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Probleme der Arbeitsdemokratie in Rußland und China

22. Januar 2013

Für das alte China, das zentral durch die Lehren von Konfuzius geprägt war, war die Welt in ihrem Grundwesen „himmlische Ordnung“. Alles hatte, ganz ähnlich wie bei Aristoteles, seinen „natürlichen Platz“. Oben war oben und Unten war unten. Diese Ordnung konnte zwar gestört werden, blieb jedoch die naturgegebene und damit ewige Ordnung. Nach fast drei Jahrtausenden trat mit Mao die erste wirkliche Veränderung in China ein. Die Welt wurde nun in ihrem Grundwesen von Konflikten bestimmt gesehen. Insbesondere dem Konflikt zwischen Oben und Unten. Aus den Konflikten konnte sich Ordnung erst durch revolutionäre Umwälzungen ergeben, bei denen Oben und Unten ihre Positionen austauschten. Dieses Programm wurde während der Kulturrevolution brutal auf die Spitze geführt. Das Ergebnis wäre beinahe das Ende Chinas als Nation gewesen. (Man denke nur an das Schicksal des im Vergleich klitzekleinen Kambodschas unter den Maoisten!) Zum Glück dauerte die Kulturrevolution nur knapp eine halbe Generation und konnte deshalb nicht wirklich Fuß fassen.

Durch den Einfluß des Westens, insbesondere aber der neuen Heilslehre „Marxismus“, war es in China zu einer verhängnisvollen Umgestaltung gekommen. Sowohl die Zusammenarbeit als auch die Konkurrenz zwischen den Menschen wurde als Verrat am „Klassenkampf“ tabuisiert und durch die willkürlichen Vorgaben einer weltfremden „Elite“ ersetzt. Eine neue Panzerstruktur, die wie kein anderer Mao verkörperte, wurde zum Leitbild der Kultur. An die Stelle der stabilen sozusagen „erdigen“ Muskelpanzerung traten eine instabile „luftige“ Augenpanzerung und die mit ihr einhergehende Kontaktlosigkeit. China verlor die Orientierung und tapste wie ein zwar in Bewegung geratener, aber halluzinierender Riese dem Abgrund entgegen. Man denke nur an Maos „Großen Sprung“, das verrückteste, kontaktloseste Projekt der Menschheitsgeschichte!

maokonfusius

Ähnliches hatte sich zuvor in Rußland zugetragen. Lenin wurde zum Nachfolger Marxens („Marxismus-Leninismus“), indem er mit dem orthodoxen Marxismus brach und sich nicht um „materialistische“ Voraussetzungen kümmerte, sondern einzig und allein um seine eigenen fixen Ideen. Marx und Engels hatten Rußland wie die Pest gehaßt und in vieler Hinsicht sind die Bolschewiki mit ihrem denkbar „antimaterialistischen“ Voluntarismus Schüler des Marxschen Todfeindes Bakunin gewesen. Es gehört ein Höchstmaß an Kontaktlosigkeit dazu, eine „Marxistische“ Revolution ausgerechnet im rückständigsten Teil Europas, nach Marx und Engels dem Hort der Reaktion, auszurufen oder das ganze sogar im noch rückständigeren China zu versuchen. Ergebnis war ein unglaubliches Chaos, gefolgt von einem rigorosen Durchgreifen, das alle Grausamkeiten der Vergangenheit in den Schatten stellte, und 100 000 000 Tote.

Kaum weniger kontaktlos waren die Versuche des Voluntaristen Gorbatschow, den sich mühsam stabilisierenden Sauhaufen zu „reformieren“. Ihm blieb es vorbehalten, das zu zerstören, was die Kommunisten mit der „Neuen ökonomischen Politik“, der Zwangskollektivierung unter Stalin und der daran anschließenden „Volksdemokratie“ (an die Stelle der Todesdrohung trat ein allgegenwärtiges mafiöses System der Korruption) aus dem Chaos gemacht hatten, das sie von Lenin geerbt hatten. In dieser Hinsicht war Mao mit der Kulturrevolution sozusagen „sein eigener Gorbatschow“! Die „Reformen“ Maos und Gorbatschows dienten nur dem einen Ziel, die sich wieder „verkrustende“ Gesellschaft durchsichtiger zu machen und so die Kontrolle durch letztendlich eine Person an der Spitze zu ermöglichen. Alles entsprechend der obigen Illustration.

Die Frage ist, warum Rußland untergegangen ist (ohne seine Rohstoffe wäre Rußland heute ein einziges großes Armenhaus), China jedoch prosperiert.

Die Antwort ist einfach. Trotz allem blieb China unwandelbar, die Menschen blieben trotz der angeblichen „Kulturrevolution“ und dem zweifelhaften „modernen“ Charisma der kommunistischen Führer doch weitgehend muskulär gepanzert und konservativ. Zumal der Marxismus allein schon aus der Unmöglichkeit einer adäquaten Übersetzung den Chinesen imgrunde fremd blieb: „Revolution“ bedeutet für sie nicht mehr als „Dynastiewechsel“. Die Chinesen blieben vor allem individualistisch (was sich in China auf den Familienverband bezieht!), in der restlos atomisierten Gesellschaft Rußlands hingegen ist der Kollektivismus tief verankert, die Menschen sind passiv und warten darauf, daß ihnen gesagt wird, was sie tun sollen. Den Kommunisten gelang in Rußland etwas, wozu ihre Genossen in China einfach die Zeit und die Voraussetzungen fehlten: die endgültige Trennung der Menschen von ihrem biologischen Kern und damit auch voneinander.

Eine Gesellschaft wird durch „Simultanität“ zusammengehalten, d.h. (frei nach dem Orgonomen Robert A. Harman) unternehmen die Individuen als Teile der Gesellschaft Handlungen, von denen die Gesellschaft als ganzes und simultan alle anderen Individuen profitieren. Konkret ist das die Zusammenarbeit und der Wettstreit. Menschen arbeiten spontan zusammen und verzichten dabei spontan auf eigene kurzfristige Vorteile und gleichzeitig wetteifern sie um die besten Ergebnisse. Beides hat jeweils den Effekt, daß es (im statistischen Durchschnitt) allen mit der Zeit besser geht.

Harmanarbeitsdm

Diese grundlegenden orgonotischen Funktionen können in der Gesellschaft nur zur Wirkung kommen, wenn ein Mindestmaß an orgonotischem Kontakt mit den eigenen Gefühlen und den Gefühlen der Mitmenschen vorhanden ist. In Rußland gelang den Kommunisten, nicht zuletzt Gorbatschow, der endgültig für Verwirrung gesorgt hat, die Kontaktlosigkeit zu zementieren. Ergebnis war eine denkbar unsolidarische und gleichzeitig extrem wettbewerbsfeindliche Gesellschaft, in der sich nur Kriminelle durchsetzen können. In China müssen Auslandschinesen zwar ebenfalls einen erschreckenden gesellschaftlichen Zerfall konstatieren, aber die Kontaktlosigkeit ist bei weitem nicht so schlimm wie in Rußland. Die obige Gleichung kann trotz allem noch greifen, weshalb der Kapitalismus in China florieren kann.

In Deutschland und weiten Teilen des restlichen Europa geschieht ähnliches wie einst in Rußland und China. Das Gift der Sozialdemokratie zerstört sowohl das Gemeinschaftsgefühl (der Staat kümmert sich ja!) als auch im Namen von Egalitarismus und „Gerechtigkeit“ den Wettstreit. In der Gesellschaft wird entsprechend alles „lockerer“, gleichzeitig nimmt die gesellschaftliche Selbstregulierung rapide ab und alles wird „von oben“ reguliert, sogar das Denken selbst (Political Correctness). In ihrem paranoiden Wahn warten sie nur darauf, die ersten „Feinde des sozialistischen Staates“ in Lager deportieren zu können!

Reich der „schreckliche Vereinfacher“

8. August 2012

Wie die Komplexität der orgonomischen Fragestellung auf praktische Weise in das wirkliche Leben integrieren? Man müsse doch auch die andere Seite sehen, diese Sichtweise wäre doch einfach zu vereinfachend, so schematisch dürfe man das nicht sehen, dem Kritiker würden x Gegenbeispiele einfallen, etc. Wobei immer wieder neue Fragenkomplexe angerissen werden.

Das geschieht immer im Namen der „Wirklichkeit“ und der „Praktikabilität“. Die Wirklichkeit sei eben viel komplexer als unsere schönen Theorien und unsere vereinfachten Schemata wären viel zu grobschlächtig, um wirklich praktikabel zu sein.

Eben weil sie Kliniker und Pragmatiker waren, haben Reich und Elsworth F. Baker die Neurotiker auf eine einfache orgonometrische Gleichung reduziert (der abgewehrte und der abwehrende Trieb, der die Charakterstruktur bestimmt) – und die genaueren Klassifikationen draußen vor gelassen, weil man praktisch mit ihnen nichts anfangen kann. Es geht darum, sich vom unwesentlichen „Noise“ nicht erschlagen zu lassen und konsequent zum funktionellen Kern des Problems vorzudringen und dort anzusetzen.

Man nehme eine beliebige politische Affäre: natürlich kann man sich, wie es jeder Journalist tut, auf die „Wirklichkeit“ und damit auf den umfassenden Täuschungszusammenhang einlassen – oder man kann sich davon befreien und die Sache funktionell betrachten. Warum, zum Beispiel, haben sich die Konservativen auf mafiöse Methoden eingelassen? Das funktionelle Problem war die Linke in den 1970er und 1980er Jahren, die alles tat, um den Roten Faschismus im Osten zu stützen und im Inland durchzusetzen. Man stelle sich mal vor, die „realistische“ SPD hätte sich durchgesetzt und wir hätten die Staatsbürgerschaft der DDR anerkannt! Dagegen mußte und muß mit allen Mitteln mobil gemacht werden – was dann zu einem Selbstläufer wurde. – Was sonst so in den Zeitungen steht und im Fernsehen gesendet wird, geht, wie stets, am Kern des Problems vorbei. Hier ist es die aktionistische Linke, auf die die Rechte lediglich reagiert.

Und so in allem: der Funktionalist muß stets zu dem Kern des Problems vordringen, den alle anderen systematisch umgehen! Natürlich wäre es idiotisch, etwa bei einer Diskussion über Alkoholismus darauf zu insistieren, dem läge meist eine „unbefriedigte orale Panzerung“ zugrunde. Aber während die anderen der Vielgestaltigkeit des Phänomens Alkoholismus haltlos ausgeliefert sind und schließlich zu mechanistischen Erklärungen (Rezeptoren im Hirn, genetische Veranlagung, etc.) Zuflucht nehmen müssen, um nicht im klinischen Chaos zu versinken – hat der medizinische Orgonom festen Boden unter den Füßen, von dem aus er die Diskussion in die richtige Richtung lenken kann.

Warum fühlten sich die 68er letztendlich immer mehr zu Marx und Freud als zu Reich hingezogen? Weil Marx Tausende von Buchseiten hochkomplex und bis in jede kleinste Einzelheit den kapitalistischen Produktionsprozeß durchleuchtet hat – ohne selbst je eine Fabrik von innen gesehen zu haben oder irgendeine über politische Versammlungen hinausgehende Verbindung zur „arbeitenden/realistischen Sphäre“ gehabt zu haben! Reichs „Marxismus“, der aus der konkreten Sozialarbeit geflossen ist, war den 68ern einfach zu platt und schematisch – während Marx als „tief“ und „wirklichkeitsnah“ galt.

Das gleiche trifft auf Freud zu, der herrlich differenziert über die Neurosen und Perversionen schreiben konnte – während Reich als langweilig und zu grob schematisierend galt. Allein schon der naive Begriff von „psychischer Gesundheit“!

Reich:

Die Wirkung des Militarismus beruht massenpsychologisch im wesentlichen auf einem libidinösen Mechanismus: die sexuelle Wirkung der Uniform, die erotisch aufreizende, weil rhythmisch vollendete Wirkung der Parademärsche, der exhibitionistische Charakter des militärischen Auftretens sind einer Hausgehilfin oder einer durchschnittlichen Angestellten bisher praktisch klarer geworden als unseren gebildeten Politikern. (Die Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 50)

Wenn es um Fragen der „Umstrukturierung des Kleinkindes“ gehe, also um das, was Reich später als Projekt „Kinder der Zukunft“ bezeichnen sollte, sollten wir uns, so Reich, nicht an die „reaktionär ausgebildeten Psychologen halten“, sondern beispielsweise an das natürliche Empfinden von „Bergarbeitern“ (Die sexuelle Revolution, Fischer TB, S. 250).

Mit Marx und Freud und ihren kochkomplexen Erklärungsansätzen konnten die 68er im „wirklichen Leben“ etwas anfangen – während der Primitivling Reich für sie nichts weiter als ein unrealistischer, unpraktikabler Monomane war, mit dem man im „täglichen politischen Kampf, in der täglichen Praxis, in der täglichen Klinik“ nichts anfangen konnte.

Oder mit anderen Worten: Reich untergräbt das eine Kapital, von dem „Intellektuelle“ leben. Sie sind als „Übersetzer“ schlichtweg überflüssig, wenn die Lebenszusammenhänge einfach und überschaubar werden. – Sie sind Todfeinde der Arbeitsdemokratie.

Ja, diese Leute reden von Diskurs – die intolerantesten Menschen, die man sich überhaupt denken kann, die Begründer der Political Correctness, sprechen von Diskurs! Das Ergebnis dieses „Diskurses“ ist vorgegeben: „Fortschritt“ und „Demokratie“! Tatsächlich geht es nur um eins: den „Einfluß der Intellektuellen“:

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Marukusu shugi

6. August 2012

Bei Marx’s Theorie aus Produktionsmitteln (Maschinen, Fabriken, Patente, etc.) und Produktionsverhältnissen (Kapital und Arbeit), Arbeitswertlehre (der Wert der Waren häng von der in ihnen verausgabten in Zeiteinheiten gemessener durchschnittlicher gesellschaftlicher Arbeitskraft ab) und Mehrwertlehre (der Gebrauchswert der Ware „Arbeiter“ ist höher als sein Tauschwert, d.h. der Arbeiter erwirtschaftet mehr als er als Lohn erhält, mit dem er seine Arbeitskraft erhalten muß) stimmt etwas Grundsätzliches nicht:

  1. Die Produktionsmittel entwickeln sich nicht aus sich selbst heraus, sondern aufgrund unternehmerischer Initiative.
  2. Deshalb ist das Produktionsverhältnis „Kapital und Arbeit“ naturgegeben und kann nicht einfach auf den einen Faktor „Arbeit“ reduziert werden.
  3. Menschliche Tätigkeit wird erst zu „Arbeit“, wenn sie einem Leitfaden folgt und dabei selbst Initiative ergreift. Beispielsweise wird ein Haus nach den Bauplänen des Architekten gebaut, der jedoch in den einzelnen Arbeitsschnitten vom Fachwissen der Arbeiter abhängig ist. Entsprechend ist „Wert“ etwas intrinsisch Qualitatives, das nur bedingt in abstrakten Zeiteinheiten gemessen werden kann. „Roboten“ schafft keinen Wert!
  4. Es ist aus den ersten drei Punkten offensichtlich, daß der Unternehmer selbst auch „Mehrwert“ erwirtschaftet und deshalb der Kapitalismus kein inhärent ausbeuterisches System ist.

Marx hatte vollkommen recht, daß nur Arbeit Wert erschafft, aber seine Vorstellungen waren viel zu mechanistisch und liefen letztendlich darauf hinaus, den einen Faktor zu delegitimieren und letztendlich zu vernichten, der der eigentliche Motor der gesellschaftlichen Entwicklung ist: der menschliche Erfindergeist und seine unmittelbare unternehmerische Umsetzung.

Diese meine Kritik an Marx, die ich an anderer Stelle erläutert habe, wird durch die gegenwärtige wirtschaftliche Lage Japans illustriert.

Ich kann mich noch sehr gut an die 1980er Jahre erinnern, in denen uns Japan als führende Wirtschaftsmacht des damals bevorstehenden neuen Jahrtausends gezeichnet wurde. Japan war das uneinholbare Vorbild. Das Erfolgsgeheimnis seien unglaublich fleißige Arbeiter, die wie Roboter funktionieren, sowie das harmonische Ineinandergreifen von Kultur, Wirtschaft und Staat. Tatsächlich geht es jedoch seit Anfang der 1990er Jahre kontinuierlich bergab und weltwirtschaftlich sollte man sich mittlerweile vielleicht mehr Sorgen um Nippon als um die Eurozone machen!

In einem sehr interessanten Artikel führt nun Yuri Kageyama den Niedergang Japans auf den Niedergang der unternehmerischen Initiative zurück. Die konformistische Kultur Japans betrachte Mißerfolg als große Schande, was jeden Risikowillen in schwierigen wirtschaftlichen Situationen ersticke. Er beschreibt die junge Unternehmensberaterin Chiaki Hayashi, die diesem verhängnisvollen Trend entgegenarbeitet.

Sie bietet einen Dienst an, der aus ihrer Diagnose der Krankheit erwachsen ist, die in den Unternehmen grassiert: Verlust an innovativem Geist. Sie hofft, einen Kern der Kreativität in den Unternehmen anzustoßen, der „klein anfängt, aber lawinenartig anwächst“. Japanische Spitzenunternehmen hätten eine Menge an talentierten fleißigen Mitarbeitern, aber diese seien derartig von Erstarrung erfaßt, etwa Qualitätskontrolle in der Massenproduktion, daß ihr Denken statisch geworden sei und sie sich nicht vorstellen könnten, wo und wie Änderungen in Gang zu bringen seien. „Die Unternehmen brauchen unsere Hilfe, weil sie zu einem gigantischen Gundam-Roboter herangewachsen sind und dergestalt nicht mehr der Lage sind, feine Neuerungen zu handhaben, die Ameisen zu Füßen des Riesenroboters ähneln und deshalb zerquetscht werden.“ So Hayashi, die sich auf einen Transformer-ähnlichen Roboter bezieht.

Einem Studenten der Orgonomie sollten diese Gedankengänge nicht fremd sein, denn die Orgonomie im allgemeinen und die Entwicklung des Orgonenergie-Akkumulators im besonderen beruht einzig und allein auf dem Erfindungsgeist und der „unternehmerischen Initiative“ Reichs. Die Verbreitung des Orgonenergie-Akkumulators wurde unterbunden von einer quasi „sozialistischen“ Regierungsstelle (der Food and Drug Administration, die auf die Roosevelt-Jahre zurückgeht) und von der amerikanischen Pharmaindustrie, die jede innovative Konkurrenz auszuschalten trachtete (corporate socialism).

Wie in den USA junge innovative Unternehmer durch das Establishment ausgebremst wurden und dergestalt ein unermeßlicher volkswirtschaftlicher Schaden angerichtet wurde, wird sehr schön in dem Film Tucker: The Man and His Dream (1988) beschrieben.

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=ziAXmTCeapE%5D

Wirkliche Menschheitsfeinde sind

  1. eine konservative, wenn nicht reaktionäre Kultur, die jede Innovation als Gefährdung des Status quo im Keim erstickt und Neuerer zu Parias erklärt;
  2. der Marxismus, der letztendlich genau dieselben Faktoren aus dem gesellschaftlichen Gefüge beseitigen will; und
  3. die Großindustrie, die alles tut, um die „Tuckers“ buchstäblich zu vernichten.

Wir sprechen von der Emotionellen Pest, die die freie, schöpferische Bewegung der Orgonenergie nicht ertragen kann und sie deshalb erstickt.

Reich und Malinowski (Teil 2)

24. Februar 2012

Reaktionen auf den Evolutionismus (Edward B. Tylor und James Frazer), bei dem z.B. das Inzesttabu als natürlicher Entwicklungsschritt betrachtet wurde, war einerseits der Funktionalismus Bronislaw Malinowskis mit seinem extremen kulturellen Relativismus (Inzesttabu kann nur aus dem kulturellen Kontext erklärt werden: Sexualität stört den überlebensnotwendigen Familienzusammenhang), und andererseits der Diffusionismus (nach Eliot Smith soll alle Zivilisation von einem Punkt aus „diffundiert“ sein und damit auch das Inzesttabu).

Einen solchen diffusionistischen Ansatz, wonach die Gleichartigkeit kultureller Elemente durch kulturellen Austausch bedingt ist, hat James DeMeo mit seiner Saharasia-Theorie in die Orgonomie hineingetragen. Gemeinsam mit der funktionalistischen Anthropologie Malinowskis (die Gleichartigkeit von Gebrauchsgegenständen und Verhaltensmustern entsteht durch die Zwänge der Funktionserfüllung) hat dieser Ansatz, daß auch er von der prinzipiellen Unterschiedlichkeit der Kulturen ausgeht: als in sich abgeschlossene nicht mit anderen Kulturen vergleichbare Ganzheiten, die bei Kontakt aufeinander wirken.

Die Orgonomie ist natürlich vom funktionellen Ansatz her der funktionalistischen Schule ganz besonders zugetan, auch wenn sie aus der Arbeit des Hauptvertreters des Funktionalismus (Malinowski) eher evolutionistische Folgerungen gezogen hat, indem sie eine Kultur (die der Trobriand-Inseln) allen anderen Kulturen als ursprünglichen Zustand zugrundegelegt hat und radikal gegen den „liberalen“ Relativismus Malinowskis antrat. Aber auch mit diesem modifizierten „Funktionalismus“ gelang es der Orgonomie nicht, das Aufkommen des Patriarchats zu erklären. Reichs zwei Versuche, dies zu leisten (in Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral und in Die kosmische Überlagerung), sind letztendlich gescheitert. Erst DeMeos bewußte Anwendung des Diffusionismus hat hier die definitive Lösung gebracht: das Patriarchat hat sich Reichs ORANUR-Forschung gemäß in den großen Wüsten gebildet und ist von dort über die letzten sechs Jahrtausende langsam auf die ganze Erde diffundiert (Reichs Vorstellung der sich ausbreitenden „Emotionellen Wüste“ und der Epidemie „Emotionelle Pest“).

Auf das äußerste verkürzt spiegelt sich im Widerspruch von funktionalistischer und diffusionistischer Kulturtheorie der Widerspruch von ungepanzert-funktioneller (OR) und gepanzert-dysfunktioneller (DOR) Natur, von Matriarchat und Patriarchat.

Im expliziten Anschluß an Darwin hat Marx die sozioökonomische Entwicklung der Menschheit als „Naturgeschichte“ zu rechtfertigen gesucht und mit einem evolutionistischen Model 6000 Jahre patriarchaler Entwicklung glorifiziert, sowie mit einem paradiesischen Abschluß geadelt. Marx sah keinen Unterschied zwischen natürlichen und künstlichen Institutionen, was unvereinbar mit Reichs Haltung ist. Ich frage mich, wie Reich es zuwege brachte, psychoanalytische „Evolutionisten“ wie Roheim von einer marxistischen Position aus anzugreifen, die erst recht einen „saharasia-affirmativen Evolutionismus“ implizierte – wie ihn z.B. Herbert Marcuse ganz offen vertreten hat.

Was Reichs marxistische Position in den 1930er Jahren noch kurioser macht, ist die Rechtfertigung seines sexualökonomischen „freudomarxistischen“ Ansatzes durch den Verweis auf Malinowskis Erforschung des „Urkommunismus“, während Malinowski selbst am Ende seines Buches über die Ökonomie der Trobriander schrieb:

Abschließend möchte ich noch hervorheben, daß sich im Licht dieser Analyse zeigt, wie vergeblich die Unterscheidung zwischen kommunistischem und Privateigentum ist. Ich hätte durchweg zeigen können, wie jeder Anspruch, jede Beziehung zwischen Mensch und Boden betontermaßen sowohl individuell wie kollektiv ist. Die Konzeption der ursprünglichen Heraufkunft [der Clans aus dem Inneren der Erde] impliziert eine große Verwandtschaftsgruppe, den Subclan, der uranfänglich von einem Individuum, der Urahne – vielleicht auch ihrem Bruder –, repräsentiert wird, und den heute gleichermaßen ein Individuum repräsentiert, das Oberhaupt. Diese Gruppe ist nach Geschlecht und Alter differenziert und in kleinere Lineages unterteilt. Und innerhalb des Subclans gibt es sogar individuelle Besitztitel auf Land, und das Land selbst ist gleichsam aus Rücksicht auf den Wunsch nach individuellen Unterscheidungen aufgeteilt. Obwohl nämlich der persönliche Parzellenbesitz in gewisser Weise unserer eigenen Vorstellung von letztgültigen Verhältnissen im Bodenrecht am nächsten kommt, ist er doch auf den Trobriand-Inseln nur von allergeringster ökonomischer Relevanz. Dennoch ist dieser Umstand hier äußerst wichtig, da er belegt, wie wenig der sog. Urkommunismus in der Wirtschaftseinstellung der Eingeborenen vorkommt. Geradezu zum Ärger der anthropologischen Theoretiker insistiert der Trobriander darauf, eine eigene Parzelle zu haben, die mit seinem Personennamen assoziiert ist. Bei der alten Entgegensetzung handelt es sich um einen schlechten und unklugen Kurzschluß; durchgehend haben wir gesehen, daß das eigentliche Problem nicht im Entweder-Oder von Individualismus und Kommunismus liegt, sondern in der Wechselbeziehung kollektiver und persönlicher Ansprüche. (Korallengärten und ihre Magie, S. 413).

Wie die Ethnographen immer wieder festgestellt haben, scheint der Hauptlebensinhalt solch primitiver Gesellschaften der ständige, wirtschaftlich vollkommen sinnlose, Austausch von Geschenken zu sein. So als würde man eine heiße Kartoffel so schnell wie möglich weiterreichen, um sich nicht die Finger zu verbrennen. Der Austausch von Geschenken, englisch „gift“, beinhaltet den Austausch von „Gift“ – ein Wort, das den gleichen linguistischen Ursprung hat wie das englische Wort für Geschenk. Diese etymologische Doppeldeutigkeit weist auf eine unbewußte Wahrheit hin, denn, wie Reich dargelegt hat, verrät die Wortbildung die Ausdrucksweise des Lebendigen. Jemanden ein Geschenk zu überreichen, bedeutet das eigene Gift loszuwerden, sodaß der Beschenkte es weiterreichen muß und so weiter in einem ewigen Kreislauf.

Freigebigkeit wird hoch angesehen, während Knauserigkeit verachtet wird. Dieses weniger ethische als vielmehr ästhetische Urteil scheint damit zusammenzuhängen, daß beim krampfhaften Festhalten der Tauschgüter eine energetische Stagnation eintritt und buchstäblich giftiges DOR akkumuliert wird. Um diesen unappetitlichen Faulprozeß zu verhindern, wird das statische Resultat energetischer Überlagerung in Bewegung gehalten – es soll sich in ORgon zurückverwandeln. Schon als Kind ist mir aus persönlichem Augenschein aufgefallen, daß Menschen, die im Luxus leben, daran wirklich buchstäblich ersticken. Sie haben etwas seltsam „Unappetitliches“ an sich und strahlen eine merkwürdig „übersättigte Schwermut“ aus. Ein Gefühl, wie wenn man zu viele Süßigkeiten zu sich genommen hat und alles klebrig geworden ist. Ich glaube, es ist eine wirkliche DOR-Krankheit.

Damit will ich natürlich nicht sagen, daß die Trobriander dem „Luxus“ abhold sind, ganz im Gegenteil: Aus Berichten über die Trobriander und andere Naturvölker läßt sich schließen, daß für sie Reichtum und der mit ihm verbundene soziale Status sehr wichtig ist. Man schaue nur, wieviel Wert Naturvölker auf Kleidung, Schmuck und schöne Körperformen legen. Für sie sind Sein und Schein ein und dasselbe. Sie sind ein einziger Hohn auf Erich Fromms zutiefst triebfeindliches pfaffenhaftes „Haben oder Sein“!

Bereits die grundlegende Dualität von Sexualität und Hunger von der Freud (und übrigens gewissermaßen auch Marx) ursprünglich ausging, um die Neurosen zu erklären, war ein solches triebfeindliches Konstrukt. So hat auch Reich, der ja das erste Triebkonzept der Psychoanalyse wiederbelebte, sich kaum auf diese angeblich natürliche Dichotomie bezogen. – Ernährung hatte ursprünglich kaum etwas mit bewußter Erhaltung, sondern vielmehr mit reiner Triebbefriedigung zu tun. In seinen Korallengärten und ihre Magie schreibt Malinowski, daß dem Trobriandern

nur verschwommen gegenwärtig (ist), daß Essen Ernährungswert besitzt. Sie wissen zwar, daß das Nichtvorhandensein von „Grundnahrungsmitteln“ Hungersnot bedeutet, die sie zutiefst fürchten, aber die wichtigste Bedeutung des Essens liegt darin, daß es ein lebendiger Genuß ist – und der wird durch die Zutat von „Delikatessen“ erhöht und ausgedehnt.

Man kann die Trobriander wirklich in keinster Weise als Beleg für sozialistische Theorien oder für den „Urkommunismus“ in Beschlag nehmen. Und wenn man den oben erwähnten „altruistischen“ Geschenkaustausch herausstreicht, muß gesagt werden, daß er wahrhaftig nichts idyllisches „urkommunistisches“ an sich hat, sondern von stetiger Spannung erfüllt ist, da ständig versucht wird, den anderen mit der eigenen Großzügigkeit auszustechen.

Betrachten wir parallel dazu die sozialen Auswirkungen des Geschlechtstriebes, sehen wir, daß dieser ebenfalls individualistisch und unsozial ist, denn er leugnet die Gleichheit der Menschen und ihren gleichen Wert. Wie konnte da der „Sexualökonom“ Reich erwarten, bei den Marxisten Anklang zu finden?!