Brief [über die allerersten Anfänge des LSR-Projekts] (1977)

4. Januar 2023

Brief [über die allerersten Anfänge des LSR-Projekts] (1977)

David Holbrook, M.D.: Zittern vor Liebe

3. Januar 2023

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Zittern vor Liebe

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 17. Der Kult des Christentums

2. Januar 2023

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 16. Der Kult des Christentums

Freiheit und Verantwortung (Schlußbemerkung)

1. Januar 2023

Praktisch alle Menschen in höheren Positionen, seien es Beamte oder Angestellte, leiden unter einer Persönlichkeitsstörung. Sie sind in diese ihre hohe Position nicht etwa durch Leistung gelangt, sondern durch ihr Intrigieren, ihr nach oben Buckeln und nach unten Treten, ihr über Leichen Gehen. Sie sind wie psychopathische Serienmörder, für die ihre Mitmenschen bloße Pappschablonen sind, die man nur beachtet, wenn sie einem nützlich sind, und die man beseitigt, sobald sie einem im Wege stehen. Die wenigen, die geistig normal sind, können ihre hohe Position nur halten, wenn sie ihre Gedanken für sich behalten und ein Doppelleben führen, bei dem ihre gesunden, rationalen Anteile wie eingekapselt sind. Wer auch nur etwas Einblick in den Staatsapparat, die Verwaltung und das Arbeitsleben in Konzernen hat, weiß wovon ich rede!

Noch schlimmer sind vielleicht diejenigen Menschen, die „aufgewacht“ sind, und instinktiv merken, daß diese Gesellschaft zutiefst krank ist, d.h. von der Emotionellen Pest regiert wird. Sie sind von den Psychopathen an den Schalthebeln leicht manipulierbar. Man denke nur an die bis vor kurzem fanatisierten „Masken- und Impfaktivisten“, die „Klimaaktivisten“ oder die „Genderaktivisten“ oder, wenn wir zum irren Rand blicken, die „Q-Anhänger“ oder Flacherdler. Sie, die typischen gutmütigen Opfer, werden von den beschriebenen hochstehenden Psychopathen benutzt, um erstens eine Agenda durchzusetzen (etwa den Great Reset) und um zweitens den Widerstand gegen diese Agenda mit vermeintlich „okkulten Wahrheiten“ zu fluten, die eine rationale Auseinandersetzung unmöglich machen. Wer herrschen will, muß vor allem die Opposition gegen seine Herrschaft beherrschen!

Was tun? Die Emotionelle Pest hat zwei Gegner: die Aufklärung, d.h. das Böse ans Licht Bringen, und die Arbeitsdemokratie, d.h. das Gute, ohne das nichts überlebensfähig wäre. Das bedeutet schlicht, daß man immer und immer wieder die Mechanismen, die Funktionsweise der Pest aufdeckt. Und zweitens gilt es auf unterer und lokaler Ebene die rationalen arbeitsdemokratischen Beziehungen stets von neuem herzustellen, wenn sie durch die Pest in Unordnung gebracht worden sind. Ein Umsturz oder eine Revolution bringen rein gar nichts, da über kurz oder lang doch nur wieder die Psychopathen an die Macht drängen und die faschistischen Obskurantisten jede rationale Regung lahmlegen werden. Nur Liebe, Arbeit und Wissen können uns retten, sonst nichts!

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 39)

31. Dezember 2022

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Menschen werden von inneren (in der Kindheit verinnerlichten!) Hierarchien bestimmt und sehen entsprechend die Natur von „Hierarchien“ bestimmt, d.h. betrachten sie mechano-mystisch. Charles Konia schreibt:

Eine wichtige Manifestation der Ahnungslosigkeit der Menschen ist ihre Unfähigkeit zu erkennen, daß die Bereiche der Biologie und Soziologie funktionell, d.h. energetisch, funktionieren und daß aufgrund ihrer Panzerung ihre Wahrnehmungen verzerrt sind und ihre Fähigkeit beeinträchtigt ist, entsprechend der Funktionsweise der Natur zu denken. Stattdessen betrachten gepanzerte Menschen die Natur so, wie sie sich selbst erleben, mechanistisch und mystisch. (Clueless, S. 178)

LSR mag ein Konstrukt sein, aber Konstrukte haben es an sich entweder bald mit einem „substantiellen“ Inhalt gefüllt zu werden oder sich wieder in nichts aufzulösen. Das beste Beispiel ist Freuds Konstrukt „Libido“, das Reich „gefüllt“ hat. Womit wird nun das Konstrukt „LSR“ gefüllt? Für mich ist das „Secundum naturam“, wobei die „Natur“ etwas grundlegend anderes ist als das, was heute Philosophie und Naturwissenschaft als „Natur“ auffassen.

Im folgenden geht es mir in keinster Weise um Einsteins Physik oder gar um seine gesellschaftliche Weltanschauung, sondern um die grundsätzliche Sichtweise, die sich zum Beispiel in seiner Verachtung für Konventionen und darin zeigte, daß er Leute wie Reich und Velikovsky ernstnahm. Angesichts des folgenden Zitats war meine genauso spontane wie absonderliche Idee, daß es doch hätte sein können, daß Einstein in seiner Jungend von Stirner inspiriert wurde (er war 14 als die Reclam-Ausgabe von Der Einzige und sein Eigentum erschien).

Begriffe, welche sich bei der Ordnung der Dinge als nützlich erwiesen haben, erlangen über uns leicht eine solche Autorität, daß wir ihres irdischen Ursprungs vergessen und sie als unabänderliche Gegebenheiten hinnehmen. Sie werden dann zu „Denkgewohnheiten“, „Gegebenen a priori“ usw. gestempelt. Der Weg des wissenschaftlichen Fortschritts wird durch solche Irrtümer oft für lange Zeit ungangbar gemacht. Es ist deshalb durchaus keine müßige Spielerei, wenn wir darin geübt werden, die längst geläufigen Begriffe zu analysieren und zu zeigen, von welchen Umständen ihre Berechtigung und Brauchbarkeit abhängt, wie sie im einzelnen aus den Gegebenheiten der Erfahrung herausgewachsen sind. Dadurch wird ihre allzu große Autorität gebrochen. Sie werden entfernt, wenn sie sich nicht ordentlich legitimieren können, korrigiert, wenn ihre Zuordnung zu den gegebenen Dingen allzu nachlässig war, durch andere ersetzt, wenn sich ein neues System aufstellen läßt, das wir aus irgendwelchen Gründen vorziehen. (Albert Einstein: „Über Kottlers Abhandlung ‚Einsteins Äquivalenzhypothese und die Gravisation’“, Annalen der Physik 51:639-642, 1916)

Begriffe erlangen über uns leicht eine solche „überweltliche“ Autorität, daß wir ihren rein irdischen Ursprung vergessen und sie als unabänderliche Gegebenheiten hinnehmen, das von LSR bekämpfte Über-Ich.

Bernd Laska schrieb mir vor zwei Jahrzehnten zu dieser Stelle:

Daß Einstein (wie Stalin, Trotzki u.a. Jg. 1879) von Stirner gehört, ihn vielleicht sogar gelesen hat, ist nicht unwahrscheinlich, da dessen „Renaissance“ in seine jungen Jahre fiel. Vielleicht hat Stirner ihn auch inspiriert. Aber was er in obigem Zitat sagt, klingt fast wörtlich nach der Sprachkritik Mauthners und Landauers, die sogar nachweislich sich mit Stirner auseinandergesetzt haben, aber vor „LSR“ zurückgewichen sind (vgl. mein Ein dauerhafter Dissident).

Abschließend zu diesem Teil meiner Reflektionen möchte ich noch folgendes einwerfen: Marx, Freud, Einstein. Alle drei hat Reich angebetet – na jedenfalls den „Kern-Marx“ (lebendige Arbeitskraft), den „Kern-Freud“ (Libidotheorie), den „Kern-Einstein“ („funktionalistische Physik“). Reichs verdammter Vaterkomplex, der ihn nicht sehen ließ, daß sie im Kern gegen ihn waren. Ich glaube, daß Reich persönlich ein „Vater-Imago“ brauchte, um psychisch zu überleben. Aber daß die „Reichianer“ selbst das nachäffen…

Zur Judenfrage (Teil 3)

30. Dezember 2022

Anläßlich der Massenirrationalität der 1930er Jahre in Deutschland und Italien stellte Reich fest, daß der „Faschismus das Resultat jahrtausenderalter Verunstaltung der Menschen (ist). Er hätte in jedem Lande, in jeder Nation zur Entwicklung kommen können“ (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 284). In diesem Sinne war der Nationalsozialismus nur die konsequenteste Ausprägung des Patriarchats, dessen Doktrin im Alten Testament archetypisch niedergelegt ist.

Rassistisches (wenn auch sicherlich nicht im modernen biologistischen Sinne) kann man auch im Alten Testament finden. Unter den Neubegründern (bzw. den eigentlichen Begründern) des Judentums, Esra und Nehemia, herrschte nach dem babylonischen Exil ganz offener Rassismus. So „schalt und verwünschte“ Nehemia jene Juden, die Mischehen geschlossen hatten und „ließ auch einige von ihnen schlagen und ihnen die Haare ausraufen“ (Neh 13,25). Esra meinte, Mischehen würden das Land mit Unreinheit von einem Ende zum anderen erfüllen (Esra 9.10). Fremde Frauen und ihre Kinder sollten verstoßen werden.

Nicht vergessen sei aber auch, daß bis zu David Israel ohne zentralen König war und auch später nie einen wirklichen „orientalischen Tyrannen“ geduldet hat. Für die despotischen Zustände im antiken Orient ist es ohne Beispiel wie etwa Judas König Joschija (638-609), nachdem er sich von der assyrischen Tyrannei befreit hatte, den aufgefundenen Text des Deuteroniums vor dem Volk verlas. Michael Grant zufolge scheint Joschijas Regierungsstil demokratischer als der der anderen Herrscher seiner Zeit gewesen zu sein.

Seine öffentliche Verlesung des heiligen Textes weist darauf hin, daß er offensichtlich davon überzeugt war, daß die Bevölkerung ein Recht habe, über Dokumente von nationaler Bedeutung informiert zu werden, und der Prophet Jeremia [22,15f], der gewiß nicht leicht zufriedenzustellen war, erklärte, der König habe recht gehandelt, indem er sich den Niedrigen und Armen zugewandt habe. (Grant: Das Heilige Land, Bergisch Gladbach 1988, S. 224f)

Wie Ernst E. Vardiman schreibt, gab es in Israel im Gegensatz zu Hellas keine unterdrückte Urbevölkerung und keine Massensklaverei (Vardiman: Die Frau in der Antike, Düsseldorf 1982). Außerdem war die Unterdrückung der Frau weit geringer.

Es läßt sich eine gerade Linie ausmachen, die vom alten Israel, über das Christentum (man denke etwa an die Kreuzzüge) bis zum heutigen Westen ausmachen und seinem Bemühen, die Welt zu „demokratisieren“. Hier zieht sich wie eine Leitlinie das Gefühl hindurch, man sei von Gott ausgewählt „das Licht der Welt zu sein“. Genau hier beginnt das Problem, das Sendungsbewußtsein.

Über das Sendungsbewußtsein Amerikas und des Christentums brauchen wir nichts weiter sagen. Problematisch wird es bei den Juden. Man schaue sich nur die Geschichte de Orgonomie selbst an: Marxismus, Bolschewismus, Psychoanalyse, die Sexpol, Reich in Skandinavien und New York: das waren durch und durch jüdische Veranstaltungen. Wogegen haben sie sich gewendet? Gegen die Produktionsverhältnisse (ökonomische Revolution) und gegen die, wenn man so will, „Reproduktionsverhältnisse“ (sexuelle Revolution). Frankfurter Schule, die westliche Kulturrevolution seit den 1960er Jahren, heute vor allem rassische und sexuelle „Diversity“, was nichts anderes bedeutet als weißer Genozid.

Es gibt zwar keine Rassen aber „BPoCs“ (Black and People of Color)! Es gibt zwar Dutzende Geschlechter, aber merkwürdigerweise kann man sich nur an zwei von ihnen medikamentös und chirurgisch anpassen lassen!

Hier, in diesem widersprüchlichen und bösartigen Mumpitz, scheint die ganze Dialektik auf, die von Anfang an unsere christliche Kultur geprägt hat. Man denke nur daran, wie Jesus gegen die Pharisäer gewettert hat, die weitgehend identisch mit den späteren Talmud-Juden sind. Er hat sie nicht etwa angegriffen, weil sie von Natur aus böse waren, d.h. ihr Grundimpuls in irgendeiner Weise falsch war, schließlich war ja auch er in mancher Beziehung einer von ihnen, sondern er griff sie an, weil sie eben diesen Grundimpuls verraten und verkauft hatten; hochmütig, weltfremd und niederträchtig auftraten. Nichts wurde logisch zuendegedacht – d.h. es wurde nicht funktionell gedacht. Der humanistische Grundimpuls des Judentums wurde zu einer subversiv-suprematistischen Scheußlichkeit.

Genau das war auch Reichs Problem mit den Juden: daß der Grundimpuls der Befreiung der „Arbeitsenergie“ in einen elenden Marx-Talmudismus entartete, der dazu führte, daß Leute wie Erich Fromm und andere Stubengelehrte dem Straßenkämpfer Reich den „Marxismus“ absprachen; der Bolschewismus entartete zu etwas, was der krypto-religiöse Franz Kafka hätte entwerfen können; der Grundimpuls der Psychoanalyse, nämlich die Befreiung der Sexualenergie, wurde zu einem „Befreien Sie mich von Reich!“; die Entartung von Reichs eigener Lehre durch seine Schüler beschreibt er in seiner Rede an den Kleinen Mann. Beschränkte und bösartige Pharisäer!

Peter liest die kommentierte Neuauflage der Originalausgabe von Reichs MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 4)

29. Dezember 2022

Ich hatte geschrieben, daß angesichts des heute neu heraufziehenden Nationalsozialismus mit seiner Mischung aus Staatsterror, Dominanz der Großindustrie und sozialistischen Elementen (etwa dem generellen Grundeinkommen), die Neuauflage der Massenpsychologie des Faschismus ein Glücksfall sei. Gleichzeitig ist hier auch ein ungeheures Mißbrauchspotential gegeben, denn Reichs zentrale Angriffsziele sind das Kleinbürgertum (Bauern, Mittelständler, kleine Gewerbetreibende [vom Beamtentum wollen wir an dieser Stelle absehen!]) und der Individualismus.

Man könnte sagen, daß alles Gewachsene und „Widerständige“, das sich der folgerichtigen Entwicklung der Produktionsmittel entgegenstemmt, nunmehr auch mit Hilfe der Psychoanalyse überwunden werden soll. In dieser Form ist das Buch geradezu „anti-orgonomisch“.

Beispielsweise greift Reich die „Zadruga“ an, die, soweit ich es überblicke, vom Herausgeber Andreas Peglau nicht erklärt wird. Auf Wikipedia heißt es dazu:

Die Zadruga (kroatisch bzw. serbisch: Genossenschaft, im Sinne von Hausgenossenschaft; auch: Hauskommunion, Hausgemeinschaft, Großfamilie, Gemeindeschaft) war eine bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts bei den Südslawen verbreitete, Wirtschafts- und Lebensgemeinschaft, die auf den Prinzipien der patriarchalischen Autorität und der Familie aufbaute. Ihre Mitglieder führten die Landwirtschaft in einem Haushalt und unter einem Familienoberhaupt. (…) Nach einer Theorie ist die Zadruga im 14. Jahrhundert als Ergebnis der Feudalzeit entstanden, als die Bauern eine Organisationsform suchten, um dem Druck durch den herrschenden Stand zu widerstehen. (…) Nach anderer Meinung soll es sich bei Zadruga um eine urslawische Einrichtung gehandelt haben, die ihren Ursprung in dem kollektivistisch denkenden Menschen des Ostens hatte, der seinen Gegensatz zu dem individualistisch denkenden Menschen des Westens hatte. (…) Die Zadruga existierte in vielen Gegenden auch neben anderen individualistischen Lebens- und Wirtschaftsformen.

Das „individualistisch“ ist kein Widerspruch: im Westen entzieht sich das Individuum der zentralen staatlichen Kontrolle, im Osten die lokale Gemeinschaft, die in diesem Sinne „individualistisch“ auftritt. Und genau das ist der Punkt: daß der Kommunist Reich 1933 für das Kollektiv eintritt und die Kollektivierung der Landwirtschaft und Kleinbetriebe in der Sowjetunion bzw. dem zukünftigen „Rätedeutschland“. Er war damit sozusagen Sprachrohr des „Great Reset“: „Du wirst nichts besitzen, aber glücklich sein!“

Daß ist das Perfide dieser Ausgabe der Massenpsychologie des Faschismus: daß sie explizit gegen die NSDAP gerichtet ist, die sich heute als AfD tarne, implizit jedoch das Programm der NSDAP unterstützt, nämlich den besagten Great Reset, den Faschismus, der klassisch definiert ist als Zusammengehen von zentralisierter staatlicher Macht und dem zentralisierten Kapital. Entsprechend bezeichnete Reich in der revidierten und erweiterten dritten Auflage der Massenpsychologie des Faschismus den Stalinismus auch als „Staatskapitalismus“ („roten Faschismus“). Alles „Zadruga-Hafte“, alle lokale Autorität muß beseitigt werden. In diesem Sinne wird von Peglau Reich für die antiautoritäre Gesellschaft, in der an die Stelle der zahllosen lokalen Autoritäten die eine „Zentralautorität“ tritt, nutzbar gemacht.

Eine notwendige Anmerkung: 1940 schrieb Reich an Fritz Brupbacher: „Was sie als neuen Individualismus bezeichnen, glaube ich für meine Person zunächst nur für mich unter dem Begriff ‚Arbeitsdemokratie‘ formuliert zu haben.“

Zur Judenfrage (Teil 2)

28. Dezember 2022

Am Beispiel des Antisemitismus kann man die gesamte orgonomische Sozialwissenschaft revuepassieren lassen.

Zunächst einmal ist der Antisemitismus bzw. der heutige „Antizionismus“ in seiner ganzen Widerwärtigkeit vielleicht das naheliegendste Beispiel für den Christusmord:

Im Ghetto von Wilna gab es einen Juden, den die SS-Wachmannschaft zum Spott „Jud Jesus“ nannte. Eines Tages ergriffen sie ihn, zerschunden ihm sein Haupt mit einer Krone aus Stacheldraht und kreuzigten ihn dann am Lagertor. (Dekan Rudolf Pfisterer z.n. Pinchas Lapide: Wer war schuld an Jesu Tod? , Gütersloh 1987)

Spezifischer kann man dem Haß gegen Juden mit der von Elsworth F. Baker entwickelten soziopolitischen Charakterologie auf den Grund gehen. In der Vergangenheit hatten Juden vor allem eine liberale Charakterstruktur mit verhältnismäßig vielen pseudo-liberalen Charakteren. Man siehe dazu die Ausführungen von Bakers Schüler Charles Konia: „Why Are Jews Liberal?“, The Journal of Orgonomy, Vol. 43(2), Fall 2009/Winter 2010, S. 68f. Deshalb wurden sie von den Rechten dermaßen gehaßt. Mit der Gründung Israels ist es zu einer dramatischen Umkehr gekommen und der Haß gegen Juden („Zionisten“) kommt mittlerweile vor allem von der Linken. In ihrer verzerrten Wahrnehmung sehen Linke „amerikanische Siedler“ („Zionisten“), die erneut die Indianer („Palästinenser“) unterdrücken und massakrieren. Der typische Linksintellektuelle ist heute besessen vom „Israelproblem“, wie es früher der typische Rechtsintellektuelle vom „Judenproblem“ war. Gemäß ihrer Charakterstruktur sehen die ersteren ihr besagtes „Problem“ als sozio-ökonomisch bzw. politisch bedingt, während die letzteren das ihre „biologisch“ (rassistisch) und „moralisch“ („Feinde Christi“) sehen.

In Der verdrängte Christus. Orgonomie und Christentum habe ich gezeigt, wie in der religiösen Mystik die Sexualität transzendiert wird bei gleichzeitiger Erniedrigung der realen Sexualität – wie die irreale Frau vergöttlicht wird bei gleichzeitiger Erniedrigung der realen Frau. Erinnert sei hier an die kitschige Mutterverehrung (eine Art „Jungianisches Matriarchat“) der extrem patriarchalisch eingestellten Nationalsozialisten, wie Reich sie in der Massenpsychologie des Faschismus (Fischer TB, S. 70-73) darstellt:

Durch die patriarchale Sexualunterdrückung wird „die ursprüngliche biologische Bindung des Kindes an die Mutter und auch der Mutter an die Kinder zur unlösbaren sexuellen Fixierung“. Um diese Mutterbindung, dem Kern der Familienbindung, gruppieren sich dann, so Reich, die reaktionären Vorstellungen von Heimat und Nation. „Das nationalistische Empfinden ist demnach die direkte Fortsetzung der familiären Bindung und wurzelt wie diese zuletzt in der fixierten Mutterbindung.“

Als Beispiel zitiert Reich Aussagen von Goebbels wie die folgenden:

Die Heimat ist die Mutter Deines Lebens, vergiß das nie.<br>Mit dem Begriff „Mutter“ ist „Deutschsein“ ewig verbunden – kann uns etwas enger zusammenführen als der Gedanke gemeinsamer Mutterehrung?<br>Wenn jemand deiner Mutter mit der Peitsche mitten durchs Gesicht schlägt, sagst du dann auch: Danke schön! Er ist auch ein Mensch!? Das ist kein Mensch, das ist ein Unmensch! Wieviel Schlimmeres hat der Jude unserer Mutter Deutschland (von WR gesperrt) angetan und tut es heute noch an! Er (der Jude) hat unsere Rasse verdorben, unsere Kraft angefault, unsere Sitten unterhöhlt und unsere Kraft gebrochen (…) Der Jude ist der plastische Dämon des Verfalls (…) beginnt sein verbrecherisches Schächtwerk an den Völkern.

Das letzte Zitat kommentiert Reich folgendermaßen:

Man muß die Bedeutung der Vorstellung von der Kastration als der Strafe für sexuelles Begehren kennen, man muß den sexualpsychologischen Hintergrund der Ritualmordphantasien wie des Antisemitismus überhaupt erfassen und zudem das sexuelle Schuldgefühl und die sexuelle Angst des reaktionären Menschen richtig einschätzen, um beurteilen zu können, wie solche vom Schreiber unbewußt abgefaßten Sätze auf das unbewußte Gemütsleben der Leser einwirken. Hier liegt die psychologische Wurzel des Antisemitismus der Nationalsozialisten.

Es ist bezeichnend, daß der Antisemitismus in Hitlers österreich-ungarischer Heimat 1882 anläßlich eines Ritualmordprozesses den entscheidenden Aufschwung nahm. Der Jude Joseph Scharf wurde angeklagt, die 14jährige Esther Solymossy zu rituellen Zwecken ermordet zu haben. Es folgten pogromartige Ausschreitungen. In Dresden wurde daraufhin noch im gleichen Jahr der erste antisemitische Kongreß abgehalten. Über dem Rednerpult hing das Bild des Mädchens. Außerdem wurde die erste antisemitische Zeitung ins Leben gerufen, der Österreichische Volksfreund. Ritualmordanschuldigungen waren in Folge eines der Hauptthemen der 1890er Jahre. Von da an war es ein grader konsequenter Weg in die Gaskammern. 1943 führte Himmler vor SS-Schergen aus: „Wir hatten das moralische Recht, wir hatten die Pflicht gegenüber unserem Volk, dieses Volk, das uns umbringen wollte, umzubringen.“

Im Antisemitismus klingen gleichzeitig auch Elemente an, die gegen das „Mütterliche“, „Dunkle“ und „Chthonische“ gerichtet sind. Reich hat in seiner Massenpsychologie des Faschismus dargestellt, wie die Sexualität verteufelt und zusammen mit „niederen“ Bevölkerungsgruppen, den „Untermenschen“, in die Unterwelt verdrängt wird („Übermenschen gegen Untermenschen = Unterleibsmenschen, ebd., S. 304).

Am klarsten tritt uns dies im deutschen Faschismus entgegen, wo die „Herrenmoral“ des „nordischen“ (kalten) Menschen für das Lichte, Hehre, Himmelhafte, Asexuelle, Reine steht; während „der Jude“ triebhaft, dämonisch, geschlechtlich, ekstatisch, orgastisch ist – und in besonders kranken Phantasien bringt er sogar Menschenopfer dar. Wie Hitler es in Mein Kampf so schön plastisch ausdrückt: „Der schwarzhaarige Judenjunge lauert stundenlang, satanische Freude in seinem Gesicht, auf das ahnungslose Mädchen, das er mit seinem Blut schändet.“ „Der Jude“ ziehe die „nordische Rasse“ auf sein sexuelles Niveau hinab. Ausgerechnet „die Juden“ empfand man als sexuell haltlos. So schrieb Walter Schubart in seinem Buch Religion und Eros, das 1941 in München veröffentlicht wurde:

Dionysischer Art ist das biblische Gebot: „Seid fruchtbar und mehret euch“, anklingend an die den Naturreligionen eigene Vergottung des unermüdlichen gebärenden Muttertums. Im [apokryphen] Buch Henoch 10,17 freut sich der Apokalyptiker darauf, daß die Gerechten nach dem Gericht über die Gottlosen bis zu 1000 Kinder zeugen werden; man träumt davon, daß zur Zeit des Messias die Weiber täglich gebären. (…) Der Same ist heilig (Esra 9,2). Kinderreichtum gilt als Segen, Unfruchtbarkeit als göttliche Strafe (4 Makk 18,9; Henoch 96,5) (…) Die Vielweiberei ist gestattet (Dtn 21,15-17). Viele Kinder zu haben ist Pflicht, viele Frauen zu haben keine Schande. Salomo ergötzte sich an 700 Weibern und 300 Kebsen (1 Kön 11,3). Jungvermählte werden vom Heeresdienst befreit, um sich des Geschlechts zu erfreuen (Dtn 20,7 und 24,5). (…) Im ganzen läßt sich sagen, daß sich das vorchristliche Judentum einige Vorstellungen und Gepflogenheiten der Naturreligion bewahrt hat. Nur in der Gottesfrage gilt kraß und einseitig das männliche Prinzip. (z.n. Czech/Loth/Trzaskalik/Tworuschka: Judentum, Dieserweg/Kösel 1978, S. 66)

Die Generation der Nationalsozialisten entstammt einer Periode in der Entwicklung des westlichen Patriarchats, Mitte des 19. Jahrhunderts, als „die Einschätzung der Sexualität ihren absoluten Tiefpunkt erreichte“ (Herbert Haag und Katharina Elliger: Stört nicht die Liebe, Olten und Freiburg 1986, S. 46).

Von Anfang an konzentriert sich (…) die Behandlung sexueller Fragen auf das 6. Gebot. Während jedoch die ältesten Katechismen sich in der Formulierung an die biblische Überlieferung halten und eine sachgemäße, offene Sprache sprechen, verändert und verengt sich die Redeweise immer mehr, bis in der Mitte des 19. Jahrhunderts das Geschlechtliche völlig tabuisiert wird. (ebd., S. 44)

Hier, aus diesem Pfuhl abgestandener Sexualenergie, aus dem stickigen Schoß der Kirche ist die buchstäblich braune Bewegung hervorgekrochen.

Die antisemitischen Tiraden der Nationalsozialisten gegen den Einbruch des „Triebhaften, Gestaltlosen, Dämonischen, Geschlechtlichen, Ekstatischen, Chthonischen und der Mutterverehrung“ (vgl. Reichs Ausführungen in der Massenpsychologie über die Rolle von „Rassereinheit, Blutvergiftung und Mystizismus“ bei Alfred Rosenberg) sind keine Ausnahmeerscheinung in der Kulturentwicklung, sondern sozusagen die Speerspitze unserer gepanzerten „Kultur“. Es ist nichts spezifisch Deutsches, wie es manche Rassisten gerne hinstellen.

Datei „laska-biblio“ (2014)

27. Dezember 2022

Datei „laska-biblio“ (2014)

Zur Judenfrage (Teil 1)

26. Dezember 2022

Erich Fromm war ein Plagiator, der Reichs Schriften förmlich ausgeweidet hat und dann als mundgerechte und leicht verdauliche (d.h. „entsexualisierte“) Kost dem Publikum darreichte. Siehe dazu die Darstellung von Bernd Laska.

Fromm und Psychohistoriker a la Lloyd deMause haben darüber hinaus etwas gemacht, was Reich seit den 1920er Jahren vehement bekämpft hat: das Erklären einer tieferliegenden Funktion mit Hilfe einer oberflächlicheren. In diesem Fall geht es darum, daß soziologische Prozesse mit Hilfe der Psychologie bzw. „Tiefenpsychologie“ erklärt werden.

Daß ein solcher Ansatz willkürlich ist, von willkürlichen Annahmen bestimmt wird, an die sich die Autoren gegen jede historische Evidenz festklammern, und zwangsweise zu absurden Ergebnissen führen muß, hat Werner Maser in seinem Buch Fälschung, Dichtung und Wahrheit über Hitler und Stalin (München 2004) kurz am Beispiel von Hitlers Mutter und dem Rätsel von Hitlers Antisemitismus gezeigt. Der Historiker, der sich im Bereich der Soziologie bewegt, ist zurecht empört, wenn er mit von jeder Realität losgelösten psychologischen Spekulationen konfrontiert wird. Lärm dringt aus dem Irrenhaus!

Maser setzt sich mit Fromms Analyse der Persönlichkeit Hitlers auseinander, wie Fromm sie in seinem Buch Anatomie der menschlichen Destruktivität entwickelt. Für Fromm war der junge Hitler ein schmarotzender Taugenichts, der seine an Brustkrebs erkrankte Mutter im Stich ließ, statt sie zu pflegen. Andererseits habe dieser angebliche „Taugenichts“ rücksichtlos sein Ziel verfolgt, Künstler und Architekt zu werden, wobei er das mütterliche Erbe herzlos verpraßt habe. Die Darstellung glaubhafter Zeitzeugen, darunter der jüdische Arzt der Mutter, daß Hitler seine Mutter liebevoll gepflegt und sie ihn bei seinen Ambitionen finanziell unterstützt hat, wischt Fromm einfach vom Tisch, weil sie nicht in seine vorgebliche „Analyse“ des „bösen“ Charakters Hitlers passen will.

Sogenannte Psychohistoriker haben auf schlichtweg obszöne Weise versucht, Hitlers Judenhaß mit Hilfe der Dreiecksbeziehung zwischen der krebskranken Klara Hitler, ihrem angeblich geldgierigen jüdischen Arzt Dr. Bloch und ihrem Sohn Hitler zu entschlüsseln. Da wird dann beispielsweise darauf hingewiesen, daß Hitlers Mutter nach der unter Gasnarkose (!) erfolgten und von Dr. Bloch durchgeführten Krebsoperation verstorben ist. Unterschlagen wird, daß Hitler und seine Schwester den Arzt nach einer vollkommen üblichen Behandlung ohne jede Kritik nach dem gängigen Satz ausbezahlt haben und voll des Lobes waren. Hitler blieb Dr. Bloch zeitlebens gewogen und stellte ihn und seine Familie bis zum Schluß unter seinen persönlichen Schutz.

Was unter keinen Umständen zutage treten darf: Hitler war ein erschreckend normaler Mensch, der genau deshalb wirkte – weil er, wie Reich in Die Massenpsychologie des Faschismus dargelegt hat, die gleiche Struktur hatte, wie der Durchschnittsdeutsche. Entsprechend ist für seinen Judenhaß und den daraus resultierenden Völkermord kein nachvollziehbares psychologisches Motiv erkennbar. Hitler war ein leerer Sack wie Millionen andere Menschen auch. Der einzige Unterschied war, daß er offensichtlich ein ausgesprochen politisches Talent war und trotz, und vielleicht gerade wegen seiner fast schon autistischen Gefühlskälte, Menschen an sich binden konnte.

Wie dann Hitlers spezifisch gegen die Juden gerichteten Vernichtungswahn erklären? Psychologische Spekulationen helfen hier nicht weiter. Jeder einzelne Versuch ist bisher kläglich gescheitert. Auch die Soziologie kann den Holocaust nicht erklären, da er vollständig irrational ist.

Als einzige Option bleibt die Biologie (bzw. das, was Reich als „Massenpsychologie“ bezeichnet hat). Hier findet sich die spezifisch orgonomische Erklärung dieser Menschheitstragödie. Aus Gründen, die ohne jede Bedeutung sind und eh nie rekonstruiert werden können, kam in Hitler kurz nach dem Ersten Weltkrieg die fixe Idee auf vom „Juden“ als Quelle allen Übels. Millionen andere haben ganz entsprechende fixe Ideen, die sie ihr ganzes Leben nicht mehr loslassen: Vorurteile, religiöse und „spirituelle“ Wahnideen, „Theorien“, politische Ansichten, – an die man jeweils stur festhält, vollkommen unabhängig von jeder Realität.

Diese fixen Ideen sind unmittelbares Resultat der okularen Panzerung. Die Augenpanzerung ist ihr biologisches Fundament. Je weiter „links“ oder „rechts“ ein Mensch steht, desto stärker ist seine okulare Panzerung. Er hat buchstäblich ein „Brett vor dem Kopf“. Irgendeinen Sinn in seinen fixen Ideen ausfindig machen zu wollen, ist schlichtweg sinnlos, da zusammenhanglose Willkür das Wesen dieser fixen Ideen ist. Es ist die gleiche pseudowissenschaftliche Willkür, die die Psychohistorie auszeichnet.

Aus diesem Grunde hasse und verabscheue ich angebliche „Antifaschisten“ wie Erich Fromm. Man kann, wie angeschnitten, den Wahnsinn erst verstehen, wenn man den Bereich von Psychologie und Soziologie verläßt und das ganze von biologischer Warte aus betrachtet, d.h. von der Panzerung her.

Der Holocaust war möglich, weil, wie Reich viele Jahre zuvor in Die Massenpsychologie des Faschismus dargelegt hatte, die Massen in vier gegensätzlichen fixen Ideen gefangen waren, die unmittelbar in ihrer Charakterstruktur verankert waren:

  1. Haß auf den kapitalistischen Ausbeuter: den Juden
  2. Angst vor dem Bolschewisten: dem Juden
  3. Haß auf den Kastrierer (Kastrationskomplex): den Juden
  4. Angst vor dem Zersetzer der Moral: dem Juden

Betrachtet man das Internet, insbesondere die zahllosen wirren Verschwörungstheorien, wird man noch heute ungebrochen diese vier Elemente und den einen Gegensatz, den sie beinhalten, finden: irgendwelche nebulösen genauso superreichen und supersadistischen „Illuminati“, die mit ihrem Kulturbolschewismus das Menschheitserbe zersetzen. Früher oder später fällt wirklich immer das Codewort: „Zionisten“.

Es geht nicht um solche lächerlichen und imgrunde unwichtigen Figuren wie Hitler, sondern um die sexualfeindliche Charakterstruktur der Massen, die mitschwingt, wenn diese vier Elemente angestimmt werden. Es geht um die Geschichte der Panzerung, die Geschichte der Religion, die Geschichte der Ausbeutung – und die ungeeigneten, tragischen Versuche des gepanzerten Menschen aus diesem Wahnsinn, in den er vor Jahrtausenden geraten ist, wieder auszubrechen. Angesichts dessen sich das geisteskranke (okular gepanzerte) Gegröle der „Antifa“ und das nicht weniger geisteskranke Geschwurmel der „kritischen“ Gesellschaftswissenschaftler, insbesondere der „Antisemitismusforscher“, anhören zu müssen, ist eine Zumutung. Es ist eine Zumutung, weil diese Leute alles tun, um die Falle noch unentrinnbarer zu machen – im Namen der „Emanzipation“. Leute wie Fromm werden nie verstehen, daß der Antisemitismus erst mit einer sexuellen Revolution verschwinden wird, d.h. mit der Herstellung von orgastischer Potenz auf Massenbasis.