Posts Tagged ‘Gesellschaft’

Max Stirner, Soter (Teil 27)

9. September 2025

Durch Freundschaften, Handelsaustausch und andere Formen des lustvollen „Verkehrs“ löst sich die ursprüngliche Gesellschaft auf und es entsteht der Verein. Betrachtet man, so Stirner, das alltägliche Leben, hat man hunderte von solchen teils schnell vorübergehenden, teils dauernden egoistischen Vereinen vor sich: Kinder die sich zum Spielen zusammenfinden, Freundschaften, Liebespaare, etc. (Parerga, S. 204). Im Verein findet man zusammen, um einander zu genießen, wobei keiner der Partner „zu kurz kommt“ (Parerga, S. 204). Aus diesen Vereinen kann wiederum aufgrund der Charakter-Deformationen ihrer Mitglieder eine (sekundäre) Gesellschaft hervorgehen: die berüchtigte „Vereinsmeierei“, Gilden, Parteien, der Staat und andere „heilige“ Gebilde. Sie sind abgestorbene Vereine, in denen das unaufhörliche Sich-Vereinigen zum Stillstand gekommen ist (Der Einzige, S. 342). Reich hat beschrieben, wie aus Lustangst die Menschen aus den „Vereinen“ in eine Ersatzfamilie flüchten, in der das Heimatland die Mutter verkörpert und der „Führer“ den strengen, gerechten und gütigen Vater. (Darauf beruht heute der Antikapitalismus der roten und schwarzen Faschisten.)

Mit der Unterdrückung des Vereins, also des freien „bioenergetischen und arbeitsdemokratischen“ Austausches zwischen den Menschen, wird auch die primäre Gesellschaft zerstört. Das sieht man z.B. daran, daß die Eltern der öffentlichen Schule immer größere Teile der Erziehungsaufgabe zuschanzen. Mit dem generellen Zerfall der Gesellschaft bricht auch die ursprüngliche, die organisch gewachsene Gesellschaft, also die Familie, sogar die Mutter-Kind-Bindung, und damit der unverzichtbare „Mutterboden“ des Einzigen und des Vereins, zunehmend weg. Es ist wie Bodenerosion: die Wüste wächst. Stirner konnte noch wie selbstverständlich aus dem „Nichts“, d.h. der „schaffenden Gedankenlosigkeit“ (Der Einzige, S. 380), der Körperlichkeit, der „Natur“ schöpfen, während die gegenwärtig heranwachsende Generation buchstäblich ins „Nichts“ fällt, in ein inneres Vakuum. Daher die Sucht nach Unterhaltung und Ablenkung – die innere Leere soll gefüllt werden. Stirner konnte noch davon ausgehen, daß es nur Vorteile hat, wenn sich die Kinder von ihren Eltern loskoppeln und in freien Austausch mit ihren Altersgenossen treten (Der Einzige, S. 342). Heute ist es so, daß der Einfluß der Altersgenossen derartig negativ ist, daß verantwortungsvolle Eltern sich weigern müßten, ihre Kinder auf öffentliche Schulen zu schicken. Daß die Grundlage des Vereins zunehmend verschwindet, insbesondere dadurch, daß Frauen „sich selbst verwirklichen wollen“, ist der ultimative Verrat an der Aufklärung.

Neben den angeborenen Instinkten fehlt ihnen auch das erworbene Wissen, das sich quasi in einen „Trieb“ verwandelt hat. Stirner spricht bei diesem „Trieb“ von „bewußtlosem Wissen“ und „Instinkt des Geistes“ und nennt etwa das Taktgefühl (Parerga, S. 93). Zum Beispiel ist unser Organismus seit wir uns von Insektenfressern zu Halbaffen entwickelt haben, auf „Süßigkeiten“ programmiert: süße Früchte, die praktisch nie im Überfluß vorhanden sind. Heute werden wir damit bombardiert. Da ist Selbstzucht gefragt und es gilt Stirners Diktum:

Ich nehme mit Dank auf, was die Jahrhunderte der Bildung Mir erworben haben; nichts davon will Ich wegwerfen und aufgeben: Ich habe nicht umsonst gelebt. Die Erfahrung, daß Ich Gewalt über meine Natur habe und nicht der Sklave meiner Begierden zu sein brauche, soll Mir nicht verlorengehen; die Erfahrung, daß Ich durch Bildungsmittel die Welt bezwingen kann, ist zu teuer erkauft, als daß Ich sie vergessen könnte. Aber Ich will noch mehr. (Der Einzige, S. 374)

Auch spricht Stirner nicht dem sozialen Chaos das Wort. Selbstverständlich ist es den Menschen unbenommen sich zu wehren und „asoziales“ Verhalten zu bestrafen. „Das ist keine Sündenstrafe, keine Strafe für ein Verbrechen.“ Es geht dabei nicht um die Verletzung irgendwelcher „heiligen Gesetze“, sondern um den freien Entschluß des Einzelnen die Folgen etwaiger Taten tragen zu wollen oder nicht (Der Einzige, S. 263f). Es geht darum, daß sich die Geschädigten an jenen gütlich tun, die ihnen Gewalt angetan haben, nicht darum, daß irgendein „heiliges Recht“ befriedigt wird (Der Einzige, S. 266). Oder mit anderen Worten: die Gruppen von Menschen geben sich Regeln, die das Verbrechen zu einer Dummheit machen – oder die Regeln setzen sich so im Einzelnen fest, daß das Verbrechen zu einer Sünde wird.

Jene Hingebung an das Heilige bewirkt denn auch, daß man, ohne lebendigen, eigenen Anteil, die Übeltäter nur in die Hände der Polizei und Gerichte liefert: ein teilnahmsloses Überantworten an die Obrigkeit, „die ja das Heilige aufs Beste verwalten wird“. Das Volk ist ganz toll darauf, gegen Alles die Polizei zu hetzen, was ihm unsittlich, oft nur unanständig zu sein scheint, und diese Volkswut für das Sittliche beschützt mehr das Polizeiinstitut, als die Regierung es nur irgend schützen könnte. (Der Einzige, S. 267)

Die seit Kindertagen zurechtgestutzten „unterdrückten Massen“ betreiben ein universelles Mobbing gegen den Einzelnen, „den seine Kühnheit, sein Wille, seine Rücksichtslosigkeit und Furchtlosigkeit leitet (…) Das Volk – ihr gutherzigen Leute, denkt Wunder, was Ihr an ihm habt – das Volk steckt durch und durch voll Polizeigesinnung. – Nur wer sein Ich verleugnet, wer ‘Selbstverleugnung’ übt, ist dem Volke angenehm“ (Der Einzige, S. 219f).

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 2)

2. September 2025

Die gegenwärtige Gesellschaft ist, jedenfalls in der Sphäre „unserer Demokratie“, zu fast 100% charakterstrukturell liberal mit einem zunehmenden Abdriften hin zum Pseudoliberalen (rotfaschistischen Extrem). Man betrachte nur den täglich hysterischer werdenden „Kampf gegen Rääächts“ und die immer absurder und grotesker werdende Linkssprechung zur „Generalprävention“, die nur noch als Roter Terror bezeichnet werden kann. Das ist so, weil der Liberale mit seiner Schuld (d.h. in der Muskulatur gefangenen Wut) nicht umgehen kann. Früher bot sich Gott selbst in Gestalt seines „eingeborenen Sohnes“ als Sündenbock an, der stellvertretend alle Schuld auf sich lud. Mit der Säkularisierung und „Liberalisierung“ fiel dieser Trost weg und der heutige Mensch wird von seinen Schuldgefühlen innerlich aufgefressen. An die Stelle von Jesus Christus als „Container, in dem die Schuld entsorgt wird“, tritt die Selbstkasteiung durch nur als psychotisch zu bezeichnende masochistische Asyl- und Klimapolitik und – Adolf Hitler. Alles denkbare und undenkbare Böse in der Welt wird ihm zugeschrieben und seine, offenbar unmittelbar bevorstehende, Machtergreifung wird mit immer größeren und grelleren Lettern an die Wand geschrieben. Der „Kampf gegen Rääächts“ ist nichts anderes als ein rasant inflationierendes „Ent-Schuld-ungsprogramm“!

Entsprechend muß diese Serie von Blogeinträgen, die ganz im Gegenteil das in ewiger Schuld ertrinkende Deutschland als OPFER darstellt, eine alle Maße sprengende Provokation des Zeitgeistes darstellen. Da dieser vollkommen psychotisch ist, hier für die ganz vernagelten rotgrünen Dummbratzen: Der NACHRICHTENBRIEF hat weit weit weit weniger als null Sympathie für den Nationalsozialismus, der in jedweder Beziehung das diametrale Gegenteil der Orgonomie darstellt. Ist alles selbstverständlich, aber ich entblöde mich nicht, das hier für die ganz Blöööden an zwei Namen festzumachen: Heinrich von Kogerer und Johanna Haarer.

Der Wiener Psychiater Dr.med. Heinrich von Kogerer war zehn Jahre älter als Reich und starb ein Jahr nach Reich. Wie Reich und zeitgleich mit ihm arbeitete er unter Julius Wagner-Jauregg an der Wiener Psychiatrisch-Neurologischen Universitätsklinik. Ab 1922 war er Leiter des dortigen psychotherapeutischen Ambulatoriums und damit automatisch der Gegenspieler des von Reich dominierten psychoanalytischen Ambulatoriums, das zeitgleich gegründet wurde.

Im Zuge des Anschlusses von Österreich arbeitete [von Kogerer] noch ab März 1938 in dem von Matthias Heinrich Göring geleiteten Deutschen Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie mit und wurde im gleichen Jahr zudem mit der Leitung eines psychoanalytischen Arbeitskreises in Wien beauftragt. Kogerer, der 1934 ein Werk zur Psychotherapie für Studierende und Ärzte verfaßt hatte, stellte 1938 fest, daß „[…] nunmehr endlich das ausgesprochen werden kann, was dem Kundigen längst bekannt war: nämlich, daß die Psychoanalyse Freuds spezifisch jüdische Psychologie ist und nur teilweise Geltung hat“.

C.G. Jung läßt grüßen! – Mit solchen „Kollegen“ hatte es Reich zu tun! 1935 wurde in Reichs Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie (Bd. 2, Heft 3) Kogerers erwähntes Buch Psychotherapie, Ein Lehrbuch für Studierende und Ärzte wie folgt kurz abgehandelt:

Das Buch behandelt die Geschichte der Psychotherapie, die Ursachen der psychischen Störungen allgemein und die einzelnen Krankheitsbilder im besonderen. Es wird den modernen Problemen der Psychotherapie in keiner Weise gerecht, weil es ein Sammelsurium von Methoden, Anschauungen und Arbeitsweisen in naiver, hoffnungsloser Weise zu vereinigen sucht.

Wie in Görings Institut, dem sich Kogerer später, wie erwähnt, anschloß, ging es um das, was man heute als „methodenübergreifende integrative Therapie“ bezeichnet. Alles wird mit allem vermanscht, die unterschiedlichsten psychotherapeutische Ansätze gemixt und mit diesem üblen Gebräu dann Patienten malträtiert. Daß sich dabei insbesondere kuriose „Wilhelm Reich Gesellschaften“ mit unterschiedlichen „neo-Reichianischen Methoden“ hervortun – drauf geschissen!

Die Lungenfachärztin Johanna Haarer (1900–1988) prägte die Erziehung, insbesondere die Säuglingspflege im Nationalsozialismus. Sie starb als noch immer bekennende Nationalsozialistin. Ihr bekanntestes Werk Die Mutter und ihr erstes Kind erschien in immer neuen Auflagen bis – 1987!

Im betreffenden Wikipedia-Beitrag heißt es, daß bis Kriegsende fast 700 000 Exemplare verkauft wurden. Der Inhalt wurde auch bei den offiziellen „Reichsmütterschulungen“, an denen bis April 1943 drei Millionen Frauen teilgenommen hatten, verbreitet. „Auch in Kindergärten und Heimen war Haarers Ratgeber Grundlage der Erziehung.“ Das Kind sollte rein unpersönlich mechanisch gepflegt werden ohne jedwede Zuneigung zu zeigen, um das Kind nicht zu „verweichlichen“. Man solle das Kind „ausschreien“ lassen, um es abzuhärten und seine Lungen zu kräftigen.

Sigrid Chamberlain faßte das Buch Haarers wie folgt zusammen:

Das Kind soll tags wie nachts in einem stillen Raum für sich sein. Die Trennung von Familie und Kind beginnt gleich nach der Geburt: Sobald der Säugling gewaschen, gewickelt und angezogen ist, soll er für 24 Stunden allein bleiben. Erst danach soll er der Mutter zum Stillen gebracht werden. Von der ersten Minute des Lebens an wurde also alles getan, um die Beziehungsunfähigkeit zu fördern. Alles war verboten, was Beziehung förderte. Denn das Hauptziel bestand darin, die Beziehung zwischen der Mutter oder den Eltern und dem Kind gar nicht erst entstehen zu lassen. Diesem Zweck dienen auch Haarers Forderungen, keine Zeit gemeinsam zu verbringen außer beim Füttern, Windelwechseln, Anziehen, Baden. Dafür aber waren genaue Zeitspannen vorgegeben. Das Füttern mit der Flasche sollte keinesfalls länger dauern als zehn Minuten, das Stillen nicht länger als zwanzig Minuten. Wenn das Kind „bummelt“ oder „trödelt“, soll das Füttern oder Stillen abgebrochen werden. Essen gibt es erst wieder bei der nächsten planmäßigen Mahlzeit. Hat das Kind bis dahin Hunger, geschieht es ihm erstens recht und zweitens lernt es dann, daß es sich beim nächsten Mal mehr beeilen muß.

Weiter heißt es in dem Wikipedia-Beitrag:

Erwachsene, so Haarer, hätten sich „ruhig über die Fehler und Schwächen der Kinder lustig machen und sie verspotten dürfen“, ergänzt Chamberlain und erwähnt Zeitzeugen, die berichteten, wie sie beschämt und bloßgestellt wurden, nicht nur von den Eltern, sondern auch von Erzieherinnen. Zu den Folgen einer solchen Erziehung gehören unter vielem Anderen die Schwierigkeit, „liebevoll, einfühlsam und warmherzig“ mit den eigenen Kindern umzugehen, aber beispielsweise auch, die eigene „Wohnung schön und gemütlich einzurichten“, so Chamberlain. Hinzu komme eine große Sehnsucht nach Anerkennung und Zugehörigkeit.

Noch lange nach dem Krieg wurden viele Kinder von ihrer Mutter nie in den Arm genommen. Körperlichkeit beschränkte sich auf die Reinlichkeitserziehung, ansonsten war für Haarer „Hautberührung […] unerwünscht“.

Es wird darauf verwiesen, daß der Rat Haarers an die Mütter, „die Bedürfnisse ihrer Babys gezielt zu ignorieren“ auf die nachfolgenden Generationen wirke – die Emotionelle Pest pflanzt sich fort:

„Wenn eine ganze Generation systematisch dazu erzogen worden ist, keine Bindungen zu anderen aufzubauen, wie kann sie es dann ihren Kindern oder Enkelkindern beibringen?“ Kinder, „die verführbar sind, nicht denken und nicht fühlen“, seien, so der Bindungsforscher Karl Heinz Brisch, „praktisch für eine Kriegernation“.

Dieses millionenfache Seelenmassaker war der Wesenskern des Nationalsozialismus: Emotionelle Pest in ihrer reinsten, widerwärtigsten Form.

Max Stirner, Soter (Teil 25)

30. August 2025

Stirners Vorgänger LaMettrie fordert uns auf, uns nicht von Schuldgefühlen zerfressen zu lassen, „diesen Henkern, diesen bitteren Früchten, die auf dem Baum der Erziehung, nie jedoch auf dem der Natur, gewachsen sind“ (Philosophie und Politik, S. 101); einer „Erziehung „die unsere Seele sozusagen beugt und unseren Organismus verändert“ (Anti-Seneca, S. 21). Einzig für diese seine Lehre von den Schuldgefühlen beansprucht er Priorität (Anti-Seneca, S. 11). Nur diese eine Wahrheit, daß die kontraproduktiven Schuldgefühle eine Plage für das Menschengeschlecht sind, sei die eine und einzige Wahrheit, „die zu kennen für die Menschen von Bedeutung ist, eine Wahrheit, der gegenüber all die anderen Wahrheiten Lappalien sind“ (Anti-Seneca, S. 22). Es geht um das Über-Ich:

Begeben wir uns zurück in unsere frühe Kindheit (…) und wir befinden uns dort, wo das Schuldgefühl entsteht. Das war zunächst einfach irgendein Gefühl, das unbewußt und ungeprüft übernommen wurde und sich so leicht in das Gehirn eingeprägt hat wie ein Petschaft in weichen Wachs. (…) jene frühen Prägungen, die einst das Gewissen gebildet haben (…) Ihre vielförmigen aktuellen Wirkungen sind das, was man als Schuldgefühle bezeichnet. (Anti-Seneca, S. 53f)

Stirner schrieb ein Jahrhundert später: „Die Macht der Worte folgt auf die der Dinge: erst wird man durch die Rute bezwungen, hernach durch Überzeugung“ (Der Einzige, S. 350). Man hat also die äußeren Machtverhältnisse verinnerlicht, ein Über-Ich gebildet. Furcht werde zu Ehrfurcht. „Hier wird nicht nur gefürchtet, sondern auch geehrt: das Gefürchtete ist zu einer innerlichen Macht geworden, der Ich Mich nicht mehr entziehen kann“ (Der Einzige, S. 81).

Einfacher geht es nicht! Man verfehlt Stirner grundsätzlich, wenn man in seinem Buch das „Philosophische, Tiefschürfende und gedanklich Tiefgründige“ sehen will, für das man superintelligent und supergebildet sein muß. Stirner jedenfalls hebt hervor, daß es nicht um Philosophie, Kritik und ein intellektuelles Projekt geht, sondern ganz im Gegenteil sieht er sich nicht als „Superkritiker“, der nur konsequenter kritisiert als alle anderen. Nein, über solche Leute sagt er:

Die Kritik ist der Kampf des Besessenen gegen die Besessenheit als solche, gegen alle Besessenheit, ein Kampf, der in dem Bewußtsein gegründet ist, daß überall Besessenheit oder, wie es der Kritiker nennt, religiöses und theologisches Verhältnis vorhanden ist. Er weiß, daß man nicht bloß gegen Gott, sondern ebenso gegen andere Ideen, wie Recht, Staat, Gesetz usw. sich religiös und gläubig verhält, d.h. er erkennt die Besessenheit allerorten. So will er durch das Denken die Gedanken auflösen, ich aber sage nur die Gedankenlosigkeit rettet Mich wirklich vor dem Gedanken. Nicht das Denken, sondern meine Gedankenlosigkeit oder ich, der Undenkbare, Unbegreifliche befreie mich aus der Besessenheit. (Der Einzige, S. 164, Hervorhebung hinzugefügt).

Stirner will sich nicht am „Logos“ abarbeiten, ihn entwickeln oder sonstwas, sondern einen Schritt darüber hinaus ins „Unsagbare“ tun (Der Einzige, S. 201): Selbstregulation, während die Philosophie für Regulation steht – „die Stimme des Gewissens“. Deshalb sollte man zu viel Achtung vor der „Intellektualität“, vor dem Denken, von sich weisen. Stirner:

Dies Letzte nun, das Denken selbst zu einer Sache des egoistischen Beliebens, einer Sache des Einzigen, gleichsam zu einer bloßen Kurzweil oder Liebhaberei zu machen und ihm die Bedeutung, „letzte entscheidende Macht zu sein“, abzunehmen, diese Herabsetzung und Entheiligung des Denkens, diese Gleichstellung des gedankenlosen und gedankenvollen Ich’s, diese plumpe, aber wirkliche „Gleichheit“ – vermag die Kritik nicht herzustellen, weil sie selbst nur Priesterin des Denkens ist und über das Denken hinaus nichts sieht als – die Sündflut. (Der Einzige, S. 166, Hervorhebung hinzugefügt)

Wenn Stirner gegen das „Heilige“ angeht, dann meint er bornierte, in sich verpanzerte Unaufgeschlossenheit – und nicht irgendwelche spontan aufkommenden natürlichen und alles andere als bornierten Gefühle, die man gegenüber seiner Geliebten, seinen Kindern, seinen Eltern, etc. hegt. Die Unaufgeschlossenen sind Besessene, die „gleich Brutus“, z.B. das natürliche Vatergefühl zu ersticken trachten (Parerga, S. 143) – für irgendwelche hehren Ideen. Nicht natürliche Gefühle will Stirner desavouieren, sondern alles, was keine spontane Sache des Herzens ist.

Stirners „Utopie“ ist der „unsittliche“ Naturzustand, der sich spontan ergibt, wenn Mensch auf Mensch trifft, ohne daß irgendwelche „heiligen“ Instanzen zwischen sie treten. Wie wir gesehen haben, ist dieser „Naturzustand“ nicht im platten Sinne „natürlich“, d.h. er fällt dem Menschen nicht in den Schoß, sondern beinhaltet neben angeborenen Instinkten, auch Wissen, das sich quasi in einen „Trieb“ verwandelt hat – „den Instinkt des Geistes, in ein bewußtloses Wissen, von dem sich jeder wenigstens eine Vorstellung zu machen vermag, wenn er es damit vergleicht, wie so viele und umfassende Erfahrungen bei ihm selbst in das einfache Gefühl sublimiert wurden, das man Takt nennt: alles aus jenen Erfahrungen gezogene weitläufige Wissen ist in ein augenblickliches Wissen konzentriert, wodurch er im Nu sein Handeln bestimmt“ (Parerga, S. 93).

Wie Reich ausgeführt hat, ist die Welt des Mechanisten wie tot, es ist unlebendig. In ihr ist alles determiniert, es gibt keinen Platz für das Schöpferische. Die Welt des Mystizismus ist genauso starr: „es lebt nichts als das Gespenst“. Anders ist es im Animismus, für den die Welt lebendig ist. Entsprechend spricht Stirner davon, daß die „Alten“, „die überall Götter sahen“, nicht wie die „Neuen“ (die Christen mit ihrer Mystik) zu Geistern, d.h. zu bloßen Gespenstern beteten, denn die heidnischen „Götter setzen die Welt nicht zu einem Schein herab und vergeistigen sie nicht“ (Der Einzige, S. 37). Im orgonomischen Funktionalismus begreift der Mensch die Zusammenhänge auch intellektuell und kann sie praktisch angehen: er nimmt die Welt in Besitz.

Alle gesellschaftlichen Gebilde, die man auf dem Papier entwerfen kann, sind rein „mechanische Zusammensetzungen“. Gegen diese „abstrakten, leblosen Einheiten“ steht die lebendige Interaktion der sich befreienden Einzelnen (Der Einzige, S. 252-254). Ihr Verkehr bildet den „flüssigen“ Verein, während Gebilde wie der Staat (status) mechanisch starr sind (Der Einzige, S. 246). Der Verein ist im übrigen auch die heimliche Grundlage unserer kapitalitischen Wirtschaft: „(…) das Geld ist eine Ware, und zwar ein wesentliches Mittel oder Vermögen. Denn es schützt vor der Verknöcherung des Vermögens, hält es im Fluß und bewirkt seinen Umsatz. Wißt Ihr ein besseres Tauschmittel, immerhin; doch wird es wieder ein ‚Geld‘ sein“ (Der Einzige, S. 305).

Der Sozialismus, die Gesellschaft, der Staat oder die „Partei“ ist der „tote Verein, eine fix gewordene Idee“ (Der Einzige, S. 260), der „Leichnam des Vereins“ (Der Einzige, S. 342) der roboterhaft seinen vorgefaßten Vorurteilen bzw. willkürlichen Schnellurteilen folgt (das besagte „reine Denken“ der Narren). Genauso wie ein Mensch, der sich nicht selbst fühlt, nur eine Maschine ist (Parerga, S. 30), fühlt sich auch die Gesellschaft nicht selbst. Die „Gesamtmasse“ handelt genauso willkürlich wie der von der Interaktion abgetrennte „vereinzelte Einzelne“ (Parerga, S. 276). Die Masse ist dumm und verantwortungslos. Objektiv, bzw. „unparteiisch“ kann nur der Egoist nicht der „Parteigänger“ sein (Der Einzige, S. 260). Einzig und allein der souveräne und großzügige Egoismus des Einzelnen kann die Gesellschaft befrieden, während der „zurückgehaltene Egoismus“ der „ungeständigen Egoisten“ die Gesellschaften in ewigen Konflikten zerreißt: „Besessene in ihrem Glauben sind sie zugleich unbesessen von dem Glauben der Gegner, d.h. sie sind gegen diesen Egoisten“ (Der Einzige, S. 165).

Max Stirner, Soter (Teil 23)

25. August 2025

Äußere Gesetze kann man hinnehmen, wie man die Schwerkraft hinnimmt, aber die Menschheitsbeglücker wollen den „neuen Menschen“ schaffen, der Ideale verinnerlicht hat – und somit seine Eigenheit verloren hat. Stirner geht es weniger um abstrakte libertinistische „Freiheit“, sondern, da es z.B. immer eine beliebige Straßenverkehrsordnung geben muß, um die Eigenheit – die auch (oder sogar grade) die Hyperlibertinisten bei den Kindern brechen wollen, damit eine „freiheitliche“ Gesellschaft funktionieren könne (vgl. Der Einzige, S. 343f). Es gilt die Originalität und „Genialität“, die „bestimmte Eigenheit“ (Der Einzige, S. 179f) der Kinder aktiv zu unterstützen (nicht nur zu „tolerieren“), auf daß sie die natürliche Gesellschaft der Familie verlassen und mit anderen Vereine bilden können – die nicht sterben, d.h. zu Karikaturen der natürlichen Gesellschaft werden. Etwa die „Volksgemeinschaft“ als große Familie, wo sich dann, wie von Reich beschrieben, der Massenmensch mit dem Führer identifiziert.

Da ihm die innere Beherrschtheit durch irrationale kollektive Ideen der Menschen, also deren Freiheitsunfähigkeit, bewußt war, konnte Stirner kein Anarchist sein. Im allgemeinen wird er wohl als solcher verbucht, aber er argumentierte, wie die Todfeinde des Anarchismus von jeher über „den Pöbel“ gerichtet haben: „Weil in der Gesellschaft sich die drückendsten Übelstände bemerkbar machen, so denken besonders die Gedrückten, also die Glieder aus den unteren Regionen der Sozietät, die Schuld in der Gesellschaft zu finden, und machen sich’s zur Aufgabe, die rechte Gesellschaft zu entdecken. Es ist das nur die alte Erscheinung, daß man die Schuld zuerst in allem Anderen als in sich sucht; also im Staate, in der Selbstsucht der Reichen usw., die doch gerade unserer Schuld ihr Dasein verdanken“ (Der Einzige, S. 129). Konsequent will der angebliche „Anarchist“ Stirner keine Revolution, die auf neue Einrichtungen zielt, sondern die „Empörung“, die dahin führt, „Uns nicht mehr einrichten zu lassen, sondern Uns selbst einzurichten“ (Der Einzige, S. 354).

Für ihn haben die Unterdrückten keinerlei Recht auf Freiheit – „weil sie die Freiheit nicht haben, haben sie eben das Recht dazu nicht“. Sie wüßten die Freiheit nicht zu nutzen, wenn man sie ihnen geben würde – und deshalb sind sie nicht schon längst frei (Der Einzige, S. 207). „Betragt Euch als mündig, so seid Ihr’s ohne jene Mündigsprechung, und betragt Ihr Euch nicht darnach, so seid Ihr’s nicht wert, und wäret auch durch Mündigsprechung nimmermehr mündig.“ (Der Einzige, S. 185). Dies ist exakt der gleiche Gedanke, der auch hinter Reichs soziopolitischen Auffassungen und seinem Kampf gegen die verantwortungslose „Freiheitskrämerei“ steht. Beide Männer hatten die gleiche Lösung für das menschliche Dilemma: die Kinder von Anfang an so zu erziehen, daß sie freiheitsfähig werden, bzw. bleiben, bis sich die Menschheit nach einigen Generationen ganz von der Unfreiheit befreit hat. Doch anstatt diesen bequemen Weg zu beschreiten, der ja größtenteils im Unterlassen besteht, greifen wir, von willkürlichen Erziehungsideen angestachelt, ständig ein. Wo doch die eigene „egoistische“ Freiheit zwangsläufig die Freiheit der anderen, insbesondere aber der Kinder nach sich ziehen würde.

Reich hat gegen die willkürlichen Meinungen, z.B. wie Kinder zu erziehen seien oder was gesund sei, die objektive Autorität der nachweisbaren Lebensenergie Orgon gestellt. Diese „objektive Autorität“ des Orgons steht nicht im Gegensatz zur persönlichen „Eigenheit“, von der Stirner sprach, sondern ist sozusagen ihre Substanz – die Natur des Menschen, sein Kern, frei nach Friedrich Kraus die spontan (eigen) funktionierende „Tiefenperson“. Das Orgon ist also keine externe Autorität, der sich die Eigenheit anzupassen, der sie sich zu opfern hat, sondern diese Eigenheit selbst.

Daß die Menschen dieser Identität nicht gewahr werden; ihre Unwissenheit und Kontaktlosigkeit, ist für das religiöse Empfinden, für das „Heilige“ verantwortlich. Bei Menschen, die beten, zeigt sich diese „schizophrene“ Spaltung ganz deutlich, denn stets steht ein Wunsch im Mittelpunkt: die Sehnsucht nach Wiedervereinigung mit dem göttlichen Widerpart. Aus dem beschränkten weltlichen, aller Eigenheit entblößtem Ich, soll das entschränkte, göttliche, „eigentliche“ Ich werden.

Wie Reich 1941 schrieb, konnte der Mensch, der von jeher das kosmische Orgon in sich spürte, sich nur als Objekt und Werkzeug dieser Macht empfinden – der er sich gerne unterwarf, da sie ihm orgastische Erfüllung schenkte. Dies erkläre, warum sich der Mensch so gerne und widerstandslos religiösen Gefühlen hingibt. Erst er, Reich, sei weitergegangen und habe diese Energie, die bisher als unerkennbarer Gott mystifiziert wurde, wissenschaftlich zugänglich und handhabbar gemacht. Erst er, Reich, habe die Angst vor dem Numinosen, dem Tabu, dem Heiligen überwunden (Reich: Biophysical Functionalism and Mechanistic Natural Science, International Journal of Sex-Economy and Orgone Research 1(2), July 1942, S. 97-107).

Wir ersticken in der Mystifikation dessen, was die Quelle unserer Existenz ausmacht, was uns selbst ausmacht. In einem ähnlichen Sinne, wie Reich, wollte auch Stirner die Welt „entheiligen“, denn „alles Heilige ist ein Band, eine Fessel“ (Der Einzige, S. 237). Wir ersticken in der Mystifikation dessen, was die Quelle unserer Existenz ausmacht, was uns selbst ausmacht. Die Aufklärung, d.h. die restlose Entzauberung der Welt, hat noch nicht einmal ansatzweise begonnen. Wohin die Pseudo-Aufklärung geführt hat, gegen die sich Stirner wandte, zeigt sich heute mehr denn je ganz praktisch daran, daß die Entscheidungsträger jedweden Sinn für die Realität verloren haben und ausschließlich in ideologischen Blasen leben – und entsprechend dieses Land zerstören. Stirner befreit davon und ist deshalb aktueller als jemals zuvor.

Was würdet Ihr aber denken, wenn Euch Einer erwiderte: daß man auf Gott, Gewissen, Pflichten, Gesetze usw. hören solle, das seien Flausen, mit denen man Euch Kopf und Herz vollgepfropft und Euch verrückt gemacht habe? Und wenn er Euch früge, woher Ihr’s denn so sicher wißt, daß die Naturstimme eine Verführerin sei? Und wenn er Euch gar zumutete, die Sache umzukehren, und geradezu die Gottes- und Gewissensstimme für Teufelswerk zu halten? Solche heillose Menschen gibt’s; wie werdet Ihr mit ihnen fertigwerden? Auf eure Pfaffen, Eltern und guten Menschen könnt Ihr Euch nicht berufen, denn die werden eben als eure Verführer von jenen bezeichnet, als die wahren Jugendverführer und Jugendverderber, die das Unkraut der Selbstverachtung und Gottesverehrung emsig aussäen, die jungen Herzen verschlämmen und die jungen Köpfe verdummen. (Der Einzige, S. 179)

Email [Charakteranalyse und das LSR-Projekt] 2009

24. August 2025

Email [Charakteranalyse und das LSR-Projekt] 2009

Max Stirner, Soter (Teil 22)

20. August 2025

Sittlichkeit ist Grundlage der Gesellschaft von Menschen. Egoismus die des „Vereins von Ichen“ (Der Einzige, S. 196). In der Gesellschaft darf ich nicht ich selbst sein, darf nicht authentisch sein, sondern muß ein anderer sein (Der Einzige, S. 233), d.h. ich muß sittlich sein (Der Einzige, S. 196). Diese „heiligen“ Gebilde hält nämlich der Glaube, die Ideologie (im Nationalsozialismus „das Blut“) zusammen, die aus dem Einzelnen ein bloßes Exemplar macht und ihn so seiner Einzigkeit beraubt: sie existieren auf Kosten des „Einzigen“ (Der Einzige, S. 349), seine Demut ist ihre Lebensgrundlage. Das neue Fundament des Zusammenlebens im Verein hingegen ist schlicht bioenergetischer Kontakt! „Nur wenn Ihr einzig seid, könnt Ihr als das, was Ihr seid, miteinander verkehren“ (Der Einzige, S. 148).

Stirner unterscheidet zwischen „Selbstbefreiung“ und „Emanzipation“ (Freisprechung, Freilassung). Wer das letztere verlangt, zeigt damit, wie unmündig er ist. Und wer mündig ist – der nimmt sich die Freiheit (Der Einzige, S. 185). Stirner ist also alles andere als ein unrealistischer Utopist, zumal die ersehnte Welt, die aus Vereinen von Egoisten besteht, schon jetzt alltäglich funktioniert – entsprechend Reichs „Utopie“ von der Arbeitsdemokratie. Einem seiner Kritiker, der ihm Utopismus vorwarf, entgegnete Stirner:

Sähe Heß [der besagte Kritiker] das wirkliche Leben, worauf er doch soviel hält, aufmerksam an, so würde er hunderte von solchen teils schnell vorübergehenden, teils dauernden egoistischen Vereinen vor Augen haben. Vielleicht laufen in diesem Augenblicke vor seinem Fenster Kinder zu einer Spielkameradschaft zusammen; er sehe sie an und er wird lustige egoistische Vereine erblicken. Vielleicht hat Heß einen Freund, eine Geliebte; dann kann er wissen, wie sich das Herz zum Herzen findet; wie ihrer zwei sich egoistisch vereinen, um aneinander Genuß zu haben, und wie keiner dabei „zu kurz kommt“. Vielleicht begegnet er ein paar guten Bekannten auf der Straße und wird aufgefordert, sie in ein Weinhaus zu begleiten; geht er etwa mit, um ihnen einen Liebesdienst zu erweisen, oder „vereint“ er sich mit ihnen, weil er sich Genuß davon verspricht? Haben sie sich wegen der „Aufopferung“ schönstens bei ihm zu bedanken, oder wissen sie’s, daß sie zusammen auf ein Stückchen einen „egoistischen Verein“ bildeten? Freilich wird Heß es diesen trivialen Beispielen nicht ansehen, wie inhaltsschwer und wie himmelweit verschieden sie von den heiligen Gesellschaften, ja von der „brüderlichen, menschlichen Gesellschaft“ der heiligen Sozialisten sind. (Parerga, S. 204)

Stirner führt, im Gegensatz zum späteren Marx, die kapitalistische Herrschaft auf den Staat zurück. Alles beruht auf „Rechtstitel“ (Der Einzige, S. 125). Man vergleiche das mit Reichs Diktum, daß die Politik der Hauptfeind ist. Reichs Konzept der Arbeitsdemokratie in der Form, wie er es Ende der 1930er Jahre formulierte, ist praktisch identisch mit Stirners Konzept des Vereins, wobei Stirner nicht nur kein Sozialist, sondern auch kein „Kapitalist“ ist:

(…) die Konkurrenz (…) hat (…) gerade dadurch Bestand, daß nicht Alle sich ihrer Sache annehmen und sich über sie miteinander verständigen. Brot ist z.B. das Bedürfnis aller Einwohner einer Stadt; deshalb könnten sie leicht übereinkommen, eine öffentliche Bäckerei einzurichten. Statt dessen überlassen sie die Lieferung des Bedarfs den konkurrierenden Bäckern. Ebenso Fleisch den Fleischern, Wein den Weinhändlern usw.

Die Konkurrenz aufheben heißt nicht soviel als die Zunft begünstigen. Der Unterschied ist dieser: In der Zunft ist das Backen usw. Sache der Zünftigen; in der Konkurrenz Sache der beliebig Wetteifernden; im Verein Derer, welche Gebackenes brauchen, also meine, diese Sache, weder Sache des zünftigen noch des konzessionierten Bäckers, sondern Sache der Vereinten.

Wenn Ich Mich nicht um meine Sache bekümmere, so muß Ich mit dem vorlieb nehmen, was Andern Mir zu gewähren beliebt. Brot zu haben, ist meine Sache, mein Wunsch und Begehren, und doch überläßt man das den Bäckern, und hofft höchstens durch ihren Hader, ihr Rangablaufen, ihren Wetteifern, kurz ihre Konkurrenz einen Vorteil zu erlangen, auf welchen man bei den Zünftigen, die gänzlich und allein im Eigentum der Backgerechtigkeit saßen, nicht rechnen konnte. – Was Jeder braucht, an dessen Herbeischaffung und Hervorbringung sollte sich auch Jeder beteiligen; es ist seine Sache, sein Eigentum, nicht Eigentum des zünftigen oder konzessionierten Meisters. (Der Einzige, S. 306)

Es ist einfach verblüffend zu sehen, wie aktuell Stirners Buch nach über 180 Jahren noch ist: seine Kritik am Kapitalismus und am Kommunismus (er schreibt so, als wäre ihm der Marxismus schon präsent – nun, er war es in Gestalt all der kommunistischen Theoretiker, die Stirner vor Augen hatte und von denen Marx fleißig abschrieb) und dann nimmt er noch den späten Nietzsche vorweg, indem er z.B. den dreifaltigen Liberalismus auf das Christentum zurückführt: „So kehrt in diesem Ende der Neuzeit (Zeit der Neuen) als Hauptsache wieder, was im Anfang derselben Hauptsache gewesen war: die ‚geistige Freiheit’“ (Der Einzige, S. 142). – Stirner hat Marx und Nietzsche bereits überholt, bevor der erste Kommunist war und der zweite überhaupt aus den Windeln raus war!

Max Stirner, Soter (Teil 21)

16. August 2025

Die Auflösung der Gesellschaft ist der Verkehr oder Verein. Der Verein ist „die eigen gewollte Einheit“ (Der Einzige, S. 254). Den Verein kann man genausowenig auf den Begriff bringen wie den Einzigen: beides sind keine fixen „Gedanken“, sondern stehen jenseits davon, d.h. sind „bestimmungsloses“ Leben (Parerga, S. 202). „Der Verein ist nur dein Werkzeug oder das Schwert, wodurch Du deine natürliche Kraft verschärfst und vergrößerst; der Verein ist für Dich und durch Dich da, die Gesellschaft nimmt umgekehrt Dich für sich in Anspruch und ist auch ohne Dich; kurz die Gesellschaft ist heilig, der Verein dein eigen: die Gesellschaft verbraucht Dich, den Verein verbrauchst Du“ (Der Einzige, S. 351). Stirners Ziel ist „die Anarchie, die Gesetzlosigkeit, die Eigenheit“ (Der Einzige, S. 115), weshalb er gegen die Liberalen war mit ihrer Tyrannei der Vernunft, denn die vertragen „keine Ungezogenheit und darum keine Selbstentwicklung und Selbstbestimmung“ (Der Einzige, S. 116).

Wird durch eine Gesellschaft nur meine Freiheit beschränkt, dann ist sie tatsächlich ein „Verein“, wird aber meine Eigenheit beschränkt, so ist die Gesellschaft „eine Macht für sich, eine Macht über Mir, ein von Mir Unerreichbares, das Ich zwar anstaunen, anbeten, verehren, respektieren, aber nicht bewältigen und verzehren kann, und zwar deshalb nicht kann, weil Ich resigniere. Sie besteht durch meine Resignation, meine Selbstverleugnung, meine Mutlosigkeit, genannt – Demut. Meine Demut macht ihr Mut, meine Unterwürfigkeit gibt ihr die Herrschaft“ (Der Einzige, S. 343f).

Allerdings entsteht auch durch Verein eine Gesellschaft, aber nur wie durch einen Gedanken eine fixe Idee entsteht, dadurch nämlich, daß aus dem Gedanken die Energie des Gedankens, das Denken selbst, diese rastlose Zurücknahme aller sich verfestigenden Gedanken, verschwindet. Hat sich ein Verein zur Gesellschaft kristallisiert, so hat er aufgehört, eine Vereinigung zu sein; denn Vereinigung ist ein unaufhörliches Sich-Vereinigen; er ist zu einem Vereinigtsein geworden, zum Stillstand gekommen, zur Fixheit ausgeartet, er ist – tot als Verein, ist der Leichnam des Vereins oder der Vereinigung, d.h. er ist – Gesellschaft, Gemeinschaft. Ein sprechendes Exempel dieser Art liefert die Partei. (Der Einzige, S. 342)

Man darf den Verein nicht einfach nur als ein einseitiges Instrument betrachten, mit dem der Einzelne seine Mittel multipliziert (Der Einzige, S. 287) und sich dergestalt in eine gottgleiche Position bringt, vielmehr beruht der Verein in einer Welt, in der nichts mehr heilig ist, notwendigerweise auf Gegenseitigkeit, d.h. dem Verkehr zwischen Einzigem und Einzigem zu beiderseitigem Genuß; ein Verkehr gegen den sich die ach so soziale Gesellschaft wehrt, da er ihre Heiligkeit untergräbt (Der Einzige, S. 240f). „Verkehr ist Gegenseitigkeit“, während Gesellschaft nur eine von außen definierte rein mechanische Anordnung ist, – die durch den Verkehr zwischen Einzelnen nur gestört wird. Der wirkliche, d.h. persönliche Verkehr ist vollkommen unabhängig von der Gesellschaft (Der Einzige, S. 239f). In der Gesellschaft darf der Mensch „nicht unbekümmert mit dem Menschen verkehren, nicht ohne ‚höhere Aufsicht und Vermittlung‘“ (Der Einzige, S. 249). „Statt das Volk frei machen zu wollen, hätte er auf die einzig realisierbare Freiheit, auf die seinige, bedacht sein sollen“ (Der Einzige, S. 252). „Aber die Eigenheit, die will Ich Mir nicht entziehen lassen. Und gerade auf die Eigenheit sieht es jede Gesellschaft ab, gerade sie soll ihrer Macht unterliegen“ (Der Einzige, S. 343).

In was für einem Ausmaß wir in einer luftleeren, gespenstischen Scheinwelt leben, in der wir zu ersticken und zu erfrieren drohen, kann man sich an der „Liebe“ vergegenwärtigen: wir lieben nicht etwa, um in ihr unseren Genuß zu finden, sondern aus edler Uneigennützigkeit. Wenn es unser Gegenüber mit uns ebenso macht – „hätten wir das ideale Paar einer Narrenehe: zwei Menschen, die sich in den Kopf gesetzt haben, ohne sich selbst im anderen zu genießen, aus purer Aufopferung eines das andere zu lieben“ (Parerga, S. 221). Noch schlimmer als diese „Liebe“ zwischen altruistischen Irrenhäuslern, ist die „coole“ machiavellistische Manipulation von „Liebe“, wie sie in der westlichen Magie und im östlichen Tantra gelehrt wird und gerade en vogue ist: sie beruht auf den „yogischen“ Verzicht des Selbstgenusses, d.h. Sexualität soll in Macht transformiert werden.

Nur dem Besessenen und Unechten kann Stirner als „autistisch“ und herzlos erscheinen – in Wirklichkeit ist es derjenige, der aus der lebendigen Liebe eine nekrophile Farce macht: derjenige der von der Gesellschaft, der Familie, der Gemeinschaft schwärmt. (Vgl auch Reich über „sexuelle Dauerbeziehung“ und „ewigwährende Zwangsehe“ in Die sexuelle Revolution: dem Katholiken ist das erstere ein herzloser, autistischer, „ironistisch-nihilistischer“ Graus – dem „Reichianer“ ganz entsprechend das letztere.)

Es ist immer das gleiche: statt sich und das Leben zu genießen, opfert man sich und das Leben irgendwelchen Chimären (Der Einzige, S. 361). Stirner geht es einzig und allein um eben diesen egoistischen Selbstgenuß, – weshalb die Gemeinschaft und die Liebe sein Element sind. Konsterniert frägt er seine Kritiker, die ihm „lieblosen Egoismus“ vorhalten, was an der Isoliertheit eigentlich „egoistisch“ sein solle. Was um alles in der Welt sei daran egoistisch, auf den Genuß der Geselligkeit und der Liebe zu verzichten? (Parerga, S. 180). „Wer einen Menschen liebt, ist um diese Liebe reicher als ein anderer, der keinen liebt; aber ein Gegensatz von Egoismus und Nicht-Egoismus ist darin keineswegs vorhanden, da beide nur ihrem Interesse folgen“ (Parerga, S. 181).

Max Stirner, Soter (Teil 20)

11. August 2025

Das Kind bedarf aller möglichen intellektuellen Anregungen, also „Kultur“. Man sollte es ihm jedoch selbst überlassen, was es daraus macht. „Die kindliche Eigenwilligkeit und Ungezogenheit hat so gut ihr Recht als die kindliche Wißbegierde“ (Parerga, S. 94). Doch statt neben dem Wissenstrieb auch den „Willenstrieb“ zu fördern, wird der Eigenwille des Kindes gebrochen und ihm alle möglichen Gefühle eingegeben. Gefühle der Ehrfurcht, Ehrerbietung, Untertänigkeit, Unverletzlichkeit und des Schauders gegenüber Gott, irgendwelchen Menschen und „der Moral“. Sind die Kinder dann gehörig mit „eingegebenen Gefühlen“ vollgestopft, gelten sie als mündige Bürger – auch wenn sie in Wirklichkeit zu hilflosen Tollhäuslern verbogen wurden (Der Einzige, S. 70f).

Bleiben die Menschen unverformt, tragen sie ihr Gesetz in sich selbst und leben danach (Der Einzige, S. 223), doch Jahrtausende der Kultur haben sie von ihrer eigentlichen, d.h. „egoistischen“ Natur entfremdet und in den Wahn verstrickt, sie seien zu irgend etwas „berufen“ (Der Einzige, S. 181). Der Mut, d.h. die Fähigkeit zur Empörung, wird gebrochen und so gebeugt, daß „Demut“ entsteht (Der Einzige, S. 88). Sie sollen sich „einrichten“ (Kontraktion) und buchstäblich nie mehr „aufrichten“ (Expansion) (Der Einzige, S. 354). Erziehung soll sie „vernünftig“ machen, d.h. sie sollen nicht mehr auf sich selbst hören, sondern auf die Stimme des Gewissens (Der Einzige, S. 372). Entsprechend sind die Kinder geborene gewissenlose Verbrecher, – einfach weil sie zunächst nicht wissen, was dem Volk und dem Staat, in das sie zufälligerweise hineingeboren werden, als „heilig“ gilt. „Jedes Kind ist von Geburt schon ein Verbrecher gegen das Volk, den Staat“ (Der Einzige, S. 219).

Die Frage der Erziehung ist die wichtigste, wichtiger als alle sozialen Fragen, – die auf der Erziehungsfrage ruhen (Parerga, S. 75). Die heutige Erziehung bringt den „gesunden“, will heißen normalen Charakter, den starren Homo normalis hervor, der sich gegen das Leben und das Leiden abpanzert, d.h. er wird „unerschütterlich“. Der Charakter einer Gesellschaft ist abhängig von dem Charakter ihrer Mitglieder. Es ist Stirners „Massenpsychologie des Faschismus“:

Weil es kaum Jemand entgehen kann, daß die Gegenwart für keine Frage einen so lebendigen Anteil zeigt, als für die „soziale“, so hat man auf die Gesellschaft besonders sein Augenmerk zu richten. Ja, wäre das daran gefaßte Interesse weniger leidenschaftlich und verblendet, so würde man über die Gesellschaft nicht so sehr die Einzelnen darin aus den Augen verlieren, und erkennen, daß eine Gesellschaft nicht neu werden kann, solange diejenigen, welche sie ausmachen und konstituieren, die alten bleiben. (…) Wie Du bist, so gibst Du Dich, so benimmst Du Dich gegen die Menschen: ein Heuchler als Heuchler, ein Christ als Christ. Darum bestimmt den Charakter einer Gesellschaft der Charakter ihrer Mitglieder: sie sind die Schöpfer derselben. So viel müßte man wenigstens einsehen, wenn man auch den Begriff „Gesellschaft“ selbst nicht prüfen wollte. (Der Einzige, S. 231)

Homo normalis reproduziert die gegenwärtige Gesellschaft, während der lebendige, d.h. nicht festgelegte Charakter etwas grundsätzlich Neues hervorbringen würde; etwas, was Stirner als „Verein“ bezeichnet. Der Verein ist keine fixe Formation wie der „gesunde Charakter“ oder eine „wohlgeordnete Gesellschaft“, sondern ewiger Verkehr, ein „unaufhörliches Sich-Vereinigen“ (Der Einzige, S. 342).

„Verkehr ist Gegenseitigkeit“, während Gesellschaft nur eine von außen definierte rein mechanische Anordnung ist, – die durch den Verkehr zwischen Einzelnen nur gestört wird. Die Gesellschaft wird mehr schlecht als recht von heiligen Prinzipien zusammengehalten, der Verein von dem wechselseitigen Austausch zwischen Einzelnen zu beiderseitigem Genuß; ein subversiver Verkehr gegen den sich die ach so soziale Gesellschaft wehrt, da er ihre Heiligkeit untergräbt (Der Einzige, S. 239-241).

Tatsächlich ist es so, daß, je „sozialer“ es zugeht, die Menschen um so kälter miteinander umgehen, man betrachte etwa die Auswirkungen der „Pflegeversicherung“. Oder etwa der vergangene Realsozialismus, der genau dem entsprach, wie Stirner die „Gefängnis-Gesellschaft“ beschreibt, in der jeder Verkehr unterbunden wird, da dieser direkte zwischenmenschliche Kontakt als Keimzelle eines „Komplotts“ betrachtet wird (Der Einzige, S. 240f). „Der Staat kann es nicht dulden, daß der Mensch zum Menschen in einem direkten Verhältnisse stehe; er muß dazwischentreten als – Mittler, muß – intervenieren. (…) Er reißt den Menschen vom Menschen, um sich als ‚Geist‘ in die Mitte zu stellen“ (Der Einzige, S. 282f). Ebenso kann die Gesellschaft persönliche Auseinandersetzungen („Zweikämpfe“, die keinen Dritten irgend etwas angehen) nicht zulassen, – „es sei denn, daß nicht ein Ich auf ein Du losprügele, sondern etwa ein Familienhaupt auf das Kind: die Familie ist berechtigt, und in ihrem Namen der Vater, Ich als Einziger bin es nicht“ (Der Einzige, S. 205).

Die Familie, also die ursprüngliche Gesellschaft der „natürliche Bund“ (genauso wie etwa der Stamm, die Nation, die Menschheit) ist – nicht der Verein (Der Einzige, S. 349). Stirner ist nicht so naiv, daß er von Individuen ausgeht, die sozusagen in die Welt fallen, von Natur aus selbständig handeln können und dann aus rationalem Kalkül zueinanderfinden. Vielmehr ist die Gesellschaft der Naturzustand; eine „Natur“, die ausreichend Mutterboden für die Entfaltung der Individuen bietet.

Nicht die Isoliertheit oder das Alleinsein ist der ursprüngliche Zustand des Menschen, sondern die Gesellschaft. Mit der innigsten Verbindung beginnt unsere Existenz, da Wir schon, ehe Wir atmen, mit der Mutter zusammenleben; haben Wir dann das Licht der Welt erblickt, so liegen Wir gleich wieder an der Brust eines Menschen, seine Liebe wiegt Uns im Schoße, leitet Uns am Gängelbande und kettet Uns mit tausend Banden an seine Person. Die Gesellschaft ist unser Natur-Zustand. Darum wird auch, je mehr Wir Uns fühlen lernen, der früher innigste Verband immer lockerer, und die Auflösung der ursprünglichen Gesellschaft unverkennbarer. Die Mutter muß das Kind, welches einst unter ihrem Herzen lag, von der Straße und aus der Mitte seiner Spielgenossen holen, um es wieder einmal für sich zu haben. Es zieht das Kind den Verkehr, den es mit Seinesgleichen eingeht, der Gesellschaft vor, in welche es nicht eingegangen, in der es vielmehr nur geboren ist. (Der Einzige, S. 342)

Die drei Faktoren der 2020er Jahre

28. Juli 2025

Bei meiner heutigen Fahrradtour, übrigens in Winterkleidung, durch den reichen Grüngürtel im Norden Hamburgs ist mir aufgefallen, wie viele traumhaft gelegene Häuser zum Verkauf stehen. Die letzte prosperierende Generation in diesem dem Untergang geweihten Scheißloch von linksversifften Land stirbt weg. Ich fantasierte vor mich hin, wenn ich denn Geld hätte, wie schön es wäre ein solches Haus zu kaufen, – und schon stieg eine schier unbändige gleißende Wut in mir hoch. Diese Häuser kann man nicht kaufen, denn dieser Staat ist absolut unberechenbar. Das reicht von Heizung- und Energievorgaben über die Grundsteuer bis hin zu immer absurderen Auflagen etwa für die Müllentsorgung, das Abstellen des eigenen Autos etc.pp. „Unsere“ Demokratie sorgt dafür, daß das Individuum und kleine Firmen praktisch null Planungssicherheit haben. Und mit einiger Sicherheit wird bald in der Nähe ein Asylantenheim hingestellt, was das Haus vollkommen wertlos machen und ohnehin mein Leben in dieser vormaligen Idylle in eine scheiß Hölle verwandeln wird. Auf die Polizei kann man sich nicht mehr verlassen und die gesamte Infrastruktur nähert sich DDR-Verhältnissen. Die Steuern steigen ohne jedwede adäquate Gegenleistung. Und wenn du dich wehrst, bist du ein Feind „unserer“ Demokratie. Drei denkbar harmlose Worte („für“ „alles“, „D……land“) bringen dich in den Knast, während der Vergewaltiger deiner Tochter frei herumläuft und dich bedroht. Der Staat verkommt zu einer Institution des blanken Roten Terrors. Fast zu 100% organisiert von genau jener Klasse reicher Erben, die jetzt die Häuser ihrer Eltern und Großeltern verkaufen wollen. Und, ja, ich kenne den typischen einfach nur verachtenswerten Grünen und modernen Sozialdemokraten nur allzugut! Dieses gottverfluchte Parasitenpack kann mich nicht verarschen.

Von oben wurde der Gesellschaftsvertrag gekündigt, d.h. wir zahlen Steuern und erhalten als Gegenleistung einen Tritt in die Eier. Gleichzeitig wurde ab 2020 („Wir impfen euch alle!“) nicht nur das Gehirn jener, die so dumm waren, für ein Linsengericht bzw. eine Bratwurst ihr Erbrecht zu verscherbeln, mittels Lipidnanopartikel und modRNA irreparabel lobotomiert, so daß sie kaum noch unabhängig denken können. Hinzu kommt, daß sie durch „social distancing“ und „home office“ in die soziale Isolation getrieben wurden und die Gesellschaft endgültig atomisiert wurde, so daß von einer sich noch vielleicht noch wehren könnenden „Gesellschaft“ gar keine Rede mehr sein kann. Das Smartphone tat ein Übriges. Man fahre mit einem beliebigen öffentlichen Verkehrsmittel. Wirklich alle starren auf ihr Smartphone und keiner ist mehr wirklich da. Wenn irgendwas passiert, etwa ein Unfall, ist es, als würden die Menschen einen Film sehen. Sie zücken ihr Smartphone und filmen, wie jemand um sein Leben kämpft. Niemand kommt auf den Gedanken einzugreifen, denn das wäre, als würde man in das Geschehen eingreifen wollen, das sich auf einer Kinoleinwand oder einem Bildschirm ereignet. Schizoide Digitalzombies!

Nach der Zerstörung der Arbeitsfunktion und Herstellung kompletter Kontaktlosigkeit (in jeder Bedeutung des Wortes!) kommt als dritter Faktor die systematische Zerstörung der Genitalität hinzu. Fahre ich in eine andere Stadt, ist der ICE mit Regenbogenfarben geschmückt, ich betrete die Stadt über einen Regenbogenzebrastreifen, die Laternenmasten des Bahnhofsvorplatzes und der angrenzenden Straßen sind mit Regenbogenfolien umwickelt und vor jedem Geschäft prangt eine Regenbogenfahne. Habe ich gaaanz großes Pech, gerate ich in eine gigantische CSD-Parade, wo jeder sich dafür feiert, daß er ein ekelhafter sexuell degenerierter Perversling ist. Das alles scheint niemandem aufzufallen oder zu stören. Das ganze ist so unbeschreiblich und alle denkbaren Grenzen sprengend krank und schlichtweg beknackt! Es ist so, als würden wir alle ins Wasserwerk gehen und in unser Trinkwasser pissen, scheißen und kotzen und uns dann dafür gegenseitig feiern! Der Ursprung und Kern unserer Existenz wird verhöhnt, beschmutzt und zerstört und dabei die eine große Ursünde, der Stolz, der Luzifer zu einem gefallenen Engel machte, gefeiert. Und am Rande des Geschehens schmücken die sich vor Begeisterung gar nicht mehr einkriegenden Pfaffen in ihren Kirchen ihre Roben mit Regenbogenschals. Es ist, als wäre ich in einen surrealen unbeschreiblich abgefeimten und geschmacklosen apokalyptischen SciFi-Horrorfilm geraten.

Barbara G. Koopman: Der Aufstieg des Psychopathen (3. Drittel)

13. Juli 2025

Barbara G. Koopman: Der Aufstieg des Psychopathen (3. Drittel)