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Der orgonomische Funktionalismus und die Linke

27. Oktober 2018

Das einzige und definitiv letzte Computerspiel meines Lebens habe ich Anfang der 1990er Jahre gespielt. Irgendwas mit „Leisure Suite“ oder so. Das ganze endete nach dem allerersten Versuch mit einem veritablen Wutanfall. Ich laß mir nicht von einer Maschine (also einem Sklaven!) sagen, was ich zu tun oder zu lassen habe! Ich weiß also nicht wirklich, was ein „NPC“ ist, ein „non-playbale character“ in Computerspielen. Jedenfalls sind die Antworten von NPCs automatisiert und man kann keine Beziehung mit ihnen aufnehmen. „NPC“ ist das wohl effektivste „Meme“, das Libertäre und Rechte a la Alex Jones je geschaffen haben, um die linken Zombies in ihre Schranken zu weisen:

Wie in diesem sehr interessanten Video gezeigt wird, sind die heutigen Antifa- und Social Justice Warrior-Linken nicht mehr in der Lage Muster wahrzunehmen. Musterwahrnehmung ist nämlich „rassistisch“. Menschen zu kategorisieren, ist in ihren Augen menschenverachtend und führt schnurstraks zu „Auschwitz“. Ostasiaten sind überall erfolgreich und sind nie für irgendjemanden ein Problem, während Muselmanen hingegen immer ein Minusgeschäft für die aufnehmende Gesellschaft sind. Mustererkennung! Für die Linke purer Faschismus!

Weil Linke nicht funktionell denken können (Mustererkennung!), können sie keine Witze erzählen („Sitzen ein Deutscher, ein Ire und ein Jude in einem Ruderboot…“) und können keine Meme erzeugen. Wenn sie das letztere versuchen, schießen sie sich dabei stets ins eigene Bein! Hier ein Beispiel, mit dem sie Alex Jones fertigmachen wollten – tatsächlich wurde es zu DEM Werbevideo FÜR Alex Jones:

Wie Elsworth F. Baker gezeigt hat, sind Linksliberale und erst recht Sozialisten zu allererst einmal Kollektivisten mit einer Einheitsmeinung. Es sind graue NPCs, die nur vollkommen zusammenhanglos und mißplaziert das nachplappern können, was die anderen sagen; letztendlich, was ihre Führer ihnen sagen. Es ist schier unmöglich mit ihnen zu diskutieren, weil das eigenständiges Denken erfordern würde, was wiederum mit der Entfremdung von ihrem Insektenstaat, also ihrem sicheren Tod einhergehen würde. Spricht man sie an, wenden sich diese hilflosen Kreaturen ab oder sie fangen an wie Hare Krischnas zu chanten: „Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda!“ oder ein anderes ihrer peinlichen Mantras. NPCs:

Hier ein weiterer Versuch mit gestörten bzw. schlecht programmierten NPCs zu kommunizieren: http://www.pi-news.net/2018/10/video-interview-mit-gegen-demonstranten-von-pegida-dresden/

Zwei Arten von Humor

13. August 2018

Es gibt die individuelle Panzerung und es gibt die gesellschaftliche Panzerung. Sie erzeugen einander. Gepanzerte Individuen schaffen sich eine entsprechend gepanzerte Gesellschaft, die wiederum Individuen sich abpanzern läßt. Ein Beispiel für individuelle Panzerung ist das maschinenartige Verhalten von Zwangscharakteren, ein entsprechendes Beispiel für gesellschaftliche Panzerung ist das Kafkaesk-maschinenartige Agieren der Finanzbehörden, die absurden Vorschriften folgen, die von absurden Parlamenten, Produkte absurder Wahlen, erlassen und von absurden Gerichten interpretiert werden.

Entsprechend den beiden Arten von Panzerung gibt es zwei Arten von Humor. Da wäre zunächst der „Roboter“. Frei nach Henri Bergson müssen wir über das Lachen, von dem wir erwarten, es würde sich lebendig verhalten, das sich dann aber unbeholfen wie eine Maschine verhält. Mr. Bean ist nur deshalb so komisch, weil sich hier ein Erwachsener wie ein 12jähriger benimmt. Entsprechend lachen wir über Babys, die, da die Koordination noch nicht ausgebildet ist, sich bei ihren ersten Gehversuchen tapsig bewegen. Das erklärt auch, warum wir ausgerechnet Roboter als „niedlich“ empfinden können und über sie lachen. Wie im Film WALL-E ist hier eine Maschine als Lebewesen mit Augen, Händen, etc. angelegt, doch verhält es sich wie – eine Maschine. Daß sie zu allem Überfluß noch etwas vollkommen Absurdes tut, nämlich einen verlassenen Planeten „aufzuräumen“, ist eine weitere Dimension der Komik.

Oder nehmen wir die komischste Fernsehserie, die je gedreht wurde: Fawlty Towers. Der Hotelbesitzer Basil versucht verzweifelt sich gemäß den absurden gesellschaftlichen Vorgaben zu verhalten und stolpert dabei von einer Peinlichkeit in die andere. Das Leben verfängt sich hoffnungslos in eine Maschinerie, die denkbar unlebendigen Gesetzmäßigkeiten folgt. Daß der arme Basil selbst zwangsneurotisch bis zur Halskrause ist, rundet das ganze ab.

Wir können (müssen) über Dinge lachen, die imgrunde tragisch und todtraurig sind, weil es Hoffnung gibt, daß sich das Lebendige gegen den maschinellen Schwachsinn eines Tages doch durchsetzen wird. Das Lachen gefriert, wenn wir realisieren, daß das tapsige Kleinkind behindert ist und niemals seine Gliedmaßen fließend und frei wird koordinieren können. Wir hören auf zu lachen, wenn der „post-apokalyptische Aufräumroboter“ die letzten überlebenden Menschen zerstückelt und auf der Müllhalde entsorgt oder wenn Basil endgültig austickt und seine Hotelgäste massakriert. Wir hören auf über den vollkommen absurden Pseudostaat „Bundesrepublik“ zu lachen, wenn wir realisieren, daß wir mit unseren Steuergeldern unsere eigene Umvolkung finanzieren und wir bereits mit einem Bein im Gefängnis sitzen, wenn wir das Wort „Umvolkung“ nur erwähnen!

Die Komik stirbt aber schon vorher, nämlich dann, wenn die Political Correctness es unterbindet, daß wir über Maschinenhaftes lachen. Wenn die Humorlosigkeit um sich greift, hat die Maschine gewonnen und das Lebendige wird schließlich von Aufräumrobotern entsorgt werden.

Witzigkeit kennt keine Grenzen!

9. Juli 2017

Charlie Chaplin wird geliebt, weil er das ewige Kind ist – das erwachsene Kind ohne jede Spur von Würde. Es fällt auf wieviel seines Humors darauf beruht, der Würde der Männer mit hohen Hüten einen Dämpfer zu versetzen. Übrigens ist es interessant, daß den Kindern in Summerhill Charlie gleichgültig ist, ob das aber auf ihrer neuen Einstellung zur Würde beruht, kann ich nicht sagen. (A.S. Neill: The Problem Teacher London, Herbert Jenkins Limited, 1939, S. 88)

Neill schrieb das Ende der 1930er Jahre. Heute in der anti-autoritären Gesellschaft geht es uns ähnlich wie den Summerhill-Kindern damals: niemand, buchstäblich niemand, kann mehr über Charlie Chaplin lachen. Seine Komik funktionierte nur in der autoritären Gesellschaft. Wir lachen heute über Mr. Bean! Was ist der Unterschied zwischen beiden?

Charlie Chaplin war ein Kind des 19. Jahrhunderts. Die Menschen nahmen sich noch selbst ernst; lachten nicht über sich selbst. Worüber sie lachten war die Umkehr der Machtverhältnisse, d.h. daß der geborene Verlierer „der Würde der Männer mit hohen Hüten einen Dämpfer versetzt“. Es ist ein Humor der subversiven Umkehr („ein Kleinkind pafft an einer Havannazigarre, ein dicker Unternehmer saugt am Schnuller“), der nur in einer autoritären Gesellschaft funktioniert, weil er den Druck nimmt.

Dem Gesunden ist dieser „karnevalistische“ Humor, der letztendlich doch dem Erhalt der Klassengesellschaft dient, ziemlich gleichgültig, da er grundsätzlich nur über einen einzigen Aspekt lachen kann, nämlich wenn sich das Lebendige mechanisch verhält. Dem Ungepanzerten erscheint alles Gepanzerte als grotesk und schlichtweg zum Lachen.

Erst recht gleichgültig ist dem Gesunden aber der Humor eines Mr. Bean, der das Mechanische vertritt, das sich mechanisch verhält. Mr. Bean ist ein Kind der Zeit nach etwa 1960, entsprechend spricht aus seinem Humor die Selbstverachtung: ein Trottel benimmt sich wie ein Trottel. Die antiautoritäre Gesellschaft identifiziert sich politisch korrekt mit dem Mechanischen.

Die Gleichgültigkeit des Gesunden gegenüber dem „Humor“ des Gepanzerten beschreibt Neill im Zusammenhang mit den Theaterbesuchen von Summerhill-Kindern. Das Publikum platzt vor Lachen, Frauen gackern hysterisch, wenn Schenkel, Büstenhalter, Unterhosen und dergleichen oder irgendwas im Zusammenhang mit den Ausscheidungsfunktionen erwähnt wird. Bei den Summerhill-Kindern verzieht sich keine Miene.

Igitt: Sex, Schlamm und Ackerknecht

8. Oktober 2016

Bücherlogo

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

Igitt: Sex, Schlamm und Ackerknecht

 

 

Robert sagte 2010: Der Publizist William S. Schlamm,… rechtskonservativer Reich-Hasser
Es ist typisch für die vielen Konservativen, dass sie perverse Sexualität nicht von natürlicher Sexualität unterscheiden können und deswegen Reich missverstehen. Schlamm ist da beileibe nicht der Einzige. Der übelste Vorwurf ist, Reich hätte den sexuellen Kindesmissbrauch unterstützt.
Während die Konservativen Reich unterstellen, er fördere Perversionen, unterstellen ihm die Liberalen, er wolle eine genitale Diktatur errichten (und die Prä-Genitalität unterdrücken).

Klaus: Immer wenn ich anfing, was von Bloch zu lesen, war ich sehr gelangweilt, weil ich mich fragte, was er außer historischen Thesen zu bieten hat an allgemeinen Erkenntnissen. Und wenn da auch allgemeinere Erkenntnisse sind, kann man die kürzer und klarer zum Ausdruck bringen. Diese Standardautoren der Linken machten sich eben vierzig Jahre gut in Regalen – Suhrkamp hat ja gleich fürs Design gesorgt. Nun hatten die linken Studenten immerhin wenigstens Helden fürs Bücherregal – die gegenwärtigen haben u. a. wegen der standardisierten Veranstaltungen und Prüfungen meistens erheblich weniger Lektüreerfahrungen aus eigener Initiative. Nicht einmal mehr zum Protzen ist etwas im Regal aneinandergereiht.
Wie sehr z. B. Adorno bloß Kultstatus hatte (und z. T. noch hat) (wie mir scheint: ohne inhaltlich Umwerfendes mitzuteilen), merkte ich z. B. daran, dass in einem meiner spannendsten Seminare – über kleine Schriften Gottlob Freges – mein Nachbar einerseits heimlich, andererseits demonstrativ (Buch unterm Tisch, aber vor Seminarbeginn sichtbar) Adorno las.

Robert: Adorno hat allerdings mit die „Studien zum autoritären Charakter“ geliefert, womit er die Psychostruktur des faschistischen Charakters liefern wollte. Es hat allerdings mehr mit Sozialpsychologie statt Tiefenpsychologie zu tun. Ich bezweifele, ob er Reichs „Massenpsychologie“ gelesen hat – jedenfalls merkt man darin wenig (in der Suhrkamper Taschenbuchausgabe). Das Buch erschien 1950 als Sammelwerk in den USA.
http://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4rer_Charakter

Jonas Says:
@Robert:
Habe leider die Quelle nicht parat, erinnere mich aber gelesen zu haben, dass sich Adorno im „autoritären Charakter“ stark an Reich orientierte – auch wenn er seinen Namen nicht erwähnt. In privaten Briefen diskutiert er dies aber. Er gibt Reich den Vorzug gegenüber Erich Fromm, da letzterer den Fehler beginge, die psychoanalytische Methode direkt auf die Gesellschaft anzuwenden, während Reich psychoanalytische und soziologische Methodik nach ihren Zuständigkeitsbereichen getrennt halten will.
Das man davon zugegebenermaßen wenig merkt, ist natürlich eine andere Geschichte. Zum Verhältnis Adorno-Reich sind sicherlich Laskas Arbeiten im LSR-Projekt lesenswert (Stichwort Re-pulsions- und De-zeptionsgeschichte).

Klaus: Wie trivial es ist, was er zum irrationalen Kampf gegen jegliche Autorität zu sagen hat – eben so trivial, wie das, wogegen er argumentiert, lächerlich ist. Daher wundern mich immer die vielen Worte, die dafür gebraucht wurden.

David 2015: Der libertinistische Gegenpart zum asketisch verträumten Bloch spielte Herbert Marcuse, der Prophet des Anspruchsdenkens, der Leistungsverweigerung und der anti-genitalen polymorph-perversen Erotisierung der Gesellschaft. Alles was die Spießer von je her den fortschrittlichen Menschen fälschlich andichteten, propagierte dieses Schwein.
Und Habermas?
Der wird doch auch immer wieder erwähnt – im Zusammenhang mit der Kritischen Theorie:
Zitat Wikipedia:
Wegen der Vielfalt seiner philosophischen und sozialwissenschaftlichen Aktivitäten gilt Habermas als ein produktiver und engagierter öffentlicher Intellektueller.[2] Vom hegelianisch-marxistischen Ursprung der Frankfurter Schule hat er sich durch die Rezeption und Integration eines breiten Spektrums neuerer Theorien gelöst. Er verband den historischen Materialismus von Marx mit dem amerikanischen Pragmatismus, der Entwicklungstheorie von Piaget und Kohlberg
(ähnlich auch Loevinger – das sind doch die Stadien der moralisch-psychologischen Entwicklung des Kindes wenn ich mich nicht irre; Anmerkung von mir)
und der Psychoanalyse von Freud. Zudem beeinflusste er maßgeblich die deutschen Sozialwissenschaften, die Moral- und Sozialphilosophie. Meilensteine waren vor allem seine Theorie des kommunikativen Handelns
(kommunikatives Handeln klingt ziemlich modern, irgendwie facebook-like; nach Arbeitsdemokratie hört das sich aber gar nicht an, finde ich; Anmerkung von mir)
und, wiederholt inspiriert durch die diskurstheoretische Auseinandersetzung mit Karl-Otto Apel, seine Diskurstheorie der Moral und des Rechts.
Zitat Ende.
Irgendwie kommt mir das alles ziemlich „rechts“ vor und anfangen konnte ich mit Habermas noch nie was. Vielleicht konnte ich ihn noch nicht einmal verstehen.

Robert 2011: Zu Daniel Cohn-Bendit ein informativer Artikel von Bettina Röhl:
Vom Wutbürger zum Machtbürger
Daniel Cohn-Bendit ist eine Art Überpräsident der 68er Bewegung. Seine pädophilen Entgleisungen schaden ihm nicht. Jetzt schwingt er sich zum Oberrichter über Demokratie, Verfassung und die Schweiz auf. Von Bettina Röhl
http://fact-fiction.net/?p=5646#more-5646

Dazu Peter: Bei den lesenswerten Leserbriefen habe ich folgenden interessanten Link gefunden:
http://wireltern.eu/news/die-paedophilenpartei.html
Ich werde niemals soviel fressen können, wie ich kotzen möchte.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger weist Forderungen aus der CSU nach höheren Mindeststrafen für sexuellen Kindesmissbrauch ab.
Im „Hamburger Abendblatt“ nannte die FDP-Politikerin die geforderte Strafverschärfung für jede Form von sexuellem Missbrauch „reine Symbolpolitik“.
http://www.rp-online.de/politik/deutschland/Justizministerin-gegen-schaerfere-Strafen_aid_949153.html
Ja, es ist symbolisch, daß in diesem Land Diebstahl härter bestraft wird als die Zerstörung einer Kinderseele.

O.: So wie Dieter E. Zimmer im Zeit-Artikel WR interpretiert und dieses Verständnis als das der 68-er hinstellt, wird den Studenten unterstellt sie wollten oder konnte WR nicht verstehen. Aber auch in den 90-ern wurde Reich in Belzig und Berlin in Reich-nahen Kreisen noch als Freifahrtschein zum Ficken missverstanden. Die meisten Reich-Schüler waren aber noch zu verklemmt, um überhaupt mal Sex zu haben, so musste sie dann bei den etwas lockeren sozialisierten Ex-DDR-lern/-innen sich abschauen, wie man einfach mal sich mit jemandem zum Sex verabreden kann.
Also auch in Berlin wurde noch geglaubt, bei „Reich-Lese-Unkundigen“, die aber durch Vorträge glaubten etwas vom genitalen Charakter verstanden zu haben, man müsse nur ficken und frei fließen. Die Eingeweihten wussten natürlich, dass das nichts bringen würde und das man ohne Therapie ohnehin nicht vorankäme.
Das Problem war aber vielmehr eine taugliche Therapie zu finden, wo doch niemand weit und breit eine Ahnung davon hatte … und so beißt sich die „sexuelle Revolution“ noch in ihren eigenen „Schwanz“ – wenn sie einen hat.

Peter 2015: Erneute Hetze von Rechts gegen Reich – angestachelt durch das linke Gesindel…
https://charismatismus.wordpress.com/2015/06/02/linksanarchistische-kinderladen-der-68er-revolutionare-befreiung-durch-kindersex/

Wilhelm Reich und das Judentum (Teil 3)

28. März 2016

Die Griechen, Gnostiker und Christen gingen davon aus, daß das Geistige dem Körperlichen übergeordnet sei, dagegen lehrt die jüdische Kabbala, der hebräischen Bibel folgend, die Ebenbürtigkeit. Der Mensch ist sein Körper! Eines der Wesenszüge der Kabbala ist die Verpflichtung zum Humor und zur Lebensfreude. Das Hauptgebot ist, glücklich zu sein. Die Kabbala kennt weder Askese noch Kasteiung. Sie ist eine weltfreudige Mystik.

In der jüdischen (im Unterschied z.B. zur griechischen) Tradition war niemals die Rede von sexueller Askese (mit den Essenern und den frühen zionistischen Pionieren als einziger Ausnahme). Die Kabbala ist kraß antizölibatär. Der Liebesakt heiligt den Körper. Nur durch die sexuelle Vereinigung ist göttliche Vollkommenheit erlangbar. Erst in der leidenschaftlichen Liebesvereinigung ist der Mensch ganz Mensch: ein Leib und eine Seele. Genauso wie in der Orgonomie im gemeinsamen gleichzeitigen Orgasmus aus zwei Organismen energetisch ein einziges Orgonom wird. Es ist die Quelle aller religiösen Sehnsucht nach Einheit mit „Gott“.

Für die Kabbala ist Sexualität göttlich. Damit ist keine spiritualistische Pseudosexualität gemeint. Auch geht es nicht nur um die Erzeugung von neuem Leben, vielmehr zählt vor allem der reine Lustgewinn. Dies macht die Kabbala einmalig in der mystischen Tradition der Welt (einschließlich dem vom Koitus reservatus geprägten Tantra und Taoismus). Hier ist eine der Quellen für die gemeinste, widerwärtigste Form der antigenitalen Emotionellen Pest: der Antisemitismus.

Leider hat sich Reich vollständig von den spirituellen Traditionen des Judentums ab und der christlichen Tradition zugewandt. Scheinbar war ihm nie bewußt, wie nah doch die Kabbala seinen eignen Ansichten kommt. Und was Reichs Vorliebe für Christus als Verkörperung des Genitalen Charakters betrifft, hat sich die moderne Kabbala ausdrücklich auf den „Rabbi Jesus“ berufen, der von der Last des Gesetzes befreite und sich so von den Priestern abhob, so wie später der Kabbalist vom orthodoxen Talmudisten.

Die Kabbala vertritt eine quasi funktionelle neuplatonische Schöpfungslehre mit Gott als der „Wurzel aller Wurzeln“, die sich durch Emanation stufenweise in „10 Sephiroth“ entfaltet. „Proto-Orgonomen“ wie Bruno und Goethe (die beide das Christentum mehr oder weniger verachteten) haben sich eingehend mit der Kabbala befaßt und sind nicht zuletzt dadurch dem späteren Orgonomischen Funktionalismus sehr nahe gekommen.

Reichs Haupteinfluß, Freud soll, David Bakan zufolge, ebenfalls stark von der Kabbala geprägt worden sein (Sigmund Freud and the Jewish Mystical Tradition, Princeton, NJ 1958). Bakan sieht die Psychoanalyse in einer revolutionären, „antigesetzlichen“ kabbalistischen Tradition. Es ist wohl unumstritten, daß er hier einer fixen Idee aufgesessen ist und sich in dieser Hinsicht in haltlosen Spekulationen verfangen hat. Was seine Analyse trotzdem interessant macht, ist die Tatsache, daß Reichs Orgonomie weitaus besser mit Bakans Behauptungen harmoniert als Freuds Psychoanalyse – obwohl natürlich auch Reich in keinster Weise von der „mystischen Tradition“ des Judentums beeinflußt wurde.

Die offensichtlichste Verbindung zwischen Psychoanalyse und Kabbala sei, so Bakan, daß auch die letztere versucht, in einer „Wortanalyse“ hinter die oberflächliche Bedeutung der Wörter zu blicken. Über den großen Kabbalisten Abraham Abulafia (geb. 1240) schreibt Bakan:

Das psychologische Ziel, das Abulafia verfolgte, war, „die Seele zu öffnen, die Knoten, die sie binden, zu lösen.“ Dies beruhte auf der Vorstellung, daß die inneren Kräfte des Menschen infolge seines gewöhnlichen, täglichen Lebens in Anspruch genommen (bound in) werden. In Abulafias Schriften gibt es die Vorstellung, daß diese Knoten darin einen Wert haben, daß sie das Individuum davor bewahren, von den Strömen des Kosmos übermannt zu werden. Wenn jedoch das Individuum Kontakt mit dem göttlichen Strom haben will, ist es notwendig, daß die Knoten gelöst werden. (ebd., S. 76)

Dies überschreitet die Psychoanalyse und verweist auf die Charakteranalyse und Orgontherapie.

Auch durch die ganze Denkmethode weist die Kabbala über die Psychoanalyse hinaus zur funktionellen Charakteranalyse. Bakan erwähnt Abulafias kabbalistische Methode des „Springens“, die stark an den Orgonomischen Funktionalismus gemahnt. Er zitiert dazu den Kabbala-Kenner Scholem:

Tatsächlich ist dies nichts weiter als eine sehr bemerkenswerte Methode, die Assoziation als Meditationsweg zu benutzen. Es ist nicht ganz das „freie Spiel de Assoziierens“, wie es die Psychoanalyse kennt; vielmehr wird der Übergang von einer Assoziation zur anderen von bestimmten Regeln bestimmt (…). Jeder „Sprung“ öffnet eine neue Sphäre, die von bestimmten formalen, nicht materiellen Charakteristiken gekennzeichnet ist. (ebd., S. 77)

Man denkt sofort an das systematische Vorgehen der Charakteranalyse und an das Wechseln von einem Funktionsbereich zum anderen aufgrund funktioneller („formaler“) Identität.