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Jerome Eden lebt! (Teil 2)

12. Juni 2014

Die Sache selbst ist absurd genug. Nach dem Tod lebt man ungebrochen in einem „Körper“ und einer „Umwelt“ fort, ungefähr so wie man nach dem Einschlafen in einem Traum fortlebt, nur mit dem entscheidenden Unterschied, daß man mit anderen „Toten“ kommunizieren kann. Die Frage ist einfach, was bzw. wo der Sitz des Bewußtseins ist.

Es wäre Wahnsinn sich auf solche Absurditäten einzulassen, denn wo wäre das Ende?! Bei den gechannelten Botschaften von St. Germain oder bei denen des Erzengels Raphael? Man kann so etwas nur sinnvoll angehen, wenn man die „spirituelle“ Weltanschauung auf die Spitze treibt: „Realität ist alles, was du dir vor die Augen stellen kannst!“ Wenn sich mehrere Subjekte auf eine Realität einigen, haben wir – eine Welt vor uns. Da aber das Subjekt auch andere Subjekte „postulieren“ kann, läuft alles auf Solipsismus hinaus. Alles geht auf (m)einen Geist zurück. (Womit wir es hier zu tun haben, ist die Loslösung der Wahrnehmung von der Erregung – siehe das letzte Kapitel von Charakteranalyse.)

Es wäre falsch, diese Weltanschauung rundweg zu verwerfen, denn sie spiegelt bei aller subjektiven Willkür einen Teil der Wirklichkeit wider. Und formal („formal-orgonometrisch“) ist sie sogar vollkommen korrekt, was „geist-monistische“ Lehren wie den Mahayana-Buddhismus und das Vedanta so anziehend für Intellektuelle macht.

Ein Zwischending sind theistische Lehren, wie der Volkshinduismus und das Christentum, in denen die Erregung als „Gott“ auftaucht, um den die unsterblichen Seelen tanzen. Philosophisch zwar denkbar unbefriedigend, aber wahrhaftiger aus bioenergetischer Sicht.

Das ganze stellt meine persönliche Philosophie gleich in zweifacher Hinsicht in Frage: Erstens ist mir nichts fremder und unsympathischer als „Esoterikern“ und „Medien“ recht geben zu müssen. Es schüttelt mich vor Widerwillen und Ekel! Zumal es kein Ende gibt und man, wie gesagt, unvermittelt mit „aufgestiegenen Meistern“, „Erzengeln“ und anderen Zumutungen konfrontiert ist. Zweitens habe ich mich immer dagegen gewehrt, das Orgon als eine Art „feinstoffliche Substanz“ zu betrachten, die „inert“ ist und vielleicht sogar eine „geringe Masse“ besitzt. Aber persönliche Erfahrungen mit OR, ORANUR und DOR, die an Orten „haften“ bleiben und nun die offensichtliche „Körperlichkeit“ der Seele zwingen mir eine andere Sichtweise auf.

Es wäre ein Überleben durch morphische Felder denkbar. Sie sind, frei nach Rupert Sheldrake,

  1. spezifisch, „individuell“ (d.h. sie bilden die Grundlage des „Ich“); betreffen
  2. Gruppen und ganze Gesellschafen (d.h. sie sind „intersubjektiv“); und
  3. sind sie geschichtlich geworden und stabilisieren gleichzeitig das Gewordene (d.h. ein Leben nach dem Tod wird denkbar).

Das ganze kann man etwa wie folgt in die Naturgeschichte einordnen:

lebennachleben

Bei Reich finden sich zwei tiefergehende Äußerungen über diesen der Orgonomie so vollständig wesensfremden Komplex:

1919 bis 1921 lernte ich Drieschs Philosophie des Organischen und Ordnungslehre kennen. Die erste verstand ich, die zweite nicht. Es leuchtete ein, daß die maschinelle Auffassung des Lebens, die auch unser Medizinstudium beherrschte, nicht befriedigen konnte. Seine Behauptung, daß sich im Lebendigen aus einem Teile das Ganze bilden, daß man jedoch aus einer Schraube keine ganze Maschine machen kann, schien mir unwiderlegbar. Dagegen machte seine Erklärung des lebendigen Funktionierens mit Hilfe des Begriffs der „Entelechie“ keinen Eindruck. Ich fühlte, daß hier mit einem Wort ein Riesenproblem umgangen wurde. So lernte ich in ganz primitiver Weise Tatsachen von Theorien über Tatsachen streng unterscheiden. Es gab viel Grübelei über seine drei Beweise für die spezifische und vom Anorganischen völlig verschiedene Eigenart des Lebendigen. Sie standen auf sicheren Beinen. Die Jenseitigkeit des Lebensprinzips aber wollte nicht recht in mein Empfinden kommen. Siebzehn Jahre später konnte ich den Widerspruch auf der Basis einer energetisch-funktionellen Formel lösen. Die Lehre Drieschs schwebte mir immer vor, wenn ich an den Vitalismus dachte. Mein leises Empfinden von der irrationalen Natur seiner Annahme behielt recht. Er landete später bei den Geistersehern. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 28)

Gegen Ende seines Lebens, 1953, schrieb Reich an seine Tochter Eva:

Da ich weder an mystische oder irgendwelche metaphysischen Kräfte glaube und da ich darüber hinaus konkrete Anhaltspunkte für die Wahrheit Deiner Annahmen bräuchte, kann ich nichts dazu sagen. Aber im Grundsatz, als eine Frage des Denkens, gibt es keinerlei Möglichkeit, die Existenz einer ganz anderen Art des Lebens auszuschließen, das nicht an irgendwelche den unseren ähnlichen Formen des Lebens gebunden wäre. Die Existenz vollwertigen Lebens, das nicht mit irgendeiner Form verbunden ist, würde natürlich das spiritistische Konzept bestätigen. Ich glaube nicht, daß das möglich ist. Aber Deine Beobachtungen sind es sicherlich wert, weiter sorgfältig verfolgt zu werden. (Where’s the Truth?, S. 133f)

Hier die wohl beste und beeindruckenste Dokumentation über das Leben nach dem Tod. Ähnlich wie in John Fullers The Airmen Who Would Not Die geht es nicht um das übliche pseudo-religiöse und „bewußtseinserweiternde“ Geschwafel, sondern um nüchterne Fakten:

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=6qSEi_sfaSU%5D