Das große Orgasmus-Mißverständnis

4. Juli 2024

Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich sowas wie das folgende liebe, wie wohlig heimisch ich mich fühle:

Ich habe mich mein ganzes Leben mit der indischen Kultur auseinandergesetzt. Ich weiß von all den Schrecknissen, dem Yoga (unters Joch spannen – es ist ein und dasselbe indoarische Wort!), Karma, Kastensystem, arrangierte Ehen ohne Liebe etc. Ich weiß, daß Tyagaraja den obigen Kriti (entspricht vielleicht einer Sonate) komponiert hat – Tyagaraja: „König der Entsagung“. Trotz allem liebe ich Südindien, die karnatische Musik; Tyagaraja ist vielleicht mein Lieblingskomponist. – Aber ist das nicht alles geradezu der plastische Ausdruck all dessen, was das exakte Gegenteil der Orgasmustheorie ausmacht?

Nein! Und nochmals: NEIN! Diese verächtliche super-orgonomische Haltung, die alle „gepanzerte“ Kultur verächtlich vom Tisch wischt, ist vollkommen verpeilt und zutiefst – nihilistisch. Auch wenn man mißbräuchlich Reich zitiert, daß es bisher keine Kultur gab und es diese erst in Zukunft geben würde. Wer diese Haltung vertritt, sagt imgrunde nichts anderes als Michael Silvert, den ich neulich dahin zitiert habe, daß „gepanzerte“ Menschen keinen Sex haben dürften. Klingt irgendwie hyperorgonomisch, ist aber das diametrale Gegenteil der Orgonomie.

Es ist eine Art „orgonomischer Mystizismus“, der irgendwie ein „reines Land“, ein „Jenseits (der Panzerung)“ erwartet – also genau jene Haltung vertritt, die der „Superorgonom“ beispielweise den Hindus vorwirft. Niemals wird es eine „bessere“ Musik geben als das, was Bach, Mozart, Beethoven und – Tyagaraja uns hinterlassen haben. Egal wie sie selbst und die Kultur geartet sein mögen, deren Heroen sie sind. Es gibt kosmische Formgesetze, die sich durch solche Halbgötter manifestieren. Es wird niemals „bessere“ Musik geben als im obigen Video. (Warum ausgerechnet südindische Musik? Mal abgesehen von meinen persönlichen Vorlieben: Die europäische klassische Musik ist tot, ein Museum. Und sie wird vom Blatt abgelesen oder das Blatt wird memoriert, d.h. der Spieler ist immer angespannt, läuft buchstäblich den Vorgaben hinterher und die Vorführung ist frei von Inspiration, während indische Musiker stets, für den Europäer immer etwas irritierend, tiefenentspannt sind und ihre Musik zu 90% auf Improvisation beruht.)

Was wir anstreben, ist kein irgendwie ungreifbares Paradies in den Wolken bzw. eine Utopie auf Erden so schön, daß wir sie uns gar nicht ausmalen können. Was wir anstreben ist, daß die Menschen die Tiefe und Schönheit des Universums immer voller erfahren und sie realisieren, daß sie in einem Ozean leben, in den sie sich eintunen können, sofern sie sich nur wirklich entspannen und hingeben. Ansonsten verweise ich auf den gestrigen Blogeintrag über die kosmischen Ursprünge unserer Kultur.

Der Orgasmus im Schlaf

3. Juli 2024

Ist es ein Zufall, daß wir überwiegend an ein und demselben Ort schlafen und „miteinander schlafen“? Träumen und Orgasmus sind funktionell identisch, dazu paßt von der inneren Logik her auch der gleiche Ort.

Was ist der Mensch? Das was Reich im Anschluß an Friedrich Kraus‘ „Tiefenperson“ zunächst „vegetative Strömung“ bzw. später „orgonotische Strömung“ genannt hat und was er in den bioelektrischen Versuchen, den Bionexperimenten und nicht zuletzt in der charakteranalytischen Vegetotherapie (später psychiatrischen Orgontherapie) praktisch untersucht hat. Diese orgonotische Strömung spaltet sich auf in die „psychische“ Wahrnehmung und die „somatische“ orgonotische Erregung. Die letztere spaltet sich wiederum auf in die Funktionen „koexistierende Wirkung“ und „relative Bewegung“.

Die relative Bewegung kommt konkret in der Kreiselwelle und der orgonotischen Pulsation zum Ausdruck. Das Phänomen „Leben“ ist das Pulsieren der organismischen Orgonenergie innerhalb einer elastischen Membran. Der Drang nach der genitalen Überlagerung entspricht dem Drang der in der Membran gefangenen organismischen Orgonenergie hin zur freien atmosphärischen Orgonenergie. Dieser Drang findet im Orgasmus seine Erfüllung. Der Orgasmus ist einerseits nichts anderes als eine extrem beschleunigte, „zuckungsartige“ Pulsation (wie man es bei Einzellern während der Zellteilung beobachten kann) und andererseits das „Ausschwingen“ der Kreiselwelle durch das Genital hindurch. Beides kommt im Orgasmusreflex zum Ausdruck, durch den überschüssige Energie ausgestoßen wird, so daß sich der Organismus in einem expansiven Zustand erhalten kann „ohne Angst haben zu müssen zu platzen“. Ansonsten müßte er nämlich seine Energieproduktion drosseln.

Ähnlich ist es mit dem Schlaf im allgemeinen und dem Träumen im besonderen bestellt. Nur daß sich das nicht im Bereich der „relativen Bewegung“ abspielt, sondern in dem der „koexistierenden Wirkung“. Der Schlaf dient dazu, eine hohe energetische Ladung des Organismus aufrechtzuerhalten und das Träumen ist ein unverzichtbarer Bestandteil dieses Energiehaushalts. Auch hier greifen wir über unsere „Membran“ hinaus und durchschreiten in unserer Imagination weite Reisen durch Raum und Zeit vollkommen losgelöst von den Gesetzen der Materie und der gängigen Logik. Freud hat das 1900 in seinem Buch Traumdeutung eingehend beschrieben und damit die Psychoanalyse (wenn man so will „Psychologik“) begründet. Ein Fundament, auf dem Reich dann zwei Jahrzehnte später anfangen konnte das Gebäude der Charakteranalyse und der Sexualökonomie zu errichten.

Die koexistierende Wirkung äußert sich in Erstrahlung (der Traum ist buchstäblich ein Licht in der Dunkelheit des Schlafs) und Anziehung. Die letztere Funktion kommt in der „freien Assoziation“ zum Ausdruck, der nach Freud das Traumgeschehen bestimmt. Im Traum lösen wir durch „Probehandeln“ ungelöste Konflikte auf, lösen Spannungen, und versuchen dergestalt „über Nacht“ ein entspanntes Äquilibrium wiederherzustellen. Je neurotischer wir sind, desto aufwühlender und heftiger sind die Träume (meist verdrängen wir sie deshalb) und vor allem desto komplizierter und „geheimnisvoller“. Je gesünder wir durch eine psychiatrische Orgontherapie werden, desto einfacher und durchsichtiger (psychoanalytisch einfacher deutbar) werden die Träume – und entsprechend wird der Schlaf erfrischender.

Das alles kann man sich an jenem Medium am besten vergegenwärtigen, das dem Träumen derartig nahe kommt, daß indigene Völker anfangs keinen Unterschied erkennen können: dem Film. Es gibt Filme, die hinterlassen nur Chaos und ein schlechtes Gefühl, wenn sie uns nicht schlichtweg gleichgültig lassen, und es gibt Filme, die uns tief berühren und „erfüllt“ zurücklassen. Man denke auch an das griechische Drama (Stichwort „Katharsis“) und seine Entsprechungen in der indischen und chinesischen Kultur. Wir fühlen uns danach „rein“ und „befreit“ und können freier durchatmen – wie nach der genitalen Umarmung („nach dem Orgasmus“).

Grundlage dieser Entspannung ist ein Analogon zur genitalen Überlagerung: in der erlösenden Metapher finden zwei „sich an sich ausschließende Elemente“ zu einer sinnfälligen Einheit. Unser Leben wird „sinnvoll“, unser Ausblick optimistisch und expansiv. Das ist die Grundlage dessen, was wir „Kunst und Kultur“ nennen, deren Funktion es ist, bei den Menschen ein hohes orgonotisches Potential aufrechtzuerhalten. Was passiert, wenn dies wegbricht, kann man beim erschreckenden Zerfall indigener Kulturen nach dem Kontakt mit unserer „Zivilisation“ beobachten – sowie beim antiautoritären Zerfall eben dieser „Zivilisation“. Was bleibt, ist übelriechendes und wie Scheiße aussehendes Gesindel mit grünen Haaren und Grüner Gesinnung. (Es soll niemand behaupten, die Orgasmustheorie sei unpolitisch!)

Die Orgasmustheorie hat sechs Elemente

2. Juli 2024

1. Eine Frage der PHILOSOPHIE – die „Kulturdiskussion“ zwischen Reich und Freud: Ist der Mensch ein polymorph-perverses sadomasochistisches Tier, dem Rationalität aufoktroyiert werden muß, oder kann man die Gesellschaft auf Selbststeuerung gründen?

2. Die logische Vollendung der Freudschen LIBIDOTHEORIE durch Reich. Freud hingegen hat stattdessen seine eigene Leistung mit der Todestriebtheorie und der neuen Angsttheorie (Angst nicht Folge von Libidostau, sondern ein „Signal“) zerstört. Hinzu kommt, daß das Ich in sich zu schwach sei, um sich gegen die sozusagen „Triebsignale“ wehren zu können, weshalb Panzerung (= das Über-Ich) insbesondere Anna Freud zufolge unvermeidlich und unaufhebbar ist!

3. Die logische Vollendung der CHARAKTERANALYSE (als Fortführung der Psychoanalyse), da der genitale Charakter, also das Therapieziel, per definitionem orgastisch potent sein muß. Freuds Therapieziel hingegen war der Stoiker, der sich in der Misere der vermeintlich prinzipiellen Unbefriedigbarkeit einrichtet.

4. Die Ausweitung der Psychologie (Psychoanalyse) in die SOZIOLOGIE hinein: Sexualökonomie (die gesellschaftlichen Folgen des Konzepts orgastische Potenz) und Politische Psychologie (die gesellschaftlichen Folgen der charakteranalytischen Sichtweise). Heute betrifft das vor allem einerseits die Analyse der Gender- und Transideologie und andererseits die Analyse des neurotischen liberalen und des pestilenten pseudoliberalen Charakters – der diese pestilenten Ideen propagiert.

5. Der Orgasmus ist ein Thema der MEDIZIN (Hormone, Autonomes Nervensystem) und eines der BIOLOGIE (die orgastische Plasmazuckung, Spannung – Ladung – Entladung – Entspannung). Das letztere führte einerseits 1935 zu den allerersten elektrophysiologischen Messungen der sexuellen Reaktion, Jahrzehnte vor Masters und Johnson, und andererseits 1936 zu den Bionversuchen, Jahrzehnte vor der Entdeckung der Mikrosphären.

6. Die KOSMISCHEN Aspekte des Orgasmus betreffen einerseits das, was Reich in Die kosmische Überlagerung erläutert hat, und andererseits das ORANUR-Experiment bzw. den OR-DOR-Metabolismus. Organismische Orgonenergie, die nicht im Orgasmus metabolisiert wird, verwandelt sich zwangsläufig in DOR, das wiederum die Grundlage aller Biopathien ist, insbesondere aber der Emotionellen Pest. Zur kosmischen Überlagerung morgen mehr.

Ein biologischer Rechenfehler in der Diskussion um die „antiautoritäre Gesellschaft“

1. Juli 2024

Ich hätte beinahe das folgende in den Blog gestellt:

Oberflächlich betrachtet sieht die Situation klar aus: westliche bzw. weiße Welt wird zunehmend antiautoritär, während Länder wie der Iran, Afghanistan, Indien, China, Indonesien etc. noch immer autoritär strukturiert sind.

Aber ist das wirklich so, wenn man die Sache nicht statisch betrachtet, sondern von den Entwicklungstendenzen her, also „funktionell“? Dann ist die Tendenz eher gegenläufig, denn die weißen Gesellschaften überaltern langsam und Kinder und Jugendliche werden zusehends zu einer exotischen Minderheit. Dazu auch auffällig kränklich und schlichtweg saublöd. NPCs! Leute, mit denen man nicht rechnen muß, während die Alten, die noch in den letzten Ausläufern der autoritären Gesellschaft sozialisiert wurden, bis ins hohe Alter dynamisch bleiben und sich effektiv gegen den toxischen Zeitgeist wehren.

Ganz anders sieht es, entgegen dem ersten Anschein, in Ländern wie, sagen wir, Algerien oder Nigeria aus. Diese Länder sind derartig von den Jungen bestimmt, daß von Traditionen, dem Respekt gegenüber Älteren und einer traditionellen Ordnung nicht mehr die Rede sein kann. Wir stehen dort vor einer Katastrophe der Haltlosigkeit und des Nihilismus, deren erste Ausläufer insbesondere in Gestalt des Islamismus und der kriminellen Abenteurer, die den Westen als „Asylanten“ heimsuchen. Der Antiautoritarismus des Westens ist harmlos im Vergleich zu dem, was sich in vermeintlich „traditionellen Gesellschaften“ vor unseren Augen zusammenbraut: eine Art antiautoritäre Zombieapokalypse.

Das ist nicht etwa falsch, sondern – es ist falsch, weil es zu schematisch ist. In Deutschland ist es beispielsweise so, daß einige der Alten nach wie vor ihren „Idealen“ aus den 1960er und 1970er Jahre anhängen und deshalb diesen ganzen antiautoritären Unsinn, den jetzt ihre Kinder und Enkel ausbaden müssen, gerade heute vehement „gegen Rääächts“ vertreten. Wie Parasiten wälzen sie sich behaglich in der Scheiße, die sie selbst angerichtet haben, voller Angst, der Wind könnte sich drehen! Umgekehrt wachen angesichts der antiautoritären Zerstörung ihrer Gegenwart und Zukunft viele der Jungen auf und entwickeln sozusagen ein autoritär-traditionelles „1950er Jahre-Bewußtsein“.

Ähnlich in der Dritten Welt, wo einige der Jungen jene traditionelle Gesellschaft rekonstruieren wollen, die ihre Eltern und Großeltern in der Euphorie des Fortschritts weggegeben und dafür einen alles zerstörenden Nihilismus eingekauft haben.

Aber selbst mit dieser Ergänzung, ist der Beitrag nicht funktionell koscher! Es wird nämlich so getan, als gäbe es einen Weg zurück, doch den gibt es definitiv nicht. Alles, was man tun kann, ist die Entwicklung zu bremsen und ihre zerstörerischten Austriebe zu kappen, aber… Die gesellschaftlichen Verhältnisse sind in Bewegung geraten und „Trägheit“ wird die Bewegung dieses gigantischen Ozeanriesen aufrechterhalten, egal was immer man auch unternehmen mag. Alles, was man tun kann, ist der Versuch, das Steuerruder so zu beeinflussen, daß der Ozeanriese einen vernünftigen Zielhafen ansteuert.

Langfristig muß an die Stelle der guten alten Zeit, in der man kaum Atmen konnte, weil auf allen Ebenen, selbst im Kleinsten, irgendwelche Autoritäten ganz direkt das Leben bestimmten, und an die Stelle der heutigen „Freiheit“, in der die Menschen wie Marionetten von einer zentralen Macht geführt werden – selbst bei ihrer vermeintlichen Rebellion (man denke nur an die regierungsamtlichen Demos gegen die einzige Oppositionspartei und all die zentral gesteuerten Modetrends, etwa transgender!)… Eine Arbeitsdemokratie muß an die Stelle sowohl der autoritären als auch der antiautoritären Gesellschaft treten, in der die einzige Autorität die jedem sofort spontan einsichtige Rationalität ist und in der entsprechend Freiheit einhergeht mit Verantwortung.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 140)

30. Juni 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Es ist immer dasselbe: das Individuum gegen die Gesellschaft. Kaum hat Stirner Feuerbachs Chimäre „der Mensch“ zerschlagen, kommt Marx und macht das Individuum zu einer bloßen Schnittstelle gesellschaftlicher Beziehungen oder es wird wie bei Nietzsche, Freud, Heidegger auf je eigene Weise Transformator letztendlich mystischer Kräfte. Ausnahmslos allen ist gemeinsam, daß sie dem Individuum nichts zutrauen. Das sieht man ganz praktisch an der Kindererziehung. Das Baby weiß sofort wo die Brustwarze der Mutter ist. Es ist ein Geben und Nehmen, wechselseitige Anregung, der Egoismus des Babys verzahnt sich eins zu eins mit dem Egoismus der Mutter, Bestärkung, wechselweise Verstärkung, organische Entwicklung aus sich selbst heraus. Der Stirnersche „Verein“ ist sofort da. Aber nein, diese natürliche „egoistische“ Entwicklung, die uns alle anderen Lebewesen vorleben, muß zerschlagen werden (das „irrationale Über-Ich“ muß errichtet werden), um dann im Nachhinein durch das ersetzt zu werden, was Reich als („altruistischen“) „Ersatzkontakt“ bezeichnet hat: Hegel, Feuerbach, Marx, Nietzsche, Freud, Heidegger mit ihren grandiosen Systemen versuchen das wildgewordene, irrational gewordene Individuum irgendwie wieder einzubinden. Eine elende Flickschusterei. Dann betrachte man, was LaMettrie, Stirner und Reich gemeinsam ist – die Aussage: „Leute, hört auf Kopfgeburten hinterherzulaufen, sondern geht von der Wirklichkeit aus.“ Platt ausgedrückt: aus jedem Neugeborenen folgt alles mit logischer Konsequenz. Es weiß, was es will und was es will, ist gut. Wie sollte es anders sein? Das Lebendige würde gar nicht existieren, wenn es nicht rational wäre! Und wenn die Umwelt entsprechend rational reagiert…

Warum diese Panik, dieser Haß, dieses Ausweichen, dieses ins Lächerliche ziehen bei den Reaktionen auf LSR? Weil Laska dem Ersatzkontakt, diesen ganzen Mummenschanz ein Ende setzt. Eine ganze Ersatzwelt droht zu kollabieren.

Bei LaMettrie ist es der Maschinenmensch (das heißt der von der Metaphysik, dem sinnlosen Schuldgefühl und der sinnlosen Scham befreite Mensch), bei Stirner der Eigner seiner selbst, der nicht mehr „besessen“ ist und bei Reich der ungepanzerte („über-ich-lose“) Mensch, der an die Stelle einer vollkommen verfehlten Art von Menschsein tritt. Einen größeren Fauxpas kann man sich gar nicht vorstellen. Imgrunde haben LaMettrie, Stirner und Reich gesagt: „Leute, das ist alles kontraproduktiver Blödsinn, was ihr hier veranstaltet.“

Und das Schlimme ist, daß sie für diese Botschaft nicht nur jeweils umgebracht wurden, sondern die Leute aus Panik noch eine Schicht an Blödsinnigkeit draufgelegt haben. Man denke nur an all das Unheil, das, als Reaktion auf LaMettrie, Rousseau in die Welt gesetzt hat (die Französische Revolution), als Reaktion auf Stirner letztendlich das 20. Jahrhundert (Marx und Nietzsche) und als Reaktion auf Reich die „sexuelle Revolution“ a la Genderfluidity etc. Das irrationale Über-Ich feiert heutzutage solche Triumphe, daß Leute sich sogar kastrieren, die Brüste abschneiden und hochgiftige Chemie in sich pumpen.

Das ist letztendlich der Riecher Laskas, der L und S und R gefunden hat. Ich weiß, es klingt verquer, aber es ist der Riecher, der das besagte Neugeborene vollautomatisch zur Brustwarze der Mutter führt.

Laskas Randnotizen zu Hans G. Helms‘ DIE IDEOLOGIE DER ANONYMEN GESELLSCHAFT (Teil 3)

29. Juni 2024

Laskas Randnotizen zu Hans G. Helms‘ DIE IDEOLOGIE DER ANONYMEN GESELLSCHAFT (Teil 3)

Laskas Randnotizen zu Hans G. Helms‘ DIE IDEOLOGIE DER ANONYMEN GESELLSCHAFT (Teil 2)

28. Juni 2024

Laskas Randnotizen zu Hans G. Helms‘ DIE IDEOLOGIE DER ANONYMEN GESELLSCHAFT (Teil 2)

Laskas Randnotizen zu Hans G. Helms‘ DIE IDEOLOGIE DER ANONYMEN GESELLSCHAFT (Teil 1)

27. Juni 2024

Laskas Randnotizen zu Hans G. Helms‘ DIE IDEOLOGIE DER ANONYMEN GESELLSCHAFT (Teil 1)

Paki S. Wright’s THE ALL SOULS‘ WAITING ROOM (Teil 2)

26. Juni 2024

The All Souls‘ Waiting Room : Wright, Paki S.: Amazon.de: Bücher

Diese Memoiren vermitteln einen intimen (m.W. sogar den einzigen) Einblick in eine der drei Fraktionen der orthodoxen (!) Orgonomie, die sich bereits zu Reichs Lebzeiten abzeichneten. Zunächst muß man wissen, daß es neben Reich nur drei weitere Orgonomen gab, also nicht bloße Orgontherapeuten, sondern umfassende Vertreter der Orgonomie: Elsworth F. Baker, Chester M. Raphael und Michael M. Silvert. Um Baker gruppierten sich seine Schüler, also das, was heute das American College of Orgonomy ist, um Raphael die Gruppe, die um das Wilhelm Reich Museum kreist und schließlich die informelle Gruppe, die Silvert in Greenwich Village um sich gesammelt hatte und die sich irgendwann verflüchtigte.

Beispielsweise wird die entscheidende Szene beschrieben, wo Silvert gegen Baker und Raphael („Edgar Cooke“ und „Nathan Katzman“ – tatsächlich ist „Katzman“ im Roman eine Verdichtung unterschiedlicher Figuren, u.a. Tom Ross) opponierte und durch geschickte Wortwahl Reich dazu bringt, nach der Vorlage der Anklageschrift der FDA nicht vor Gericht zu erscheinen, um sich zu verteidigen, denn, so Silvert, „wo bleibe bei all dem die Wahrheit“? „Johnnine erinnerte sich, wie heftig Dinahs [ihre Mutter und Freundin Silverts] Hetzreden gegen Cooke und Katzman gewesen waren“ (S. 135). Später wird eindringlich beschrieben, wie Silvert in einer Mischung aus Dummheit, fanatischer Verblendung und unbewußtem tiefen Haß gegen Reich Akkumulatoren und Bücher von Orgonon nach Greenwich Village transportierte und damit Reichs Schicksal besiegelte. Reichs Judas!

Die entscheidende letzte Sitzung des OIRC (Orgonomic Infant Research Center) wird beschrieben, in der Johnnine und ihre Mutter Dinah im Mittelpunkt standen (siehe dazu Reichs Buch Kinder der Zukunft, wo das ein ganzes Kapitel füllt). Dabei wird im vorliegenden Buch eine entscheidende Fehlwahrnehmung Reichs aufgedeckt. Er glaubte, die gespannte Atmosphäre stamme daher, daß das Publikum so prüde und lebensfeindlich war und Dinahs Vitalität, Virilität und Lebensnähe nicht ertragen könne, doch Johnnine reagierte nicht etwa deshalb irritiert, sondern weil „Ernesto Febrillo“ und Silvert im Publikum saßen und sie sich zur Begutachtung ihrer Muskelspannung und Körperhaltung entkleiden sollte – wie es bei derartigen medizinischen Präsentationen gang und gäbe ist.

„Little Orgonon“ wird beschrieben, wohin Silvert die Neunjährige mitnahm. Das Cloudbusting, und wie Ea im New Yorker Hafen beim Cloudbusting am Himmel erschien; etwas später, wie direkt über dem Auto ihrer Mutter auf einer einsamen Landstraße Ea schwebte und Johnnine sah, wie es mit einer unglaublichen Geschwindigkeit davonflog. Und das alles unter Bedingungen, als würden die Protagonisten in der Sowjetunion leben, d.h. unter dem ständigen Druck von irgendwelchen Geheimdienstagenten beobachtet und aktiv verfolgt zu werden. Die einfach nur traurigen Gerichtstermine Reichs, bei denen Johnnine mit ihrer Mutter und anderen „Anhängern“ im Zuschauerraum sitzt. Dinahs unmittelbare Beteiligung an der von den Behörden erzwungenen Bücherverbrennung im Hafen New Yorks. Trauriger und traumatischer geht es nicht!

Das Verrückte ist, daß Silvert („Daniel Pahlser“) in vieler Hinsicht Reichs wichtigster, engagiertester und talentiertester Mitarbeiter war, nicht zuletzt im OIRC, gleichzeitig aber ein pestilenter Charakter: „(Johnnine) hatte Pahlser nie gemocht. Er war mürrisch und humorlos, herablassend und zerstreut.“ Andererseits hatte er sich so sehr um sie bemüht, hatte versucht ihr eine Art Ersatzvater zu sein und ihre Liebe zu gewinnen. „Ihre Mutter hatte Pahlser wegen seiner therapeutischen Fähigkeiten verehrt, die Eltern der Kinder, die er entbunden hatte, beteten ihn geradezu an. Warum, wenn er so wunderbar war, zog sich Johnnines Inneres immer noch zusammen, wenn sie an ihn dachte?“ (S. 144f).

Am Ende bleibt ein Gefühl tiefer Beunruhigung und Verletzung. Es sind so viele, in wirklich jedweder Beziehung bizarre und „unmögliche“ Dinge im Umfeld Reichs geschehen, die kein menschliches Wesen verkraften kann… Peter Reich beschreibt das Gefühl in seinen Kindheitserinnerungen Der Traumvater. Er sieht im Kino den Horror-Science-Fiction-Film Die Fliege (1958) und denkt sich beim Verlassen: keiner dieser Leute ahnt, daß mit meiner Person zwischen ihnen jemand gesessen hat, der sowas vor kurzem tatsächlich erlebt hat. Es ist kein Zufall, daß Peter Reich und Paki Wright ihre Erinnerungen nur als „Träume“ bzw. „Jenseitserfahrungen“ niederschreiben konnten. Oder wie Vincent Price sagt:

Minute 1:43…

Paki S. Wright’s THE ALL SOULS‘ WAITING ROOM (Teil 1)

25. Juni 2024

The All Souls‘ Waiting Room : Wright, Paki S.: Amazon.de: Bücher

Dieser „Roman“ ist die extrem verfremdete Autobiographie der Tochter („Johnnine“) der zeitweisen Lebensgefährtin („Dinah Hapgood“) des Orgonomen Michael Silvert („Daniel Pahlser“) von Mitte der 1940er bis Anfang der 1960er Jahre. Dinah war eine Krankenschwester, eine unabhängige, resolute Frau, die dem Alkohol nicht abgeneigt war, Bars besuchte, dort Männerbekanntschaften machte und imgrunde kalt war. Jedenfalls fühlte sich Johnnine von ihrer alleinerziehenden Mutter „verängstigt, verraten, ungeliebt und ungeschützt“ – aber sie wuchs „sexuell frei“ auf…

Von Anfang an war die Orgonomie von schlichtweg „verrückten Leuten“ durchsetzt. Zunächst war da die zutiefst gestörte Hexe Felicia Saxe, die ich vor kurzem in einer anderen Buchbesprechung beschrieben habe. Im hier zu besprechenden Buch betritt zunächst der Orgontherapeut „Ernesto Febrillo“ das Horrorkabinett. Während der Orgontherapie von Johnnine zieht Dr. Febrillo unvermittelt einen kleinen Dildo (sic!) aus einer Tasche seines Kittels, fragt Johnnine, was das ist, und fordert die Vierjährige auf den Dildo kräftig zu beißen, um ihre Wut rauszulassen. Wer war „Ernesto Febrillo“? Trotz aller Verfremdung habe ich eine Idee angesichts der Erinnerungen eines weiteren der damaligen „Kinder der Zukunft“: Malcolm J. Brenner in seinem Buch Growing Up in the Orgone Box.

Es folgt der Auftritt von Daniel Pahlser, also Silvert: Nachdem er und Johnnines Mutter mitbekommen hatten, daß die kleine Johnnine und ihr kleiner katholischer Spielkamerad Brian am Strand Geschlechtsverkehr spielen wollten, Brian aber gar nicht wußte, was das ist, mußten sie zur sexualökonomischen Tat schreiten. Johnnine, 4 Jahre, kommt nach Hause und findet ihre Mutter weinend und völlig aufgelöst im Wohnzimmer vor. Das Kind solle ins Schlafzimmer gehen, wo ihr quasi Stiefvater (und Orgontherapeut ihrer Mutter) auf sie warte. Der nackte und halberigierte Silvert fordert das Mädchen auf sich auszuziehen und den Geschlechtsverkehr mit ihm auszuüben. Sie solle ihn streicheln, er kann mit seinem „riesigen Penis“ nicht in sie eindringen, Ejakulation.

Sie reagierte wie jedes kindliche Opfer derartiger sexueller Übergriffe reagiert: „Ich weiß noch, daß ich damals wußte, daß meine Mutter mich hassen mußte, daß sie mich bestrafen wollte. Die einzige Möglichkeit weiterzuleben, bestand darin, mein Herz zu versteinern, so zu tun, als wäre es mir egal, als wäre ich nicht in dem Zimmer mit [Silvert], als wäre ich in Wirklichkeit ganz woanders, eine Million Kilometer weit weg“ (S. 63).

Weil sie durch eine entscheidende Prüfung am College durchgefallen ist, verübt Johnnine mit 18 einen Selbstmordversuch, um den diese „Novelle“ kreist. In diesem Zusammenhang fällt eine Bemerkung, die mich zusätzlich innerlich aufgewühlt hat: „Du hast einen großen Teil deiner Seele aus deinem Körper verbannt, den Teil, der sich verängstigt, verraten, ungeliebt und ungeschützt fühlte. Selbstmord ist manchmal ein letzter Versuch, sich wieder mit den verbannten Teilen der Seele zu vereinen” (ebd.)

Es sollte erwähnt sein, daß die Autorin Reich bis heute keinerlei Vorwürfe macht! Meine Erachtens war Reich Opfer zweier Dynamiken: Erstens stand er vorbehaltlos für eine sexualpositive Einstellung, was schnell entgleiten kann. Beispielsweise bin ich vorbehaltlos für den privaten Waffenbesitz, da das unveräußerliche Recht auf Leben, Unversehrtheit und Eigentum das grundlegende Menschenrecht ist, wenn „Menschenrechte“ überhaupt irgendeinen Sinn haben sollen. Über die Gegenwahrheit zum privaten Waffenbesitz brauchen wir nicht zu diskutieren… Zweitens: nehmen wir das Beispiel der Hare Krishna-Sekte. Als deren stockbürgerlicher Begründer im fortgeschrittenen Alter und einem Leben mit Beruf und Ehefrau nach seinem Mönchsgelübte nach Amerika kam und von einem süßen kleinen kuhäugigen Jungen namens „Krishna“ schwärmte, konnte er sich nicht im Entferntesten ausmalen, daß er damit vor allem heimliche Homosexuelle und Päderasten anzog und daß der Horror, den Kinder später in dieser Sekte durchmachten, damit unausweichlich vorprogrammiert war. Ähnlich bei Reich. Wie soll man als einigermaßen gesunder Mensch die von Steig und Wright und anderen beschriebenen Abgründe und schiere IDIOTIE auch nur ansatzweise antizipieren! Es ist weit außerhalb jedes Horizonts!