Archive for the ‘Sozialpsychologie’ Category

Nachfrage nach Nachrichtenbrief?

31. Dezember 2015

Das Konzept des Nachrichtenbriefs beruht auf einem bioenergetischen Rechenfehler. Deshalb kann der Nachrichtenbrief nie und nimmer einen „meßbaren“ positiven Effekt haben. (Zum „nie und nimmer“ gleich mehr!) Der Nachrichtenbrief war als Angebot geplant bzw. schälte sich dies sehr schnell als seine Rechtfertigung heraus, nachdem er aus einer Laune heraus ins Netz gestellt worden war: ein Angebot, dem langsam aber sicher eine immer weiter ansteigende Nachfrage zuwachsen sollte.

Dieses Ansinnen ist nicht nur vollständig gescheitert, sondern ohnehin von Grund auf falsch, denn rationale, lebenspositive Produkte sind stets eine Funktion der Nachfrage. Nehmen wir als Beispiel illegale Drogen. Hier erzeugt das Angebot die Nachfrage. Je mehr Drogen, desto höher die Nachfrage, auch wenn die Gegner der Prohibition das Gegenteil behaupten. Das Gegenbeispiel sind lebenswichtige Medikamente (sozusagen „legale Drogen“): erst ist die drängende Nachfrage da, der über kurz oder lang ein entsprechendes Angebot entgegenwächst. Oder wie Reich sich bei der Definition der Arbeitsdemokratie ausdrückt: „Da alle Arbeitsprozesse voneinander abhängen und miteinander organisch verflochten sind; da ferner die Konsumption [die Nachfrage] die Produktion [das Angebot] bestimmt, ist eine natürlich gewachsene und organisch funktionierende Organisation in der gesellschaftlichen Basis gegeben“ (Die Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 279).

Es besteht schlicht und ergreifend keinerlei Nachfrage nach Wilhelm Reich und der Orgonomie. Oder mit anderen Worten: es fehlen dem Nachrichtenbrief sämtliche arbeitsdemokratischen Grundlagen. Jeder kann sich selbst bei Suchmaschinen ein Bild davon machen, daß das einzige, was „in Sachen Wilhelm Reich“ zumindest marginal nachgefragt wird, neurotischer oder gar pestilenter (destruktiver) Unsinn ist wie „Orgonit“ oder irgendwelche zusammengemurksten „Körpertherapien“.

Was tun? Die Frage sollte sein, ob es irgendeinen Aspekt der Orgonomie gibt, der einer bisher unerfüllten Nachfrage entspricht bzw. einer Nachfrage, die sich in Zukunft abzeichnet!

Blickt man zurück auf Reichs Karriere in Wien, Berlin, Kopenhagen, Oslo und New York gab es eine Zeit, in der Reichs „Botschaft“ begierig aufgesogen wurde, so daß die Emotionelle Pest alle Kräfte aufbringen mußte, um das Lebendige unter Kontrolle zu halten. Nach Reichs Tod, d.h. seit Anfang der 1960er Jahre ist diese Nachfrage nach und nach weggebrochen und heute bei Null angelangt.

Was geschehen ist? Es kam zu einem der größten Umbrüche in der Menschheitsgeschichte: die Umwandlung von der autoritären zur antiautoritären Gesellschaft. Mit einigem Schrecken und großem Widerwillen hat Reich noch die Beatniks und den Rock’n Roll miterlebt, die den Ausbruch der Hölle angekündigt hatten. „Reichs Themen“ sind mittlerweile vollkommen uninteressant geworden: aus der Sexualnot wurde – „Sex“, ein Konsumgut wie jedes andere auch; aus der Befreiung des Kindes wurden – Fans von Miley Cyrus; aus der Orgonenergie wurde – der Dalai Lama. Es ist vollkommen abwegig in einer derartigen gesellschaftlichen Atmosphäre den Leuten mit „Wilhelm Reich“ auf die Pelle rücken zu wollen.

Das ist aber auch gleichzeitig eine ungeheure Chance für die Orgonomie, denn das antiautoritäre System steht unmittelbar vor dem Kollaps und – die Letzten werden die Ersten sein! Das ist auch der tiefere Grund für meine kompromißlose Ablehnung des „Reichianismus“. Ich kann mir kaum etwas Destruktiveres für die Orgonomie vorstellen, als sich dieser untergehenden Gesellschaft anzupassen. Das „Reichianische“ Gesindel, das ich in diesem Blog bis zum Erbrechen behandelt habe, erinnert mich fatal an die Psychoanalytiker Anfang der 1930er Jahre, die sich allen Ernstes an das nationalsozialistische Regime anpassen wollten. Was für ein Gesindel!

widerstand

Bildung als Allheilmittel

30. Dezember 2015

In jeder Diskussion, insbesondere aber über das Mohammedanertum, wird gesagt, daß Bildung vor Gewalt schütze, vor Frauenunterdrückung, vor religiösem Fanatismus, vor Intoleranz und Terrorismus, etc. Das ist offensichtlicher Unsinn, denn in der SS mag es tatsächlich unfaßbar ungebildete und dumme Führungskräfte gegeben haben, aber ein Gutteil waren umfassend gebildete Akademiker. Naturwissenschaftliche oder „geisteswissenschaftliche“ Bildung machte da keinen Unterschied, bzw. waren die letzteren vielleicht eher noch verbohrter und brutaler. Man denke nur an einen umfassend gebildeten Mann wie „Dr. Goebbels“. Das gleiche gilt etwa für die Rote Armee Fraktion oder die Leute, die den 9/11 durchgeführt haben. Ein „Prof. Dr.“ kann unglaublich gewalttätig, ideologisch verrannt und hinterhältig sein. Man denke nur an die teilweise wirklich umfassend gebildeten Bolschewiki! Kaum besser waren die dünkelhaften Herrenreiter, die von Privatlehrern unterrichtet worden waren und die die teuersten Universitäten besucht hatten: sie betrachteten „das Volk“ als Viehzeugs und behandelten es entsprechend, wahren Antisemiten, Kriegstreiber, etc.

Trotzdem, gegen jede Erfahrung und Evidenz, reden uns Kulturkonservative, insbesondere aber Sozialdemokraten ständig ein, daß „mehr Bildung“ das Allheilmittel sei. Das hat zwei Gründe: einen „psychoanalytischen“ und einen „marxistischen“.

Erstens glauben diese Verkünder der Bildung frei nach Freud, daß durch intellektuelle Aktivitäten zerstörerische psychische Energien im Gehirn gebunden werden („Verurteilen von irrationalen Triebregungen“). Das überzeugt insbesondere Sozialdemokraten, deren Charakterstruktur dadurch gekennzeichnet ist, daß die besagten Energien nicht wie bei Konservativen durch muskuläre Panzerung gebunden werden, sondern fast ausschließlich durch okulare Panzerung („Verkopfung“). Ihre gesamte gutmenschliche Ideologie beruht darauf, entsprechend ist Bildung ihr Gott und Erlöser.

Zweitens ist da der Vulgärmarxismus, der unsere gesamte Kultur zersetzt. Bildung kann zwar dazu führen, daß man ein höheres Einkommen hat, aber das hat nichts mit der Anfälligkeit für unmenschliche Ideologien, Terrorismus, etc. zu tun bzw. nur in der bizarren Welt des Vulgärmarxisten, wo alle gesellschaftlichen Auseinandersetzungen auf materiellen Unterschieden beruhen. Die „Unterprivilegierten“ lebten in einer veritablen Hölle und deshalb sei Gewalt unausweichlich und könne nur durch „Umverteilung“, letztendlich aber durch gleiche Bildungschancen gemildert werden. Das stimmt sogar bis zu einem gewissen Grade, denn egalitäre Gesellschaften sind tendenziell tatsächlich friedlicher, doch staatliche Eingriffe führen fast immer zum Gegenteil des Erstrebten. Erinnert sei daran, was die Billiarden an Dollar, die Washington etwa in die „Black Community“ gepumpt hat, anrichtete, oder wie die gigantomanische Entwicklungshilfe Afrika verwüstete. Der Wille zur Bildung kann nur aus der Gesellschaft selbst erwachsen, niemals aufoktroyiert werden. Beispielsweise war die Bildung der Arbeiter zu Zeiten der „Arbeiterbildungsvereine“ mit Sicherheit höher als heute, wo jedem zumindest den Realabschluß hinterhergeworfen wird.

Die Bildung ist ein falscher Messias. Natürlich hat niemand etwas gegen „Bildung“, ganz im Gegenteil, doch der orgonomische Ansatz ist vollkommen anders als der „psychoanalytische“ und „marxistische“. In der Charakteranalyse geht es zwar auch, wie in der Psychoanalyse, um das „Bewußtmachen des Unbewußten“, doch dreht sich das nicht um ferne Ereignisse, also letztendlich um einen Glaubensakt, um Interpretation, sondern um das konkrete „unbewußte“ Verhalten im Hier und Jetzt, etwa ein fixes Grinsen, hochgezogene Schultern, beständiger Sarkasmus, etc. Die erstere Art von „Deutung“ führt im Zweifelsfall in die Kontaktlosigkeit und zu haltlosen Verdächtigungen gegenüber den Eltern; Reich sprach in seiner Freudianischen Periode in diesem Zusammenhang von einer „chaotischen Situation“. Ähnlich agierte er in seiner teilweise parallel verlaufenden Marxistischen Periode: statt die Massen mit abgehobener (und ohnehin wissenschaftlich extrem fragwürdiger) „Politökonomie“ und holzschnittartigem Agitprop zu malträtieren, diskutierte er ihr Alltagsleben und ihre Bedürfnisse im Hier und Jetzt.

Mit beiden Ansätzen gab Reich den Menschen Werkzeuge in die Hand den Opferstatus zu verlassen und ihr Leben selbst zu bewältigen. Und genau hier findet sich der Unterschied zwischen „Bildung“ und Bildung. Es ist die Frage, welche Schicht der Charakterstruktur angesprochen wird:

Psychopolioekonomie

Es ist die Frage, ob man den Intellekt dazu benutzt tiefere Einsichten abzuwehren, wie es mit den Versatzstücken der Psychoanalyse und des Marxismus gang und gäbe ist. Es sei nur an all den hanebüchenen Unsinn erinnert, mit dem sogenannte „Nahostexperten“ den islamischen Terrorismus erklären. Da ist dann davon die Rede, daß wir nicht „kultursensibel“ seien, für die Sünden des Kolonialismus büßten und für die Ungerechtigkeiten des kapitalistischen Systems. Auf einer tieferen Ebene zeigt sich hier eine unverhohlene Sympathie mit dem Terrorismus, der relativiert und als gerechte Strafe für unsere vermeintlichen Untaten hingestellt wird. Ganze Bibliotheken füllen sich mit diesen willkürlichen „Analysen“ und der kaum verbrämten Sympathie mit Mord. Man denke nur an das, was über 9/11 geschrieben wurde! Was nie erwähnt wird, ist das, worum es eigentlich geht: der seit Jahrhunderten anhaltende Zusammenbruch der Sexual- und Arbeitsfunktionen in der gesamten islamischen Welt, die zutiefst autoritär geprägt ist, und deren Konfrontation mit dem zunehmend antiautoritärer werden Westen, bei dem die Sexual- und Arbeitsfunktionen, wenn auch auf andere Weise, ebenfalls zusammenbrechen. Diskussionsrunden mit „Nahostexperten“ können Stunden, Tage, Wochen anhalten und nie würde erwähnt werden, daß praktisch niemand in diesen Ländern arbeitet, so wie man in Deutschland arbeitet (zumindest gearbeitet hat), und daß man wie selbstverständlich mit seiner Cousine verheiratet wird. Es würde auch nie die Frage gestellt werden, wie auf diese extrem patriarchale und hierarchische Gesellschaft der immer weiter ausufernde gesellschaftliche Zerfall der antiautoritären Gesellschaft des Westens wirken muß. Vollends unzugänglich ist, warum der antiautoritäre Westen gar nicht genug vom dysfunktionalen Islam haben kann.

Und so in allem: das, was als Bildung durchgeht, entspricht fast immer der oberflächlichen Fassade oder der mittleren (sekundären) Schicht der Charakterstruktur. (Rein mechanisches Wissen, etwa Mathematik, ist neutral.)

Große Kunst, etwa Goethes Faust kommt aus dem bioenergetischen Kern heraus und verbindet uns mit dem bioenergetischen Kern. Entsprechend schaue man sich an, was aus den großen Werken der Weltliteratur in den letzten Jahrzehnten auf bundesdeutschen Bühnen gemacht worden ist! Diese Werke wurden sozusagen von der dritten Schicht zur ersten und zweiten Schicht „herauftransformiert“. Von modernen Produkten der Kultur brauchen wir erst gar nicht reden.

Da man die Massen prinzipiell nur durch Worte (allgemeiner durch „Signale“) erreichen kann, ist „Bildung“ tatsächlich der Schlüssel zu allem. Die entscheidende Frage ist nur, welche Charakterschicht angesprochen wird. In Äther, Gott und Teufel weist Reich darauf hin, daß die Freudsche Tiefenpsychologie den Menschen von Schuldzuweisungen befreit hat, von den Zwängen der bürgerlichen Fassade. In Menschen im Staat streicht Reich hervor, daß Marx selbst, im Gegensatz zu den späteren „Marxisten“, nicht das Ressentiment gegen die Kapitalisten schüren, d.h. nicht an die sekundäre Schicht der Massen appellieren wollte, sondern nur bestrebt war die ökonomischen Zwänge freizulegen, denen auch sie unterworfen sind. Der einzige „Appell“, der irgendwo hinführt, ist der an den bioenergetischen Kern. Jede Bildung, die diesen Namen verdient, spricht den Kern an – kommt aus dem Kern. Bildung ist bisher fast stets gescheitert, weil sie nie klar zwischen den drei Schichten unterschieden hat und so auch der Irrationalität und dem Lebenshaß dienen konnte.

bildung

Das Gesindel, das uns regiert, die „Flüchtlings“-Helfer und die Emotionelle Pest

27. Dezember 2015

Die organismische Orgonenergie pendelt zwischen produktiver Arbeit und orgastischer Befriedigung hin und her. Das eine kann ohne das andere nicht existieren.

Christoph Schlobies hat alles Notwendige gesagt über die merkwürdigen, sexuell gestörten, teilweise geradezu abartig häßlichen Gestalten (man schaue sich nur die Grünen an!), die uns regieren:

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=diGf2AEjw7U%5D

Was heutzutage an die Spitze gespült wird, sind fast durchweg pestilente Charaktere. Sie sind nur deshalb in die Politik gegangen, weil sie, strukturell arbeitsunfähig wie sie sind, im normalen Leben keinerlei Chancen gehabt hätten. Reich schreibt:

Der emotionell Pestkranke haßt die Arbeit, denn er empfindet sie als Last: er flüchtet daher vor jeder Verantwortung und besonders vor der geduldigen Kleinleistung (…), aber da er arbeitsunfähig ist, vermeidet er notwendige und schrittweise ablaufende organische Entwicklung, die jedem Arbeitsprozeß innewohnt; dies macht ihn geneigt, Ideologe, Mystiker oder Politiker zu werden, also Betätigungen zu pflegen, die keinerlei Geduld und organische Entwicklung fordern; er kann ebenso nichtarbeitender Vagabund wie Diktator auf diesem oder jenem Lebensgebiet werden; er hat ein Lebensbild aus neurotischen Phantasien fertig in sich aufgerichtet, und da er selbst nicht arbeiten kann, will er andere zur Arbeit an der Herstellung dieses kranken Lebensbildes zwingen (…). (Der genitale Charakter) arbeitet mehr als die anderen; der emotionell Pestkranke dagegen will immer weniger als die anderen arbeiten; je geringer seine Arbeitsfähigkeit (…) desto schärfer ist der Anspruch auf Arbeitsführung. (Charakteranalyse, KiWi, S. 345f)

Reich hat hier den typischen Politiker der Grünen beschrieben – bzw. heute sind fast alle Politiker so. Praktisch keiner kommt mehr aus der Sphäre der Arbeit. Da gibt es dann so groteske Gestalten wie eine SPD-Arbeitsministerin, die nie gearbeitet hat, eine SPD-Familienmisterin, deren Hauptaugenmerk auf die Zerstörung der Familie gerichtet ist, oder einen SPD-Justizminister, der mit der Meinungsfreiheit auf dem Kriegsfuß steht. Gesindel!

Dieses Gesindel wurde von einem Volk nach oben gespült, das Schlobies treffend beschreibt:

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=3j-c8_quphA%5D

Es ist ein Volk, das sich berauschen läßt, etwa von der „Flüchtlings“-Flut Ende des letzten Sommers, dem es aber nie in den Sinn kommt dem Nächsten zu helfen, im Alltag den Einsamen, Gebrochenen, Bedürftigen unter die Arme zu greifen und sei es nur mit einem freundlichen Gruß. „Der Staat“, konkret der oben beschriebene Politiker-Abschaum, soll sich kümmern. Man selbst „engagiert“ sich desto mehr, je ferner die Probleme sind oder je exotischer die Opfer seines „Bürgerengagements“ sind. Da verausgabt man sich sogar! Auf dem Weg zum Hauptbahnhof, wo man sich um „Flüchtlinge“ kümmert, würdigt man den deutschen Obdachlosen, fast durchweg hirnorganisch Kranke, keines einzigen Blickes.

Die pestilente Reaktion hinter solchen Ausbrüchen des gutmenschlichen Aktivismus, der tatsächlich nur destruktiv ist, hat Reich in Die Massenpsychologie des Faschismus freigelegt:

Jeder lebensnotwendigen und praktischen Arbeit ist eine rationale, organische Entwicklung eigen, die man mit keinerlei Mitteln überholen oder überspringen kann. Darin äußert sich ein wesentliches biologisches Grundgesetz, das wir die „organische Entwicklung“ nennen. Ein Baum muß ein Meter hoch geworden sein, ehe er zwei Meter hoch wird. Ein Kind muß lesen lernen, ehe es die gedruckte Meinungsäußerung anderer erfahren kann. Ein Arzt muß erst Anatomie lernen, ehe er Pathologie verstehen kann. In all diesen Fällen ist die Entwicklung durch den Gang des Wachstums eines Arbeitsprozesses gegeben. Der Arbeitende ist ein Funktionsorgan dieser Arbeit. (…) Dieses „Gesetz der organischen Entwicklung“ fehlt typischerweise in irrationalen Funktionen. Das Ziel steht als Idee fix und fertig da, lange bevor auch nur ein Finger praktisch gerührt wird. Die Tätigkeit folgt einer fertigen, vorgefaßten Meinung und muß daher ihrem Wesen nach irrational sein. Das zeigt sich ja klar und eindeutig darin, daß von den weltberühmten Irrationalisten buchstäblich nichts zurückbleibt, das Hand und Fuß hätte und von der Nachwelt irgendwie gebraucht werden könnte. (Fischer TB, S. 334)

Die Massen der verblödeten Gutmenschen kommen nur in Bewegung, wenn sich etwas ereignet, was von allen organischen Zusammenhängen losgelöst ist, im wahrsten Sinne des Wortes fremd ist und nur einen billigen Kick liefert (das Gefühl der moralischen Überlegenheit). Was bleiben wird, ist Katzenjammer und ein Berg von Problemen, der niemals abgetragen werden kann. Gesindel!

Björn Höcke und die körperliche Arbeit

21. Dezember 2015

In den letzten Tagen sind mir zwei Dinge aufgestoßen bzw. aufgefallen. Erstens die folgende Passage aus dem neuen Journal of Orgonomy

Wegen der gesellschaftspolitischen Rotverschiebung wird in jedem Land der modernen Welt die Kopfarbeit gegenüber körperlicher Arbeit begünstigt. Kopfarbeiter werden daher im Vergleich zu denen, die mit ihren Händen arbeiten, überkompensiert. (Robert A. Harman: „Practical Functional Economics (Part V)“, The Journal of Orgonomy, 48,2,105)

Und zweitens: ich hatte mir auf Youtube mit einiger Begeisterung den Vortrag des AfD-Politikers Björn Höcke angeschaut, in der er, ähnlich wie mein Gott Akif Pirincci, biologische Kategorien in die Politik einbrachte. Der einhellige Kommentar, auch von angeblichen Konservativen: „Was soll man dazu sagen?“ (Eine ausgewogene, rationale Diskussion der Problematik aus Sicht der heutigen Biologie findet sich hier, wobei natürlich auch Biologen dem allgemeinen Linksdrall unterliegen können.)

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=FEdA–FlSDk%5D

Was diese beiden Dinge, der Arbeitsmarkt und die wohl tatsächlich nicht ganz unproblematische Rede eines rechten Politikers, miteinander verbindet? Sie sind schlagende Beispiele dafür, wie unglaublich tief die politische Rotverschiebung, von der Charles Konia gesprochen hat, unsere Gesellschaft durchdringt! Es geht hier nicht nur darum, daß sich die Politik nach links verlagert hat, so daß ganz normale konservative Ansichten heute rechtsextrem wirken und Linksextreme der „Mitte der Gesellschaft“ zugeordnet werden, sondern um eine tiefgreifende bioenergetische Veränderung.

Daß körperliche Arbeit generell schlechter bezahlt wird als Kopfarbeit, hat erst mal nichts mit linker Politik zu tun, eher mit dem Gegenteil, mit der Ausbeutung der Arbeiter. Tatsächlich tut sich die Schere zwischen „Körper und Kopf“ immer weiter auf, weil der erstere einen immer niedrigeren gesellschaftlichen Stellenwert hat und das ist wiederum so, weil sich die Panzerstruktur der Menschen ändert. Statt durch muskuläre (körperliche) Panzerung die bioenergetische Erregung zu regulieren, geschieht dies durch intellektuelle Abwehr. War früher der Bauch (das Autonome Nervensystem bzw. das orgonotische System, das im Solar plexus seinen Mittelpunkt hat) das bioenergetische Zentrum, ist es heute das Gehirn (das Zentrale Nervensystem, die materielle Entsprechung des energetischen Orgonoms). In einer solchen Gesellschaft, die in diesem Sinne zunehmend vom Zentralen Nervensystem beherrscht wird, muß körperliche Arbeit zwangsläufig an Wertschätzung verlieren. (Man denke auch an die allgemeine Faszination mit Information und Informationsverarbeitung oder all den Verschwörungsunsinn, der seit Beginn des Internets alles zuwuchert – der Kopf ist beschäftigt. Dieses gesellschaftliche Phänomen entspricht in der individuellen Neurose dem Zwangsgrübeln.)

Daß die politische Entwicklung nach links nur ein oberflächlicher Aspekt der Rotverschiebung ist, läßt sich auch an der zunehmenden Ablehnung von „Biologismen“ ablesen. Obwohl die Verhaltensforschung, die Genetik, etc. immer mehr Fortschritte machen und mit wachsender Eindringlichkeit zeigen, wie sehr der Mensch doch ein Tier ist bzw. wie „menschlich“ doch Tiere sind, existieren diese wissenschaftlichen Erkenntnisse in einer Art Paralleluniversum, jedenfalls was den gesellschaftlichen Diskurs betrifft. Das ist so, weil die intellektuelle Abwehr davon lebt, daß sie die Biologie verleugnet. Die Menschen leben nur noch im Bereich der Psychologie und Soziologie, während die Biologie draußen vor bleibt. (Siehe meine Ausführungen in Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 3.a.).

Jene, die die sich auftuende Schere zwischen körperlicher und Kopfarbeit quasi Marxistisch mit irgendwelchen ökonomischen Zwangläufigkeiten erklären (Soziologie) oder die Reaktion auf Höckes Rede (und ähnliche Vorkommnisse) psychologistisch mit irgendwelchen von langer Hand geplanten, bewußten Machinationen erklären, spielen dieses Spiel mit – sie sind selbst Teil der Rotverschiebung. Die Verschwörungstheorien, mit denen ich mich hier bis zum Erbrechen ständig herumschlagen muß, sind meist eine Mischung dieser beiden Ansätze und sie werden einzig und allein vorgebracht, weil ihre Vertreter eine panische Angst vor der Biologie, der bioenergetischen Erregung haben. Das zeigt sich auch an ihrem Anspruch die Orgonomie sozusagen „reformieren“ zu wollen, auf daß diese nicht mehr so einseitig auf Bioenergetisches fixiert sei. Die mit verräterischer Vehemenz vorgebrachten „Argumente“ sind Emotionelle Pest, d.h. die Quelle der Erregung soll ausgeschaltet werden. Charakteristischerweise geschieht das unter dem Vorwand „helfen zu wollen“, „die Sache voranbringen zu wollen“.

Was ist der bioenergetische Unterschied zwischen der autoritären und der antiautoritären Gesellschaft?

16. Dezember 2015

Kurz gesagt herrscht heute das vor, was Reich 1925 größtenteils im Lumpenproletariat vorfand: der triebhafte Charakter (siehe sein gleichnamiges Buch, das in Frühe Schriften I wiederveröffentlicht wurde). In der Folgezeit, insbesondere in Die Massenpsychologie des Faschismus von 1933, beschrieb er den triebgehemmten Charakter, der die damalige Gesellschaft prägte. Alle Gesellschaften, ob sie einen konservativen, sozialdemokratischen, kommunistischen oder nationalsozialistischen Stempel trugen, waren darum bemüht, das Triebhafte, das Deviante, das „Asoziale“ zu marginalisieren, „unten zuhalten“, wenn nicht sogar physisch auszumerzen. Sie alle glaubten an Arbeitslager, wie es sie beispielsweise in der „DDR“ gab („Jugendwerkhöfe“). Der Slogan der autoritären Gesellschaft war wirklich „Arbeit macht frei!“

Heute haben wir das genaue Gegenteil vor uns. Das gesellschaftliche Leitbild ist der Freak, die versiffte Nutte:

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=YNSxNsr4wmA%5D

Was vor sich geht, hat Reich bereits in Der triebhafte Charakter beschrieben:

Beim Triebgehemmten bildet sich durch Identifizierung mit dem versagenden Vater langsam ein triebverneinendes Über-Ich, das, wenn es nach der Latenzperiode gesellschaftlich geboten ist, auch triebbejahende Elemente in sich aufnimmt. Diese Geschmeidigkeit ist möglich, da sich auch das Ich mit dem Vater identifizierte.

Der triebhafte Charakter unterscheidet sich vom Zwangsneurotiker durch die Bejahung der triebhaften Impulse von Seiten des Ich, sowie durch ausgiebigere Rationalisierungen. Vom Schizophrenen unterscheidet er sich durch einen besseren Kontakt zur Außenwelt, sowie das Fehlen einer schizophrenen Spaltung. Beim triebhaften Charakter gibt es keine geregelte libidinöse Struktur, sondern stattdessen ein wirres Durcheinander oraler, analer und genitaler Strebungen. Am Anfang kam es durch eine entsprechende Erziehung zur weitgehenden Triebbefriedigung, wodurch sich durch Identifizierung mit den Erziehenden ein triebbejahendes Über-Ich gebildet hatte. Dann trat von seiten der unberechenbaren Erzieher plötzlich eine traumatische Versagung ein, gefolgt von entsprechend unvollständiger Identifizierung und Bildung eines isolierten triebverneinenden Über-Ichs.

Im Gegensatz zum triebgehemmtem Charakter besteht beim triebhaften Charakter eine starke Diskrepanz zwischen Ich und Über-Ich, das vom Ich völlig isoliert ist. Dieses isolierte Über-Ich funktioniert dann wie ein verdrängter Triebanspruch im Sinne eines „Strafbedürfnisses“ (etwas, was Freud zur gleichen Zeit mit dem „Todestrieb“ erklärte). Diese Isolierung des Über-Ich gehört, so Reich 1925, zur normalen Entwicklung des Ich, denn das Über-Ich kann erst langsam durch Bewältigung der Ambivalenz integriert werden.

Beide Charaktertypen leiden unter sadistischen Impulsen, doch sind diese beim Triebgehemmten mit Schuldgefühlen verknüpft, beim Triebhaften nicht. Der erstere ist in jeder Hinsicht „gewissenhaft“, der letztere gewissenlos, was praktisch alles in der Sphäre der Arbeit und der Sexualität erklärt vom gegenwärtigen „Casinokapitalismus“ bis hin zum Zerfall der Familien, weil sich alle „selbstverwirklichen“ wollen.

Damals hatte Reich die vollständige bioenergetische Dynamik natürlich noch nicht ganz erfaßt. Es geht darum, daß wir die organismische Orgonenergie als Libido erst dann erfahren, wenn es zur orgonotischen Erstrahlung gekommen ist. Wird die Energie bereits blockiert, bevor sie den Erstrahlungspunkt erreicht hat, bleibt der Trieb unbewußt (verdrängt) und peinigt uns deshalb nicht. Man ist unwillkürlich an die Kastration von Hunden und Katzen erinnert! Wird die Energie nach dem Erstrahlungspunkt blockiert, ist das so, als würde man bei voller Geschwindigkeit auf der Autobahn eine Vollbremsung hinlegen – oder als würde beim Geschlechtsverkehr kurz vor dem Höhepunkt das Telefon neben dem Bett klingeln oder die Kinder ins elterliche Schlafzimmer stürmen: Chaos, Frust, Wut und ein schier unerträgliches Gefühl der Unbefriedigung und inneren Unruhe, das um Potenzen schlimmer ist, als wäre es erst gar nicht zu diesem Geschlechtsakt gekommen.

Starke Triebverdrängung und Reaktionsbildung („verdrängt“) steht, Reich zufolge, gegen mangelhafte Verdrängungen („unbefriedigt“). Der Orgonom Peter A. Crist erklärt das im Anschluß an Elsworth F. Baker wie folgt:

Ein unterdrückter bzw. unbefriedigter Block tritt auf, wenn der gegebene Impuls während seines naturgemäßen Entwicklungsverlaufs ständig frustriert wird, entweder während das Erregungsniveau unterhalb des Erstrahlungspunktes liegt (im Falle des unterdrückten Blocks) oder oberhalb (im Fall des unbefriedigten). („An Overview of the Biopathic Diathesis: Update, Application and Analysis“, The Journal of Orgonomy, 37(1), Spring/Summer 2003, S. 75f)

Der verdrängten Blockierung der autoritären Gesellschaft entspricht der zurückhaltende, triebgehemmte Charakter, der bioenergetische Expansion nicht ertragen kann, entsprechend in dauerhafter bioenergetischer Kontraktion gefangen ist und dessen typische Emotionen Furchtsamkeit, Angst und Niedergeschlagenheit sind. Der triebhafte, unbefriedigte Mensch von 2015 befindet sich entsprechend in einem dauerhaften Zustand der Expansion. Er kann Kontraktion nicht ertragen („der Kult der Expansion“) und ist entsprechend ständig zornig und gereizt. Im Umgang ist er nicht gehemmt, bleibt aber im Kontakt immer oberflächlich. In der autoritären Gesellschaft war die Panzerstruktur unbeweglich („verdrängt“), heute gibt der Panzer scheinbar nach, würgt dann aber reaktiv alles ab („unbefriedigt“). Damals herrschte eine mechanische Ordnung (DOR), heute herrscht eine mechanische Unordnung (ORANUR).

Stromberg und die Orgonomie

5. Dezember 2015

Man muß vier Dinge über die Emotionelle Pest, die neurotische Destruktivität im menschlichen Zusammenleben, wissen:

  1. Die Emotionelle Pest ist ansteckend. Sie ist das Gerücht, das begierig aufgegriffen und eifrig weitergegeben wird.
  2. Die Emotionelle Pest bricht sofort in sich zusammen, wenn sie mit der Wahrheit konfrontiert wird. Sie kann nur im Verborgenen gedeihen und sich ausbreiten.
  3. Die Emotionelle Pest kann sich ungehindert ausbreiten, weil sie genau dies verhindert: sie erzeugt im Opfer ein Gefühl der Hilflosigkeit und der Verwirrung, so daß es vollständig immobilisiert wird und sich nicht wehren kann.
  4. Die Emotionelle Pest erzeugt diese Hilflosigkeit, weil sie verdrängte Konflikte reaktiviert, die auf unsere sexualverneinende Erziehung zurückgehen. Insbesondere macht man sich über das Opfer lustig, indem man es imitiert: „Du Spast!“, d.h. du sexuelles Schwein. Genau deshalb, wegen unserer Unsicherheit, ist die Emotionelle Pest ansteckend (Punkt 1).

Die sozialpsychologische Forschung legt nur immer Teilaspekte dieses Mechanismus bloß. Das neuste Beispiel ist eine Studie dreier Psychologen von der Lund-Universität in Schweden.

Sie untersuchten Grobheiten und Unhöflichkeiten am Arbeitsplatz. Es geht dabei um Dinge, die sich unterhalb dessen bewegen, was verboten ist, und um das Verletzen der Normen des gegenseitigen Respekts. Beispielsweise werden dem Opfer Informationen vorenthalten und es wird von der Zusammenarbeit ausgeschlossen, man „vergißt“ ihn zu Zusammenkünften einzuladen, man schmückt sich mit fremden (seinen!) Federn, verbreitet Gerüchte, etc. Ein derartiges Verhalten sei, so das Ergebnis der Forschung, ein Hauptgrund für Unzufriedenheit bei der Arbeit, außerdem würde es sich ausbreiten, wenn nichts gegen es unternommen wird.

Die Psychologen untersuchten Grobheiten, die in Mobbing münden könnten, die aber im Gegensatz zu diesem noch kaum untersucht worden seien. Die Projektleiterin Eva Torkelson: „Es geht tatsächlich um Verhalten, das nicht unter irgendeine Rechtsvorschrift fällt, das aber erhebliche Folgen haben und sich zu regelrechtem Mobbing entwickeln kann, wenn ihm nicht rechtzeitig Einhalt geboten wird.“

Die Studie des Forschungsteams zeigt, daß die häufigste Grobheit das Imitieren des Verhaltens von Kollegen ist.

Insgesamt 75% der Befragten gaben an, Grobheiten mindestens ein bis zweimal im vergangenen Jahr ausgesetzt gewesen zu sein.

„Eine wichtige Erkenntnis aus unserer Studie ist, daß diejenigen, die sich am Arbeitsplatz grob verhalten, stärkere soziale Unterstützung erfahren, was wahrscheinlich bedingt, daß sie weniger Angst vor negativen Reaktionen auf ihr Verhalten von Seiten der Vorgesetzten und Kollegen haben“, sagt Martin Bäckström, Professor für Psychologie.

Da Menschen oft das Verhalten der anderen imitieren, besteht die Gefahr, daß Grobheit zu einem Teufelskreis wird mit erheblichen Folgen für die gesamte Arbeitsstätte. Vorangegangene Forschungen verweisen auf psychische Erkrankungen, reduzierte Arbeitszufriedenheit, Mitarbeiter, die weniger effizient arbeiten oder anderswo einen Jobs suchen, weniger Loyalität und mehr Konflikte.

Aber was kann getan werden, um unangemessenes Verhalten, das ein wenig uneindeutig ist und schwer an etwas festgemacht werden kann, anzugehen?

Eva Torkelson glaubt, daß die Lösung in der Ausbildung der Mitarbeiter und Führungskräfte liegt:

„Wenn Menschen der tatsächlichen Folgen von Grobheiten gewahr werden, öffnet es ihnen oft die Augen“, sagt sie. „Und natürlich wollen die meisten Menschen nicht dafür verantwortlich sein, daß sich die Lage am Arbeitsplatz verschlimmert.“

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=JUcS4DrExOo%5D

Der arschkonservative Nachrichtenbrief

22. November 2015

Es gibt zwei Arten von politischem Handeln: erstens aus Eigeninteresse und zweitens aus „Eigeninteresse“. Das kann man sich am Beispiel der „Flüchtlingspolitik“ vergegenwärtigen. Ein rationaler Politiker wägt nach den Interessen seines Volkes ab. Beispielsweise wäre es schlichtweg irrational, wenn Polen (von dem Multikultikackhaufen „Deutschland“ wage ich gar nicht mehr zu reden!) Moslems aus Syrien aufnähme. Gar Männer im wehrfähigen Alter!!! Warum sollte es das tun? Bei syrischen Christen und insbesondere solchen, die mit Rom verbunden sind, mag das anders aussehen. Erst recht mit möglichen Flüchtlingen aus der Ukraine. Ein irrationaler Politiker wie Merkel hingegen wird irgendein schwachsinniges, pseudomoralisches Zeugs von sich geben und darüber schwadronieren, daß es in unserem besten Eigeninteresse sei, eine Politik zu verfolgen, die nur Kosten und Probleme verursacht und sichtbar in die Katastrophe führt, die den Namen „Islam“ trägt.

Die ersteren Politiker betreiben schlichtweg Politik, so wie wir sie bereits in Schimpansenhorden finden, die letzteren Politiker betreiben etwas vollständig anderes, nämlich Gesellschaftspolitik, d.h. sie folgen einem neurotischen Zwang ähnlich einem Drogenkranken, der sein „Eigeninteresse“ verfolgt, wenn er seine letzten Hirnzellen zerstört. Jeder normale Mensch kann angesichts ihrer Handlungsweise nur mit dem Kopf schütteln, doch sie folgen auf eine verquere Weise ihrem „Eigeninteresse“ – wenn sie sich ins Knie ficken. Nur so kann man die deutschlandfeindliche, volksverräterische Politik Merkels verstehen. Es geht nicht um irgendwelche Verschwörungen oder gar rationales Kalkül, sondern um einen charakterstrukturellen Zwang. Nur von der soziopolitischen Charakterologie her, kann man die Weltläufe verstehen. Jeder andere Zugang bleibt oberflächlich oder muß vollständig in die Irre führen und ist damit integraler Bestandteil jenes irrationalen Geschehens, das er doch erklären will.

Das Grundübel des linksliberalen charakterstrukturellen Zwangs, der unsere Gesellschaft bis ins Mark aushöhlt, ist die pathologische Angst vor Aggression, d.h. vor dem Einstehen für das Eigene. Das zeigt sich insbesondere im Umgang mit dem islamischen Faschismus oder der Unfähigkeit faschistischen Gewaltherrschern wie Putin massiv entgegenzutreten. Wie feige Ratten wenden sich Linke stattdessen todesmutig mit viehischer Mordlust gegen die paar Solitäre, die sich dem selbstmörderischen Massenwahn entgegenstellen:

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=OQGDv4YnwDU%5D

 

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=lIKA0NGrckU%5D

 

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=GqOHgSOHcTU%5D

In Der politische Irrationalismus aus Sicht der Orgonomie habe ich versucht, die auf Elsworth F. Baker zurückgehende (und von Charles Konia leicht modifizierte) stark von der amerikanischen Szene geprägte „soziopolitische Charakterologie“ auf deutsche Verhältnisse zu übertragen. Ich glaube zwar immer noch, daß meine Formulierungen zum Verständnis beitragen, jedoch verwischen sie durch die besagte „Anpassung an heutige deutsche Verhältnisse“ ein, vielleicht das wichtigste, biosoziologische Geschehen der letzten 50 Jahre: die sich zunehmend beschleunigende Verschiebung des politischen Spektrums als Ganzes nach links.

In Amerika hat es zwar auch diese Verschiebung gegeben, aber nicht in diesem Ausmaß. Ein Republikaner aus dem Mittleren Westen (oder auch so mancher Demokrat aus dem Süden) wäre auf deutsche Verhältnisse übertragen schlichtweg undenkbar. Das gesamte Land würde einen hysterischen Anfall erleiden! Es gibt hier faktisch keine Konservativen mehr! Die heutigen Handvoll „Konservativen“ vertreten in Wirklichkeit linksliberale Positionen, die CDU sozialistische und die SPD/Grüne/Linke kommunistische. Und, nein, das ist nicht maßlos übertrieben!

Solche Einschätzungen scheinen nur jenen übertrieben, die sich vom ständig beschworenen „gesellschaftlichen Konsens“ mitreißen lassen. Für Leute, die das ganze von draußen betrachten, d.h. jenen, die einen biosozialen Standpunkt einnehmen, bewegt sich die gesamte Gesellschaft vor ihren Augen nach links. Den willenlosen Massenindividuen müssen sie deshalb zunehmend als „Rechtsextreme“ erscheinen, obwohl sie sich tatsächlich nie aus der Mitte wegbewegt haben. Oder anders ausgedrückt: die Orgonomie steht nicht rechts – es ist die Gesellschaft, die sich nach links bewegt!

Es bleibt die Frage, ob sich nur ideologisch etwas ändert oder auch (charakter-) strukturell! Diese Frage hat Reich in seiner Massenpsychologie des Faschismus diskutiert. Ideologisch mag sich eine Gesellschaft nach links entwickeln, doch die beharrende Kraft der unbeweglichen Charakterstrukturen wird sich langfristig doch immer durchsetzen. Auch kurzfristig kann das der Fall sein, etwa in wirtschaftlichen Krisensituationen. (Genauso wie auch beim Einzelnen in persönlichen Krisen immer der Charakter durchbricht, egal was für ein Schauspiel der Neurotiker in guten Zeiten auch immer abgezogen haben mag!)

Leider (oder, je nachdem, zum Glück) ist es aber auch so, daß sich langfristig eben auch die Charakterstrukturen verändern. Beispielsweise haben die Lebensumstände der Landbevölkerung über die Jahrhunderte hinweg die Charakterstrukturen der Menschen „konservativ gefärbt“, während aus Städtern eher „linke Kopfmenschen“ wurden. Durch ähnliche Mechanismen wird sich auch die ideologische Linksverschiebung der letzten 50 Jahre biosozial (charakterologisch) niederschlagen. Tatsächlich ist es bereits soweit, wenn man die heutigen Heranwachsenden betrachtet.

Hier Bakers ursprüngliche Aufstellung. Sie ist weitgehend mit der heute gültigen von Konia formulierten Aufstellung identisch, wenn man den „modernen Liberalen“ (Pseudoliberalen) mit dem Sozialisten austauscht und entsprechende kleine Korrekturen vornimmt.

Papiergeld und Warengeld

9. September 2015

Die Österreichische Schule der Ökonomie glaubt, daß Papiergeldsysteme alles andere als selbstverständlich oder gar „naturgegeben“ sind. Sie haben gegenüber Warengeldsystemen (Gold, Silber, Kupfer und andere Edelmetalle) keine Vorteile und sind inhärent instabil.

Erst 1973 wurde der Goldstandard endgültig abgeschafft und das erste Mal in der Geschichte haben wir heute weltweit ein Papiergeldsystem. Bisher sind alle Papiergeldsysteme zusammengebrochen, entweder indem man rechtzeitig zum auf Waren (meist Gold und Silber) basierten System zurückkehrte oder indem es zur Hyperinflation und infolge zum gesellschaftlichen Kollaps kam. Alles sieht danach aus, als würde auch das gegenwärtige System so enden. Nur, daß diesmal der Zusammenbruch den gesamten Planeten umfassen wird.

Der Unterschied zwischen den Papier- und Warengeldsystemen liegt darin, daß die Menge des Papiergeldes flexibel ist, während Warengeld mehr oder weniger fix ist. Beispielsweise konnten Bush und Obama die Krise von 2008 überwinden, indem sie Unmengen von frischem Geld in die Wirtschaft pumpten. In einem System mit Warengeld wäre dies unmöglich, da Geld zunächst einmal erwirtschaftet werden müßte.

Hieran sieht man bereits das Grundproblem: das, was das ganze System am Leben erhält, da es den Austausch von Gütern ermöglicht, das Geld, wird verwässert und alle ökonomischen Regeln willkürlich außer Kraft gesetzt. Imgrunde ist es das gleiche System wie einst im Ostblock.

Das Gegenargument lautet meist: wir leben in einer wachsenden Wirtschaft und brauchen deshalb auch eine wachsende Geldmenge. Die Antwort darauf lautet, daß Geld dem Tausch dient und deshalb (in vernünftigen Grenzen) jede Menge an Geld paßt. Wenn sich entsprechend auch alle anderen Preise anpassen, ist es vollkommen egal, ob ein Auto EUR 60 000 kostet oder EUR 600, ein Fahrrad EUR 600 oder EUR 6, eine Flasche Olivenöl EUR 6,00 oder EUR 0,06. „Geldmengensteuerung“ ist planwirtschaftlicher Unsinn.

Statt wie im Papiergeldsystem, wo alles immer teurer wird (Inflation), kommt es in einem Warengeldsystem zu einer natürlichen Deflation: alles wird ständig billiger. Gegenwärtig sehen Ökonomen in der Deflation das schlimmste überhaupt, was geschehen kann, doch das zeigt nur, daß das Papiergeldsystem die Wirtschaft sozusagen „auf Droge“ gesetzt hat (siehe dazu Der Kult der Expansion).

Die Zentralbanken können so viel Geld produzieren, wie sie wollen – vollkommen willkürlich. Und tatsächlich bestimmt heute die Geldzufuhr den Zustand der Ökonomie, nicht umgekehrt, wie uns gerne weisgemacht wird. Hinzu kommt das „Mindestreserve-Bankwesen“: du hinterlegst EUR 100 bei der Bank, die es jemandem anderen verleiht, die Geldsumme hat sich also verdoppelt. Du sagst, du besitzt die EUR 100, und derjenige, der diese EUR 100 von der Bank als Kredit erhalten hat, behauptet ebenfalls diese EUR 100 zu besitzen.

Statt, daß Investitionen durch Ersparnisse finanziert und entsprechend verantwortlich (d.h. arbeitsdemokratisch) gehandelt wird, entsteht ein System vollkommener Verantwortungslosigkeit, das zwar zunächst zu einer Scheinblüte führt, aber über kurz oder lang zusammenbrechen muß. Man denke nur an die Immobilienblasen, die schon geplatzt sind und noch zu platzen drohen!

Und was das Zinssystem betrifft: Zinsen signalisieren, wie dringend das vorhandene Geld jetzt ausgegeben werden muß. Hohe Zinsen zeigen an, daß das Geld hier und jetzt benötigt wird („Ich leihe dir kein Geld!“), niedrige Zinsen zeigen an, daß der Konsum auch später erfolgen kann („Ich leihe dir sehr gerne Geld!“). Ökonomische Selbststeuerung der Gesellschaft!

Gegenwärtig wird durch künstlich billig gehaltenes Geld die Überexpansion angeheizt (es wird trotz Krise kräftig investiert) und vollkommen falsche ökonomische Signale gesendet (nämlich die, den Konsum zu drosseln – Kontraktion). Ein einziges Tohuwabohu. Früher oder später wird das Weltwirtschaftssystem über seine eigenen Füße stolpern.

Die Gegenwahrheit zu dieser Position der „Österreichischen Schule“ ist augenfällig: Die Wirtschaft ist nicht nur ein „objektives“ hydraulisches System, durch das Geld und Waren fließen, sondern es geht in ihr in erster Linie um „subjektive“ emotionale Erregungszustände. Es geht auch nicht nur um den Ausgleich irgendwelcher Ungleichgewichte, sondern um das unvorhersehbare Erschaffen „aus dem Nichts“. Ein schönes Beispiel ist der Milliardär Donald Trump, der mit einem Startkapital von 6 Millionen Dollar anfing. Daß er das innerhalb von vier Jahrzehnten vertausendfacht hat, bedeutet nicht, daß er („global gesehen“) anderen etwas weggenommen hat. Es ist schlicht mehr da, als es ohne ihn gegeben hätte. Von daher ist die Geldschöpfung „aus dem Nichts“ nicht so irrational, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mag.

Anlagebetrüger treten „wie Donald Trump auf“ und geben vor, daß sie das Geld ihrer „Kunden“ auf wundersame Weise, quasi aus dem Nichts vermehren können. Der Unterschied zwischen Trump und einem Betrüger besteht darin, daß, obwohl sich auch bei letzterem alles um den Namen und das Image dreht, Trump sich einen Namen in der realen Welt gemacht hat und er von realen Dingen getragen wird, d.h. er hat sozusagen Substanz, während der Betrüger nichts weiter als Schall und Rauch ist. Das entspricht dem heutigen Weltfinanzsystem, das sich vollkommen von der Substanz, dem Gold, getrennt hat und glaubt, mit Gelddrucken („Hilfspakete“) Länder wie die USA oder Griechenland retten zu können, weil das auf mystische Weise angeblich irgendwelche „Impulse setzt“. Das gegenwärtige Weltwirtschaftssystem ist eine merkwürdige Mischung aus Mystizismus und Mechanismus („quantitative easing“), die nur durch eine funktionelle Ökonomie überwunden werden könnte, die sowohl die emotionalen als auch die „realen“ Aspekte der Wirtschaft berücksichtigt, ohne daß es zu mechano-mystischen Kurzschlüssen kommt.

papierwaren

Es bedarf orgonotischen Kontakts, um die qualitativen und quantitativen Aspekte des ökonomischen Systems richtig zu bewerten; zu erkennen, daß sich in der Wirtschaft alles um Emotionen dreht, d.h. die Einschätzung der Zukunft (Kreditvergabe), dies aber stets durch „Realitäten“ (insbesondere die weitgehend fixe Goldmenge in der Welt) fundiert und im Rahmen gehalten werden muß, damit das System nicht außer Kontrolle gerät. Das Gold gemahnt ständig an die Wirklichkeit, d.h. die „Endlichkeit“.

Die Österreichische Schule will nicht wahrhaben, daß es auch zu Zeiten des Goldstandards nie ein reines Warengeld gegeben hat, sondern daß die Golddeckung wegen der Kreditvergabe der Banken tatsächlich stets nur marginal war; bzw. daß diese fehlende Golddeckung nicht einfach nur „Betrug“ war, – den man ohnehin niemals wird unterbinden können. Das bedeutet aber umgekehrt nicht, daß man auf die Golddeckung ganz verzichten kann, wie heute die gängige ökonomische Lehre glaubt. Das Gold ist wie jede „Substanz“: sie hindert am „Abdriften“. Auch wenn die Analogie etwas abwegig klingt: ohne Reibung und Gravitation würden wir hilflos im Nichts driften – ohne Goldstandard driftet die Weltökonomie in die Katastrophe. Siehe Robert Harmans Ausführungen.

Wie dieses „Abdriften“ konkret aussieht, ist etwa ersichtlich, wenn man die Produktivitätssteigerung mit der Lohnsteigerung vergleicht. In den USA liefen die beiden Graphen bis 1973 parallel. Danach stieg die Produktivität weiter im gleichen Tempo an, während die Löhne seitdem weitgehend auf dem gleichen Niveau verharren.

9265

Sozialdarwinismus (Teil 2)

25. August 2015

In Teil 1 haben wir uns mit einer Möglichkeit, Arbeit und Antiarbeit voneinander zu unterscheiden, beschäftigt. Eine weitere Herangehensweise läge vielleicht darin, ökologische Betrachtungsweisen auf das Wirtschaftsleben zu übertragen. Demnach wäre Antiarbeit alles, was dem arbeitsdemokratischen „Ökosystem“ schadet.

Leider tut Hans Hass so, als würden die Energone ihre positiven Energiebilanzen im luftleeren Raum erzielen. Er scheint zu vergessen, daß alle Berufstätigen in einem Ökosystem verankert sind, nur daß hier die Fauna nicht aus Tieren, sondern aus anderen Berufstätigen besteht. So wäre z.B. ein Bäcker ohne Schuster, Arzt und Bauer überhaupt nicht in der Lage seine Brötchen zu backen, weshalb er sich ihnen ja auch mit „Tit for Tat“ nähern muß.

Daß Hass dies Eingebundensein so wenig in Betracht zieht, ist umso erstaunlicher, als er ja selber den Berufstätigen nicht auf den berufstätigen Menschen selber beschränkt, sondern auch alle für seine Erwerbstätigkeit notwendigen Einheiten umfassen läßt. Aus dieser Sichtweise ist aber unser Bäcker schon von vornherein in einen übergeordneten Organismus eingeordnet, ohne daß er erst Angestellter in einer Großbäckerei (also einem umfassenderen Energon) werden muß.

Demnach können wir die gesamte Arbeitsdemokratie als „übergeordnetes Lebewesen“ betrachten. In der Biologie wäre das so, als würde man z.B. Wälder, Wiesen oder Teiche so betrachten, wie Stephan Lackner es tut:

Ein gesundes, unbeschädigtes Gehölz schützt und stützt seine Einzelglieder. Der Waldrand mit seinen dichtverwobenen, bis zum Boden hinunter belaubten Ästen, die er der Außenseite zukehrt, ist ein Organ, genauso wie die Haut eines Tieres ein Organ ist. Dieser Mantel ist grundsätzlich anders konstruiert als das hohle, kahlstämmige Waldesinnere, das dem Knochengerüst vergleichbar ist. Zusammen bilden sie einen großen Organismus. (Die friedfertige Natur, München 1982)

Man kann sogar noch weiter gehen und die gesamte Erde als Lebewesen betrachten, das James Lovelock, wie in Die Orgonomie und die Energetik (Teil 2) erwähnt, „Gaia“ nennt. Lovelock sagt, „daß die Biosphäre eine sich selbst regulierende Wesenheit darstellt, dazu befähigt, unseren Planeten gesund zu erhalten, indem sie die chemische und physikalische Umwelt überwacht“.

Man denke auch daran, daß nach Reich sowohl der Mensch als auch die Atmosphäre eine Abpanzerung durch DOR erfahren können, daß also Gaia sich genauso panzern kann wie der Mensch.

Hass lehnt es jedoch strikt ab, Ökosysteme als Lebewesen zu betrachten. Denn im Gegensatz zu Energonen hätten Ökosysteme keinen Wirkungsgrad (die Entropie nimmt ab), sondern wären lediglich Gleichgewichtszustände (die Entropie bleibt konstant). Nach Hass befinden sich jene Systeme im Gleichgewichtszustand, denen nicht „das Kunststück durchschnittlich positiver Energiebilanzen gelingt. Hier zieht der Energonbegriff eine klare Grenzlinie.“ Hier hätten wir „die Kluft, welche die anorganische von den organischen Ordnungen trennt“ (Naturphilosophische Schriften, Bd. 2, München 1987).

Mit dem Orgonenergie-Akkumulator hat Reich gezeigt, daß diese Kluft nicht besteht und daß an der traditionellen Thermodynamik etwas nicht stimmen kann.

Hass‘ engbegrenzter Energonbegriff hat über die Vernachlässigung von (im weitesten Sinne des Wortes) „ökologischer“ Bewertungsmuster sicherlich dazu beigetragen, daß Hass grade jene Staatssysteme, z.B. das kommunistische, als am höchsten entwickelt und den Organismen am weitesten nahekommend betrachtet hat, die aus der Sicht eines Herbert Spencer ganz im Gegenteil am wenigsten entwickelt sind und in denen sich, nach Reich, die Arbeitsdemokratie am geringsten entfaltet hat.

Hass glaubt, daß „die Machtkörper des kommunistischen Ordnungsrezepts (…) den Organismen sehr ähnlich“ sind, da:

  1. die Initiative für Erwerb und Bedarfsbefriedigung dem Einzelnen entzogen und auf die Kompetenz der Gemeinschaft übertragen ist;
  2. die Leistungen des Einzelnen nicht ihm, sondern der Gemeinschaft dienen; und
  3. dem Einzelnen zugeteilt wird, worauf er im Rahmen der Gemeinschaft Anspruch hat. (Naturphilosophische Schriften, Bd. 4)

Dazu ist grundsätzlich zu sagen, daß diese Argumentation zweifelhaft bleibt, solange Hass nicht zwischen gepanzertem und ungepanzertem Organismus unterscheidet. Geht man nämlich vom gepanzerten Organismus aus, ist es nur ein kleiner Schritt „zur staatlichen Auffassung der menschlichen Gesellschaft oder umgekehrt, von der Idee des absoluten Staates zur mechanistischen Auffassung des Organismus.“ So Reich in Äther, Gott und Teufel, wo er die Arbeitsdemokratie mit dem (ungepanzerten) Organismus gleichsetzt.

Typischerweise fällt sowohl der „mechanistische gepanzerte Organismus“ als auch der „absolute Staat“ in eins mit seinem angeblichen Gegenteil: dem absoluten Chaos. So zeichnet sich der Zwangscharakter durch einen übergroßen Ordnungssinn aus, der jederzeit in sein schlampiges Gegenteil umschlagen kann. Viele Historiker haben sich verwundert darüber gezeigt, wie chaotisch und desorganisiert der nationalsozialistische Staat doch war. Das gleiche Phänomen fand sich im Realsozialismus.

Zwangsordnung und Chaos sind genauso funktionell identisch wie Ordnung und Freiheit. Weil zu viel „Ordnung“ Chaos bedingt, funktionieren weniger zwangsorganisierte Systeme besser und sind deshalb auch höher entwickelt. So ist Hass’ an Thomas Hobbes gemahnende Postulierung, daß der Kommunismus in seiner Organisation am höchsten entwickelt ist und darüber hinaus den natürlichen organismischen Verhältnissen am nächsten kommt, eine krasse Fehleinschätzung. Immerhin warnt aber Hass davor, daß gewaltsame (also sozialistische) Eingriffe in Wirtschaftssysteme den gleichen Effekt haben, wie gewaltsame Eingriffe in Ökosysteme. Und Hass schreibt, daß sowohl in „den Lebensräumen der Natur“ als auch im „liberalen Staat“ das „laisser fair laisser passer“ gewahrt bleiben.

Spencer unterscheidet grundsätzlich zwischen zwei Organisationstypen der Gesellschaft:

Die eine entspringt unmittelbar aus der Verfolgung individueller Zwecke und trägt nur indirekt zur sozialen Wohlfahrt bei; sie entwickelt sich unbewußt und ist nicht zwingender Natur. Die andere, die unmittelbar aus der Verfolgung sozialer Zwecke hervorgeht und nur indirekt zur individuellen Wohlfahrt beiträgt, entwickelt sich bewußt und ist zwingender Natur. (z.n. E.V. Zenker: Der Anarchismus [1895], Berlin 1984)

Spencer spricht hier von der freiwilligen Organisation, dem „industriellen Typus“, und der zwangsweisen Organisation, dem „kriegerischen Typus“, wobei der zweite „eine Folge des Abwehrbedürfnisses der Gesamtheit nach außen ist.“ Heute würden wir vom „unternehmerischen“ und „bürokratischen“ Organisationsmuster sprechen. Beim ersten Typus dient der Staat dem Individuum egoistisch als Organ, während umgekehrt beim zweiten Typus das Individuum „altruistisch“ zum Organ des Staats wird.

Den bürokratischen Typus finden wir im feudalistischen Absolutismus und im sozialistischen „Neofeudalismus“, während wir dem unternehmerischen Typus, der dem Ideal der Arbeitsdemokratie noch am nächsten kommt, im Kapitalismus begegnen. Nach diesem Schema wollen wir jetzt die vier Grundformen des Staates betrachten, die Hans Hass konstatiert (wobei unsere Darstellung in Einzelheiten aber gewichtig von Hass abweicht). Die ersten drei Grundformen gehören dem bürokratischen Typus an:

  1. Warum Spencer den bürokratischen Typus „kriegerisch“ genannt hat, sieht man am klarsten in seiner ersten Ausformung. Hier ist der Staat der Berufskörper des Herrschers, der ein Volk versklavt hat und es ausbeutet. Man denke an die Mongolenherrschaft über Rußland. Wir haben, so Hass, einen „schlechten Herrscher“ vor uns, der blind seine Erwerbsquelle ausplündert und damit seine eigene Lebensgrundlage untergräbt. Auf diese Weise, d.h. aus reinem Machtkalkül heraus, entstehen zwangsläufig Verbesserungen dieses Systems, die mit einer fortschreitenden „Humanisierung“ verbunden sind. In Wirklichkeit findet bei dieser Befriedung jedoch eine noch weitere Ausweitung des Staates statt, der schließlich die gesamte Gesellschaft umfaßt, so daß wir am Ende einen „Ameisenstaat“ vor uns haben. Diese Abfolge können wir uns an der russischen Entwicklung von der Mongolenherrschaft, über das Zarentum, bis zur kommunistischen Utopie vergegenwärtigen.
  2. Die erste Stufe dieser Verbesserung haben wir vor uns, wenn der reine Ausbeuter zu einem „guten Herrscher“ wird, der wie ein Parasit jedes Interesse hat, daß es seinem Wirt, also der Arbeitsdemokratie, einigermaßen gut geht. Das beste Beispiel für diese Entwicklung von Modell 1 zu Modell 2 ist der Wechsel von der SBZ zur „DDR“. Wurde der östliche Teil unseres Vaterlandes nach dem Krieg von den Sowjets noch offen ausgeplündert, änderte sich die reine Ausbeutung zur (naja…) sorgsamen Pflege, als sich das sozialistische Staatensystem ausbildete. Es entstand ein Staat, die „DDR“, der sich aktiv darum bemühte das Wirtschaftsleben funktionsfähig zu erhalten, um dem Parasiten, also der Nomenklatura, eine kontinuierliche Versorgung zu garantieren. Groteskerweise haben so die Kommunisten ihren Staat exakt nach dem Muster aufgebaut, das Marx in Das Kapital vom Staat als „Verwalter von Bourgeoisie-Interessen“ gezeichnet hat. Nach Hass hat Marx hier unser Modell 2 beschrieben, für das „die Scheinheiligkeit ein wichtiger Faktor“ sei. Man betrachte aus dieser Perspektive die Rolle, die die Ideologie im Ostblock einnahm!
  3. Die letzte Stufe der Befriedung des „kriegerischen“ Staatstypus würde dem entsprechen, was Hitler für die Nachkriegszeit als sozialistische „Volksgemeinschaft“ geplant hatte und was Chruschtschow, der letzte große Utopist Osteuropas, als „Volksstaat“ vorschwebte. Damit waren Systeme gemeint, in denen die Scheinheiligkeit überflüssig ist, weil alle Interessenkonflikte in einer allumfassenden Einheit aufgehoben sind – was genau dem Zustand bei den Ameisen entspricht. Selbstverständlich wird dies eine Utopie bleiben, nicht nur weil es den Interessen der Nomenklatura widerspricht, wie ja der Sturz Chruschtschows durch Breschnew gezeigt hat, sondern auch, weil der Mensch einfach nicht zur solidarisch-kollektivistischen Ameise geschaffen ist. Erstens reagiert er auf Zwang und nivellierende Einordnung mit unterschwelliger Rebellion, so fand im Ostblock über 40 Jahre hinweg „Dienst nach Vorschrift“ statt, und zweitens ist er nicht beliebig manipulierbar. Man denke an die Jugend im Ostblock, die vom Säuglingsalter an sozialistisch geformt wurde, nur um sich dann ihrer Natur gemäß dem Westen zuzuwenden.

Demnach war es dem Kommunismus grundsätzlich verwehrt, sich „natürlich“ weiterzuentwickeln und sich so zu stabilisieren. Aus dieser Sackgasse, in die der Rote Faschismus geraten ist, gibt es prinzipiell nur zwei Auswege – die nicht gangbar sind:

  1. Da sich also der Sozialismus von einer Pseudowissenschaft zur reinen Utopie verflüchtigt hat, versucht man krampfhaft das Modell 2 durch Reformen lebensfähig zu erhalten. Aber das führt zu nichts, da die Reformen immer inkonsequent bleiben müssen und deshalb das Chaos nur noch weiter erhöhen. Diese oberflächlichen Lockerungen erzeugen, da die entstandene Unordnung wieder bereinigt werden muß, eine stärkere Verhärtung. Lockert man z.B. das Plansystem und wird, gegen den Protest der Bevölkerung, die Preisgestaltung liberalisiert, muß es unweigerlich zu Ungleichgewichten in der Wirtschaft kommen, die wohl in einem freien Markt schnell wegreguliert werden würden, in einem sozialistischen System aber nur zerstörerisch wirken können. Das ist ähnlich wie bei der Lösung der Panzerung im menschlichen Organismus: wird sie nicht fachgerecht durchgeführt, führt die provozierte Orgasmusangst zu nur noch mehr Panzerung. Entsprechende Erfahrungen mußte die Wirtschaft der „DDR“ in den 1960er Jahren machen, als Reformen eingeleitet wurden, die vergleichbar jenen waren, die später Gorbatschow für die UdSSR anvisierte. In der „DDR“ war das Ergebnis eine verschlechterte Versorgung, weil die weitgehend vom Plan befreiten Betriebe ohne Rücksicht auf die Gesamtwirtschaft sich dort engagierten, wo es für sie am bequemsten und günstigsten war. Da aber die Verteilungswirtschaft grundsätzlich erhalten blieb, hatte dies den gegenteiligen Effekt wie im Westen. In der „DDR“ hatte es zur Konsequenz, daß die Planung verstärkt und die Wirtschaft noch weiter zentralisiert wurde. Die groteskeste Auswirkung solcher Reformen beobachtete man gegen Ende des Realsozialismus, als „die herrschende Klasse“, das in den staatlichen Betrieben beschäftigte Proletariat, langsam verarmte, während die kleinen Kapitalisten im neuen privaten Sektor immer reicher wurden.
  2. Als zweiter Weg aus der Sackgasse steht die Auflösung der Panzerung offen – die Revolution, in der die fachbewußten Werktätigen die kommunistischen Machthaber (die organisierte Emotionelle Pest) stürzen. Aber auch dieser Weg wird zu nichts führen, da alle charakterologischen Voraussetzungen für eine rationale Entwicklung fehlen und die „Revolution“ höchstwahrscheinlich den Roten durch den Schwarzen Faschismus ersetzt. Man darf nicht vergessen, daß sich der Marxismus nie in einigermaßen gesunden, sondern stets in seit Jahrhunderten schwerkranken, durch „Saharasia“ geprägten Gesellschaften durchgesetzt hat; daß er in einer Atmosphäre der Gewalt gedieh, die älter ist als Stalin, Lenin oder Marx. In einem Land wie Rußland existieren einfach keine demokratischen Traditionen. Vielmehr ist ganz ohne Zutun der Kommunisten das gesamte Leben schon von je her vom orientalischen Despotismus durchseucht – der einzig fruchtbare Nährboden für Marxens Leere. Nach der KP kam, verzögert durch einige „demokratische“ Wirren, in Gestalt Putins der KGB an die Macht. Es war ähnlich wie nach Stalins Tod, als in Gestalt von Beria der KGB nach der Macht zu greifen versuchte.

Das krasse Gegenbild zum kriegerischen Typus der oben vorgestellten Modelle 1 bis 3 finden wir dort, wo der Staat einfach nur ein Gemeinschaftsorgan ist. Reich hat dies in der Massenpsychologie des Faschismus im Kapitel „Die Entwicklung des autoritären Staatsapparats aus rationalen sozialen Beziehungen“ dargelegt.

Zumindest als Ideal ist dieses Modell 4, dieses System des „laissez faire, laissez passer“ in den westlichen Demokratien angelegt. Am reinsten wohl in der amerikanischen Verfassung, die seit über 200 Jahren in Kraft ist. Hier haben sozialistische Experimente, gegenwärtig die EUdSSR, immer wieder gezeigt, daß es keinen Kompromiß zwischen dem bürokratischen und dem unternehmerischen Typus geben kann. Man denke nur daran, was in den Jahrzehnten vor Thatcher die Labour-Partei in England angerichtet hat, über deren Herrschaft Reich Anfang 1949 an Neill schrieb, daß

jene sozialistischen Staatsregierungen repräsentieren Politik und Pest in einem weit schlimmeren Maße als je irgendetwas zuvor. Und das ist keine Übertreibung.

Und was ist mit den Krisenzuständen im Kapitalismus? Der Ökonom Milton Friedmann hat darauf hingewiesen, daß für alle Wirtschaftskrisen, die über die natürlichen Schwankungen (orgonotische Pulsation) hinausgingen, einzig und allein die Regierungen und die Notenbanken, nicht der Marktmechanismus, Schuld tragen.

So haben wir wieder die schon von Spencer postulierte Antithese zwischen Freiheit und Sozialismus vor uns:

Dabei darf aber nicht aus den Augen gelassen werden, daß man diesen Antagonismus nicht a priori in ein Rechts-Links-Schema pressen kann. So hat schon Spencer darauf hingewiesen, daß der Sozialismus in den Bereich der alten absolutistischen Gesellschaftsformen gehört und auf Bismarcks staatssozialistische Neigungen hingewiesen. Entsprechend waren auch während der Französischen Revolution nicht etwa die Jakobiner, sondern die Girondisten die wirklichen Revolutionäre! Für Lenin war die deutsche Reichsbahn das Vorbild für den Sozialismus. Marx ging mit seiner Ablehnung der Gewaltenteilung vollkommen konform mit den reaktionärsten Kräften der Restauration. So erscheint auch die geschichtliche Rückbesinnung in der späten „DDR“ in einem besonderen Licht.

Es besteht nicht nur die Gefahr, daß sich ein kommunistischer Staat vom Modell 2 zum Modell 3 weiterentwickelt, sondern auch die, daß das Modell 4 zum Modell 3 degeneriert:

Hass zufolge könnten sich auch die westlichen Staaten in „vollintegrierte Energone“ verwandeln, weil die Anbieter immer mehr versuchen die Nachfrage zu kontrollieren. Das entspricht dann fast den Zuständen in einer sozialistischen Planwirtschaft, wo auch nur das nachgefragt werden konnte, was planwirtschaftlich angeboten wurde, also die Produktion die Konsumption bestimmte. Entsprechend versucht man im Westen über die Werbung künstliche Nachfrage zu erzeugen und die bestehende zu kontrollieren. Zur Degeneration des Westens gehört natürlich auch die Ausbildung von Monopolen, von denen der Verbraucher abhängig wird. Dazu kommt noch, daß die großen Konzerne die „freien Unternehmer“ von Kleinbetrieben in die Abhängigkeit zwingen und dabei mehr versklaven und ausbeuten, als es bei einem rechtlich abgesicherten gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer je möglich wäre.

Erinnert sei auch daran, was durch staatliche (sozialistische) Eingriffe angerichtet wird, die fast durchgehend zugunsten der Konzerne wirken, denen z.B. für Industrieansiedlungen die Millionen hinterhergeworfen werden – die Millionen, die der Staat per Steuer den Handwerkern und Kleinunternehmern raubt. Man denke auch daran, was die „planwirtschaftlichen“ EUdSSR-Bürokraten in der Landwirtschaft zugunsten von Agrarfabriken angerichtet haben.

Die Mittelstandsvereinigung der CDU/CSU hat immer wieder den schleichenden Verfall der sozialen Marktwirtschaft zur „brutalen Machtwirtschaft“ beklagt. Dieser Ausdruck gemahnt an das, was Spencer „kriegerischen Typus“ genannt hat. In diesem Zusammenhang sind auch Herbert Gruhls Auffassungen von Interesse, wie er sie in seiner Grundsatzrede auf dem Gründungsparteitag der ÖDP (der Alternative zu den Melonen – außen grün, innen rot mit braunen Kernen) am 6. März 1982 zum Ausdruck gebracht hat:

Gruhl hebt hervor, daß die selbstregulatorische, d.h. auf den ständigen Ausgleich von Angebot und Nachfrage beruhende Marktwirtschaft eine „nach ökologischen Prinzipien arbeitende Wirtschaftsform“ ist, die aber u.a. dann nicht funktionieren kann, wenn durch Monopolstellungen die Konkurrenten, „die man im Ökosystem die ‘natürliche Feinde’ nennt“, vernichtet werden. Dann führt Gruhl von der Kartell- bis zur Steuergesetzgebung alles mögliche an, was diesen Verfall der Markt- in eine Machtwirtschaft künstlich verhindert.

Sehr wichtig ist die Feststellung, daß in staatskapitalistischen Ländern viele dieser korrigierenden Einflüsse fortfallen. Infolgedessen ist dort die Machtzusammenballung total – und das heißt gleichzeitig: noch weiter entfernt von ökologischen Prinzipien.

Gut und schön, aber Gruhl scheint sich nicht zu fragen, wie denn eine Marktwirtschaft, die sich doch „ökologisch“ selbst steuert, überhaupt machtwirtschaftlich entarten konnte, d.h. auch, warum überhaupt künstlich korrigierende Eingriffe notwendig sind.

Ein weiteres Moment der Gruhlschen Analyse ist, daß sich „die westliche Version der eingeschränkten Marktwirtschaft“ durch die Einführung der „Wachstumswirtschaft“ selbst aufgehoben hätte, denn „Wachstumswirtschaft und Marktwirtschaft schließen auf die Dauer einander aus“. Man nehme eine abnehmende Nachfrage nach der Marktsättigung nicht mehr hin, sondern erhebe das wirtschaftliche Wachstum zum obersten Gesetz.

Das heißt nichts anderes, als daß die Marktkräfte ausgeschaltet werden müssen, wenn sie nicht steigernd wirken. Bleibt also die Steigerung aus, dann sind Eingriffe in den Markt nicht erlaubt, sondern gesetzlich vorgeschrieben. Damit besteht auch kein grundsätzlicher Unterschied mehr zur Staatswirtschaft des Ostens, wo die Steigerung mit jedem Fünfjahresplan programmiert wird.

Gruhl bot hier eine Kritik der Hass‘schen und Marxschen Ansichten, wonach sich die Erwerbsorganisationen naturgegeben solang krebsartig ausweiten und anwachsen („Wachstumswirtschaft“) bis sie am ökologischen Kollaps zugrundegehen. Deshalb müsse, Hass zufolge, der Mensch planend eingreifen und diesen Naturprozeß bändigen. Für Gruhl jedoch ist diese Akkumulation kein natürlicher Vorgang, sondern Resultat der durch Eingriffe zerstörten natürlichen Wirtschaftsordnung – was durch neue korrigierende Eingriffe wiedergutgemacht werden muß.

Sozialdarwinismus (Teil 1)

24. August 2015

Das soziale Denken des 19. Jahrhunderts spannt sich zwischen zwei Antipoden auf: Karl Marx (1818-1883) und Herbert Spencer (1820-1903).

In seiner umfassenden Universalität war Spencer ein Vorläufer Wilhelm Reichs, befaßt sich doch Spencer in seinem zehnbändigen System der synthetischen Philosophie (1867-96) von der Psychologie, Soziologie, Ökonomie, Geschichte, Biologie, Geologie, Astronomie bis zur Kosmologie schlechthin mit der Welt als funktioneller Einheit, die er mit Hilfe eines quasi orgonometrischen Ansatzes analysiert.

Schon vor Darwin entwickelte Spencer eine vom Evolutionsgedanken ausgehende Theorie. Nach dieser Entwicklungstheorie kommt es zu einer fortschreitenden Integration verschiedener Teile zu immer größeren Einheiten, in denen es dann zu einer ebenfalls ständig fortschreitenden Differenzierung kommt. Dies falle aber schließlich mit Zerfall und Auflösung zu primitiven Organisationsniveaus zusammen, die dann Ausgangspunkt für neue Entfaltung werden.

Dieses „Gesetz der Entwicklung“ entspricht in etwa Reichs Darstellung des Orgonenergie-Metabolismus:

Spencer glaubte, daß sich die Organismen und Menschen nach diesem Gesetz an ihre ökologische bzw. soziale Umwelt durch wachsende Spezialisierung immer besser anpassen. Auch die Gesellschaft als Ganzes betrachtete Spencer als Organismus. Deshalb würden sich, gemäß der gleichzeitigen Integration und Differenzierung, die Gesellschaften zu immer mächtigeren Gebilden entwickeln, in denen aber gleichzeitig, bedingt durch die wachsende Differenzierung, die Freiheit immer weiter zunehme.

So entwickele sich die Menschheit vom militaristischen Staatsabsolutismus orientalischen Gepräges (Zwangsgemeinschaften, die sich aus indifferenten Mischungen sozialer Formen organisiert hatten) folgerichtig in Richtung individueller Freiheit und Demokratie. Der Lebensstrom würde die Menschheit also automatisch zu einem staatenlosen Zustand führen – ein Konzept, das das genaue Gegenteil von Hans Hass’ Vorstellungen der unbeeinflußten Energon-Entwicklung darstellt.

Hans Joachim Störig stellt in seiner Kleinen Weltgeschichte der Philosophie Spencers Anschauungen so dar, daß sie in jeder Beziehung in vollkommener Übereinstimmung mit der orgonomischen Soziologie stehen:

Der Sozialismus gehört nach Spencer in den Bereich der alten absolutistischen Gesellschaftsformen. (…) In einem sozialen Wohlfahrtsstaat sieht Spencer zwei große Gefahren: Erstens würde eine Zuteilung der auf den einzelnen entfallenden Anteile am gemeinsamen Arbeitsertrag durch den Staat nach Maßgabe der Bedürfnisse anstatt nach Fähigkeit und Leistung den natürlichen Wettbewerb, die Bedingung jeder Weiterentwicklung, stören und zu einem Verfall der Gesellschaft innerhalb weniger Generationen führen. Zweitens: Würde der Staat den Versuch machen, den höchst verwickelten Organismus – der unter der automatischen Selbstregulierung durch Angebot und Nachfrage zwar nicht ideal funktioniert, aber doch wenigstens funktioniert – in allen Einzelheiten selbst zu regeln, so würde das zu einer lähmenden totalen Bürokratie führen. Eine trostlose Erstarrung würde eintreten, eine Gesellschaft von Ameisen und Bienen entstehen.

Im krassen Gegensatz zum tragikomischen Schicksal der Marxschen Philosophie wurde wohl kaum je ein Philosoph derartig wie Spencer durch die spätere Entwicklung bestätigt. Trotzdem ist Spencer heute so gut wie vergessen, in den Bibliotheken findet man kaum Bücher von oder über ihn und in Geschichtswerken über Philosophie handelt man den Autodidakten Spencer verächtlich ab – was wieder im krassen Kontrast zum Schicksal Marxens steht.

Wird nicht Spencers Andenken dadurch tatsächlich fragwürdig, daß er (wie angedeutet lange vor Darwin) Wendungen wie „der Kampf ums Dasein“ und „das Überleben der Tüchtigen“ geprägt und den „Sozialdarwinismus“ begründet hat, der so viel Leid über die Menschheit brachte? (Bei Marx tauchen entsprechende „Darwinistische“ Vorstellungen bei der Theorie des „Klassenkampfes“ auf.)

Für den Evolutionsbiologen Hans Hass sind der biologische „Selektionswert“ und die wirtschaftliche „Konkurrenzfähigkeit“ von der Funktion her identisch. In diesem Zusammenhang ist eine Anmerkung interessant, die Stephan Lackner (der in den 1930er Jahren mit Reich in Kontakt stand), in seinem Buch Die friedfertige Natur (München 1982) gemacht hat, wonach die industrielle Revolution mit einer dramatischen Wandlung der Haltung zur Natur zusammenfalle. Habe vorher eine idyllisch-romantische Naturauffassung („friedfertige Natur“) vorgeherrscht, sei zusammen mit dem brutalen Konkurrenzkampf im Frühkapitalismus der Darwinismus mit seinem „Kampf ums Dasein“ aufgekommen. Lackner malt, wohl zu recht, die letzte Konsequenz des Darwinismus auch so aus, daß sie ganz der von Reich beschriebenen emotionalen Wüste entspricht:

Das Dasein ist der Krieg aller gegen alle. Die Erde ist von graugrün getarnten, mit Panzern und Stacheln bewehrten, übelriechenden und giftigen Ungeheuern überlaufen. Kein Wesen vertraut dem anderen.

Man findet sich in dieser „Darwinistischen“ emotionalen Wüste wieder, wenn Hass z.B. geradezu faschistoid schreibt:

Solange es Energone gibt, fußt deren Höherentwicklung auf einem untereinander ausgefochtenen Kampf und der damit verbundenen Eliminierung des Schwächeren. Wenn deshalb vom Menschen gebildete Gruppen die Vernichtung von anderen anstrebt, ja sogar mit vehementen Glücksgefühlen für solche Vernichtung belohnt werden, fällt es keineswegs aus der üblichen Praxis, sondern entspricht jenem rücksichtslosen Willen zur Macht, der die gesamte Evolution kennzeichnet und in dem bereits Nietzsche den tiefsten Wesenszug der Lebensentfaltung sah. (Hass/Lange-Prollius: Die Schöpfung geht weiter, Stuttgart 1978)

So nimmt bei Hass der Lebensstrom den gleichen Charakter an, der auch den Hegelschen „Weltgeist“ auszeichnet. Beides sind diabolische Mächte, die von den Individuen Macht ergreifen, sie benutzen, aussaugen und dann als leere Hüllen fallenlassen, wenn sie ihre Funktion erfüllt haben. Beide, der „Weltgeist“ und der „Lebensstrom“ verwirklichen sich schließlich im absoluten Staat.

Natürlich hing auch Marx einem ähnlichen Mythos an, denn schließlich war die ganze Geschichte der Ausbeutung vom Sklavenstaat bis zum brutalen Kapitalismus etwas Gutes, weil notwendiges. Ganz in diesem Sinne schreibt Hass:

Manche Erscheinung seit Auftreten des Menschen, welche in ethischer Sicht höchst verwerflich erscheinen – wie Tyrannei und Ausbeutung –, mögen (…) sehr wohl den Lebensstrom befördert haben, indem der Machtzuwachs einiger seiner Weiterträger dem Fortschritt mehr diente und ihn förderte, als die Unterdrückung und Erpressung anderer sich in seiner Gesamtbilanz negativ niederschlug. (ebd.)

Daß die Wirtschaft von Liebe, Arbeit und Wissen regiert wird, hält Hass für eine oberflächliche Illusion. Wie in der Natur stehen in Wirklichkeit „die einzelnen Erwerbskollegen, diese ‘Brüder’ und Teile in der gleichen Entwicklung, in einem erbitterten Kampf gegeneinander“ (Hass: Naturphilosophische Schriften, Bd. 3, München 1987).

Wer wollte bestreiten, daß dies einen Großteil des wirtschaftlichen Geschehens beschreibt! Doch kann man das ganze auch mit Reichs Augen sehen:

Die praktische Notwendigkeit der Arbeitsdemokratie erfordert, daß man vom wirklichen Charakter seines wirtschaftlichen Gegenübers absieht und sich nur um die objektiven Erfordernisse der Arbeit kümmert. Und auch man selbst kann nicht immer wahrhaftig sein, sondern muß praktisch ständig als Schauspieler auftreten. Das kann man ganz konkret beim Geschenkaustausch der Trobriander beobachten, die nie ihre wahren Gefühle zeigen; so tun, als würden ihnen die Geschenke nichts bedeuten, etc.

Dies heißt nicht, daß Ehrlichkeit in der Arbeitsdemokratie keinen Platz hat, – vielmehr sind wahrheitsfanatische Moralisten, die das Spiel verderben, stets pestilente Charaktere, – die nie ehrlich sind. Ehrlichkeit hat wenig mit Wahrheit zu tun, sondern vielmehr mit Anständigkeit. Anständigkeit bedeutet Rücksicht auf die Umstände zu nehmen, d.h. z.B. daß man die Wahrheit nicht unabhängig von den Umständen sagt, sondern – lügt („Notlüge“).

Die Lüge und Verstellung gehört genauso untrennbar zu einer funktionierenden Wirtschaft, wie sie zur sexuellen Zweierbeziehung gehört. Statt morgens zu sagen: „Du siehst aus wie ein aufgedunsener Leichnam!“ lügt man: „Meine kleine chinesische Jadepuppe!“ So verkörpert sich die Genitalität auch: durch Lug, Trug, Bestechung und Berechnung! Wie sollte es in der Wirtschaft anders sein. Es ist nicht fair, es ist Emotionelle Pest, dem Leben die moralische Elle anzulegen. Und es zeigt emotionale Unreife, an der lügnerischen „Grausamkeit“ des Lebens übermäßig zu leiden.

In Kapitalismus und die Funktion des Orgasmus habe ich den Tausch im Wirtschaftsleben mit dem liebenden „Austausch“ in der Sexualität gleichgesetzt. Doch nach Hans Hass „sind Raub und Tausch nichts voneinander grundsätzlich verschiedenes.“ Diese Theorie entspricht einem typischen Charakterzug des Konservativen, für den der freiwillige arbeitsdemokratische Tauschprozeß ein Zeichen von Schwäche ist. Hierzu gehört auch, daß für Hass Diebe und Erpresser ebenfalls „gleichberechtigt“ als Energone betrachtet werden müssen. Er zitiert dazu den Volkswirtschaftler Werner Sombart:

Nach meiner Definition ist also Arbeit ebenso die Tätigkeit, die der Dieb aufwendet, um einen Einbruch auszuüben, obwohl sie (sozial) schädlich ist.

In Massenpsychologie des Faschismus hat Reich streng zwischen Arbeit und Nichtarbeit, „die den Lebensprozeß schädigt“, unterschieden.

Entsprechend der militaristischen „Zwangsorganisation“ Spencers, die durch die Notwendigkeit der Abwehr äußerer Feinde entsteht, ist für Hass sogar die arbeitsteilige Gemeinschaftsbildung an sich auf den Diebstahl bzw. auf dem Schutz vor ihm begründet, denn dadurch, daß die künstlichen Organe nicht mehr fest mit dem Körper verbunden seien, müsse man sie vor Raub schützen, brauche also die Kooperation mit anderen.

Für Hass ist „der Krieg der Vater aller Dinge“. Wobei er explizit in der Tradition von Konrad Lorenz steht.

Hass spricht davon, daß „manche in totalitären Staaten geläufige Betrachtungsweise gleichsam Sprachrohr der Lebensstrominteressen sind“: Ausmerzung lebensunwerten, funktionslosen Lebens! Erscheinungen wie die, daß manche Leute nicht angeborenermaßen empört darauf reagieren, wenn ein Kind mißhandelt wird, erklärt Hass damit, daß es „bereits eine Unzahl von ‘Abnormalitäten’“ gäbe, „besonders da die Heilkunst alles am Leben zu erhalten bemüht ist.“

Als konservativer Charakter scheint Hass, Jahrgang 1919, jenem Vorgang zum Opfer gefallen zu sein, den er selber wie folgt beschreibt:

In der Pubertät formen die Kinder ihre ethischen Ideale. Was ihnen in dieser Zeit aufgeprägt wird, können sie meist im späteren Leben nicht völlig überwinden.

Aus orgonomischer Sicht verfestigt sich in der Pubertät der Charakter endgültig und dazu gehört auch der soziopolitische Charakter. Hier hat Hass vollkommen recht, wenn er schreibt:

Wie sich allerorts und bei allen Rassen auf das deutlichste zeigt, können Jugendliche, die in dieser sensiblen Periode auf religiöse, doktrinäre oder ideologische Wertvorstellungen ausgerichtet werden, sich im späteren Leben nur schwer über solche hinwegsetzen, weil diese fest in ihnen verankert sind. Ja, sie wollen dies gar nicht – was deutlich zeigt, daß bei ihnen das so Geprägte zum integralen Ausdruck des Ichs und seiner höchstpersönlichen Neigung empfunden wird. (Hass/Lange-Prollius: Die Schöpfung geht weiter, Stuttgart 1978)

In den letzten Jahren haben viele konservative Ideologen mit dem Begriff „egoistische Gene“ herumhantiert, um ihre sozialdarwinistischen Thesen wissenschaftlich zu fundieren. Dabei beriefen sie sich auf den englischen Zoologen Richard Dawkins. Nun hat aber ausgerechnet dieser Dawkins der traditionellen Evolutionstheorie des „Survival of the Fittest“ eine Theorie des „Überlebens des Kooperativen“ entgegengestellt.

Demnach zählt im Überlebenskampf die Kooperation weit mehr als der Konflikt. Das Konzept Dawkins ähnelt dem Reichschen Konzept der Arbeitsdemokratie. Beide beruhen darauf, daß man sich dem Mitlebewesen kooperationsbereit nähert.

Nach Hass ist ein rücksichtslos sich durchsetzendes Energon, das im Überlebenskampf mit einer ausbeuterischen Strategie vorgeht und die „dummen“ kooperativen Energone verdrängt, Anwalt der Interessen von Art und Lebensstrom. Jedoch hat Dawkins nachgewiesen, daß genau das Gegenteil wahr ist, nämlich daß jener, der seine Mitenergone auf dem Altar der angeblichen Interessen von Art und Lebensstrom opfert, überhaupt keine Überlebenschance hat – also Art und Lebensstrom schadet! In Wirklichkeit setzen sich jene durch, die der Tit for Tat-Strategie folgen: „Auge um Auge“, oder besser: Leben und Leben lassen!

Tit for Tat funktioniert wie folgt: Man geht innerhalb einer Lebensgemeinschaft nicht ausbeuterisch, sondern kooperativ auf ein Angebot ein. Betrachten wir in einer solchen Lebensgemeinschaft die Individuen A und B, wobei A einen lebensnotwendigen Dienst anbietet, den B, ohne Gegenleistungen zu geben, annimmt. B folgt also einer ausbeuterischen Strategie, verzeichnet einen beträchtlichen Energiegewinn und wird sich durchsetzen, während solche „sucker“ wie A zugrundegehen. In den kranken Hirnen von konservativen Ideologen funktioniert die Natur so, in Wirklichkeit aber geht natürlich nicht der kooperative A, sondern der ausbeuterische B zugrunde. Im natürlichen Ablauf der Dinge wird nämlich A, und auch sonst niemand, für B jemals wieder etwas tun, bzw. solange mit Sanktionen gegen B reagieren, bis auch B sich endlich anständig verhält.

Das ist das Grundgesetz der Natur:

  1. nähere dich einem anderen stets freundlich;
  2. reagiere auf die Freundlichkeit anderer ebenfalls freundlich;
  3. zahle jede Unfreundlichkeit sofort mit gleicher Münze heim; und
  4. verzichte auf jede Rache, wenn sich der Unfreundliche wieder freundlich verhält, d.h. lerne zu vergeben und zu vergessen.

Wie schon Nietzsche gesagt hat, gehört der Geist der Rache den niedrigen, nichtswürdigen Menschen. Das Böse kann nur dort gedeihen, wo man entweder immer die andere Wange hinhält oder wo man nicht vergeben kann. Verhielte sich jeder Mensch rational nach der Tit for Tat-Strategie, würde sich die Arbeitsdemokratie zwangläufig entfalten. Diese Überlegungen lassen sich wie folgt zusammenfassen (a = Strafe, b = Belohnung):

  1. „Christentum“ und liberaler Humanismus (masochistische Erduldung);
  2. Arbeitsdemokratie (Tit for Tat);
  3. Faschismus und Kommunismus (sadistische Rache).

Mit Hilfe des Tit for Tat können wir auch den Unterschied zwischen Arbeit und Antiarbeit schärfer fassen: Arbeit funktioniert immer nach den Gesetzen des Tit for Tat, während Antiarbeit diesen Gesetzen widerspricht.