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Pseudo-orgonomische Ökonomik

20. November 2017

Willkommen im Land der Negativzinsen und des „billigen Geldes“, in dem dir Kredite hinterhergeworfen werden. Eine Zeit des Diebstahls an unseren Rentenfonds und Sparguthaben und der kompletten wirtschaftspolitischen Verantwortungslosigkeit.

Seit vielen Jahren werden die Vorstellungen Silvio Gesells als quasi „orgonomische Wirtschaftstheorie“ verkauft. Gesell betrachtet das Geld als Ware wie jede andere auch und deshalb solle auch es mit der Zeit sozusagen „vergammeln“, damit man es nicht hortet. Das Geld soll fließen, so wie die Orgonenergie frei durch den Körper fließen soll. Das soll durch „Schwundgeld“ erreicht werden, d.h. statt „ungerechterweise“ Zinsgewinne zu generieren, soll das Geld mit einem Negativzins belastet werden. Also Zustände, wie wir sie gegenwärtig ohnehin haben. Wenn das Bargeld erst einmal abgeschafft sein wird, wird uns das „Horten“ ganz ausgetrieben werden, der Staat uns zu mehr Konsum zwingen und zwar auf eine noch perfidere Art und Weise als durch die bisherige Inflation. Hauptsache das Geld fließt und damit die „Energie“…

Gesells Lösungsvorschlag verschärft das gesellschaftliche Elend statt es zu mildern, da hier das Grundproblem nicht etwa gemindert, sondern weiter akzentuiert wird. Es bedarf großer Kontaktfähigkeit und einem großen Verantwortungsgefühl das stets knappe Geld auszugeben. Konsumiere ich? Investiere ich? Und wenn was bzw. worin? Es ist absolut fatal, bei dieser Kernentscheidung der Arbeitsdemokratie unter ständigem Zugzwang zu stehen. Wir kennen das alle, daß, wenn wir unter Zeitdruck stehen, wir schon automatisch in den Augen „weggehen“, kontaktlos werden und todsicher folgenschweren Mist bauen. „Augen zu und durch!“ Bioenergetische Funktionen brauchen jedoch Zeit, man muß entspannt und gelassen sein. Noch schlimmer ist es bei der Kreditaufnahme bzw. –gabe. Beispielsweise war es verbrecherisch von Griechenland derartige Kredite aufzunehmen und noch verbrecherischer von den Kreditgebern, diese Kredite zu gewähren. „Hauptsache der Rubel rollt!“ Ein drastischer Schuldenschnitt ist unausweichlich – und nur recht und billig. Zu solchen folgenschweren Wahnsinnstaten kann es nur kommen, wenn die Gesetze der Ökonomie im Namen „frei fließender Geldströme“ außer Kraft gesetzt werden.

nachrichtenbrief82

29. Oktober 2017

Der Kern des orgonomischen Funktionalismus, die Orgonometrie

27. Oktober 2017

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5

Teil 6

Teil 7

nachrichtenbrief66

7. September 2017

nachrichtenbrief64

3. September 2017

Zwei Arten von Debitismus (Teil 1)

19. März 2013

Wenn ich die orgonomische Wirtschaftstheorie, wie sie von Charles Konia und Robert A. Harman auf der Grundlage von Reichs Erkenntnissen dargelegt wurde, richtig verstanden habe, ist das gegenwärtige Wirtschaftssystem bruchlos aus dem Austausch zwischen den ersten Menschengruppen hervorgegangen. Ursprünglich setzte sich die Menschheit aus kleinen Clans zusammen, die sich mehr oder weniger feindlich gesonnen waren. Ganz ähnlich den Zuständen, die wir bei Schimpansenhorden beobachten. Die einzelnen Clans fanden erst durch komplizierte Heiratsregeln und durch quasi „Kreditgeschäfte“ dauerhaft zueinander und konnten einigermaßen friedliche Gesellschaften bilden. Bei den besagten „Kreditgeschäften“ ging es um Geschenke, die den Beschenkten implizit verpflichteten ein wertvolleres Gegengeschenk zu geben. Das war sozusagen der erste „Zinsstreß“, ging es doch um die Gefahr des Gesichtsverlusts und des sozialen Todes (der zwangsläufig den physischen Tod nach sich zog, denn auf sich allein gestellt, konnte niemand überleben).

Durch die Zusammenarbeit der Clans kam es zu wachsender Arbeitsteilung und die „Kreditgeschäfte“ betrafen schließlich auch Güter: Wildbret, Fisch, Töpferwaren, Früchte, etc. Beispielsweise läßt sich der „Handel“ mit Sperrspitzen über ganze Kontinente hinweg nachweisen. Das, was ursprünglich die Clans zusammengeführt und zusammengehalten hatte, organisierte nun die Arbeitsdemokratie: ein unüberschaubares Netz gegenseitiger Verpflichtungen. Schließlich kam durch das Marktgeschehen das Geld auf, um den Austausch zu vereinfachen und zu vereinheitlichen. Gestört wurde das System durch immer neue Einbrüche der Emotionellen Pest. Die Emotionelle Pest bewirkte, daß das freiwillige Geben eine immer geringere Rolle spielte und stattdessen das Nehmen ausuferte.

Der Ausgangspunkt von Harmans Argumentation sind die beiden folgenden Stellen aus Reichs Massenpsychologie des Faschismus:

Die Summe aller natürlichen Arbeitsbeziehungen nennen wir Arbeitsdemokratie, als die Form der natürlichen Organisation der Arbeit. Diese Arbeitsbeziehungen sind ihrem Wesen nach funktionell und nicht mechanisch. Sie können nicht willkürlich organisiert werden, sie ergeben sich spontan aus dem Arbeitsprozeß selbst. Die wechselseitige Abhängigkeit eines Tischlers von einem Schmied, eines Naturforschers vom Glasschleifer, eines Malers von der Produktion des Farbstoffes, eines Elektrikers von der Metallarbeit ist an sich durch die Verwobenheit der Arbeitsfunktionen gegeben. (Fischer TB, S. 312)

Dieses Gewebe wechselseitiger Abhängigkeiten und Verpflichtungen formiert sich spontan und kann nicht künstlich geschaffen bzw. durch Vorgaben, gar Befehle hergestellt werden. Wenn es doch versucht wird, geschieht allenfalls das gleiche wie bei den Primitiven, wenn man diese willkürlich organisieren will: sie gehen, wenn sie denn gezwungen werden, in den inneren Streik. An einem ähnlichen Zwang ist beispielsweise die „DDR“ zugrundgegangen: ihr tut so, als wenn ihr uns bezahlt und wir tun so, als wenn wir für euch arbeiten.

[W]enn weiter die Arbeitsfunktionen an sich und unabhängig vom Menschen rational sind, dann stehen vor uns zwei riesenhafte Betätigungsgebiete des menschlichen Lebens, einander todfeindlich, gegenüber: die lebensnotwendige Arbeit als rationale Lebensfunktion hier; die emotionelle Pest als irrationale Lebensfunktion dort. (ebd., S. 330)

Entsprechend ist heute Wirtschaftswissenschaft das Studium der Wechselwirkung zwischen der Arbeitsdemokratie und der Emotionellen Pest:

ArbeitsHeinhar

Die orgonomische Wirtschaftstheorie steht heute jedoch vor einer ähnlichen Situation wie Reich Mitte der 1920er Jahre. Damals war Reich angesichts von Freuds Totem und Tabu mit dem Problem konfrontiert, daß seine Orgasmustheorie anthropologisch unhaltbar zu sein schien, waren doch die Primitiven (also jene, die dem „orgastisch potenten Naturzustand“ vermeintlich am nächsten standen) „patriarchal, neurotisch und pervers“. Ihre Leben schien von Männerwillkür, neurotischem Aberglauben und beispielsweise von grausamen Genitalverstümmelungen beherrscht zu sein. Damals wurde der „edle Wilde“ Rousseaus vollständig dekonstruiert. Das Bild des Wilden verdüsterte sich derartig, daß selbst Freuds Todestriebtheorie glaubhaft wirkte.

Es muß für Reich wie eine Erlösung gewesen sein, als er auf die Arbeit von Bronislaw Malinowski über die Trobriander stieß, die seine Orgasmustheorie vollauf bestätigte. In den 1980er Jahren konnte James DeMeo dann die Stichhaltigkeit des Reichschen Ansatzes durch eine kulturvergleichende Studie nachweisen, die sämtliche ethnographisch untersuchten Völkerschaften umfaßte.

Wenn man sich nun daran macht, im Anschluß an die klassischen Wirtschaftstheorien seit Adam Smith eine orgonomische Wirtschaftstheorie zu formulieren, wonach der rationale Austausch zwischen den Menschen (die Arbeitsdemokratie) durch die Emotionelle Pest gestört wird, steht man vor einem ganz ähnlichen Problem, denn die Ethnologie zieht ebenfalls seit Anfang des letzten Jahrhunderts die Vorstellung eines rational handelnden (tauschenden) Wilden in Zweifel. Tauschhandlungen habe es nur im Rahmen der Sitte und Ritualen gegeben und es sei dabei um Dinge wie Ehre, Ehrgeiz, Angst vor Gesichtsverlust, etc. gegangen. Tausch galt also weniger dem materiellen Erhalt der Gemeinschaft, als vielmehr dem sozialen Ausgleich.

Erst mit der Zivilisation sei das Element der rationalen Wirtschaftsführung hinzugetreten, Kosten-Nutzen-Analyse, Bereicherung, Kapitalakkumulation, etc. Die klassische Ökonomie hätte dann mit viel Phantasie einen rationalen „Homo oeconomicus“ an den Anfang der Entwicklung gestellt. Diesem war es zwar ebenfalls um den sozialen Ausgleich zu tun („Geben und Nehmen zum gemeinsamen Vorteil“), doch ging dies vom rational kalkulierenden Subjekt aus. Quasi wurde der zeitgenössische Kaufmann zurück in den Urwald versetzt losgelöst von allen Stammesstrukturen.

Ende der 1920er Jahre postulierte Reich, sich auf Malinowski berufend, einen „Urkommunismus“ bei den Trobriandern, d.h. eine solidarische Gemeinschaft, in der, wenn man so sagen kann, die „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ verwirklicht war. Malinowski selbst sollte in seinem 1935 erschienenen Buch Korallengärten und ihre Magie (Bodenbestellung und bäuerliche Riten auf den Trobriand-Inseln), das m.W. Reich nie gelesen hat, dieser Interpretation entschieden entgegentreten. Auch lehnte Malinowski die gegenteilige Interpretation ab, daß es sich bei den Wilden um eine Art rücksichtslosen „Urkapitalisten“ handele. Beispielsweise ist ein aufwendiges hochseetüchtiges Kanu nicht einfach „Allgemeingut“, sondern es gehört einer Person, die jedoch in einem schier unentwirrbaren Gestrüpp von Verpflichtungen gegenüber jenen eingebunden ist, die ihr beim Bau des Kanus geholfen haben. In seiner orgonomischen Wirtschaftstheorie geht Robert Harman im Detail darauf ein. Die Trobriandrische Gesellschaft wird von einem Netz gegenseitiger Verpflichtungen organisiert, durch ein universelles Geben und Nehmen.

Am Ende seines Buches über die Ökonomie der Trobriander schrieb Malinowski etwas, was später noch in einem ganz anderen Zusammenhang Bedeutung gewinnen wird:

Abschließend möchte ich noch hervorheben, daß sich im Licht dieser Analyse zeigt, wie vergeblich die Unterscheidung zwischen kommunistischem und Privateigentum ist. Ich hätte durchweg zeigen können, wie jeder Anspruch, jede Beziehung zwischen Mensch und Boden betontermaßen sowohl individuell wie kollektiv ist. Die Konzeption der ursprünglichen Heraufkunft (der Clans aus dem Inneren der Erde, PN) impliziert eine große Verwandtschaftsgruppe, den Subclan, der uranfänglich von einem Individuum, der Urahne – vielleicht auch ihrem Bruder –, repräsentiert wird, und den heute gleichermaßen ein Individuum repräsentiert, das Oberhaupt. Diese Gruppe ist nach Geschlecht und Alter differenziert und in kleinere Lineages unterteilt. Und innerhalb des Subclans gibt es sogar individuelle Besitztitel auf Land, und das Land selbst ist gleichsam aus Rücksicht auf den Wunsch nach individuellen Unterscheidungen aufgeteilt. Obwohl nämlich der persönliche Parzellenbesitz in gewisser Weise unserer eigenen Vorstellung von letztgültigen Verhältnissen im Bodenrecht am nächsten kommt, ist er doch auf den Trobriand-Inseln nur von allergeringster ökonomischer Relevanz. Dennoch ist dieser Umstand hier äußerst wichtig, da er belegt, wie wenig der sog. Urkommunismus in der Wirtschaftseinstellung der Eingeborenen vorkommt. Geradezu zum Ärger der anthropologischen Theoretiker insistiert der Trobriander darauf, eine eigene Parzelle zu haben, die mit seinem Personennamen assoziiert ist. Bei der alten Entgegensetzung handelt es sich um einen schlechten und unklugen Kurzschluß; durchgehend haben wir gesehen, daß das eigentliche Problem nicht im Entweder-Oder von Individualismus und Kommunismus liegt, sondern in der Wechselbeziehung kollektiver und persönlicher Ansprüche. (Korallengärten und ihre Magie, Frankfurt 1981, S. 413)

Wo bleibt Marx?

9. Februar 2013

In der neusten Ausgabe der Annals of the Insitute for Orgonomic Science stellt der australische Orgonforscher Dean Davidson eine berechtigte Frage: In den Veröffentlichungen des American College of Orgonomy sei, so Davidson in seinem Aufsatz „Foundations for a Functional Analysis of Economics“, ständig von einer „funktionellen Ökonomie“ die Rede, aber Marx wird von den Schülern Elsworth F. Bakers nie erwähnt. Wenn doch, dann allenfalls als Vertreter der mechano-mystischen Weltanschauung und als pestilenter Charakter. Wie kann das sein, wenn Reich in seinen Schriften bis zuletzt Marx‘ Werttheorie als die Grundlage jeder orgonomischen Überlegung zur Ökonomie hervorgehoben hat?!

Davidson führt aus, daß die besagten neueren Überlegungen zur Ökonomie, etwa über den „freien Austausch“ zwischen den Wirtschaftsteilnehmern, gut und richtig sein mögen, doch falle vollkommen unter den Tisch, daß dies nur unter vor-kapitalistischen (bzw. vor-patriarchalischen) Bedingungen im vollen Umfang gelten könne. Heute würden, so Davidson, die Wirtschaftsbeziehungen von jenen von den Menschen vollkommen unabhängigen Gesetzen bestimmt, die Marx entdeckt und auf die sich Reich immer wieder berufen habe: die Arbeitswertlehre und die Mehrwertlehre, der Unterschied zwischen Tauschwert und Gebrauchswert.

Klingt gut! Das Problem ist nur, daß eine oberflächliche Funktion (die von Marx angeblich entdeckten angeblichen Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus) wichtiger sein soll als eine tiefere Funktion: der Charakter. Und selbst diese Formulierung ist fragwürdig, denn sie suggeriert, daß Marx in irgendeiner Weise praxisnäher („oberflächlicher“) sei. Doch aus dem charakterologischen Ansatz folgt unmittelbar eine gangbare Praxis, wie Reich in seiner Analyse des Scheiterns des Marxismus („Vulgärmarxismus“) in Die Massenpsychologie des Faschismus aufgezeigt hat, während aus der „polit-ökonomischen“ Analyse wirklich nur eins folgt: das gegenwärtige Wirtschaftssystem müsse zerstört werden. Die Marxsche Theorie ist jenseits der „Mobilisierung zur Revolution“ für die Praxis vollkommen folgenlos, denn kein Arbeiter benötigt irgendwelche wirren („dialektischen“) Theorien über den „Mehrwert“, um zu wissen, daß er ausgebeutet wird. Der Marxismus „beweist“ ihm nur eins, daß, egal welchen Lohn er in einer florierenden Wirtschaft auch immer bekommt, der Kapitalismus prinzipiell illegitim ist! Der Marxismus ist eine Lehre der Zerstörung und sonst nichts.

Und was soll diese ominöse Praxis des charakterologischen Ansatzes sein? Welch eine Frage! Es geht schlicht darum, die Arbeitsdemokratie zu verwirklichen, indem man sich beispielsweise dem allgegenwärtigen Drang zur Verantwortungslosigkeit entzieht. Wer behauptet, dieser angestrebte „freie Austausch“ müsse in einer kapitalistischen Gesellschaft Illusion bleiben, da diese von objektiven Gesetzmäßigkeiten bestimmt werde, die die Selbstverwirklichung der Individuen unmöglich mache, da alles dem unerbittlichen Diktat der Profitmaximierung unterworfen sei, sollte „den Laden dichtmachen“ und sich der KPD/ML oder so anschließen! Außerdem sollte er niemals eine Orgontherapie beginnen, denn in einer derartig kranken Welt, kann sich die Gesundheit eh nicht entfalten. Das gleiche gilt dann natürlich auch für Reichs Projekt „Kinder der Zukunft“.

Indem Marx die beiden Gegebenheiten „Wert“ und „Ausbeutung“ miteinander verbunden hat, hat er die Grundlagen der Arbeitsdemokratie zerstört, denn Wert ist mit unserer bioenergetischen Arbeitsfunktion verbunden, während es bei der Ausbeutung schlichtweg um eine Machtfrage geht („wieviel kriegt jeder vom Kuchen ab“). Werden diese beiden Sphären vermengt, kommt Moral dort ins Spiel, wo sie nicht hingehört: „Ich habe nicht nur für den Teil des Kuchens gearbeitet, den ich erhalte, sondern auch für den, den du ungerechterweise erhältst.“

In einer Welt, in der die beiden Gegebenheiten „Wert“ und „Ausbeutung“ getrennt werden, ist Raum für das Lebendige. Eine Welt, in der „Wert“ unlösbar mit „Ausbeutung“ verbunden ist, kann man nur noch zu zerstören trachten, um das Lebendige zu befreien. Das erklärt den ganzen religiösen Wahnwitz der Kommunisten, die 100 000 000 Menschen ermordet haben, um das Paradies auf Erden zu errichten. Es ist bezeichnend, daß sie dabei eine Welt geschaffen haben, in der nicht nur Menschenleben, sondern überhaupt nichts mehr einen „Wert“ hat.

Warum Reich nicht sehen konnte, daß zwischen Werttheorie und Rotem Faschismus ein Gleichheitszeichen gehört, ist biographisch zu erklären. Daß „Reichianer“ es nicht sehen können, ist nur charakterologisch erklärbar.

Und Marx selbst war nichts weiter als ein Haufen Scheiße:

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Sexualität und Arbeit (Teil 2)

4. Februar 2012

Es gibt biologistische und es gibt kulturalistische Wirtschaftstheorien.

Für die ersteren steht Hans Hass, der übergangslos das „Konkurrenzgeschehen“, etwa in einem Korallenriff, mit dem „Konkurrenzgeschehen“, etwa in der Automobilwirtschaft, verbindet. Hass hat beide Bereiche tatsächlich empirisch untersucht, während die „klassischen“ Theoretiker, angefangen mit Adam Smith, einfach davon ausgingen, daß es sich beim Wirtschaftsgeschehen um „natürliche“ Prozesse handle, obwohl Smith natürlich noch keine Ahnung von Evolution hatte.

Für eine kulturalistische Wirtschaftstheorie steht der Name Karl Marx: da ist nichts organisch gewachsen, sondern Resultat von Katstrophen („Revolutionen“), die jeweils neues Recht setzten, das teilweise das Gegenteil des vorangegangenen Rechts war.

Es ist offensichtlich, daß beide Ansätze etwas für sich haben. Jedoch ist ihre Bedeutung ziemlich eingeschränkt. Reich hat Anfang der 1930er am eigenen Leibe erfahren, wie imgrunde bedeutungslos eine mit schier unglaublicher Verblendung verteidigte kulturalistische Wirtschaftstheorie sein kann. Letztendlich setzt sich „die Biologie“ doch durch.

Biologistische Wirtschaftstheorien kranken jedoch daran, daß „Biologie“ nicht gleich „Biologie“ ist. Ja, funktionell gesehen, geschieht im Korallenriff genau dasselbe wie in der Automobilindustrie und das konkrete Verhalten der Wirtschaftssubjekte kann man vor dem Hintergrund des Geschehens in einer Schimpansenhorde so gut beschreiben, daß sich überprüfbare Voraussagen machen lassen.

Es treten bei dieser biologistischen Betrachtung jedoch zwei Probleme auf:

  1. ist der Mensch gepanzert und die Folgen der Panzerung werden von kulturalistischen Wirtschaftstheorien weit besser erfaßt (siehe beispielsweise André Orléans Kritik an der quasi als „Naturwissenschaft“ auftretenden Klassik und Neoklassik); und
  2. werden von den biologistischen Theorien die bioenergetischen Grundlagen alles Wirtschaftsgeschehens nicht erfaßt.

Kurz gesagt gehen sowohl kulturalistische als auch biologistische Wirtschaftstheorien davon aus, daß die Wirtschaftssubjekte zur Arbeit gezwungen werden, sei dies nun durch gesellschaftlichen Zwang („Recht“) oder durch den Druck der äußeren Umwelt („natürliche Auslese“). Letztendlich weil die Theoretiker selbst gepanzert sind, ist es ihnen grundsätzlich fremd, daß jemand aus innerem Drang und aus purer Freude tätig sein könnte und daß er durch diese „Verausgabung“ nicht etwa einen Verlust erleidet, sondern ganz im Gegenteil einen Gewinn.

Reich hat den ungepanzerten Menschen, in Gestalt von Jesus Christus, wie folgt beschrieben:

Christus gibt großzügig. Er kann großzügig geben, weil seine Fähigkeit, Lebensenergie aus dem Universum aufzunehmen, unbegrenzt ist. Christus meint nicht, daß er etwas Besonderes tut, wenn er anderen von seiner Kraft gibt. Er macht es gern. Mehr noch: er selbst braucht dieses Geben, denn er ist voller Kraft, bis zum Überfluß. Er verliert nichts, wenn er reichlich gibt. Im Gegenteil, er wird stärker und reicher, wenn er anderen gibt; nicht nur durch Freude am Geben. Er lebt auf von diesem Geben, denn seine Energie wandelt sich nun schneller um. Je mehr Kraft und Liebe er abgibt, desto mehr neue Kraft bekommt er aus dem Universum, desto größer und inniger ist sein Kontakt mit der Natur um ihn herum und desto klarer ist sein Bewußtsein von Gott, der Natur, der Luft, den Vögeln, den Blumen und den Tieren. Zu all dem hat er engen Kontakt, er nimmt es mit seinem orgonotischen Ersten Sinn wahr, sicher in seinen Reaktionen, harmonisch in seiner Selbstregulation und unabhängig von irgendeinem veralteten „du sollst“ oder „du sollst nicht“. (Christusmord, Freiburg i.B. 1978, S. 59f)

Arbeit funktioniert nach den gleichen Gesetzmäßigkeiten wie die Sexualität: es ist Orgonenergie, die nach Befriedigung strebt (bioenergetische Expansion) und durch diese Aktivität den natürlichen bioenergetischen Expansionszustand (Vagotonie) aufrechterhält.

Selbstverständlich sind wir darüber hinaus auch dem, wenn man so will, „sympathikotonen“ Druck der Umwelt und der gesellschaftlichen Verhältnisse ausgesetzt, doch das sind nur sekundäre bzw. tertiäre Einflußgrößen, – die im übrigen außerhalb der Orgonomie voll erfaßt werden, während die wichtigste, die primäre Einflußgröße vollkommen unter den Tisch fällt. Wagt man die letztere zu erwähnen oder gar auf ihren primären und vordringlichen Status hinzuweisen, wird man mit hochmütigem Hohn überschüttet. Das ist so, weil „von rechts nach links“ die Theorien immer verwickelter werden:

The Journal of Orgonomy (Vol. 13, No. 1, May 1979)

31. Dezember 2011

Der selbständige Tischler Curtis Barnes stellt in „Toward a Functional View of Economics“ seine von der Orgonomie inspirierte Wirtschaftstheorie vor. Ich habe mich bereits an anderer Stelle mit diesem zentralen Text der Orgonomie auseinandergesetzt. Hier möchte ich mich deshalb auf die Darstellung der Arbeit des französischen Ökonomen André Orléan, Mitverfasser der Streitschrift Manifest der bestürzten Ökonomen, die in Frankreich für Furore gesorgt hat, beschränken, da sich dessen Anschauungen mit denen von Barnes weitgehend decken, insbesondere was die Wertbildung in der Wirtschaft betrifft.

In der bisherigen Ökonomie gäbe es einen Hang zu Verdinglichung, insbesondere was die Preisbildung betrifft. Sowohl für die klassische als auch für die neoklassische Theorie gäbe es zwar, so Orléan, einen Unterschied von Wert und Preis, jedoch werde diese Differenz verdrängt und der Begriff des Wertes vermieden, obwohl man von der Objektivierbarkeit des letzteren ausgeht. Orléan unterstreicht hingegen den Unterschied von Wert und Preis und geht nicht „objektivistisch“ an die Wertfrage heran, sondern betrachtet sie aus der Perspektive der Sozialwissenschaften. Jede der unterschiedlichen Sozialwissenschaften untersucht jeweils wie Individuen ethische, religiöse, ästhetische, etc. Werte entwickeln. Gemeinsame Werte halten die Gesellschaft zusammen. Orléan:

Die Wirtschaftswissenschaften aber lassen sich nicht in diese Einheit der Sozialwissenschaften einordnen. Sie haben eine radikal andere Vorstellung, wie ein Wert entsteht. Für sie ist er keine von den Mitgliedern einer Gemeinschaft geteilte Überzeugung, keine kollektive Vorstellung wie in den Gesellschaftswissenschaften, sondern eine objektive Größe, die den Dingen quasi als vorgesellschaftliche Substanz eignet.

Diese pseudo-physikalische meßbaren „Substanz“ war bei den Klassikern, insbesondere aber bei Marx, die Arbeit, die man brauchte, um einen Gegenstand herzustellen. (Reich ist dieser Vorstellung uneingeschränkt gefolgt.) In der Neoklassik ist es der Nutzen, den ein Gegenstand für seinen Eigentümer haben kann. Eine „verdinglichte“ Sicht der Welt, frei von menschlichen Emotionen, die bis heute die Wirtschaftswissenschaften beherrscht und sie beispielsweise gegenüber der gegenwärtigen Wirtschaftskrise hilflos macht. Orléans Herangehensweise ist hingegen eine sozialwissenschaftliche, die davon ausgeht, „daß Werte durch ein variables Geflecht gesellschaftlicher Beziehungen entstehen“.

Der Homo oeconomicus der klassischen und neoklassischen Theorie ist das Gegenteil des Kunstliebhabers, der ein ganz bestimmtes Gemälde besitzen will und kein anderes. Tatsächlich verhalten sich die Menschen auf den Märkten jedoch wie Kunstliebhaber, die ihren eigenen Vorstellungen und gesellschaftlichen Moden folgen. Curtis Barnes hat eben das behauptet!

Daraus, daß der wirtschaftliche Wert durch den berechenbaren Preis verkörpert werde, dürfe man, so Orléan, nicht schließen, daß er einer „physikalischen Meßgröße“ entspräche, vielmehr sei auch der ökonomische Wert, wie alle anderen „Werte“ auch, eine gesellschaftliche Konvention. Orléan schlägt eine „mimetische Hypothese“ vor, derzufolge der Wert aus einer wechselseitigen Interaktion von gesellschaftlichen Beziehungen der Individuen entsteht. Wie die Neoklassik geht hierbei auch Orléan davon aus, daß der Wert durch den Nutzen entsteht, den die Gegenstände für ein Individuum haben. Er frägt aber weiter, wie die Marktteilnehmer zu dieser Einschätzung des Nutzens kommen. Diese Einschätzung ist wiederum, so Orléan, direkt abhängig von der Interaktion der Marktteilnehmer. Sie werden durch die Werturteile der anderen Marktteilnehmer und durch das Marktgeschehen beeinflußt. Im Gegensatz zur Neoklassik, für die der Homo oeconomicus, ein souveränes, rational handelndes Einzelwesen ist, das weiß, was es will, betrachtet ihn Orléan als beeinflußbares, ständig zweifelndes, getriebenes gesellschaftliches Wesen, das manchmal vollständig irrational andere in ihrem Verhalten kopiert.

Besonders verheerend wirkt sich das auf den Kapital- und Devisenmärkten aus. Orléan:

Es geht im Wirtschaftsgeschehen vor allem ums Geld. Die Waren sind Mittel zur Akkumulation von Liquidität. Das Erstaunlichste für einen Laien ist sicher, daß in der Mainstream-Wirtschaftswissenschaft dem Geld überhaupt keine Bedeutung zugemessen wird. Man sieht in ihm ein neutrales Instrument, mit dem der Erwerb nützlicher Gegenstände leichter fällt als beim direkten Tauschhandel. Wir alle wissen aber, daß in der Wirklichkeit das Verlangen nach Geld den alles dominierenden gesellschaftlichen Konflikt darstellt. Es ist also ein gravierender Mangel der neoklassischen Werttheorie, daß sie von der Nützlichkeit der Dinge ausgeht und das Streben nach Geld ausschließt, obwohl dieses doch konstitutiv für die Waren produzierende Gesellschaft ist.

Ich möchte in diesem Zusammenhang auf den Biologen und Wirtschaftswissenschaftler Hans Hass verweisen, dessen Theorie des Geldes als „übernormalen Schlüsselreiz“ ich an anderer Stelle behandelt habe http://www.orgonomie.net/hdoekonom.htm .

Betrachten wir nun vor diesem Hintergrund was gegenwärtig auf den Finanzmärkten geschieht. Orléan:

Wie funktioniert die Preisfindung auf den Finanzmärkten? Was für einen Investor zählt, ist der zukünftige Preis. Der wird nicht durch irgendwelche Fundamentaldaten bestimmt, sondern durch die Einschätzung der anderen Markteilnehmer. Das sogenannte „Herding“, der Herdentrieb auf diesen Märkten funktioniert durch Nachahmung. (…) Und es kommt unweigerlich zu sich selbst verstärkenden Übertreibungen in die eine oder andere Richtung, weil der Wert eben Produkt kollektiver Überzeugungen und nicht etwa etwas Substantielles ist.

Das zeigte sich beispielsweise an der Immobilienkrise in der USA („Subprime-Krise“), die eben nicht einfach nur Betrug war, weil die Verkäufer mehr wußten als die Käufer, vielmehr waren beide in Herde der Lemminge gefangen:

Finanzprodukte haben keinen objektiven Wert. Der objektive Wert einer Aktie wäre die Summe zukünftiger Dividenden. Der objektive Wert einer Schuldverschreibung wäre die Summe zukünftiger Zinserträge. Die Zukunft aber ist unbekannt. (…) In Bezug auf die Subprime-Krise beispielsweise geht [man] davon aus, daß die Verkäufer den wahren Wert ihrer Papiere kannten, nur die Käufer nicht. Für mich gibt es keinen „wahren“ Wert. Auch die Verkäufer wußten nicht, was sie da verkauften. (…)

Grundsätzlich hat Orléan folgendes zu den Finanzmärkten zu sagen:

Das mimetische Modell gilt, wie wir gesehen haben auch für die Warenwelt. Dort haben sich kollektive Überzeugungen aber in den Vorstellungen einer bestimmten Nützlichkeit einer Ware gleichsam institutionalisiert. Das erlaubt eine gewisse Stabilität dieser Märkte im Sinne des Ausgleichs von Angebot und Nachfrage. Wenn die Preise für eine Ware steigen, geht die Nachfrage zurück, weil die Käufer versuchen werden, die teure Ware durch eine andere mit vergleichbarem Nutzen zu ersetzen. Das ist das Herzstück der neoklassischen Vorstellung von der stabilisierenden Wirkung der Konkurrenz auf den Märkten. Sie begrenzt den Preisanstieg. Niemand wird eine Waschmaschine kaufen, wenn der Preis doppelt so hoch ist wie der einer vergleichbaren Maschine der Konkurrenz. Die Finanzmärkte funktionieren ganz anders. Wenn der Preis steigt, nimmt die Nachfrage nicht ab. Sie steigt, weil die Konkurrenz auch am Preisanstieg teilhaben will. Wenn der Preis fällt, geht auch die Nachfrage zurück. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage ist außer Kraft gesetzt. Die Instabilität der Finanzmärkte ist also systemisch bedingt. (…)

Die Vorstellung, daß die Konkurrenz auf den Finanzmärkten zur Effizienz führe, daß sie so wie die Konkurrenz auf den Warenmärkten funktioniere, wie die Konkurrenz, die Adam Smith beschreibt, dieses moderne Konzept der effizienten Konkurrenz hat uns in diesen Finanzkapitalismus geführt. Das war die Kernbotschaft der Wirtschaftswissenschaftler in den letzten 20 Jahren, das ist der große Irrtum der wirtschafts- und finanzwissenschaftlichen Theorie.

In Reichschen Begriffen: wir sind Opfer einer biologischen Fehlkalkulation geworden!

Frei nach Charles Konias Darstellung der funktionellen Ökonomie, die weitgehend auf Barnes Vorarbeit fußt, kann man das Wesen der heutigen Finanzkrise mit Hilfe zweier orgonometrischer Gleichungen beschreiben (siehe Konias Buch The Emotional Plague):

Es geht bei der gegenwärtigen weltweiten Finanzkrise letztendlich um eine bioenergetische Krise.