
Posts Tagged ‘Orgasmus’
DER ROTE FADEN (Band 2): 7. Wilhelm Reichs Richtigstellung der Falschbehauptungen in Mildred Bradys Artikel
5. April 2023DER ROTE FADEN (Band 2): 4. Mildred Brady und die Folgen
13. März 2023David Holbrook, M.D.: Asthma, Bluthochdruck und Panikattacken bei einem Fall von exzitatorischer paranoider Schizophrenie
17. Februar 2023Der Nihilist, der Zyniker und der Fanatiker
23. Januar 2023Montesquieu, Voltaire, Buffon, Rousseau, Diderot, Helvétius, Condillac, d’Alembert, Holbach – sie alle widmeten sich der vernünftigen Erhellung natürlicher und moralischer Wirkungsgesetze in der Welt, während einzig er, der unbelehrbare La Mettrie, die dunklen, antiaufklärerischen Seiten einer menschlichen Maschinenmoral mit den denkerischen Fluchtpunkten von Agnostizismus, Atheismus, Nihilismus und Gewissenslosigkeit entwickelte. Kein Wunder, distanziert sich unter diesen Bedingungen das Projekt „Aufklärung“ von einer Figur, die nur als Kritiker, ja Verräter am gemeinsamen Ziel einer fortschrittsoptimistischen „Erleuchtung“ gelten kann. (Ursula Pia Jauch: Jenseits der Maschine, München 1998, S. 31)
Für den Marxisten Max Adler (…) zeigt sich an Stirners Einzigem die kognitive Beschränktheit, moralische Fragwürdigkeit und politisch-soziale Destruktivität bürgerlicher individualistischer Ideologie – ein Deutungsschema, das standardisiert und bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts fortgeschrieben wurde. In der Entgegensetzung von wissenschaftlichem Sozialismus und bürgerlicher Ideologie erscheint Stirner regelmäßig als Vertreter der bürgerlichen Ideologie. Adler sah Stirner hingegen differenzierter: Er ist für ihn auch genauso ein „Vorläufer“ des Marxismus und zwar hinsichtlich seiner psychologischen Einsichten und – marxistische Dialektik – seiner Bekämpfung aller und jeder Ideologie. (Information Philosophie, Heft 2/12, Juni 2012, S. 90).
(…) Reichs Kampfansage an Freuds „Kulturkonservatismus“ und Versuch der „Radikalisierung“ der Psychoanalyse stand im Zeichen einer Befreiung der ‚wahren Natur’ von der kulturellen Sexualmoral. Reich war stets auf der Suche nach dem biologischen Fundament der Triebe, von dem aus er die gesellschaftlich geschaffene Verkümmerung der Menschen kritisieren konnte. Weil sich, so Reich, das „menschliche Tier“ (…) durch den historischen „Einbruch der Sexualmoral“ (…) von seiner Natur und dem in ihr schlummernden harmonisierenden „sexualökonomischen“ Selbstregulationsprinzip entfremdete, herrschten in der Welt seelische und körperliche Störungen, Krieg, Gewalt und Irrationalismus vor. Wieder aufgehoben werden könne diese Entfremdung nur durch die Herstellung der „orgastischen Potenz“ der Menschen (…). An den richtigen Orgasmus ist die ganze Reichsche Norm geknüpft, und das Glücksversprechen einer natürlichen harmonischen Ordnung. Freuds revolutionäre Erkenntnis war es gerade – auch hier zeigt sich wieder die dem Freudschen Denken immanente Tendenz zur Entbiologisierung des vermeintlich Natürlichen –, dass der scheinbar natürlichen genitalen Sexualität eine lebensgeschichtliche Genese zugrunde liegt, dass sie nichts Ursprüngliches ist. Dies brachte ihn dazu, den Begriff der Sexualität auf die Dimension der Lust im Allgemeinen auszuweiten und eine infantile Sexualität zu konstatieren, eine These, mit der er auf breitesten Widerstand stieß. Reich macht diese Freudsche Differenzierung zwischen dem Sexuellen, dem Streben nach Lust, und der Genitalität, der psychosexuellen Zentrierung der Lust im Genitalorgan, wieder rückgängig und fällt so (…) hinter Freud zurück. Genitalität, auch noch reduziert auf ein physiologisch fassbares Konzept, ist ihm ein „Naturgesetz“, das sich selbsttätig entfalten würde, würde sie nicht sexualmoralisch gehemmt, und wird zum Fetisch, dem jede andere Lustform zum Opfer fällt. (Markus Brunner: Eros und Emanzipation. Zur Dialektik der sexualrevolutionären „Radikalisierung“ der Freudschen Psychoanalyse. In: Dehmlow: “… da liegt der riesige Schatten Freud’s jetzt nicht mehr auf meinem Weg”, Marburg 2008, S. 270-287)
Reichs Fetischisierung der Genitalität
3. Dezember 2022Man übertrage das auf die Genitalität, die Gesundheit, wie sie von Reich, Ola Rakner und Elsworth F. Baker beschrieben wurde! Nur noch die ultrakranke Neurose ist akzeptabel! Leidbilder der Gesundheit sind des kapitalistischen, faschistischen, patriarchialischen, nationalistischen und rassistischen Teufels:
Ein Diplom-Psychologe schrieb im Juli 1979 in Warum! in einem Artikel über „Sexuelle Befreiung. Anleitungen, Spiele, Übungen“ über seine Lektüre in Sachen Sexualität:
Einige Bücher und Theorien haben mich sogar daran gehindert, freier zu werden. So beispielsweise die Beschreibung des idealen und gesunden Orgasmus nach Wilhelm Reich, wie ihn ein Mensch erlebt, der sich durch Therapie von seinen Muskelspannungen und psychischen Blockaden befreit hat. Nicht etwa, daß Wilhelm Reich nicht recht hätte. Wahrscheinlich wußte er wirklich, wovon er sprach. (…) So habe ich, wie viele Freunde und Bekannte von mir, im Schweiße meines Angesichts bioenergetische Übungen getrieben, um endlich den „totalen“ Orgasmus zu erleben. Ich will damit nicht sagen, daß solche Übungen nicht hilfreich sind – aber ich sehe die Gefahr, irgendeinem Idealbild von Sexualität nachzulaufen und darüber die Akzeptierung und Gestaltung der individuellen Sexualität, wie sie sich in einem selbst im Moment darstellt, zu vernachlässigen.
Seit Ende der 1960er Jahre, imgrunde seit Mitte der 1920er Jahre, ist eines der Hauptargumente gegen Reich, dieser mache aus der Genitalität einen „Fetisch“ und falle hinter Freuds aufklärerische Tat zurück. Freud habe gezeigt, daß die Genitalität nichts Ursprüngliches sei, sondern auf die Prägenitalität zurückgehe.
Charakteristischerweise verharren diese Argumente stets im inhaltsleeren Jargon. Soweit ich es überblicken kann, werden die Kritiker nie konkret. Wovon, um alles in der Welt, reden diese Herrschaften eigentlich?!
Man kann sich kaum intensiver mit Prägenitalität beschäftigen als Reich und seine Schüler! Elsworth Baker ist sogar so weit gegangen, eine bisher unbekannte „okulare“ Stufe noch vor der oralen Stufe zu postulieren. Die gesamte Charakteranalyse Reichs beruht geradezu auf dem Konzept der Prägenitalität!
Geht es den Kritikern vielleicht gar nicht so sehr um die psychotherapeutische Theorie und Praxis, sondern vielmehr um den Geschlechtsakt selbst? Stellen sich die Kritiker vor, es wäre im Sinne Reichs die geschlechtliche Erregung auf die Genitalien zu beschränken? Das wäre schlichtweg die Negation dessen, was sich Reich unter „Genitalität“ (orgastischer Potenz) vorgestellt hat! Oder glauben die Kritiker allen Ernstes, daß Reich die Ansicht vertreten habe, Küssen (Oralität) und Geruchserotik (Analität) dürften libidinös nicht besetzt sein und man es grundsätzlich nur im Finsteren in der Missionarsstellung machen dürfe, wenn man „genital“ sein wolle?
Oder geht es diesen Kritikern um die Verteidigung von Perversionen wie Sadomaso, Homosexualität und, – vielmehr fällt einem auch kaum spontan ein, ähh, – die lebenslange Beschränkung auf „Oralsex“? Was gäbe es da zu verteidigen, denn es ist allzu offensichtlich, daß es eine genuin „prägenitale Sexualität“ gar nicht gibt! Sadomaso ist nichts anderes als die Karikatur von genitaler Betätigung. Homosexuelle Paare tun nichts anderes als heterosexuelle Beziehungen nachzuspielen. Und alle Spielarten, die sich ein pornographischer Geist mit einiger Mühe auszudenken vermag, schöpfen ihre Energie ausschließlich aus der Genitalität.
Das Gerede von „Reichs Fetischisierung der Genitalität“ trägt nicht. Es ist eine sinnleere Folge von Lauten. Und es zeugt von der ganzen Irrationalität der Massen, die letztendlich auf deren Genitalangst zurückgeht, daß dieser Unsinn überhaupt in Erwägung gezogen wurde!
Manchmal drücken sich die Kritiker des Reichschen Fetischismus auch etwas verdeckter aus. Dann ist davon die Rede, Reich habe eine „idealistische Pseudonatur“ postuliert. Diese Kritik mag zwar hochintellektuell klingen, ist in Wirklichkeit aber dermaßen dumm… Ich meine, wer idealisiert hier eigentlich die Sexualität? Alle anderen Körperfunktionen haben einen ziemlich schmalen Bereich, in dem man von „gesundem Funktionieren“ sprechen würde. Das reicht von den unterschiedlichsten Reflexen bis zur Art des Gehens. Kann mir jemand erklären, warum es ausgerechnet im Bereich der Sexualität keine Pathologie geben soll?!
Und man komme mir nicht mit der welterschütternden Erkenntnis, daß die menschliche Sexualität nicht auf Biologie reduzierbar sei! Genau das ist nämlich das zentrale Argument Reichs und seiner Schüler. Genauso, wie sich bei ihnen alles um die Prägenitalität dreht, ist bei ihnen auch die Beeinflussung der schier unendlich formbaren Sexualität durch die Gesellschaft das alles überragende Thema.
Es ist vollständig sinnlos hier weiterargumentieren zu wollen, schlichtweg weil die psychophysiologische Forschung eindeutig zeigt, was gesunde und was ungesunde Sexualität ist.
David Holbrook, M.D.: SEX UND LIEBE IN EINEM FALL VON PARANOID-SCHIZOPHRENEM CHARAKTER (Teil 1)
20. November 2022Liebe, Arbeit und Wissen und die Emotionelle Pest
24. Juli 2022Liebe, Arbeit und Wissen sind wie ein „bioenergetisches Feuer“, d.h. orgonotische Erregung breitet sich aus. Ein Mensch steckt den anderen an.
Hier wird jeder, der auch nur Grundkenntnisse des Reichschen Werks besitzt sofort an die „Infektionskrankheit“ Emotionelle Pest denken, die sich ebenso ausbreitet. Was ist der Unterschied?
In der pornographischen Sexualität geht es, ähnlich wie bei Drogen, um den „schnellen Kick“, ohne daß die Menschen in ihrem Inneren berührt werden. Dieser Ersatzkontakt hat mehr mit oberflächlichen elektrischen Reizungen als tiefen orgonotischen Strömungen zu tun. Die letztere wird sogar explizit unterbunden, denn ansonsten könnte die Hure ihre Tätigkeit, ihre „Arbeit“ gar nicht verrichten.
Dort, wo man tatsächlich von Arbeit sprechen kann, etwa bei einer Krankenschwester, reduziert die Emotionelle Pest alles auf Oberflächlichkeit. Alles wird zu einem bloßen Job, den man ohne innere Anteilnahme erledigt. Die gegenseitige Verpflichtung von Arbeitnehmer und Arbeitgeber reduziert sich auf den Austausch von „Anwesenheit“ gegen Geld. Das wird ganz offiziell durch „Volksvertreter“ vorexerziert, die „Sitzungsgelder“ einstreichen. Niemand ist wirklich bei der Sache. Niemand findet mehr Erfüllung in seiner sinnstiftenden Arbeit, sondern alles ist auf die billigen Kicks in der Freizeit ausgerichtet.
Wissen wird durch die Emotionelle Pest durch Propaganda ersetzt. Wie einst im Realsozialismus kann jeder Idiot, solange er nur die offizielle Parteilinie vertritt, dem Spezialisten in die Parade fahren. Allgemein wird Wissen auf bloße Information reduziert. Man denke nur an die heutige Medizinerausbildung, die den Arzt auf einen Mechaniker des Körpers reduziert: „Blutbild –> Medikament“. Auf den Menschen selbst wird nicht mehr eingegangen.
Liebe, Arbeit und Wissen hingegen beruhen auf einem organischen, bioenergetischen Spannungsaufbau, das Halten der Spannung und die erfüllende Entladung (Orgasmus, Arbeitsprodukt, „Heureka“). Genau das zeichnete Reichs Forschungstätigkeit aus: das vorurteilslose, d.h. nicht von der „Parteilinie“ bestimmte Beobachten der Natur, der eine Chance gegeben wird sich zu entfalten und ihre Geheimnisse preiszugeben. Die von der Rockefeller Foundation finanzierten Biologen in Oslo wußten sofort, worum es sich bei den Bionen handelte („Kontamination der Probe mit dem wohlbekannten Mikroorganismus xy“) und Einstein und seine Assistenten „kannten sich mit den thermodynamischen Gesetzen aus“. Die mechanistische Wissenschaft ist ein Ausdruck der Emotionellen Pest, bei der sich alles um den schnellen Fick dreht, um ja nicht am Orgon zu rühren.
Imgrunde geht es immer um wechselseitige Verpflichtungen, die Aufrechterhaltung bioenergetischer Spannung, sei dies in der Liebe, im Kreditwesen (dem Kern jeder Marktwirtschaft) oder im Eingehen auf die Natur. Es geht um den Kontakt (das Zusammenfließen von Erregung und Wahrnehmung) zwischen orgonotischen Systemen und letztendlich um den Kontakt des orgonotischen Systems mit dem ihn umgebenden Orgonozean. Die Emotionelle Pest kann diese Spannung nicht ertragen und schließt alles kurz: Ficken, Jobben, Brabbeln.
















