Archive for the ‘Psychologie’ Category
David Holbrook, M.D.: LÜGEN, VERSTECKEN UND DIE WAHRHEIT / DIE SCHICHTEN DER WAHRHEIT
25. Oktober 2021Orgonomie und Metaphysik (Teil 2)
22. Oktober 2021Wohin man blickt, lebt der Mensch in einer doppelten Welt: dieser materiellen Welt und einer immateriellen „Anderswelt“ ganz entsprechend unserem Tagesbewußtsein und unserem Traumbewußtsein. Diesen Doppelcharakter der Weltwahrnehmung findet man bei jedwedem primitiven Stamm und bei allen Religionen und Weltanschauungen. Wenn nicht explizit, wie bei allen „Esoterikern“, dann implizit und verklausuliert, wie etwa bei Moslems und Marxisten: die Welt ist ein bloßer Traum, „entfremdet“, ein „Fetisch“, die wahre Welt kommt erst nach dem individuellen Tod bzw. wenn die Entfremdung kollektiv aufgehoben ist. Okkult, von wegen „verborgene Kräfte“, wird das ganze, wenn man über die „geistige Welt“ die materielle Welt beeinflussen will, das tägliche Brot von Voodoo, Hexen, Schamanen, Satanisten etc.
In die gleiche Kategorie fallen die diversen „energetischen“ Heilmethoden, „energetische Medizin“ und ähnliches, inklusive der diversen „Reichianischen“ Schulen. Sie reden zwar von „Energie“ gar dem „Orgon“, aber das sind alles nur Worte, die für die besagte „Anderswelt“, „Geist“, „verborgene Kräfte“ stehen, keineswegs aber für die kosmische Lebensenergie! Es ist nicht viel anders, als würde man die Orgonenergie mit Sauerstoff, Wasser, Vitaminen etc. gleichsetzen. Das macht zwar bis zu einem gewissen Grad Sinn, trägt aber offensichtlich nicht weit.
Der Mystizismus zeigt sich auch bei denjenigen, die im Bereich der orgonomischen Wissenschaft tätig sind und aufgrund struktureller Beschränkungen nicht in der Lage sind, funktionelle Forschung zu betreiben. Einige engagieren sich in bereits existierenden Alternativen zur mechanistischen Wissenschaft, während andere ihre eigene Art von Mystik entwickeln. Worte und Ausdrücke wie „höheres Bewußtsein“ und „Energie bewegen“ sind Hinweise auf eine Tendenz zum Mystizismus und mystischen Denken. (Charles Konia: „Neither Left Nor Right (Part II): The Breakdown of Social Structure” Journal of Orgonomy 30(1), Spring/Summer 1996, S. 75)
Daß die gespaltene Sichtweise der Welt nicht ganz abwegig ist, zeigt die Wissenschaft schlechthin, die Physik. Physiker (und damit alle anderen Naturwissenschaftler!) können gar nicht anders als Platonisten zu sein. Das fängt bei Berechnungen von Alltagsproblemen an und endet bei der Elementarteilchenphysik: letztendlich reduziert sich die Welt auf abstrakte mathematische Strukturen. Was hier fehlt, hat Reich in Äther, Gott und Teufel angeschnitten, die Rückführung dieser Formeln auf die Bewegungsgesetze der Orgonenergie (siehe Teil 1). In Anlehnung an Henri Bergson („die Idee ist ein stehengebliebener Gedanke“) kann man sagen, die besagten abstrakten Strukturen sind „stehengebliebene Energie“.
Mit der Entdeckung des Orgons und der davon nicht zu trennenden Entwicklung der funktionellen Denktechnik war Reich der Erste, der die Dichotomie überwunden hat, d.h. sowohl die Mystik (Anderswelt) als auch die „Mechanistik“, die voneinander untrennbar sind und den „Mechano-Mystizismus“ bilden.
Imgrunde geht es um die Herstellung von Kontakt, weshalb auch eine Orgontherapie Grundvoraussetzung jeder Beschäftigung mit der Orgonomie ist. Konkret geht es um die Herstellung von emotionaler Tiefe, ohne die jedweder Zugang zum gemeinsamen Funktionsprinzip CFP (siehe Teil 1) unmöglich ist und jede Rede von „Energie“ ein bloßes Lippenbekenntnis bleiben muß (Mystizismus) und jede Praktik unbeholfener Mechanismus.

Siehe auch „Gefühle und Mystizismus“ im 3. Band meines Buches Orgonometrie (S. 88f) und als Illstration die morgige Besprechung.
Fußnote zu: Nachwort zu „Zweite Ergänzung zu ‚Besprechung von ORGONOMIC FUNCTIONALISM No. 8, Spring 2021 (Teil 3)‘“
16. August 2021Ich erwähnte eine Eselsbrücke zur englischen Vokabel „elevator“: –> see you later alligator –> rock’n roll –> Elvis Presley –> Las Vegas –> merkwürdigerweise spielen in allen Filmen über Las Vegas Fahrstühle eine zentrale Rolle –> Fahrstuhl.
Jedes einzelne Wort der Eselsbrücke, bspw. „Elvis“, wird selbst wieder über eine entsprechende Eselsbrücke ins Bewußtsein gerufen. Das zeigt uns, daß Sprachen untrennbar von der Kultur sind, in der wir aufgewachsen sind und leben. Eine zweite entscheidende Rolle wird der Aufbau und das Funktionieren (sozusagen „Assoziieren“) unseres Organismus spielen. Alles hier ausgeführte in der Tradition: Kant (Organismus), Marx (Gesellschaft), Freud (die Vergesellschaftung der Psyche), Reich (die Vergesellschaftung des Körpers)!
Plansprachen sind von daher eine Todgeburt wie alles Künstliche. Die einzige Möglichkeit, den Beschränkungen unserer gepanzerten Sprache zu entkommen, ist die Orgonometrie. Sie steht in der gleichen Traditionsreihe, wenn wir noch Hegel, Engels und Lenin einfügen.
Nachwort zu „Zweite Ergänzung zu ‚Besprechung von ORGONOMIC FUNCTIONALISM No. 8, Spring 2021 (Teil 3)‘“
15. August 2021Gibt es ein „primordiales Bewußtsein“, das Erinnerungen etwa so speichert wie ein Magnetband? Reich hat in Charakteranalyse lang und breit ausgeführt, daß das Ich die Summe aller vergangenen Erlebnisse ist. Da wird nichts mechanisch „abgespeichert“, sondern in der Vergangenheit wurden bestimmte Weichen für die Strukturierung des sich entwickelnden Organismus gestellt, weshalb „Erinnerungen“ nichts anderes sind als die Wahrnehmung der aktuellen biophysischen Struktur des Organismus. Wie sollte es auch anders sein? Imgrunde sagen die Mystiker natürlich auch nichts anderes, nur daß sie die Welt vollkommen überflüssigerweise verdoppeln. Diese Spaltung hat Reich im letzten Kapitel der Charakteranalyse analysiert…
Nehmen wir hier die Erinnerung an das intrauterine Leben – und in letzter Konsequenz an Vorleben: der Hauptfehler der Proponenten von „Rückführung“, wie Freud, Jung, Rank, etc., liegt einfach darin, daß es das „Ich“, das sich angeblich erinnert, gar nicht gibt. Es ist genau umgekehrt: erst der Akt der Erinnerung konstituiert das Ich. Natürlich existierte die Vergangenheit, denn mein Selbst, d.h. mein Körper, war dabei als ich geboren wurde, aber es ist naiv zu glauben, damals wäre etwas abgespeichert worden, was man später wieder abrufen kann. Erinnerungen sind, streng orgonomisch betrachtet, nur eine aktuelle Folgeerscheinung der Art, wie in der Vergangenheit sich die bioenergetische und physische Grundlage des Ich formierte („Zeit –> Raum“). Beim Erinnern geht es also nicht um „das Abspielen einer Kassette“ („Raum/Zeit“), sondern darum, wie der „Kassettenrekorder“ gebaut und immer wieder repariert wurde.
Selbst Vokabellernen würde ich hier hinzurechnen. Niemand kann mir einreden, daß eine Vokabel wie „elevator“ in irgendwelchen Schaltkreisen oder biochemischen Verbindungen im Gehirn gespeichert wird, um dann jederzeit wieder abgerufen werden zu können. Als ich die Vokabel „elevator“ lernte, konstituierte sich mein „Selbst“ neu, wie bei jedem neuen Input. Dieser Vorgang wird evident, wenn man sich den konkreten Mechanismus des Erinnerns vergegenwärtigt. Es wird nichts von einem Speicher „abgerufen“, sondern Assoziationsketten, Eselsbrücken, rein physiologische Automatismen und der Abschluß offener „Gestalten“ sind die Grundlagen der Erinnerung. Erinnerungen sind in das Funktionieren des Körpers eingebettet: es handelt sich um zusätzliche Organe (Hans Hass).
Bei mir wäre die Eselsbrücke etwa: „elevator –> see you later alligator –> rock’n roll –> Elvis Presley –> Las Vegas –> merkwürdigerweise spielen in allen Filmen über Las Vegas Fahrstühle eine zentrale Rolle –> Fahrstuhl“.
Warum wird dann doch das Ich so betrachtet, als wäre es ein kleines Männchen, das im Gehirn sitzt? Diese Illusion beruht auf der orgonotischen Pulsation, die die primäre Grundlage des „sekundären“ Ich ist. Erinnert sich etwa ein Patient an die Einzelheiten seiner Geburt, bedeutet das nicht, daß er damals ein Bewußtsein, ein „Ich“ hatte, das dies abspeicherte, vielmehr durchlief damals das pulsierende orgonotische System eine entscheidende Entwicklungsphase, die seine zukünftige Entwicklung bestimmte. „Erinnerungen“ sind gar keine „Erinnerungen“, sondern nur die Wahrnehmung der aktuellen biophysischen Struktur des Organismus. Erinnerungen sind also letztendlich eine Illusion, aber eine notwendige Illusion, denn nur so gewinnt das „Ich“ seine Identität.
„Erinnerungen an frühere Leben“ entsprechen in etwa dem, was mir passiert, wenn ich in der Abenddämmerung nach Hause gehen: irgendwelche Stoffetzen an Bäumen werden aus der Entfernung zu Personen, weil mein Gehirn im Chaos meiner Umwelt, immer Sinn ausmachen will, damit ich mich überhaupt orientieren kann. All die „Kleopatras“ und „Napoleons“, die heute rumlaufen, sind Menschen, die Halt im Ansturm ihrer wirren Gefühle suchen.
Genauso wie es mittels der soziopolitischen Charakterologie möglich ist, die politischen Weltläufe zu verstehen, ohne in Verschwörungstheorien Zuflucht nehmen zu müssen, kann die „personale“ Charakterologie auch jene „unerklärlichen“ seelischen Vorgänge erklären, von denen all die Spökenkieker unter den Therapeuten berichten.
Man kann sagen, daß nach der modernen Neuro-Psychiatrie das Gehirn eine „konstruktivistische Sinnfindungsmaschine“ ist, die von Eindrücken bedrängt wird, denen das Gehirn irgendeinen Sinnzusammenhang geben muß. Das Gehirn darf unter keinen Umständen eine Sinnleere zulassen, da sich sonst der Mensch nicht mehr orientieren kann. Zum Beispiel könnte man in lauten Kneipen keine Gespräche führen, würde man nicht ständig die Lücken in den Sätzen, die man nicht vom Hintergrundgeräusch trennen konnte, mehr oder weniger sinnvoll selbst auffüllen. So schließen wir auch sonst ständig Sinnlücken, um uns in einer von uns nur fragmentarisch registrierten Welt überhaupt zurechtfinden zu können. Hier könnte beispielsweise das Geheimnis des UFO-Phänomens liegen: früher „sah“ man Gnome, Engel und Dämonen, heute sieht man „UFOnauten“.
















