Posts Tagged ‘Nationalsozialismus’

Das Jüngste Gericht begann 1960 (Teil 13)

19. April 2023

Kommen wir von Trotzki/Stalin zu Hitler:

Das leidige Thema „Vergangenheitsbewältigung“: natürlich bin ich Deutscher. Ich bin sogar ein stolzer Deutscher. Hitler und der Nationalsozialismus sind nicht das Problem. Ganz im Gegenteil: in vieler Hinsicht verkörperten sie so etwas wie eine „antiautoritäre“, geradezu „antideutsche“ Jugendbewegung, ging es doch um die Beseitigung lokaler Autoritäten, „Gleichschaltung“.

Das wirkliche Problem mit Deutschland liegt viel tiefer, nämlich im deutschen Schulsystem, „Preußentum“ und Militarismus, das seit etwa 200 Jahren die Welt verpestet. Ein schönes Beispiel ist Japan, dessen Schule und Militär nach preußischem Vorbild gestaltet wurden. Frei nach Hegel soll alles Individuelle und Spontane rücksichtslos beschnitten und unterbunden werden, um Platz für „das Ideale“ zu schaffen: Gleichschaltung.

Man mag einwenden, daß die neue antiautoritäre Erziehung, in der alles so individuell ist, daß man sogar sein Geschlecht auswählen kann, diesem Seelenmassaker endlich ein Ende gesetzt hat, doch tatsächlich ist alles schlimmer geworden. Es hat kaum je eine konformere, autoritätshörigere und im schlechtesten Sinne naivere Jugend gegeben als die heutige.

An den alten Idealen des Guten, Wahren und Schönen, Manneszucht, Pflichtgefühl und Ordnungssinn ist ja nichts auszusetzen. Sie wurden restlos ersetzt durch die beiden Ideale Selbstverwirklichung und Solidarität bzw. Gerechtigkeitsgefühl. Und genau damit fängt das Problem an, denn das Selbst verwirklichen ist die Grundaktivität des Lebendigen. Daraus ein „Ideal“ zu machen, bedeutet eben diesen bioenergetischen Kern, d.h. DEN bioenergetischen Kern selbst anzugreifen, den die oben genannten Ideale nicht nur unangetastet ließen, sondern sogar auf mystisch entstellte Weise verkörperten. Wenn du beispielsweise vermeinst, deine wahre Identität sei die eines trisexuellen Unterwassereichhörnchens, dann spricht aus deiner vermeintlichen „Selbstentfaltung“ nichts anderes als deine entfremdete, kolonialisierte, mit fremden Inhalten besetzte Seele. Und alle Solidarität, alles Mitempfinden, die zweite Grundfunktion des Lebendigen, dient nunmehr der Absicherung dieser Fremdbestimmung.

Wer das nicht begreift, hat rein gar nichts über das heutige Leben, die heutige Jugend begriffen!

Was tun, in einer Welt, die im Kern verrottet ist? Sie ist verrottet, weil alle Begriffe und Kategorien (etwa „Geschlecht“) restlos durcheinander geraten sind und das Gefühlsleben fundamental verunsichert wurde. Dagegen hilft nur die eine und einzige Aufklärung: die Orgonomie. Sie ist: die Orgasmustheorie (Psychologie, Soziologie, Medizin), die Entdeckung des Orgons und der orgonomische Funktionalismus bzw. die Orgonometrie. Die Beseitigung von individueller und gesellschaftlicher Panzerung und insbesondere okularer Panzerung („Verwirrtheit“) ist ihr eigentliches Metier. Mit dem Orgon beschäftigen wir uns im nächsten Teil.

Das Jüngste Gericht begann 1960 (Teil 6)

27. März 2023

Der gesellschaftliche Zerfall, der nur in einer unvorstellbaren Katastrophe münden kann, ist unmittelbar greifbar und geht bis zur Selbstverstümmelung.

Kaum je war die Emotionelle Pest greifbarer. Es ist buchstäblich so, als würde sich Ebola oder sowas von Mensch zu Mensch ausbreiten und Verzweiflung und entstellte Körper zurücklassen.

Warum nimmt der Vegetarismus und Veganismus vor allem bei Frauen zu? Es ist eine antisexuelle Reaktion auf den Zusammenbruch der sozialen Panzerung. Das senkt Energie und Vitalität, und es gibt einen unbewußten psychologischen (emotionalen) Aspekt. Man sühnt für seine fleischlichen Gelüste, indem man aufhört, „fleischlich“ zu essen. Kann eine Veganerin Geschlechtsverkehr haben?

Auch Multikulturalismus, Genderismus etc., das ganze Paket der antiautoritären Transformation, die Charles Konia beschrieben hat… Sogar der „Klimawandel“ paßt dazu, denn er ist im Grunde eine Rebellion gegen das kohlenstoffbasierte Leben selbst, d.h. das Aufbegehren gegen den Körper und die Sexualität. Man schaue sich nur die jungen Menschen an, die fanatische Anhänger dieses faschistischen Anti-Lebens-Kults sind! Es ist alles Ausdruck einer neurotischen Sexualangst, die immer mehr ins Psychotische umschlägt. Im Grunde genommen ist es der Nazismus von heute: die biologische Revolution, ihr Scheitern und die Reaktion gegen beides.

Die Massenpsychologie der Wokeness ist offensichtlich. Man will etwas Besonderes sein, in der (heutigen Opfer-) Hierarchie ganz oben stehen, und vor allem rein sein, frei von der untermenschlichen Sexualität. Das dabei gleichzeitig, wie einst im Nationalsozialismus mit dem Hakenkreuz und den aufreizenden Uniformen, die Sexualität zelebriert wird, ist kein Widerspruch.

Man nehme etwa folgende junge Dame, die weder Männlein oder Weiblein noch etwas dazwischen sein will, sondern alles in einem, d.h. ein geschlechtsloses Wesen, – das von nichts anderem redet als vom Sex und dessen ganze Identität auf diesem Gerede beruht. Gleichzeitig macht sich dieses vollkommen bedeutungslose und denkbar flache Wesen unglaublich interessant. Man kann ihr tausende von Fragen stellen, denn es ist alles unfaßbar kompliziert (intellektuelle Abwehr, die Sexualangst bindet) und, vor allem, gehört sie einer genauso elitären wie unterdrückten Minderheit an:

Das Jüngste Gericht begann 1960 (Teil 1)

19. März 2023

Vielleicht könnte man Reichs Studie zum Masochismus („der Drang von außen zum Platzen gebracht zu werden“) auf das Weltgeschehen anwenden. Man denke nur an den Iran (den 12. Iman hervorlocken, indem man die Welt an den Abgrund bringt) oder Israel (dem Messias und damit dem Weltende die Bahn ebnen).

Meines Wissens beschäftigt sich Reich nur an einer Stelle ausdrücklich mit dem „Jüngsten Gericht“ und zwar im Christusmord:

Christus ist „gegen“ einen bewaffneten Aufstand. Er lehnt es ab, einen solchen Aufstand zu führen. Er predigt eine Seelenrevolution, die das Tiefstinnere nach außen kehrt. Christus weiß, daß das jüngste Gericht schon auf seine Generation herabkommen wird. Wenn es nicht gelingt, dieses Tiefstinnere nach außen zu kehren und zu praktischer Wirksamkeit zu bringen. Christus fühlt mehr als daß er bewußt erkennt, daß der Mensch seinen Kern widerfinden und lieben muß, wenn er überleben und das Himmelreich auf Erden errichten will. (Christusmord, Freiburg 1978, S. 129f)

Das schrieb Reich zu einer Zeit, 1951, als langsam jener „Emanzipationsprozeß“ anhob, der sich dann in den 1960er Jahren entfalten und sich schließlich als ein Alptraum erweisen sollte. In dieser Hinsicht ist sein Gesamtwerk so eine Art „Apokalyptik“: „die mißglückte biologische Revolution“ (Titel des Kapitels über den Nationalsozialismus in Die Funktion des Orgasmus, 1942). Das „vegetative Leben“ strebt nach Befreiung, aber da sich die „Struktur“ nicht ändert (die „Panzerung“ = festgefahrene Verhaltensmuster, versteifte Körper), muß jeder „Befreiungskampf“ wohl oder übel in einen Alptraum münden – und je grundsätzlicher die Befreiung ist, desto schlimmer der Alptraum, desto totaler die Apokalypse.

Was Reichs Thema „sexuelle Revolution“ betrifft schreibt er beispielsweise im Christusmord:

Nichts ist leichter, als aus einer Lehre, die die Liebe und die natürliche genitale Umarmung umfaßt, eine Religion der permissiven, pornographischen Sexualität zu machen. Und es gäbe für die Menschheit keine größere Katastrophe als die Herausbildung solch einer Bordellreligion aus einer Botschaft, die die Liebe mit genitaler Umarmung verbindet. (Christusmord, S. 183)

70 Jahre später fühlen sich die Orgonomen, als würden sie die Apokalypse durchleben: nach all der angeblichen „Befreiung“ sind die Menschen kränker und „strukturell“ hoffnungsloser („härter“) als je zuvor – weil es zu keiner „Seelenrevolution“ gekommen ist. Ganz im Gegenteil: die Menschen haben ihre Seele verloren – sie sind kontaktloser geworden.

Peter liest die kommentierte Neuauflage der Originalausgabe von Reichs MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 9)

2. März 2023

Eine subtile Verzerrung durch Andreas Peglau findet sich auf S. 240, wo er Reichs Menschen im Staat zitiert: die braunen Marschkolonen hätten sich in nichts von denen der Kommunisten unterschieden, was „Haltung, Ausdruck und Gesang“ betraf. Peglau verweist in diesem Zusammenhang auf die menschenverachtende Vorgehensweise von kommunistischen Schlägertruppen gegen abtrünnige bzw. oppositionelle Kommunisten, die ganz der der Nationalsozialisten entsprach (S. 240). Reich meinte im Zusammenhang seiner Ausführungen aber etwas grundlegend anderes: daß der erhebende revolutionäre Geist der SA und der Rotkämpfer identisch war.

Das macht ja die ganze Tiefe von Reichs Massenpsychologie des Faschismus aus: daß er im „Nazi“ nicht schlichtweg das nicht weiter reduzierbare „Böse“ sah, sondern sich auf die Gefühls- und Gedankenwelt des Nationalsozialismus einließ. Darauf weist im übrigen Peglau selbst hin auf S. 253f.

Hervorragend auch, wie er den Schritt von Freud zu Reich herausarbeitet. Freud hatte 12 Jahre zuvor in Massenpsychologie und Ich-Analyse auf zeitlose Konstanten rekuriert: die primitiven Triebe entziehen sich der Kontrolle, kennen keinen Aufschub mehr, während die Massen gegenüber dem Führer zu Kindern werden, die, ihre eigene Individualität aufgebend, sich mit dem Vater identifizieren. Reich hingegen arbeitete, so Peglau, die wechselseitige Beeinflussung und Abhängigkeit heraus, d.h. die Geführten sind ebenfalls verantwortlich. „Daher konnte er auch größeren Menschengruppen zubilligen, mehr zu sein als gleichgeschaltete Handlanger eines Alleinherrschers“ (S. 253). Erst recht verweist Reichs Umgang mit Marx auf sein wenige Jahre später herausgearbeitetes Konzept der Arbeitsdemokratie: die Arbeitenden handeln gegen ihre eigenen „Klasseninteressen“ (S. 254). Das verweist auf den von Reich in der amerikanischen Ausgabe von 1946 herausgearbeiteten Gegensatz von politischem Irrationalismus und Arbeitsdemokratie.

Ansonsten? Im großen und ganzen sind Peglaus Ausführungen interessant, teilweise hervorragend und durchaus ausgewogener, als ich es hier vielleicht vermittelt habe. Mein Problem ist halt, daß ich Peglaus Rechtsruck zuerst gelesen habe! Siehe meine Ausführungen zu diesem Buch hier. Beispielsweise krampft sich in mir alles zusammen, wenn Peglau auf S. 270f Reich zwar recht gibt, daß der Faschismus nicht nur bei Deutschen, Italienern und Japanern zu finden ist, sondern etwa auch bei den Amerikanern und Russen – und in diesem Zusammenhang die Atombombenabwürfe und den GULAG erwähnt, aber nicht die uns doch viel näherliegenden Kriegsverbrechen, insbesondere die gezielt auf Massenmord ausgerichtete Bombardierung von Arbeitervierteln und die ethnische Reinigung der ehemaligen deutschen Ostgebiete.

Im vorletzten Absatz des Buches hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen. Es wird behauptet, Reich wäre 1956 wegen Mißachtung des Gerichts verurteilt worden, weil er nicht allen gerichtlichen Auflagen nachgekommen sei. Dies habe er getan, da ein Gericht nicht über Wissenschaftliches zu befinden habe. Nein, aus dem genannten Grund war er 1954 nicht vor Gericht erschienen, so daß die Verfügung der FDA unwidersprochen in ganzer Härte erlassen wurde. Trotzdem hielt sich Reich an alle Auflagen – bis sein Mitarbeiter Michael Silvert mit dem Transport von Orgonenergie-Akkumulatoren über inneramerikanische Landesgrenzen hinweg eine eklatant kriminelle Handlung begangen hatte, für die nicht nur er, sondern auch Reich geradestehen mußten.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 49)

15. Februar 2023

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Peter Sichrovsky: Der Antifa-Komplex, München 1999. Mich interessierte das Buch, weil es von einem stammt, der erst Freund von Bubis und dann von Haider war. Offenbar ein freier Geist, der von allen gehaßt wird. Und dann ist da noch die kurze Literatur-Liste am Ende des Buches, wo Reichs Massenpsychologie des Faschismus (Köln 1997) auftaucht. Ich war gespannt, wie Sichrovsky diese Lektüre verarbeitet hat. Reich kam nicht vor, nur der Vollständigkeit halber erwähnte „psychonalytische Erklärungsansätze“ und Erich Fromm. Bis ich schließlich über den einzigen wirren Absatz im ansonsten sehr klar geschriebenen Buch stieß. Er schweigt über Reich, aber ausgerechnet an der Stelle, wo es um die LSR-Problematik geht (Über-Ich und „Unbehagen in der Kultur“), kommt er ins kaum nachvollziehbare Stottern:

Einige wenige – jedoch sehr lautstarke – Nachkommen der Täter versuchten den übertragenen väterlichen Schuldkomplex in eine Aggressivität gegen potentielle alte und neue Täter umzusetzen. Während das Schuldbewußtsein als die Differenz des Kulturanspruchs von Über-Ich und Ich die Antifa-Generation nicht weiter beschäftigte, quälte sie das Schuldgefühl als ein Unbehagen, das sich infolge der vom Kulturanspruch geforderten Triebunterdrückung einstellt und anhält, solange dieser Anspruch in Geltung ist. Die antifaschistische Generation vor allem in Deutschland kämpfte somit von Beginn an einen hoffnungslosen Ersatzkrieg, den ihre eigenen Vorfahren bewußt versäumt hatten. (S. 132)

Interessant wie einerseits Sichrovsky (Der Antifa-Komplex, S. 97) auf Edgar Alexanders Buch Der Mythus Hitler von 1937 reagiert, nämlich ganz in Übereinstimmung mit dem Katholen Alexander – und wie Reich reagierte: „M.“ (Karl Teschitz = Karl Motesiczky) nimmt LSR-Partei für die Nazis gegen die Katholiken und implizit etwa gegen (den natürlich erst später auftretenden) Stauffenberg. Teschitz spricht von den „positiven, fortschrittlichen Momente(n) im Nationalsozialismus“, dessen „fortschrittliche(m) Element“ (M.: Besprechung von „Edgar Alexander, Der Mythus Hitler“ Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie V(1)(15), S. 76-78).

Manche führen ja das Dritte Reich darauf zurück, daß Hitler nur einen Hoden hatte (stimmt nicht, er hatte mindestens zwei!), ein dicker Wälzer über Hitlers angebliche homophile Neigungen ist veröffentlicht worden, etc. So ein Monster kann er nicht gewesen sein, denn sonst hätten sich nicht so viele Riefenstahls, Rommels, (anfangs) Stauffenbergs, etc. von seinem Charme einfangen lassen. Thomas Mann hat ihn, spät und deshalb mutig, sogar als seinen „Bruder“ bezeichnet, desgleichen George Orwell.

Reich meinte, Hitler wäre der Normale schlechthin: „Nur dann, wenn die Struktur einer Führerpersönlichkeit mit massenindividuellen Strukturen breiter Kreise zusammenklingt, kann ein ‚Führer‘ Geschichte machen“ (Die Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 53). Gleichzeitig war er für Reich der „Unnormale“ schlechthin, nämlich der „Generalpsychopath“.

Genau diese Zwiespältigkeit machte das Faszinosum Hitler aus: auf der einen Seite der vorhersagbare Durchschnittsuntertan, auf der anderen der unvorhersehbar agierende wilde Mann. Aus dem gleichen Grund sind die Menschen ja auch von blutdürstigen Massenmördern so fasziniert, die bieder wirken, im Heimlichen aber unaussprechliche Dinge tun, d.h. ausbrechen. Das Phänomen Hitler hat demnach wenig bis gar nichts mit all dem moralischen und ethischen Brimborium zu tun, mit dem uns die Volkspädagogen quälen, sondern mit unserer gespaltenen, unauthentischen Existenz.

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 19. Die Dogmatik der Christusmörder: Das befreite Fließen der kosmischen Lebensenergie

10. Februar 2023

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 19. Das befreite Fließen der kosmischen Lebensenergie

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 19. Die Dogmatik der Christusmörder: Religion, Kirche, Religionsstreit im Nationalsozialismus

9. Februar 2023

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 19. Religion, Kirche, Religionsstreit im Nationalsozialismus

Peter liest die kommentierte Neuauflage der Originalausgabe von Reichs MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 7)

5. Februar 2023

Im Nachwort zur zweiten Auflage vom März 1934, also ein halbes Jahr nach der Erstausgabe, läßt sich bereits die dritte Auflage von 1946 vage ausmachen. Zunächst ringt Reich damit, was ausschlaggebend ist: die Struktur der Gesellschaft oder die (Charakter-)Struktur der Menschen und kommt zu einer orgonometrischen Formulierung:

Die Menschen bilden zwar die Gesellschaft, aber sie unterliegen den Gesetzen, die, nun von ihnen unabhängig, sie beherrschen. Denken und Struktur dieser Menschen bestimmen Struktur und Form der Gesellschaft, aber die Struktur und Form der Gesellschaft hält die Menschen gleicher Struktur zusammen; die Geschichte Iehrt immer wieder: Versucht man die Struktur der Menschen allein zu ändern, so widerstrebt die Gesellschaft. Versucht man die Gesellschaft allein zu ändern, so widerstreben die Menschen. Das zeigt, daß keines für sich allein verändert werden kann, was begreiflich ist, denn subjektive menschliche und objektive gesellschaftliche Struktur sind nicht nur einander gegenseitig Objekt, sondern auch identisch. (S. 195, Hervorhebungen hinzugefügt)

Beispielsweise wolle der Nationalsozialismus „den Menschen in einem bestimmten, der Masse als ‚Sozialismus‘ erscheinenden Sinne verändern, ohne die Änderung der Grundlage der Gesellschaft zuzulassen“ (S. 195). Er werde aus diesem Grunde scheitern.

Wenn die Gesellschaftsform nur in der menschlichen Struktur und nicht anderswie real gegeben und faßbar ist, dann ergibt sich von selbst, daß der Angriffspunkt der Revolution nicht die gesellschaftliche Form allein, auch nicht die Änderung der Menschen allein sein kann; die Widersprüche unseres gesellschaftlichen Seins und die Widersprüche der menschlichen Struktur und der zwischenmenschlichen Beziehungen sind massenpsychologisch identisch; es geht dabei um die politisch-psychologische Weckung und Provokation der menschlichen Widersprüche; das ist psychologisch dasselbe, als wenn wir soziologisch sagen, daß sich die Klassengegensätze verschärfen. Die Menschen müssen sich ihres Leidens derart bewußt werden und zu verzweifeln beginnen, daß sie über sich selbst hinausspringen und derart die gesellschaftliche Struktur zerschlagen, um eine neue zu schaffen. Anders wird es nicht gehen. (S. 195f)

Dieses Bewußtmachen sollte sich sehr bald in das Konzept der Arbeitsdemokratie verwandeln: Fachbewußtsein statt Klassenbewußtsein.

Email [Reich als Therapeut] (2009)

29. Januar 2023

Email [Reich als Therapeut] (2009)

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 19. Die Dogmatik der Christusmörder: Christus und Hitler (Teil 2)

21. Januar 2023

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 19. Die Dogmatik der Christusmörder: Christus und Hitler (Teil 2)