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Nachtrag zu „Die sozio-politische Charakterologie Elsworth F. Bakers am Beispiel der Bundestagsparteien“

5. Dezember 2012

Man meint, den Streit Liberalismus gegen Konservativismus dadurch umgehen zu können, indem man („Schluß mit der Politik!“) einfach die Lebensfeindlichkeit schlechthin bekämpft oder positiver ausgedrückt: für das Leben einsteht, egal ob es nun von rechts oder von links bedroht wird. Aber ist nicht a priori „politisch sein“ identisch mit „links sein“? Die Linken sagen doch selber immer, daß eine apolitische Haltung zu reaktionären Ansichten führt. Politik bestimmt unser Leben wie kaum etwas, wir sollen aber nicht versuchen sie zu begreifen?

Um effektiv für das Leben und gegen das Antileben eintreten zu können, muß man:

  1. die pestilenten Mechanismen in ihren Einzelheiten erkennen; und
  2. sich im konkreten Leben, jenseits nebelhafter Grundsätzlichkeit, so neurotisch wie es nun mal ist, für eine Seite in einer bestimmten Situation entscheiden. Genauso wie sich Reich immer entschieden hat.

Mit grundsätzlichen (einfachen) Überlegungen kommt man im Leben halt nicht immer weiter.

Menschen denken gemeinhin nach dem mechano-mystischen Ausschließlichkeitsprinzip, anstatt funktionell („dialektisch“) zu denken. Für sie scheint es so zu sein, daß sich:

  1. der Liberale als „guter Mensch“ und der Faschismus einander ausschließen. In Wirklichkeit können sie aber sehr wohl funktionell identisch sein. Etwas, was Leute nicht verstehen, die immer beklagen, Reich hätte wahllos jeden Linken als Roten Faschisten bezeichnet.
  2. der rigide konservative und der weiche genitale Charakter einander ausschließen. In Wirklichkeit können auch sie funktionell identisch sein, z.B. dann, wenn sie im Gegensatz zum Liberalen die Freiheit und nicht den „Frieden“ an die erste Stelle setzen.

In Die Massenpsychologie des Faschismus hat Reich drei Charakterschichten postuliert und sowohl mit soziologischem Verhalten als auch mit Gesellschaftssystemen in Zusammenhang gebracht:

  1. die oberflächlichste, die Fassade: das Reich der liberalen Gesinnung; soziales System: die liberale Gesellschaftsordnung;
  2. die perverse mittlere Schicht: faschistische Gesinnung; Gesellschaftssystem: Faschismus; und
  3. die tiefste, primäre Schicht: Genitalität; Arbeitsdemokratie.

Diese Einteilung ist die Grundlage für die Beurteilung der Politik in der Orgonomie.

Zur „Fassade“ ist zu sagen, daß es hier zwei Arten des Liberalismus gibt, die das Gesetz der gleichzeitigen Gegensätzlichkeit und Identität (mit der zweiten Schicht) aufzeigen:

  1. Der Gegensatz: der genuine Liberale, der seinen rationalen Platz in einer gesunden Gesellschaft hat, um den Konservativen in Schach zu halten, versucht ehrlich seine mittlere Schicht durch intellektuelle Abwehr unter Kontrolle zu halten. Leider Gottes ist diese Abwehr aber äußerst labil und schlägt leicht in ihr Gegenteil um. Damit haben wir:
  2. Die Identität: die Abwehr wird zum Diener der mittleren Schicht. In „Modju at Work in Journalism“ schreibt Reich dazu:

    Das Motiv fair und rational zu erscheinen, ist nicht etwa fair und rational zu sein, sondern nur den Anschein des Fairen und Rationalen zu wahren, um auf besonders gerissene Weise zu verbergen, daß man unfair und zerstörerisch irrational ist. (Orgone Energy Bulletin, Vol. 5, March 1953)

Deshalb haut also die Orgonomie immer so „einseitig“ auf die Linke ein:

  1. weil der Liberalismus doch nur der Zuckerguß über einer stinkenden Eiterbeule ist;
  2. weil er sehr schnell nach unten in die mittlere Schicht abgleiten kann; und
  3. weil dies der Liberalismus auf eine unglaublich teuflische Weise tut: all die „Gutheit“ wird benutzt, um so effektiver böse sein zu können – man schaue sich nur die „Friedensoffensiven“ der Sowjetunion an!

Das erklärt, warum die Orgonomie gegen die Linke ist (jedenfalls tendenziell). Warum tendiert sie dann mehr zur Rechten?

In der obigen Reichschen Einteilung in die drei Charakterschichten fällt natürlich auf, daß dort kein Platz für das Reich des Konservativen ist. Aus persönlicher Erfahrung heraus werden die meisten den Konservativen wie folgt beschreiben:

  1. rigid und sexuell verklemmt;
  2. mystisch veranlagt (Primärprozeßdenken: Mutter = Nation, Vater = Staat); und
  3. autoritär.

Der erste Punkt weist darauf hin, daß eine muskuläre, anstatt einer intellektuellen Abwehr vorliegt. Der zweite Punkt auf einen verzerrten Kontakt mit dem Kern, der sich nicht nur in Religiosität zeigt, sondern auch in der Verbindung mit dem Ahnenerbe. Ist es nicht naheliegend den konservativen Charakter aus diesen Gründen zwischen die mittlere Schicht und den Kern einzuordnen? Und kommt er damit nicht der Genitalität am nächsten?

soziopol

Seine Rigidität und sein Konservatismus schützt den Konservativen „nach oben“ in die mittlere Schicht abzugleiten und zum Nazi zu werden.

In der Welt, wie sie nun mal ist, müssen wir, wenn wir den Genitalen Charakter suchen, wohl vorerst mit dem Konservativen vorlieb nehmen. Das ist auch der Grund dafür, daß man faktisch die Arbeitsdemokratie mit dem Kapitalismus gleichsetzen kann. Eine entsprechende Frage von mir hat Charles Konia wie folgt beantwortet:

Der Kapitalismus ist eine Kernfunktion im ökonomischen Bereich. Die Arbeitsdemokratie ist eine Kernfunktion im tieferen, umfassenderen bio-sozialen Bereich.

Kommen wir nun, immer noch unter dem strukturellen Gesichtspunkt „tiefer-höher“, zu einer mehr therapeutischen Sichtweise:

Dazu wollen wir den liberalen Charakter mit dem Schizophrenen vergleichen, wobei aber nicht vergessen werden darf, daß es genauso viele liberale wie konservative Schizophrene gibt:

  1. beide können oberflächlich manchmal ziemlich gesund wirken, da sie nicht so rigid gepanzert sind wie der Zwangs- bzw. der konservative Charakter;
  2. beide sind unglaublich kontaktlos;
  3. deshalb können sie weit destruktiver sein als ihre neurotischen Pendants; und
  4. beide müssen zuerst neurotisch bzw. konservativ werden, bevor sie die Genitalität erreichen können.

Leider ist es dabei so, daß der so freie Schizophrene erst zum beschränkten Spießer werden muß (wie Reich es in Charakteranalyse beschreibt), während der Liberale zuerst seine angeblich fortschrittliche Haltung aufgeben muß, was ihn sicherlich auch nicht sympathischer werden läßt.

Der „aufklärerische“ und der konservative Blick auf die Welt

31. Januar 2012

Wieder eine Studie, die, auch nach Einschätzung der Forscher selbst, auf etwas deutet, was Reichs Schüler Elsworth F. Baker bereits 1967 behauptet hat: politische Haltungen sind in erster Linie biologisch fundiert und haben so gut wie nichts mit – Politik zu tun. Oder hätte schon einmal jemand erlebt, daß politische Debatten irgendetwas an den Grundauffassungen der Teilnehmer der vermeintlichen „Diskussion“ (tatsächlich abwechselnde Monologe) geändert hätten? Politik spiegelt die soziopolitische Charakterstruktur wider, wie sie von Baker ausgearbeitet wurde. Siehe dazu sein Buch Der Mensch in der Falle.

Die besagte Studie stammt von Mike Dodd, University of Nebraska, et al. Die Forscher untersuchten die physiologischen Reaktionen und Augenbewegungen von Versuchspersonen, denen abwechselnd schöne und schreckliche Bilder gezeigt wurden. Während „liberals“ länger auf die schönen Bilder blickten und bei diesen stärkere Reaktionen zeigten, waren es bei den „conservatives“ die schrecklichen Bilder.

Die Forscher schließen daraus, daß Linke und Konservative die Welt buchstäblich mit unterschiedlichen Augen betrachten. Dergestalt ist es allzu offensichtlich, warum Linke, angesichts von Fragen der „nationalen Sicherheit“ oder etwa der Einwanderungsproblematik, die ängstlichen Sorgen der Konservativen einfach nicht nachvollziehen können. Und warum andererseits Konservative angesichts der „rosaroten Brille“, die Linke ständig zu tragen scheinen, einfach nur fassungslos sind.

Es sind die grundlegend unterschiedlichen biologischen Strukturen dieser beiden Bevölkerungsgruppen am Werk, bzw. in orgonomischer Begrifflichkeit: es sind unterschiedliche Charakterstrukturen!

Hier zwei Beispiele für den Unterschied zwischen dem linken („aufklärerischen“) und dem konservativen Blick auf die Welt:

Es ist ein Phänomen jeder Armee, ich habe es selbst bei privaten Videoabenden bei der Bundeswehr erlebt: Soldaten sind geradezu krankhaft fasziniert von Kriegsfilmen – die fast durchweg als Anti-Kriegsfilme konzipiert waren, tatsächlich aber das „kriegsbegeisterte“ Selbstbild von Soldaten stärken und die noch nicht infizierten ins militaristische Fahrwasser ziehen. Ein „Antikriegsfilm“ ist ein Widerspruch in sich selbst. Der linke Regisseur vermeint mit Peng und Bumm und Hektolitern von Blut die Zuschauer wachrütteln zu können, doch tatsächlich werden diese nur um so blutgeiler. (Kurioserweise kenne ich nur einen Kriegsfilm, der einen wirklich die Lust am Kriegsspiel austreibt – und der ist das genaue Gegenteil eines Antikriegsfilms: Mel Gibsons konservativer Vietnamfilm Wir waren Helden von 2002.)

Die aufklärerischen Träume der Liberalen und Linken sind nur Schäume, die immer zum Gegenteil dessen führen, was sie ursprünglich intendieren. Auf dem DGPPN-Kongreß 2011 in Berlin haben dazu Antonie Arnoldussen und Jörg Wolstein ein schönes Beispiel vorgestellt: „Der paradoxe Effekt eines Theaterstücks zur Prävention riskanten Alkoholkonsums bei Kindern und Jugendlichen in einer Längsschnittuntersuchung“.

In Bamberg hatten zwei Laienschauspieler ein Alkoholpräventionsprojekt an Hauptschulen initiiert: ein 30minütiges Theaterstück plus eine anschließende 60minütige Diskussion über die Hintergründe und Gefahren des Alkoholkonsums. Die Jugendlichen reagierten positiv auf das Projekt und gaben an, die Aussage verstanden und etwas gelernt zu haben. Paradoxerweise stellte sich aber bei einer „Nachuntersuchung“ drei Monate später heraus, daß sie infolge des grandiosen Aufklärungsprojekts sich häufiger betranken als vorher. Und das sowohl in der Gruppe mit niedrigem als auch der mit hohem Risiko. Offensichtlich, so nehmen jedenfalls die beiden Autoren an, war das der hohen Attraktivität des Antihelden des Theaterstücks zu schulden. Eine positive Identifikationsfigur! (Info Neorplogie & Psychiatrie, Januar 2012).

Vielleicht erinnert sich noch der eine oder andere an die vom Stern und anderen Medien betriebene Aufklärungsarbeit hinsichtlich „der Kinder vom Bahnhof Zoo“, mit Kinofilm und allem drum und dran. Erfolg war, daß sich zahllose Jugendliche und Kinder „Christiane F.“ zum Vorbild nahmen und unter den Klängen von David Bowies „Heroes“ in die Drogenhölle und den Kinderstrich abdrifteten. Kaum eine ach so gutgemeinte Kampagne der linken Aufklärer war verheerender!

Wie berechtigt die fatalistische, quasi „biologistische“ Haltung der Konservativen ist, zeigt eine Studie von Michael Haselhuhn und Elaine Wong, University of Wisconsin: statistisch (!) sind Männer mit, im Verhältnis zur Höhe des Kopfes, breiten Gesichtern dazu prädestiniert unethisch zu handeln. Bereits zuvor hatten die Autoren gezeigt, daß solche Männer statistisch (!) dazu neigen, auf die kleinsten vermeintlichen Herabsetzungen aggressiv zu reagieren und das Vertrauen ihrer Mitmenschen auszunutzen. Oder mit anderen Worten: es sind geborene Kriminelle!

Damit haben die beiden Forscher die „aufklärerische“ Weisheit der letzten 100 Jahre vom Tisch gewischt! „Vielleicht sind einige Männer tatsächlich bis auf die Knochen böse.“

Der Konservative fühlt sich ob solcher wissenschaftlicher Erkenntnisse in seiner finsteren, leicht paranoiden Weltsicht bestätigt, der Linke – guckt weg und singt fröhlich und naturbekifft: „Lalalalala, Sonne, Mond und Sterne!“

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