Posts Tagged ‘Christus’
16. März 2023
[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Kurt Hiller, mit dem ich mich kurz in Band 1 von Der Rote Faden (S. 69f) beschäftige, schrieb 1943 über Marx:
Bei allen großen Denkern beobachten wir Entwicklung, Wachstum, gewisse Wandlungen; aber bei Karl Marx sehen wir einen Bruch. Nach 1845 dachte und schrieb Marx das genaue Gegenteil von dem, was er bis 1845 dachte und schrieb. Nicht in politischer Hinsicht das Gegenteil, aber in philosophischer Hinsicht. Während er bis 1845 auf der Linie jenes ethischen Aktivismus philosophierte, der seit Echnaton und Moses, seit Zoroaster und Kungfutse, seit Sokrates und Christus allen Großen der Menschheit gemeinsam ist, ging er nach 1845 dazu über, zu antiphilosophieren: das Geistige als Funktion herabzusetzen, Ethik als Kategorie lächerlich zu machen, über die Idee IDEE zu spotten. Dies war sein berühmter „Materialismus“; nicht, daß er die materielle Bedingtheit des seelisch-geistigen Daseins behauptete und insonderheit die ökonomisch-materielle, deren Schauerlichkeit für einen bedeutenden Sektor der Bevölkerungen unter dem Kapitalismus er erkannte. Er teilte diese Erkenntnis mit den Sozialisten vor ihm, den von ihm „utopisch“ genannten, und die Bedeutung des Materiellen überhaupt war bereits drei, vier Generationen vor ihm von der Aufklärung, besonders der französischen, erfaßt worden und längst Gemeinbesitz aller Gebildeten, gerade auch aller gebildeten Idealisten. Marx‘ „Materialismus“ mit seiner immer noch nicht erloschenen Herausforderung ist: sein Nein zur philosophischen Methode. Welche er bis zu seinem siebenundzwanzigsten Jahre selber großartig angewandt hat. Wie der Bruch zu erklären sei, darüber mögen Historiker mit Psychologen, Zeloten mit Zynikern streiten. (Kurt Hiller: Marx-Kritik in der Nußschale. In: Köpfe und Tröpfe, Hamburg 1950, S. 153-170)
Man kann mit Fug und Recht sagen, daß 1845 der Rote Faschismus begann. Siehe wieder Der Rote Faden. Der gesamte Marxismus war nichts anderes als eine gescheiterte, sich ins Gegenteil kehrende biologische Revolution!
Was war 1845 geschehen? Marx war (übrigens wie später gewisserweise auch Freud!) Feuerbachianer, d.h. „Gott“ und damit alle Ideale wurden als bloße Projektionen „des Wesens des Menschen“ entlarvt. Man war „Humanist“. Dann kam Stirner und entlarvte dieses „Menschenwesen“ als bloßen Spuk; ein Gespenst, das das einzig Reale bedrückt, den einzelnen konkreten Menschen. Damit brach Marx‘ gesamtes Weltbild zusammen. Kein „Ideal“ mehr und sei es „der Mensch“. Um kein Stirnerianer werden zu müssen, entwarf Marx den Historischen Materialismus, d.h. den realen Verhältnissen wird kein Ideal, kein normativer Maßstab, äußerlich entgegengehalten:
Worum es Marx ganz wesentlich geht, ist, die materiellen Verhältnisse als solche auszuweisen, die aus sich selbst heraus notwendig „die realen Bedingungen ihrer eignen Aufhebung“ hervorbringen und so die Menschen in den Zustand versetzen, erstmals zum Subjekt zu werden, „das in dem Produktionsprozeß nicht in bloß natürlicher, naturwüchsiger Form, sondern als alle Naturkräfte regelnde Tätigkeit erscheint“. Damit wären die „universal entwickelten Individuen, deren gesellschaftliche Verhältnisse als ihre eignen, gemeinschaftlichen Beziehungen auch ihrer eignen gemeinschaftlichen Kontrolle unterworfen sind, (…) kein Produkt der Natur, sondern der Geschichte“. (Matthias Spekker: „ihrem Wesen nach kritisch und revolutionär“. Wahrheit in Marx‘ wissenschaftlicher Gesellschaftskritik)
Hinter all dem verqueren Wortgeklingel, das die Wahrheit verbergen soll, wird dem dialektisch geschulten Blick unmittelbar deutlich, worum es geht – um etwas, was später Reich von den Marxisten um die Ohren gehauen werden sollte: die Gesellschaft, die Geschichte gegen die Biologie, die Natur; die Gesellschaft gegen das Individuum; Regulierung und Planung gegen Selbstbestimmung und Selbststeuerung. Hinter all dem pseudo-aufklärerischen Bombast kehrt die Reaktion in potenzierter Form zurück: Roter Faschismus. Schlimmer: die Reaktion hatte wenigstens noch einen vagen Respekt vor dem Individuum und der Natur, während der Marxismus nur Unterdrückung und Zerstörung kennt.
Marx war sozusagen besessen und wurde, trotz seines intensiven Stirner-Studiums, seine Gespenster nicht wieder los. Um Reich zu paraphrasieren: diese Pseudo-Revolutionäre müssen ihre Seele dem Teufel verkaufen, während der Konservative wenigstens die Chance hat anständig zu bleiben.
Schlagwörter:Christus, Echnaton, Ethik, Historischer Materialismus, Karl Marx, Konservative, Kungfutse, Kurt Hiller, Marx, Marx-Kritik, Marxismus, Marxisten, Materialismus, Moses, Sokrates, Sozialisten, Zoroaster
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11. Februar 2023
Schlagwörter:Anarchist, Bolschewist, Cesare Battisti, Christus, Ermordung Christi, Erster Weltkrieg, Henker, Isonzo, Karl Kraus, Krieg, Kuehnelt-Leddihn, Logos, revolutionär, Südfront, Scharfrichter, Separatist, Sexualreformer, Sohn Gottes, Zivilbevölkerung
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10. Februar 2023
Schlagwörter:Apostel, Auferstehung, Christentum, Christus, Christusfigur, Erleuchtung, Erscheinungen, Evangelien, Frankenstein, Gott, Heilsökonomie, Hysterie, Islam, Jesus, Jesus Christus, Josh McDowell, Kenneth Branagh, Kirchengeschichte, Kreuzestod, Kreuzigung, Mary Shelley, Menschheitslehrer, Messias, Mohammed, Mysterienspiele, Mystiker, Nationalsozialismus, Neurotiker, Paranoiker, Paulus, Prophet, Sünde, Sünder, Schizophrene, Todestrieb, Trinität, Vaterunser, Willensfreiheit
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21. Januar 2023
Schlagwörter:11. September, Adolf Hitler, Adolf Hitlers, Animismus, Antifaschismus, Baldur von Schirach, C.G. Jung, Christentum, Christus, Dietrich Eckart, Eckhart Tolle, Ernst Zündel, Esoterik, Faschismus, Führer, Hitler, Hitlergruß, Holocaust-Leugner, Horst Mahler, Jesus, Judentum, Mechanismus, Messias, Mystizismus, Nationalsozialismus, Naturmystik, Nazis, Neonazis, NSDAP, Paulus, Peta, Protokolle der Weisen von Zion, Pussy Riot, Rebellion, Sakrileg, sexuelle Revolution, Vegetariertum, Verschwörungstheorien
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19. Januar 2023
Schlagwörter:Albigenser, Alfred Rosenberg, Anthroposophie, Antijudaismus, Antisemitismus, Apokalypse, Apokalyptik, Arier, Arnoldisten, Auschwitz, Auslandsdeutsche, Baldur von Schirach, Blut und Boden, Blutfahne, Christologie, Christus, Deutsche Christen, Ehre, Endlösung, Erlösung dem Erlöser, Evangelien, Faschismus, Gnosis, Goebbels, Hakenkreuz, Heiliger Gral, Heldentum, Himmler, Hitler, Hugenotten, Jörg Lanz von Liebenfels, Jüngstes Gericht, Jesus, Johanneisches Christentum, Judentm, Katharer, Kreuzestod, Lutheraner, Märtyrerkult, Nationalsozialismus, Nationalsozialisten, NSDAP, Parsifal, positives Christentum, Rasse, Reformierte, Robert Wistrich, Rudolf Hess, Rudolf Steiner, Satanologie, Schicksal, Sol invictus, Stedinger, Swastika, Volk, Vorsehung, Wagnerianer, Waldenser, Weihestätten
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13. Januar 2023
Schlagwörter:•, Christus, Christusmörder, Eifersucht, Epheser, Grausamkeit, Heiliger Geist, Intoleranz, Jakobus, Jesus-Kult, Juden, Kyrios, Moslem, Paulus, Römerbrief, Selbstsucht, Teufel, Timotheus, Titus
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10. Januar 2023
Schlagwörter:Altes Testament, Apostelbriefe, Barmherzigkeit, Christen, christliche Dogmatik, Christus, Franz Kafka, Gerhard Streminger, Gottes Sohn, Gottessohn, Höllenstrafen, Heiligenschein, Himmelreich, Israel, Jüngstes Gericht, Jesus, Katholische Briefe, Keuschheit, Luther, Menschensohn, Neues Testament, Paulus, Thomas von Aquin, Thyl Uhlenspiegel, Westkirche
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16. Dezember 2022
Schlagwörter:Abendmahl, Auferstehung, Ausschweifung, Christentum, Christus, Eifersucht, Engelfürst, Feindseligkeiten, Freßgier, Freude, Freundlichkeit, Frieden, Galaterbrief, Götzendienst, Güte, Geduld, Gott, Hohelied der Liebe, Jesus Christus, Kastensystem, Korintherbrief, Liebe, Lutherübersetzung, Neid, okkulte Praktiken, Paulus, Paulusbriefe, Philipper, Rücksichtnahme, Rechthaberei, Schamlosigkeit, Selbstbeherrschung, Spaltungen, Streit, Superapostel, Thessalonicher, Treue, Trunkenheit, Unmoral, Wutausbrüche, Zerwürfnisse
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2. Dezember 2022
Schlagwörter:Christus, Christusmörder, Heiliger Geist, Jesus, Paulus, Paulusbriefe, Pharisäer, Priesterkaste, Rabbinern, Sabbatai Zwi, Sünde, Thora
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26. November 2022
[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
In American Odyssey äußert sich Reich selbst über die „Aufklärung“: „Die ‚göttliche Emotion‘, die gemeinhin als ‚Erleuchtung‘ bezeichnet wird, zu leugnen, ist gleichbedeutend damit, sich den Zugang zum kosmischen Orgon und damit zur Natur selbst zu versperren“ (S. 296). Dieser eine Satz drückt „meine“ ganze Theorie über verzerrten Kernkontakt („devine emotion“), Verlust dieses Restkontakts („enlightenment“) und Reichs „anti-‚aufklärerische’“ (die Anführungszeichen sind hier das wichtigste!) Position in dieser Sache aus. – Dieser Ansatz ist eine Vertiefung von LSR. Ein LSR, das Reich natürlich nie verlassen hat: er würdigte sich nie dazu herab, „die Ansicht (…) zu bestätigen, daß Gott existiert, usw. “ (ebd., S. 273). Trotzdem muß er konstatieren, „daß auch Konservative ein wahrhaft revolutionäres Herz haben und daß sie Arbeit und Liebe mehr schätzen als so mancher Sozialist“ (ebd., S. 304).
Reich hat entwaffnet, daß Freud einerseits „im Judentum verwurzelt“, andererseits „gottlos“ war; einerseits dem „Sozialismus“ offen gegenüberstand und andererseits konservativ bis ins Mark war; einerseits Reich anfangs ganz offen und echt (!) als „Seelenverwandter“ gegenübertrat (vielleicht ganz ähnlich wie bei LaMettrie und Fredericus Rex, Stirner und Engels), um sich dann schließlich als mörderischer Erzfeind zu erweisen.
Mich fasziniert diese Widersprüchlichkeit, der im übrigen wir alle ausgesetzt waren, als uns unsere Eltern einerseits mit echter Liebe entgegentraten und andererseits als Agenten einer mörderischen „Kultur“ fungierten.
Als Reich sich mit Christus identifizierte und die Kinder mit dem „Gekreuzigten“ – also mit sich selbst Christus/Reich, drückte er damit diesen Zusammenhang aus. L/S/Reich als Einzelner gegen ein mörderisches System, so wie jedes Kind „einzeln“ gegen die mörderische Gesellschaft steht.
Die Tragik an dem ganzen ist m.E. die erwähnte Widersprüchlichkeit, die diesen Einzelnen vollkommen hilflos macht: man lockt ihn mit durchaus echter Liebe – um ihm ein Über-Ich zu verpassen. Das passiert mit jedem Kind und das ist auch mit Reich passiert. Nur, daß der sich wehrte und deshalb von seinem „Vater“ (Freud) erschlagen wurde. (Freud hat das natürlich schon in Totem und Tabu von 1912 ganz anders gedreht, nämlich als die ewige Bedrohung durch den Vatermord. Letztendlich also dem „Mord“ am Über-Ich, den sich Reich schuldig machte.)
Wie aus dieser Falle herauskommen? Meine Gedankenlinie ging dahin, den Spieß umzudrehen und die besagte Widersprüchlichkeit gegen die Vertreter der Lebensfeindlichkeit selbst zu richten, indem man den letzten Fetzen an Lebensgefühl, das sie noch haben, appelliert und dabei keine Ausflüchte in allgemeines Gelaber über „Gott“, „Liebe“ und „Kultur“ zuläßt. Ich glaube Reich hat dieses lebenspositive Rest-Element in Freud gemeint, als er davon sprach, daß sein „Antlitz Spuren des Kusses der Wahrheit zeigte“ (S. 269). Während man bei den angeblichen Mitstreitern, etwa bei der „Freudian Left“ (Fenichel, Marcuse, etc.) dieses Element umsonst suchen wird. Man ist bei ihnen prinzipiell verraten und verkauft. Nun, konkret war Reich auch bei Freud „verraten und verkauft“, desgleichen auch bei „America, God’s own country“, aber, wenn es überhaupt irgendeine Hoffnung gab, dann da. Mir ist natürlich bewußt, wie absolut irrwitzig und pervers das ist. Zehntausendmal irrwitziger und perverser finde ich aber, wenn man den angeblichen Freunden folgt, die kein bißchen „traces of the kiss truth“ haben, jedenfalls nicht in dem existentiellen Sinne, wie Reich das meinte – und bloß intellektuell die „richtige Meinung“ zu vertreten, ist schließlich bedeutungslos. Und letztendlich kommt es auch „intellektuell“ durch, dieser strukturelle Verrat der angeblichen Freunde.
Schlagwörter:Aufklärung, Christus, Engels, Erleuchtung, Fenichel, Fredericus Rex, Konservative, LaMettrie, Marcuse, Sozialismus, Sozialisten, Stirner, Totem und Tabu, Vatermord
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