Posts Tagged ‘Seelenwanderung’

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 5. Orgonomie und Religion (Teil 1)

19. Juni 2022
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DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 5. Orgonomie und Religion (Teil 1)

Orgonomie und Metaphysik (Teil 38)

28. Februar 2022

Aller Mystizismus beruht auf der künstlichen Trennung zwischen subjektiven Empfindungen und den objektiven organismischen Vorgängen. Und so ist die Nahtodeserfahrung und das Austreten des Bewußtseins aus dem Körper vielleicht nichts anderes als eine extreme Variante der mechano-mystischen Pathologie des Menschentiers, die beim biologischen Zusammenbruch, der letztendlichen Abpanzerung, besonders augenfällig auftritt. Die Verweigerung der Hingabe in Potenz. Die übernatürliche Autonomie einer unsterblichen, dem Energiemetabolismus nicht unterworfenen „Essenz“, die der spiritistische Glaube lehrt, wäre das solipsistische, autistische, kontaktlose Gegenteil der Liebe. Wie Nietzsche in Morgenröte schreibt, eine schreckliche Zudringlichkeit und letztendlich der Ausdruck haßerfüllten Ressentiments: „Die Welt wird mich nicht los!“ (KRITISCHE STUDIENAUSGABE, Bd. 3, S. 190).

Andererseits glauben auch genitale Menschen wie die Trobriander, daß die Seelen der Verstorbenen zu einem entfernten „Avalon“ im Meer gehen. Wahrscheinlich entstand diese Vorstellung durch die, den Primitiven, unerklärlichen Luftspiegelungen über der See. So entspricht sie dem christlichen Wolkenkuckucksheim, das auf Luftspiegelungen über der Wüste zurückgeht. Immerhin sind diese durch das Flimmern der Atmosphäre verursachten Fata Morganen zumindest indirekt orgonotische Phänomene! „Eingeborene der Orgonomie“, wie Reichs kleiner Sohn, glauben an einen pulsierenden Plasmakörper, der im kosmischen Orgonenergie-Ozean schwimmt und die unsterblichen Seelen beherbergt (vgl. Peter Reich: Der Traumvater, München 1975, S. 133). Da er von genitalen Menschen vertreten wird, kann dieser Glaube kaum pathologisch sein, zumal lange vor dem Anfang Saharasias bereits die Neandertaler (wie sich aus Grabbeigaben zweifelsfrei erschließen läßt) an ein Leben nach dem Tode glaubten. Dies sagt natürlich nichts über die Richtigkeit dieser Vorstellung, nur daß es offenbar natürlich ist, gesund-naiv an ein Leben nach dem Tode zu glauben.

„Orgastisches Zerfließen im kosmischen Orgonenergie-Ozean“ ist leicht dahin gesagt – doch für jeden empfindungsfähigen Menschen ist der Tod eine Tragödie; und wenn nicht für den Sterbenden selber, dann sicherlich für seine Hinterbliebenen. Für jene, die jung sterben, gibt es weit begehrenswertere Wege, mit dem kosmischen Orgonenergie-Ozean eins zu werden, als ausgerechnet in der Umarmung des Todesengels, und ausgebrannte ältere Menschen erfahren den Tod sicher nicht als „Orgasmus“.

Vielleicht hätte dieser Endpunkt der jahrzehntelangen Involution einen anderen emotionalen Gehalt, wenn ihm die Endgültigkeit genommen und Leben und Tod als zyklischer Prozeß betrachtet würden, wie ja auch das Geschlechtsleben ein solcher Kreislauf von Ladung und Entladung ist. Leben und Liebe, Tod und „kleiner Tod“ wären dann, um mit dem Reich von 1923 zu reden, „wie das Aufschäumen der Meereswellen an der felsigen Küstenwand, die sie wieder in weiter Fläche zurückwirft“ („Zur Trieb-Energetik“, Frühe Schriften, Köln 1977, S. 160).

Als der Urmensch die Zyklen der Natur, z.B. die Phasen des Mondes oder den Wechsel der Jahreszeiten beobachtete, muß er sie auch auf den Tod bezogen haben und so zum Glauben an die Wiederverkörperung gekommen sein. Dergestalt ist im Matriarchat der Tod keine endgültige Vernichtung, sondern nur sozusagen die notwendige Ruhepause zwischen Ernte und Aussaat. Was für eine lebensfeindliche Kehre diese Vorstellung im Patriarchat nahm, zeigt der traditionelle Wiedergeburtsglaube im Hinduismus. Er lehrt, daß alles vergänglich und deshalb nichts wichtig sei, sodaß das einzelne Leben im leidvollen Kreislauf der Wiedergeburten jedes Schwergewicht verliert, was auch jede Mitmenschlichkeit untergräbt. Außerdem ist die Vorstellung von der „Seelenwanderung“ ein Produkt mangelnder spiritueller Durchdringung, ist es doch schon mehr als fraglich und schlechtweg unbeweisbar, ob wir in der Vergangenheit das gleiche „Ich“ waren und in Zukunft noch dieses „Ich“ sein werden. Geschweige denn, daß sich dieses imaginäre „Ich“ über mehrere Leben erhält. Schon Gautama Buddha hat sich, wenn auch reichlich inkonsequent, gegen die lächerliche Vorstellung einer Wanderung des „Ich“ von Leben zu Leben gewandt.

Im Unterschied zum Hinduismus und Buddhismus glaubte Nietzsche, daß alles viel zu wertvoll sei, um vergänglich zu sein und fand seinen Trost grade in der Vorstellung einer ewigen Wiederkehr des Gleichen, die für den Inder der Inbegriff alles Schrecklichen ist. Die identische Wiederkehr verleiht dem einzelnen Leben ein unendliches Schwergewicht. Wenn ich nochmals leben sollte, dann wäre es exakt nochmal dieses Leben, weil es ansonsten eben nicht dieses, mein Leben wäre. Das besondere an Nietzsches Konzept ist also, daß es gerade auf der Verneinung der autonomen, von den Umständen nicht berührten Seele beruht.

Da es keine übernatürliche „Essenz“, kein autonomes Subjekt gibt, das das Leben lebt und überlebt, und da das Subjekt mit seiner Umgebung funktionell identisch ist, ist Wiederkehr nur möglich, wenn gleichzeitig auch die gesamte Umgebung bis in die kleinsten Einzelheiten wiederkehrt. Und weil mittlerweile (mehr oder weniger) experimentell nachgewiesen ist, daß alles unlösbar miteinander verknüpft ist und ein Augenzwinkern den gesamten Kosmos beeinflußt, wird sich alles in alle Ewigkeit variationslos wiederholen. Jedenfalls wenn die Welt so funktioniert, wie Nietzsche es nahegelegt hat: als Simulation von Beharrung, durch „zyklische Wiederkehr“. Daß es überhaupt Sein gibt, ist Beweis genug für die ewige Wiederkehr des Gleichen.

David Holbrook, M.D.: SEX, LIEBE, STRÖMUNGSANGST UND ALL IHRE ÄUßERUNGSFORMEN (Teil 1)

26. Februar 2021

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Sex, Liebe, Strömungsangst und all ihre Äußerungsformen (Teil 1)

 

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel VI.13.

27. Mai 2016

orgonometrieteil12

I. Zusammenfassung

II. Die Hauptgleichung

III. Reichs „Freudo-Marxismus“

IV. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

V. Reichs Biophysik

VI. Äther, Gott und Teufel

1. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

2. Spiritualität und die sensationelle Pest

3. Die Biologie zwischen links und rechts

4. Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur

5. Die Illusion vom Paradies und die zwei Arten von „Magie“

6. Die gesellschaftlichen Tabus

7. Animismus, Polytheismus, Monotheismus

8. Dreifaltigkeit

9. „Ätherströme“, Überlagerung und gleichzeitige Wirkung

10. Die Schöpfungsfunktion

11. Die Rechtslastigkeit der Naturwissenschaft

12. Bewegung und Bezugssystem

13. Der Geist in der Maschine

The Journal of Orgonomy (Vol. 29, No. 2, Fall/Winter 1995)

11. August 2012

In seinem Artikel „Orgone Therapy: The Application of Functional Thinking in Medical Practice. Part XVII: The Province of Medical Orgonomy“ (S. 165-174) beschäftigt sich Charles Konia u.a. mit Figuren, die zwar als „Orgontherapeuten“ und „Orgonomen“ auftreten, jedoch nicht die charakterstrukturellen Voraussetzungen dazu nicht mitbringen.

Ein besonderes Problem sind notorische Mystiker:

Mystische Menschen haben (…) einen gewissen Grad des Kernkontakts aufrechterhalten, wenn auch verzerrt (…). Obwohl einige die Orgonomie anfangs annehmen können, bauen sie sie früher oder später in ihr System von mystischen Einstellungen und Verzerrungen ein. Diese Untergruppe, diejenigen, die ihre Mystik nicht aufgeben können, sind häufig in den Tiefen ihrer Struktur psychotisch. (S. 171)

Jeder, der mystischen Lehren anhängt, kann unmöglich Orgontherapeut sein. Reich hat dazu geschrieben: „Ein Ingenieur wird bei seiner Arbeit von seinem Glauben an ein jenseitiges Glück vielleicht nicht gestört, bei einem Sexualökonomen wäre ein derartiger Glaube jedoch eine Katastrophe“ („Work Democracy in Action“, Annals of the Orgone Institute, Vol. 1, 1947, S. 32).

Was zieht dann diese armen Irren ausgerechnet zur Orgonomie? Das, was Reich als „kosmische Sehnsucht“ bezeichnet hat. Reich:

Die mystischen Vorstellungen so vieler Religionen, der Jenseitsglaube, die Lehre von der Seelenwanderung etc. entstammen ausnahmslos der kosmischen Sehnsucht; und die kosmische Sehnsucht ist funktionell in den Ausdrucksbewegungen des Orgasmusreflexes verankert. (Charakteranalyse, KiWi, S. 515)

Was diese unglückselig ver(w)irrten Seelen von uns Normalsterblichen unterscheidet, was sie erleben, hat Reich wie folgt beschrieben:

[Die] Ablösung der Funktion der Selbstwahrnehmung von den organismischen Funktionen kann in einigen Fällen nicht anders erlebt werden als in der Form „Seele verläßt Körper“ oder „Seele befindet sich außerhalb des Körpers“. Da die Wahrnehmung nur geringen und schließlich gar keinen Kontakt mehr mit den bioenergetischen Funktionen hat, die sie subjektiv widerspiegelt, erlebt man auf sehr typische Weise „Selbstentfremdung“ oder „Selbstentrücktheit“. Dementsprechend haben Prozesse wie Projektion, Trance, Depersonalisation, Halluzination usw. eine konkrete Spaltung im bioenergetischen System zur Grundlage. (ebd., S. 572)

Bei allem Mitleid und Verständnis, es wird Zeit diesen wahrscheinlich unheilbar strukturell gestörten Leuten endlich Einhalt zu gebieten. Ansonsten wird die Zukunft der Orgonomie folgendes Gesicht tragen: