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Die biologische Fehlrechnung in der Ökonomie (Teil 6)

10. September 2023

Abschließend möchte ich die im vorangegangenen Teil kurz angeschnittene Frage nach dem Zins behandeln. Sie dreht sich letztendlich immer um den „Josefgroschen“: ein vor 2000 Jahren angelegter Taler müßte bis heute Zinsen abgeworfen haben, die alle Rahmen sprengen, d.h. den Zinsmechanismus ad absurdum führen. Dieser unendlichen Kapitalakkumulation sind aber natürlich alle möglichen Schranken vorgeschoben, d.h. immer neue „Resets“ im Verlauf der letzten zweitausend Jahre. Im Normalfall sind Kredite und die mit ihnen verknüpften Zinszahlungen zeitlich beschränkt. Dabei ist alles von der Beziehung und dem Kontakt zwischen Kreditnehmer und Kreditgeber abhängig, insbesondere aber von der Expertise (vor allem Menschenkenntnis) des letzteren. Es dreht sich hier um ein Kernelement des Geflechts der Arbeitsdemokratie; ein Gewebe, das die Gesellschaft zusammenhält.

Dieses Gewebe hat drei Charakteristika: 1. ist es mit dem Verstreichen der Zeit verbunden, d.h. der Aufrechterhaltung von bioenergetischer Spannung zwischen den Wirtschaftsmitgliedern, die durch den Kredit hervorgerufen und durch den Zins akzentuiert wird; 2. entzieht es sich von seinem Wesen her der staatlichen Kontrolle (tatsächlich ist das gesamte Steuerwesen, das dieser Kontrolle dienen soll, nichts anderes als organisierte Emotionelle Pest); 3. ist der inhärente „Wachstumszwang“ Ausdruck des orgonomischen Potentials. Ein Wort führt diese drei Elemente zusammen: der besagte Josefpfennig!

Um zum Anfang meiner Ausführungen, also zu Teil 1, zurückzukehren, ist es wirklich bemerkenswert, daß der Zins nach der lebensfeindlichen Katholischen Lehre „an sich“ eine Todsünde ist. „An sich“, weil sich heute aus wirtschaftlicher Vernunft kein Katholik daran hält. (Offiziell galt das katholische Zinsverbot nur bis 1820.) Selbst in streng islamischen Ländern, wo man das (in diesem Fall natürlich koranisch begründete) Zinsverbot tatsächlich bis heute durchsetzt, kommt es zu Arrangements, die den Zins nur hinter kreativen Wortschöpfungen verbergen. Zinsen werden dann halt als irgendwelche „Gebühren“ verbucht und diese Verbuchung erfolgt so, daß der Zinscharakter möglichst kaschiert wird.

Wie begründen Katholen ihr an sich vorhandenes Zinsverbot, das dann in einer katholischen ständestaatlichen klerikal-faschistischen Gesellschaft vielleicht eines Tages wieder Realität werden wird? Die Scholastiker folgten Aristoteles: Zinsen seien unnatürlich (weil etwas Lebloses „Kinder“ bekommt) und unmoralisch (weil Privatleute „Steuern“ einziehen, die nicht der Allgemeinheit zugutekommen); natürlich auch Augustinus (man verdiene etwas am bloßen Verstreichen des Mysteriums Zeit, was letztendlich gotteslästerlich ist) und schließlich Thomas von Aquin (unmoralisches Einkommen, da ohne Arbeit erlangt). Diese vier Argumente kann man in einem Begriffsfeld zusammenführen: Zinsen sind sündig, unmoralisch, verwerflich, verworfen, unsolide, ausschweifend, frivol, hemmungslos, lasterhaft, schamlos, liederlich, sittenlos, unzüchtig, verdorben, lose. Zinsnehmen ist wie Hurerei und dieser muß Einhalt geboten werden! Der Katholizismus muß dem lebendigen Leben selbst Einhalt gebieten! Deshalb der Negativzins, das Gegenteil des orgonomischen Potentials. Ursprünglich benutzte man für „Zins“ das urdeutsche und ursprünglich neutral konnotierte Wort „Wucher“ (wuchernde Vegetation). Heute könnte man entsprechend beim Negativzins von „Zerfall“ (der Misthaufen) sprechen.

Übrigens: schon sehr bald werden wir unter dem katholischen Marienbanner (blau mit zwölf goldenen Sternen) der EU Geld aufgedrückt bekommen, das ganz nach dem Geschmack von Papst Franziskus ist: den programmierbaren Digitalen Euro, der, frei nach Gesell, ein Verfallsdatum haben wird, vor allem aber ein moralisches Gewissen – beispielsweise wirst du vielleicht nur noch ein Kilogramm Fleisch im Monat kaufen können.

Geschäftsbanken werden wegfallen und das ganze Kreditwesen wird zu einer politisch bestimmten Zuteilungswirtschaft werden wie einst in der DDR. An und für sich sind wir bereits soweit, denn um heute überhaupt noch an Kredite zu kommen, müssen die Firmen ihre politische Korrektheit signalisieren. Deshalb ja auch die absurden Werbekampagnen mit Negern und Tunten, die zwar die eigentlichen Kunden eher befremden, wenn nicht sogar abschrecken, aber die Geldgeber im Hintergrund bei Laune halten: erst Moral signalisieren, dann Geld!

Wir bewegen uns vom Kapitalismus in die Planwirtschaft, in der alles von der Politik bestimmt wird, wie schon heute bei der endabsurden „Klimawende“ des Kinderbuchautors. Das wird man daran sehen, daß Preise wie einst in der DDR keinerlei Steuerfunktion mehr haben werden. Im (verzerrt) arbeitsdemokratisch geprägten Kapitalismus signalisieren beispielsweise fallende Getreidepreise, daß die Ernte voraussichtlich gut sein wird, die ökonomischen Kapazitäten woanders hingelenkt werden können/müssen und daß für schlechte Ernten Getreidevorräte angelegt und haltbare Getreideprodukte vorproduziert werden. Genauso ist es mit dem Zins bestimmt. Das Zinssignal ist sogar das wichtigste Element der Wirtschaft überhaupt: fällt der Zins, bedeutet das, daß die Produktionskapazitäten nicht ausgelastet sind und man deshalb investieren sollte. Wird der Zins aber künstlich niedriggehalten oder gar negativ, „um die Wirtschaft in Gang zu halten“, entstehen Überkapazitäten; „Blasen“, die irgendwann platzen. Genau das sind die Krebstumoren aufgrund des erwähnten „Zerfall“. Die Pestratten verwandeln diese Gesellschaft in einen Misthaufen!

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 79)

3. September 2023

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Die Weltverschwörung gegen die weiße Rasse, die als einzige Rasse auf diesem Planeten ständig „bereichert“ werden soll und per definitionem weder Opfer des Rassismus noch des Genozids (Umvolkung, DAS SCHLIMMSTE ALLER DENKBAREN VERBRECHEN!) sein kann, – diese Verschwörung hat zwei Aspekte:

Erstens wird die Gesellschaft gnadenlos atomisiert. Jede funktionierende Nachbarschaft im Stadtteil, auch die entlegenste Dorfgemeinschaft, selbst die letzte organisch gewachsene gesellschaftliche Einheit muß zersetzt und letztendlich zerschlagen werden: ideologisch („Selbstverwirklichung“) und materiell (Kapitalinteressen).

Zweitens sollen wir uns immer abwegigeren „Sachen“ unterordnen, d.h. „platonischen Ideen“ wie „der Menschheit“: aktuell verkörpert durch die Masseneinwanderung.

Charles Konia hat diese dialektische Dichotomie aus bindungsloser Vereinzelung und sozialistischer Zentralisierung als „antiautoritäre Gesellschaft“ bezeichnet.

Aber steht der Name „Max Stirner“ nicht als Signum unter der kompletten molekularen Vereinzelung voller egomanischer „einzigartiger“ Paradiesvögel, die beispielsweise frei ihr Geschlecht wählen können und frei sind von jeder zufälligen völkischen Identität?

Nehmen wir zunächst eine andere Frage: Warum wurde Bernd Laska (im großen und ganzen) von den Reich-Leuten und den Stirner-Leuten gleichermaßen abgelehnt?

Bei den Reich-Leuten lag es daran, daß er das Ausweichen ins „Kosmische“, d.h. ins Universale (sei dies nun im Sinne des Marxismus oder im Sinne der „Esoterik“), verunmöglichte und penetrant auf den aufklärerischen Kern von Reichs Denken verwies: die Selbststeuerung.

Die Stirner-Leute (ebenso die paar LaMettrie-Leute), die fast durchweg die eigene Verkorkstheit (beispielsweise bzw. insbesondere Homosexualität) mit dem Eintreten für die „Eigenheit“ verteidigen wollten, wurden durch Laska daran erinnert, daß diese ihre vermeintliche „Eigenheit“ doch nur Ausdruck der verinnerlichten (Un-) Kultur sind. Selbstgesteuerte Menschen sind alles andere als partikular („bunt“), sondern universal im Sinne von „kulturlos“ – schlicht einfach, biologisch.

Es gibt keinen Platz für Laska! „Laska“ steht für den Kampf zwischen denen, die sich selbst (ihre Eigenheit und ihr Eigentum, also Volk und Land) lieben und jenen, die sich selbst hassen. Ich vs. Über-Ich!

Die biologische Fehlrechnung in der Ökonomik (Teil 2)

2. September 2023

Der klassischen Ökonomik zufolge hat die jeweilige „triebhafte“ Selbstsucht der Einzelnen in seiner Gesamtwirkung eine positive Folge für die Gesellschaft als ganzer. Letztendlich würden sich alle Interessen ausgleichen, wenn man davon absieht, daß ab und an der eine oder andere bei diesem Spiel aller gegen alle unter die Räder kommt. Das Problem ist nur, daß sich in der realen Welt letztendlich nichts ausgleicht, sondern alles in wenigen Händen akkumuliert, bis das Spiel in sich zusammenbricht – so wie es Marx, die Österreichische Schule und neuerdings Gunnar Heinsohn analysiert haben.

Laut der Marxschen Mehrwerttheorie ist es das Grundwesen des Kapitals sich zu akkumulieren und damit den Kapitalismus (die Konkurrenz) schließlich selbst aufzuheben. Die Österreichische Schule weist darauf hin, daß das in unserem neofeudalistischen System von den Zentralbanken gedruckte Geld zunächst an die Großbanken und Hedgefonds geht, die das sofort in der realen Wirtschaft investieren, womit sie die Preise künstlich hochtreiben, so daß die nachgeordneten Empfänger des Zentralbankgeldes angesichts der gestiegenen Preise in die Röhre blicken, die Reichen ohne jedweden realen Beitrag zur Wirtschaft immer reicher werden und schließlich das vollkommen kopflastig gewordene System kollabiert. Ähnlich bei Heinsohn: die Karten (Eigentumstitel) werden verteilt und das Monopoly-Spiel ist zuende, wenn schließlich alle Karten in einer Hand sind (Monopol). Zwangsläufig muß es zum kataklystischen Great Reset kommen und das Spiel beginnt von vorn.

Bei all diesen Theorien wird das biosoziale Grundproblem außer acht gelassen, daß die Menschen eben nicht nach ihren eigenen Interessen handeln, also gar nicht „egoistisch“ sind, und schon gar nicht solidarisch („altruistisch“) handeln. Sie sind nämlich eben nicht Herr im eigenen Haus, d.h. ihr Ich ist ständig vom Über-Ich fremdbestimmt. Der Kapitalakkumulation geht eine sozusagen „Moralakkumulation“ voran: die Inkorporation der gesellschaftlichen Vorgaben in Gestalt des Über-Ich. LaMettrie beschreibt die „Moralakkumulation“ wie folgt:

Hier [bei der „Moral der Natur“] braucht man sich den angenehmen Impulsen der Natur nur zu überlassen; dort [bei der künstlichen Ethik] muß man sich verkrampfen und gegen sie ankämpfen. Hier genügt es, sich nach sich selbst zu richten, das zu sein, was man ist, und sozusagen sich selbst zu ähneln; dort muß man gegen seinen Willen den anderen ähneln, muß man leben und fast sogar denken wie sie. Welch ein Betrug! (Philosophie und Politik, S. 10f)

DAS und nichts anderes ist der Kern jedweder ökonomischen Ausbeutung! Aktuell können wir diese „Moralakkumulation“, und wie sie zur „Kapitalakkumulation“ wird, unmittelbar beobachten. Im Rahmen der Political Correctness wird radikal alles durchmoralisiert, selbst harmloseste Witze werden zum Tabu, die heutigen Jugendlichen sind „moralischer“ als je zuvor – und das dient unmittelbar den Superreichen.

Durch die Panzerung (das Über-Ich ist der psychische Aspekt der Panzerung) bilden sich sekundäre Triebe aus, die nach (Ersatz-) Befriedigung verlangen, gleichzeitig werden die Menschen so domestiziert, daß sie bei diesem Spiel mitmachen. Das ist m.E. der Kern von Reichs 1933 verfaßter Massenpsychologie des Faschismus. Seine kommunistischen Gegner haben das damals intuitiv erfaßt und Reich mit einem Todesbann belegt (ähnlich wie es die Katholische Kirche getan hatte), während Reich selbst sich immer noch als treuer Marxist betrachtete.

Indiana Jones 5

5. Juli 2023

Der neue Indiana Jones-Film, der fünfte und letzte in der Reihe, ist aus fünferlei Gründen absolut bemerkenswert. Wie kaum etwas anderes bildet er den BIOENERGETISCHEN Zustand unserer gegenwärtigen Gesellschaft ab:

1. Wenn man ihn mit den ersten Teilen vergleicht, fällt sofort ins Auge, daß diese mit Lichtkontrasten, Perspektive, Schattenwurf spielten und dabei ganz offensichtlich auf eine Tradition aufbauten, die auf den deutschen Expressionismus, der den Stummfilm beeinflußte, und weiter zurück auf Rembrandt und die gesamte Bildsprache seit der Renaissance zurückgriff. Der jetzige Film hingegen ist vollkommen flach, und zwar in jeder denkbaren Beziehung, ausgeleuchtet wie eine Kühlkammer. Im Vergleich der Filme wirkt das, als solle die Auswirkung einer extremen AUGENPANZERUNG dargestellt werden.

2. In den ersten vier Teilen hatten die Actionszenen eine Funktion im Plot. Sie wirkten wie Improvisationen in einem Jazz-Stück, die zwar eben das sind, Improvisationen, aber doch der vorgegebenen melodischen, harmonischen und rhythmischen Struktur folgen und diese sogar weiter akzentuieren und bestärken. Im fünften Teil hingegen sind die Actionszenen sinn- und funktionslose Materialschlachten. Was fehlt ist die KOORDINATION. Wir sehen unmittelbar ein Abbild des gesellschaftlichen Zerfalls, der vor allem ein bioenergetischer Zerfall ist (das formgebende, „morphogenetische“ Feld dünnt aus und kollabiert).

3. Die gesamte Komposition, der Plot des Films, macht keinen Sinn. Figuren tauchen auf und verschwinden wieder, die keine Rolle spielen, die Teile bzw. Akte des Dramas, sind vollkommen desproportioniert und am Ende weiß man gar nicht, was das ganze überhaupt sollte. Indiana Jones ist zu den alten Römern und Griechen zurückgekehrt, um Adolf Hitler das Leben zu retten, die ihn 1969 umbringen wollten – oder so ähnlich. Was bleibt ist vollkommene SINNLOSIGKEIT.

4. Der einzige Sinn und Zweck dieses fast dreistündigen kompletten Schwachsinns scheint es zu sein die Hauptfigur, den „alten weißen Mann“, lächerlich zu machen und zu dekonstruieren, sämtliche Autoritäten zu entzaubern und aus der Welt eine in jeder Hinsicht perspektivlose, d.h. ANTIAUTORITÄRE Utopie zu machen: flach, struktur- und damit hierarchielos, kontrast- und schattenlos, desorganisiert und ohne Sinn und Verstand.

5. Als wäre das nicht genug, wird die Gegenspielerin/Mitstreiterin von Indiana Jones, die eindeutig zu einer Art „Indiana Jane“ für zukünftige Folgen des Films aufgebaut werden soll, als eine veritable Psycho- bzw. SOZIOPATHIN dargestellt und zwar als eine, mit der sich das Publikum identifizieren soll. Ein vollkommen empathie- und gewissenloser, dafür aber „cooler“ und allen normalen Sterblichen haushoch überlegener Homo novis, der sich nie in Frage stellt, keine innere Entwicklung hat und vor allem von Anfang an absolut unfehlbar ist. Wir sind so weit, daß der Emotionelle Pest-Charakter quasi offiziell zum Leitbild der Gesellschaft erklärt wird!

Indiana Jones 5 ist das perfekte Abbild, die perfekte Propaganda und der perfekte Katalysator für die Endstufe der menschlichen Zivilisation: die antiautoritäre emotionale Wüste. Willkommen in der DOR-Hölle!

Von den Massen lernen, heißt siegen lernen

29. Juni 2023

Ich habe mich damit beschäftigt, wie der Dialog buchstäblich unsere menschliche (menschengemachte) Umwelt erschafft. Das wirkt weniger fremdartig, wenn man sich vergegenwärtigt, daß das gesamte Universum Produkt eines „Dialogs“, d.h. von Dialektik ist: alles, wirklich ausnahmslos alles, läßt sich mit orgonometrischen Gleichungen beschreiben, weil die Bifurkation und das Gemeinsame Funktionsprinzip das Wesen des Universums selbst ausmacht.

Letztendlich wird alles von orgonotischen Prozessen, der Orgonenergie selbst, bestimmt. Das gilt auch für Gesellschaft, Ökonomie und Politik. Wie Reich in Menschen im Staat ausgeführt hat, ist der Geschichtsprozeß nichts weiter als Bewegung der Orgonenergie. Warum war Reich zu seiner Zeit so erfolgreich und warum ist die gegenwärtige Orgonomie so erfolglos? Weil Reich auf bereits existierenden Wellen auf den Ozean der Massen ritt, während die gegenwärtige Orgonomie versucht Wellen zu erzeugen, was sowohl lächerlich als auch größenwahnsinnig ist. Verliere nie den Kontakt zu den Massen, sonst bist du verloren. Ich meine nicht opportunistischen Populismus, der eh nur kurzfristigen Erfolg bringt, sondern den Kontakt zu den „revolutionären“ Unterströmungen bzw. allgemein zum fortschreitenden gesellschaftlichen Prozeß, was mit einem dauerhaften Erfolg einhergeht.

Reich zufolge muß man wissen, wohin sich die Massen bewegen werden, bevor diese selbst es wissen, und somit ihr natürlicher Führer sein. Es geht um orgonotischen Kontakt, um das, was man gemeinhin „politisches Gespür“ nennt. Das gilt nicht nur für die Politik, sondern natürlich auch für die Wirtschaft. Zu wissen, was die Kunden wirklich wollen, bevor sie überhaupt wissen, daß sie es wollen! Das ist der Schlüssel zum Erfolg in der Wirtschaft wie auch in der Politik. Das ist es, was man „Menschen inspirieren“ nennt.

Natürlich kann es in der Politik nicht darum gehen, irgendwelchen läppischen „Trends“ zu folgen, sondern freiheitliche („revolutionäre“) Impulse zu registrieren und ihnen zum Bewußtsein ihrer selbst zu verhelfen. Die Gesellschaft ist krank und strebt danach die natürliche Selbstregulation wiederherzustellen. Was Not tut, kann man nicht aus Büchern lernen, man kann keine „Theorien umsetzen“, ohne sich lächerlich zu machen, sondern man kann nur das tun, was jeder Orgonom tut, wenn er beispielsweise den Reichschen Bluttest durchführt: die orgonotische Strömung selbst beobachten. Im gesellschaftlichen Bereich ist das „Labor“ die Straße, der Arbeitsplatz, die Familie, das gesellschaftliche Leben selbst. Der einzige Unterschied ist, daß man den „dialektischen“ (orgonomisch-funktionalistischen) Blick hat und ein möglichst unverzerrtes Gespür für orgonotische Prozesse, die im Gesellschaftsleben zum Ausdruck kommen (Erstrahlung, Anziehung, Expansion, Kontraktion, Puls, Welle, Ladung, Entladung, Assoziation, Dissoziation, Bifurkation, Fusion, Transformation, Homogenität, etc.).

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 70)

28. Juni 2023

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Meines Erachtens gibt es zwei Aspekte von „Tiefe“. Einen vertikalen Aspekt, bei dem es um den Kontakt mit dem „tiefliegenden“ bioenergetischen Kern geht. Aber es gibt auch einen „horizontalen“ Aspekt der Tiefe – die Tiefe des Raumes: 1. wie weit kannst du sehen; 2. siehst du alternative Perspektiven; 3. wie gehst du mit der einfachen Tatsache um, daß du, was immer du auch tust, stets im perspektivischen Zentrum stehst?

Wir alle kennen das, daß wir Kontakte verlieren, weil das Gegenüber immer oberflächlicher wird. (1) Er sieht nicht, daß er mit dem Kontaktabbruch seine eigenen Zukunftsmöglichkeiten beschneidet. (2) Er ist der beschränkte Kleine Mann, der nur seine eigene Sichtweise sieht – er erkennt seine eigene Kleinheit nicht und wird deshalb ungerecht. (3) Er hat eine infantile Einstellung und sieht sich selbst als Mittelpunkt des Universums mit allmächtigen magischen Kräften, statt das Leben als Herausforderung zur Selbstregulierung zu nehmen.

Tiefe kann nur in ihren zwei oder besser gesagt vier Aspekten richtig verstanden werden: Wo befindest du dich strukturell? In der sozialen Fassade? In einer Fassade, die nur ein Vorwand für die sekundäre Schicht ist? In der sekundären Schicht? Im Kern, der durch die sekundäre Schicht verzerrt wird? usw. Plus: 1. Wo stehst du in deiner Entwicklung? a. Bist du ein Kind (Freiheit) oder ein verantwortungsbewußter Erwachsener, der zukünftige Konsequenzen sieht; sieht, was am Horizont liegt und näher kommt? b. Kannst du dich in eine andere Person hineinversetzen, d.h. die Perspektive wechseln? c. Aufgrund deiner bloßen Existenz und Wahrnehmungsfähigkeit stehst du in jedem Augenblick im Mittelpunkt des Universums. Macht dich das solipsistisch und oberflächlich, oder macht es dich wahrhaft lebendig? Für mich sind das die vier Aspekte der Tiefe. Ein Baby zum Beispiel ist ganz Kern, aber es steht am Anfang seiner Entwicklung. Ein manipulierender EP-Charakter ist in der Lage, die Perspektive zu wechseln, um Menschen zu manipulieren, aber er ist völlig von seinem Kern abgeschnitten usw.

Die vier Aspekte des Mangels an Tiefe sind ein Gesamtpaket. Man nehme etwa Amerika, das nur noch Fassade ist („Image“), völlig unverantwortlich (man denke etwa die außer Kontrolle geratene Gelddruckerei), ideologisch („woke“) und größenwahnsinnig (Ukraine, Taiwan).

Bei Punkt 4 meiner Definition von Tiefgründigkeit (das Zentrum des [oder vielmehr deines] Universums zu sein) war ich mir selbst nicht sicher, was das überhaupt bedeutet. Nun, es wird in diesem Lied ausgedrückt:

Als ich jung war, war ich der netteste Kerl, den ich kannte. Ich dachte, ich wäre der Auserwählte. Aber die Zeit verging und ich fand ein oder zwei Dinge heraus. Mein Glanz verblaßte mit der Zeit. Ich dachte, ich lebte das perfekte Leben. Aber in den einsamen Stunden, wenn die Wahrheit zu beißen beginnt, dachte ich an die Zeiten, in denen ich mich abwandte und alles abwürgte. Ich bin doch kein netter Kerl. Als ich jung war, gab es keine Alternative zu mir. Ich war sicher, alles im Griff zu haben, aber die Zeit verging und ich verlor mich in dem, was ich vorfand. Die Beweggründe verblaßten, der Weg wurde unsicher. Ich dachte, daß ich das Leben auf die einzig mögliche Art und Weise lebte. Aber als ich sah, daß das Leben mehr als nur der nächste Tag war, wandte ich mich um und las die Schrift an der Wand. Ich bin doch kein netter Kerl. Ich bin doch kein netter Kerl. In all den Jahren, die du zwischen deiner Geburt und deinem Tod verbringst, stellst du fest, daß es viele Zeiten gibt, in denen du hättest innehalten sollen. Es ist ein ziemlicher Schock, wenn dieser Trip dich schließlich zu Fall bringt.

Wie einer der Kommentatoren unter dem Video schrieb: „Ich liebe die Lyrics. Es ist ziemlich tiefgründig. Im Grunde genommen geht es um den Kern des Erwachsenwerdens: Du stellst fest, daß du nicht das Zentrum des Universums oder die Hauptfigur in einer Geschichte bist. In Wirklichkeit bist du vielleicht der Bösewicht in der Geschichte von jemand anderem.“ Werde erwachsen!

Wie die Emotionelle Pest in Amerika Legitimität erlangte

13. Juni 2023

Wie die Emotionelle Pest in Amerika Legitimität erlangte

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 68)

6. Juni 2023

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Eine moralische Sichtweise hat in der Orgonbiophysik nichts zu suchen. Es ist nicht die Frage, ob etwas „gut“ oder „böse“ ist, sondern ob es gesund oder ungesund ist, d.h. das Lebendige fördert oder unterdrückt. Von daher macht beispielweise der Satz, daß „der Mensch von Natur aus gut ist“ keinen Sinn. Mit Stirner könnte man nämlich eher sagen, daß der Mensch von Natur aus ein Verbrecher ist! Der Satz „Der Mensch ist von Natur aus gut“ bedeutet doch letztendlich, der Mensch ist gesellschaftskompatibel, d.h. moralisch. Deshalb sei Freiheit möglich, Zusammenarbeit, Glück, Prosperität ohne Zwang etc. Aber darum geht es halt nicht! Es geht nicht um „Freiheit“, sondern mit Stirner um EIGENHEIT. Jeder Mensch vertritt von Natur aus seine eigenen Interessen und ist deshalb „verbrecherisch“ bzw. „böse“ gegenüber der Gesellschaft.

Stirners Gedanke war es, daß trotzdem eine Gesellschaft möglich ist, weil diese „Eigenheiten“ miteinander kompatibel sind. Ein Gedanke, der sich entstellt und andeutungsweise auch bei Nietzsche ausmachen läßt mit dem: die Welt ist Wille zur Macht und nichts außerdem. Nur daß bei diesem die unendlich vielen Machtzentren (die unendlich vielen „Willen zur Macht“) in alle Ewigkeit ein sadomasochistisches Hin und Her ausfechten. Diese Vorstellung entspricht einer Welt, in der die Individuen durch das Über-Ich in eine unendlich sich variierende Vielfalt zersplittert – ist. Die bunte Vielfalt der Neurosen, die früher die Psychoanalytiker so faszinierte und die heute als „Diversität“ gefeiert wird. Aber ohne Über-Ich gäbe es DIESE Vielfalt gar nicht!

Also: wenn jemand sagt: „Der Mensch ist von Natur aus gut“, dann heißt das, daß er tolerant ist und die Vielfalt der Neurosen toleriert. Tatsächlich ist aber das exakte Gegenteil gemeint: der Stirnersche Mensch rebelliert „böse“ gegen diese Vielfalt. LaMettries auf „tugendhafte“ Weise wollüstige Mensch, Stirners „Einziger“ (!) und Reichs genitaler Charakter – ist eine Einfalt; die Einfalt des „Menschentiers“ (Reich), das nicht mehr ist als ein „bohnenförmiger Membransack voller pulsierender Orgonenergie“. Aus der Sicht der bunten Welt ist das das absolut Böse. Heute wird gegen dieses der „Diversität“ entgegenstehende Böse härter angekämpft als jemals zuvor. Sozusagen: „Für diese LSR-Schwurbler ist der Mensch von Natur aus Nazi! Der Mensch ist aber von Natur aus gut, nämlich – divers.“

Reich hat das mal gegenüber seiner Sekretärin und zeitweisen Geliebten Lois Wyvell sehr schön zum Ausdruck gebracht: die meisten Menschen gehen wie ein Bär, ein Fuchs, ein Hase etc., während nur ganz wenige Menschen wie – Menschen gehen. Tendenziell können nur die letzteren „tugendhafte Lust“ (LaMettrie) empfinden, nur sie sind Eigner ihrer selbst, nur sie sind orgastisch potent.

Die Frage, nach der ursprünglichen „Gutheit“ des Menschen wurde nicht zuletzt durch die Erbsündenlehre hoffnungslos verkleistert. Diese wird nur von der von Augustinus beherrschten Westkirche vertreten, während die Ostkirche, der Islam, das Judentum sie ablehnen. Auch dort „ist der Mensch von Natur aus gut“ bzw. in der Orthodoxie erben wir nicht eine „Schuld“ von Adam, sondern den Tod, der uns anfällig für die Sünde macht.

Im Anti-Seneca schreibt LaMettrie: „Den Nerven fehlt eine Triebfeder, um angenehme Modifikationen festzuhalten: stattdessen besitzen sie eine, die die unangenehmen bewahrt“ (S. 151). Das macht uns anfällig für Panzerung. (Man siehe nur mal Reichs entsprechende Ergebnisse in seinen bio-elektrischen Experimenten von 1935!) Der Mensch erbt zwar nicht „von Natur“ irgendeine Schuld (Über-Ich), aber eine unglückliche Anfälligkeit… Deshalb kann man nicht schlichtweg sagen „Der Mensch ist gut.“

Es gibt Menschen mit weniger gut ausgebildeten „Spiegelneuronen“, Problemen mit dem Frontalhirn, etc. Genauso wie es von Natur aus friedlichere und angriffslustigere Schäferhunde aus ein und demselben Wurf gibt. Nichts wird jemals perfekt („gut“) sein. Ähnlich argumentiert auch LaMettrie mit den Kenntnissen eines Mediziners aus dem 18. Jahrhundert. Und seine Antwort war ähnlich „ökonomisch“ (sexualökonomisch, „energieökonomisch“) wie die Reichs: Zähmung durch „tugendhafte Lust“.

David Holbrook, M.D.: DIE SCHULD FÜR PANZERUNG / VERGEBUNG

16. April 2023

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Uns selbst und einander die Schuld für individuelle und gesellschaftliche Panzerung geben

Vergebung

David Holbrook, M.D.: AUTORITÄT, AUTORITARISMUS UND ANTIAUTORITARISMUS

29. März 2023

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Autorität, Autoritarismus und Antiautoritarismus