Wie die Emotionelle Pest in Amerika Legitimität erlangte
13. Juni 2023Email [Gespräch über LSR mit einem Physiker] (2005)
10. Juni 2023Stereotypen überwinden
9. Juni 2023Ohne Kategorien könnten wir weder denken, noch überhaupt überleben. Ich muß Menschen, Tiere, Umstände in Sekundenbruchteilen einschätzen können, um nicht von einer Giftschlange gebissen oder bei Kopfjägern als präparierte Trophäe auf einem Schrein zu enden. Das Extrem dieses Denkens und Lebens ist der beschränkte Kleinbürger, der in einer vollkommen verstellten Welt aus vorgefaßten Meinungen und Vorurteilen lebt. Der Progressive rebelliert dagegen, doch erweist er sich schließlich als noch schlimmerer Spießer, wenn er etwa gegen die Stereotypen von „Mann“ und „Frau“ angeht, indem er aus Frauen Karikaturen von Männern macht („Kampflesben“) und aus Männern Karikaturen von Frauen („Drag Queens“) – und dergestalt die Stereotypen grotesk überzeichnet und verewigt. Er verheddert sich auch in Widersprüche, wenn er alles Böse dieser Welt der westlichen Kultur zuordnet, gleichzeitig aber Filme über die Antike, die Wikinger-Zeit, die frühe Neuzeit etc. mit Schwarzen in Führungspositionen bevölkert.
Tatsächlich geht es nicht darum mit abstrakte Kategorien zu hantieren, als wären das unverrückbare, ewig existierende Platonische Ideen, bzw. diese auf eine Weise infrage zu stellen, die nur zum beschriebenen selbstwidersprüchlichen Nonsens führen kann, sondern es gilt, diesen Mechano-Mystizismus hinter sich zu lassen und die Welt funktionell zu betrachten. Das bedeutet wirklichkeitsgemäß und so, daß die verwendeten Kategorien als Werkzeuge zur Bewältigung des Lebens taugen. Wie Reich gezeigt hat, eignet sich beipielsweise die Einteilung in Männer und Frauen nur bedingt, weil sie Ausfluß einer auf orgastischer Impotenz beruhenden Weltsicht ist. Die Hysterikerin und der phallische Narzißt sind pathologische Überzeichnungen natürlicher Anlagen und ihre „befreiende“ Übertragung auf das jeweils andere Geschlecht verschärft diese Pathologie nur. Aus Sicht der Orgasmustheorie sind Männer und Frauen identisch.
Ähnliches läßt sich über den Rassismus sagen. Statt die Geschichte zu fälschen und sich dabei in Widersprüche zu verstricken, die erst recht rassistisch sind, gilt es, ebenfalls frei nach Reich, die Menschen entwicklungsgeschichtlich auf Quallen und Protozoen zurückzuführen. In diesem Licht werden alle Unterschiede überstrahlt, ohne sie zu negieren! Auf emotionaler Ebene, d.h. im Bereich der Biophysik, sind alle Menschen absolut identisch. Nur unsere körperlichen (somatischen) und „geistigen“ (psychischen) Anlagen machen uns unterschiedlich.

Was ist „politisch“?
7. Juni 2023Ich ziele mit dieser Frage nicht auf die selbstredend notwendige Bloßstellung des elenden Politikantentums, für das uns die gegenwärtige Regierung ein so klares Beispiel vorführt, sondern ich meine es im Sinne der „68er“. In den 1970er Jahren warfen sie beispielsweise den Anhängern der Orgonomie vor, nicht „politisch“ zu sein, d.h. nicht „das System“ herauszufordern. Reich sei resigniert und von der Politik in den Obskurantismus geflohen.
Es geht also um diesen grundsätzlichen Ansatz von Politik. Aus orgonomischer Sicht kann das nur eins bedeuten: politisch sein, bedeutet das Über-Ich (die psychische Seite der Panzerung) infrage zu stellen. Das Über-Ich bringt uns dazu, die verfassungswidrigen Bestrebungen der SPD und der Grünen hinzunehmen und daß uns das globalistische Großkapital auf der Nase herumtanzt und uns dabei ins Gesicht scheißt. Wir nehmen unsere Er-Niedrigung und Ent-Eignung hin, weil uns unsere Panzerung hilflos und indolent macht und uns dazu bringt, einer zentralen Macht an der Spitze zu folgen. Man denke nur an all die Schafe, die sich voll Enthusiasmus zur Pfizer-, Biontec und Moderna-Schlachtbank haben treiben lassen, ständig krakeelen, daß wir Platz haben und die jetzt kaum erwarten können Maden und Kakerlaken zu fressen.
Das Über-Ich querdenkermäßig auf der Ebene der Massenaufklärung anzugehen ist politisch, alles andere ist nur reaktionäres Geschwafel!
Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 68)
6. Juni 2023[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Eine moralische Sichtweise hat in der Orgonbiophysik nichts zu suchen. Es ist nicht die Frage, ob etwas „gut“ oder „böse“ ist, sondern ob es gesund oder ungesund ist, d.h. das Lebendige fördert oder unterdrückt. Von daher macht beispielweise der Satz, daß „der Mensch von Natur aus gut ist“ keinen Sinn. Mit Stirner könnte man nämlich eher sagen, daß der Mensch von Natur aus ein Verbrecher ist! Der Satz „Der Mensch ist von Natur aus gut“ bedeutet doch letztendlich, der Mensch ist gesellschaftskompatibel, d.h. moralisch. Deshalb sei Freiheit möglich, Zusammenarbeit, Glück, Prosperität ohne Zwang etc. Aber darum geht es halt nicht! Es geht nicht um „Freiheit“, sondern mit Stirner um EIGENHEIT. Jeder Mensch vertritt von Natur aus seine eigenen Interessen und ist deshalb „verbrecherisch“ bzw. „böse“ gegenüber der Gesellschaft.
Stirners Gedanke war es, daß trotzdem eine Gesellschaft möglich ist, weil diese „Eigenheiten“ miteinander kompatibel sind. Ein Gedanke, der sich entstellt und andeutungsweise auch bei Nietzsche ausmachen läßt mit dem: die Welt ist Wille zur Macht und nichts außerdem. Nur daß bei diesem die unendlich vielen Machtzentren (die unendlich vielen „Willen zur Macht“) in alle Ewigkeit ein sadomasochistisches Hin und Her ausfechten. Diese Vorstellung entspricht einer Welt, in der die Individuen durch das Über-Ich in eine unendlich sich variierende Vielfalt zersplittert – ist. Die bunte Vielfalt der Neurosen, die früher die Psychoanalytiker so faszinierte und die heute als „Diversität“ gefeiert wird. Aber ohne Über-Ich gäbe es DIESE Vielfalt gar nicht!
Also: wenn jemand sagt: „Der Mensch ist von Natur aus gut“, dann heißt das, daß er tolerant ist und die Vielfalt der Neurosen toleriert. Tatsächlich ist aber das exakte Gegenteil gemeint: der Stirnersche Mensch rebelliert „böse“ gegen diese Vielfalt. LaMettries auf „tugendhafte“ Weise wollüstige Mensch, Stirners „Einziger“ (!) und Reichs genitaler Charakter – ist eine Einfalt; die Einfalt des „Menschentiers“ (Reich), das nicht mehr ist als ein „bohnenförmiger Membransack voller pulsierender Orgonenergie“. Aus der Sicht der bunten Welt ist das das absolut Böse. Heute wird gegen dieses der „Diversität“ entgegenstehende Böse härter angekämpft als jemals zuvor. Sozusagen: „Für diese LSR-Schwurbler ist der Mensch von Natur aus Nazi! Der Mensch ist aber von Natur aus gut, nämlich – divers.“
Reich hat das mal gegenüber seiner Sekretärin und zeitweisen Geliebten Lois Wyvell sehr schön zum Ausdruck gebracht: die meisten Menschen gehen wie ein Bär, ein Fuchs, ein Hase etc., während nur ganz wenige Menschen wie – Menschen gehen. Tendenziell können nur die letzteren „tugendhafte Lust“ (LaMettrie) empfinden, nur sie sind Eigner ihrer selbst, nur sie sind orgastisch potent.
Die Frage, nach der ursprünglichen „Gutheit“ des Menschen wurde nicht zuletzt durch die Erbsündenlehre hoffnungslos verkleistert. Diese wird nur von der von Augustinus beherrschten Westkirche vertreten, während die Ostkirche, der Islam, das Judentum sie ablehnen. Auch dort „ist der Mensch von Natur aus gut“ bzw. in der Orthodoxie erben wir nicht eine „Schuld“ von Adam, sondern den Tod, der uns anfällig für die Sünde macht.
Im Anti-Seneca schreibt LaMettrie: „Den Nerven fehlt eine Triebfeder, um angenehme Modifikationen festzuhalten: stattdessen besitzen sie eine, die die unangenehmen bewahrt“ (S. 151). Das macht uns anfällig für Panzerung. (Man siehe nur mal Reichs entsprechende Ergebnisse in seinen bio-elektrischen Experimenten von 1935!) Der Mensch erbt zwar nicht „von Natur“ irgendeine Schuld (Über-Ich), aber eine unglückliche Anfälligkeit… Deshalb kann man nicht schlichtweg sagen „Der Mensch ist gut.“
Es gibt Menschen mit weniger gut ausgebildeten „Spiegelneuronen“, Problemen mit dem Frontalhirn, etc. Genauso wie es von Natur aus friedlichere und angriffslustigere Schäferhunde aus ein und demselben Wurf gibt. Nichts wird jemals perfekt („gut“) sein. Ähnlich argumentiert auch LaMettrie mit den Kenntnissen eines Mediziners aus dem 18. Jahrhundert. Und seine Antwort war ähnlich „ökonomisch“ (sexualökonomisch, „energieökonomisch“) wie die Reichs: Zähmung durch „tugendhafte Lust“.
Authentisch, autonom, frei, selbstbewußt, glücklich und produktiv (Teil 5)
5. Juni 2023Am Ende bleibt natürlich die Frage wie man denn authentisch, autonom, frei, selbstbewußt, glücklich und produktiv sein soll, wenn die Sinnfrage nicht beantwortet wird.
Man kann die Frage nach dem Sinn des Lebens mit Epikur vom Tisch wischen: Wenn ich bin, ist der Tod nicht da, wenn der Tod ist, bin ich nicht da. Da dergestalt der Tod und ich nichts miteinander zu schaffen haben, läßt mich das Mysterium der Existenz kalt. Oder im Reichschen Sinne: der Sinn des Lebens ist das Leben selbst. Nur wenn ich das Leben verfehle, beunruhigt mich die „Sinnfrage“. Oder Stirner angesichts des „Nichts“: ICH bin der Sinn, eben weil ich meine Sache auf nichts gestellt habe, d.h. nicht als „Geschöpf“ reagiere, sondern spontan agiere.
Gemeinhin vermeinen wir ja den Sinn gefunden zu haben, wenn wir eine Ebene außerhalb des sinnlosen Kreisens von Ursache und Wirkung gefunden haben, gemeinhin „Gott, den Schöpfer“. Für Stirner ist diese Sinnsuche ähnlich abwegig wie für Epikur die Angst vor dem Tod abwegig war.
Nietzsche hat das besagte sinnlose Kreisen ins Bild der „ewigen Wiederkunft des Gleichen“ gepackt, das die absolute Sinnlosigkeit verkörpert. Es gelte, so Nietzsche, über diesen Wahnsinn hinauszuwachsen, indem man über sich hinauswächst. Diese „heroische“ Überspannung war buchstäblich Muskelanspannung: die Verherrlichung des Muskelpanzers. Sehr schön dargestellt in Arno Breckers Skulpturen von „Herrenmenschen“. LaMettries und Stirners Umgang mit der Sinnfrage war grundsätzlich anderer Art. Entweder fehlt ein „Urvertrauen“ oder man hat es. Der erstere hat allenfalls die Option sich „heroisch“ zu verspannen, der letztere kann sich wollüstig fallenlassen.

Authentisch, autonom, frei, selbstbewußt, glücklich und produktiv (Teil 4)
4. Juni 2023Du kannst nur authentisch, autonom, frei, selbstbewußt, glücklich und produktiv sein, weil die Orgonenergie eine ganz bestimmte Eigenschaft hat, die aller mystisch-mechanistischen Weltanschauung widerspricht: Spontanität.
Die Auseinandersetzung mit Max Stirner zwang Marx seinen Feuerbach‘ismus, d.h. die pseudoatheistische Vergöttlichung „der Menschheit“, hinter sich zu lassen und stattdessen den Historischen Materialismus zu entwerfen. Was leistet der? Er vergesellschaftet das Individuum und errichtet so durch die Hintertür doch wieder „die Menschheit“ Feuerbachs.
Dazu diese interessante Aufstellung: https://willenberg-clp.de/wp-content/uploads/2020/10/synopse-fb-m-f.pdf
Wie passen LaMettrie, Stirner und Reich hier rein? Sie vertreten keine Projektionstheorie, sondern, frei nach Sandor Ferenczi (als der um 1910 herum ganz kurz Reich vorwegnahm und dafür von Freud zusammengestaucht wurde), eine Introjektionstheorie.
Wer vertritt noch eine Introjektionstheorie? Das Christentum: der Mensch betet keinen Götzen (Gott) an, sondern umgekehrt wird Gott zum Menschen. Stirner spielt darauf in seinen anfänglichen Reden an Kirchengemeinden an. Und Stirner kehrt es schließlich um: ich habe meine Sache auf mich gestellt – genauso wie Gott die Welt aus dem Nichts geschaffen hat. Was bedeutet, die Welt aus dem Nichts zu schaffen? Spontanität, agieren aus der eigenen Fülle jenseits von „Ursache und Wirkung“.
Das Christentum vertritt eine zweite, komplementäre Introjektionstheorie: das gesamte Neue Testament handelt von nichts anderem, als daß „Dämonen“ von uns Besitz ergreifen und uns der Selbststeuerung berauben. Aus äußeren Hierarchien werden „innere Hierarchien“ (das Über-Ich), die uns dazu bringen gegen unsere eigenen Interessen zu handeln.
Stirner war dergestalt Materialist, weil er die allgemeinen Begriffe („die Menschheit“) aufhob und er war gleichzeitig Antimaterialist, weil er damit genau das aufhob, was den Wesenskern des Materialismus ausmacht: Ursache und Wirkung. Spontanität ist mit jedwedem Materialismus unvereinbar. Ich erinnere an den strengen Determinismus sowohl bei Marx als auch bei Freud (und gewisserweise auch bei Nietzsche). Hinter diesem Determinismus verbirgt sich natürlich letztendlich nichts anderes als der Deismus und damit ein „moralisches Universum“ – also die pseudomaterialistische Pseudoaufklärung, die alles Tat, um den Störenfried LaMettrie zu beseitigen.




















