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People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest (Teil 2)

6. Mai 2019

von Paul Mathews, M.A.

 

Faschismus und die Emotionelle Pest sind untrennbar miteinander verbunden. Beide entspringen biologischer Krankheit und dem Panzer (wobei es gerade die Emotionelle Pest ist, die diesen Panzer aufrechterhält und verewigt) und im schlimmsten Fall dienen sie dazu ein brutales totalitäres System organisierter Unterdrückung und Aggression aufrechtzuerhalten und zu unterstützen, das jeden Aspekt des Lebens erfaßt, um es zu zerschmettern. Beide sind Manifestationen der sekundären Schicht des Menschen und sind symbiotisch mit jedem erdenklichen Ausdruck dieser Schicht verbunden – ob offen oder verdeckt. Sie pflegen eine biologische „Volksfront“ mit Verhaltensweisen, die der sekundären Schicht entstammen, sowohl als verzerrtes Mittel zur Entladung aufgestauter Energie als auch als Abwehr gegen den Kern und die Genitalität. Sie funktionieren also unter einem „strukturellen Zwang“ (4, S. 341).

Faschistische Regierungen wie das nationalsozialistische Deutschland, das faschistische Italien, das Peronistische Argentinien, das kommunistische Rußland, China, Kuba, Vietnam, Kambodscha usw. sind in Wirklichkeit vergrößerte, schwerbewaffnete und organisierte Sekten der Emotionellen Pest. Es ist daher nicht schwer zu verstehen, warum Nazideutschland und Sowjetrußland einen Nichtangriffspakt unterzeichnen konnten, beiderseits in Polen einmarschierten und den Weg für den Zweiten Weltkrieg ebneten. Es ist auch nicht schwer zu begreifen, daß sie sich, ausgerichtet an Macht und Pest, danach gegeneinander wenden konnten. Jüngste derartige Manifestationen sind Rußland gegen China, China gegen Vietnam und Vietnam gegen Kambodscha. Ihr gemeinsames Funktionsprinzip ist die Zerstörung der freien Welt, insbesondere der USA. Sie sind, abgesehen von ihren unterschiedlichen Kulturen und Geschichten, wegen der Frage uneins, wem die oberste Kontrolle und Entscheidungsrolle bei der Erreichung ihrer pestilenten Ziele zukommen soll.

Die Makro-Kulte werden von einem oder mehreren mächtigen und oft charismatischen Anführern geleitet. Als Elite, die der Menschheit Weisheit und Führung angedeihen läßt, beanspruchen sie einen unfehlbaren Corpus von Lehren und Wissen. Mittels eines hochentwickelten Systems des Schreckens und der Einschüchterung (Gestapo, KGB, Castros CDR usw.) missionieren sie, unterwandern sie und erzwingen sie blinden Gehorsam gegenüber ihrer Sache (5, S. 50-52). Ihre mystischen Anhänger und Lobhudler sind ihre Verfechter und Unterstützer, die durch Identifikation mit dem Anführer, „der Sache“ und der Herde eine illusorische Potenz erreichen. Diese Anhänger geben jede persönliche Verantwortung für ihr eigenes Leben und für ihre Familien ab, im Gegenzug für das Versprechen von Erlösung, das die Führer-Gottheit hier oder im Jenseits bietet. Die Anführer sind erfüllt mit Angst und Haß, ob der Reaktion der Anhänger auf Zweifel, Opposition und Meinungsverschiedenheiten. Diese werden als tödliche Bedrohung für die Anführer empfunden, d.h. Todesangst aufgrund der Furcht vor dem Zusammenbruch ihrer Struktur. Sie existieren in einem Morast sadomasochistischer Ausdrucksformen, in dem sie zwischen mörderischem und selbstmörderischem Verhalten schwanken, das häufig durch humanitäre oder nationalistische Heuchelei maskiert wird. Nur über das Begreifen der biologischen Grundlagen dieser Massenneurosen und -psychosen können wir verstehen, wie es möglich war, daß Hitler, Mussolini und der Tojo so viele Millionen ihrer Bürger in die Irre führen konnten, die sie mit mystischer Verehrung anbeteten2 und wie es immer noch möglich ist, daß so viele Millionen und Milliarden ihre eigene Versklavung in den heutigen rot-faschistischen Gesellschaften unterstützen.

Es kommt auch häufig vor, daß diese großen Makro-Kulte die Mikro-Kulte entwickeln, fördern und für den Ausbau ihrer eigenen Macht einsetzen. Hitler hatte seine „fünfte Kolonne“, und die Kommunisten haben ihre „Front-“ und „Volksfront“-Organisationen. Diese „Fronten“ stellen sich als unpolitische oder politisch unabhängige Gruppen dar. Sie können vorübergehend eingerichtet werden, wie die „Dringlichkeitskomitees“ für irgendeine „Sache“, die manipuliert wird, um kommunistischen Interessen zu dienen, oder dauerhaft eingerichtet, wie die „Freundschafts“-Organisationen, die behaupten, nur ein rein unpolitisches Interesse an Amerikas Feinden zu haben. Es gibt auch die kleineren kommunistischen Nationen, die sich zuerst als Nationalisten oder „Agrarreformer“ (zum Beispiel Kuba) formierten, um an die Macht zu kommen. Kuba wurde bekanntlich von der UdSSR für Stellvertreterkriege in Afrika, zur Subversion in Lateinamerika eingesetzt und als Bereitstellungsraum für Tausende sowjetischer Truppen, wie kürzlich bekannt wurde. In verschiedenen Teilen der Welt fördern die kommunistischen Makro-Sekten Rebellionen und terroristische Aktivitäten – dazu gehören die Ausbildung und Ausrüstung der PLO, der IRA und der FALN. Afghanistan, Panama und Nicaragua sowie viele Länder der sogenannten Dritten Welt sind unter kommunistischem Einfluß geraten. Die iranische Revolution wurde von den Sowjets unterstützt in der Hoffnung, daß der Übergang vom religiösen Fanatismus zum Roten Faschismus leichter sei als der vom Schah-Regime. Beim Verfassen dieses Aufsatzes steht noch nicht fest, ob sie Erfolg haben werden. Jim Jones‘ Kult stand unter dem Einfluß des Roten Faschismus Rußlands.

 

Anmerkungen

(2) Vgl. den Film von Leni Riefenstahl, „Triumph des Willens“, der deutlich die Verehrung Hitlers und der Nazi-Führer durch die deutschen Massen zeigt. In der kommunistischen Welt gibt es heute viele Parallelen.

 

Literatur

4. Reich, W.: Charakteranalyse, Köln: KiWi, 1989
5. Ward, F.: „Cuba Today“, Book Digest Magazine, May 1979

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 13 (1979), Nr. 2, S. 249-260.

People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest (Teil 1)*

3. Mai 2019

von Paul Mathews, M.A.**

 

Am 18. November 1978 wurden in Jonestown, der Parlamentarier Guyana, Leo J. Ryan, ein Kongreßabgeordneter aus San Francisco, drei Journalisten und eine Frau niedergemetzelt, und mehrere andere Personen wurden von Angehörigen eines Kultes namens People’s Temple [Volkstempel] schwerverletzt. Am selben Abend nahmen in Jonestown mehr als 900 Mitglieder dieses Kultes an einem rituellen Massenselbstmord teil, der in unserer Zeit einzigartig und in der Geschichte selten ist. 73 n. Chr. wählten die jüdischen Eiferer von Masada (960 Männer, Frauen und Kinder) den Suizid, anstatt sich den metzelnden römischen Legionen zu unterwerfen und sich versklaven zu lassen. Hunderte von Japanern sprangen von den Klippen von Saipan in den Tod, als sich während des Zweiten Weltkriegs die amerikanischen Truppen näherten, da ihnen von ihren Führern erklärt worden war, daß sie gefoltert werden würden; Kamikaze-Selbstmordpiloten waren ein weiteres Merkmal der japanischen Kultur. Diese und andere Beispiele wurzelten jedoch im tatsächlichen Streß des Krieges, rationalen Ängsten und einer Wahl zwischen Leben und Tod. Die Vorfälle in Jonestown wurden dagegen durch die Identifikation mit einem charismatischen, wenn auch paranoiden Führer ausgelöst.

Besonders interessant und bedeutsam an der Jonestown-Katastrophe sind die Parallelen, die zwischen diesem Ereignis und dem orgonomischen Verständnis des Faschismus und der Emotionellen Pest, wie sie von Wilhelm Reich (1) beschrieben wurden, gezogen werden können. Jonestown und der People’s Temple repräsentieren im Wesentlichen einen Mikrokosmos der makrokosmischen Faschismen des zwanzigsten Jahrhunderts:1 der Schwarze Faschismus der Nazis und der Rote Faschismus der Kommunisten. Ideologisch war es natürlich eine Variante des letzteren (2). Untersuchen wir diese Parallelen.

Der Faschismus ist nicht nur ein totalitäres oder äußerst autoritäres Regierungssystem, wie Reich überzeugend dargelegt hat. Vielmehr ist es der spezifische Charakter der Menschenmassen in unserer mystisch-mechanistischen Welt, der sich nach Freiheit sehnt und gleichzeitig unfähig zu ihr ist. Der Faschismus stellt die Summe der Irrationalität des Menschen dar (wie die Ereignisse in Jonestown besser beschreiben!).

In Die Massenpsychologie des Faschismus (1, S. 206ff) definiert Reich die „sozialistische Sehnsucht“ als Sehnsucht nach Freiheit von Unterdrückung jeglicher Art. Reich erklärt, daß diese Sehnsucht nach Freiheit „in Form eines Kompromisses mit der Angst vor Verantwortung“ aufgetreten ist, und sagt: „Die Angst vor gesellschaftlicher Verantwortung in den Menschenmassen brachte die sozialistische Bewegung in staatliches Fahrwasser.“ Friedrich Hayek, ein Nobelpreisträger, hat über den unaufhaltsamen und unvermeidlichen Trend sozialistischer Systeme geschrieben, totalitäre Diktaturen zu werden (3). Reich hinwieder machte den Mechanismus dieser Transformation mit seiner Definition des Faschismus deutlich. Laut Reich brachten die Begriffe „sozial“ und „sozialistisch“ (wie sie beispielsweise von den primitiven Christen praktiziert wurde) ursprünglich die Ideale von Freiheit, Unabhängigkeit, internationalem Good Will und Zusammenarbeit zum Ausdruck, aber sie wurden von sogenannten National-Sozialisten aller Art – Hitler, Mussolini, Stalin usw. – verdreht und ausgenutzt. Reich vergleicht sie mit Wucherern, die aus der Krankheit der Menschen Kapital schlagen, ein Gift erfinden, das die Sehnsucht nach Besserung schafft, und es „Medizin“ nennen. „Der Wucherer“, sagt Reich, „der an Krankheiten reich werden will, sollte sein Gift korrekterweise ‚Krankheitin‘ nennen. Er nennt es aber ‚Heilserum‘, weil er genau weiß, daß er Krankheitin nicht verkaufen könnte. Genauso geht es dem Worte ‚sozial‘ und ‚sozialistisch‘“ (1, S. 207). Des weiteren sagt Reich: „Die politische Reaktion lebt und wirkt innerhalb der Struktur des Denkens und Handelns der unterdrückten Menschenmassen in Form von charakterlicher Panzerung, Angst vor Verantwortung, Freiheitsunfähigkeit und, last, but not least, als endemische Verkrüppelung des biologischen Funktionierens“ (1, S. 209f). Wenn wir die beiden letztgenannten Begriffe – den Ausbeuter (sozialistischen „Medizinmann“) und die Ausgebeuteten (gepanzerten Massen) – zusammenbringen, haben wir die Basis des faschistischen Staates und des People’s Temple.

 

Anmerkungen

* Basierend auf einem Vortrag, der im Frühjahr 1979 an der New York University gehalten wurde.

** Adjunct Associate Professor (Lehrbeauftragter) an der New York University. Orgonomischer Berater. Mitglied des American College of Orgonomy.

(1) Vgl. das Diagramm zu Makro- und Mikrokulten in diesem Artikel.

 

Literatur

1. Reich, W.: Die Massenpsychologie des Faschismus, Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 1974
2. „The Concealed Confessions of Jim Jones“, AIM Report, Vol. VIll, No. 4, February 11, 1979
3. Hayek, F.: The Road to Serfdom. Chicago: University of Chicago Press, 1962

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 13 (1979), Nr. 2, S. 249-260.

nachrichtenbrief122

7. September 2018

Warum ist hier Religion ein so großes Thema? (Teil 1)

3. September 2015

Wer meinen Blog verfolgt, weiß, daß „Religion“ zu meinen Hauptinteressen zählt. Ich kann die rationalistische Verachtung für dieses Thema nicht nachvollziehen, gibt es doch keinen Bereich, der die Menschen mehr vereinigt und gleichzeitig mehr trennt. Ich meinerseits empfinde Verachtung für Menschen, die, wie Hitler, dieses Thema aus opportunistischen Gründen kleinhalten wollen, weil es Deutschland, die multikulturelle Gesellschaft oder welche Gemeinschaft auch immer spaltet und „Gefühle verletzt werden könnten“. Gefühle! Das geht soweit, daß Religionskritik zunehmend kriminalisiert wird.

Ich bin zu diesem Blogeintrag neulich inspiriert worden, als mir der Besitzer eines kleinen Bekleidungsgeschäfts hier im Einkaufszentrum auf der Straße begegnete. Der Mann stammt aus Indien und ist Sikh. Mir ging auf, wie vollkommen anders er auftritt, sich bewegt, wie vollkommen anders seine Mimik ist und seine Ausstrahlung als bei einem Moslem. Buchstäblich: Sikh gehen anders als Moslems, nämlich gutgelaunt und entspannt. Ich kenne das aus meiner eigenen Familie, seit ich ein Baby bin: Katholiken sind vollständig andere Menschen als Protestanten. Die Atmosphäre in einer katholischen Stadt in Norddeutschland, etwa Münster oder Hildesheim, ist vollkommen anders als in einer vergleichbaren protestantischen Stadt, etwa Oldenburg oder Lübeck, nämlich bedrückt und bedrückend, die Menschen gehen gebeugter. Das typische katholische Miasma.

Jamaika war in den 1970er Jahren, als es von den Rastas geprägt wurde, ein vollkommen anderes Land als heute, wo es von der Hip-Hop-Kultur dominiert wird. Gut, Hip Hop ist keine Religion, aber es geht hier vor allem um Kultur, Lebensgefühl, Werte, „Geist“. Nichts änderte sich in Jamaika, „nur“ die Populärkultur, und aus dem karibischen Paradies wird die Hölle auf Erden! Vom Marxistischen Ungeist vernebelte Dummköpfe werden das nie begreifen. Sie werden nie verstehen, daß Australien eine Erfolgsgeschichte ist, weil es protestantisch geprägt ist, und das vergleichbare Argentinien ein Trauerspiel, weil es katholisch ist.

Ich könnte so unendlich fortfahren, etwa auf die Inder und Pakistaner in England verweisen, die genetisch und kulturell identisch sind, die sich nur durch die Religion unterscheiden – und deren Stellung in der englischen Gesellschaft nicht unterschiedlicher sein könnte. Es gibt wirklich keinen wichtigeren Faktor im gesellschaftlichen Leben als die Religion! Das wußte im übrigen auch Reich bereits zu Zeiten der Sexpol, als er die Bedeutung der Sexualökonomie im gesellschaftlichen Leben analysierte.

Mein Traum wäre eine Art „Charakteranalyse“ der Religionen zu schreiben, doch das überschreitet mein Wissen und Können bei weitem. Deshalb hier nur ein paar Stichworte zur Anregung:

Erstmal zurück zu meinem Sikh und seiner Art der Bewegung. Man schaue sich Pierre Vogel oder irgendeinen anderen Vertreter des Islam an: alle haben die gleichen Manierismen, die gleiche Ausstrahlung, den gleiche Zungenschlag, den gleichen „Stallgeruch“. Und dann betrachte man zum Vergleich dazu Vertreter des Sikhismus: wie Menschen von zwei verschiedenen Planeten!

Es geht schlicht um unterschiedliche Ausdrucksweisen der organismischen Orgonenergie in ganzen Gruppen. Wie Glaubensdinge sich an der Orgonenergie festmachen, sieht man an folgendem Beispiel:

Ich kenne eine 6-jähriges Mädchen, die hin und wieder gerne während der Dämmerung mit ihrer Mutter auf der Couch liegt. Sie sagt ihrer Mutter, sie solle auf dem Rücken liegen und zur Decke schauen. Dort gäbe es, so erzählt sie, sehr viele angenehme bewegte Bilder zu sehen. Nach einem Aufenthalt bei ihren Großeltern erwachte das Kind eines abends stark verängstigt. Nachdem sie etwas beruhigt war, sagte sie, daß sie an der Decke und an den Wänden die sich bewegenden Augen der Großmutter sehe. Sie würden sie beobachten und ihr sagen, zu masturbieren sei schlimm. Der Eindruck hielt an, selbst nachdem das Licht eingeschaltet wurde. Die Kleine bestand auf der Objektivität ihrer Wahrnehmung. Sie verlor ihre Angst, als die Mutter, statt diese Objektivität in Frage zu stellen, ihr sagte: „Vertreib die Augen. Sie haben Dir nichts zu verbieten.” (Jakob Baumann: „Some Observations of Atmospheric Orgone Energy”, Orgone Energy Bulletin, Vol. 2, S. 81)

Hier haben wir schon die ganze Geschichte des Monotheismus. Wenn man das Alte Testament liest, ging es vor allem um atmosphärische Phänomene, die man einem „Gott“ zuschrieb, der in seinen Moralvorstellungen eine erstaunliche Nähe zu den Patriarchen der nomadisierenden Völker zeigte, die schließlich Israel ausmachten. Nicht von Ungefähr stellte Michelangelo dieses „Über-Ich“ als gestrengen Greis mit weißem Bart dar. Der absurde Glaube an diesen „Gott“ konnte sich aber nur verankern, weil er im Großen und im Kleinen (siehe das Erleben des kleinen Mädchens oben, wo atmosphärische Orgonenergie unversehens zum plastischen „Über-Ich“ wird) mit überwältigenden orgonotischen Phänomenen verbunden war. Sie sind überwältigend, weil die atmosphärische und die organismische Orgonenergie funktionell identisch sind und man sich entsprechend kaum gegen diese Massenpsychose wehren kann.

Der Monotheismus konnte sich nur im Zentrum Saharasias entwickeln, wo mit der wachsenden Ver-Wüstung die atmosphärische Selbstregulation zusammenbrach und es entsprechende überwältigende atmosphärische Phänomene gab. In der übrigen Welt, etwa in Griechenland, herrschte weiterhin der Polytheismus vor, der nichts anderes ist als eine Projektion des Gefühlslebens des Menschen. Die Götter des Olymp sind anders als Jahwe keine moralischen Instanzen, sondern ganz im Gegenteil, wieder psychoanalytisch ausgedrückt, die widerstreitenden Strebungen des „Es“. Der Altphilologe Robert Hübner schreibt zu dieser Glaubenswelt:

Oft hat man den Eindruck, daß die Unsterblichen nichts anderes sind als personifizierte Kräfte, Gefühle, Handlungsmöglichkeiten oder Eigenschaften des Menschen; wenn diese in ihrer stärksten Ausprägung – von intensivem Erleben begleitet – auftreten, werden sie als göttlich empfunden. (…) Diese Ausprägung des Göttlichen wird mit Ehrfurcht betrachtet: man besitzt in jenen Zeiten die Bescheidenheit, erstaunliche Energieausbrüche nicht ohne weiteres der eigenen Kraft zuzuschreiben. Es ist klar, daß diese Götter keines „Glaubens“ bedürfen: jeder erfährt sie an sich selbst ganz unmittelbar. (…) Niemand kann aber je alle inneren und äußeren Kräfte überschauen und beherrschen. Daher gibt es auch Furcht vor den Göttern. Dann werden sie als vom Menschen nicht lenkbare Wesen empfunden. Der Einzelne bleibt im Rahmen dieser Götterwelt im Grunde auf sich selbst gestellt. Das erfüllt ihn mit Stolz – aber auch mit Gefühlen der Unsicherheit und Verlassenheit. (Robert Hübner: Elemente einer Selbstbiographie, Berlin 2015, S. 68)

Hier dreht sich alles, man möchte sagen „animalisch“, um die eigenen orgonotischen Impulse und entsprechend um das eigene Fortkommen, die eigene Familie, das eigene Volk. Universalistische Gedanken, eine allumfassende Feindesliebe und Fanatismus in „Glaubensdingen“, wie sie dem Judentum eigen sind, sind polytheistischen Völkern, wie den antiken Griechen, den Indern, Chinesen und Japanern wesensfremd.

Der Sikh und der Moslem stehen jeweils am Ende einer langen Entwicklung dieser beiden Traditionsstränge. Beispielsweise hat der Islam den Anspruch den Universalismus des Judentums zu vollenden, indem er dezidiert „nichtvölkisch“ ist. Kurioserweise hat er aber das altertümliche Stammesdenken weiter verschärft, indem er das Heil an die Mitgliedschaft in der „Umma“ (der Glaubensgemeinschaft, die idealerweise auch eine staatspolitische Gemeinschaft ist) bindet, während im Judentum jeder des Heils sicher ist, solange er ein gottgefälliges Leben führt. Nur Masochisten können überflüssigerweise zum Judentum übertreten und sich all den priesterlichen Regeln unterwerfen! Beim Islam ist es ebenfalls so, daß nicht alle Menschen zum Islam übertreten müssen – aber mit einer grundlegend anderen Implikation: Hauptsache, die Scharia gilt uneingeschränkt; die Ungläubigen sollen gar nicht alle bekehrt werden, sondern eine gewisse Anzahl hat den Moslems als rechtlose Sklaven zu dienen.

Der Islam hat auch den Anspruch den „Polytheismus“ des Christentums (doppelte Natur Jesu, Dreieinigkeit, Maria und die Heiligen) zu überwinden und wird dadurch zu einer patriarchalen Gesetzesreligion, in der keinerlei Platz mehr für Selbststeuerung ist. Er übernimmt also das Schlechteste der beiden Traditionen: die Rücksichtslosigkeit und Amoral der Polytheisten, die nur das Eigene kennen, daß gegen das Fremde durchgesetzt werden muß, und die patriarchale Außensteuerung der Monotheisten. Die Abpanzerung ist total.

Der Sikhismus, der an der Schnittstelle von Islam und Hinduismus entstanden ist, hingegen übernahm das Beste der beiden Traditionen: eine universalistische Mitmenschlichkeit ohne jeden Ausschluß der „Unglaubigen“ und eine erstaunliche Toleranz in Glaubensdingen. Die zehn Gurus übermittelten keine absoluten Glaubenswahrheiten, sondern praktische Lebensweisheiten, die jeder am eigenen Leibe erfahren kann.

Das Resultat sind zwei vollkommen unterschiedliche Menschentypen, die sogar einen unterschiedlichen Gang haben. Nichts prägt die organismische Orgonenergie mehr als die Religion. Religion ist der Kontakt mit der Orgonenergie vermittelt durch unterschiedliche Charakterstrukturen – die wiederum den Kontakt mit der Orgonenergie bestimmen.

religionmonopoly

Der Mensch, der selbst Produkt der Natur ist und durch diese belebt wird, belebt, als Animist, seinerseits das Unbelebte in der Natur oder stößt, als Naturwissenschaftler, auf die Lebensenergie in der unbelebten Natur. Er ist weder triebhaft, wie der Polytheist, noch triebgehemmt, wie der Monotheist, sondern schlicht ein Menschentier.