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Der Mißbrauch der MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS durch sogenannte „Reichianer“

12. Juli 2025

Der (verzögerte) Einzug des Todesengels mit den bösen Augen in das oberste Gericht Deutschlands ist ein passendes Beispiel: oberflächlich geht es um Sexualökonomie (Schwangerschaftsabbruch), Rationalität (der Staat als Speerspitze der Wissenschaft gegen die irrationalen Impfverweigerer) und Antifaschismus (Verbot der „Nazis“); Dinge, in denen sich die meisten „Reichianer“ suhlen wie Schweine im Dreck, doch tatsächlich geht es ihnen um die Herrschaft einer „Platonischen“ Elite von vermeintlich Aufgeklärten, d.h. um blanken Roten Faschismus. Das sieht man auch an der zweiten Kandidatin der Kommunistischen Partei Deutschlands (der sogenannten „SPD“), bei der sich alles um die „Klimarettung“, Kollektivismus und um Enteignung („Ent-Eignung“) dreht, d.h. um das Ende von Demokratie und Arbeitsdemokratie, da, wie einst in der Sowjetunion, alles von den Vorgaben der Klimadiktatur bestimmt werden soll. Im übrigen: man schaue sich diese Gestalten an und lasse nicht nur ihre mörderischen Worte, sondern vor allem ihren mörderische Ausstrahlung auf einen wirken!

Es gibt Leute, deren gesamtes „Reichianertum“ um diese linke Agenda kreist und die sich gar nicht wieder einkriegen können in ihrer Begeisterung für derartige „antifaschistische“ Helden. Sie Feiern sogar „den Geist des Tages der Bastille“ vom kommenden 14. Juli und setzen die blutige Französische Revolution, diesem mörderische Ausbruch der Emotionellen Pest, implizit mit der „inneren Revolution“ gleich, die die Orgonomie durch Therapie, vor allem aber durch Prophylaxe erreichen will. Dabei sondern diese Leute ständig „Reichianische“ Doktrin ab, von der Funktion des Orgasmus bis zur Entdeckung des Orgons, vom orgonomischen Funktionalismus bis zu ORANUR und CORE, – nur ein Element ist auffällig unterbelichtet; jenes Element, um das sich beim NACHRICHTENBRIEF wirklich alles dreht: die Rolle von Schuld und Scham.

Die gesamte von der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (CDU/CSU/SPD/Grüne/Linke) und den von ihr zu 99% kontrollierten Medien und der gleichgeschalteten „Wissenschaft“ propagierte Agenda dreht sich einzig und allein darum dir Schuldgefühe aufzuoktroyieren, weil du für DEINE Tradition, DEINE Interessen, DEIN Eigentum, kurz für DICH eintrittst. Der Schuldkult ist universell: „deutsche Schuld“, Kolonialismus, Rassismus, Sexismus, Spezieismus, Klassismus, Weißismus, Leckmichamarschduverdammterblöderlinkerwichserismus etc. und wird dir 24 Stunden, Baerbocksche 560 Tage im Jahr eingebleut, bis du dich nicht mehr traust, auch nur piep zu sagen. Tust du es trotzdem, klingeln morgens um 6 Uhr die Schergen der BRD-Stasi und beschlagnahmen deine elektronischen Geräte. Hausdurchsuchungen sind das wuchtigste Schwert der Justiz und nur Kapitalverbrechen vorbehalten! Allein daran sieht man die Prioritäten dieses Regimes. Den rotfaschistischen Staat erkennt man immer daran, daß Verbrecher wie „klassennahe Elemente“ gehätschelt und „Dissidenten“ wie Schwerstkriminelle behandelt werden.

Hinzu kommt die Durchsetzung der sozialen Scham, die natürlich letztendlich immer genitale Scham ist. Es ist kein Problem für dieses Unrechtsregime, wenn Islamisten das Kalifat auf deutschem Boden ausrufen und mit ihren schwarzweißen Fahnen durch die Städte ziehen, aber jedes überalterte Grüppchen von „Reichsbürgern“ wird von ihren Rollatoren gerissen und erfährt die volle Härte der Staatswillkür. Bei entsprechenden Demos von Rechten werden schwarzweißrote Fahnen verboten, wie erst vor einer Woche in Münster geschehen. Du mußt ja schon mit Problemen rechnen, wenn du die schwarzrotgoldenen Farben des Heiligen Reiches Deutscher Nation zeigst! In England werden Massengebete von Mohammedanern, die den Verkehr ganzer Stadtteile lahmlegen, mit einem wohlwollenden Lächeln toleriert, während stille (!) Gebete von einzelnen Christen vor Abtreibungskliniken konsequent verfolgt werden und sie ins Gefängnis bringen können. Mit anderen Worten: die einen dürfen auf der Straße ungeniert ihre Notdurft verrichten, während du dich voller Scham verstecken mußt, wenn du dir mit einem Taschentuch nur die Nase putzen willst!

Das ist der Terror der rotfaschistischen Todesengel, die im 20. Jahrhundert 100 000 000 Menschen ermordet haben und deren Blutdurst noch nicht mal annähernd gestillt ist. Ihre Waffen sind seit Rousseau und der Französischen Revolution, seit Marx und der Russischen Revolution und seit Freud und der modernen „freudo-marxistischen“ Unkultur der Schuldkult und die öffentliche Beschämung und Erniedrigung. Die einzige, die EINZIGE, Antwort ist – LSR, die systematische Freilegung und langfristige Beseitigung der individuellen und gesellschaftlichen Panzerung. Liquidar Super-Ego Radicalmente! Julien Offray de La Mettrie! Max Stirner! Wilhelm Reich!

Zum Abschluß noch zwei Punkte:

Die besagten „Reichianer“ erinnern mich an die Christen, die mit Versatzstücken aus dem Neuen Testament, mit „Liebe“ und „Gericht“, nur so um sich werfen, aber vom Kern von „Leben und Lehre Jesu“, wie er von Reich in Christusmord erstmals offengelegt wurde, nicht den blassesten Schimmer haben.

Elsworth F. Baker hat gesagt, daß er als Orgontherapeut an einer entscheidenden Stelle versagt hat, wenn bei Abschluß der Therapie aus einem Liberalen kein Konservativer geworden ist. Die Panzerung (das Über-Ich) ist nicht wirklich besiegt, solange genitale Schuld und Scham, die beim liberalen Charakter wirklich alles bestimmen und wegen seiner sozialen Dominanz die Gesellschaft als ganzes zerstören, nicht restlos ausgemerzt worden sind und stattdessen LaMettries „tugendhafte Lust“ das Leben zu 100% bestimmt.

Brief [über das Ende der WILHELM REICH BLÄTTER] 4. August 1982

11. Juli 2025

Brief [über das Ende der WILHELM REICH BLÄTTER] 4. August 1982

Max Stirner, Soter (Teil 14)

7. Juli 2025

Die von Stirner gemeinte „Empörung“ hat natürlich nichts mit Revoluzzertum zu tun:

Sie ist kein Kampf gegen das Bestehende, da, wenn sie gedeiht, das Bestehende von selbst zusammenstürzt, sie ist nur ein Herausarbeiten Meiner aus dem Bestehenden. Verlasse Ich das Bestehende, so ist es tot und geht in Fäulnis über. Da nun nicht der Umsturz eines Bestehenden mein Zweck ist, sondern meine Erhebung darüber, so ist meine Absicht und Tat keine politische oder soziale, sondern, als allein auf Mich und meine Eigenheit gerichtet, eine egoistische. (Der Einzige, S. 354)

Heißt es nicht der Niederträchtigkeit das Wort reden, wenn alles „meinetwegen“ geschieht? Die gleichen, die diese Ängste äußern, würden ohne zu zögern jeden Meineid, jede Lüge, jede denkbare Niedertracht verüben. „Denn wurde nicht jede Niederträchtigkeit um Gottes willen verübt, alle Blutgerüste um seinetwillen erfüllt, alle Autodafés seinetwegen gehalten, alle Verdummung seinetwegen eingeführt, und bindet man nicht noch heute schon bei den zarten Kindern durch religiöse Erziehung den Geist um Gottes willen?“ (Der Einzige, S. 335). „Es ist verächtlich, ein Vertrauen, das Wir freiwillig hervorrufen, zu täuschen; aber jeden, der Uns durch einen Eid in seine Gewalt bekommen will, an der Erfolglosigkeit seiner zutrauenslosen List verbluten zu lassen, macht dem Egoismus keine Schande. Hast Du Mich binden wollen, so erfahre denn, daß Ich deine Bande zu sprengen weiß“ (Der Einzige, S. 337).

Hinter der Maske von Religion, Menschlichkeit, Sozialismus geht es eh nur darum an fremdes Eigentum zu gelangen, doch statt das Fremde direkt in Eigenes zu verwandeln, „spielt man den Unparteiischen und verlangt nur, daß alles Eigentum einem Dritten (z.B. der menschlichen Gesellschaft) überlassen werde. Man reklamiert das Fremde nicht im eigenen Namen, sondern in dem eines Dritten. Nun ist der ‚egoistische‘ Anstrich weggewischt und alles so rein und – menschlich!“ (Der Einzige, S. 353).

Sowohl der mitleidige Christ als auch der erbarmungslose „satanistische Thelemit“ (vgl. Der Einzige, S. 64.66) handeln willkürlich, wenn sie z.B. einen Verdurstenden „aus Prinzip“ laben bzw. „aus Prinzip“ verdursten lassen, da sie beide jenen Ideen von Sklaventum oder „Freiheit“ folgen (bzw. dagegen rebellieren), denen sie zufällig in Kindheit und Jugend ausgesetzt waren. In jedem Fall waren und bleiben sie Besessene, die nicht aus sich heraus leben, sondern auf die eine oder andere Weise von außen bestimmt sind.

In der religiösen, sittlichen und humanen „Liebe“ wird nicht die konkrete Person geliebt, sondern Gespenster wie „Jesus“ oder „der Mensch“, während der wirkliche, unwiederholbare Einzelne nur als „Dreck“ betrachtet wird (Der Einzige, S. 27), der mit, wie Stirner sich ausdrückt, „dumpfer Unbarmherzigkeit“ verfolgt wird. Der dergestalt „Liebende“ „findet es lobenswert und unerläßlich, die Erbarmungslosigkeit im herbsten Maße zu üben; denn die Liebe zum Spuk oder Allgemeinen gebietet ihm, den nicht Gespenstischen, d.h. den Egoisten oder Einzelnen, zu hassen; das ist der Sinn der berühmten Liebeserscheinung, die man ‘Gerechtigkeit’ nennt“ (Der Einzige, S. 321).

Ich liebe die Menschen auch, nicht bloß einzelne, sondern jeden. Aber Ich liebe sie mit dem Bewußtsein des Egoismus; Ich liebe sie, weil die Liebe Mich glücklich macht, Ich liebe, weil Mir das Lieben natürlich ist, weil Mir’s gefällt. Ich kenne kein „Gebot der Liebe“. Ich habe Mitgefühl mit jedem fühlenden Wesen, und ihre Qual quält, ihre Erquickung erquickt auch Mich: töten kann Ich sie, martern nicht. Dagegen sinnt der hochherzige, tugendhafte Philisterfürst in [dem zeitgenössischen Roman von Eugène Sue: Les mystères de Paris], weil ihn die Bösen „entrüsten“, auf ihre Marter. Jenes Mitgefühl beweist nur, daß das Gefühl der Fühlenden auch das meinige, mein Eigentum, ist, wogegen das erbarmungslose Verfahren des „Rechtlichen“ (z.B. gegen den Notar Ferrand) der Gefühllosigkeit jenes Räubers gleicht, welcher nach dem Maße seiner Bettstelle den Gefangenen die Beine abschnitt oder ausreckte: Rudolfs Bettstelle, wonach er die Menschen zuschneidet, ist der Begriff des „Guten“. Das Gefühl für recht, Tugend usw. macht hartherzig und intolerant. Rudolf fühlt nicht wie der Notar, sondern umgekehrt, er fühlt, daß „dem Bösewicht Recht geschieht“; das ist kein Mitgefühl. (Der Einzige, S. 324f)

„Wirklich lieben kann nur der „natürliche Mensch“ – durch das Dazwischengehen der „Bildung“ wird sie zum Gebot und damit zur Lüge. Aus dieser Verstrickung muß die Liebe zurückgefordert und „erlöst“ werden (Der Einzige, S. 323).

neu auf orgonomie.net

6. Juli 2025

Ich habe die Ursprungsseite des NACHRICHTENBRIEFs, die jetzt immerhin 28 Jahre existiert, in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt. Jetzt fange ich an, sie wieder besser zu pflegen, angefangen mit der Anfangsseite. Im übrigen hier eine wirklich EXAKTE Beschreibung, wie ich beim Umbau der Netzseite den html-Code absolut funktional-orgonisch handhabe:

Zu diesem fettreduzierten Blogeintrag Kunst am Bau: Bild 18.

Nietzsche: MEINE SCHWESTER UND ICH (Besprechung)

1. Juli 2025

An Nietzsche scheiden sich die Geister. Die einen phantasieren in ihn einen Metaphysiker hinein, der von dem Willen zur Macht als einer Art „Grundprinzip des Seins“ ausging,während die anderen den „dekonstruierenden“ Aphoristiker sehen, der illusionslos immer wieder auf einen jeweiligen Willen zur Macht gestoßen ist. Es ist aber gleichgültig, ob man ihn als Konstrukteur einer Art „arischen“ Lebensanschauung sieht oder, um in diesem Jargon zu bleiben, als eine Art quasi „jüdischen“ Dekonstrukteur der westlichen Geisteswelt, – „Belege“ wird man in seinem Werk für alles und das Gegenteil finden –, wichtig ist einzig die von Bernd A. Laska entdeckte „initiale Krise“, die am Anfang von Nietzsches Denken steht und an der auch die beiden genannten Interpretationstraditionen dieses Denkens straucheln. Die besagte „initiale Krise“ dreht sich natürlich um die Lektüre von Max Stirners Der Einzige und sein Eigentum.

Ob die einen hinter der Wirklichkeit irgendetwas Tieferes, etwa den „Willen zur Macht“, wirken sehen oder die anderen vermeinen, die Wirklichkeit selbst spräche zu ihnen: es ist und bleibt eine Illusion, da „sie“, die Subjekte, gar nicht sie selbst sind. Sie sind nicht, um mit Stirner zu sprechen, „Eigner ihrer selbst“, sondern Besessene (nicht Eigner, sondern Besitztümer anderer), die nur Wahngebilde wahrnehmen und Unsinn sprechen. Sie sind, wie man heute so schön sagt, in einer „Bubble“.

Wir alle stecken in einer, wie Reich sich ausdrückte, „Falle“, zu der vor allem das Verleugnen dieses Tatbestandes gehört, – was genau Nietzsches „initiale Krise“ ausmacht. Das führt jedwede „Philosophie“ ad absurdum, denn für den „gepanzerten“, d.h. in der Falle befindlichen Menschen ist das Leben nicht das Leben, sondern Lüge, Krampf und Scheitern. Manche sehen zumindest die Lüge, den Krampf und das Scheitern bei den „Metaphysikern“, verheddern sich bei ihrer Dekonstruktion der Metaphysik aber selbst. Egal, was da „synthetisch“ geraunt oder analytisch zersetzt wird, es bleibt doch alles – man verzeihe mir die unverzeihliche Platitüde – im Jargon des Eigentlichen gefangen, das nichts mit dem authentischen Eigent-lichen im Sinne Stirners zu tun hat, sondern doch nur inkorporierte Kultur ist.

Bei Stirner konnte Nietzsche Dinge lesen wie: „Macht – das bin Ich selbst, Ich bin der Mächtige und Eigner der Macht“ (Der Einzige, reclam, S. 230), und: „Ich bin nur dadurch Ich, daß Ich Mich mache, d.h. daß nicht ein Anderer Mich macht, sondern Ich mein eigen Werk sein muß“ (Der Einzige, S. 256). Das übernahm er, – um den eigentlichen Sinngehalt von Stirners Werk um so besser verschwinden zu lassen. Deshalb wird er über alle Maßen verehrt!

Man kann alles Mögliche über Meine Schwester und ich sagen, – beispielsweise war ich bei meiner Erstlektüre des englischen Originals vor vielen Jahren von der wachsenden Gewißheit getriggert, hier einen „widerlichen Betrug“ vor mir zu haben; eine hinterhältige Zurücknahme von Nietzsches Machtphilosophie – im Namen Nietzsches. Jetzt bei der „Zweitlektüre“, also dem Lesen der deutschen Übersetzung, widerte mich die Fixierung der jüdischen Literaturfälscher auf ihre Jüdischheit an. Ohne das alles entscheidende Nachwort des Übersetzers und Herausgebers Christian Fernandes, das man als „Vorwort“ lesen sollte, wäre mir dabei beinahe das eigentlich Wichtige entgangen: die Bloßlegung der „Willensphilosophie“ und des, wenn man so will, „dekonstruktivistischen Zynismus“ Nietzsches als Funktion einer vollkommen vermurksten persönlichen und gesellschaftlichen Sexualökonomie, die nicht zuletzt im Holocaust mündete.

Der Übersetzer und Herausgeber Christian Fernandes präpariert das aus dem Wust an Aphorismen und pseudo-autobiographischen Versatzstücken heraus, was Bernd A. Laska als „Jahrtausendentdeckung“ bezeichnet hat: indem wir den Wahnsinn unterdrücken, erzeugen wir ihn. Nietzsche selbst ist vor dieser Einsicht unter einem ungeheuren Aufwand geflohen und hat dabei, wie angeschnitten, ein ganzes philosophisches Gebäude aufgebaut bzw. abgerissen. In Meine Schwester und ich gibt er, die literarische Figur „Nietzsche“, dieses (bzw. diese) Unterfangen auf, weil er dessen Grundlage zumindest erahnt – seine abschließende Endkrise. Das ist auch der Grund, warum Reich auf (zugegeben arg naive Weise) von der Authentizität des Buches überzeugt war und selbst der stets vorsichtig-skeptische Bernd Laska dem Buch in dieser Hinsicht über Gebühr Kredit einräumte.

Für den NACHRICHTENBRIEF hat dieses Buch zwei Gesichter: Erstens war Reich zeitlebens ein Nietzsche-Verehrer. Beispielsweise hang die Totenmaske in Reichs Studierstube in Wien. Entsprechend mußte es 1951 auf Reich dramatisch wirken, daß Nietzsche am Ende seines Lebens (vermeintlicherweise) seine Willensphilosophie zugunsten von „Liebe, Arbeit und Wissen“ aufgegeben hatte. In der Folgezeit gehörte Meine Schwester und ich zu Reichs „10 Büchern“, das jeder Student der Orgonomie gelesen haben muß. Zweitens fügt sich Fernandes‘ Veröffentlichung dieses Buches in das weiterlaufende paraphilosophische „LSR-Forschungsprojekt“ ein.

Hier liegt gerade Volker Gerhardts Nietzsche-Monographie aus den 1990er Jahren auf meinem Schreibtisch. Hinten auf dem Einband findet sich folgendes Zitat von Nietzsche – das also den gesamten Nietzsche charakterisieren soll:

Wozu die Menschen da sind, wozu „der Mensch“ da ist, soll uns gar nicht kümmern: aber wozu Du da bist, das frage dich, und wenn Du es nicht erfahren kannst, nun so steck Dir selber Ziele, hohe und edle Ziele und gehe an ihnen zu Grunde! Ich weiß keinen besseren Lebenszweck als am Großen und Unmöglichen zu Grunde zu gehen…

Das findet sich auch auf S. 11f von Gerhardts Buch mit dem abschließenden lateinischen Spruch „… animae magnae prodigus“.

„Wozu die Menschen da sind, wozu ‚der Mensch‘ da ist, soll uns gar nicht kümmern“, ist natürlich Stirner pur. Nur wird es im Folgenden instantan ins Über-Ich zurückgeholt: man soll sich DOCH opfern! Nietzsche als „Überwinder Stirners“! In Meine Schwester und ich wird genau das ad absurdum geführt: Nietzsche geht sinnlos zugrunde und hat ein verpfuschtes Leben hinter sich – von wegen „Verschwender einer großen Seele“!

Der Universitätsprofessor Gerhardt ist vollkommen taub für derartige Zusammenhänge. Er spricht von Nietzsches „großer Seele“ und deren „edlen Zielen“… Meine Schwester und ich zeigt zu recht den obszönen Mittelfinger!

Rechtfertigt das alles den Aufwand einer deutsch/englischen Ausgabe? Am Anfang war ich skeptisch („So dick?!“), bis mir auffiel, wie wenig ich doch vom englischen Original bei meiner Erstlektüre wirklich mitbekommen hatte. Die Fälscher haben sich eines derartig verschwurbelten, prätentiösen englischen Schreibstils befleißigt, daß selbst ein „native speaker“ Probleme hätte, dem Text zu folgen. Von daher kann Fernandes‘ Leistung als Übersetzer gar nicht überbewertet werden – zumal er sich der unmittelbaren Überprüfung stellt.

Max Stirner, Soter (Teil 13)

28. Juni 2025

Ein Mensch wird zum „Eigner von Allem“, wenn er nicht nur auf billige und wohlfeile Weise die Spintisierereien seiner Mitmenschen dem Spott preisgibt, sondern es vermag, alle, insbesondere seine eigenen (bzw. „eigenen“!), großen, erhabenen, heiligen, begeisternden Gedanken, Gefühle und Glaubenssätze mit einem Lächeln abzuschütteln (Der Einzige, S. 403). Kurz, er ist ein Egoist, dem nichts über sich geht. Das bedeutet nicht Größenwahnsinn, sondern einfach, daß man sich zu schätzen weiß (Der Einzige, S. 208).

Unbewußt und unwillkürlich streben Wir alle der Eigenheit zu, und schwerlich wird Einer unter Uns sein, der nicht ein heiliges Gefühl, einen heiligen Gedanken, einen heiligen Glauben aufgegeben hätte, ja Wir begegnen wohl keinem, der sich nicht aus einem oder dem anderen seiner heiligen Gedanken noch erlösen könnte. All unser Streit wider Überzeugungen geht von der Meinung aus, daß Wir den Gegner etwa aus seinen Gedankenverschanzungen zu vertreiben fähig seien. Aber was Ich unbewußt tue, das tue Ich halb, und darum werde Ich nach jedem Siege über einen Glauben wieder der Gefangene (Besessene) eines Glaubens, der dann von neuem mein ganzes Ich in seinen Dienst nimmt und Mich zum Schwärmer für die Vernunft macht, nachdem Ich für die Bibel zu schwärmen aufgehört, oder zum Schwärmer für die Idee der Menschheit, nachdem Ich lange genug für die der Christenheit gefochten habe. (Der Einzige, S. 403)

Weil niemand dem Begriff „Mensch“ gerecht werden kann, niemand ein „wirkliches Gattungswesen“ (Der Einzige, S. 192) werden kann, gibt es gar keine Menschen. „Mensch“ soll, Stirner zufolge, nicht mehr meine unerreichbare Bestimmung sein, sondern einfach meine unveräußerliche Eigenschaft; etwas ist „menschlich“, weil ich, der Eigner der Eigenschaft „Mensch“, es tue (Der Einzige, S. 194f). „Ich verrichte nie in abstracto Menschliches, sondern immer Eigenes, d.h. meine menschliche Tat ist von jeder anderen menschlichen verschieden und ist nur durch diese Verschiedenheit eine wirkliche, Mir zugehörige Tat. Das Menschliche an ihr ist eine Abstraktion, und als solches Geist, d.h. abstrahiertes Wesen“ (Der Einzige, S. 197).

Der Eigner ist Egoist (Der Einzige, S. 351), denn das Egoistische kann nicht bewilligt oder verliehen werden (Lehen), sondern man muß es sich selbst verschaffen (Der Einzige, S. 322) – das Egoistische „nicht, wie es am Menschlichen, Humanen und Uneigennützigen sich messen läßt, sondern das Egoistische als das –Einzige“ (Der Einzige, S. 162). Wird der Egoismus auf das Wesentliche reduziert, stößt man auf die Einzigkeit (Der Einzige, S. 147). Im gewöhnlichen „Egoismus“ verliere ich jedoch genau das: meine Einzigkeit.

Der von sich selbst nicht entfremdete, also der einzige/einzigartige Mensch vollzieht stets nur seine eigene Tat, die erst durch diese Authentizität eine wirkliche Tat ist (Der Einzige, S. 197). Er verwechselt sich nicht selbst mit seinem „Amt“, ist kein Geist, sondern leibhaftig (Der Einzige, S. 385). Es geht ihm nicht um ein illusorisches „Selbstbewußtsein“, das aus seiner „Berufung“ erwächst, sondern einzig und allein um seinen „Selbstgenuß“ (Der Einzige, S. 358).

Kein Schaf, kein Hund bemüht sich, ein „rechtes Schaf, ein rechter Hund“ zu werden; keinem Tier erscheint sein Wesen als eine Aufgabe, d.h. als ein Begriff, den es zu realisieren habe. Es realisiert sich, indem es sich auslebt, d.h. auflöst, vergeht. Es verlangt nicht, etwas Anderes zu sein oder zu werden, als es ist. (Der Einzige, S. 372)

Man denke dabei nicht an irgendeine „Philosophie“, sondern stets an das – Über-Ich:

Ein Mensch ist zu nichts „berufen“ und hat keine „Aufgabe“, keine „Bestimmung“, so wenig als eine Pflanze oder ein Tier einen „Beruf“ hat. Die Blume folgt nicht dem Berufe, sich zu vollenden, aber sie wendet alle ihre Kräfte auf, die Welt, so gut sie kann, zu genießen und zu verzehren, d.h. sie saugt so viel Säfte der Erde, so viel Luft des Äthers, so viel Licht der Sonne ein, als sie bekommen und beherbergen kann. Der Vogel lebt keinem Berufe nach, aber er gebraucht seine Kräfte so viel es geht: er hascht Käfer und singt nach Herzenslust. Der Blume und des Vogels Kräfte sind aber im Vergleich zu denen eines Menschen gering, und viel gewaltiger wird ein Mensch, der seine Kräfte anwendet, in die Welt eingreifen als Blume und Tier. Einen Beruf hat er nicht, aber er hat Kräfte, die sich äußern, wo sie sind, weil ihr Sein ja einzig in ihrer Äußerung besteht und so wenig untätig verharren können als das Leben, das, wenn es auch nur eine Sekunde „stille stände“, nicht mehr Leben wäre. Nun könnte man dem Menschen zurufen: gebrauche deine Kraft. Doch in diesem Imperativ würde der Sinn gelegt werden, es sei des Menschen Aufgabe, seine Kraft zu gebrauchen. So ist es nicht. Es gebraucht vielmehr wirklich Jeder seine Kraft, ohne dies erst für seinen Beruf anzusehen: es gebraucht Jeder in jedem Augenblicke so viel Kraft als er besitzt. Man sagt wohl von einem Besiegten, er hätte seine Kraft mehr anspannen sollen; allein man vergißt, daß, wenn er im Augenblick des Erliegens die Kraft gehabt hätte, seine Kräfte (z.B. Leibeskräfte) anzuspannen, er es nicht unterlassen haben würde: war es auch nur die Mutlosigkeit einer Minute, so war dies doch eine minutenlange – Kraftlosigkeit. Die Kräfte lassen sich allerdings schärfen und vervielfältigen, besonders durch feindliche Widerstand oder befreundeten Beistand; aber wo man ihre Anwendung vermißt, da kann man auch ihrer Abwesenheit gewiß sein. Man kann aus einem Steine Feuer schlagen; aber ohne den Schlag kommt keines heraus; in gleicher Art bedarf auch ein Mensch des „Anstoßes“. (Der Einzige, S. 366f)

Wir alle üben ein „Amt“ aus, bzw. leben im Wahn einen Beruf, eine Aufgabe, eine Pflicht zu haben. Der Einzige läßt sich aus dem Gegensatz von Amt und Amtsträger definieren, z.B. ist der Papst kein „Einziger“: „als Einziger ist er dieser Sixtus, Clemens usw., aber als Sixtus, Clemens usw. hat er die Wahrheit nicht, sondern als ‚heiliger Vater‘, d.h. als ein Geist“ (Der Einzige, S. 385). Will sagen, mit Verlaub, der Einzige scheißt auf eure Wahrheit, eure Ethik, euer Recht, eure gesamte Gesellschaft, denn die sind – Fleischwölfe. Gegen diese empört sich das Lebendige. „Für einen bloßen Teil, Teil der Gesellschaft, angesehen zu werden, erträgt der Einzelne nicht, weil er mehr ist; seine Einzigkeit wehrt diese beschränkte Auffassung ab“ (Der Einzige, S. 294).

Max Stirner, Soter (Teil 12)

20. Juni 2025

Egoisten sind wir allein schon durch das perspektivische Wesen unserer Existenz: wir sind Mittelpunkt unserer Welt, ob wir es wollen oder nicht (Parerga, S. 159). Stirner nimmt die Welt als das „was sie Mir ist, als die Meinige, als Mein Eigentum: Ich beziehe alles auf Mich“ (Der Einzige, S. 14). Man vergißt dabei zu leicht, daß es Stirner um die nur scheinbare „Leiblichkeit“ der Gespenster geht, die es zu zerstören gilt: „so nehme Ich sie in die Meinige [Leibhaftigkeit] zurück und sage: ‚Ich allein bin leibhaftig‘“ (ebd.) Oder mit anderen Worten: es geht nicht um mein Gehirn und seine Hirngespinste, sondern um meinen Bauch – nicht „Solipsismus“, sondern um „Materialismus“.

Der „Einzige“ deutet aber nicht auf ein solipsistisches oder ein „ins Nichts geworfene“ „Seelenatom“; Stirner wählte dieses Wort nur, weil es von selbst jedes Allgemeine, jeden bloßen Begriff, jede bloße Idee ausschließt. Der Einzige ist einfach der unvergleichliche einzelne Mensch und so nichts weiter als eine tautologische Phrase, zu der jedoch im Gegensatz zu allen bisherigen Phrasen ein „Phraseneigner“ gehört (Parerga, S. 154f).

Die Welt ist nicht (von vornherein) mein Eigentum, sondern ich eigne sie mir an – das Gegenteil von „Solipsismus“. „Mein Eigentum aber ist kein Ding, da dieses eine von Mir unabhängige Existenz hat; mein eigen ist nur meine Gewalt. Nicht dieser Baum, sondern meine Gewalt oder Verfügung über ihn ist die meinige“ (Der Einzige, S. 307). „Die [Welt] ist mein eigen, sobald Ich selbst mein eigen, ein Eigener bin: dem Egoisten gehört die Welt, weil er keiner Macht der Welt gehört“ (Der Einzige, S. 316). „ (…) nicht das Ich ist alles, sondern das Ich zerstört Alles, und nur das sich selbst auflösende Ich, das nie seiende ich, das – endliche Ich ist wirklich Ich“ (Der Einzige, S. 199).

Stirner ist das Gegenteil von Selbstherrlichkeit und Arroganz. „‘Nichts in dieser Welt ist vollkommen‘. Mit diesem leidigen Spruche scheiden die Guten von ihr und flüchten sich in ihr Kämmerlein zu Gott oder in ihr stolzes ‚Selbstbewußtsein‘. Wir aber bleiben in dieser ‚unvollkommenen‘ Welt, weil Wir sie auch so brauchen können zu unserem – Selbstgenuß“ (Der Einzige, S. 357f). Auch wenn er vom Gegensatz zwischen Schöpfer und Geschöpft spricht, meint er keine illusorische Selbstherrlichkeit, vielmehr geht es darum, ob man die Kinder zu Schöpfern macht oder zu bloßen Geschöpfen erniedrigt, die dressiert werden müssen (Parerga, S. 75).

Das sieht dann so aus: Von dem Moment an, wo Mir nichts mehr über Mich geht „hört Staat, Kirche, Volk, Gesellschaft u.dergl. auf, weil sie nur der Mißachtung, welche Ich vor Mir habe, ihre Existenz verdanken, und mit dem Verschwinden dieser Geringschätzung selbst erlöschen: sie sind nur, wenn sie über Mir sind, sind nur als Mächte und Mächtige. Oder könnt Ihr Euch einen Staat denken, dessen Einwohner allesamt sich nichts aus ihm machen? Der wäre so gewiß ein Traum, eine Scheinexistenz, als das „‘einige Deutschland‘“ (Der Einzige, S. 316). Nur ein Idiot, kann hier, „Scheinexistenz der Welt“, Solipsismus hineindichten! Oder sagen wir mal so: Die dressierten Menschen leben in einer Scheinwelt aus lauter fixen Ideen, etwa so wie jemand, der unter einem Verfolgungswahn leidet oder gar unter einer manifesten Psychose. Stirner wollte diese Welt auslöschen und den Schöpfer dieser Welt, der zeitweise seine Souveränität verloren hat, wieder in seine Rechte setzen. Es ist die Auflösung von okularer Panzerung und generell von Panzerung.

Wie nahe sich Reich und Stirner nicht nur in der Sache („Panzerung“), sondern auch in den Sprachbildern stehen, wird deutlich, wenn Stirner im Zusammenhang mit der Gesetzgebung im Staate davon spricht, daß durch zurückliegende Willensäußerungen der Wille quasi „erstarrt“ sei, was aus einem einstigen „Wollenden“ einen „Willenlosen“ macht, der, wie Stirner sich ausdrückt, in seinem „Flusse“ und seiner „Auflösung“ gehemmt ist (Der Einzige, S. 215).

Email [Auseinandersetzung mit einem Philosophen] 2003

15. Juni 2025

Email [Auseinandersetzung mit einem Philosophen] 2003

Max Stirner, Soter (Teil 11)

8. Juni 2025

Verbrecher von Geburt! Es existiert nichts über dem „leibhaftigen Menschen“, nicht „Menschlichkeit“, nicht „Freiheit“ oder irgendeine andere dieser „heiligen“ Ideen (Der Einzige, S. 400). Aus dem Leibhaftigen gehen alle Gedankengebilde hervor, z.B. die Religion. Sie ist ein Produkt des künstlerischen Schaffens. Der Künstler schafft ein Ideal des Menschen, das dann angebetet wird. Der Religiöse gerät in den Bann dieses Ideals – und richtet sich gegen, beschneidet die schöpferische Quelle, die das Ideal hervorgebracht hat. Der Künstler wiederum erhält zwar die Religion aufrecht, haucht ihr ständig neues Leben ein, aber er kann sie auch jederzeit sozusagen „wieder in sich zurückholen“, etwa indem er das Ideal in der Komödie der Lächerlichkeit preisgibt (Parerga, S. 99-110).

Ich, der Einzelne, der Endliche, der Einzige (Der Einzige, S. 271), der Wirkliche und Leibhaftige löse die substanzlosen allgemeinen Begriffe, den „Geist“ auf (Der Einzige, S. 189). Das „leibhaftige Ich“ (Der Einzige, S. 190), das „lebendige Ich“ pustet die toten Gespenster, d.h. ganze „Völker“ weg (Der Einzige, S. 184). Und da es nur gegen ein Heiliges „Verbrechen“ gibt (Der Einzige, S. 224), bin ich der geborene Verbrecher, d.h. das „zügellose Ich“, und in meinem „geheimen Inneren“ bleibe ich es stets (Der Einzige, S. 219). Ein „eigenes“, d.h. nicht von Wahnvorstellungen okkupiertes Ich, kann nicht davon ablassen, ein Verbrecher zu sein, denn das Verbrechen ist sein Leben (Der Einzige, S. 222). Er gehört zu den Menschen, „in denen die Totalität ihres Denkens und Handelns in steter Bewegung und Verjüngung wogt“, im Gegensatz zu jenen, „die ihren Überzeugungen treu sind: die Überzeugungen selbst bleiben unerschüttert, pulsieren nicht als stets erneuertes Arterienblut durch das Herz, erstarren gleichsam als feste Körper“ (Parerga, S. 92). Allein schon um einschlafen zu können, muß er alles aus dem Sinn schlagen können, d.h. ein egoistischer Verbrecher wider die Ideen sein (Der Einzige, S. 375). Ein „Verbrechertum“, bei dem es darum geht, sich zu „ergeben“: sich selbst zu ergeben und einer Welt zu ergeben, die zu unserem Eigentum geworden ist (Der Einzige, S. 341f).

Man wird nicht dadurch zum Egoisten, indem man ängstlich an sich hält, sondern durch Hingabe. „Wer nur besorgt ist, daß er lebe, vergißt über diese Ängstlichkeit leicht den Genuß des Lebens. Ist’s ihm nur ums Leben zu tun und denkt er, wenn Ich nur das liebe Leben habe, so verwendet er nicht seine volle Kraft darauf, das Leben zu nutzen, d.h. zu genießen. Wie aber nutzt man das Leben? Indem man’s verbraucht, gleich dem Lichte, das man nutzt, indem man’s verbrennt. Man nutzt das Leben und mithin sich, den Lebendigen, indem man es und sich verzehrt. Lebensgenuß ist Verbrauch des Lebens“ (Der Einzige, S. 358f). „Ich habe gegen Andere keine Pflicht, wie Ich auch nur so lange gegen Mich eine Pflicht habe (z.B. die der Selbsterhaltung, also nicht Selbstmord), als Ich Mich von Mir unterscheide (meine unsterbliche Seele von meinem Erdendasein usw.)“ (Der Einzige, S. 357).

Die Welt zu „vernichten“ ist unlösbar damit verbunden sich selbst zu vernichten, d.h. aufzulösen (Der Einzige, S. 330). Was soll das bedeuten? Da die Welt nicht mehr fremdes Eigentum, nämlich das Eigentum der Religion oder des Staates ist, sondern unser Eigentum sein soll, verbrauchen wir sie entsprechend. Wir versuchen die Gewalt, die sie gegen uns wendet, „dadurch zu vollenden und überflüssig zu machen, daß Wir ihr entgegenkommen, und Uns ihr, sobald sie Uns gehört, gleich Uns ‚ergeben‘“ (Der Einzige, S. 341f). Die ehrfurchtsvolle Distanz ist weg – denn der Verbrecher hat dafür keinen Sinn.

Der Einzige ist dabei nur in bezug auf die fixen Ideen a- wenn nicht sogar unmoralisch – aus Moral. Eine Moral, die im Sinne Nietzsches aristokratisch ist: „Ich fordere kein Recht, darum brauche Ich auch keins anzuerkennen“ (Der Einzige, S. 230). Stirner sagt nicht (wie die Satanisten es tun und die allgemeine Gesellschaft, die in pestilenter Projektion die Stirnerianer zu Satanisten stempeln will, es tut): „Ich fordere mein Recht und erkenne kein anderes an.“

Man mag einwenden, daß sich Stirner gegen jede Naturrechts-Argumente verwahrt hat (Der Einzige, S. 216f), aber natürlich ist auch der Eigner seiner selbst nur ein Menschentier mit ganz normalen Ehr- und Moralempfindungen („gesundes Volksempfinden“). Sie sind sogar eher stärker ausgeprägt als bei anderen: „Redet mit dem sogenannten Verbrecher als mit einem Egoisten, und er wird sich schämen, nicht, daß er gegen eure Gesetze und Güter sich verging, sondern daß er eure Gesetze des Umgehens, eure Güter des Verlangens wert hielt; wird sich schämen, daß er Euch mitsamt dem Eurigen nicht – verachtete, daß er zu wenig Egoist war“ (Der Einzige, S. 222).

„Was ist der gewöhnliche Verbrecher anders, als einer, der das verhängnisvolle Versehen begangen hat, nach dem zu streben, was des Volkes ist, statt nach dem Seinen zu suchen. Er hat das verächtliche, fremde Gut gesucht, hat getan, was die Gläubigen tun: die nach dem trachten, was Gottes ist“ (Der Einzige, S. 221f). Wenn der Kriminelle wirklich Egoist wäre, würde er sich schämen, sich über den Grad seiner Gesetzestreue zu definieren, d.h. das Gesetz zum Maßstab seines Treibens zu machen; sich gegen die bestehenden Gesetze nur aufzulehnen, statt gegen das Gesetz an sich zu sein (Der Einzige, S. 120f).

Max Stirner, Soter (Teil 10)

2. Juni 2025

Wenn Stirner gegen das Naturrecht argumentiert, tut er das, weil es eben kein „Natur-Recht“ ist, sondern den Endpunkt der „Vergeistigung“ und „Heiligung“ darstellt, so daß nichts in der Natur wirklich Natur bleibt, d.h. „seinen Wert für sich behält“ (Der Einzige, S. 98). Folgt man nicht die fremden, „vergeistigenden“ Eingebungen, sondern wie ein Tier seinen Antrieben, wird man feststellen, daß man „trotzdem“ vernünftig handelt. „Allein die Gewohnheit religiöser Denkungsart hat unsern Geist so arg befangen, daß Wir vor Uns in unserer Nacktheit und Natürlichkeit –erschrecken; sie hat Uns so erniedrigt, daß Wir Uns für erbsündlich, für geborene Teufel halten“ (Der Einzige, S. 178). „Eure Natur ist nun einmal eine menschliche, Ihr seid menschliche Naturen, d.h. Menschen. Aber eben weil Ihr das bereits seid, braucht Ihr’s nicht erst zu werden“ (Der Einzige, S. 372). Die „eigene Kritik“ gleicht der „tierischen Kritik des Instinktes. Mir ist es, wie dem kritisierenden Tiere, nur um Mich, nicht ‚um die Sache‘ zu tun“ (Der Einzige, S. 400).

Der Mensch hat eine angeborene Natur:

Was Einer werden kann, das wird er auch. Ein geborener Dichter mag wohl durch die Ungunst der Umstände gehindert werden, auf der Höhe der Zeit zu stehen und nach den dazu unerläßlichen großen Studien ausgebildete Kunstwerke zu schaffen; aber dichten wird er, er sei Ackerknecht oder so glücklich, am Weimarschen Hofe zu leben. Ein geborener Musiker wird Musik treiben, gleichviel ob auf allen Instrumenten oder nur auf einem Haferrohr. Ein geborener philosophischer Kopf kann sich als Universitätsphilosoph oder als Dorfphilosoph bewähren. Endlich ein geborener Dummerjan, der, was sich sehr wohl damit verträgt, zugleich ein Pfiffikus sein kann, wird, wie wahrscheinlich Jeder, der Schulen besucht hat, an manchen Beispielen von Mitschülern sich zu vergegenwärtigen imstande ist, immer ein vernagelter Kopf bleiben, er möge nun zu einem Bürochef einexerziert und dressiert worden sein. Oder demselben Chef als Stiefelputzer dienen. Ja die geborenen beschränkten Köpfe bilden unstreitig die zahlreichste Menschenklasse. Warum sollten auch in der Menschengattung nicht dieselben Unterschiede hervortreten, welche in jeder Tiergattung unverkennbar sind? Überall finden sich Begabtere und minder Begabte. (Der Einzige, S. 364f)

„Was Du zu sein die Macht hast, dazu hast Du auch das Recht“, bedeutet nicht, einen Aufruf zu rücksichtsloser Gewalttätigkeit, d.h. „Unmündigkeit“, sondern ganz im Gegenteil, die Fähigkeit mit Freiheit mündig umzugehen (Der Einzige, S. 207). „Mündig“ sein bedeutet nicht „der“ Natur oder irgendwelchen Ideologien, sondern der eigenen Natur zu folgen: „Die Natur aber kann Mich zu dem nicht berechtigen, d.h. befähigen oder gewaltig machen, wozu Mich nur meine Tat berechtigt“ (Der Einzige, S. 208). Man betrachte hinsichtlich „Was Du zu sein die Macht hast, dazu hast Du auch das Recht“ auch das unmündige Kind mit seinem Lächeln oder seinem Weinen. „Bist Du imstande, seinem Verlangen zu widerstehen oder reichst Du ihm als Mutter nicht die Brust, als Vater so viel von deiner Habe, als es bedarf?“ (Der Einzige, S. 294f). Kind und Vater handeln schlicht als Naturwesen: „Ein Hund sieht den Knochen in eines andern Gewalt und steht nur ab, wenn er sich zu schwach fühlt. Der Mensch aber respektiert das Recht des Andern an seinem Knochen. Dies also gilt für menschlich, jenes für brutal oder ‚egoistisch‘“ (Der Einzige, S. 309).

„Eigner und Schöpfer meines Rechts – erkenne ich keine andere Rechtsquelle als – Mich, weder Gott, noch den Staat, noch die Natur, noch auch den Menschen selbst mit seinen ‚ewigen Menschenrechten‘, weder göttliches noch menschliches Recht“ (Der Einzige, S. 225). „Die Menschenrechte, das teure Werk der Revolution, haben den Sinn, daß der Mensch in Mir Mich zu dem und jenem berechtigt: Ich als Einzelner, d.h. als dieser, bin nicht berechtigt, sondern der Mensch hat das Recht und berechtigt Mich. Als Mensch kann Ich daher wohl berechtigt sein, da Ich aber, mehr als Mensch, nämlich ein absonderlicher Mensch bin, so kann es gerade Mir, dem Absonderlichen, verweigert werden“ (Der Einzige, S. 352).

Jeder Mensch ist ein Verbrecher, da jede Handlung und jede Unterlassung entweder ein göttliches bzw. „natürliches“ oder ein menschliches Recht verletzt: „Ihr wißt nicht, daß ein eigenes Ich nicht ablassen kann, ein Verbrecher zu sein, daß das Verbrechen sein Leben ist“ (Der Einzige, S. 222). „Es ist nicht Einer unter Euch, der nicht in jedem Augenblicke ein Verbrechen beginge: eure Reden sind Verbrechen, und jede Hemmung eurer Redefreiheit ist nicht minder ein Verbrechen. Ihr seid allzumal Verbrecher! Doch Ihr seid es nur, indem Ihr Alle auf dem Rechtsboden steht, d.h. indem Ihr es nicht einmal wißt und zu schätzen versteht, daß Ihr Verbrecher seid“ (Der Einzige, S. 308f).