Posts Tagged ‘indische Musik’

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Orgonmystik

20. September 2015

Gerade bin ich beim Surfen im Internet zufällig über einem Blog mit Photos von Sri Chinmoy gestolpert. Da er eine gewisse Bedeutung in meinem Leben hatte, bin ich hängen geblieben. Als ich dann nach ein paar Minuten mit meiner Schreibarbeit weiter machte, hatte ich ein intensives „Bewußtseinserlebnis“, wie es der Orgontherapie-Patient aus der Behandlung kennt. Ich bin überzeugt, daß Leute wie Sri Chinmoy genau so ihre lebenslangen Anhänger gewinnen: irgendwelche außergewöhnlichen Gefühle überzeugen diese, daß sie ein für allemal die Wahrheit gefunden haben. Das sind dann solche Typen, die sich auch in die nächstbeste Frau „unsterblich“ verlieben würden. Wie bewerkstelligen „religiöse Führer“ und ganz allgemein religiöse Systeme etwas, was sonst nur der Sexus vermag?

Wie Reich in Massenpsychologie des Faschismus ausgeführt hat, ist Religion nichts anderes als fehlgeleitete sexuelle Erregung. Diese wird auf „keusche“ Weise heraufbeschworen, indem jene Bewußtseinszustände erzeugt werden, die gemeinhin mit sexueller Erregung einhergehen. Das geschieht durch eine feierliche „übermannende“ Architektur, Riten und Musik die einen „orgastischen“ Spannungsbogen haben, eine „aufgeladene“ Atmosphäre, wie sie charakteristisch für orgonotische Erstrahlung ist, und durch eine „verzückte“ Erscheinung der „Erleuchteten“ mit selig „orgastisch“ weggetretenen Augen.

In der hinduistischen Religiosität wird diese sexuelle Komponente offen eingestanden. Beispielsweise haben in der klassischen indischen Musik die Liedtexte durchweg einen geradezu anzüglichen sexuellen Gehalt. Es sind schmachtende Liebeslieder. Alles dreht sich um „Bhakti“, die durchaus sexuelle Liebe zu Gott bzw. seiner Inkarnation auf Erden, dem Guru. Wobei der Gläubige stets die weibliche Rolle übernimmt, die ihren unerreichbaren Geliebten anschmachtet. Sexuelle Abstinenz im realen Leben soll das Seelenfeuer weiter anfachen.

Rationalistische Atheisten werden niemals die Religion besiegen oder auch nur eindämmen können. Es geht in der Religion nicht um bewußte „rationale“ Entscheidungen und Einsichten, sondern um Gefühle und „Bewußtseinszustände“, die einen spontan überkommen. Insbesondere sind jene betroffen, die „Lücken“ in ihrer Panzerung haben. Allenfalls vollkommen „zugepanzerte“ Menschen wären frei von religiösen Anwandlungen.

Derartige Anwandlungen sind auch vollkommen harmlos, solange sie nicht Anlaß für „feste religiöse Überzeugungen“ oder gar religiösen Fanatismus werden. Man kann beispielsweise von einem Weihnachtsoratorium, das man in einer Kirche hört, und der Verkündigung vollkommen ergriffen sein, daß das Licht in die Finsternis getreten ist und diese besiegt habe. Es handelt sich dabei um eine natürliche Erregung bzw. Erstrahlung der organismischen Orgonenergie. Es wird erst pathologisch, wenn man daran festhält, d.h. wenn man sich gegen das Weiterströmen der Orgonenergie sperrt. Je orgastisch impotenter man ist, desto fester klammert man sich an die vermeintlichen „Offenbarungen“: aus der Orgonenergie wird „Gott“.

Im Tantra wird die Sexualität, die stets mit „Bewußtseinszuständen“ jenseits des Alltagsbewußtseins einhergeht, für die „geistige Befreiung“ benutzt. Das mag auf den ersten Blick geradezu „sexualpositiv“ aussehen, entspricht jedoch ganz im Gegenteil der extremsten Form der orgastischen Impotenz, denn es wird auf die genital-orgastische Entladung verzichtet, „um keine spirituelle Kraft zu verschwenden“. Es entspricht in etwa dem, was Freud „Sublimation“ genannt hat.

Von Seiten der „Esoterik“ wird nun versucht, auch die Orgonenergie selbst, die durch die Erforschung der orgastischen Plasmazuckung entdeckt wurde (Orgasmusformel, bioelektrische Experimente, Bion-Experimente), für „spirituelle“ Zwecke zu instrumentalisieren. Demnach ist die Orgonenergie sozusagen eine vermittelnde Zwischenschicht zwischen dieser Welt und der „geistigen Welt“. Die Orgonenergie wird zu etwas rein Subjektivem, das weitgehend bar einer physikalisch meßbaren Realität ist. Etwas, was dem „Geist“ erlaubt, sich in der materiellen Welt zu manifestieren.

Die Orgonomie war von Anfang an mit derartigen Vorstellungen konfrontiert. Schon Anfang der 1920er Jahre setzte sich Reich mit vermeintlich „esoterischen“ Ansätzen in seinen Buchbesprechungen auseinander, die er für psychoanalytische Zeitschriften schrieb. In den 30er Jahren war Reichs Freund und Mitarbeiter Roger DuTeil ein Bergsonianer und „Spiritualist“. In seinem in der Originalausgabe Die Bione von 1938 veröffentlichten Aufsatz „Leben und Materie“, billigt er dem Leben eine metaphysische Sonderstellung zu. Reich selbst wollte diesen Aufsatz aus späteren Auflagen gestrichen wissen, was ja auch geschah, und im übrigen bestritt Reich schon damals ausdrücklich, daß „das Lebendige ein vom Nichtlebenden völlig abgetrenntes, eigens metaphysisch gegebenes Gebiet“ sei (ebd.). Sechs Jahre später sagt er in seinem Artikel „Orgonotic Pulsation“:

Wenn wir nicht vorsichtig vorgehen, könnten durchaus einige Generationen von Mystikern erstehen, die das Orgon metaphysisch, losgelöst von der nicht-lebenden Natur und nicht vom Standpunkt der Naturwissenschaft her verstehen. Und ich denke, wir haben bereits mehr als genug Mystizismus in dieser Welt. (Orgonomic Functionalism, No. 5, S. 44)

Der Artikel zeigt, wie sich Reich ganz von Zugeständnissen an sowohl den („dialektischen“) Materialismus als auch insbesondere den „Spiritualismus“ befreite. In „Orgonotic Pulsation“ strebt er danach, sich langsam von allen Begriffen, die irgendwelche Konnotationen mit materiellen oder „spirituellen“ Substanzen haben, zu befreien. Entsprechend spricht er von „orgonotischer Erregung von Isolatoren“ statt „Ladung“, und von „orgonotischer Anziehung und Abstoßung“ statt „Kontraktion und Expansion“. An anderer Stelle will er den Substanz-Begriff „vegetative Strömung“ durch die funktionelle „plasmatische Erregung“ ersetzt wissen (Der Krebs, Fischer TB, S. 347).

Was machen nun die ach so innovativen „Weiterentwickler“ der Orgonomie? Sie fallen noch hinter die provisorische, von Substanzbegriffen geprägte Orgonomie der Anfänge zurück, reden von irgendwelchen Seelensubstanzen und müssen metaphysische „Formgesetze“ erfinden, die ihr „chaotisches“ mechano-mystisches Universum ordnen. Wie Reich schreibt: „Mit Zwecken läßt sich leicht alles erklären“ (ebd., S. 77f). Man braucht nicht mehr die Natur unbekannter Funktionen mühsam ergründen, vielmehr wird einem alles fertig auf dem Tablett serviert: es ist „Gottes Wille“, es ist der „Geist“, das „Naturgesetz“, dem alles folgt. Für Blitze ist der Donnergott verantwortlich! – Nichts anderes verbirgt sich hinter inhaltsleeren Begriffen wie „Wirkstruktur“. Was ist für die Struktur der Bion-Präparate verantwortlich? Jenseitige Strukturen!

In die gleiche Kategorie gehören die „Lösungen“ für das Rätsel des menschlichen Bewußtseins. Was ist Bewußtsein? Das „metaphysische Heinzelmännchen“ wie Reich es nennt,

das angeblich im Hintergrunde der Lebensfunktionen wirkt, denkt, fühlt, empfindet, reagiert. Das führt nirgends hin. (ebd., S. 400)

Nach Reich ist Bewußtsein das Zusammenfließen der diversen Sinneseindrücke und Emotionen in eine funktionelle Einheit (Äther, Gott und Teufel, Frankfurt 1983, S. 63). Sinneseindrücke und Emotionen führt Reich ihrerseits bis „auf die Bewegungsformen der Weichtiere und Protisten“ (Charakteranalyse, KiWi, S. 519) und letztendlich auf die „Reizempfindlichkeit des rein physikalischen Orgons“ zurück (Äther, Gott und Teufel, S. 91).

Diese Leute sprechen von einem „primordialen Bewußtsein“, das Erinnerungen etwa so speichert wie ein Magnetband. Dabei hat Reich in der Charakteranalyse lang und breit ausgeführt, daß das Ich die Summe aller vergangenen Erlebnisse ist. Da wird nichts mechanisch „abgespeichert“, sondern in der Vergangenheit wurden bestimmte Weichen für die Strukturierung des sich entwickelnden Organismus gestellt, weshalb „Erinnerungen“ nichts anderes sind als die Wahrnehmung der aktuellen biophysischen Struktur des Organismus. Wie sollte es auch anders sein? Imgrunde sagen die „Weiterentwickler“ der Orgonomie natürlich auch nichts anderes, nur daß sie die Welt überflüssigerweise verdoppeln.

Die „Orgonmystiker“ fallen der Panzerung zum Opfer. Das, was sie wahrnehmen, ist die durch die Panzerung „umgebogene“ und verzerrte Orgonenergie, die entsprechend etwas Krankhaftes, „Okkultes“ an sich hat und auf ein „Jenseits“ ihrer selbst verweist – d.h. auf jenseits der Panzerung. Die vermeintliche Wahrnehmung der Orgonenergie entspricht hier der krankhaften Transformation von Emotion in Sensation.

Tantra ist Antisexualität, nämlich orgastische Impotenz, genauso wie die „Orgonesoteriker“ Antiorgonenergie sind, d.h. Panzerung.

Die folgende Abbildung beschreibt in etwa was geschieht:

Kult!

26. Februar 2014

Der 2007 verstorbene indische „spirituelle Meister“ Sri Chinmoy hat, wenn auch indirekt, wie kaum jemand sonst mein Leben geprägt. Anfang der 1970er Jahre war ich ein eingeschworener Fan der Jazz-Rock-Gruppe Mahavishnu Orchestra, das von einem seiner Jünger, dem Gitarristen John McLaughlin gegründet worden war. Chinmoy hatte ihm den bombastischen spirituellen Ehrennamen „Mahavishnu“ gegeben und umgekehrt sollte nun das Mahavishnu Orchestra Gott mit Musik preisen – denn Chinmoy galt unter der Hand als Avatar Gottes. (Später erfuhr ich, daß Chinmoy ein Schüler von Sri Aurobindo war, dessen „integratives Yoga“ ich damals halbherzig betrieb.)

Bei der Lektüre des Buches über diese Gruppe Power, Passion and Beauty. The greatest band that ever was ist mir beim Bekunden des Verfassers, sein Schreibstil würde auf die zwischen Chaos und strenger Ordnung changierenden Musik des Mahavishnu Orchestras zurückgehen, aufgegangen, daß auf mich genau dasselbe zutrifft. Wir „Vishnus“ fühlen, denken und schreiben anders als ihr Normalos 😉

Aber nicht nur, weil er den Kopf der greatest band that ever was inspiriert hat – ohne Chinmoy hätte es diese Musik nie gegeben – auch um ihn selbst wegen, ist es verlohnend, sich mit diesem ansonsten vollkommen unbedeutenden Guru zu befassen. Beispielsweise verlangte er von seinen Jüngern sexuelle Abstinenz… – man lese auf der von seinen klagefreudigen Jüngern zusammengestrichenen Website weiter. Seine Komplexe kompensierte er mit absurden Weltrekorden im Gewichtheben, das Zelebrieren von Katzenmusik („Friedenskonzerte“) und das Beschmieren von Papier (unendlich viele „Gedichte“ und „Malereien“).

Seine tragikomische Geschichte ist ein Lehrstück über die Massenpsychologie des Faschismus. Diese Melange aus banalem Gelaber, das als „Tiefe“ durchgeht, aus Sexualhunger, Doppelmoral, Machtbesessenheit und einer gewissen „Dämonie“ findet sich bei allen Gurus und Lamas, – wenn man etwas an der Oberfläche kratzt. Es ist immer die gleiche schmutzige Geschichte: Alkoholiker, Kinderficker, Vergewaltiger, Perverse. Siehe dazu Die Massenpsychologie des Buddhismus, sowie Swami Paramahamsa Nithyananda. Oder etwa der Fall Oliver Shanti.

Um so verwunderlicher ist es, daß diese Wichte ihre Anhänger zu insbesondere künstlerischen Höchstleistungen inspirieren können. Dazu folgender Kommentar aus YouTube zu John McLaughlins Entwicklung von der greatest band that ever was hin zum zweiten Mahavishnu Orchestra bis heute:

Ich beneide Sie wirklich, daß sie bei jenen Konzerten in den 70ern teilnehmen konnten. Was die Intensität betrifft würde ich das erste Mahavishnu Orchestra bevorzugen, aber das zweite Mahavishnu Orchestra war auch noch ziemlich intensiv im Vergleich mit der One Truth Band und den späteren Bands von John. Während der Periode des ersten Mahavishnu Orchestra war er noch ein Apostel des Gurus Chinmoy und später, als er ihn verließ, wurde er meiner Ansicht ein mehr konventioneller Jazzspieler, ein Teil seiner einzigartigen Kraft verschwand.

Offensichtlich können wir erst dann zu unserem wirklichen Potential durchdringen, wenn wir unser lächerliches anerzogenes „Ich“, unsere ach so kostbare „Persönlichkeit“ opfern. Auf diese Weise tun die diversen Kulte und Religionen etwas, was die Kämpfer für die „geistige Freiheit“ (die schöne bunte Welt der Neurosen) wohlweislich nie erwähnen: sie demaskieren unsere vorgebliche „Mündigkeit“ und „geistige Unabhängigkeit“ und machen deutlich, daß wir sterile Seelenkrüppel sind, hoffnungslos abgetrennt von den Quellen unserer Produktivität.

In gewisser Weise trifft das sogar auf die Orgonomie zu. Viele „Orgonomen“ haben nur deshalb etwas geleistet, weil sie Reich und später Baker verfallen waren. Nach dem Tod ihrer kultisch verehrten Meister (oder nachdem sie sich bereits vorher desillusioniert abgewendet hatten) waren sie auf sich selbst zurückgeworfen – unproduktive leere Säcke, die wieder ihr vermeintlich „eigenes“ Leben lebten. Was sie zuvor geleistet hatten, steht genauso da wie beispielsweise die christlichen Kathedralen oder die große Kirchenmusik. Durch Löcher, die durch „Hingabe an den Meister“ in die Panzerung gerissen wurden, fließt die schöpferische Urkraft in die Falle hinein und erschafft unsterbliche wissenschaftliche und künstlerische Werke.

In ihrem Spiel wurden John McLaughlin und Jan Hammer (der Keyboarder) entscheidend vom südindischen Vina-Spieler S. Balachander beeinflußt. Hier eine direkte Schülerin Balachanders, die zeigt, wie es sich anhört, wenn Gott selbst Musik macht:

Wir werden alltäglich mit „Spiritualität“ bombardiert. Das Problem ist nur, daß es sich dabei meist um fettreduzierte Magerformen handelt. Man denke nur mal an die unerträglich gefällige New Age Musik.

Wahre Spiritualität muß man sich mühsam erarbeiten. Sei das nun, indem man sich lange in die klassische Musik einlebt oder etwa sich langwierig mit chinesischer Tuschemalerei beschäftigt.

Es ist ein Abenteuer. Man entdeckt immer wieder neue Nuancen und macht unerwartete Erfahrungen.

Es gibt die, die auf dem Wanderweg bleiben und von einer Sehenswürdigkeit zur anderen eilen. Und jene, die sich die Mühe machen, im Gehölz und Gestein herumzukraxeln, um die Landschaft bis in die tiefsten Winkel auszukundschaften.

„Unsterblichkeit der Seele“. Das ist eine Verortung der Ewigkeit in der Zeit – denkbar „unspirituell“.

Das einzige, was zählt, ist der gelungene Augenblick, der einen absoluten Wert an und für sich hat. Spiritualität ist das Aufsuchen solcher Augenblicke.

Oder wie John McLaughlin einmal sagte: „Die einzige Botschaft ist die Musik selbst!“

Orgonmusik

18. Juni 2012

Bei Angst pressen Tiere verzerrte und dissonante Töne aus ihrer Lunge. Wir reagieren erregt und irritiert, wenn wir entsprechende Musik hören.

Auf dieser Weise übte beispielsweise die Musik von Jimi Hendrix seine Wirkung aus. Hier seine kreischende ORANUR-Hymne Purple Haze („violetter Dunst“):

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=0lSRISMVb_E%5D

Musik ist unmittelbarer Ausdruck des Erregungs- und Bewegungszustandes unserer organismischen Orgonenergie bzw. kann diese entsprechend beeinflussen.

Reich hat dazu geschrieben:

(…) Jeder musikalische Mensch kennt den Emotionszustand, den große Musik hervorruft. (…) Die Musik ist wortlos und will es bleiben. Sie ist trotzdem ein Bewegungsausdruck des Lebendigen und ruft im Hörer „Ausdruck“ oder „Bewegtheit“ hervor.

Man pflegt die Wortlosigkeit der Musik entweder als Zeichen von mystischer Geistigkeit oder aber als allertiefsten, in Worten nicht faßbaren Gefühlsausdruck zu bezeichnen. Der naturwissenschaftliche Standpunkt bekennt sich zur Deutung, daß der musikalische Ausdruck mit letzten Tiefen des Lebendigen zusammenhängt. Was man als „Geistigkeit“ großer Musik betrachtet, wäre demnach nur eine Umschreibung der einfachen Tatsache, daß Gefühlsernst identisch ist mit Kontakt mit Lebendigem jenseits der Sprachgrenze.

(…) Der Künstler selbst spricht zu uns zweifellos in der Form wortloser Ausdrucksbewegungen aus der Tiefe der Lebensfunktion; aber er könnte das, was er musikalisch (…) ausdrückt, selbst ebensowenig in Wort fassen wie wir. (…) Er bestätigt dadurch die orgonphysikalische Behauptung, daß das Lebendige über eine eigene Ausdruckssprache vor, jenseits und unabhängig von aller Wortsprache verfügt. (…) (Charakteranalyse, KiWi, S. 475f)

Ich verweise nur auf John Diamonds Erkenntnisse über „Lebensenergie in der Musik“.

Es gibt in der klassischen Musik bestimmte Komponisten (etwa Beethoven, Bach und Mozart, aber auch viele andere), die mehr als andere direkt von „göttlicher Inspiration“ beflügelt wurden bzw. sich beflügeln ließen. Die Musik dieser Komponisten hat eine besonders energiestärkende Wirkung. Voraussetzung: Ihre Musik wird von Interpreten gespielt, die sich in den Dienst dieser göttlichen Inspiration stellen und nicht verkrampft oder aus egoistischem Interesse spielen (etwa um Starstatus zu erlangen).

Ich habe mich damit bereits an anderer Stelle beschäftigt.

Beethoven war Reichs Lieblingskomponist. Alexander Lowen hat 1951/52 über dessen Symphonien einen Artikel geschrieben, der mit folgendem Absatz endet:

Es gibt viele Gemeinsamkeiten, was die Persönlichkeiten von Reich und Beethoven betrifft. Beide betrachteten sich selbst als große Männer, die über der Masse der kleinen Menschen standen. Jeder arbeitete mit kosmischen Gefühlen, Beethoven in der Musik, Reich in der Wissenschaft. Ich glaube, es wurde deutlich, daß sie mit identischen Prinzipien arbeiteten, die die natürlichen Erregungsvorgänge beherrschen. Reich identifizierte sich mit Beethoven. Er stimmte mir zu, als ich ihn 1952 während meines Besuches auf Orgonon auf seine Ähnlichkeit mit Beethoven hinwies. Reich sagte: „Wir haben den gleichen Blick vom Berggipfel auf die Welt unten.“ Es bleibt zu hoffen, daß die Menschheit eines Tages Reichs Beiträge genauso anerkennen wird, wie sie es bei Beethoven getan hat. („Beethoven. Music and the Cosmos“, The Creative Process, 4(1), Sept. 1964, S. 31-54)

Als ich 17 oder 18 war, lag in mal für ein paar Tage im Bett, um einen Infekt auszukurieren. Während dieser Zeit hörte ich täglich stundenlang Kammermusik von Beethoven. Es ist eines der intensivsten spirituellen Erlebnisse meines Lebens. Es ist wirklich ein Privileg, mit dem Geist eines so großen Mannes in eins fließen zu dürfen.

Der Musikologe Jack Diether, der Reich 1946 kennenlernte, hat auf Anregung des Orgonomen Paul Mathews, der ein begeisterter Hörer der Symphonien Bruckners und Mahlers war, den Artikel „Gustav Mahler and Orgonomy“ verfaßt (The Journal of Orgonomy, 8(2), November 1974, S. 216-224).

Mahlers Musik sei von einer ungeheuren inneren Spannung erfüllt, die manche besonders gepanzerte Menschen einfach nicht ertragen können. Diether zitiert in diesem Zusammenhang Mathews:

Die dämonische Natur Mahlers beruhte auf dem Kampf zwischen seiner Panzerung und der enorm kontaktvollen Orgonenergie, welche die großen Löcher in seinem Panzer durchdrang. Seine Musik ist geprägt von der Mischung aus Todesangst – d.h. Orgasmusangst – und der himmlischen Freude, die den Menschen beim letztendlichen Durchbrechen seines Panzers erwartet.

Ganz dasselbe ließe sich über Bruckner sagen.

Mein Lieblingskomponist, neben Mozart, ist Bela Bartok, dessen enge Verbindung zur Orgonomie gegenwärtig ein Freund von mir en detail erforscht. Bartoks geniales Stück „Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta“ ist das Stück, das man dem Drama des 20. Jahrhunderts unterlegen könnte. Es ist die Vertonung jener inneren Spannung, die das letzte Jahrhundert buchstäblich zerrissen hat.

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=m6R4uw-Bapc%5D

Noch etwas ist absolut bemerkenswert an Bartok: wie kein anderer ist er in der Volksmusik verankert – und zwar in der ursprünglichen Volksmusik, die er als Musikethnograph selbst dokumentiert hat. Diese Elemente scheinen in „Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta“ durch, das gleichzeitig von einer extrem komplexen Harmonik und nicht zuletzt vom Goldenen Schnitt und der Fibonacci-Reihe bestimmt ist. Wirklich in jeder denkbaren Beziehung „kosmische Musik“.

Zum Schluß klassische indische Musik, die der klassischen Musik des Westens in nichts nachsteht. Sie hat sogar den Vorteil, daß sie, in einem sehr strengen Rahmen (ein falscher Ton und das Stück ist irreparabel zerstört!), zu mehr als 90 Prozent auf Improvisation beruht, d.h. Interpret und Komponist identisch sind:

„Raga Basant Bahar“ wird von Lalmani Misra auf der Vichitra Vina gespielt. Dieser Raga verschmilzt mit der starken Hitze des frühen indischen Frühlings, von dem es heißt, daß alle Wesen durch die allumfassende Schöpferkraft, die die Umwälzung der Jahreszeiten hervorbringt, zu sprießen beginnen. In seiner Wiedergabe von Basant Bahar preist Lalmani Misra auf unnachahmliche Weise dieses prächtige Blühen der Natur.

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=D7qozV6PHSI%5D

Das ist der Klang der kosmischen Orgonenergie jenseits der Panzerung des Menschen. Siehe dazu auch meinen Blogbeitrag Was ist wahre Spiritualität?

Namaste!