Posts Tagged ‘Lebensenergie’

Orgontherapie 2026 (Teil 2)

17. Januar 2026

Ich habe mit mehreren Orgontherapeuten und „Orgonpatienten“ darüber gesprochen: Orgontherapie über eine Videokamera ist möglich. Damit fällt (mal abgesehen von den Finanzen!) jedwede Ausrede weg, sich keiner Orgontherapie lege artis zu unterziehen.

Man begegnet immer wieder Leuten, die sich der „Selbstbefreiung“ verschrieben haben und sich deshalb niemals einem (Orgon-) Therapeuten aussetzen würden. Wie Münchhausen wollen sie sich selbst am Schopf packen und aus dem Sumpf ziehen. Ihr Denkfehler liegt darin, daß, wenn sie sich selbst aus ihrer Neurose befreien könnten, sie gar nicht neurotisch wären!

Immerhin kommen sie der Wahrheit ziemlich nahe, denn es gäbe für ihre langfristige seelische Gesundheit kaum etwas verheerenderes als aktionistische Therapeuten, die sie mit allen möglichen Techniken, insbesondere „körpertherapeutischen“ Interventionen, von außen befreien wollen. Derartige „Erziehungsdiktaturen“ mögen oberflächlich betrachtet zu einer Verbesserung führen, doch tatsächlich wird so die Unfähigkeit zur Selbstregulation nur noch tiefer verankert. Deshalb sind „Orgontherapeuten“, die an ihren Patienten eine „körpertherapeutische“ Intervention nach der anderen ausführen, ihnen eine Vorgabe nach der anderen machen, in Wirklichkeit das Gegenteil von Orgontherapeuten: es sind pestilente Charaktere, die auf sadistische Weise das Lebendige drangsalieren und narzißtisch ihre angemaßte „Autorität“ genießen.

Ein richtiger Orgontherapeut macht dem Patienten klar, daß er ihn nicht „gesund machen“ kann. Oder wie mir mein erster Orgontherapeut sagte: „Die Patienten wollen immer, daß ich sie von ihrer Neurose befreie. Wie soll ich das machen? Ich bin doch kein Magier!“ Der Orgontherapeut ist kein „Führer“, der schon alle Antworten kennt und dem man nur zu folgen braucht, sondern ein, wie Reich ihn in Christusmord nannte, „Neuer Führer“, der jede Verführung „ein Führer“ zu sein, zurückweist, vielmehr nimmt er die Menschen ernst und läßt sie sich selbst retten, indem er ihnen die Verantwortung für ihr eigenes Leben auferlegt. Das macht er, indem er verhindert, daß sie ständig dem Wesentlichen ausweichen.

Ein Orgontherapie-Patient übernimmt selbst die Verantwortung für seine Gesundung – oder er ist gar kein Orgontherapie-Patient.

Man kann immer wieder beobachten, daß „Reichsche Therapie“ bei vielen einfach keine Wirkung zu zeitigen scheint. Sie bleiben irrational, werden teilweise sogar pestilent (Emotionelle Pest). Es fehlt ihnen an „Magnetismus“, vielmehr wirken sie „hohl“ und „leer“. Statt sich wohler und integrierter zu fühlen, werden sie entweder immer wehleidiger und „sensibler“. Oder sie verwandeln sich in narzißtische, blasierte Kotzbrocken, die sich einbilden „umstrukturiert“ zu sein.

Therapie macht nur Sinn, wenn man sich der Panzerung bewußt wird und sich entsprechend von innen her verändert. Solange die grundlegenden Verhaltensmuster, etwa eine alles erstickende Indifferenz, nicht bewußtgemacht werden, wird jedwede „bioenergetische“ Intervention verpuffen oder diesen Widerstand sogar noch weiter verstärken.

Heutzutage, wo der Charakterpanzer in der Struktur der Menschen immer wichtiger wird, auf die Charakteranalyse zu verzichten, d.h. es zu unterlassen, die okulare Panzerung aufzulösen, ist ein Kunstfehler. Was „Körpertherapeuten“, sogenannte „originale Reich-Therapeuten“, „Bioenergetiker“, etc. treiben, ist zutiefst reaktionär, weil sie die pathologische Tendenz der Gesellschaft zur Oberflächlichkeit nur noch weiter verstärken. „Nur nicht den Kern des Problems berühren!“

In der Orgontherapie muß Kontakt hergestellt werden und der Patient von seinen Ersatzkontakten entfremdet werden. Stattdessen bieten die „Neoreichianischen Körpertherapeuten“ Ersatzkontakt in Form von mechanischen Übungen und Massagen. Diese Therapien sind nur ein Spiegel dieser Gesellschaft: „action“ und „event“ bei Vermeidung von wirklichem bioenergetischen Kontakt.

Genauso wie der Sozialist alles von „der Gesellschaft“, d.h. dem Staat, erwartet und von der Eigenverantwortung entlastet werden will, soll der Therapeut den Patienten von außen her durch „Körperübungen“ und „Muskelmassage“ oder gar durch das „Bewegen der Lebensenergie“ heilen.

Das ist imgrunde eine mechanistische Einstellung, die sich kaum von der der „Schulmedizin“ unterscheidet. Wirkliche Veränderung kann nur Frucht von Eigenverantwortung sein. Aufgabe des Therapeuten ist es, die Selbststeuerung wieder in Gang zu bringen, d.h. den Patienten mit Verantwortung zu belasten, statt ihn zu entlasten.

Wilhelm Reich, Physiker: 2. Orgonbiophysik, e. Mechanistische Äquivalente zum Orgonenergie-Akkumulator

16. Januar 2026

Wilhelm Reich, Physiker: 2. Orgonbiophysik, e. Mechanistische Äquivalente zum Orgonenergie-Akkumulator

THE JOURNAL OF ORGONOMY: chronological index vols. 1-57 (1967-2025)

7. Dezember 2025

THE JOURNAL OF ORGONOMY: chronological index vols. 1-57 (1967-2025)

Du bist nicht Wilhelm Reich! (Teil 1)

19. Oktober 2025

Am Anfang steht das Wort. Man nehme eine Orgontherapie, auf die schließlich auch erst hingewiesen werden muß, bevor der Patient überhaupt darauf kommt, zum orgonomischen Arzt zu gehen. Es mag sein, daß es mit Reich anders gewesen ist, aber heute beginnt jedes orgonomische Experiment mit dem Nachvollzug eines überlieferten Versuchsaufbaus. Orgonomie ist wie alle Wissenschaft zunächst immer eine mündliche oder schriftliche Mitteilung. Vor der Praxis stehen Vorlesungen und Durcharbeiten von Lehrbüchern. Entsprechend ist die Qualität der wissenschaftlichen Unternehmungen von der Klarheit und Logik der Darstellung abhängig. Reich selbst hat immer wieder darauf hingewiesen, wie verheerend schludrige und unpräzise Formulierungen für die Entwicklung der Wissenschaft sind, beispielsweise in der Biologie die beiden Worte „um zu“.

Das bedeutet natürlich nicht, daß bloße Worte wichtiger wären als das Experiment und die konkrete Erfahrung. Es ist ähnlich wie eine Wegbeschreibung, die das „unsubstantiellste“ am ganzen Weg ist, an dessen Ende beispielsweise ein „Date“ stehen könnte, – aber ohne die dröge und formelhafte Wegbeschreibung wird man von vornherein hoffnungslos in die Irre gehen.

Aus funktioneller Sicht ist es eine Todsünde sich unlogisch, verworren oder so „verschwurbelt“ auszudrücken, daß einem niemand folgen kann. Nicht nur, daß eine solche Ausdruckweise die Arbeitsdemokratie unterminiert und sabotiert. Sie ist auch in einer anderen Hinsicht Emotionelle Pest (= destruktiver Irrationalismus auf dem sozialen Schauplatz), denn sie induziert bei anderen die eigene okulare Panzerung, die dadurch geradezu „ansteckend“ wird.

Bioenergetisch entspricht das ganze einer Orgontherapie, die (wenn man mal von der Mobilisierung der Atmung absieht) stets beim okularen Segment beginnt und erst am Ende zum Beckensegment und damit zum Kern der Neurose (dem Ödipuskomplex und der orgastischen Impotenz) vordringt.

Leute, die kaum einen geraden Satz formulieren können, aber gleich immer zu den „handgreiflichen“ Essentials durchdringen wollen, ähneln in ihrem Vorgehen der „Bioenergetik“ nach Alexander Lowen, bei der gleich am Anfang das Becken „mobilisiert“ wird und dadurch ein hoffnungsloses Durcheinander im Patienten hervorgerufen wird. Derartige Leute, die alle möglichen „praktische Erfahrungen“ vorweisen können, sind dann typischerweise jene, die schließlich die Orgonomie, bzw. das, was sie für „Orgonomie“ halten, mit den absurdesten mystischen Theorien anreichern.

Ein des Öfteren zu hörender Einwand lautet, die Formulierungen, mit denen die Orgonomie verbreitet wird, seien zu holzschnittartig, gar „phrasenhaft“. Dem kann man nur entgegenhalten, daß fast jede Neuformulierung der Orgonomie erfahrungsgemäß kaum mehr erzeugt als ein heilloses Durcheinander, also genau das, was ich anfangs kritisiert habe.

Die folgende Abbildung (die ausschließlich im Zusammenhang mit diesem Blogeintrag Sinn macht!!) illustriert das gesagte:

In der korrekten Vermittlung der Orgonomie, die dem eingezeichneten Pfeil folgt, steht eine möglichst klare Erklärung am Anfang (Orgonometrie). Darauf folgt die Bobachtung der Erscheinungen, auf die man aufmerksam gemacht wurde, woran sich der Nachvollzug der Experimente anschließt (quantitative Orgonometrie), was schließlich im qualitativen Nachvollzug mündet. Am Anfang wird man auf die Orgonenergie hingewiesen, an Ende weiß man, daß sie existiert. Steht am Anfang chaotische Fehlinformation, kann es diese Erfahrung nie und nimmer geben.

Da die Menschen heute nun mal so sind, wie sie sind, nämlich gepanzert, kann die umgekehrte Entwicklung, die Reich selbst genommen hat, von vagen Ahnungen einer „psychischen Energie“ hin zu wildem „Herumprobieren“ nur zu entstellten mystischen Formulierungen führen. Der übliche Unsinn, der über die Lebensenergie verbreitet wird.

Reich selbst hat den umgekehrten Weg beschritten. Er ist aus seinem eigenen inneren Erleben in den 1920er Jahren vom Postulat einer „psychische Energie“ ausgegangen, hat in den 1930er Jahren entsprechende, anfangs „wilde“ und unsystematische, Experimente durchgeführt, die in den 1940er Jahren zu entsprechenden Beobachtungen der atmosphärischen und kosmischen Orgonenergie führten, was schließlich in den 1950er Jahren in seinen orgonometrischen Formulierungen mündete. Aber Reich war halt Reich!

Max Stirner und das Orgon

9. August 2025

Wenn Reich sein Forschungsprogramm beschreibt, gemahnt das „irgendwie“ an Max Stirner. Reich schreibt:

Die Orgonphysik geht von vollkommen neuen Beobachtungen und neuen theoretischen Annahmen aus. Von einem prinzipiellen orgonomischen Standpunkt her muß das Denken selbst als eine Funktion der Natur im allgemeinen begriffen werden. Dementsprechend müssen die Ergebnisse bloßen Denkens als sekundär gegenüber den beobachtbaren Naturfunktionen angesehen werden. Als Funktionalisten sind wir in erster Linie an beobachtbaren Naturfunktionen interessiert; von da aus gelangen wir zu den Funktionen des menschlichen Denkens mittels der emotionalen (bioenergetischen) Funktionen im beobachtenden Menschen. Solange die beobachtbare Natur nicht den Ausgangspunkt für menschliches Denken bildet, und mehr noch, solange die Funktion des Denkens selbst nicht logisch und konsistent aus den beobachtbaren Naturfunktionen im Beobachter selbst abgeleitet wird, solange stellen sich gegenüber allen Resultaten bloßen Denkens, das nicht durch Beobachtung gestützt ist, grundlegende methodologische und faktische Fragen. (Äther, Gott und Teufel, S. 150f)

Mit „bloßem“, von den tatsächlichen Naturvorgängen abweichendem Denken meint Reich offensichtlich zweierlei: erstens ein Denken, das indirekt und eines das direkt fremdbestimmt ist. Bei ersterem handelt es sich um „gepanzertes Denken“, d.h. ein Denken, das auf das durch die Erziehung entstellte Funktionieren des Organismus zurückgeht, wobei die Eltern als Einflußagenten der Gesellschaft fungieren. Beim direkt fremdbestimmten Denken geht es um die unhinterfragte Übernahme der Meinungen von Autoritäten unabhängig von der Wirklichkeit, d.h. statt selbst zu beobachten und selbst zu forschen. Man folgt dem „Über-Ich“, weil man die gesellschaftlichen Vorgaben verinnerlicht hat und durch diese charakterstrukturell umgeformt wurde. Tierarten existieren, weil sie ihre Umwelt richtig wahrnehmen und sich entsprechend anpassen, sonst wären sie schon längst ausgestorben. Homo sapiens hingegen taumelt dem Untergang entgegen, da er weitgehend blind und verkrüppelt ist und irgendwelchen wirklichkeitswidrigen Wahngebilden hinterher tappt, statt auf den Weg zu achten. Er ist mit dem Kopf in den Wolken des „bloßen Denkens“.

Ansonsten haben der Stirnersche Eigner/Einziger und Reichs Orgon formal zweierlei gemeinsam:

1. Das Orgon funktioniert weder mechanisch (Aktion und Reaktion) noch mystisch (überweltliche „Wirkstrukturen“), also nicht sozusagen „nach Befehl und Gehorsam“, sondern es bewegt sich spontan aus sich selbst heraus, ist sozusagen „eigen“. Es ist sozusagen das Substrat der Selbstregulation.

2. Das, was wir als „Orgon“ bezeichnen, sind, so Reich, „die physikalischen Funktionen, die in der Orgonphysik als ‘Orgonenergie’ abstrahiert werden“ (ebd., S. 146). Es handelt sich nicht um ein geheimnisvolles „Sein“, sondern es sind konkrete Funktionen. Physik statt „Metaphysik“! Über sein Ich schreibt Stirner entsprechend bezugnehmend auf Feuerbachs pseudomaterialistische Philosophie: „‚[D]as Sein‘ ist Abstraktion, wie selbst ‚das Ich‘. Nur Ich bin nicht Abstraktion allein, Ich bin alles in allem, folglich selbst Abstraktion oder Nichts, Ich bin alles und Nichts; Ich bin kein bloßer Gedanke, aber Ich bin zugleich voller Gedanken, eine Gedankenwelt“ (Der Einzige und sein Eigentum, reclam, S. 381)

Das Orgon ist nur konkret greifbar, genauso wie der Eigner/Einzige. Das Orgon ist damit nicht schlichtweg identisch mit irgendwelchen „anderen“ Lebensenergie-Konzepten (Qi, Prana) oder dem „Äther“, also kein fixes metaphysisches oder mechanisches (bzw. „hydrodynamisches“ Modell), sondern nur unmittelbar, unvermittelt in der Beobachtung und im Experiment greifbar. Beispielsweise war der „Äther“ im 19. Jahrhundert bloß der Lückenbüßer für eine Leerstelle im mechanistischen Weltbild (die elektromagnetischen Wellen brauchten ein mechanisches Medium, so wie Wasserwellen Waser brauchen).

Das letzte, was Reich wollte, war ein weiteres „Weltmodell“ zu präsentieren, genausowenig wie Stirner eine weitere „Philosophie“ neben all die anderen zur Diskussion stellen wollte. Beiden ging es nicht um ein neues „Paradigma“, d.h. um eine neue Sicht auf die Welt oder eine neue „Brille“, sondern eben um die Beseitigung aller „Brillen“ (vgl. Clark, Frauchiger: Paradigm-Maker or Paradigm-Breaker: A Comparison between the Paradigm and Orgonomic Functionalism as Scientific Tools. The Journal of Orgonomy, 1986). Es ging um – Liquidar Super-Ego Radicalmente, um das Ausschalten „bloßen Denkens“, d.h. des Über-Ichs = der Panzerung.

Eine Parallele in der Philosophiegeschichte wäre die Phänomenologie (Stichwort Husserl, Heidegger, Hermann Schmitz), die den Anspruch erhob, die gesamte Philosophie neu anzufangen, indem sie beim unmittelbar Gegebenen frisch ansetzt und die – „Seinsvergessenheit“ angeht. Dazu ist zu sagen, daß die Phänomenologie zur Dezeptionsgeschichte Stirners gehört, daß das ihre einzige Bedeutung ist, (Bernd A. Laska: Ein dauerhafter Dissident, 1996) und Reichs Bonmot über Husserl („Zwangsgrübelei“, Äther, Gott und Teufel, S. 43) auf den eigentlichen Kern des Problems verweist: die Panzerung, insbesondere die Augenpanzerung – wieder: „bloßes Denken“!

Sexualität und Arbeit (Teil 1)

22. Juli 2025

Es gibt biologistische und es gibt kulturalistische Wirtschaftstheorien.

Für die ersteren steht Hans Hass, der übergangslos das „Konkurrenzgeschehen“, etwa in einem Korallenriff, mit dem „Konkurrenzgeschehen“, etwa in der Automobilwirtschaft, verbindet. Hass hat beide Bereiche tatsächlich empirisch untersucht, während die „klassischen“ Theoretiker, angefangen mit Adam Smith, einfach davon ausgingen, daß es sich beim Wirtschaftsgeschehen um „natürliche“ Prozesse handle, obwohl Smith natürlich noch keine Ahnung von Evolution hatte.

Für eine kulturalistische Wirtschaftstheorie steht der Name Karl Marx: da ist nichts organisch gewachsen, sondern Resultat von Katstrophen („Revolutionen“), die jeweils neues Recht setzten, das teilweise das Gegenteil des vorangegangenen Rechts war.

Es ist offensichtlich, daß beide Ansätze etwas für sich haben. Jedoch ist ihre Bedeutung ziemlich eingeschränkt. Reich hat Anfang der 1930er am eigenen Leibe erfahren, wie imgrunde bedeutungslos eine mit schier unglaublicher Verblendung verteidigte kulturalistische Wirtschaftstheorie sein kann. Letztendlich setzt sich „die Biologie“ doch durch.

Biologistische Wirtschaftstheorien kranken jedoch daran, daß „Biologie“ nicht gleich „Biologie“ ist. Ja, funktionell gesehen, geschieht im Korallenriff genau dasselbe wie in der Automobilindustrie und das konkrete Verhalten der Wirtschaftssubjekte kann man vor dem Hintergrund des Geschehens in einer Schimpansenhorde so gut beschreiben, daß sich überprüfbare Voraussagen machen lassen.

Es treten bei dieser biologistischen Betrachtung jedoch zwei Probleme auf:

  1. ist der Mensch gepanzert und die Folgen der Panzerung werden von kulturalistischen Wirtschaftstheorien weit besser erfaßt; und
  2. werden von den biologistischen Theorien die bioenergetischen Grundlagen alles Wirtschaftsgeschehens nicht erfaßt.

Kurz gesagt gehen sowohl kulturalistische als auch biologistische Wirtschaftstheorien davon aus, daß die Wirtschaftssubjekte zur Arbeit gezwungen werden, sei dies nun durch gesellschaftlichen Zwang („Recht“) oder durch den Druck der äußeren Umwelt („natürliche Auslese“). Letztendlich weil die Theoretiker selbst gepanzert sind, ist es ihnen grundsätzlich fremd, daß jemand aus innerem Drang und aus purer Freude tätig sein könnte und daß er durch diese „Verausgabung“ nicht etwa einen Verlust erleidet, sondern ganz im Gegenteil einen Gewinn.

Reich hat den ungepanzerten Menschen, in Gestalt von Jesus Christus, wie folgt beschrieben:

Christus gibt großzügig. Er kann großzügig geben, weil seine Fähigkeit, Lebensenergie aus dem Universum aufzunehmen, unbegrenzt ist. Christus meint nicht, daß er etwas Besonderes tut, wenn er anderen von seiner Kraft gibt. Er macht es gern. Mehr noch: er selbst braucht dieses Geben, denn er ist voller Kraft, bis zum Überfluß. Er verliert nichts, wenn er reichlich gibt. Im Gegenteil, er wird stärker und reicher, wenn er anderen gibt; nicht nur durch Freude am Geben. Er lebt auf von diesem Geben, denn seine Energie wandelt sich nun schneller um. Je mehr Kraft und Liebe er abgibt, desto mehr neue Kraft bekommt er aus dem Universum, desto größer und inniger ist sein Kontakt mit der Natur um ihn herum und desto klarer ist sein Bewußtsein von Gott, der Natur, der Luft, den Vögeln, den Blumen und den Tieren. Zu all dem hat er engen Kontakt, er nimmt es mit seinem orgonotischen Ersten Sinn wahr, sicher in seinen Reaktionen, harmonisch in seiner Selbstregulation und unabhängig von irgendeinem veralteten „du sollst“ oder „du sollst nicht“. (Christusmord, Freiburg i.B. 1978, S. 59f)

Arbeit funktioniert nach den gleichen Gesetzmäßigkeiten wie die Sexualität: es ist Orgonenergie, die nach Befriedigung strebt (bioenergetische Expansion) und durch diese Aktivität den natürlichen bioenergetischen Expansionszustand (Vagotonie) aufrechterhält.

Selbstverständlich sind wir darüber hinaus auch dem, wenn man so will, „sympathikotonen“ Druck der Umwelt und der gesellschaftlichen Verhältnisse ausgesetzt, doch das sind nur sekundäre bzw. tertiäre Einflußgrößen, – die im übrigen außerhalb der Orgonomie voll erfaßt werden, während die wichtigste, die primäre Einflußgröße vollkommen unter den Tisch fällt. Wagt man die letztere zu erwähnen oder gar auf ihren primären und vordringlichen Status hinzuweisen, wird man mit hochmütigem Hohn überschüttet. Das ist so, weil „von rechts nach links“ die Theorien immer verwickelter werden:

neu auf orgonomie.net

6. Juli 2025

Ich habe die Ursprungsseite des NACHRICHTENBRIEFs, die jetzt immerhin 28 Jahre existiert, in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt. Jetzt fange ich an, sie wieder besser zu pflegen, angefangen mit der Anfangsseite. Im übrigen hier eine wirklich EXAKTE Beschreibung, wie ich beim Umbau der Netzseite den html-Code absolut funktional-orgonisch handhabe:

Zu diesem fettreduzierten Blogeintrag Kunst am Bau: Bild 18.

Ergänzung 2 zu „Nietzsche: MEINE SCHWESTER UND ICH (Besprechung)“

4. Juli 2025

Reich ging in seiner Studentenzeit zwischen in etwa 1919 und 1922 von vier Punkten aus, die sein gesamtes späteres Lebenswerk prägten:

  1. angefangen von seinen Eltern, die als Sprosse von jeweils langen Rabbiner-Dynastien vorgaben gläubige Juden zu sein, aber tatsächlich deutschnationale Atheisten waren, war ihm aufgefallen, daß es einen Unterschied gibt, zwischen dem, was Menschen sagen und dem wie sie handeln;
  2. war er bei seiner naturphilosophischen Lektüre irgendwo zwischen Lehrbüchern zum Medizinstudium, F.A. Lange, Bergson, Schopenhauer, Paul Kammerer, Richard Semon etc., nicht zuletzt Nietzsche, auf die Grundidee verfallen, daß es eine psychische Energie gibt und einen Grundgegensatz zwischen Energie und Materie;
  3. war ihm 1919/20 im Studentenseminar, über das er Freud kennenlernte, aufgefallen, daß ihm das, was andere als „Sexualität“ bezeichneten, fremd war und umgekehrt;
  4. durch Freuds Libidotheorie lernte er die Vorstellung einer psycho-physischen („bioenergetischen“) Entwicklung und ihrer Störungen kennen.

Zusammengefaßt ist das die Theorie von der Lebensenergie und ihrer Sperrung durch die Panzerung (Über-Ich). Sie entfaltet sich aus sich heraus „von innen“ auf natürliche Weise, wird aber „von außen“ gestört und entartet entsprechend, d.h. wird selbst zu einem Störfaktor. Das, was er später als „seelische Pest“ bzw. „emotionelle Pest“ bezeichnen sollte, breitet sich entsprechend aus. Die Menschen versuchen das entstehende Chaos mit „Moral“ in den Griff zu bekommen, doch verschlimmert dies die Situation noch mehr.

Nietzsche hatte wie kaum ein anderer ein Gefühl für diese Dynamik, nur kam dieser „Sado-Masochist an sich selber“ (so Lou Salome über Nietzsche) zu der – sadomasochistischen Vorstellung, daß der Mensch an diesem Konflikt zu wachsen habe. Aus dem Krampf soll virtuose Eleganz und aus der Lüge die Wahrheit erwachsen, aus der Überspanntheit eine neue Leichtigkeit. Aus sekundären Trieben soll etwas Authentisches und Wertvolles werden. My Sister and I enttarnt das alles als Perversion und Flucht vor dem Leben.

Barbara G. Koopman: Bewußtseinserweiternde Drogen – Gefahr oder Zeitvertreib? (2. Hälfte)

17. Mai 2025

Barbara G. Koopman: Bewußtseinserweiternde Drogen – Gefahr oder Zeitvertreib?

Die fünf Stufen der Orgonomie (Teil 1)

12. Mai 2025

Wie jede Wissenschaft ist auch die Orgonomie eine Geschichte von Fehlschlägen. Die Theorie von heute wird morgen kopfschüttelnd überwunden. Fangen wir mit der Psychoanalyse an, die als Reich um 1920 herum auf den Plan trat, schlicht und ergreifend gescheitert war. Das beliebige Bewußtmachen unbewußter Anteile der Psyche machte die Menschen nicht gesünder. Freud entwickelte daraufhin die Todestriebtheorie: eh alles scheiße und man muß sich in dieser Scheiße einrichten! Reich entwickelte hingegen die Charakteranalyse, d.h. das systematische Aufdecken der unbewußten Anteile – was dem Grundwesen der Freudschen Psychoanalyse fundamental widersprach (unsystematisches „freies Assoziieren“). Die 1920er Jahre waren sozusagen die Orgonomie 0.0.

In den 1930ern versuchte Reich das Erbe von Friedrich Kraus (Flüssigkeits- und Ionenströme im Körperplasma) weiterzuführen (Orgonomie 1.0), nur um am Ende feststellen zu müssen, daß die ganze „bioelektrische Theorie“ vorne und hinten nicht paßte und er etwas tun mußte, was er zuvor dezidiert abgelehnt hatte: aus der Libido eine Art „Lebensenergie“ zu machen. Die sexualökonomische Lebensforschung wurde wie zuvor die klassische Psychoanalyse zur Makulatur und es entwickelte sich die „Orgon-Biophysik“, die Orgonomie 2.0. Bis 1950 wurde alles schön ausgearbeitet und am Ende erstmals von Rech als „Orgonomie“ bezeichnet. Bumm, das ORANUR-Experiment schlug ein und versenkte diesen Ozeanriesen, da zentrale Voraussagen schlichtweg falsch waren! Diese Orgonomie 3.0 entwickelte sich in den 1950er Jahren inmitten der juristischen Auseinandersetzungen und dem ORANUR-Chaos.

Nach Reichs Tod versuchte Charles Konia das von Reich hinterlassene Trümmerfeld aufzuräumen und stellte fest, daß dessen „orgonometrischen“ Aufstellungen nicht recht zusammenpaßten. Resultat war eine neue Ausstellung, die die Einführung der Funktion „koexistierende Wirkung“ erzwang, was die Orgonomie mit der Jahrtausendwende wieder vollkommen umwarf: aus einem Weltbild einer Art „feinstofflichen“ Sauce, die das Weltall durchwabert, zu einer, na ja, vielleicht mehr „holographischen“ Welt: Orgonomie 4.0.

Um die Entwicklung und den heutigen Stand der Orgonomie erfassen zu können, muß etwas weiter ausgeholt werden – hier am Beispiel meines Aufsatzes über Orgonogenetik:

Das Orgon hat zwei Eigenschaften im Bereich der relativen Bewegung: Pulsation und die Kreiselwelle („energetisches Orgonom“, „Bohnenform“, „Embryoform“). Zunächst einmal läßt sich zeigen, daß die Pulsation (verkörpert im Vegetativen Nervensystem) sich im Verlauf der Evolution zum Menschen immer weiter differenziert und eindeutiger wird, d.h. der Sympathikus repräsentiert im Verlauf der Stammesgeschichte immer eindeutiger Kontraktion und entsprechend der Parasympathikus die Expansion. Primordiale Orgonenergie-Funktionen werden also immer eindeutiger zu Struktur. Parallel dazu werden die Emotionen immer bedeutsamer („Emotionalisierung“). Das gleiche gilt für die Orgonom-Form und die zunehmende „Sexualisierung“ des Menschen im Vergleich zu unseren evolutionären Vorfahren bzw. deren gegenwärtigen Repräsentanten.

Der Materie (DOR) wird auf dieser Weise im Zeitverlauf der Stempel der „Prämaterie“ (Orgon) aufgedrückt. Das kann man unmittelbar unter dem Mikroskop bei Bionen beobachten, die aus zerfallender Materie hervorgehen und sich zu Protozoen organisieren, oder indirekt wenn man die auffallende „mechanisch“ wirkenden Urtiere mit heutigen „geschmeidigen“ Tieren vergleicht.