Posts Tagged ‘Reichianer’

Reichs phänomenologische Naturwissenschaft (Teil 8)

22. Februar 2026

Bernd A. Laska war primär Reichianer und als solcher hat er sich so gut wie gar nicht für „Deutungen“ interessiert. Ich erinnere im Vergleich an das Vorgehen des Aufklärers des 20. Jahrhunderts: Freud, der seine Patienten mit wohlfeilen Deutungen bombardiert hat, was wohl anfangs dramatische Ergebnisse zeitigte, aber schnell, als die Psychoanalyse zum „Kulturgut“ wurde, zu Allgemeinplätzen wurde, die mit jeder neuen Patientengeneration immer mehr verpufften. Der therapeutische Erfolg war gleich null, d.h. am Charakter der Patienten änderte sich nichts, der Status quo wurde bewahrt und zur Aufklärung wurde nichts beigetragen, sondern ganz im Gegenteil. Entsprechend hätte Bernd A. Laska über das Über-Ich, das Eigene, Selbstermächtigung, „Metaatheismus“ etc. als „LSR-Weiser“ deduktiv schwadronieren können. Eine Karikatur vom „Kerngehalt des LSR-Projekts“ wäre eine weitere Facette im Scheinpluralismus unserer Demokratie geworden. Stattdessen hat Laska, sich explizit an Reich anlehnend, nicht „Freudsche Psychoanalyse“, sondern induktive „Reichsche Charakteranalyse“ betrieben, d.h. ist vom konkreten Verhalten ausgegangen und hat dieses Verhalten einfach nur gespiegelt: wie sich die Leute bis heute zu LaMettrie, Stirner, Reich und ihrem jeweiligen Werk verhalten haben und noch immer verhalten in immer neuen Panzerschichten (Primär-, Sekundär-, Tertiärverdrängung).

Ein Patient, dessen Mutter gerade gestorben ist, kommt zum Psychoanalytiker: während Freud die Gelegenheit nutzt, um den Ödipuskomplex anzugehen, fragt Reich: „Sie erzählen mir, ihre Mutter sei gestern gestorben. Warum lächeln sie dabei?“ Der Patient Freuds flüchtet in seinen Kopf, d.h. er „intellektualisiert“, und Resultat sind die blasierten „weisen“ Leute, die typischerweise Produkt einer Psychoanalyse sind, während der Patient Reichs mit seinen Gefühlen in Kontakt kommt und zwar von den oberflächlichen zu immer tieferen. Wie in der Charakteranalyse Reichs steht auch bei Laska am Ende das, was er hätte predigen können, was aber verpufft wäre, wenn er es „verkündet“ hätte.

Bei den beiden Ärzten LaMettrie und Reich steht am Ende derjenige, der ungehemmt Wollust empfinden kann. Bei den beiden „Paraphilosophen“ Stirner und Laska ist es der, der sich jenseits der bloßen Begriffe und Deutungen seiner Eigenheit und Einzigkeit bewußt wird. Daß beide Ansätze, also Laskasche „Paraphilosophie“ und Reichsche „Biophysiologie“ identisch sind, sollte evident sein.

Das Problem der Hemmung bzw. Panzerung“ geht jedoch weitaus tiefer, denn vor Überwindung der Hemmung, steht die Meisterung dessen, was Reich als „Emotionelle Pest“ bezeichnet hat. Sie ist vielleicht Reichs wichtigste Entdeckung. Was ist die „Emotionelle Pest“? Zunächst widerlegt Reich in einem Kapitel der Charakteranalyse Freuds Todestriebtheorie. Der Masochist strebt nicht etwa Unlust an, sondern er hat Angst vor zu heftiger Lust. Einer Lust, die ihn zerreißen würde und die darüber hinaus mit einem unüberwindlichen Schuldgefühl behaftet ist. Der Masochist sucht nach einem gangbaren Kompromiß: lauter kleinere Lusterlebnisse und er provoziert die Umwelt so, daß sie ihm diese „kompromißlerischen“ Lusterlebnisse verschafft, ohne daß man ihn selbst dafür verantwortlich machen könnte. Er windet sich lustvoll unter der Peitsche der Domina, ist aber stinksauer, wenn sie wirklich richtig zuschlägt. Von „Todestrieb“, an den Freud naiver Weise glaubte, kann also gar nicht die Rede sein.

Anders ist es mit der Emotionellen Pest bestellt, die Reich im Anschluß beschreibt: sie ist gewisserweise tatsächlich ein „Todestrieb“. An der Emotionellen Pest erkrankte Menschen finden, ähnlich wie der Masochist, keine Befriedigung im Leben, tun daraufhin aber etwas, was der normale Neurotiker, darunter auch der Masochist, der einfach nur leidet, nicht tut: sie versuchen generell den „Lebensimpuls“ aus ihrer Umwelt zu löschen, um buchstäblich ihre Ruhe zu haben. Die „Tiefenperson“ wird ermordet und es bleibt der Roboter – nichts anderes macht die mechanistische Naturwissenschaft theoretisch und praktisch!

Die Emotionelle Pest, Reichs größte Entdeckung, ist gleichzeitig seine bei weitem problematischste, denn wie leicht ist es, wirklich jede beliebige Person und jedes beliebige Verhalten mit dem Diktum „Emotionelle Pest“ zu erschlagen! Laska war hier eindeutig ein Opfer. Er hat keine eigene Orgontherapie durchlaufen, sich nicht an Orgonomen orientiert, hat den orgonomischen Dissidenten Alexander Lowen zu Wort kommen lassen, offene Angriffe auf Reich zugelassen etc.: „Emotionelle Pest“! Nicht durchgehend aber sporadisch und mit einem schon anhaltenden untergründigen Ressentiment gehörte auch ich zu diesen Anklägern.

Unlösbar damit verwoben war die Frage nach der Entdeckung des Orgons. Beispielsweise lies Laska es zu, daß in seiner Zeitschrift ein maoistischer Physiklehrer, der offen der „Viererbande“ nachtrauerte (sie seien Opfer der „Emotionellen Pest“ gewesen), das Orgon zerpflückte. Offenbar beeindruckte das Laska so sehr, daß er sich fast vollständig von dem Thema zurückzog: orgone forgone. Mein Ressentiment wuchs parallel zu Laskas zunehmender Distanz zur Orgonomie.

Orgontherapie 2026 (Teil 2)

17. Januar 2026

Ich habe mit mehreren Orgontherapeuten und „Orgonpatienten“ darüber gesprochen: Orgontherapie über eine Videokamera ist möglich. Damit fällt (mal abgesehen von den Finanzen!) jedwede Ausrede weg, sich keiner Orgontherapie lege artis zu unterziehen.

Man begegnet immer wieder Leuten, die sich der „Selbstbefreiung“ verschrieben haben und sich deshalb niemals einem (Orgon-) Therapeuten aussetzen würden. Wie Münchhausen wollen sie sich selbst am Schopf packen und aus dem Sumpf ziehen. Ihr Denkfehler liegt darin, daß, wenn sie sich selbst aus ihrer Neurose befreien könnten, sie gar nicht neurotisch wären!

Immerhin kommen sie der Wahrheit ziemlich nahe, denn es gäbe für ihre langfristige seelische Gesundheit kaum etwas verheerenderes als aktionistische Therapeuten, die sie mit allen möglichen Techniken, insbesondere „körpertherapeutischen“ Interventionen, von außen befreien wollen. Derartige „Erziehungsdiktaturen“ mögen oberflächlich betrachtet zu einer Verbesserung führen, doch tatsächlich wird so die Unfähigkeit zur Selbstregulation nur noch tiefer verankert. Deshalb sind „Orgontherapeuten“, die an ihren Patienten eine „körpertherapeutische“ Intervention nach der anderen ausführen, ihnen eine Vorgabe nach der anderen machen, in Wirklichkeit das Gegenteil von Orgontherapeuten: es sind pestilente Charaktere, die auf sadistische Weise das Lebendige drangsalieren und narzißtisch ihre angemaßte „Autorität“ genießen.

Ein richtiger Orgontherapeut macht dem Patienten klar, daß er ihn nicht „gesund machen“ kann. Oder wie mir mein erster Orgontherapeut sagte: „Die Patienten wollen immer, daß ich sie von ihrer Neurose befreie. Wie soll ich das machen? Ich bin doch kein Magier!“ Der Orgontherapeut ist kein „Führer“, der schon alle Antworten kennt und dem man nur zu folgen braucht, sondern ein, wie Reich ihn in Christusmord nannte, „Neuer Führer“, der jede Verführung „ein Führer“ zu sein, zurückweist, vielmehr nimmt er die Menschen ernst und läßt sie sich selbst retten, indem er ihnen die Verantwortung für ihr eigenes Leben auferlegt. Das macht er, indem er verhindert, daß sie ständig dem Wesentlichen ausweichen.

Ein Orgontherapie-Patient übernimmt selbst die Verantwortung für seine Gesundung – oder er ist gar kein Orgontherapie-Patient.

Man kann immer wieder beobachten, daß „Reichsche Therapie“ bei vielen einfach keine Wirkung zu zeitigen scheint. Sie bleiben irrational, werden teilweise sogar pestilent (Emotionelle Pest). Es fehlt ihnen an „Magnetismus“, vielmehr wirken sie „hohl“ und „leer“. Statt sich wohler und integrierter zu fühlen, werden sie entweder immer wehleidiger und „sensibler“. Oder sie verwandeln sich in narzißtische, blasierte Kotzbrocken, die sich einbilden „umstrukturiert“ zu sein.

Therapie macht nur Sinn, wenn man sich der Panzerung bewußt wird und sich entsprechend von innen her verändert. Solange die grundlegenden Verhaltensmuster, etwa eine alles erstickende Indifferenz, nicht bewußtgemacht werden, wird jedwede „bioenergetische“ Intervention verpuffen oder diesen Widerstand sogar noch weiter verstärken.

Heutzutage, wo der Charakterpanzer in der Struktur der Menschen immer wichtiger wird, auf die Charakteranalyse zu verzichten, d.h. es zu unterlassen, die okulare Panzerung aufzulösen, ist ein Kunstfehler. Was „Körpertherapeuten“, sogenannte „originale Reich-Therapeuten“, „Bioenergetiker“, etc. treiben, ist zutiefst reaktionär, weil sie die pathologische Tendenz der Gesellschaft zur Oberflächlichkeit nur noch weiter verstärken. „Nur nicht den Kern des Problems berühren!“

In der Orgontherapie muß Kontakt hergestellt werden und der Patient von seinen Ersatzkontakten entfremdet werden. Stattdessen bieten die „Neoreichianischen Körpertherapeuten“ Ersatzkontakt in Form von mechanischen Übungen und Massagen. Diese Therapien sind nur ein Spiegel dieser Gesellschaft: „action“ und „event“ bei Vermeidung von wirklichem bioenergetischen Kontakt.

Genauso wie der Sozialist alles von „der Gesellschaft“, d.h. dem Staat, erwartet und von der Eigenverantwortung entlastet werden will, soll der Therapeut den Patienten von außen her durch „Körperübungen“ und „Muskelmassage“ oder gar durch das „Bewegen der Lebensenergie“ heilen.

Das ist imgrunde eine mechanistische Einstellung, die sich kaum von der der „Schulmedizin“ unterscheidet. Wirkliche Veränderung kann nur Frucht von Eigenverantwortung sein. Aufgabe des Therapeuten ist es, die Selbststeuerung wieder in Gang zu bringen, d.h. den Patienten mit Verantwortung zu belasten, statt ihn zu entlasten.

Letter to Luigi DeMarchi, 14th May 1988

18. Oktober 2025

Letter to Luigi DeMarchi, 14th May 1988

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Haken” und folgende

17. September 2024

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Haken“ und folgende

Alles was zum Thema Marx und Stirner zu sagen ist (Teil 2)

5. August 2024

Was den so gerne von „Reichianern“ gefeierten frühen, „humanistischen“ Marx vom späteren Marx unterscheidet, ist die Arbeitswertlehre – auf die Reich dermaßen viel Wert legte. Noch 1844 hatte Marx selbst die Arbeitswertlehre abgelehnt, 1847 bei der nächsten Gelegenheit, also nach seiner Auseinandersetzung mit Stirner, war sie dann das Zentrum seiner Wirtschaftstheorie. Ob es da einen Zusammenhang gibt? Ich kann nur diese Frage stellen, ohne sie befriedigend beantworten zu können, weshalb die folgende Skizze mit Vorsicht zu genießen ist:

Die Arbeits- und Mehrwertlehre besagt, daß die Menschen durch den Einsatz der Maschinen verarmen, weil der Anteil der einzig wertproduzierenden menschlichen Arbeit abnimmt. Damit die Maschine uns nicht frißt, müssen wir sie vergesellschaften. Klingt gut (hat auch Reich begeistert – siehe unten), bedeutet aber die „wissenschaftliche“ Rechtfertigung der Ent-Eignung. Die Perfidie! Man kämpft gegen die den Menschen versklavende Maschine – um den Menschen zu „ent-eignen“!

Das folgende Zitat zeigt, daß Reichs Denken hinsichtlich „der Maschine“ in eine ganz andere Richtung geht – und zeigt gleichzeitig, warum er sich Marx und insbesondere seiner Arbeitswertlehre so verbunden fühlte. Reich schrieb in seiner Massenpsychologie des Faschismus:

Die maschinelle Zivilisation bedeutete dem Menschen nicht nur eine Verbesserung seines tierischen Daseins, sondern sie hatte darüber hinaus die subjektiv weit wichtigere, aber irrationale Funktion, das Nicht-Tiersein, das grundsätzlich Anders-als-das-Tier Sein, immer wieder zu betonen. Welches Interesse hat der Mensch, so lautet die nächste Frage, immer wieder laut hinauszuschreien, sei es in Wissenschaft, sei es in Religion, Kunst oder anderen Lebensäußerungen, daß er ja ein Mensch und kein Tier sei; daß die höchste Aufgabe des menschlichen Daseins die „Tötung des Tierischen“ und die Pflege der „Werte“ sei, daß das Kind vom „kleinen wilden Tier“ zum „höheren Menschen“ zu erziehen sei? Wie ist es möglich, müssen wir fragen, daß der Mensch sich selbst so konsequent den biologischen Ast absägt, auf dem er wuchs und in dem er unverrückbar verwurzelt ist? Wie ist es möglich, müssen wir weiter fragen, daß er die gesundheitlichen, kulturellen und ideellen Verwüstungen nicht sieht, die diese biologische Verleugnung in seinem Leben in Form der seelischen Erkrankungen, der Biopathien [psychosomatischen Erkrankungen], der Sadismen und Kriege anrichtet? Ist es intelligentem Verstehen möglich zuzugeben, daß die menschliche Misere nicht aus der Welt geschafft werden kann, solange sich der Mensch nicht wieder voll zu seinem Tiersein bekennt? (…) „Weg vom Tier; weg von der Sexualität!“ – sind die Leitsätze aller menschlichen Ideologiebildung. Gleichgültig, ob es ein Faschist in die Form des rassisch reinen „Übermenschen“, ein Kommunist in die Form der proletarischen Klassenehre, ein Christ in die Form der „spirituell-moralischen Natur“ des Menschen oder ein Liberaler in die Form der „höheren menschlichen Werte“ kleidet. Aus all diesen Ideen klingt immer wieder die eine eintönige Melodie hervor: „Ich bin ja gar kein Tier; ich habe doch die Maschinen erfunden und das Tier nicht! Und ich habe gar keine Genitalien wie das Tier!“ Hierher gehört die Überbetonung des Intellekts, des „reinen“ mechanischen, logischen Verstandes gegenüber dem Trieb, der Kultur gegenüber der Natur, des Geistes gegenüber dem Körper, der Arbeit gegenüber der Sexualität, des Staates gegenüber dem Individuum, des Übermenschen gegenüber dem Untermenschen.

Machen Maschinen nicht unsere Arbeit viel effektiver, werden wir durch sie nicht alle reicher? Nun ja, ich zitiere Wikipedia:

Die vom Kapitalisten gewonnene Profitrate sinke nach Marx (…) immer weiter, (…) durch den zunehmenden Einsatz von Maschinen (…), da nach der Arbeitswertlehre die wertschöpfende Instanz einzig in der menschlichen Arbeitskraft liege, welche durch den Einsatz von Maschinen kontinuierlich abnehme (…). Andererseits sinke [Marx zufolge] die Profitrate aufgrund der Konkurrenz der Kapitalisten untereinander, die sich stets unterbieten müssen, um auf dem Markt bestehen zu können. Um diese durch stetig sinkende Einnahmen entstehenden Kosten auszugleichen, müsse der Kapitalist auf der anderen Seite Ausgaben einsparen – vornehmlich durch Senkung der Produktionskosten, d.h. durch Lohnsenkungen der Arbeiter oder durch Verlängerung der Arbeitszeit sowie Steigerung der Arbeitsproduktivität. Der aus dieser Konstellation unvermeidliche Widerspruch zwischen dem Verwertungsinteresse des Kapitals und den Bedürfnissen des Proletariats bestimmt nach Marx den grundsätzlich antagonistischen Charakter der kapitalistischen Produktionsweise und sei letztlich die Ursache für die regelmäßig auftretenden Krisen des Kapitalismus, die schließlich auch zu revolutionären Erhebungen der Arbeiter führen müssen.

Letztendlich ist das „Rage Against the Machine“.

Ein Marxist würde mich natürlich jetzt auseinandernehmen, aber das ist halt das Grundwesen des Marxismus, daß man alles unendlich zerlabern kann. Allein schon, daß der „Wert“ nicht von der historischen Entwicklung abstrahiert, also von der kapitalistischen Produktionsweise gelöst, werden kann; Waren nicht für sich, sondern nur im Vergleich untereinander einen Wert haben; es nicht um menschliche Arbeit an sich geht, sondern um „abstrakte“ menschliche Arbeit, etc.

Marx hat die klassische Triade von Boden, Arbeit und Kapital auf die Arbeit reduziert, letztendlich auf die Arbeitsteilung, d.h. die „Entfremdung“. Klingt auch wieder gut, aber erstens führt das praktisch zum Wahnsinn und zweitens ist es theoretisch „Anti-Stirner“. Ist die Forderung „morgens Fischer, mittags Bäcker, abends Statiker“ etwa nicht irrsinnig? So wollten die Maoisten allen Ernstes Albanien organisieren und haben es teilweise tatsächlich durchgezogen. Der Stalinistische Kampf gegen das „Spezialistentum“ = gegen die „Fraktionsbildung“ = gegen das EIGNER-Sein! Kapital ist in letzter Konsequenz immer „Geistkapital“, Know How, „Spezialistentum“ und vor allem „eine Vision haben“. Der Marxismus hat das immer plattgewalzt. Wobei es, genauso wie bei der Arbeitswertlehre, letztendlich gegen „Stirner“ ging.

Oberflächlich ist es der „Kampf gegen die Maschine“ und der „Kampf gegen die Entfremdung“, und beides hat Leute wie Reich und Hans Hass wirklich inspiriert, doch untergründig ging es ganz im Gegenteil immer gegen den „Eigner“ und das „Eigentum“ – und das im Stirnerschen Sinne. Das sieht man ja noch bei den heutigen Bolschewisten, den Grünen: oberflächlich klingt ihr Programm emanzipatorisch und „lebenspositiv“, aber dahinter verbirgt sich eine alles zerfressende Aggressivität gegen das, was Reich mit „Liebe, Arbeit und Wissen“ umrissen hat.

Der gesamte Marxismus ist nichts weiter als inhaltsleere Polemik. Was etwa die Marxsche Verelendungstheorie betrifft, darf man sich nicht am Begriff „Verelendung“ festbeißen. Trotzki hat zurecht darauf hingewiesen, daß der Marxismus auch dann recht hat, wenn alle Arbeiter zu Millionären würden – solange die Kapitalisten Multimilliardäre sind… Und absurderweise muß zugegeben werden, daß der Marxismus nicht vollkommen falsch liegt, denn der Einkommensunterschied zwischen Arbeiter und Boß wird mit jedem Jahr absurder. Kurioserweise akzentuieren das die Sozialdemokraten, indem Facharbeiter heute locker den Spitzensteuersatz zahlen, während die Reichen immer neue Schlupflöcher finden – und ihre Fabriken mit Milliarden subventioniert werden. Marx wird von einer kleinen Schicht von marginalisierten Intellektuellen gebraucht, die die „Emanzipationsbewegung“ für die eigene wirtschaftliche Rundumversorgung nutzen, wie heute die Nichtsnutze der Grünen und der SPD.

Ausgerechnet Karl Liebknecht hat privatim gesagt, daß die „pseudomaterialistische“ in Wirklichkeit aber „moralisierende“ Mehrwerttheorie nur vom Wesentlichen ablenkt: von den Unterschiedlichen Interessen und dem Machtgefälle zwischen Arbeit und Kapital. Das Ausbeuter-Gesocks der rotgrünen Funktionäre nutzt diese induzierte Interessenblindheit leidlich aus, um ohne Arbeit, sogar ohne Kapazität zur Arbeit (etwa Talent) wie die Maden im Speck zu leben.

Email [Am I a Spaceman?] (2003)

15. Juni 2024

Email [Am I a Spaceman?] (2003)

Peters Haltung zum American College of Orgonomy

27. Januar 2024

Seit mehr als vier Jahrzehnten bin ich ein genauso eifriger wie überzeugter Unterstützer des 1968 von Elsworth F. Baker gegründeten American College of Orgonomy (ACO). Auf gut deutsch ein „Kollegium amerikanischer Orgonomen“. Als sich Reich Ende der 1940er, Anfang der 1950er Jahre ganz der Orgon-Biophysik zuwandte, vertraute er Baker sein charakteranalytisches und vegetotherapeutisches Erbe an. Entsprechend gründete Baker noch zu Lebzeiten die Zeitschrift Medical Orgonomy, die nach nur drei Nummern eingestellt werden mußte, und 1967 als Journal of Orgonomy weitergeführt wurde. Das American College of Orgonomy ist die ungebrochene Fortführung der Orgonomie bis zum heutigen Tag. Nach Bakers Tod im Jahre 1985 wurde es nach einigen Anfangsturbulenzen, ähnlich denen nach Reichs Tod, von Charles Konia und Peter Crist fortgeführt.

Konia leitet die Ausbildung neuer medizinischer Orgonomen und hat sich in den letzten Jahren ganz auf den soziologischen Aspekt der Orgonomie konzentriert, während Crist der Präsident des American College of Orgonomy ist. Ich war stets ein begeisterter Anhänger dieser beiden Männer, was immer wieder zu konsternierten Reaktionen von sogenannten „Reichianern“ führte, die bezeichnenderweise sich mittlerweile alle buchstäblich in Luft aufgelöst haben. Ihre „Bekenntnisse“ zu Reich waren stets nur heiße Luft…

In letzter Zeit haben mich bei Konia und Crist aber zwei Dinge heftig gestört, von denen ich heute berichten möchte.

Zunächst wäre da Crists Analyse des Antisemitismus, die man in der aktuellen Ausgabe seiner alljährlichen „Neujahrsbotschaft“ nachlesen kann. Er führt den Antisemitismus darauf zurück, daß der Gott der Juden für das grundlegende einheitliche Funktionsprinzip steht und die gepanzerten Menschen, innerlich zersplittert wie sie sind, die Botschafter dieser Einheit, die Juden, deshalb verfolgen. Diese Analyse des Antisemitismus ist eine Enttäuschung, denn erstens sind beispielsweise auch die Moslems Monotheisten, so daß der „jüdische Monotheismus“ kaum der Grund für den Antisemitismus sein kann. Oder glaubt irgendjemand, die Moslems würden gehaßt, weil sie an Allah glauben?! Und, ohnehin, typischerweise tolerante Polytheisten haben sich nie im Entferntesten um den Glauben anderer Leute geschert, zumal etwa die griechische Philosophie, und wirklich alle anderen Traditionen, das „Ureine“ kennen. Alle heidnischen Religionen verweisen in ihren kosmogonischen Mythen auf eine Quelle, „das Eine“.

Reich selbst, der sich bezeichnenderweise bemüßigt fühlte, ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß er kein Antisemit sei, wies auf den fehlenden „kosmischen Kontakt“ der Juden hin (siehe Reich Speaks of Freud). Der reine Monotheismus jüdischer und moslemischer Provenienz ist nicht funktionell, da er erstens immer ein Kurzschluß zu Gott ist, d.h. es wird keine funktionelle Entwicklung konzeptualisiert. Das kommt besonders eindeutig im moslemischen Fatalismus zum Ausdruck: wenn eine Warze auf deiner Wange wächst oder Wildschweine deinen Schrebergarten verwüsten – es ist alles Gottes direktes Wirken: Gott will es! Zweitens ist dieser monotheistische Gott eine statische Entität, ein Götze, dem jedes Leben fehlt, ähnlich dem statischen mechanischen Äther. Interessanterweise ist die christliche Trinität anders, da sie bereits die „Drei-Struktur“ einer orgonometrischen Entwicklungsgleichung verkörpert und weil hier die Gottheit ein inneres Leben hat (das nach christlicher Lehre Liebe ist). Bei allem Respekt: nicht von ungefähr wirken gläubige Juden und Moslems so emotional leer und „trocken“!

Juden und Moslems verstümmeln Genitalien. Die heidnischen Religionen waren, wie gesagt, gegenüber anderen Religionen durchweg tolerant. Fanatismus war ihnen von jeher vollkommen fremd. Es sind Jahwe und Allah, die voller Haß und Eifersucht sind. Jahwe und Allah sind jeweils menschenähnliche, bedeutungslose Idole, während die Dreifaltigkeit eine dynamische Einheit voller Bedeutung ist: wie gesagt, sie ist Liebe (Einheit in der Dreifaltigkeit) und sie ist „Orgonometrie“ (die CFP und seine beiden Funktionsvariationen). Warum also Antisemitismus? Man muß nur das Alte Testament lesen: Die Juden waren die einzigen, die der Tyrannei hartnäckig widerstanden. Sie haben der Emotionellen Pest nie nachgegeben. Tragischerweise gibt es eine andere Seite – bei jedem Kampf gegen das EP, wird man, wie angeschnitten, selbst von ihr infiziert.

Mein zweiter Kritikpunkt, bei dem mir „die ganze Richtung nicht paßt“, ist Konias nach meinem Geschmack zu linke Haltung, wie sie in seinem Blog zum Ausdruck kommt. Was ich damit meine, habe ich einem amerikanischen Freund wie folgt dargelegt:

Ich sollte erklären, warum ich weit rechts vom ACO stehe. Zunächst einmal wäre ich als Amerikaner ein „Verfassungsfundamentalist“ und würde 99% der Republik als völlig verfassungswidrig, als unamerikanische Travestie bezeichnen. Und was die Außenpolitik angeht, bin ich ein extremer Anti-NeoCon. Kein Tropfen amerikanischen Blutes, kein einziger Tropfen, ist es wert, Somalia oder irgendein anderes ausländisches Rattenloch zu retten, einschließlich Israel und der Ukraine. Für meine Ohren klingt vieles von dem, was Dr. Konia schreibt, liberal. Das Geschäft Amerikas ist das Geschäft, Punkt. Keine „Moral“, Ideologie und Geopolitik mehr! Dr. Konia ist gegen Soziopolitik, aber es ist völlig inkohärent, daß er Geopolitik unterstützt, die nichts anderes als „planetarische Soziopolitik“ ist. Deshalb stehe ich weit, weit rechts vom ACO!

Konia hat sich stets gegen die Gesellschaftspolitik gewandt, d.h. das Eingreifen des Staates in die Gesellschaft, „um Probleme zu lösen“. Man denke etwa daran, daß seit Mitte der 1960er Jahre Quadrillionen von Dollar in Sozialprogramme für den amerikanischen Neger investiert wurden. Ergebnis war die Zerstörung der afroamerikanischen Familie und der sich abzeichnende komplette Zusammenbruch der „Black Community“. Genozid! Nicht anders sieht es mit den geopolitischen Interventionen Amerikas auf praktisch jedem Flecken dieser Erde aus!

Enttäuschung an der Orgonomie

14. Dezember 2023

Ein Großteil der Interessierten wenden sich über kurz oder lang enttäuscht von der Orgonomie ab. Das kann nur die organisierte Orgonomie betreffen, aber auch gleich Reichs gesamtes Lebenswerk.

Die Gründe sind vielschichtig und reichen von persönlicher Enttäuschung, Verbitterung, Desillusionierung etc. bis zur „objektiven“ Erkenntnis, daß die Orgonomie in ihren Grundlagen nicht stimmig, wenn nicht sogar schlichtweg falsch ist.

Die Leute gehen enthusiastisch an die Sache heran und begegnen „Vertretern“ der Orgonomie, die in bestimmten Situationen auch nicht im Entferntesten das verkörpern, was sie verkünden. Oder ein Gymnasiast mit Leistungskurs Physik liest Reichs Der Krebs und sagt sich: „Moment mal, mein Lehrer würde mir für diese Darstellung eine glatte 6 geben!“

Im allgemeinen erklären Orgonomen dieses Abwenden mit mystischen Erwartungen von Perfektion, die nicht erfüllt werden konnten. Man stelle sich diese Aussage von einem KFZ-Meister vor, wenn bei einem Auto nach der Reparatur die Bremsen defekt sind! Der Fehler liege in den zu hohen Erwartungen des Kunden!

Tatsächlich geht es aber um etwas anderes. Es ist wie in der Liebe. Objektiv hat der Partner alle möglichen Schwächen, die einem neutralen Beobachter abstoßen würden, aber der sieht nicht das, was du siehst. Du siehst den wunderschönen Kern, der so hell leuchtet, daß alles andere überstrahlt und damit praktisch unsichtbar wird.

Die, die bei der Stange bleiben, „die treu bleiben“, haben immer diesen „perfekten“ Kern vor Augen, der alles Imperfekte als unbedeutendes Beiwerk erscheinen läßt. Und das gilt nicht nur für die Theorie, sondern auch für Organisationen und einzelne Personen. Ein HSV-Fan bleibt treu, egal wie absolut scheiße der Verein auch spielt. Ein Freund bleibt ein Freund, egal wie unmöglich er sich auch verhält, denn eben das, diese bedingungslose Loyalität, macht Freundschaft aus.

Entweder überzeugt dich Reichs imgrunde einzige Entdeckung, die Funktion der orgastischen Plasmazuckung, oder eben nicht. Entweder empfindest du gegenüber dem Entdecker und seinen Erben eine unverbrüchliche Loyalität oder eben nicht.

Brief an Jerome Eden (über das Ende der WILHELM REICH BLÄTTER)

12. Dezember 2023

Brief an Jerome Eden (über das Ende der WILHELM REICH BLÄTTER)

Das LSR-Projekt und die Orgonomie

28. Oktober 2023

Warum hat sich Laska nie erklärt? Nie den Kern seines LSR-Projekts mundgerecht und für alle nachvollziehbar in wenigen programmatischen Sätzen zusammengefaßt und seiner Netzseite vorangestellt?

Meines Erachtens ist das so, weil die Geschichte der Stirnerianer und Reichianer gezeigt hat, daß dabei nur Trivialitäten herauskommen würden, die das ganze ins Gegenteil verkehren. Bei Stirner war das der „Egoismus“, dem doch ohnehin jeder frönt, bei Reich, und auch LaMettrie, die Lust, die doch ohnehin jeder anstrebt. Und selbst, wenn man alles ganz im Sinne Laskas formulieren würde, von wegen „Kinder der Zukunft“. „Über-Ich“ etc. Die Antwort seriöser Menschen auf „LSR in 10 Punkten“ wäre ein: „Bitte belästigen Sie mich nicht mit derartig pubertärem Zeugs!“

Aus einem ähnlichen Grund hat Reich die Psychoanalyse zur Charakteranalyse und dann zur Orgontherapie weiterentwickelt: weil inhaltliche Deutungen wie „Sie haben Ihre Mutter geliebt und Ihren Vater als Konkurrenten angesehen!“ verpuffen und mit einem müden Achselzucken goutiert werden: „Bitte belästigen Sie mich nicht mit derartigem Kinderkram!“

Laskas Projekt entspricht eindeutig dem Vorgehen des Orgontherapeuten. Anders als in der Psychoanalyse werden nicht Ideationen („freie Assoziation“, spontane Erinnerungen) benutzt, um Affekte auszulösen, sondern umgekehrt: die Lockerung der Panzerung und die mit ihnen einhergehenden Affekte produzieren spontan Ideationen (Erinnerungen), oder auch nicht, und die sind dann auch reliabel, bringen den Patienten tatsächlich weiter und erzeugen ihrerseits Affekte. Genauso mit dem LSR-Projekt: Laska wollte nicht „herumphilosophieren“, die Welt mit irgendwelchen letztendlich willkürlichen Theorien beglücken (durch Verwirrung noch mehr ins Unglück stürzen), sondern er wollte zu zwingenden Einsichten führen. Also nicht „Einsichten“ präsentieren, denen man sich anschließen kann, sondern zeigen, wie eine bestimmte, nicht genannte Einsicht bisher systematisch verdrängt wurde. Laska wies dabei auf ganz bestimmte historische Vorkommnisse hin.

Seine These war, daß die Aufklärung gescheitert ist und daß es drei, und zwar ausschließlich diese drei, hochspezifischen Schlüsselereignisse gegeben hat, die dieses Scheitern nicht nur exemplifizieren, sondern auch zeigen, wie man die Aufklärung doch noch retten könnte: LaMettries Verdrängung durch die Enzyklopädisten und deren Umfeld, insbesondere Rousseau, Stirners Verdrängung durch Marx und Nietzsche, und Reichs Verdrängung durch Freud und die Freudo-Marxisten. Es ging jeweils um das Über-Ich als unhinterfragbare Instanz und vor allem als eine Instanz, die sich hinter allen möglichen „aufklärerischen“ Masken verbirgt.

LSR ist an die besagten drei Ereignisse gebunden, deren Durchdringung die Aufklärung (d.h. die Aufhebung induzierter Unmündigkeit = die Auflösung des Über-Ich) wieder in Gang setzen könnte. Die Orgonomie hingingen ist weniger eingeschränkt, hat es einfacher, da sie durch Reichs Charakteranalyse über ein Strukturmodell verfügt, das jedem vermittelbar ist. Die Orgonomie kann auf jeder Ebene, zu jeder Zeit, bei jedem Ereignis ansetzen. Dem LSR-Projekt fehlt es vom Grundansatz her an einer solchen „Schablone“. Und überhaupt: wie einem Bäcker, Schreiner, Spezialisten für Quantenchromodynamik, der noch nie von Stirner gehört hat und der nur eine vage Vorstellung von Rousseau hat, – wie dem das LSR-Projekt nahebringen? Laskas Zielgruppe sind die heutigen Entsprechungen zu den „Enzyklopädisten“, „Junghegelianern“, „kritischen Theoretikern“. Die Zielgruppe der Orgonomie hingegen ist eher der „Laie“ als der Spezialist. Das sieht man schon daran, daß sich ab etwa 1928 Reichs Schreibstil drastisch veränderte: von einem mit Fremdworten gespickten „Psychoanalysesprech“ zu einer einfachen Sprache, die wirklich jeder ohne Anstrengung verstehen kann. Bezeichnenderweise ist er zu dieser Zeit auch nie dem typischen „Marxismussprech“ verfallen, den kein Mensch nachvollziehen kann – und der sich in nichts auflöst, wenn man ihn in einfache Sprache überträgt. (Man mache sich mal den Spaß und „übersetze“ auf diese Weise eine Rede Rudi Dutschkes!)