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Emotionen sprechen lauter als Worte (Teil 3)

1. Februar 2019

in die klinische Theorie der Orgonomie mit einer Diskussion einiger paralleler Funde in der modernen Neurowissenschaft und Psychotherapie von David Holbrook, M.D.

 

ERGEBNISSE DER ZEITGENÖSSISCHEN NEUROWISSENSCHAFT UND PSYCHOTHERAPIE, DIE PARALLEL ZUR ORGONOMISCHEN PERSPEKTIVE VERLAUFEN

Es gibt heute Wissenschaftler und Psychotherapeuten, die nicht unbedingt mit der Orgonomie vertraut sind, aber Aspekte der Emotion, des Nervensystems (einschließlich des ANS), der Geist-Körper-Beziehung und der Beziehung zwischen verbalen und nichtverbalen Bereichen beschreiben, die in gewisser Weise Befunde aus der Orgonomie unterstützen oder parallel zu ihnen verlaufen.

Reich war Schüler von Sigmund Freud. Freuds Theorien waren zu Beginn seiner Karriere viel körperorientierter als später, als Freud die Ich-Psychologie entwickelte. Zum Beispiel definierte Freud den „Trieb“ als „psychischer Repräsentant der aus dem Körperinnern stammenden, in die Seele gelangenden Reize, als ein Maß der Arbeitsanforderung, die dem Seelischen infolge seines Zusammenhanges mit dem Körperlichen auferlegt ist“ (Freud 1915). Eine interessante Entwicklung war vor kurzem die Gründung eines Forschungsgebiets namens „Neuropsychoanalyse“ durch Mark Solms, einem Neuropsychologen und Psychoanalytiker. Solms gründete 1999 eine Zeitschrift mit dem Titel Neuropsychoanalysis und hat eine Reihe von Büchern zu diesem Thema verfaßt (siehe beispielsweise Solms 1997; Solms und Turnbull 2002; Kaplan-Solms und Solms 2002; Pace-Schott, Solms et al 2003). Solms hat neurowissenschaftliche Beweise geliefert, die viele Ansichten der Freudschen Psychoanalyse unterstützen, insbesondere die Freudsche Traumtheorie. Solms betont insbesondere neurowissenschaftliche Beweise für den Primat der Emotionen bei der Arbeit des menschlichen Gehirns und der Psyche. Da jede Diskussion über Emotionen dazu neigt, irgendwann eine Diskussion über den Körper einzubeziehen, führt Solms Betonung der Emotion zu einer Art Neurowissenschaft, die den Körper nicht vollständig ausläßt. Beispielsweise schreibt er:

„… die Operation der Viszera [d.h. der inneren Organe des Körpers] … bildet die Grundlage unserer fundamentalen Antriebe oder ‚Triebe‘ (wie Freud sie nannte), und Veränderungen in unseren Trieben werden vor allem als Emotionen erfahren … Das limbische System [die Teile des Gehirns, die Emotionen verarbeiten] als Ganzes kann als ‚Assoziationsbereich‘ für viszerale Informationen betrachtet werden. Die Wahrnehmung von viszeraler Information wird bewußt als das Fühlen von Emotionen registriert und (durch Assoziation) als Reminiszenzen in Form von: ‚Ich habe das gesehen, und es hat mich dazu gebracht so zu empfinden‘“ (Solms und Turnbull 2002, S. 28-29). Solms beschreibt die „… einheitliche Erfahrung des Bewußtseins…“, indem er erklärt: „… was unsere äußeren Wahrnehmungen miteinander verbindet, ist die Tatsache, daß sie auf unseren inneren Wahrnehmungen beruhen – die wiederum Wahrnehmungen unseres körperlichen Ichs sind” (S. 74f). „Emotionen ähneln einer Sinnesmodalität – einer nach innen gerichteten Sinnesmodalität, die Aufschluß über den aktuellen Zustand des Körperselbst gibt …“ (S. 105). Wir können hier Resonanzen mit Reichs Sichtweise feststellen.

Im Bereich der Neurowissenschaften im allgemeinen kam es in den letzten 20 bis 30 Jahren zu einem zunehmenden Interesse an Emotionen (siehe beispielsweise Lewis 2008; Panksepp 1998; Panksepp, Biven 2012) und deren Beziehung zum Körper (Mate 2003). Sogar Kognitionspsychologen und Kognitionsneurowissenschaftler, die sich bislang ausschließlich auf das Gehirn konzentrierten, haben nun Modifikationen der kognitiv-psychologischen Theorie entwickelt, die einen wachsenden Bezug zum Körper beinhalten. Zum Beispiel gibt es jetzt eine Theorie der sogenannten „verkörperten Erkenntnis“ (siehe zum Beispiel Lakoff und Johnson 1999), die eine Betrachtung des Körpers und seiner geistigen Repräsentation in die Theorie der kognitiven Verarbeitung einbezieht. Mit dem Konzept der verkörperten Kognition theoretisieren Kognitionsneurolinguisten nun, daß alle Sprachen auf metaphorischen Ausgestaltungen grundlegender Grundbegriffe und Konzepte basieren könnten, die sich auf die Position des Körpers im Raum beziehen (siehe Lakoff und Johnson 1980, 1999; Johnson 1987; Lakoff 1987). Die Metapher selbst ist zu einem Lieblingsthema in psychoanalytischen Zeitschriften geworden, weil sie als etwas betrachtet wird, was eine Brücke zwischen Denken, Emotion und Körper darstellt (siehe beispielsweise Fonagy und Target 2007; Modell 2009; Rizzuto 2001).

Die Kognitivisten, die zunächst psychologische Modelle vorschlugen, die bewußte kognitive Prozesse als Primärphänomene und emotionale Prozesse als fast ausschließlich durch Kognitionen hervorgerufene Sekundärphänomene behandelten, mußten ihre Sichtweisen im Licht ihrer eigenen Forschung ändern (siehe beispielsweise Barlow 2002, S. 37-63). Während Freud von einem „dynamischen Unbewußten“ sprach, sprechen Kognitionspsychologen heute von einem sogenannten „adaptiven Unbewußten“ (siehe zum Beispiel Gladwell 2005), das in vielerlei Hinsicht dem dynamischen Unbewußten ähnelt, obwohl sie Sexualität und Aggression bei der Diskussion zu vermeiden scheinen. Jedenfalls haben moderne psychologische Forscher nun endlich angefangen mit Freud gleichzuziehen, denn sie schätzen, daß 95% unserer Handlungen unbewußt bestimmt sind (Bargh und Chartrand 1999).

 

Literatur

  • Bargh J, Chartrand T 1999: The unbearable automaticity of being. American Psychologist 54:462-479
  • Barlow D 2002: Anxiety and Its Disorders, 2nd Edition. New York: The Guilford Press
  • Johnson M 1987: The Body in the Mind: The Bodily Basis of Meaning, Imagination, and Reason. Chicago: University of Chicago Press
  • Fonagy P, Target M 2007: The rooting of the mind in the body: new links between attachment theory and psychoanalytic thought. Journal of the American Psychoanalytic Association 55(2): 111-156
  • Freud S 1915: Triebe und Triebschicksale. Kleine Schriften II. Kapitel 22
  • Gladwell M 2005: Blink. The Power of Thinking Without Thinking. New York: Little, Brown and Company
  • Kaplan-Solms K, Solms M 2002: Clinical Studies in Neuropsychoanalsis, 2nd Edition. New York: Karnac Books
  • Lakoff, G. 1987. Women, Fire, and Dangerous Things: What Categories Reveal About The Mind. Chicago and London: University of Chicago Press
  • Lakoff G, Johnson M. 1980: Metaphors We Live By. Chicago and London: University of Chicago Press
  • Lakoff G, Johnson M 1999. Philosophy in the Flesh: The Embodied Mind and Its Challenge to Western Thought. New York: Basic Books
  • Lewis M, Haviland-Jones J, Barret L (Eds.) 2008: Handbook of Emotions, 3rd Ed. New York and London: The Guilford Press
  • Mate G 2003: When the Body Says No: Exploring the Stress-Disease Connection. Hoboken, New Jersey: John Wiley & Sons, Inc.
  • Modell A 2009: Metaphor – the bridge between feelings and knowledge. Psychoanalytic Inquiry 29:6-11
  • Pace-Schott E, Solms M, Blagrove M, Harnad S 2003. Sleep and Dreaming: Scientific Advances and Reconsiderations. Cambridge: Cambridge University Press
  • Panksepp J: 1998. Affective Neuroscience. Oxford: Oxford University Press
  • Panksepp J, Biven L 2012: The Archeology of Mind: Neuroevolutionary Origins of Human Emotions. New York: W.W. Norton and Company
  • Rizzuto A 2001: Metaphors of a bodily mind. Journal of the American Psychoanalytic Association 49(2):535-568
  • Solms,M 1997: The Neuropsychology of Dreams
  • Solms M, Turnbull O 2002: The Brain and the Inner World: An Introduction to the Neuroscience of Subjective Experience. New York: Other Press [Dies ist tatsächlich eine hervorragende allgemeine Einführung in die Neurowissenschaften für Laien und eine interessante Übersicht auch für Wissenschaftler.]

 

Dieser Text aus dem Jahre 2013 wurde mit Genehmigung von Dr. Holbrook seiner Facebook-Seite entnommen und übersetzt.

Die Atemsperre aus Sicht der Neurowissenschaft

14. Dezember 2016

Für die Orgonomie ist Einatmen funktionell identisch mit einer Kontraktion des Organismus, die wiederum funktionell identisch ist mit Furcht und „ängstlicher Aufmerksamkeit“. Das sympathische Nervensystem wird aktiviert. Deshalb wird in der Orgontherapie so viel Wert auf ein intensives Ausatmen durch den Mund gelegt. Wird das Kind auf eine lust- und lebensfeindliche Weise von den Eltern behandelt, entwickelt es eine chronische Einatmungshaltung und wird zeitlebens von dem heimgesucht, was ihm vor langer Zeit widerfahren ist.

Christina Zelano (Northwestern University) et al. haben entdeckt, daß der Atemrhythmus, ob wir ein- oder ausatmen, die elektrische Aktivität im menschlichen Gehirn beeinflußt und damit das emotionale Urteilen und das Erinnerungsvermögen. Damit wurde erstmals das zentrale Element der Orgontherapie, die Rolle der Atemsperre (chronische Einatmungshaltung, Sympathikotonie) mit dem Zentralen Nervensystem in Zusammenhang gebracht. Die Hirnaktivität schwankt mit der Atmung.

Die Forscher entdeckten einen dramatischen Unterschied in der Hirnaktivität in der Amygdala und im Hippocampus beim Einatmen im Vergleich zum Ausatmen. Wenn man einatmet, stimuliert man das limbische System, insbesondere Neuronen im olfaktorischen Cortex, in der Amygdala und im Hippocampus, d.h. in Hirnbereichen, in denen Emotionen, insbesondere Angst, Gedächtnis und Gerüche verarbeitet werden.

Ausgehend von dieser Entdeckung forderten die Wissenschaftler Versuchspersonen auf, sich möglichst schnell zu entscheiden, ob Gesichter, die man ihnen vorlegte, entweder Angst oder Überraschung zeigten. Während des Einatmens erkannten sie ängstliche Gesichter schneller als während des Ausatmens. Bei Gesichtern, die Überraschung ausdrücken, gab es diesen Unterschied nicht. Außerdem wurde der Effekt geringer, wenn die Probanden durch ihren Mund atmeten.

In einem zweiten Experiment, das darauf abzielte, die an den Hippocampus gebundene Gedächtnisfunktion zu untersuchen, wurden denselben Versuchspersonen Objekte auf einem Computerbildschirm gezeigt, die sie sich einprägen sollten. Die Erinnerung war später besser, wenn die Bilder während des Einatmens gesehen wurden. Auch hier verminderte die Mundatmung den Effekt.

Die beiden Experimente werden evolutionär erklärt: wenn man in Gefahrensituationen schneller atmet, gewinnt das Einatmen im Vergleich zum Ausatmen an Gewicht, d.h. man atmet insgesamt länger ein. Das Hirn wird entsprechend beim Einatmen besser aktiviert, weil man schnell auf Gefahrensituationen reagieren muß. Es wird auch auf das „aufmerksame Atmen“ bei der Mediation verwiesen: durch das verstärkte Einatmen „synchronisiert man die Hirnschwingungen über das ganze limbische Netzwerk hinweg“.

„Freudo-Marxismus“ (Teil 1)

12. Januar 2015

Ende der 1920er Jahre betrachtete Reich seine „Fortführung“ von Freuds Theorien, denen zufolge das Über-Ich nicht aus dem Es hervorgegangen ist, wie Freud behauptet hatte, sondern aus der Umwelt stammt, als „Grundlage einer umwälzenden Kritik sämtlicher moraltheoretischer Systeme“. Wie Bernd Laska seit Jahrzehnten aufzuzeigen versucht, war das der alles entscheidende Bruchpunkt zwischen Freud und Reich. Politische Auseinandersetzungen waren nur vorgeschoben und Reichs verlogene „Rehabilitierung“ als Antifaschist nur Ablenkung vom Wesentlichen. Reich fährt fort:

Ohne hier diese für die gesellschaftliche Kulturbildung entscheidende Frage aufzurollen, kann vorläufigerweise festgestellt werden, daß bei gesellschaftlicher Ermöglichung der Bedürfnisbefriedigung und der ihr entsprechenden Wandlung der menschlichen Strukturen die moralische Regulierung des gesellschaftlichen Lebens in gleichem Maße fortfallen muß. Die letzte Entscheidung liegt nicht im psychologischen, sondern im Bereich der soziologischen Prozesse, die zur sozialistischen Planwirtschaft führen. (Charakteranalyse, Köln 1989, S. 235)

Für Freud war das Über-Ich (die Moral) letztendlich biologisch bedingt, während für Marx der Mensch ein gesellschaftliches Wesen war, also bei ihm für individuelle, „autonome“ Selbststeuerung kein Platz war. Freudisten und Marxisten haben mit entsprechenden Abhandlungen ganze Bibliotheken gefüllt, um diese beiden Punkte darzulegen! Von daher war Reichs „Freudomarxismus“ von Anfang an eine Farce. Reich selbst rechtfertigte sich u.a. damit, daß Freud die Moral, d.h. die Frage nach „gut“ und „böse“, psychologisch entzaubert („Gott“ = Vater-Imago) und Marx sämtliche Moralvorstellungen historisiert hatte. Schließlich überwand Reich sowohl den psychologischen als auch den soziologischen Ansatz unter biologischen Vorzeichen:

Es geht (…) nicht darum, ob der Mensch in der Tiefe ein „gutartiges“ oder ein „bösartiges“ Tier ist. Wir haben es nicht mit Moraltheologie zu tun. Wir wollen wissen, welche Stellung der Mensch in seinen „guten“ wie „bösen“ Trieben in der Gesamtnatur einnimmt, da er ein Stück davon ist. Dies ist unser Standort der Untersuchung. (Äther, Gott und Teufel, Frankfurt 1983, S. 23f)

Entsprechend ist orgonomische Soziologie vor allem eins: Biologie. Dies kann man an einer der zentralen Aussagen Reichs zum Thema festmachen, die oberflächlich widersprüchlich, d.h. „freudo-marxistisch“ wirkt, tatsächlich aber den Freudomarxismus überwindet:

Es ist unschwer zu erkennen, daß die verschiedenen politischen und ideologischen Gruppierungen der menschlichen Gesellschaft den verschiedenen Schichten der menschlichen Charakterstruktur entsprechen. Wir verfallen natürlich nicht dem Fehler der idealistischen Philosophie, anzunehmen, daß diese menschliche Struktur von aller Ewigkeit in alle Ewigkeit unwandelbar besteht. Nachdem soziale Umstände und Veränderungen die ursprünglichen biologischen Ansprüche des Menschen zur Charakterstruktur geformt haben, reproduziert die Charakterstruktur in Form der Ideologien die soziale Struktur der Gesellschaft. (Die Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 12)

Na was denn nun? Formt die Charakterstruktur die Gesellschaft (idealistische Psychologie) oder formt die Gesellschaft die Charakterstruktur (materialistische Soziologie)? Die Antwort ist, daß dem ganzen etwas Drittes zugrundeliegt: die Biologie bestimmt Charakterstruktur und Gesellschaft. Das wird dadurch evident, daß die Charakterstruktur etwas Biologisches ist (Drosselung der organismischen Orgonenergie) und daß die Gesellschaft sich insbesondere in der Kinderstube reproduziert, wo sich alles um die Befriedigung instinktiver biologischer Bedürfnisse dreht.

Bereits in der ersten Auflage der Massenpsychologie des Faschismus zeichnete sich diese Sichtweise ab, als Reich beispielsweise wie folgt Freud mit Marx verband:

Der autoritäre Staat hat als seinen Vertreter in jeder Familie den Vater, wodurch sie sein wertvollstes Machtinstrument wird. Die Stellung des Vaters gibt seine politische Rolle wider und enthüllt die Beziehung der Familie zum autoritären Staat. Die gleiche Stellung, die der Vorgesetzte dem Vater gegenüber im Produktionsprozeß einnimmt, hält er selbst innerhalb der Familie fest. Und seine Untertanenstellung zur Obrigkeit erzeugt er neu in seinen Kindern, besonders seinen Söhnen. Aus diesen Verhältnissen strömt die passive, hörige Haltung der kleinbürgerlichen Menschen zu Führergestalten. (Die Massenpsychologie des Faschismus, 1933, S. 84)

Für Freud hingegen, war die Stellung des Vaters quasi ein platonisches (angeblich „biologisches“) „Urphänomen“, das unter allen denkbaren Umständen wieder zum tragen kommt. Und für Marx entspricht die heutige Familie den aktuellen Produktionsverhältnissen; werden die verändert, ändert sich ganz materialistisch auch die Familie. Für beide ist alles gut, so wie es ist.

psysozbio

Als Reich in Wien und später in Berlin seine „Sexualökonomie“ entwickelte, versuchte er, wie der Name schon sagt, Freuds Psychoanalyse und Marx‘ „polit-ökonomische Analyse“ miteinander zu verbinden. Dies stellte sich als persönliche Katastrophe für Reich heraus, die ihn früh ergrauen ließ und die schließlich zu seiner Inhaftierung und seinem Tod im Gefängnis führte.

Das Zerstörungswerk dieser beiden Gruppen am Reichschen Lebenswerk setzt sich bis heute fort. Und das weniger durch Angriffe, sondern ganz im Gegenteil durch Anbiederung und „Einbindung“.

Bei aller unbestreitbaren historischen Kontinuität muß doch gesagt werden, daß die Orgonomie imgrunde das Gegenteil der Psychoanalyse und aller aus ihr hergeleiteten Therapieformen ist!

Diese „Bewußtseinstechniken“ wirken, weil die Energie, die sich in neurotischen Symptomen geäußert hat, im „Charakter“ gebunden wird (Panzerung). Siehe dazu Die Massenpsychologie des Buddhismus.

Matthew Lieberman und seine Kollegen an der University of California in Los Angeles haben mit bildgebenden Verfahren die Gehirnaktivität von 30 Probanden analysiert, die auf Bilder blickten, auf denen Gesichter gezeigt wurden, die bestimmte Emotionen zum Ausdruck brachten. Sie mußten zwischen zwei Namen, einem weiblichen und männlichen, je nach dem Geschlecht der Person, deren Gesicht zu sehen war, und zwischen zwei Wörtern wählen, um die Emotion richtig zu benennen. Beim Auswählen des Namens traten keine nennenswerten Veränderungen auf, doch beim Benennen der Emotion wurde eine Region im präfrontalen Cortex, dem „obersten Kontrollzentrum“, aktiviert, die mit dem In-Worte-fassen von emotionalen Erfahrungen assoziiert ist. Entsprechend reduzierte sich die Aktivität im „triebhaften“ Limbischen System, der Amygdala. Bei jenen Probanden, die Meditation und andere „Bewußtseinstechniken“ ausüben, traten diese Veränderungen besonders stark hervor. Sie haben sich im Griff, indem sie ganz im Hier und Jetzt bleiben und beispielsweise zu sich sagen: „Ich bin wütend“ – und sich so von eben dieser Wut distanzieren.

Dieser Effekt tritt schon auf, wenn wir beim Anblick eines wütenden Gesichts das Wort „wütend“ sagen. Deshalb ist es auch hilfreich über seine Gefühle zu sprechen. Sie werden auf diese Weise „bewältigt“. Ein Gutteil der Psychotherapien funktioniert auf diese Weise.

Lieberman beschreibt dies wie folgt:

Wenn [das Gesicht] mit dem Wort „wütend“ bezeichnet wird, stellt man eine verminderte Reaktion in der Amygdala fest. Wenn es hingegen mit dem Namen „Harry“ bezeichnet wird, ist keine Reduktion in der Amygdala-Reaktion zu sehen. Wenn man Gefühle in Worte faßt, aktiviert man diese präfrontale Region und es ist ein vermindertes Ansprechen der Amygdala zu sehen. Es ist wie beim Treten auf die Bremse, wenn Sie bei der Ampel das gelbe Licht sehen: wenn man Gefühle in Worte faßt, ist es als trete man bei der emotionalen Reaktion auf die Bremse.

Wir alle kämpfen mit unseren Emotionen und Gefühlen. Ein Zen-Meister wird sagen: bilde einen freien Raum zwischen dir und der störenden Emotion und laß sie dich nicht beherrschen. (Letztendlich sollen wir uns nicht nur von unseren Ängsten, sondern auch von unseren Sexualtrieben lösen, um „frei zu sein“!) In der Orgontherapie lernt man genau das Gegenteil: komme in Kontakt mit Deinen Gefühlen. Du wirst merken, daß je mehr du dich ihnen überläßt, sie desto angenehmer und „beherrschbarer“ werden.

Die üblichen Psychotherapien sind im tiefsten Sinne „reaktionär“, weil sie nicht Energien befreien, sondern binden.

Das gleiche gilt für den Marxismus und die Theorien, die sich aus ihm ableiten. Auch hier dreht sich alles um „Kontrolle“ (das „Über-Ich“). Was soll das mit Wilhelm Reich zu tun haben?! Siehe Teil 2. Hier sei noch angemerkt, daß der Nebensatz, „die zur sozialistischen Planwirtschaft führen“, im ersten Zitat oben von Reich aus der von ihm höchstpersönlich redigierten Übersetzung ins Amerikanische (1945) ersatzlos gestrichen worden war. Daß dies von den Nachlaßverwaltern erneut in den Text gesetzt wurde, ist ein Skandal! Siehe dazu Das Wilhelminische Reichmassaker.

Lebenshilfe im NACHRICHTENBRIEF (Teil 2)

30. Oktober 2012

Hinter dem Krach der Gedanken und dem Gewirr der Gefühle, die unser Inneres beherrschen, findet sich unser wahres Wesen, das mit dem wahren Wesen des Universums eins ist: die Stille. – Das beschreibt in etwa den Kerngehalt der „Weisheiten“, mit denen uns Osho, Sai Baba, Da Free John, Eckhart Tolle, der Dalai Lama, Zen-Meister, die Gurus der Hare Krishna-Bewegung, etc. pp. beglücken. Es besteht kein Anlaß, diese „Lehre“ per se in Frage zu stellen. Offensichtlich macht sie Menschen glücklich, die ansonsten kaum Glück finden könnten.

Wir alle kennen das befreiende Gefühl, wenn wir uns voller Sorgen wegen einer Nichtigkeit abhetzen, plötzlich inne werden und uns selbst sagen: „Was mache ich hier eigentlich!“ Die „Weisheitslehren“ sind dasselbe sozusagen „im Großen“ und auf das gesamte Leben bezogen.

Das Problem bei der Sache ist nur, daß, was im Kleinen gesund und wahr ist, zu einer gewaltigen Lüge entartet, wenn es zur Lebensmaxime wird. Das Leben geht weiter, egal wie sehr wir uns bemühen, „Ruhe“ herzustellen. Die vermeintlichen „Dämonen“, d.h. Gedanken und Gefühle, insbesondere sexueller Natur, überfluten ein System, in dem alles eingeebnet wurde. Es ist kein Zufall, daß so gut wie jeder „Meister“ schließlich als Monster enttarnt wird, das kleine Jungs vergewaltigt und andere Scheußlichkeiten begeht.

Geisteskranke erkennt man u.a. daran, daß sie mit sich selbst reden. Sie sind nie im Hier und Jetzt, sondern in einer ständigen Reflexion gefangen. Genauso geht es uns: ständig reden wir mit uns selbst, „sind in unserem Kopf“. Es ist geradezu ein Wunder, daß wir bei diesem ständigen Abwägen und „Krach in unserem Kopf“ überhaupt etwas zuwege bringen. Die gesamte „östliche Weisheitslehre“ dreht sich darum, „innere Stille“ herzustellen. Das wird dadurch erreicht, indem dem Ersatzkontakt „innerer Dialog“ durch – vollendete Kontaktlosigkeit ein Ende gesetzt wird.

Warum dem „inneren Dialog“ nicht ein Ende setzen, indem er durch einen wirklichen Dialog ersetzt wird, d.h. durch Hinwendung zum Mitmenschen? Wie auch das Christentum lehrt: der Mitmensch ist die eine und einzige Weg der Erlösung. Die Liebe ist die Antwort auf alle Fragen, die Erlösung aus aller Bedrängnis. Das ist der Kern des Christentums: Gott ist Mensch geworden. Es gibt keinen anderen Weg zu Gott.

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