Posts Tagged ‘Wilhelm Reich’
nachrichtenbrief142
24. November 2019Wahrheitskrämerei bringt mich um!
15. November 2019Neulich im Netz wieder eine dieser „Diskussionen“, die mich mein ganzes Leben über verfolgt haben. Schon bevor ich je vom Namen „Wilhelm Reich“ gehört hatte, gab es mir einen Stich, wenn mal wieder irgendein Dödel von Klassenkamerad „aufklärerisch“ daherkam. Neulich postete jemand was Patriotisches gegen Islamisierung mit Verweis auf die Kreuzzüge als Vorbild. Darauf einer dieser ultracoolen Durchblicker: alle Religionen seien doch nur uns eingebleute Geistesgespinste. Wie gesagt, mein ganzes Leben mußte ich mir solche dummen Sprüche anhören und mich dabei vor Wut und schierer Verzweiflung an der Sitzgarnitur festkrallen. Ewig und drei Tage, solange ich zurückdenken kann, diese neunmalklugen Sprüche!
Wut, weil sie uns entwaffnen und wehrlos machen und darüber hinaus uns der durchaus berechtigten Verachtung unserer Todfeinde aussetzen. Was meinst du, wie ein Türke auf dich herabblickt, wenn du als Deutscher und Christ (nach 1000 Jahren bist du Christ, ob du willst oder nicht!) von „no borders“ faselst und nichts dabei findest, sondern sogar noch begeistert bist, wenn Kirchen in Moscheen umgeweiht werden! „Sind ja eh alles die gleichen Hirngespinste!“
Verzweiflung, weil ich dem ganzen ja durchaus zustimme, aber trotzdem möchte ich NICHTS mit dir zu tun haben. Erstens beweist du mit solchen wohlfeilen Weisheiten nur, daß du selbst in einer Welt von „Hirngespinsten“ lebst und null, wirklich null Kontakt zu deinem eigenen Wesen hast. Orgonomisch ausgedrückt, lebst du nur in der sozialen Fassade und im Gehirn und hast keinerlei Beziehung zu deinem bioenergetischen Kern und deinem Bauchgefühl. Das zeigt sich, zweitens, schon daran, daß deine Sprüche im wirklichen, praktischen Leben keinerlei Bedeutung haben. Fahr doch nach Saudi-Arabien und verkünde da, daß das mit der Nation und der Religion alles „Hirngespinste“ sind!
Imgrunde hasse ich dich, weil du offensichtlich keinerlei Loyalität kennst und jedem, der irgendwie etwas auf die Beine stellt, sofort in der Rücken fällst. Es ist ein Hohn, daß ausgerechnet DU von „ideologischen und religiösen Hirngespinsten“ redest, denn du bist stets der erste, wenn es um ideologische Reinheitsgebote geht. Vor allem HASSE ich dich jedoch, weil du die tiefste Wahrheit zu einer Platitüde machst, ihr jedwede Wirkmöglichkeit nimmst und sie in eine destruktive Lüge verwandelst. Ich kenn dich. Du bist ein Zyniker und du verachtest jedwede natürliche Lebensäußerung. Du wirst der erste sein, der kurz vor dem Triumph der herrschaftsfreien Arbeitsdemokratie und der von allen fixen Ideen befreiten Kinder der Zukunft alles daran setzen wird, um alles in eine noch schlimmere Hölle auf Erden umzudrehen, weil irgendwas deinem ultrasensiblen Lackmustest nicht bestanden hat. Laß mich in Ruhe mit deinen Sprüchen!
Die große Spaltung und ihre Aufhebung
9. November 2019Was wollte Wilhelm Reich? Die Vereinigung der sinnlichen mit den zärtlichen Strebungen, d.h. die Vereinigung von Sex und Liebe, und die Trennung der Sexualität von wirtschaftlichen Zwängen.
Reichs Forderungen nach der Vereinigung von Sex und Liebe und der Trennung von Sex und Ehe stellen einen atomaren Angriff auf die autoritäre Gesellschafsordnung dar. In Indien, der islamischen Welt, vor wenigen Jahrzehnten auch in der westlichen Welt, überall auf der Welt, suchten bzw. suchen die Eltern den Ehepartner aus, das ganze war ein Geschäft, wo es etwa um die Mitgift in Gestalt zusätzlichen Ackerlandes ging, etc. Für Sex, d.h. der Geschlechtsakt als Vergnügung, und die Liebe: dafür gab es Spezialisten, d.h. Prostituierte und Konkubinen auf der einen und ätherische Lichtgestalten, die man anhimmelte und für die man schwülstige Liebesgedichte schrieb, auf der anderen Seite. Diese Dichotomie hat sich bis heute gehalten, wo das Ehebett zur „Lustwiese“ wird, auf der die absonderlichsten „Liebestechniken“ und „Sextoys“ zur Anwendung kommen, und gleichzeitig die Beziehung zu einer derartig klebrig-kitschigen Symbiose wird, daß für die Außenwelt, etwa Freunde, kaum Platz bleibt. Für den, der sich ein Mindestmaß an natürlichem Lebensgefühl bewahrt hat, ist das ganze nur, gelinde gesagt, befremdlich.
Aber von der antiautoritären zurück zur autoritären Gesellschaft, wie sie weltweit bis ca. 1960 bestand. Reich hat mit seiner „Sexualpolitik“ (Sexpol) den Konservatismus dermaßen radikal infrage gestellt, wie sonst niemand. Man kann mit der Materie alles mögliche anstellen, aber wenn man die Bausteine der Materie, die Atome, selbst angeht, bricht alles zusammen. Reich hat mit seinen beiden denkbar humanistischen Forderungen wie kein anderer die Bausteine der Gesellschaft angegriffen und zersetzt, die Familie! Von daher wird Reich für Konservative immer der Leibhaftige bleiben!
Gleichzeitig gibt es auch keinen radikaleren Proponenten der Familie! Wie das? Wie Reich spätestens in Der Krebs deutlich gemacht hat, braucht das Kind einen engen orgonotischen Kontakt zur Mutter. Einer Mutter, die glücklich, sexuell befriedigt, frei von Angst und Sorgen ist. So etwas ist nur in einer glücklichen Ehe möglich, die Schutz, Stabilität, wirtschaftlich gesicherte und vor allem eine selbstbewußte und stolze Existenz ermöglicht. Damit wird die seelische Gesundheit des Kindes aber unmittelbar abhängig von der Liebesbeziehung ihrer Eltern, also von einem Vabanquespiel
Man kann es wenden, wie man will: das ganze läuft auf eine denkbar umfassende Änderung unserer Existenz- und Wirtschaftsweise hinaus. Für diese Infragestellung der Grundfesten des Patriarchats werden die Konservativen Reich ewig hassen. Es ist eine Gesellschaft, in der sich alles um das Lebensglück der Mütter und ihrer Kinder dreht und Männer nur geduldete Gäste sind. Und ist es nicht ohnehin so, daß Frauen vor allem eins wollen: Sicherheit, während Männer einfach nur in alle Ewigkeit mit ihren Freunden „um die Häuser ziehen wollen“?! Es gibt nichts Schlimmeres als verhärmte einsame Frauen und muffige Pantoffelhelden.
Unsere Gesellschaft und die Wirtschaft sind eh am Kollabieren. Es liegt an uns, wie die Gesellschaft aussehen wird jenseits der Sümpfe aus Blut und Scheiße, durch die wir in den nächsten Jahren werden waten müssen…
Kann Peter für die Orgonomie sprechen? (Teil 1)
24. Oktober 2019Ab und an wird mir vorgehalten, ich würde mir anmaßen für die Orgonomie zu sprechen. Tatsächlich zucke ich selbst manchmal schuldbewußt zusammen, wenn ich als „Homepage der Orgonomie“ daherkomme, aber dieses Projekt (anfangs natürlich offline!), in dem der Leser diese Zeilen liest, ist fast 40 Jahre alt und Dinge, die ich im jugendlichen Überschwang in Gang gesetzt habe, kann ich nicht zurückholen. Heute würde ich weitaus kleinere Brötchen backen. Andererseits: lieber ICH habe http://www.orgonomie.net als irgendjemand anderes in Deutschland! Man weise mir doch bitte in den zig tausend (sic!) von mir veröffentlichten Druckseiten zur Orgonomie auch nur einen einzigen substantiellen Fehler oder besser gesagt eine einzige substantielle Entstellung der Orgonomie nach!
Ich hätte auch gerne meinen Namen draußen vor gelassen und mich, wie fast alle anderen, hinter einem Pseudonym versteckt, doch das war wegen der langen Geschichte dieses Projekts (fast vier Jahrzehnte!) nie eine Option. Presserecht und vor allem Kontinuität! Als Anonymous hätte ich nämlich anfänglich gar keine Leser gehabt!
Die Orgonomie ist eine Wissenschaft und ich habe das gleiche Recht über sie zu schreiben, wie ich das Recht habe über Biologie, Physik oder Astronomie zu schreiben. Wer sollte es mir verwehren etwa http://www.soziologie.net zu kaufen und mich über die Soziologie von Durkheim bis heute auszulassen – solange ich nicht kompletten Unsinn verzapfe? Und selbst das (ein Auftrumpfen aus dem Nichts kommend) habe ich, wie gesagt, mit der Orgonomie nicht getan, denn meine Netzseite und der Blog sind nicht „vom Himmel gefallen“, sondern organisch gewachsen. Ich verbitte mir Vorhaltungen von Leuten, die noch nicht mal geboren waren, als ich anfing mich mit Reich zu beschäftigen, und die, wie alle bisherige Erfahrung zeigt, in wenigen Jahren nichts mehr mit Reich am Hut haben werden!
Und, gemach, daß und vor allem WIE meine ganz persönliche Neurose (charakterliche Abwehr) in diesem Blog auf denkbar fundamentale Weise zum Ausdruck kommt, ist mir schmerzlich bewußt.
David Holbrook, M.D.: FRAGE UND ANTWORT: SEX UND LIEBE
7. September 2019Besprechung von ORGONOMIC FUNCTIONALISM, No. 7 (Teil 4)
19. August 2019Diese Besprechung soll durchaus kein vollkommener Verriß werden. Läßt man die Verwirrung hinter sich, die die spanischen Übersetzungen beim Durchblättern des Hefts hervorrufen, zeigt sich die innere Logik der Textauswahl. Man wird organisch in Reichs damalige Gedankenwelt versetzt. Das ganze ist keine willkürliche Zusammensetzung irgendwelcher gerade verfügbarer Reich-Texte, wie in den vorhergegangenen Ausgaben von Orgonomic Functionalism, sondern wohlüberlegt . Die innere Logik macht das ganze geradezu zu einem weiteren Buch Wilhelm Reichs – ohne vorzugeben ein solches zu sein.
Ohnehin ist es immer gut Reich selbst zu lesen, vor allem in einer derartig organischen Textauswahl. Das letztere, die organische, in sich logische Darstellung des Reichschen Werkes soll die Sekundärliteratur leisten. Was nützt es, einen isolierten Text Reichs zu lesen und nur Bahnhof zu verstehen? Um so unverzeihlicher sind Klopse, wie der folgende. In Reichs „Der dialektische Materialismus in der Lebensforschung“ lesen wir:
Bisher glaubte man hypothetisch, daß das Leben in Gestalt von „Sporen“ aus dem Weltenraume auf die Erde kam; primitive Anschauungen sprechen von „Eiweißflocken“. Ich glaube, daß das Leben an Ort und Stelle entstand.
Daraus wurde in der deutschen Übersetzung von Myron Sharafs Reich-Biographie… Ich zitiere aus meiner Besprechung:
Erstaunt hat mich der Satz: „Er ließ sich voll darauf ein (auf die UFO-Geschichten, PN), da er seit langem geglaubt hatte, daß das Leben sich im Universum und nicht auf unserem Planeten entwickelt hatte“ (S. 498). Das war mir wirklich neu! Kein Wunder, denn bei Sharaf steht etwas vollkommen anderes: „He was primed to respond, for he had long believed that life had developed in the universe and was not confined to our planet.“ Reich hat das Gegenteil dessen geglaubt, was in Der Heilige Zorns des Lebendigen suggeriert wird: Reich hatte aus den Bion-Experimenten geschlossen, daß sich Leben überall entwickelt, während hier das diametrale Gegenteil suggeriert wird, nämlich eine Art „kosmische Luftkeimtheorie“!
Reichs Polemik gegen Gene und „Sporen“ mutet in Zeiten der Gentechnik und der wachsenden Akzeptanz der Panspermie-Theorie wie aus der Zeit gefallen an, zumal er sie mit dem Dialektischen Materialismus zu widerlegen sucht. Die Natur ist weitaus konservativer als Reich glaubte – und es ist Reich selbst, der in diesem Vortrag eine direkte Verbindung zwischen Naturauffassung und politischer Auffassung zieht. Man kann getrost davon ausgehen, daß Reichs Angriffe gegen den Konservatismus den Herausgebern von Orgonomic Functionalism sehr zupaß kamen. Die „Lebensforschung“ seither weist aber in eine ganz andere Richtung oder legt zumindest eine ausgewogenere Betrachtungsweise nahe!
In Orgonomic Functionalism No. 7 wird ein erster Teil der Broschüre „Die natürliche Organisation der Arbeit in der Arbeitsdemokratie“ abgedruckt und zwar in einer (schlechten) Übersetzung, die offenbar von Reich selbst stammt.
Ein Beispiel für Reichs Übersetzungskunst und gleichzeitig für die etwas zweifelhafte Leistung der Herausgeber findet sich bereits in „Bion Experiments on the Cancer Problem“. Dort heißt es auf S. 58 bei Reich: „The submaxillary gland of the same mouse, showing change in the gland cells, solution from the membrane, strong coloring.” Der Kommentar der Herausgeber: „The meaning of the phrase ‘…solution from the membrane,…’ is not clear.” Jedem, der nur etwas Deutsch kann, muß der die Doppelbedeutung des Wortes „Lösung“ gewärtig sein.
Reichs Werk, speziell das Konzept der Arbeitsdemokratie, kann man m.E. nur verstehen, wenn man es „dialektisch“ betrachtet, d.h. es geht nicht um qualitative Veränderungen, sondern um qualitative Sprünge. In einem Brief wird Reich über die politischen Auswirkungen gefragt, die mit dem Schritt „vom jetzigen zum vollständigen Geschlechtsleben“ einhergehen. Darauf Reich:
Das Wesentlich ist, daß hier nicht ein Schritt zu erfolgen hat von einem „weniger vollständigen“ zu einem „vollständigen“ Geschlechtsleben. „Vollständig“ und „unvollständig“ besagt hier nichts. Es geht hier nicht um ein „mehr“ gegenüber einem „weniger“, sondern um eine grundsätzliche Änderung im Erleben des Geschlechtlichen, wie des Lebens überhaupt, also um eine qualitative und nicht quantitative Angelegenheit. (S. 66)
Wahrheit und Gegenwahrheit in der klinischen Situation (Teil 2)
14. Juli 2019von David Holbrook, M.D.
Es gibt einen Grund für das Vorhandensein der Abwehr, eine „Gegenwahrheit“, die vom Therapeuten zumindest intuitiv wahrgenommen werden muß, um Fehler in der Behandlung zu vermeiden, die dem klinischen Äquivalent dessen entsprechen, was Reich in einem soziologischer Kontext als „Freiheitskrämerei“ bezeichnet hat. Mit anderen Worten, wenn der Therapeut aufgrund seines kontaktlosen therapeutischen Über-Ehrgeizes die Art der Abwehr des Patienten und die Gründe, warum diese vorhanden ist, nicht wahrnimmt und nicht mit ihr in Kontakt kommt; wenn der Therapeut die Gegenwahrheit der Abwehr des Patienten nicht wahrnimmt, dann besteht die Gefahr, den Patienten zu schädigen und die Therapie zu sabotieren, und zwar durch eine Art „Therapiekrämerei“ oder „Kernkrämerei“ bzw. „Gesundheitskrämerei“. UM ZU VERSTEHEN, WARUM EIN ORGANISMUS NICHT FREIHEITSFÄHIG IST, ALSO UM KEIN FREIHEITSKRÄMER ZU SEIN, MUSS MAN VERSTEHEN, WARUM EIN ORGANISMUS ES VORZIEHT, OHNE FREIHEIT UND KONTAKT ZU LEBEN. VON DAHER KANN DIE WAHRNEHMUNG DER GEGENWAHRHEIT IN MANCHEN ZUSAMMENHÄNGEN DIE ESSENZ VON KONTAKT SEIN und verhindern, daß der Therapeut ein „Kontaktkrämer“ wird.
Genauso wie Reich empfahl, daß das Angehen der Abwehrstruktur des Patienten dessen zugrundeliegende gesündere Kernimpulse spontan befreien würden, indem die Hindernisse für ihren Ausdruck beseitigt werden, und genauso wie er empfahl, daß das Verständnis der Gegenwahrheit ein wesentlicher erster Schritt auf der Suche ist, der Wahrheit zu erlauben, das menschliche Leben spontan zu regieren, empfahl er auch, daß, damit sich die gesunden Kernimpulse auf der soziologischen Ebene ausdrücken können, zunächst die Hindernisse angegangen werden müssen, die die Emotionelle Pest einem gesunden natürlichen Ausdruck im den Weg stellt. DIE GESUNDEN KERNIMPULSE, SOWOHL AUF DER INDIVIDUELLEN ALS AUCH AUF DER GESELLSCHAFTLICHEN EBENE, WERDEN SICH SELBST REGIEREN UND IN EINER SPONTANEN WEISE ENTWICKELN, WENN DIE HINDERNISSE ENTFERNT WERDEN:
„Wir sollten uns … vor allem auf die Pest und nicht auf die Wahrheit konzentrieren und in erster Linie der Dürre und dem Frost vorbeugen, anstatt darauf zu achten, was der Sämling macht oder machen könnte. Der Sämling wird seinen Weg zur lebensspendenden Sonne finden. … Man braucht nicht auf die ersten Gehversuche eines Kindes achtzugeben, sondern auf den Stein oder den Abgrund auf seinem Wege.“ (Reich 1953, S. 313)
Diese Aussagen zur Gegenwahrheit und zur Pest haben direkte klinische Relevanz. Wie Konia und Harman gesagt haben: „Die Emotionelle Pest ist unser Patient.“ (Konia 2014). „Sequestration und Beseitigung der Pest durch die Lebensfunktionen … ist letztlich die beste Beschreibung der Aufgabe des Therapeuten.“ (Harman 2012). Reich erklärte: „Die Technik der Charakteranalyse zielte grundsätzlich darauf ab, die stagnierende, in der Panzerung, in der ‘mittleren Schicht’ der Charakterstruktur enthaltende Energie zu mobilisieren.“ (1955, S. 464) und wie Dr. Harman ausführt: „Aus Reichs Beschreibungen (1949, 1953) … wird deutlich, daß die sekundäre Schicht … als strukturierte Form der Emotionellen Pest innerhalb des gepanzerter Organismus verstanden werden kann.“ (2012, S. 37)
Zusammenfassend bedeutet die erfolgreiche Bekämpfung der Abwehr des Patienten ein Verständnis der Gegenwahrheit innerhalb des Patienten, und die Gegenwahrheit und die von ihm aufgewandte Abwehr sind letztlich eine Funktion der Emotionellen Pest. In diesem Sinne sind charakteranalytische und orgon-biophysikalische Techniken Methoden, um die Gegenwahrheit und deren ultimative Ursache, die Pest, bei individuellen Patienten auszumachen und zu eliminieren.
Während unseres ganzen Lebens führen wir alle einen Kampf auf Leben und Tod. Um uns sicher zu fühlen oder unerträglichen Ängsten oder Gefahren zu entgehen, opfern wir oft die ganze Palette unserer Lebendigkeit und unserer emotionalen Freiheit, sogar unserer körperlichen Gesundheit.
Der Panzer beengt und bewahrt das Leben. Er ist Teil der Natur und es gibt ihn aus einem Grund. Wenn wir als medizinische Orgontherapeuten den Panzer stören, sollten wir alle Anstrengungen unternehmen, um sicherzustellen, daß wir verstehen, was wir da tun: wir beeinflussen die Natur tatsächlich und unsere Interventionen haben Konsequenzen.
Wieviel Lebendigkeit verträgt ein Patient? Wird das Ergebnis der Störung des Panzers durch den Therapeuten immer für den Patienten von Nutzen sein?
Ich denke, es ist schwer zu sagen, wieviel Lebendigkeit ein bestimmtes Individuum erfahren „sollte“. Der medizinische Orgontherapeut muß das Gleichgewicht zwischen Lebendigkeit und Sicherheit sorgfältig abschätzen, er muß die Funktion des Panzers verstehen, seine Gegenwahrheit. Das ist die Essenz des Kontakts zwischen Therapeut und Patient.
Literatur
- Crist P 2013-2014: klinische Seminare des ACO und private Supervision
- Harman R 2012: Clinical Applications of Reich’s Work with Impulsive Characters: The Ego, Ego-Ideal, Superego and the Id. The Journal of Orgonomy 46(1):20-47
- Holbrook D 2009: “Word Language”: Character Analysis in the Early Stages of Medical Orgone Therapy. The Journal of Orgonomy 43(1):33-38
- Holbrook D 2011: A Schizophrenic Approaches the Couch. The Journal of Orgonomy 44(2):7-21
- Holbrook D 2012: “Not So Fast”: The Treatment of a Paranoid Schizophrenic Character. The Journal of Orgonomy 46(1):53-62
- Holbrook D 2013: Sex and Love in a Case of Paranoid Schizophrenic Character. unveröffentlichtes Manuskript
- Konia C 1981: Hazards of Body Therapies: Three Case Studies. The Journal of Orgonomy 15(1):64-73
- Konia C 2004: Applied Orgonometry Part III: Armored Thought. The Journal of Orgonomy 38(2): 93-100
- Konia C 2014: 2. März 2014, klinisches Seminar, Amercian College of Orgonomy Training Program
- Reich W 1949: Charakteranalyse, Köln: KiWi, 1989
- Reich W 1953: Christusmord, Freiburg: Walter-Verlag, 1978
- Reich W 1955: Die emotionale Wüste. In: Ausgewählte Schriften, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1976
- Wolfe TP 1949. In: Reich W: Character Analysis, Third, enlarged Edition. New York: Orgone Institute Press
Dieser Text wurde mit Genehmigung von Dr. Holbrook seiner Facebook-Seite entnommen und übersetzt.


















