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ZUKUNFTSKINDER: 6. Das sexuelle Elend der Jugend, d. Das ORANUR-Kind

3. April 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

ZUKUNFTSKINDER:

6. Das sexuelle Elend der Jugend, d. Das ORANUR-Kind

nachrichtenbrief84

3. November 2017

Die biologische, psychologische und soziologische Struktur des Menschen (Teil 1)

8. Januar 2015

Für Reich ist das Tier, einschließlich des Menschentiers, ein Produkt der fließenden Lebensenergie. Dieser Strom determiniert Gestalt und Funktion. Dazu die beiden folgenden Skizzen nach Reich:

Daß beide Systeme zusammengehören, funktionell identisch sind, ist daran ersichtlich, daß der Parasympathikus „hin zur Welt“ oben und unten von der Wirbelsäule ausgeht, der Sympathikus jedoch „weg von der Welt“ von der Mitte der Wirbelsäule.

Hingegen betrachtet Hans Hass, und mit ihm die gängige Biologie, das Tier als „ein sich fortbewegender Darm“, alles andere sei nur sekundäre Ermöglichung dieser einen Funktion des Stoff- und Energieerwerbs (Naturphilosophische Schriften, Bd. 2, München 1987). Hierzu wäre aus orgonomischer Sicht zu sagen, daß der Kalorien-Bedarf eines Lebewesens eine Funktion des Orgonenergie-Metabolismus ist. Der eine hält Diät und wird trotzdem immer fetter, während der andere trotz Völlerei doch schlank bleibt. Es scheint hier also im Organismus ein „dritter Faktor“ zwischen Kalorienerwerb und -nutzung geschaltet zu sein.

Dieser Faktor, die biologische Orgonenergie, wird allgemeinhin „das Seelische“ genannt. Für den Mechanisten sei es jedoch, so Reich in Massenpsychologie des Faschismus, „nur nebelhafte, mystische Gegebenheit oder zum besten eine Sekretion des Gehirns.“ Demgemäß ist das Seelische für den Mechanisten „nicht mehr als der Kot, der ein Exkret des Darms ist.“

Betrachten wir den Darm aus orgonomischer Sicht: Die Orgonomie ging zu einem Gutteil aus Freuds Psychoanalyse hervor. Diese leitete sich wiederum aus der (Lamarckistisch modifizierten) Darwinistischen Abstammungslehre und der Embryologie her. Hier postulierte, neben Wilhelm Ostwald, der größte Monist, Ernst Haeckel, daß sich die Phylo- in der Ontogenese wiederholt. Ein Phänomen, das sehr schön von Hass beschrieben wird (Naturphilosophische Schriften, Bd. 1). Freud glaubte, die Phylo- und Ontogenese würde sich in der psychosexuellen Entwicklung des Kindes fortsetzen.

Es gibt in der psychosexuellen Entwicklung fünf Entwicklungsstufen, wobei in der gesunden Entwicklung aber nur die zweite und fünfte libidinös besetzt sind. Siehe dazu auch meine Ausführungen in Biologische Entwicklung aus orgonomischer Sicht.

1. Die erste Stufe in der phylogenetischen Entwicklung der Metazoen wird durch die mikroskopisch kleine Gitterkugel Volvox repräsentiert. In der Ontogenese entspricht dies der „Blastula“, einer mit Flüssigkeit gefüllten aus Zellen gebildeten Hohlkugel.

Dies entspricht funktionell dem, aufgrund von Reichs Schizophrenie-Forschung von seinem Schüler Elsworth F. Baker postulierten, „okularen Stadium“ der Entwicklung der Libido.

2. Durch Einstülpung dieser Hohlkugel entwickeln sich der „Urdarm“ und der „Urmund“. In der fötalen Entwicklung nennt man diese Stufe „Gastrula“. Freud brachte diese Entwicklungsstufe mit dem „oralen Stadium“ der Libido in Verbindung.

Reich hat, im Anschluß an Freud, entdeckt, daß analog zum Genital beim Erwachsenen der Mund beim Baby einen (oralen) Orgasmus auslösen kann. Phylogenetisch entspricht die orale Stufe den Hohltieren, z.B. den Quallen. Vielleicht macht dies verständlich, warum es einen „oralen Orgasmus“ (beim Säugling während des Stillens) überhaupt gibt. Hat doch Reich in seinem Aufsatz über „Die Ausdruckssprache des Lebendigen“ dargelegt, daß die Ausdrucksbewegung im Orgasmusreflex funktionell identisch mit der einer schwimmenden Qualle ist. Sie entspräche bei uns einer „aktuellen Mobilisierung einer biologischen Bewegungsform, die bis zum Quallenstadium zurückgeht“ (Charakteranalyse).

Der britische Psychologe Maurice Yaffe hat in den 1970er Jahren eine funktionelle Identität zwischen oralem und genitalem Funktionieren, eine enge Wechselbeziehung zwischen Tisch und Bett entdeckt. Wer sein Essen achtlos hinunterschlingt, ist höchstwahrscheinlich ein ausgemachter Sex-Muffel. Wer sich dem Menü jedoch hingebungsvoll und genüßlich widmet, verhält sich wahrscheinlich auch in der Liebe ähnlich. Yaffe stellte fest, daß Männer, für die das Essen nur eine Kalorienquelle ist, oft sexuell frustrierte Frauen hatten. Schnellesser litten entweder unter Ejaculatio praecox oder hätten entweder noch nie in den Armen einer Frau gelegen, machten sich nichts aus der Liebe oder versuchten ihren Mangel an Sex durch vermehrte Nahrungsaufnahme zu kompensieren.

3. Nach der Ausbildung des Urmundes verzweigte sich die Evolution wie folgt:

Bei den Vordermündern bildete sich am hinteren Ende des Urdarmes eine Afteröffnung aus. Hier blieb der Urmund der Mund des Tieres. Bei den Zweitmündern, zu denen auch wir gehören, war die Entwicklung genau umgekehrt: der Urmund wurde zum After, während sich am Ende des Darmes ein neuer Mund ausbildete. Beispiele sind die Seesterne und Seeigel. Die phylo- und ontogenetische Umbildung des Mundes zum After ist nach Freud das „biologische Vorbild“ der libidinösen Entwicklung von der oralen auf die anale Stufe (Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie).

Hans Hass weist darauf hin, daß sich die Ekelreaktion, ähnlich einem Organ oder einer Fähigkeit, nur langsam entwickelt. Vielleicht hat das Ausbleiben einer solchen Reaktion, die sich bei jedem höheren Tier findet, beim Säugling dazu geführt, daß viele glauben, das After und seine Produkte würden dem (gesunden) Kind sexuelle Lust schenken. Demgegenüber hat Baker in Der Mensch in der Falle ganz klar geschrieben:

Das orale Stadium ist die einzige natürliche prägenitale Libidostufe. Die anderen sind Kunstprodukte unserer Kultur. Das Genitale ist, wie wir wissen, in der Phylogenese aus dem distalen Ende des Ernährungstraktes, der Kloake, entwickelt worden. Eine erogene Zone wird dadurch wichtig, daß sie in der Entwicklung ganz oder teilweise in bezug auf die erotische Erregung an die Stelle des Genitales treten kann. Die orale Zone tut dies normalerweise im Säuglingsalter. Die anderen tun es nur, wenn Blockierungen vorhanden sind.

4. Mit der „Kloake“, der funktionellen Einheit von After und Genitalapparat, ist phylogenetisch die phallische Organisationsstufe erreicht, aus der sich dann das Genital herausdifferenziert. „Biologisches Vorbild“ dieses Libidostadiums beim Menschen ist nach Freud „die indifferente für beide Geschlechter gleichartige Genitalanlage des Embryos.“ In der Evolution erstreckte sich dieser Zustand von den Urfischen bis zu den primitiven Säugern.

5. In den 1930er Jahren beobachtete Reich unter dem Mikroskop bei Einzellern ähnliche Vorgänge wie bei seinen Patienten (Orgasmusformel und -reflex). Diese Prozesse umfaßten jeweils den gesamten Organismus in seiner Totalität. Bei den Tieren, die zwischen den Einzellern und den höheren Säugern stehen, wird man (außer vielleicht bei Quallen und ähnlichen Tieren) jedoch kaum eine den ganzen Organismus umfassende orgastische Konvulsion („orgastische Potenz“) finden. Dort scheint sie sich immer nur auf Teilbereiche des Organismus zu erstrecken. Dementsprechend kann man die phylogenetische, ontogenetische und libidinöse Entwicklung als Koordination der orgastischen Funktion, als Weg zu ihrer Wiederherstellung betrachten. Der gepanzerte Mensch hat diesen Weg wieder verlassen.

Die genitale Stufe, die mit 5 erreicht ist, ist funktionell identisch mit der Herausbildung des Bewußtseins: in uns ist die Orgonenergie erwacht. Dazu hat Reich 1944 in Orgonotic Pulsation das folgende geschrieben:

Während der ersten paar Monate des postnatalen Lebens kann man beobachten, wie die Organfunktionen (Bewegungen der Augen, Arme, Beine; das Zugreifen, aufrecht Sitzen, etc.) miteinander koordiniert werden, während andererseits die Lust-, Angst- und Wutreaktionen auch detaillierter, koordinierter und einheitlicher werden. Dann folgt Schritt auf Schritt der Kontakt zwischen der Bewegung der Organe und ihrer Wahrnehmung, der Reaktionen der Organe auf die Wahrnehmung und die Reaktion der Wahrnehmung auf die Bewegung der Organe. Mit der Koordination der individuellen, bis jetzt zwecklosen Bewegungen in zweckgerichtete und ganzheitliche Körperbewegungen; mit der Koordination der individuellen Empfindungen in die Wahrnehmung des ganzen Körpers; und mit der Koordination des ganzheitlichen Antriebes des Körpers mit der Wahrnehmung des Körpers entwickelt sich allmählich das, was wir Bewußtsein nennen.

Daß nur der Mensch die Genitalität und ein Bewußtsein voll ausgebildet hat, erklärt im übrigen auch, warum der Mensch als einziges Energon neben seinem „Berufskörper“ (der der Energiegewinnung dient) auch einen „Luxuskörper“ (der der lustvollen Energieabgabe dient) ausgebildet hat, um Begriffe von Hans Hass zu benutzen.

Die hier beschriebene Entwicklung hin zur Orgasmusfunktion wird in der Orgontherapie wiederholt, indem vom okularen zum Becken-Panzerungssegment, von oben nach unten alle Blockierungen der organismischen Orgonenergie aufgelöst werden, bis schließlich der ganze Körper bioenergetisch koordiniert ist. Auf diesen orgonotischen Prinzipien beruht die orgonomische Charakterologie:

  1. okulare Charaktere: Schizophrenie, Epilepsie, Voyeurismus;
  2. orale Charaktere: der infantile Charakter;
  3. anale Charaktere: passiv-feminine und Zwangsneurotiker, Masochisten;
  4. phallische Charaktere: phallisch-narzißtische, chronisch und manisch depressive Charaktere, Paranoiker;
  5. genitale Charaktere: Hysterie, der Genitale Charakter.

Diese Einteilung wird sowohl von Psychiatrie und Psychoanalyse (die ohne Reichs Charakteranalyse schwer vorstellbar wäre) als auch von allen „Reichianern“ abgelehnt, da sie nichts von der Genitalfunktion wissen wollen.

Folgerichtig, und weil „der emotionell Pestkranke (…) in Unruhe oder Wut [gerät], wenn von den Mechanismen der emotionellen Pest die Rede ist“ (Charakteranalyse), wird erstrecht die sozio-politische Charaktereinteiilung bekämpft.

Sie beruht auf Reichs Erkenntnis,

daß die verschiedenen politischen und ideologischen Gruppierungen der menschlichen Gesellschaft den Verschiedenen Schichten der menschlichen Charakterstruktur entsprechen. (Massenpsychologie des Faschismus)

Nach Reich und Elsworth F. Baker gibt es derer vier:

Näheres findet sich in Der politische Irrationalismus aus Sicht der Orgonomie.

The Journal of Orgonomy (Vol. 27, No. 1, Spring/Summer 1993)

25. Juli 2012

Jedem, der die orgonomische Literatur verfolgt, wird über kurz oder lang auffallen, daß die psychiatrische Nosologie der medizinischen Orgonomen eine vollkommen andere ist als die der normalen Psychiater. Wo findet sich in der Orgonomie etwa der „Borderliner“ oder gar die „multiple Persönlichkeit“? Patienten haben in der Psychiatrie und Psychotherapie „histrionische Persönlichkeitszüge“ oder „anankastische Persönlichkeitszüge“, aber von einem „hysterischen Charakter“ oder „Zwangscharakter“ ist nie die Rede. Leute können unter einer „bipolaren Störung mit anakastischen Persönlichkeitszügen“ leiden. Fällt so etwas in der Orgonomie ganz unter den Tisch?

Peter A. Crist beschäftigt sich u.a. mit derlei Fragen in „Nature, Character, and Personality. Part 1: Introduction and General Principles“ (S. 48-60).

Demnach entsprechen „Persönlichkeitsstörungen“ der Unfähigkeit der äußeren Schicht der menschlichen Charakterstruktur, also der „sozialen Fassade“, den Ausdruck der zweiten Schicht, d.h. der „sekundären Schicht“, in Schach zu halten. Entsprechend dreht sich in der modernen Psychiatrie alles um soziale Normen. Das was gesellschaftlich stört, soll eingeschränkt werden. Wenn die „soziale Fassade“ die sekundären Triebe nicht mehr kontrollieren kann, greift die soziale Kontrolle in Gestalt des Psychiaters ein.

Orgonomische Psychiater beschäftigen sich mit einem ganz anderen Problem, dem „Charakter“. Hier geht es um die Fähigkeit der zweiten, d.h. der mittleren Schicht die Impulse, die aus dem bioenergetischen Kern nach außen Drängen, zu binden oder zu entladen. Der triebgehemmte Charakter ist entsprechend wie tot, er besteht fast nur aus „Energiebindung“, man denke etwa an den Zwangscharakter. Der triebhafte Charakter hingegen ist „Opfer seiner Triebe“, wird von wilden Ausbrüchen und Süchten getrieben. Der genitale Charakter jedoch kann sich je nach Situation angemessen zurückhalten oder sich vollkommen gehenlassen. Entsprechend beruht die Charaktereinteilung nicht auf sozialen, sondern biologischen Normen.

Das ganze kann man in etwa wie folgt beschreiben:

Die gängige Psychiatrie wird vom roten Pfeil beschrieben, die orgonomische vom blauen.

Diese Zusammenhänge sind auch der Grund warum ich mich neulich so sehr über den Begriff des „okularen Charakters“ aufgeregt habe. Mit solchen Begrifflichkeiten (die man in diversen „Reichianischen“ Therapieschulen zuhauf findet) wird die oben beschriebene Unterscheidung hoffnungslos zugekleistert und das Resultat kann nur sein schlechte gängige Psychiatrie plus schlechte orgonomische Psychiatrie, also weniger als gar nichts!

Die multiple Persönlichkeit ist eine Störung, bei der es zu einer Fragmentierung der sozialen Fassade in voneinander isolierten „Persönlichkeiten“ gekommen ist, die jedoch jeweils auf den zugrundliegenden einheitlichen Charakter zurückgeführt werden können. Die Störungen der sozialen Fassade, die den Borderliner kennzeichnen, werden in der gängigen psychiatrischen Literatur beschrieben: ständiger Wechsel von Idealisierung und Entwertung in Beziehungen, überstarke Angst vor Verlassenwerden, wankendes Selbstbild, selbstzerstörerisches Verhalten, innere Leere, extreme Stimmungsschwankungen, aufbrausendes, paranoides Temperament, etc. Die histrionische Persönlichkeit präsentiert ständig eine „dramatische Fassade“. Alle diese Persönlichkeitsstörungen können einzeln oder in Kombination bei den unterschiedlichsten Charakterstrukturen auftreten.

Das Wesen des Orgonomischen Funktionalismus wird sehr schön deutlich, wenn man Crists Erläuterungen von vor 20 Jahren mit seinem neusten Brief an die Freunde des American College of Orgonomy vergleicht. Obwohl das Thema ein ganz anderes ist, die Renovierung des „Hauptquartiers“ der Orgonomie, geht es doch um die gleichen bioenergetischen Überlegungen über die Fassade („Persönlichkeit“) und den Charakter.

The Journal of Orgonomy (Vol. 25, No. 1, May 1991)

10. Juni 2012

Die Neuro-Depesche (5/2012) berichtet vom wachsenden Widerstand von Ärzten gegenüber der Neuausgabe des amerikanischen Diagnose-Schlüssels DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders).

Durch neue Diagnosen wie dem Apathie-Syndrom oder der Ausweitung der Autismus-Kriterien könnten ungerechtfertigterweise Abermillionen Menschen zu Patienten gemacht werden. Andere äußern Fundamentalkritik an DSM als einem überlebten, nicht zukunftstauglichen Klassifikationssystem.

Wir erleben hier die Selbstaufhebung der Psychiatrie als Wissenschaft. Die orgonomische Medizin hat gut daran getan in Sachen Nosologie der Charakteranalyse Reichs treu zu bleiben.

Es begann 1926 als Reich den Begriff „phallisch-narzißtischer Charakter“ prägte und zwischen den hysterischen Charakter und den Zwangscharakter plazierte, die zuvor zumindest in den Grundzügen von Freud und Abraham beschrieben worden waren. Aus dieser klassischen Trias hat Elsworth F. Baker dann eine an seiner klinischen Erfahrung als Orgonom ausgerichtete Klassifikation der psychischen Biopathien erarbeitet. Ein knapper Überblick findet sich auf der Weltseite des italienischen Orgonomen Vittorio Nicola. Zu Reichs Lebzeiten leitete Baker die Diagnostic Clinic in New York, die alle an einer Orgontherapie interessierten durchliefen, um von Baker an die für den jeweiligen Fall geeigneten Orgonomen überwiesen zu werden.

Es hat Versuche gegeben, die bio-psychiatrische Nosologie an das DSM anzupassen. Insbesondere wurde der „okulare Charakter“ eingeführt, um frühe Persönlichkeitsstörungen wie Autismus, Borderliner, etc. in eine neue angeblich „orgonomische“ Kategorie zusammenzufassen, die man vom schizophrenen Charakter separieren müsse. Wie absurd diese Herangehensweise ist, zeigt sich allein schon daran, daß sich mittlerweile abzeichnet, daß borderline und bipolar weitgehend identisch sind, was für vollständige Konfusion sorgen würde, hätte die Orgonomie den Unsinn mit dem „okularen Charakter“ als Neuerung akzeptiert.

Orgonomisch wird die Diagnose danach gestellt, welches erogene Segment, d.h. welcher Aspekt der Beziehung zur Welt, primär gestört ist. Je schwerer diese Störung ist, desto leichter fällt die Diagnose, die bei weniger ausgeprägten Fällen manchmal erst im Verlauf der Therapie definitiv möglich ist. Man kann deshalb nicht zwischen Schizophrenen und dem „okularen Charakter“ unterscheiden, also einem Charakter mit einer stärkeren und einem mit einer schwächeren okularen Panzerung.

Der in offener Anlehnung an das DMS neu kreierte „okulare Charakter“ ist dermaßen unspezifisch, daß z.B. auch jeder angehende Orgonom darunter fallen würde, denn „okulare Charaktere“ neigten zum „Gefühl, allein, mißverstanden und ‚anders‘ zu sein“.

Lose Assoziation, Inkohärenz, allzu abstrakte oder allzu konkrete Sprache, Neologismen und Verlust von Wortbedeutungen weisen auf eine „formale Denkstörung“ hin. (David Schwendeman: Lebensenergie. Zeitschrift für Orgonomie, Bd. 5, Sommer 1995, Waldbrunn

Diagnose wird hier zu kaum mehr als Symptombeschreibung und ist damit ohne Wert. Der Wert einer bio-psychiatrischen Diagnose besteht darin, das zukünftige Verhalten oder, besser gesagt, die „Verhaltenstendenz“ vorherzusagen. Die bio-psychiatrische Diagnose beruht auf der Panzerstruktur des Patienten – etwas, zu dem konventionelle Psychiater und Psychotherapeuten gar keinen Zugang haben.

Wie Baker gearbeitet hat, wird anhand des Protokolls „In Seminar with Dr. Elsworth Baker“ (S. 57-67) deutlich. In dem hier dokumentierten Seminar trägt einer der Schüler einen Fall vor, den er als „chronisch-depressiven Charakter“ einstuft wegen seiner phallischen Züge und seines sehr geringen Selbstwertgefühls. So kann die Diskussion immer weitergehen, d.h. Symptome und generelle Eindrücke werden gegeneinander abgewogen, wie es die angehenden Orgonomen zuvor bei der Besprechung von Fallgeschichten in ihrer klassischen psychiatrischen Ausbildung gelernt hatten. Bis schließlich Baker eingreift:

Der Patient könne unmöglich ein chronisch-depressiver Charakter sein wegen seiner sehr schwach ausgeprägten Panzerung. Seine Grübelsucht und seine Depersonalisationszustände würden auf eine sehr viel stärkere okulare Panzerung verweisen, als sie vom äußeren Anschein her evident wird. Er könne schon allein deshalb kein chronisch-depressiver Charakter sein, weil sein Kiefer außergewöhnlich wenig gepanzert ist, dafür aber sein Halspanzer umso stärker ausgeprägt ist, während seine Brust wieder weitgehend ungepanzert ist. Hinzu kommt, daß der Patient das Gefühl hat, seine Beine würden nicht zu ihm gehören. Die Struktur seines Panzers und seine bioenergetische Selbstempfindung verwiesen eindeutig auf die Diagnose „schizophrener Charakter“.

Ohne die Entdeckung der Panzers und der Orgonenergie schwebt die Psychiatrie haltlos in der Luft. Leute erhalten alle möglichen Diagnosen, die kaum mehr sind als eine Beschreibung der gerade im Vordergrund stehenden Symptome. Das ist so, weil die Psychiater bei sogenannten „psychischen Erkrankungen“ nicht wissen, mit welchen Kräften sie es zu tun haben. Es geht um Emotionen, die auf spezifische und nachvollziehbare Weise blockiert werden, so daß eine korrekte bio-psychiatrische Diagnose zur richtigen Behandlung führt. Das ist so wie in jedem anderen Bereich der Medizin auch. Hingegen sind „Diagnosen“ wie „Apathie-Syndrom“ nichtssagend („der Patient ist apathisch“) und imgrunde gemeingefährliche Quacksalberei.