Weltanschauung“ formal in nichts von der der Nationalsozialisten unterscheidet.

Vollends gruselig wird es, wenn der „Antifaschismus“ mit althergebrachten „humanistischen Werten“ kommt, die gegen diesen allgegenwärtigen und offenbar allmächtigen subversiven Feind zu verteidigen sind. Die Abrundung bringt schließlich der Antikapitalismus, dessen Grundthese lautet, daß der Kapitalismus zwangsläufig in den Faschismus münden müsse, der uns auch unserer letzten Rechte und unseres letzten Halts beraube.

Dazu paßt, daß „Antifaschisten“ fanatische „Hitleristen“ sind: der Zweite Weltkrieg, der Holocaust, alles sei vorher bis ins Detail von Hitler geplant und von ihm mikrogemanagt worden. Es dreht sich alles um Intentionen, nicht um Strukturen, auf die die Linke doch sonst immer insistiert („strukturelle Gewalt“, etc.). Das ist Ausdruck eines tiefsitzenden Mystizismus, der, wie stets, mit einem extremen Mechanismus verbandelt ist („Hitler an den Schalthebeln einer gigantischen Maschinerie“). Daß die Nationalsozialisten die Welt bzw. ihre Feinde („der Jude“) exakt genauso betrachtet haben, scheint niemanden weiter zu kümmern. Desgleichen nicht, daß die „Antifaschisten“ genau wie die Nationalsozialisten mit Fälschungen arbeiten. Weist man sie darauf hin, steht man unvermittelt als „Nazi“ da, der Hitler verteidigt. Es ist ein geschlossenes, brutal (moralische Entrüstung und blanker Haß) verteidigtes Wahnsystem, das nicht mal vor Mordaufrufen zurückschreckt.

Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: selbstverständlich hätte es ohne Hitler keinen Holocaust gegeben, aber der Holocaust war vor allem eins, eine sich ausbreitende pestilente Reaktion (Emotionelle Pest).

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 14)

14. Oktober 2025

Wie im 13. Teil ausgeführt, war Hitler nicht nur „Hitler“, sondern auch Reichskanzler und hat sich „im Rahmen der Schweinerei“, wie Reich sich ausgedrückt hätte, entsprechend „rational“ verhalten, genauso wie sich Stalin „rational“ verhielt, als er die Grenzen des zaristischen Rußlands wiederherstellte. Beiden kam ihre jeweilige Charakterstruktur mit ihren jeweiligen kommunistischen bzw. rassistischen Vorurteilen in die Quere.

Als Reichskanzler schaute Hitler voller Neid auf England, das, selbst wenn er es erobert hätte (was er im übrigen niemals ernsthaft vorhatte), den Krieg von den Commonwealth-Gebieten, insbesondere Kanada, aus bequem hätte fortsetzen können. Er wollte aber Großbritannien, das er als „arische Brudernation“ betrachtete, ohnehin nie zerstören, desgleichen nicht Englands ehemalige Kolonie Amerika, dessen Rassengesetzgebung und „Rassenwissenschaft“ einen Gutteil der nationalsozialistischen Ideologie und Praxis geprägt hatte. Es ist auch kein Zufall, daß während des Ostfeldzugs Hitler seinen Generälen Karl May-Bücher über den „Rassenkampf“ im Wilden Westen empfahl, sozusagen als Lektüre für seine „Rassenkämpfer“ im „Wilden Osten“.

Das ganze erklärt auch die überraschende Tatsache, daß er keinen Versuch unternommen hat, die Hunderttausende von britischen Elitesoldaten bei Dünkirchen 1940 zu vernichten, sondern er sie entkommen ließ. Neuere Aktenfunde sollen belegen, daß sich Hitler mit diesem denkbar überraschenden Befehl einfach gegenüber seinen Generälen, die bis dahin den Krieg (extrem erfolgreich!) geführt hatten, durchsetzen wollte, um nicht wie Wilhelm II. in die Ecke gedrängt zu werden. Aber ist das eine Erklärung? Hitler selbst gab später an, dies sei ein Akt der Freundschaft und des Fair Play gewesen, eine Geste dafür, daß er einen dauerhaften Frieden mit England anstrebte. Historiker sind sich einig, daß England besiegt gewesen wäre, wenn Hitler (aus welchem Motiv auch immer) sich nicht eingemischt hätte. (Überhaupt, wenn er sich nie in die Kriegsführung eingemischt hätte!)

In die gleiche Richtung geht Rudolf Hess‘ Flug nach Schottland 1941, um dort, vermeintlich im impliziten Sinne Hitlers, irgendwie Friedensverhandlungen mit der britischen Regierung in die Wege zu leiten. Diese Aktionen entsprachen Hitlers irrationaler Charakterstruktur und dem Wahnsinn seiner von ihm ausgewählten Umgebung, nicht seiner („im Rahmen der Schweinerei“) rationalen Persona als Reichskanzler.

Hitler wollte nicht die Fehler des Ersten Weltkriegs wiederholen und entsprechend ernsthaft nur im Osten eine Expansion, die ja schließlich im Ersten Weltkrieg im vollen Umfang geglückt war, aber auch das war nur bis zu einem gewissen Grad realistisch. Wenn Deutschland den Krieg gegen Rußland gewonnen hätte, wäre es, aufgrund unserer geringen Zahl von Bürgern und Soldaten, unmöglich gewesen, diese extrem großen Gebiete und langen Grenzen für mehr als nur ein paar Jahre zu kontrollieren, zumal Hitler – aufgrund seiner extrem narzißtischen und starren Psyche – einen sehr großen Fehler machte, der sich später als entscheidend für die Niederlage gegen die UdSSR erweisen sollte.

Der Fehler war, daß (im Gegensatz zu den Briten in Indien) die Wehrmacht auf ihrem Weg Richtung Moskau die ethnischen Minderheiten der Sowjetunion unterwerfen sollte, statt ihnen die Hand zur Freundschaft zu reichen und sie zu einem gemeinsamen militärischem Vorgehen gegen die UdSSR zu nutzen. Man darf dabei, wie erwähnt, nicht vergessen, daß im Ersten Weltkrieg die Reichswehr bereits schon einmal weite Teile des damaligen Zarenreichs besetzt hatte und die Bevölkerung, insbesondere aber die jüdische Bevölkerung, dabei weitgehend gute Erfahrungen mit den Deutschen gemacht hatte.

Als Soldaten der Wehrmacht ihre Füße auf ukrainischen Boden setzten, wurden sie in jedem Dorf von der ländlichen Bevölkerung enthusiastisch begrüßt, weil die Bewohner so überglücklich waren, endlich vom Bolschewismus befreit zu sein. Arm, wie sie waren, überhäuften sie die deutschen Soldaten mit Geschenken, und die ukrainischen Mädchen wollten deutsche Soldaten heiraten. Unter den ethnischen Minderheiten im westlichen Teil der UdSSR wollten Hunderttausende junger Männer freiwillig in der Wehrmacht oder der Waffen-SS dienen, um gegen die verhaßten Kommunisten in den Kampf ziehen zu können. Aber Hitler war so verblendet, daß er die Hilfe dieser Völker ablehnte und sie wie Dreck („Untermenschen“) behandelte. Nicht vor Ende 1944 erlaubte Hitler der „Wlassow-Armee“ zu kämpfen, einer großen Gruppe von russischen Offizieren, die Stalin derartig haßten, daß sie immer noch (Ende 1944!) Hitlers Krieg gegen Moskau unterstützen wollten.

Es ist einfach zu sagen, daß die Deutschen „böse“ waren. Tatsächlich waren sie Opfer der extremen okularen Panzerung ihrer Führungselite, die buchstäblich nicht sehen konnten, daß Deutschland als die Mittelmacht eine ganz andere Funktion im Weltgefüge einnahm als sozusagen „randständige“ Nationen wie Frankreich und insbesondere England; daß England aus diesem Grund nie und nimmer der „Freund“ Deutschlands sein konnte. Das durch den Kolonialismus nur oberflächlich gestärkte, im Mark aber zutiefst geschwächte England konnte und durfte Deutschland in keinster Weise als Vorbild dienen. Gut, Hitler hätte lernen können, wie man mit einer verhältnismäßig kleinen Heimatbevölkerung und einer eher kleinen Armee wie England ein Viertel der Welt beherrscht, aber dazu war er wegen seiner verqueren „biologischen“ Hirngespinste nicht in der Lage. Während Großbritannien intelligente Freundschaften mit den lokalen Eliten in Indien einging und es den Briten so gelang, einen ganzen Kontinent zu regieren, obwohl dort nur ein paar tausend britische Soldaten stationiert waren, bewegte sich Hitler in Rußland wie ein blinder Elefant.

Hess hatte den Nationalsozialismus als „praktische Biologie“ definiert. In dieser Art von verquerer „Biologie“ waren die Engländer die „natürlichen Freunde“ und die Ukrainer die „natürlichen Feinde“. Kaum je war eine Führungselite wirklichkeitsfremder und bioenergetisch kontaktloser als die deutsche. In dieser „Biologie“ gab es nur den „Kampf um Lebensraum“ statt friedlichem Handel. Tatsächlich war es die „Biologie“ der verhärteten Körper von Leuten wie Hitler und Hess. Mit Wilhelm II., der partout in Konkurrenz zur Seemacht England treten wollte, sah es auch nicht viel besser aus.

Abermillionen mußten sterben, eine der großen Nationen der Weltgeschichte zugrundegehen – aus Gründen, die ein (orgonomisch geschulter) Psychiater besser beurteilen kann als ein Historiker…